Mit ‘Rene Russo’ getaggte Beiträge

Ich hatte etwas Angst vor NIGHTCRAWLER: Alles, was ich bisher über den Film gelesen hatte, klang für mich nach Medienkritik für Freunde des Holzhammers, nach sensationalistischem Käse ohne jede Nuance und damit auch ohne jede Relevanz. Dass und vor allem wie der Film gefeiert wurde, verstärkte meine Skepsis noch. NIGHTCRAWLER schien für mich ein Paradebeispiel für eine bequeme „Gesellschaftskritik“, die sich auf ein Ziel richtet, über das keinerlei Dissens bestehen kann, und die überflüssig ist, weil mit ihr keinerlei Erkenntnisgewinn verbunden ist. Gilroys Film schien mir in jene Falle zu tappen, in die schon so viele Filme dieser Art vor ihm getappt waren: Zu verkennen, dass das Übel, auf das er aufmerksam machen will, eben nicht das Werk von gefährlichen Irren ist, sondern Teil des Systems, Ergebnis des Handelns vollkommen rational denkender Menschen. Dass NIGHTCRAWLER zu einer Zeit erscheint, in der das rückläufige Vertrauen der Menschen in die Medien ein beherrschendes Thema ist, in der der Begriff „Lügenpresse“ zum allgegenwärtigen Kampfbegriff geworden ist, den viele noch nicht einmal mehr als Polemik, sondern als Tatsachenbeschreibung verstehen, in der Medienkonsumenten sich in die Arme von Verschwörungstheoretikern und anderem lichtscheuen Gesindel flüchten, wenn sie hieb- und stichfeste Informationen suchen, machte seine „Fehler“ in meinen Augen noch größer. Am Ende haben sich meine Befürchtungen aber nur halb bewahrheitet: NIGHTCRAWLER ist nur sehr, sehr oberflächlich an etwas interessiert, das man „Medienkritik“ nennen könnte. Vielmehr handelt es sich bei Gilroys Debüt um einen geschliffenen Thriller, der sich nicht scheut, knietief im Pulp zu waten, und der sich vom Serienkillerfilm nur dadurch unterscheidet, dass er keinen Lustmörder, sondern einen Lustfilmer in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen stellt.

Der kleinkriminelle Sonderling Louis Bloom (Jake Gyllenhaal) wird eines Tages Zeuge eines schweren Unfalls und des Eintreffens eines Kamerateams, das das blutige Spektakel für das Fernsehen ablichtet. Sofort weiß er, wie er zukünftig sein Geld verdienen wird: Er besorgt sich eine Kamera und einen Polizeiscanner und fährt auf der Suche nach blutigen Sensationen durch das nächtliche Los Angeles. Dabei genügt es ihm schnell schon nicht mehr, die Katstrophen, die er vorfindet, einfach nur abzulichten: Erst beginnt er, die Bilder zu manipulieren, dann schließlich inszeniert er seine Attraktionen durch das Zurückhalten und genau getimte Ausspielen von Informationen ganz selbst. Nina Romina (Rene Russo), Nachrichtenredakteurin eines lokalen Fernsehsenders, die wegen der Quote auf saftige Bilder angewiesen ist, treibt ihren Schützling zu Höchstleistungen …

