Mit ‘Richard Norton’ getaggte Beiträge

Die New Yorker Polizistin und Martial-Arts-Lehrerin China O’Brien (Cynthia Rothrock) lässt sich von einem Zweifler zu einem Straßenkampf überreden: Doch die vermeintlich eingeweihten Gegner erweisen sich als echte Gewalttäter und am Ende muss China einen von ihnen erschießen. Reuevoll legt sie ihr Amt nieder und besucht ihre Heimat irgendwo im Mittelwesten, wo ihr Papa (David Blackwell) Sheriff ist. In dem Örtchen ist nichts mehr wie früher: Der fiese Geschäftsmann Sommers (Steven Kerby) hat ein System der Korruption errichtet, gegen das es kein Mittel zu geben scheint. Als Papa und Bruder einem Mordanschlag zum Opfer fallen, stellt sich China zur Wahl als neuer Sheriff. Gemeinsam mit ihrem Freund Matt (Richard Norton) und dem Loner Dakota (Keith Cooke) will sie mit dem Gesindel aufräumen …

Regisseur Robert Clouse wird für seinen ENTER THE DRAGON immer einen Platz in der Filmgeschichte haben, auch wenn sein Beitrag zu diesem Film weniger entscheidend gewesen sein mag als der seines Stars Bruce Lee. Danach kamen noch ein paar okaye, meist ganz nett besetzte Exploiter – BLACK BELT JONES, GOLDEN NEEDLES,  THE ULTIMATE WARRIOR, THE AMSTERDAM KILL und der hübsche Hundehorror-Film THE PACK -, die aber schon nur noch wenig von dem psychedelischen Charme des Bruce-Lee-Klassikers hatten und meist etwas trist und angestaubt daherkamen. Mit dem grotesk in die Binsen gegangenen Lee-Vehikel GAME OF DEATH, einem aus Resten zusammengestückelten Etwas, ging die große Talfahrt los. Ich danke dem Universum für die Existenz eines Films wie GYMKATA, aber ein Filmemacher, der noch alle Sinne beisammen hatte, hätte den gewiss niemals gedreht. Danach war, wenig verwunderlich, fünf Jahre Pause und dann kam CHINA O’BRIEN, der gleich back to back mit dem Sequel gedreht wurde.

Das Logo der Golden Harvest Group sollte die Hoffnungen nicht allzu hoch schnellen lassen: CHINA O’BRIEN ist ein billig runtergekurbelter Klopfer für die Videothekenkundschaft, mit einem Plot, dessen weiteren Verlauf man bereits nach wenigen Minuten punktgenau vorhersagen kann. Die Fights sind kompetent, wenngleich bieder und uninspiriert heruntergefilmt und das gilt für das ganze Vehikel, das ästhetisch nur ganz knapp oberhalb eines waschechten Amateurfilms rangiert. Alles ist fruchtbar schrabbelig und unansehnlich, ohne aber auf ansprechende Art und Weise dreckig zu sein. Gut, die Klamotten und die Frisuren waren anno 89/90 nunmal so, aber hier sind ja auch die Menschen, die darin stecken bzw. darunter hervorschauen, von bemerkenswerter Unattraktivität. Noch nie ist mir aufgefallen, dass Richard Norton eine ausgesprochen putzige Knubbelnase hat und im Originalton zudem einen sehr dusselig klingenden Aussie-Akzent. Cynthia ist ja eigentlich ganz süß, kommt mit ihrem wippenden Bubikopf und den weiten Pluderhosen und Blousons in den Kampfszenen aber rüber wie ein überdrehtes Kind und nicht wie die gnadenlose Fighterin. Keith Cooke verströmt als einziger so etws wie Coolness, aber er hat ja auch lange schwarze Haare, eine Lederjacke, ein Stirnband und ein Motorrad. Easy.

Dann dieser „politische“ Subplot um Chinas Wahlkampf: Wie sie da amatuerhaft kopierte Wahlzettel an Strommasten tackert, Kinder und Menschen für sich einspannt, die auf den Plakaten noch nicht einmal ihren Namen richtig schreiben können („China O’Brian“), oder ihren Matt vorschickt, um Summers‘ Leute unter dem Jubel der Massen zu verdreschen, ist von rührender Naivität. Nachdem sie dann die Wahl gewonnen hat, stattet sie jeden jugendlichen Proleten mit einem Deputy-Stern aus: Na, herzlichen Glückwunsch! Den Vogel schießen die völlig überzogenen Sound-FX ab: Jeder harmlose Schwinger wird da mit einem „swoosh“ untermalt, die Schläge krachen wie Pistolenschüsse, dabei werden da doch nur ein paar bierbäuchige Bierkutscher verdroschen. Das ist wahrscheinlich das Schönste an dem Film: Seine Zeichnung organisierten Verbrechens ist hoffnungslos albern, provinziell und unglaubwürdig. Man fragt sich die ganze Zeit: Was gibt es in diesem Kaff eigentlich zu holen für diesen Summers, das er nicht auch mit legalen Mitteln erreichen kann? Eine befriedigende Antwort darauf gibt es nicht. Vielleicht ja im zweiten Teil.

Zu Beginn droht DIRECT HIT sich als einer dieser furchtbaren Tarantino-Klone zu entpuppen, die nach dem Erfolg von PULP FICTION wie Pilze aus dem Boden schossen. Zwei Killer, der kurz vor dem Ausstige stehende Ex-CIA-Mann Hatch (William Forsythe) und sein heißsporniger, junger Nachfolger Deets (Eddie Wilde), erhalten den Auftrag, fünf Schwerverbrecher umzulegen, die sich zum Anlass eines Waffendeals praktischerweise alle zur gleichen Zeit an einem Ort aufhalten. Bevor es losgeht, darf man Deets noch beim Fruit-Loops-Mampfen zuschauen und ihm dabei zuhören, wie er sich zu seinem aufregenden Dasein als Profikiller selbst interviewt. Er spielt ständig an seiner Sonnenbrille herum und findet sich offenkundig selbst höchst faszinierend, obwohl er doch nur furchtbare Plattitüden von sich gibt wie die, dass ein Hitman drei Dinge zu beachten haben: „Be, cool, be cool and be cool.“ Einen Moment dachte ich, DIRECT HIT könnte das PM-Pendant zum furchtbaren Donner-Film ASSASSINS werden, aber Merhi hat zum Glück anderes im Sinn. Deets wird nur Minuten später sehr trocken umgelegt, die ganze nervtötende Coolness hat ihm nichts genutzt. Dieser in wenigen Minuten vollzogene Umschwung wirkt aus erzählerischer Sicht ein wenig merkwürdig, aber ich glaube, es ging Merhi genau darum, sich von diesen neuen, „postmodernen“ Killerfilmen mit ihren sinnlos herumschwafelnden Sonnebrillenfetischisten zu distanzieren. Im Folgenden wendet er sich Hatch zu, von Forsythe als menschlicher Stein interpretiert, bei dem die wenigen Worte, die er sich abringt, dann auch tatsächlich zählen, und orientiert sich am klassischen Film Noir mit seinen Bildern ewiger Nacht sowie seiner religiös aufgeladenen Schuld-und-Sühne-Thematik.

Nachdem Hatch nämlich seinen vermeintlich letzten Auftrag erledigt hat, zwingt ihn sein Auftraggeber Tronson (George Segal) gleich noch einen weiteren zu übernehmen. Der schmierige Politiker Daniels (John Aprea) fürchtet, dass seine Karriereambitionen durch das Auftauchen eines alten Fotos, dass ihn gemeinsam mit einer Prostituierten namens Savannah (Jo Champa) zeigt, zunichte gemacht werden könnten. Hatch soll die Frau auffinden und aus dem Weg räumen. Widerwillig macht er sich auf die Suche nach er, und dieser Widerwillen wächst noch, als er nicht nur feststellt, dass sie keineswegs eine billige Hure ist, sondern liebende, aber mittellose Mutter eines Kindes. Zuerst will er sie im Beichtstuhl einer Kirche erschießn, doch dann entscheidet er sich anders. Daniels und Tronson sind not amused und setzen den fiesen Rogers (Richard Norton) auf Savannah an, doch Hatch beschließt, ihr zu helfen.

DIRECT HIT gefällt mit seiner Neonlicht-durchfluteten Nachtfotografie und seiner trauervollen, sakralen Atmosphäre. Hatch wandelt als hoffnungslos Verlorener durch diese Vorhölle, der die letzte Chance wittert, wieder Mensch zu werden. Der vor allem als rasender Psycho im Jahrhundertfilm OUT FOR JUSTICE im Gedächtnis geblieben Forsythe überzeugt hier mit lupenreinem Minimal Acting als reine physische Präsenz, der der unterkühlten Atmosphäre das passend versteinerte Gesicht leiht. Leider hat man es versäumt, ihm eine avanciertere Partnerin zur Seite zu stellen. Jo Champa, als Lieblingsmodel von Versace berühmt geworden, ist ohne Zweifel ein attraktive Frau, und mit ihren dunklen Rehaugen evoziert sie männliche Beschützerinstinkte mit Leichtigkeit, aber leider fehlt ihr jede Fähigkeit, ihre Verletzlichkeit auch nur annähernd zu modulieren. Ihre Bambi-artigen Auftritte geraten mit zunehmender Spielzeit zur Geduldsprobe, zumal Merhi DIRECT HIT eben nicht als rasanten Reißer, sondern eher als gedämpftes Mood Piece inszeniert. Irgendwann hatte ich dann auch genug von den stahlblauen Nachtbildern und der heulsusigen Savannah und sehnte das von Anfang an erwartbare Ende herbei. Naja, es kann eben nicht jeder PM-Film ein Volltreffer sein. Und besser als die erwähnten Tarantino-Klone oder ASSASSINS ist DIRECT HIT dann trotzdem.

Man ist es als auch abseits ausgetretener Pfade suchender Filmseher gewohnt, allerlei krudes Zeug zu finden, das einem deutlich macht, wie eindimensional und auch singulär das Kino ist, das man aus Fernsehen, Kino und Videothek kennt. Philippinische Söldnerfilme, türkische Superheldenepen, bizarrer Trash aus den Sechzigerjahren, nigerianischer Horror: Man schaut diese Filme, weil man weiß, dass man etwas bekommt, das es nirgendwo anders gibt. Aber nach einiger Zeit merkt man: Die dort vorgefundene Craziness ist einfach nur eine andere Normalität. Anders verhält es sich aber mit einem Film wie GYMKATA: Von Robert Clouse inszeniert, dessen 1973 entstandener ENTER THE DRAGON entscheidend verantwortlich für den Martial-Arts- und Kung-Fu-Film-Boom der Siebzigerjahre war, und von MGM produziert, ist GYMKATA ein im Schoße des Mainstream entstandener Actionfilm, wie er auch im exotischen Mikronesien nicht bizarrer und bescheuerter hätte ausfallen können.

Der Turner Jonathan Cabot (Turnweltmeister Kurt Thomas) erhält von der US-amerikanischen Regierung einen Spezialauftrag: Er soll in die Zwergnation Parmistan am Hindukusch einreisen, dort am traditionellen „Game“ mitwirken, dem sich alle Immigranten stellen müssen, um bleiben und außerdem am Ende einen Wunsch äußern zu dürfen. Cabots Wunsch soll die Erlaubnis zur Stationierung von Bodenabwehrstationen des US-amerikanischen Star-Wars-Programms erwirken. Es gibt nur ein Problem: Seit 900 Jahren hat kein Teilnehmer das „Game“ bestanden – und jedem Verlierer winkt der Tod …

Diese bescheuerte Story wirft ja schon einmal etliche Fragen auf: Warum müssen die Amerikaner ihre Technologie unbedingt in Parmistan stationieren? Warum gehen sie den Umweg über die Teilnahme an einem Spiel, wenn die Erfolgsaussichten doch als ausgesprochen gering angesehen werden müssen, anstatt den diplomatischen oder militärischen Weg zu gehen? Warum wählen sie ausgerechnet einen Turner aus, der dann erst noch zum Martial-Artisten ausgebildet werden muss, anstatt gleich einen solchen anzuwerben? Der Film beantwortet diese Frage schon in seiner Tagline: „The Skill of Gymnastics, the Kill of Karate!“ Ja, der Logik des Films zufolge, ist ein karatekämpfender Turner besser als ein Karatekämpfer. No shit! Aber woher wissen die Amis überhaupt, dass sie einen Kämpfer brauchen, wenn doch noch nie jemand überlebt hat, um vom Wesen des berüchtigten „Game“ zu berichten? Nach allem, was die Amerikaner wissen, könnte es sich dabei ebenso gut um ein Wissensquiz, ein Schachspiel, Topfschlagen oder Wettessen handeln. Aber selbst, wenn sie annehmen, es setze Zweikampfkünste voraus: Warum muss Cabot dann lernen, auf Händen die Treppe hochzulaufen? (Die verblüffende Antwort: Damit man mehrere Draufsichten auf seine beturnhosten Eier unterbringen kann.) Zugegebenermaßen sind solche Logikfragen immer etwas kleinlich, aber man stimme mir bitte darin zu, dass vom Zuschauer hier etwas zu viel Suspension of Disbelief verlangt wird.

Weiter im Text: Cabot willigt ein – auch, weil bereits sein Vater dem „Game“ zum Opfer fiel. