Mit ‘René Cardona’ getaggte Beiträge

la mujer murcielago poster batwoman

In und um Acapulco herum tauchen die Leichen kräftiger Ringer auf. Allen wurden mit chirurgischer Präzision ein Teil des Gehirns und etwas Zirbeldrüsensekret entnommen. Die Polizei tappt im Dunkeln, auch der schnell hinzugezogene Agent von „Interpoll“ weiß keinen anderen Rat, als die Hilfe einer geheimnisvollen Frau in Anspruch zu nehmen, die sich in Batwoman-Verkleidung und unter Geheimhaltung ihrer wahren Identität mit großem Erfolg der Verbrechensbekämpfung widmet. Und weil man schon ab diesem frühen Zeitpunkt bereit ist, dem Film alles abzukaufen, fällt auch der deutsche Synchroeinfall nicht weiter ins Gewicht, Batwoman als „Draculas Tochter“ auszugeben, die mit ihren Heldentaten Abbitte für die Untaten des Papas leisten möchte. Gemeinsam kommen sie dem bösen Dr. Satanas (ebenfalls deutsche Synchro) auf die Schliche, der mit seinem treuen Gehilfen Igor auf seinem Schiff „Reptilicus“ – dessen immense Größe nicht wirklich ausgenutzt wird – an der Kreation eines Fischmenschen arbeitet. Warum, das wird auch bei diesem Mad Scientist nicht so richtig klar: Einmal will er die Ursprünge menschlichen Lebens ergründen, dann wieder mit einer ganzen Armee von Fischmenschen die Weltmeere erobern. Immerhin weiß er, wie er zum Ziel gelangt: Einmal lässt er eine Puppe– nein, halt, ein Embryo! – zu einem Goldfisch in ein Aquarium sinken und bekommt einen Tobsuchtsanfall, als auch unter Einschalten wilder Blubberblasen kein Fischmensch daraus entsteht. Aber er lässt sich nicht lumpen und irgendwann verwandelt sich das Aquarium in einen Fernseher, auf dessen Bildschirm man einen Mann im Fischkostüm herumpaddeln sieht. Experiment geglückt! Als nächstes wird der Fischmac auf dem Meersboden bestrahlt, wobei die dämlichen Schergen des Professors zur Einhaltung von „Sicherheitsabstand M“ ermahnt werden. Es kommt aber trotzdem zur Balgerei unter Wasser, die nur mithilfe eines Pieptons (Strahlung!) beendet werden kann.

Auf dem Festland nimmt indessen kein Mensch besonderen Anstoß daran, dass da eine überaus attraktive Frau am hellichten Tag in einer Fledermausverkleidung herumläuft, die weite Teile ihrer prächtigen Anatomie bloßlegt. Einmal fragt Batwoman eine Frau, ob sie sie nach Hause bringen solle, doch die lehnt ganz höflich ab, schließlich werde sie ja von ihrem Freund abgeholt. So steigt Batwoman/Draculas Tochter in voller Montur wieder in ihr Auto und fährt davon. Es ist wirklich rührend, wie LA MUJER MURCIELAGO – deutscher Titel nur konsequent DRACULAS TOCHTER UND PROFESSOR SATANAS – jegliche dem Film innewohnende Sexualität nicht nur verleugnet, sondern noch nicht einmal eine Ahnung davon zu haben scheint, dass es so etwas überhaupt gibt. Noch nicht einmal die schmierigen Gehilfen Satanas‘ kommen auf die Idee, der Schönen wenigstens mal „zufällig“ an die Brust zu langen. Alle lassen höchste Professionalität walten. Immerhin kommt der Professor am Schluss auf die Idee, dem Fischmann die passende Fischfrau zu basteln, aber auch da interessiert ihn mehr, ob eine Frau die schwierige Gehirnoperation vielleicht überleben könnte, weniger ob Fischmann und -frau sich paaren. Am Ende geht natürlich alles gut aus: Der Fischmann fällt über seinen Schöpfer her, die „Reptilicus“ fliegt in die Luft und die furchtlose Heldin zeigt eine verwundbare Seite, als sie beim Anblick einer Maus in die starken Arme der nun endlich wieder überlegenen Männer hüpft.

LA MUJER MURCIELAGO ist voll mit diesen kleinen Eigenheiten, für die man solche Filme so liebt: Ständig wird viel zu viel Zeit dafür aufgewendet, dass Leute von rechts nach links ins Bild und in umgekehrter Richtung wieder herauslatschen. Unterwasseraufnahmen (Spektakel!) helfen dabei, den Film auf Länge zu bringen. Immer wieder halten Figuren inne, um das Offensichtliche zu bekakeln. Und das hysterische Mad-Scientist-Lachen darf natürlich auch nicht fehlen. Es gibt eine fantastische, wahrscheinlich bei 30 Stundenkilometern abgehaltene Verfolgungsjagd, die damit endet, dass die Verfolgte einfach stehenbleibt und sich einsammeln lässt. Bei einer Szene in der Ringerschule, aus der die Opfer stammten, ergehen sich die aus ihren besten Jahren bereits herausgewachsenen Ringer in einer Barrenübung, die von gnädigen Lehrern im Schulsport eingesetzt wird, um auch den größten Bewegungslegasthenikern noch zu einem „Befriedigend“ zu verhelfen. Einmal porkelt einer von Satanas‘ Killern – unfähige, mittelalte Männer mit Hüten – dem bewusstlosen Fischmann fasziniert am Glubschauge herum wie ein entdeckungsfreudiges Kleinkind. Und dann ist da natürlich der Fischmann selbst, ein bemitleidenswerter Schauspieler in einem hübschen Stoffkostüm mit überdimensionierter Maske. Es gibt, wie gesagt, viel Bestaunenswürdiges zu entdecken und immer wieder frage ich mich bei solchen Filmen, was damals anders war, dass erwachsene Männer sich solch einen schreienden Unsinn ausdenken und ihrem Publikum mit ernstem Pokerface vorsetzen konnten. Das Tolle an LA MUJER MURCIELAGO, das, was ihn von den kläglichen heutigen Versuchen, Grindhouse- und „Trash“-Filme zu machen, abhebt, ist die Abwesenheit jeder distanzierenden oder zur Absicherung dienenden Ironie. Wenn ich irgendwo läse, René Cardona sr. habe Zeit seines Lebens unter der Wahnvorstellung gelitten, die Welt könnte von Fischmenschen überrannt werden, und davon geträumt, nur Batwoman könne das verhindern, es würde mich nach diesem Film nicht wundern.

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