Jake Gyllenhaal interpretiert seinen Louis Bloom von Anfang an als gewissenlosen schemer, als chronischen Lügner und Schwindler, der seine aufreizende Ruhe und Selbstsicherheit auch dann nicht verliert, wenn er auf frischer Tat ertappt wurde. Er hört sich gern reden, weiß stets ganz genau, was er will, verfügt über ein gerüttetes Maß an Größen- und Omnipotenzwahn und einen erschreckenden Mangel an Moral und Gewissen. Es ist vor allem letztere Eigenschaft, die ihn für seine neue Tätigkeit prädestiniert, ihn auch da noch bedingungslos draufhalten lässt, wo andere rücksichtsvoll Distanz halten. NIGHTCRAWLER steht damit vom Start weg vor einem großen Problem: Wie bringt man den Zuschauer dazu, mit einem Protagonisten mitzugehen, der sich von Anfang an als Psychopath ohne jede menschliche Qualität erweist? Um Bloom wenigstens eine Eigenschaft zu verleihen, die es ermöglicht, sich mit ihm zu identifizieren, macht Gilroy ihn zum Künstler, genauer gesagt zum verkappten Filmregisseur. Bloom reicht es nicht aus, einfach nur draufzuhalten, er will Bilder schaffen, die den Zuschauer „ins Geschehen ziehen“, wie er sich ausdrückt. Die Wahl des richtigen Bildauschnitts, die Komposition des shots und der Rückgriff auf Kamerafahrten sollen dabei helfen, den Betrachter an den Bildschirm zu fesseln und auch den nächsten Beitrag zum Thema mit Spannung zu erwarten. Bloom sieht sich als Journalist, doch seine beruflichen Ambitionen, die er in Verkennung der Tatsache, dass er für Romina nur ein Spanner mit Camcorder ist, in einer flammenden Ansprache vor ihr offenbart, laufen zunächst ins Leere. (Der interessante metafilmische Aspekt bleibt leider weitestgehend schmückendes Beiwerk.) Blooms Charakter erinnert an den Satz Oskar Lafontaines, dass man mit den deutschen Tugenden auch gut ein KZ leiten könne: Er verfügt über durchaus beeindruckende Fähigkeiten, die aber durch den Mangel jeglicher Empathie nie zu etwas Gutem eingesetzt werden. Als er noch vor der Polizei am Tatort einer Home Invasion eintrifft und die Täter identifiziert, hat er nicht etwa die Bestrafung der Mörder im Sinn, sondern nur seine Story und wie er sie gewinnbringend ausschlachten kann. Und den Tod seines Assistenten Rick (Riz Ahmed) filmt er nicht nur mit, er initiiert ihn sogar und schlägt damit zwei Fliegen mit einer Klappe: Er wird einen Mitwisser los und hat einen spektakulären Mord auf Band.

NIGHTCRAWLER ist also – auch wenn er sich, gestützt von den tollen Bildern des nächtlichen Los Angeles‘ um eine somnambule Atmosphäre bemüht – in erster Linie ein pulpiger Thriller, der mehr als einmal bewusst die Grenze zur schwarzen Komödie überschreitet. Und als Spannungsfilm funktioniert er tatsächlich ausgezeichnet: Blooms Tour durch das Haus, in dem eben ein dreifacher Mord stattgefunden hat, ist ebenso nervenzerfetzend wie das Material, das er mitbringt, schockierend ist. Man schaut als Zuschauer in einen gähnenden, Schwindelgefühle induzierenden Abgrund, dessen Boden in der Schwärze völlig verschwindet. Jake Gyllenhaal ist toll als Louis Bloom, aber seine Figur, eine Art Hannibal Lecter des Voyeurfilmens, ist auch überaus dankbar, weil sie gar nicht den Anspruch erhebt, irgendwie „realistisch“ zu sein. Das ist dann auch die Crux des Films: Damit, dass Gilroy mit Bloom einen Wahnsinnigen als Protagonisten installiert, scheint er jemanden wie Blooms Konkurrenten Joe Loder (Bill Paxton), der eben „nur“ draufhält, als „akzeptabel“ oder als „kleineres Übel“ zu bewerten. Das Problem ist nicht so sehr, dass es überhaupt Menschen gibt, die angesichts des Leids anderer die Kamera zücken, und Fernsehsender dieses Material kaufen, sondern dass die eh schon schwammigen „Regeln“ dieses Spiels von einem Psychopathen wie Bloom noch großzügiger ausgelegt werden könnten. Es gibt wenig Grauzone in NIGHTCRAWLER: Romina kauft Bloom auch noch die größte Schweinerei ab, um ihren Posten zu retten, nicht einmal hält sie inne oder schreckt angesichts der Bilder zurück, wie das nur zu verständlich wäre. (Der einzige der das tut, hat keinerlei Macht, sie bei ihrer Entscheidung zu überstimmen.) Gilroy konstruiert einen Extremfall, was seinem Film marktträchtigen shock value verleiht, seine „Kritik“ aber ironischerweise ad absurdum führt. Wer an einer differenzierten Darstellung medialer Korrumpierbarkeit interessiert ist, wird hier eher nicht fündig. Wer aber mal wieder einen guten Psychopathenfilm mit schöner Nachtstimmung sehen will, liegt mit NIGHTCRAWLER nicht daneben.

Basic CMYKZugegeben, LETHAL WEAPON 4 ist nicht so öde und lahmarschig wie der direkte Vorgänger, aber dafür so dermaßen übersteuert, dass er kaum weniger nervtötend wirkt. Seinerzeit fand ich ihn wohl ziemlich spektakulär und aufregend, die Melange aus Action und gefühlsduseliger Familienkomödie aber schon damals streitbar, weder wirklich zufriedenstellend noch gar überzeugend. Heute, knapp 15 Jahre später stehe ich dem Film gegenüber wie ein Höhlenmensch, der plötzlich mit Lady Gaga konfrontiert wird: Ich verstehe ihn nicht. Der Film suggeriert mir, dass mir das, was ich da sehe, ein Riesenvergnügen bereiten sollte, aber je überzeugter der Film von seinem Gelingen ist, umso mehr hat er mich befremdet und abgestoßen. Da ist diese wirklich grau-en-haf-te Szene, in der Riggs (Mel Gibson), Murtaugh (Danny Glover) und ihr neuer Partner Butters (Chris Rock – weil dieser Film nichts so sehr braucht wie noch einen Spaßvogel) sich in das Behandlungszimmer einer Zahnarztpraxis schleichen, um einen dort wartenden  Verdächtigen mithilfe von Lachgas zu verhören. Natürlich bekommen auch Riggs und Co. mehr als eine Brise des Betäubungsmittels ab, und die ganze Szene endet in unbändigem Gelächter und Lachkrämpfen, die an die Darbietungen einer mittelmäßigen Impro-Theatergruppe erinnern. Die Differenz zwischen meinem Gemütszustand und dem der Protagonisten hätte während dieser Szene kaum größer sein können. Nicht nur ist das ganze Lachgas-Szenario grauenhaft altbacken ist (es hilft nichts, dass Donner seit LETHAL WEAPON immer und immer wieder die Three Stooges referenziert, um sich abzusichern): Es ist einfach erschreckend unwitzig.

Der sich in dieser Szene niederschlagende Mangel an Selbstreflexion – Richard Donner scheint mir wirklich ein bemerkenswert dummer Mensch zu sein – zeichnet den ganzen Film aus. Hat denn wirklich keiner gemerkt, dass dieser Riggs ein grotesk unsympathisches Arschloch ist, mit seiner Herablassung gegenüber Schwächeren, seinem unverhohlenen Hass auf die Chinesen, die hier das Schurkenpersonal stellen, seiner Bully-Mentalität und seinem Sexismus? Besonders ätzend gerät der unvermeidliche Auftritt der Polizei-Psychologin: Nachdem sie ihm erneut eine Therapie angeraten hat (gähn!), stellt Riggs sie vor versammeltem Polizeirevier bloß, indem er ihr sexuelles Interesse an ihm unterstellt. Klar, dass ein selbstverliebter Geck wie er sich nicht vorstellen kann, dass eine Frau aus einem anderen Grund mit ihm spricht. Und wie idiotisch sich alle verhalten! Riggs erfährt in der Eröffnungsszene von Murtaugh, dass Lorna (Rene Russo) von ihm schwanger ist, weil sie sich nicht getraut hat, es ihm selbst zu sagen. In den folgenden 120 endlosen Minuten vollführen die beiden Endvierziger einen Eiertanz um die Frage, ob sie heiraten sollen: Man fühlt sich wie im Kindergarten. Murtaughs Tochter Rianne hat ihrerseits nicht nur ihre Schwangerschaft vor ihrem Daddy geheim gehalten, sondern gleich auch noch ihre Heirat einschließlich Ehemann. Die Versuche des Inkognito-Schwiegersohns Butters, sich bei Murtaugh beliebt zu machen, missversteht dieser „natürlich“ als die Avancen eines Schwulen. Es ist wirklich beeindruckend, wie würdelos sich Erwachsene verhalten können. Oder vielmehr: Was Donner so alles für lustig hält. Alles aus ist dann am Schluss, wenn es eine rührselige Ansprache von Leo Getz (Joe Pesci) gibt, der nunmehr seit drei Filmen übelste Demütigungen und Beschimpfungen über sich ergehen lassen musste und trotzdem vor lauter Dankbarkeit fast vergeht. Die zwei, drei netten, wirklich witzigen Momente – etwa das Mantra-artig wiederholte „I’m not too old for this shit!“, eine auf-den-Kopf-Stellung von Murtaughs Lieblingsspruch, mit der die beiden ihre unleugbaren Alterserscheinungen wegbeten wollen – fallen bei der Anzahl schmerzhaft-idiotischer Einfälle kaum ins Gewicht.

