Mit ‘Renny Harlin’ getaggte Beiträge

bornamerican_onesheet_styleb_usa-1-500x755BORN AMERICAN ist Renny Harlins Spielfilmdebüt (er hatte zuvor vor allem Werbespots gedreht) und stellte für den damals 27-Jährigen einen Auftakt nach Maß dar: Es gelang ihm, einen US-amerikanischen Geldgeber von seinem Projekt zu überzeugen, sodass BORN AMERICAN nicht nur eine immens erfolgreiche Regiekarriere einleitete, sondern auch als teuerster finnischer Film in die Geschichte einging. Es ist beileibe kein perfekter Einstand, aber Harlin zeigt in seinem Debüt schon viele jener Charakteristika, die seine Filme durchaus über den reinen Entertainment Value hinaus interessant machen (dass ich Harlin-Fan bin, habe ich hier ja schon mehrfach betont).

BORN AMERICAN handelt von den drei amerikanischen Freunden Savoy (Mike Norris), Mitch (Steve Durham) und K.C. (David Coburn), die einen Finnland-Urlaub machen. Besonders reizvoll empfinden sie die Grenze zum bösen Russland, und als sie bei einem Ausflug durch Zufall plötzlich tatsächlich am Grenzstreifen stehen, überkommt sie der Kitzel. Was soll schon passieren? Man wird sie gewiss nicht umbringen. Doch der Grenzübertritt wird bemerkt: Auf der Flucht vor den Soldaten landen die drei Freunde in einem kleinen Dorf, wo sie des Mordes an einer Einwohnerin bezichtigt werden. Es kommt zu einem Feuergefecht und weiteren Toten. Als sie wenig später dem Militär in die Hände fallen und gefoltert werden, unterzeichnen sie das Geständnis, dass sie Terroristen seien. In einem unmenschlichen Kerkerloch eingesperrt, droht ihnen ein trauriges Schicksal …

Der Reiz von BORN AMERICAN besteht darin, ein Thema, das zur Entstehungszeit des Films meist in fetten Hollywood-Produktionen auf großer Bühne behandelt wurde, durch einen kleinen Kniff in die Alltäglichkeit zu holen. Es geht eben nicht um Elitesoldaten, Meisterspione, hohe Diplomaten oder ähnliche von der Zuschauerperspektive enthobene Charaktere, sondern um drei Kumpels, die sich vom anvisierten Publikum nur marginal unterscheiden. Das Kribbeln, das sie angesichts der kyrillischen Schriftzeichen auf einem unscheinbaren Zaun mitten im verschneiten Nirgendwo empfinden, ist wahrscheinlich für jeden, der damals im Westen aufwuchs, nachvollziehbar. So alltäglich die angenommene Bedrohung durch den Feind jenseits des Eisernen Vorhangs war, so wenig greifbar war er doch für die meisten, gerade in den USA. Die UdSSR war weit weg und die Vorstellung, dass das „Evil Empire“ tatsächlich auf einen geografisch konkreten Ort festzunageln war, muss vielen angesichts der geradezu mythischen Überhöhung, die das Land medial erfuhr, geradezu absurd erschienen sein. Diese ersten Minuten von BORN AMERICAN sind die stärksten, weil Renny Harlin diesen Einbruch des Unfassbaren in die Realität toll herausarbeitet. Wie banal dieses finstere Russland auf einmal erscheint und so gar nicht böse: Da steht eine jämmerliche Wachhütte im Schnee, bewacht von einem bedauernswerten, frierenden Kommißbrötchen. Jugendliche Amerikaner, die sie sind, bleibt den Protagonisten fast gar keine andere Wahl, als sich im Omnipotenzwahn zu ergehen und den Ernst der Lage krass zu unterschätzen. Die geilste Mutprobe der Welt, wer könnte da schon widerstehen?

Dass sich BORN AMERICAN danach in eine Art naive Version von MIDNIGHT EXPRESS verwandelt, der eine klare Richtung (und vielleicht ein etwas großzügigeres Budget) fehlt, ist ein bisschen enttäuschend. Schon die Ballerei, mit der die Jungs sich noch tiefer in die Scheiße reiten, unterwandert die zuvor etablierte Glaubwürdigkeit, und als sie dann im Gefängnis landen, häufen sich die Klischees zu Ungunsten einer klarer herausgearbeiteten Dramaturgie. Es gibt natürlich diverse Foltereien sowie die obligatorische Dresche durch einen sadistischen Häftling, der schwächste der Freunde vegetiert bald schwerverletzt dem Tod entgegen, der amerikanische Diplomat, der zur Hilfe abgestellt ist, hat außer wohlklingenden Absichtsbekundungen nichts anzubieten, macht im Gegenteil gemeinsame Sache mit dem Feind, und ein ehemaliger amerikanischer Top-Agent (Thalmus Rasulala) sucht sich unter dem Decknamen „The Admiral“, den sich die Gefangenen respektvoll zuraunen, den Feind von innen heraus zu zersetzen. Alles scheint auf einen großen Arenafight zuzulaufen: Die Gefangenen treten in einem lebenden Schachspiel zu Kämpfen auf Leben und Tod gegeneinander an, doch das wird letztlich nur eingeführt, um kurz vor Schluss eine kleine Reminiszenz an Ciminos THE DEER HUNTER einzubauen. Der Film mäandert bis zum finalen Ausbruch ohne echte Höhepunkt vor sich hin.

