Mit ‘Richard Jordan’ getaggte Beiträge

Eddy Kay (Michael Biehn) hält sich für einen ganz normalen Typen. Als er erst von einem hünenhaften Kerl (Billy Blanks) aus dem Schlaf gerissen wird, der ihn umbringen will, und dann von furchteinflößenden Visionen heimgesucht wird, bittet er die Psychotherapeutin Dr. Anna Nolmar (Patsy Kensit) um Hilfe. Gemeinsam versuchen sie dem Rätsel seiner Identität auf die Spur zu kommen, bevor die Killer ihn erwischen …

Ich spoilere wahrscheinlich nicht zu viel, wenn ich verrate, dass die Auflösung um Eddys Identität stark an Paranoia-Thriller wie THE MANCHURIAN CANDIDATE oder TELEFON angelehnt ist. Doch Nesher ist weniger an Kritik an den Methoden des Kalten Krieges interessiert, als an einem schwungvollen Actionthriller ohne großen Firlefanz. So geht es über die kurzweiligen 90 Minuten ordentlich zur Sache und die kleineren Schwächen, die solche „Gebrauchsfilme“ ja immer irgendwie haben – es fehlt ihnen meist an Substanz und technischer, inszenatorischer und narrativer Finesse –, werden durch das ausgesucht saubere Handwerk und die dann immer wieder kurz aus dem Flow herausreißenden Gewaltexplosionen ausgeglichen (von denen jene Szene, in der es um einen Killer, seinen in ein Bettlaken eingewickelten Kopf und den schlagkräftigen Ellenbogen Eddys geht, als besonders geschmackvoll in Erinnerung bleiben wird).

TIMEBOMB repräsentiert einen bestimmten Typus Film, den es heute – so kommt es mir zumindest vor – gar nicht mehr gibt. Sauber produzierte, aber dennoch etwas bescheidenere Genrefilme, besetzt mit beliebten Gesichtern aus der zweiten Reihe der Filmindustrie, die leicht modifiziert durchaus auch im Kino ihren Platz gefunden hätten, so aber das Herz des Videothekenkunden erfreuten. Es waren Filme wie TIMEBOMB, nach denen man damals das unüberschaubare Angebot abscannte, die man dann mit der Hoffnung, eine kleine übersehene Perle gefunden zu haben, mit nach Hause nahm und über die man sich dann schließlich umso mehr freute. TIMEBOMB ist beileibe kein Meisterwerk, auch kein Film, über den man ewig lang reden müsste oder der mehrere Sichtungen erforderte. Aber in ihm kommt ein Dienstleistungsgedanke zum Ausdruck, der heute mehr und mehr verwässert ist: TIMEBOMB ist nicht das High-Concept-Kino mit dem Rapper-turned-Schauspieler, mit dem supercleveren Found-Footage-Twist oder der oberkrassen Folterszene, sondern einfach altmodisches, grundsolides Erzählkino, bei dem man genau das bekommt, was man erwartet und sich am Ende nicht schämen muss. Sowas darf man heute durchaus vermissen.