Von der Actionfront gibt es leider kaum Positiveres zu vermelden. Es kracht, wie erwähnt, etwas mehr als im dritten Teil, aber wirklich mitreißend ist das alles nicht. Der Erfolg einer spektakulären Verfolgungsjagd wird massiv dadurch geschmälert, dass man Gibsons Stunt-Double allzu oft allzu gut erkennen kann, Jet Lis Martial-Arts-Künste sind weitestgehend verschenkt, zumal seine Rolle mit „eindimensional“ noch reichlich wohlwollend beschrieben ist. Nee, nee, das ist alles nichts. Vielleicht ist LETHAL WEAPON 4 einfach schlecht gealtert, vielleicht ist man bei der gerechten Einschätzung des Films auch durch Gibsons Eskapaden in den  letzten Jahren beeinträchtigt. Aus heutiger Warte kann ich mir jedenfalls kaum erklären, warum ich diesen Film nicht damals schon gehasst habe. Ein eindrucksvolles Beispiel, dass Älterwerden mitnichten bloß körperlichen und geistigen Verfall bedeutet, sondern manchmal auch mit einer begrüßenswerten Weiterentwicklung einhergeht.

lethal-weapon-3-pLETHAL WEAPON 3 ist eine Katastrophe. Ein komplett unerträgliche Angelegenheit, die alles, was man schon in den beiden Vorgängern nur ausgehalten hat, weil das Gesamtpaket stimmte, auf epische Breite auswalzt und in noch einmal runtergedummter Version präsentiert – und dabei dann auch noch vergisst, wenigstens ordentlich Rabatz zu machen. Der Film beginnt mit der besten Szene – Riggs (Mel Gibson) jagt bei dem Versuch, eine Bombe entschärfen, ein Hochhaus in die Luft – und hat danach rein gar nichts mehr zu bieten. Jener Auftakt wurde dann damals auch marketingtechnisch weidlich ausgeschlachtet: Dass man eine echte Häusersprengung als Hintergrund benutzte, empfand man seltsamerweise als erwähnenswerte News und nicht etwa als billige Abkürzung der Filmemacher. Von diesem netten Einstieg an geht es nur noch bergab. Die ganz lustige Idee, die beiden Chaos-Cops zum Streifendienst zu verdonnern, wird nach einer kurzen Szene wieder verworfen, bevor sie wirklichen Ertrag eingefahren hat (immerhin dürfen die beiden Helden auf die ihnen eigene „sympathische“ Art einen arglosen Bürger drangsalieren). Der eigentliche Plot um einen Ex-Cop, der sein Insider-Wissen nutzt, um beschlagnahmte Waffen aus der Asservatenkammer zu stehlen, und diese dann samt Teflon-durchschlagender „Cop-Killer“-Munition an Street Kids verhökert, kommt nie in die Gänge. Ständig ist irgendein anderer Schwachsinn wichtiger: Leo Getz (Joe Pesci), der sich nun als geschwätziger Immobilienmakler verdingt, Murtaughs (Danny Glover) Haus verkaufen will und nach einer harmlosen Schussverletzung auf Geheiß seiner beiden feinen Freunde Darmspiegelung und Rektaluntersuchung erhält. Die sich anbahnende Beziehung zwischen Riggs und der Internal-Affairs-Beamtin Lorna Cole (Rene Russo). Das Drama um Murtaugh, der wenige Tage vor seiner Pensionierung in Notwehr einen auf die schiefe Bahn geratenen Freund seines Sohnes erschießt. Der ganze Film ist eine Ansammlung von Satelliten-Ideen, die aufgrund des Verlustes ihres Gravitationszentrums orientierungslos im Nichts schweben, weitab der Umlaufbahn, die ihnen vielleicht einmal Sinn verliehen hat. Der Oberschurke Jack Travis (Stuart Wilson) absolviert hingegen kaum mehr als gelegentliche Gastauftritte, damit man nicht vergisst, dass LETHAL WEAPON 3 ein Actionkrimi sein soll, und gerät zur totalen Non-Entität: Seine Motivation, sein Plan, das alles ist kaum von Interesse und wird dann lediglich zwischen Tür und Angel abgewickelt, weil man es nicht einfach ganz weglassen wollte. Der Showdown in einer nicht fertig gestellten Neubausiedlung wird zwar mit viel Tamtam und Gerumms inszeniert, wirkt aber verglichen mit den Actionszenen der Vorgänger wie aus einer Videopremiere geklaut. Man mag kaum glauben, dass die Köpfe hinter der Serie, die in den vorangegangenen Installationen vielleicht nicht sonderlich inspiriert war, aber für sich doch immerhin in Anspruch nehmen konnte, das Hollywood’sche Achterbahnversprechen ohne Einschränkungen einzulösen, sich zu diesem auf allen Ebenen enttäuschenden Rohrkrepierer hinreißen ließen und dafür noch nicht einmal die entsprechende und verdiente Quittung an den Kinokassen erhielten.

Inhaltlich wird die im Vorgänger schon angedeutete Richtung indessen konsequent weiterverfolgt: Riggs bekommt endlich die Frau zur Seite gestellt, die ihn zügeln und das Wasser reichen kann. Rene Russo absolviert als schlagkräftige Polizeibeamtin fast mehr Actionszenen als Gibson und die Szene, in der die beiden ihre Narben miteinander vergleichen, ist dann auch ein weitestgehend einsamer, wenn auch wenig origineller Höhepunkt des Films. Ein regelrechtes Ärgernis stellt hingegen wieder einmal der Auftritt der Polizeipsychologin Dr. Stephanie Woods (Mary Ellen Trainor) dar, deren unermüdliche, seit dem ersten Teil währenden Bemühungen, Riggs zu einer Therapie zu überreden, mittlerweile deutlich stalkerhafte Züge annehmen. Ein besonders frappierendes Beispiel für den ätzenden Anti-Intellektualismus, Sexismus und Chauvinismus, die die Reihe zwar von Beginn an begleiten, zuvor aber noch offensiv angegangen und daher produktiv zur Wirkung gebracht werden konnten. Der dritte Teil ist nur noch spießig und borniert, dabei aber auch noch jeder kontroversen Härte beraubt (als einziger der Reihe ging er in Deutschland mit 16er-Freigabe durch). Das liegt eben daran, dass die Ausgangsidee der Serie, die Paarung eines braven Familienmanns in den besten Jahren mit einem trainierten und an Depressionen leidenden Killer, im dritten Teil längst passé ist. Klar, Riggs muss sich auch hier mal wieder schmerzhaft die Schulter aus- und wieder einrenken (noch so eine alte, aufgewärmte Idee), und ab und zu darf er noch gefährlich mit den Augen rollen, doch eine tödliche Waffe, eine Bedrohung auch für das eigene Leben, ist er längst nicht mehr. Seine Kanten sind abgeschliffen, sein Schmerz gestillt. Papa hat ihn heim ins Reich geholt, wo der Kleingeist, der er ist, gänzlich reflexionsfrei seinem Omnipotenzwahn nachgehen und seine Polizistenmacht missbrauchen darf, um all jene zu gängeln, die nicht in sein begrenztes Schema passen. Aber das größte Vergehen von LETHAL WEAPON 3 ist noch etwas anderes: Dass Donner noch nicht einmal in der Lage ist, selbst ein Mindestmaß an Interesse für diese Figuren aufzubringen oder seinen Film wenigstens mit einem Tempo zu inszenieren, bei dem einem nicht vor lauter Langeweile die Füße und die Arschbacken einschlafen.

Von dem seit Jahrzehnten titel- und erfolglosen Baseballteam der Cleveland Indians erwartet niemand mehr etwas. Doch die neue Besitzerin des Clubs, das ehemalige Las-Vegas-Showgirl Rachel Phelps (Margaret Whitton) tritt ihr Amt an, um diese Erwartungen noch zu unterbieten. Mit wenig Geld trommelt sie einen Haufen aus Sportlern zusammen, die ihren Karrierehöhepunkt entweder schon lang hinter sich haben oder aber zu schlecht sind, um überhaupt eine Karriere haben zu können. Und sie verfolgt damit einen Plan: Wenn die Zuschauerzahlen unter einen bestimmten Wert fallen, darf das Team an einen Investor verkauft werden. Einen Geldgeber im sonnigen Miami hat sie schon, jetzt fehlen noch die nötigen Misserfolge. Doch dann kommt ihr das Team in die Quere, das unerwartet seinen Spirit entdeckt …

1989, als dieser Film herauskam, habe ich selbst angefangen Baseball zu spielen, insofern hat MAJOR LEAGUE – oder DIE INDIANER VON CLEVELAND, wie er bei uns hieß – eine wichtige Rolle in meiner Jugend gespielt. Die Kopie, die ich besaß, habe ich wohl Dutzende Male gesehen: Ich liebte die Charaktere – besonders natürlich den angry young man Rick „Wild Thing“ Vaughn (Charlie Sheen), der für die Rolle des Pitchers einen starken Arm, aber leider auch einen frappierenden Mangel an Kontrolle mitbringt, aber natürlich auch den wieselflinken Willie Mays-Hayes (Wesley Snipes) und den Voodoo-Zauberer Cerrano (Dennis Haysbert), der seinen Gott anbetet, ihn endlich auch einen Curveball treffen zu lassen –, die Coverversion des Troggs-Hits „Wild Thing“, den lebhaften, aber nicht zu überdrehten Humor, die vielen vielen Spielszenen und vor allem die Gänsehaut, die sich wie bei fast allen Sportfilmen auch hier am Ende einstellt, wenn das Loserteam das Unmögliche möglich macht. Jetzt habe ich den Film zum ersten Mal überhaupt im O-Ton gesehen und auch, wenn die deutsche Synchro die Klippen der Peinlichkeit gekonnt umschifft, an denen Baseballfilme in der Übersetzung sonst häufiger zerschellen, so lohnt die Originalfassung doch allein für die unvergleichliche Stimme des Ex-Profis und Kommentators Bob Uecker, die tatsächlich Stadionatmopshäre ins Wohnzimmer holt.

Aber man muss MAJOR LEAGUE generell zu Gute halten, die 23 Jahre, die seit seinem Erscheinen vergangen sind, überraschend gut überstanden zu haben. Das liegt auch daran, dass der Film seine Charaktere bei allem Witz ernst nimmt, man mit ihnen mitfiebert, anstatt nur auf den nächsten Gag zu warten. Selbst die dramatischen Elemente, wie etwa die Bemühungen des alternden Catchers Jake Taylor (Tom Berenger), seine Ex-Frau (Rene Russo) zurückzugewinnen – ein überstrapazierter Subplot, der meist nur zum Bierholen und Pinkeln gehen animiert –, erfüllen ihre Funktion und kommen glaubwürdig rüber, anstatt nur Zeit zu schinden. Das Casting ist inspiriert, die Hauptdarsteller Berenger, Sheen, Snipes und Bernsen sind nicht weniger als perfekt in ihren Rollen, aber auch Nebendarsteller wie der erwähnte Dennis Haysbert, der unverwüstliche James Gammon, Ex-Carpenter-Regular Charles Cyphers, Margaret Whitton oder Chelcie Ross tragen zum rundum positiven Gesamteindruck bei und machen den Film besser, als er es sein müsste. Letztlich bin ich aber massiv befangen in der Bewertung von MAJOR LEAGUE. Neben dem tatsächlichen Film läuft immer meine private Vergangenheit mit und macht es mir unmöglich, ihn objektiv zu bewerten. Andererseits gibt es auch genug Beispiele, wo eine alte Liebe beim Wiedersehen der Ernüchterung weichen musste. Wahrscheinlich ist MAJOR LEAGUE doch einfach nur gut.