Letztlich ist BORN AMERICAN trotz gefälligem Gesamtergebnis doch auch ein Film der vertanen Chancen. Schlecht ist er nicht und das sich später bestätigende Potenzial Harlins unübersehbar, aber trotzdem bleibt ein etwas zwiespältiger Eindruck: Für einen feisten Actionkracher ist zu wenig los, für ein runterziehendes Knast-Drama gibt es dann doch etwas zu viel Kintopp. Wie das Teil wohl ausgesehen hätte, wenn der ursprünglich vorgesehene Chuck Norris mitgewirkt hätte? Sein Sohn ist sicherlich der bessere Schauspieler, aber vielleicht hätte der Veteran dem Werk die schmerzlich fehlende Grimmigkeit verpasst.

A NIGHTMARE ON ELM STREET 4: THE DREAM MASTER war – soweit ich mich recht erinnere – so mit 13, 14 mein erster NIGHTMARE-Film und auch wenn die deutsche Verleihfassung leicht geschnitten war, war ich beeindruckt von den zahlreichen kreativen Make-up- und Spezialeffekten. Als Junge in diesem Alter musste man danach einfach zum Fan werden. Vor allem die Verwandlung der Sportlerin Debbie (Brooke Theiss) in eine Kakerlake hatte es mir angetan, aber eigentlich war es der schiere Überfluss an einprägsamen, bizarren und erschreckenden Bildern – der Junge im Wasserbett; die ausgesaugte Hülle der Asthmatikerin Sheila; die Pizza mit Menschenkopf-Belag; die Seelen in Freddys Brust –, der mich für den Film sofort einnahm. Jahre später war die einstige Faszination der Erkenntnis gewichen, dass das dritte Sequel eigentlich kaum mehr ist als eine bunte Nummernrevue, die mit ihrem Effektreichtum den dramaturgischen Mangel nur notdürftig zu kaschieren weiß. Heute muss ich auch dieses Urteil wieder revidieren bzw. relativieren: Zwar ist es richtig, dass die halbherzig eingeführte Idee des „Dream Masters“, einer Kraft, die es dem Träumenden ermöglicht, das Wesen seines Traums selbst zu bestimmen, kaum über eine Alibifunktion hinauskommt, aber die Nummernhaftigkeit des Films ist tatsächlich dazu geeignet, das Drama der Jugendlichen von Springwood deutlicher herauszuarbeiten als jeder Drehbucheinfall.

In Chuck Russells direktem Vorgänger kitzelte die Freddy-erfahrene Psychologin Nancy Thompson aus jedem der bedrohten Teenager eine besondere Traumfähigkeit heraus, eine Steigerung ihrer wahren Persona, mit der sie dem Dämon begegnen konnten. Die Traumwelt entpuppte sich als der einzige Raum, in dem die von ihren Eltern gegängelte und missverstandene Jugend sich noch entfalten konnte und den sie gegen die Infiltration durch das Böse verteidigen musste. Dieser Aspekt wird im vierten Teil konsequent ausgebaut: Jeder der jugendlichen Protagonisten wird über eine bestimmte Eigenschaft oder ein Hobby charakterisiert. Es gibt die hochintelligente Asthmatikerin, die Sportbegeisterte mit Käferphobie und den karatekämpfenden Scherzkeks. Doch ihre Hobbys sind hier eben auch nicht mehr dazu geeignet, ihnen Autonomie zu verschaffen oder sie gegen Krueger zu wappnen. Im Gegenteil wird jeder von ihnen durch sie klassifiziert, in eine Schublade gesteckt und mit einem am Ende tödlichen Etikett versehen: Es ist ihre Persönlichkeit, die so zu ihrer Achillesferse wird, die Krueger angreift. Die rigide Struktur von A NIGHTMARE ON ELM STREET 4: THE DREAM MASTER, der kaum noch Spontaneität kennt, sondern sklavisch seinem Programm ergeben ist, das er abspult wie eine fehlerlos arbeitende Maschine, verstärkt diesen Aspekt noch. Für die Jugendlichen in Springwood gibt es nur noch eines: den ihnen zugewiesenen Platz einzunehmen, ihre Funktion im Gefüge zu erfüllen und zu sterben.

Der vierte NIGHTMARE-Teil ist mithin ein idealtypischer Renny-Harlin-Film. Sein Werk zeichnet sich sehr oft durch eine Art maschineller Perfektion aus, die man negativ auch als „Seelenlosigkeit“ bezeichnen könnte, die m. E. aber eher als eine Art poststrukturalistischer Selbstreferenzialität durchgeht. Was A NIGHTMARE ON ELM STREET 4: THE DREAM MASTER auf inhaltlicher Ebene vermissen lässt, das erzählt er auf jener seiner formalen Struktur. Insofern hat sich der Kreis für mich wieder geschlossen: Ich halte seinen Beitrag zusammen mit Sholders zweitem Teil für den interessantesten der Reihe und seine vermeintliche Oberflächlichkeit für eine perfide Tarnkappe.

Glaubt man der Business Time, so kommt CUTTHROAT ISLAND die zweifelhafte Ehre zu, der größte Box-Office-Flop nach Inflationsbereinigung zu sein (der Film hatte sogar die Ehre, im Guinness Buch der Rekorde verzeichnet zu werden). Aber selbst wenn man mit solchen Rekord-Zuweisungen vorsichtig ist, ist das finanzielle Versagen dieses Films immens: Bei einem Budget von rund 100 Millionen Dollar spielte CUTTHROAT ISLAND weltweit gerade einmal 18 Millionen ein (andere Quellen sprechen von 11) und bedeutete somit einen weiteren Sargnagel für die eh schon verschuldete Produktionsgesellschaft Carolco, die danach Konkurs anmeldete (sie hatte neben Harlins Piratenfilm auch noch SHOWGIRLS zu verkraften). Die Produktionsgeschichte verlief von Anfang an problematisch: Der eigentlich als männlicher Hauptdarsteller vorgesehene Michael Douglas sprang noch vor Produktionsbeginn wieder ab, was auch Geena Davis, die damalige Ehefrau von Renny Harlin, verunsicherte. Als Hauptdarstellerin war sie eh eine problematische Wahl, da sie zuvor in erster Linie in Komödien auf sich aufmerksam gemacht hatte: Ihr letzter Erfolg lag mit A LEAGUE OF THEIR OWN zudem bereits mehrere Jahre zurück. Die Bemühungen Harlins, einen Ersatz für Douglas zu finden, gestalteten sich nicht nur als überaus schwierig – anscheinend wollte keiner von Hollywoods leading men an dem Film beteiligt sein, was den Produzenten eine Warnung hätte sein sollen. Mit Matthew Modine fand Harlin zwar doch noch einen willigen Schauspieler für die männliche Hauptrolle, doch einen, der über keinerlei Zug an der Kasse verfügte. Die verlängerte Suche führte indessen zu einem weiteren Problem: Der Kulissenbau musste in Harlins Abwesenheit fertig gestellt werden, und weil der Regisseur mit dem Ergebnis unzufireden war, wurden aufwändige Umbauarbeiten nötig, die das eh schon üppige Budget noch weiter in die Höhe trieben. Ähnliches gilt für das Drehbuch: Noch während der laufenden Dreharbeiten wurde es regelmäßig umgeschrieben.

Nun haben auch andere Filme solche Probleme, ohne dabei so unterzugehen wie CUTTHROAT ISLAND, und selbst vergleichbare Flops haben oft lediglich das Pech, zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen zu sein. Vielleicht war die Zeit für eine Renaissance des Swashbucklers Mitte der Neunziger tatsächlich noch nicht bereit (wie immer wieder kolportiert wird), acht Jahre später sah das bei PIRATES OF THE CARIBBEAN schon ganz anders aus (auch wenn ich auf das Piratenfilm-Revival, das Verbinskis Film angeblich eingeleitet haben soll, von dessen eigenen Fortsetzungen einmal abgesehen, bislang noch vergeblich warte). Vielleicht war es wirklich nur die unglückliche, für die großen Zuschauermassen uninteressante Besetzung, die das Schiff zum Kentern brachte: Geena Davis war selbst in ihren erfolgreichen Filmen nicht die Hauptattraktion gewesen und Matthew Modine war als Typ zu intellektuell, um als Love Interest in einem Abenteuerfilm jene Zugkraft bei den Zuschauermassen zu entfalten, die CUTTHROAT ISLAND gebraucht hätte, um ihn zum Erfolg zu machen. Aber selbst wenn man von solchen eher schwammigen Mutmaßungen absieht, wird bei Ansicht des Films schnell klar, wo das große Problem liegt: Es gelingt Harlin einfach nicht, seinem Mammutunternehmen Leben und Liebe einzuhauchen. CUTTHROAT ISLAND sieht fantastisch aus, er hat große, spektakuläre Action-Set-Pieces, opulente Bauten, Schiffe, Requisiten und Kostüme, eine herausragende Kameraarbeit, atemberaubende Stunts und einen wunderbar epischen Score von John Debney (vielleicht das Beste am ganzen Film), und dennoch fragt man sich die ganze Zeit, warum der Funke einfach nicht überspringen will.

Es scheint, als habe Harlin – und alle anderen Beteiligten – ungemeine Akribie darauf verwendet, die technische Seite des Films hinzubekommen und dabei völlig vergessen, sich um seine Charaktere zu kümmern. Die Piratenbraut Morgan (Geena Davis) und ihr Sidekick William (Matthew Modine) bleiben holzschnittartige Schablonen und auch ihre Beziehung kann der Film nicht glaubwürdig anbahnen. CUTTHROAT ISLAND hetzt von einem bombastischen Set-Piece zum nächsten, ohne jemals innezuhalten, Bilder und Trümmer fliegen an einem vorbei und kaum hat man einen Blick auf eine atemberaubende Hafenkulisse geworfen, wird sie auch schon wieder dem Erdboden gleichgemacht. Man vermisst bei dieser atemlosen Hatz die spezifischen Details, die nötig sind, um die Gemachtheit des Ganzen zu vergessen und in dieser Welt versinken zu können, um Figuren von Skizzen zu Menschen aus Fleisch und Blut werden zu lassen. Das zeigt sich auch an den Dialogen oder generell den kläglichen Humorversuchen. Alles wirkt wie ein zweit- oder drittklassiger Abklatsch, viele Dialogzeilen klingen wie ungeschliffene Platzhalter, wie Blindtext, den man versäumt hat, rechtzeitig durch echte Gags zu ersetzen. Über allem schwebt die Idee großen Entertainments voller Action, Komik und Romantik, aber während alte Swashbuckler pure Hollywood-Magie verströmen, produzieren die Zahnräder und Kolben, die hier nur unzureichend vor dem Zuschauer verborgen wurden, unter lautem Quietschen, Ächzen und Dampfen lediglich ein klobiges Etwas ohne Seele.

Ich will nicht zu hart mit CUTTHROAT ISLAND umgehen, denn erstens ist seine Messe längst gelesen worden und zweitens ist er kein hassens-, sondern eher ein bemitleidenswerter Film. Man ahnt bei Betrachtung, was den Beteiligten vorschwebte und was sie für dieses Projekt begeisterte. Man sieht die Mühe und Arbeit, die sie investierten, riecht den Schweiß, den sie dabei vergossen. Aber am Ende steht eben ein Produkt, dem die Eleganz und Transzendenz, die solche überlebensgroßen Entertainment-Wunderwerke im Idealfall ausstrahlen, vollkommen abgeht. Die Technik, das Handwerk stimmen, aber die Inspiration wird schmerzlich vermisst. Ich vermute, dass Renny Harlin für diesen Stoff schlicht und ergreifend der falsche Mann war. Jedem der es hören will (und allen anderen auch), sage ich, dass ich ihn für unterschätzt halte, darüberhinaus für einen der besten Actionregisseure der späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahre, verteidige ihn gegen die in den letzten Jahren immer häufiger zu vernehmenden Schmähungen; aber sein Talent für bis auf das nackte Gerüst reduzierte Genrefilme, für Formula Movies, die immer ganz kurz davor stehen, den Schritt zur selbstrefenreziellen Dekonstruktion zu machen, ist bei einem Projekt wie CUTTHROAT ISLAND, das in allererster Linie eine gewisse Naivität benötigt, völlig fehl am Platze. Es hätte mithin genau das Gegenteil eines Renny Harlin bedurft: einen Regisseur, der Plotlinien und Erzählmechanismen nicht bloßlegt, sondern sie durch Anhäufen von ornamentalen Details kunstvoll verdeckt.

Die Nachwirkungen von CUTTHROAT ISLAND waren so verheerend, dass die nachfolgende Paarung von Harlin und Davis in Shane Blacks großartigem THE LONG KISS GOODNIGHT ebenfalls zum Scheitern verurteilt war (die beiden hatten den Vertrag noch vor der Fertigstellung von CUTTHROAT ISLAND unterzeichnet, vermutlich zum späteren Schrecken von Black). Harlin drehte drei Jahre später noch den von mir sehr geliebten DEEP BLUE SEA, den man je nach Präferenz als letztes Hurra oder als ersten Schritt auf der Leiter nach unten betrachten kann, bevor eine anhaltende Folge von (oft sehr liebenswerten) Flops ihn endgültig in DTV-Gefilde führte. Noch schlimmer erwischte es aber Geena Davis, deren Karriere als Leading Lady nach THE LONG KISS GOODNIGHT noch schneller vorbei war als ihre Ehe mit Harlin. Der größte Erfolg, den die IMDb für sie danach verzeichnet, ist der Kinderfilm STUART LITTLE. Schlimmer geht’s nimmer.

Mit Filmen wie 300: RISE OF AN EMPIRE, POMPEII, NOAH, dem gerade im Kino laufenden HERCULES oder eben Renny Harlins THE LEGEND OF HERCULES feiert der in den späten Sechzigerjahren als Paradebeispiel für das überkommene Altherrenkino Hollywoods Monumentalfilm derzeit mal wieder ein kleines Revival. Die meist antiken Stoffe bieten reichlich Anlass für aufwändige Effekte im aufpolierten, zeitgemäßen CGI-Gewand, strahlende Helden und ausufernde Schlachten, allesamt Signifikanten für das, was man gemeinhin „großes Kino“ nennt. Wie zuletzt in POMPEII festgestellt, trägt die Idee eines technischen Updates aber nur bedingt: Man ist den neuen Perfektionismus längst gewöhnt und der Moment der bildlichen Überwältigung währt immer kürzer. Kaum ist man aus dem Kino raus oder ist die Blu-ray aus dem Player ausgeworfen, wartet schon der nächste Film mit noch besseren Effekten. Was die alten Monumentalschinken auszeichnet ist nicht der logistische Wahnsinn, der hinter Bauten, Kostümen und Massenszenen steckt, sondern die epische Größe, zu der diese Elemente zwar einen wichtigen, aber eben längst nicht den einzigen Beitrag leisten. Sie lässt sich mit dem routiniert-ökonomischen Runtererzählen, das in der Filmlandschaft heute gefragt ist, nicht erreichen. Das Ergebnis ist dann ein Film wie POMPEII, der zwar toll aussieht, aber trotzdem leer und abgeriegelt wirkt, wo er sich eigentlich in alle Richtungen ausdehnen sollte.

Harlin orientiert sich für seinen THE LEGEND OF HERCULES dann klugerweise auch nicht so sehr am Monumentalfilm Hollywood’scher Prägung, sondern eher am italienischen Peplum, am so genannten Sandalenfilm, mit seinen muskelprotzigen Helden, finsteren Schurken, der rührenden Naivität und dem unwiderstehlichen Camp-Appeal. Mit Kellan Lutz als Hercules steht ein Hauptdarsteller zur Verfügung, in dem sich bubenhaftes Aussehen, ein steroidgestählter Body und die nötige Tumbheit vereinen. Vor allem die Liebesszenen zwischen ihm und der hübschen Hebe (Gaia Weiss) erinnern an kitschige Groschenhefte für alte Jungfern. Besonders süß ist ein Schäferstündchen in einem spontan im Wald errichteten und mit Muschelschmuck und wehenden Tüchern dekorierten „Love Shack“. Ähnlich putzig ist es, wenn die mit zwei grauen Haarsträhnen sehr nachlässig auf alt getrimmte, 34-jährige Roxanne McKee als Königin Alkmene den nur ein Jahr jüngeren Schauspieler Liam Garrigan todernst als „mein Sohn“ ansprechen muss. Da fühlt man sich an Zeiten erinnert, in denen „Make believe“ noch etwas mit Poesie zu tun hatte und nicht von Computerprogrammen übernommen wurde. Wer als kleiner Junge seine Eltern anflehte, für die Ausstrahlung eines Ursus-Films länger aufbleiben zu dürfen, der wird sich über Faustkämpfe gegen Löwen, die archetypische Auspeitschung oder im richtigen Moment gen Erde entsendete Grüße von Götterpapa Zeus genauso freuen wie ich. Da ist es fast ein bisschen schade, dass Harlin sich nicht konsequent von herrschenden Trends losmachen kann: Die visuell an Zack Snyders 300 erinnernde Eröffnungssequenz ist ohne Zweifel fantastisch, aber später hindert die typisch monochrome Farbgebung und das Color Grading den Film oft daran, richtig abzuheben. Auch die Story selbst ist ein Zugeständnis an den Massengeschmack: Harlin spart die munteren Episoden um die von Herkules zu absolvierenden Prüfungen ganz aus, erzählt stattdessen von der etwas ermüdenden Rivalität zwischen dem Halbgott und seinem irdischen Stiefpapa, dem tyrannischen König Amphytrion (Scott Adkins), der den unerwünschten Sohnemann nach Ägypten verbannt, von wo der sich im Gladiatorenstil bis in die Heimat zurückkämpfen muss. Ich hätte mir da schon etwas mehr Exzentrik gewünscht.

Dennoch hat THE LEGEND OF HERCULES mehr Zuneigung verdient als die lausigen 4,2 Punkte, die ihm derzeit auf IMDb zugedacht werden. Man merkt dem Film jederzeit die Professionalität seines Regisseurs an, der sich in den zahlreichen Fightszenen sichtlich von Isaac Florentine hat inspirieren lassen. Keine hektischen Schnittgewitter trüben das Vergnügen, dafür werden die Körper in Momenten besonderer Anspannung immer wieder übergangslos in kurzen Zeitlupeneinschüben festgehalten. Wäre THE LEGEND OF HERCULES nicht mit seiner Freigabe auf Familientauglichkeit getrimmt worden, ginge es also etwas blutiger zur Sache, dann dürfte man hier gar von einer handfesten Action-Überraschung sprechen. So bleibt ein Sandalenfilm-Revival, das trotz aller Kompromisse ein angenehmer Anachronismus ist und sein fürstliches Budget von 70 Millionen Dollar demzufolge nicht einmal annähernd wieder einspielte. Traurig, vor allem für Harlin.

DIE HARD 2 ist für mich mit süßen Erinnerungen verbunden. Irgendwann 1990 hatte ich mir ein Kinomagazin gekauft, in dem die großen Blockbuster des Jahres vorangekündigt wurden: Martin Scorseses soon-to-be-classic GOODFELLAS war darunter, aber auch großartige Genreware wie PREDATOR 2, Sam Raimis DARKMAN oder eben das Sequel zum 88er-Überraschungssmasher DIE HARD. Ein gutes Jahr, mit Filmen, die mir besonders ans Herz gewachsen sind, die untrennbar mit meiner eigenen Filmliebhaber-Biografie verschmolzen sind und die ich deshalb kaum sachlich-distanziert betrachten kann, vor allem natürlich die drei letztgenannten. Vor kurzem habe ich schon PREDATOR 2 mit einem Liebesbrief bedacht, nun also DIE HARD 2, der mit Renny Harlin von einem meiner Lieblings-Mainstream-Actionregisseure auf der Höhe seines Schaffens inszeniert wurde. Ich mag den Film tatsächlich noch lieber als seinen meisterlichen Vorgänger, der das Genre nachhaltig veränderte, aus Gründen, die streng subjektiv sind, die ich hier aber trotzdem einigermaßen nachvollziehbar zu verargumentieren versuche, auch wenn das angesichts meiner Liebe kaum machbar scheint.

Zuerst mal: DIE HARD 2 ist in Dramaturgie und Handungskonstruktion ungleich einfacher und geradliniger als McTiernans erster Teil. Der hatte sich durch die Schachtelung eines emotional unmittelbar nachvollziehbaren inneren und eines explosiven, spannungsgeladenen äußeren Konflikts hervorgetan und so gezeigt, das Actionfilme sich durchaus durch Vielschichtigkeit, Subtilität und erzählerische Raffinesse auszeichnen können. Dann natürlich die Erkundung eines abgeschlossenen Raums, die Erschließung klaustrophobischer Settings für ein Genre, das seinem Wesen nach in die Breite drängt. Und zu guter Letzt die Zeichnung eines Charakters, der mit seiner Durchschnittlichkeit unmittelbares Identifikationspotenzial bot, sich weniger durch übermenschliche Fähigkeiten, als vielmehr einen unbeugsamen Kampfeswillen und enorme Nehmerqualitäten als Held qualifizierte. Man könnte Renny Harlins Film vorwerfen, dass er erstere Qualität gänzlich außer Acht lässt, zweiterer nichts hinzuzufügen weiß und letztere auf die Tagline „John McClane is back in the wrong place at the wrong time!“ reduziert, die Leidensfähigkeit des armen Cops lediglich noch etwas mehr auf die Probe stellt, also vor allem quantitativ zulegt und nicht qualitativ. Und keiner dieser Vorwürfe wäre unberechtigt.

Aber meine Fresse, tritt DIE HARD 2 Arsch. Und er macht meiner Meinung nach genau alles richtig, was ein der Überbietungslogik folgender zweiter Teil eines Actionfilms leisten sollte: nämlich alles noch eine Nummer größer und fetter hinzubiegen als im Vorgänger. Krachende Shootouts, blutige Keilereien und Einschüsse, Explosionen, eine Verfolgungsjagd auf Schneemobilen, dazu ein ganzes Arsenal gemeiner Schurken und das alles immer vor dem Hintergrund einer drohenden Totalkatastrophe. Letzteres ist entscheidend: Auch wenn Harlin – und Steven E. DeSouza in seinem Drehbuch – keine Zeit verliert, eigentlich schon nach einer fünfminütigen Exposition in die Vollen geht, nimmt er sich doch die Zeit dafür, zwischenmenschliche Konflikte zu etablieren, ohne die jeder Actionfilm nur müde Materialschlacht ist. Er kann dafür auf eine der vielleicht besten Besetzungen zurückgreifen, die überhaupt jemals für einen Actionfilm versammelt worden sind: Als Hauptschurken agieren William Sadler, in dessen von selbstquälerischer Askese gezeichnetem Gesicht zwei zu allem entschlossene Augen brennen, Franco Nero als mittelamerikanischer General und John Amos als verräterischer Anführer einer Spezialeinheit. Unter ihren Gehilfen befinden sich Nebendarsteller wie Robert Patrick, Vondie Curtis-Hall, John Leguizamo und Don Harvey, die kurz davor waren, sich selbst einen Namen zu machen. In seinem Kampf gegen diese geballte Front steht John McClane das Flughafenpersonal zur Seite: Dennis Franz ist göttlich als Leiter der Flughafenpolizei, der sich mit dem Kollegen aus Los Angeles ein erbittertes Kompetenzgerangel liefert, Fred Dalton Thompson macht als Chef im Tower die Schwere der nötigen Entscheidungen spürbar, Art Evans gibt den Technikexperten Barnes und Tom Bower spielt den in den Eingeweiden des Flughafens wie ein Eremit hausenden Hausmeister. Um diesen erlesenen Reigen zu komplettieren gibt es ein Wiedersehen mit Bonnie Bedelia als McClanes Gattin Holly, dem karrieregeilen Journalisten Thornburg (William Atherton) und Al Powell (Reginal Veljohnson). Nahezu jede Szene bietet eine Zuspitzung der eh schon aussichtlosen Situation und läuft auf ein ausgefeiltes Action-Set-Piece hinaus. Den halsbrecherischen Sprung in die Tiefe, nur an einem Feuerwehrschlauch festgebunden, das piece de resistance des ersten Teils ersetzt hier der Schleudersitz-Flug aus einem explodierenden Flugzeug, der hinsichtlich McClane’scher Lebensmüdigkeit einen wichtigen Maßstab für die kommenden Filme setzte.

Bruce Willis schließlich, der im ersten Teil noch langsam in seine Rolle als Superstar hineinwachsen musste, ist hier nun vollends angekommen. Die Filmpersona, die ihn im folgenden Jahrzehnt zu einer der männlichen Spitzenkräfte in Hollywood machen sollte, hat er hier bereits zur äußersten Perfektion gebracht, versieht seinen McClane mit jener unverwechselbaren Lakonie, Spitzbübischkeit und ehrlichen, unprätentiösen Regular-Joe-Mentalität, die den Charakter zu einem der beliebtesten Actionhelden und seinen Darsteller zur Marke machen sollten. Was den Sprung Willis‘ zum Superstar angeht, war DIE HARD sicherlich die Initialzündung, der Grundstein für alles Weitere, doch ich wage zu behaupten, dass es DIE HARD 2 war, der das Versprechen einlöste und der Willis jene unverwechselbare Idenität verlieh, für die die Menschen fortan Geld an den Kinokassen bezahlten (der darauffolgende HUDSON HAWK war dann auf andere Art und Weise wichtig). Dummerweise lief die Zeit für jene Art des Actionfilms, die McClane den idealen Nährboden bot, aber bereits ab. Ein Jahr später leitete Camerons T2: JUDGMENT DAY einen radikalen Wandel des Kinos ein. „Handgemachte“ Effekte wurden danach mehr und mehr von CGI ersetzt und die in den flummiartigen Eskapaden McClanes angelegte Slapstick- und Cartoonhaftigkeit immer weiter auf die Spitze getrieben. Bereits der dritte Teil bedeutete eine Öffnung des Fokus (bedingt durch den Erfolg von Seagals UNDER SIEGE, der den logisch erscheinenden Plan, McClane nach Hochhaus und Flughafen nun auf einem Schif antreten zu lassen, durchkreuzte) und eine Erweiterung des Spektrums. Und wenn McClane im 17 Jahre nach diesem zweiten entstandenen vierten Teil auf einem entfesselten Düsenjet reitet, ist das zwar eine über diesen langen Zeitraum nur konsequente Fortentwicklung seines Schleuderseitzfluges, doch lässt sie eben auch etwas Entscheidendes vermissen: Was uns diesen McClane ans Herz schweißte, war eben seine Verwundbarkeit, die Tatsache, dass er blutete, schrie, Schmerzen erlitt und im Verlauf eines Filmes deutliche Anzeichen des Verschleißes offenbarte. Kurz: Dass er einen sterblichen Körper besaß, der durch den Einsatz von CGI nunmehr durch einen unverwundbaren virtuellen ersetzt wurde. Das soll an dieser Stelle aber nicht weiter interessieren: Denn hier geht es um DIE HARD 2, einen der letzten „echten“ Actionfilme, einen annähernd perfekten noch dazu. Für mich ist Harlin mit diesem, seinem vielleicht tollsten Film zudem einer der besten zweiten Teile überhaupt gelungen. Nur Liebe dafür von mir.

 

Zu Beginn ein Geständnis: Ich liebe Renny Harlin. Meine Erstbegegnung mit ihm war sein NIGHTMARE ON ELM STREET 4: THE DREAM MASTER – auch der erste Freddy-Krueger-Film, den ich gesehen habe – und mit 13, 14 Jahren ein denkbar idealer Einstieg, um seinen Macher für immer ins Herz zu schließen (dass der Film auf Video geschnitten war, fiel nicht weiter ins Gewicht). Damals war Harlin on a roll: Nach seinem Debüt mit BORN AMERICAN steigerte sich langsam von PRISON über besagten NIGHTMARE ON ELM STREET 4 zum absoluten Durchbruch mit DIE HARDER. Es folgten THE ADVENTURES OF FORD FAIRLANE und CLIFFHANGER, bis der Riesenflop mit CUTTHROAT ISLAND seiner Karriere einen Dämpfer verpasste. THE LONG KISS GODDNIGHT – für mich nach wie vor einer der vielleicht 5 besten großen US-Actionfilme der Neunzigerjahre – konnte den Karriereknick nicht verhindern. Danach waren seine Filme nicht mehr ganz dieselben, auch wenn ich sie kaum weniger liebe. Das absurde Prämissenkino von DEEP BLUE SEA oder MINDHUNTERS ist für mich die perfekte Verschränkung von blutiger, schaulustiger Exploitation, wissendem Metahumor und inszenatorischer Geschliffenheit. Man merkt ihnen an, dass Harlin sich den Spaß an der Over-the-Topness nicht durch schnöde Logik kaputtmachen lassen, aber dennoch gewisse ästhetische Prinzipien wahren wollte. THE COVENANT passt perfekt in dieses Bild. Es ist ein Film, der gößtes Hasspotenzial birgt und unter nahezu jedem anderen Regisseur tatsächlich unerträglich geraten wäre. Aber er ist von Renny Harlin, einem Mann, der es wie kein zweiter versteht, einem das abgrundtief Blöde schmackhaft zu machen.

Auf einem Elitecollege irgendwo in New England bereiten sich die vier attraktiven Boys Caleb (Steven Strait), Pogue (Taylor Kitsch), Tyler (Chace Crawford) und Reid (Toby Hemingway) aufs Erwachsenwerden vor. Von ihren Vorfahren haben sie übernatürliche Kräfte geerbt, die mit ihrem 18. Geburtstag zur vollen Kraft reifen. Doch übermäßiger Gebrauch dieser Kräfte zehrt an der Gesundheit, weshalb Enthaltsamkeit angesagt ist. Ihr neuer Freund Chase (Sebastian Stan) entpuppt sich als einer von ihnen: Er ist der einzige Nachkomme einer bislang ausgerottet geglaubten Hexenfamilie. Ihm dürstet nach Macht und er sieht gar nicht ein, maßvoll mit seinen Fähigkeiten umzugehen …

THE COVENANT wirkt wie eine 10 Jahre verspätete Jungsversion des Neunigerjahre-Trendfilmchens THE CRAFT. Damals übten sich minderjährige Gothic-Schlampen wie Fairuza Balk oder Neve Campbell im Umgang mit Kajal, schwarzem Lippenstift und Hexerei, hier sind es besixpackte Jocks, denen man unentwegt auf die Fresse hauen möchte. Auch die Musik versetzt einen mit gnadenlos überkommener Mucke von White Zombie weit in die Vergangenheit. Die mehr als ansehnliche Fotografie und moderne CGI schaffen dann aber den Brückenschlag zur nächsten Referenz: Renny Harlin fragt sich wahrscheinlich heute noch, warum sein Film gnadenlos Bruchlandung erlitt, während TWILIGHT nur wenige Jahre später zum heißesten Scheiß avancierte. Natürlich ist THE COVENANT völlig anders gelagert und ich behaupte mal, dass das auch gut so ist. Pubertäre Todessehnsucht und romantischen Heckmeck sucht man in THE COVENANT weitestgehend vergebens, stattdessen gibt es Superheldenaction im Gruselgewand. Der Film ist ziemlich gewiss mit dem Gedanken an diverse Sequels im Hinterkopf entstanden, die es dann leider nicht gegeben hat. Ich muss nicht dazusagen, dass vieles hier ziemlich bescheuert ist: Der Protagonist ist entsetzlich altersweise, seine Kumpels eklig selbstverliebte Prolos, denen der Begriff „Date Rape“ bestimmt nicht fremd ist. Der Film mäandert gut 50 Minuten vor sich hin, bevor er eine echte Handlung etabliert und das ganze ganze Hexendings bleibt seltsam unterentwickelt. Da kommt dann auch so eine ungute Moral von der Geschicht ins Spiel: Natürlich ist es Bäh, seine Hexenpower zum Spaß oder überhaupt anzuwenden. Wohl auch, weil diese Kräfte kaum übersehbar als Drogenallegorie herhalten müssen: Wer zu viel und zu oft „used“, der wird krank und stirbt. So wie Calebs Papa, der aussieht wie der Zwillingsbruder vom Texas-Chainsaw-Opa, aber erst 44 Jahre alt ist. Jaja, man muss verantwortungsvoll mit seinen Fähigkeiten umgehen. Es sei denn natürlich, es steht gerade eine große Party mit schlechter Musik und Feuerjongleuren an, denn dann nutzt man seine Power natürlich dazu, mächtig rumzuposen und den anrückenden Bullen einen Streich zu spielen. Oder um in der Kneipe zu schauen, was die Mädels drunter tragen. Aber was soll ich sagen: Ich stehe auf von Harlin inszenierten Tinnef. Und THE COVENANT macht da keine Ausnahme. Ich kann es dem Film kaum hoch genaug anrechnen, dass er sich jedwede Avid-Furzerei, mit denen sonst nahezu jeder zeitgenössische Genrefilm zugeknallt ist, verkneift. Dieser Film ist blöd, weil er sich dazu entschieden hat. Aber die Blödheit afiziert nie die Form. Hey, Sly, wie wär’s mit Harlin für THE EXPENDABLES 3?

 

Ford Fairlane (Andrew Dice Clay), selbsternannter „Rock’n’Roll Detective“, ermittelt in Fällen in der Musikbranche und hat selbst Rockstar-Status – nur macht sich das nicht auf seinem Konto bemerkbar. Kurz nachdem Bobby Black (Mötley-Crüe-Sänger Vince Neil), Frontmann der Hardrock-Gruppe „The Black Plague“, auf der Bühne tot zusammenbricht, wird Ford von seinem alten Kumpel, dem Radio-DJ Johnny Crunch (Gilbert Gottfried) beauftragt, seine verschollene Tochter Zuzu Petals zu finden. Die Suche führt Ford Fairlane zum Plattenmogul Julian Grendel (Wanye Newton) und dessen Geliebter Colleen Sutton (Priscilla Presley), konfrontiert ihn mit einem sadomasochistischen Killer (Robert Englund), vielen hübschen Frauen und hochexplosiven Sprengsätzen …

Hätte ich THE ADVENTURES OF FORD FAIRLANE zum Zeitpunkt seines Erscheinens gesehen, ich wäre ihm wahrscheinlich mit Haut und Haaren verfallen und heute völlig unfähig, ihn auch nur halbwegs objektiv zu beurteilen. Davon bin ich felsenfest überzeugt, weil ich mich noch lebhaft an seinen Trailer erinnere, der mich mit seinem eigentlich recht doofen Morgenständer-Kalauer sehr zum Lachen brachte. So aber habe ich Renny Harlins dritten großen US-Film nach NIGHTMARE ON ELM STREET 4 und DIE HARDER erst jetzt gesehen, in einem Alter, in dem man für Zoten und vermeintlich coole Sprüche nicht mehr ganz so empfänglich ist, und das Urteil fällt dann auch drei Nummern nüchterner aus, als es aus dem Munde eines Vierzehnjährigen geklungen hätte: THE ADVENTURES OF FORD FAIRLANE ist eine ziemlich harmlose Krimikomödie, der mit ihrem Star – einem für seine Vulgarismen und Publikumsbeschimpfungen berühmt-berüchtigten Stand-Up-Comedian – ein anstößiger Anstrich verpasst und die mit dicken Production Values auf Großereignis getrimmt wurde. Der Film erinnert nicht wenig an den fünf Jahre zuvor entstandenen, allerdings deutlich besseren FLETCH mit Chevy Chase als dreistem Journalist-Schrägstrich-Detektiv und gehört wie dieser einem Genre an, dessen damalige Popularität man sich heute nicht mehr recht erklären kann: Die nur nachlässig erzählte Krimihandlung bietet kaum mehr als einen oberflächlichen Anlass für die One-Man-Show ihrer meist überdrehten Protagonisten, die via Voice-over eine geistige Verwandtschaft zu den großen Private Eyes des Film Noir suggerieren, die in Anbetracht der Leichtigkeit ihrer Geschichten aber reichlich weit hergeholt und lediglich behauptet scheint. In diesem Fall ist das eben der unerträglich selbstverliebte Ford Fairlane, der mit breitestem New-York-Akzent spricht und jeden Satz mit einem meist schlüpfrigen Oneliner beendet, dessen Schlagfertigkeit er dann auch gleich selbst beklatscht und kommentiert, Katz-und-Maus mit seiner heißen Sekretärin spielt, die unterkühlt tut, ihrem Arbeitgeber aber in Wahrheit mit Haut und Haaren verfallen ist und dessen Eskapaden eifersüchtig verfolgt. Fords/Clays Manierismen und seine grenzenlose Selbstverliebheit, die in keinerlei Verhältnis zur Klasse des von ihm Gebotenen steht, sind dann auch eine Hürde, die zum Genuss des Films erst einmal genommen werden will. Bei mir hat das gut 20 Minuten gedauert, danach hat dann auch der Humor funktioniert. Aber wie gesagt: Um den Film wirklich toll zu finden, hätte ich ihn früher sehen müssen. So rettet ihn wenigstens noch die Nostalgie, die mich mit seiner Entstehungszeit verbindet und sich in Besetzung mit fast vergessenen Musikern wie eben Vince Neil, Tone Loc oder Morris Day und damals allgegenwärtigen Nebendarstellern wie David Patrick Kelly niederschlägt. Die schönste Rolle hat m. E. aber Ed „Al Bundy“ O’Neil abbekommen, dessen schlecht gelaunter, beschnurrbarteter Polizist auf eine gescheiterte Karriere als Discosänger und den einen großen Hit namens „Booty Time“ zurückblickt.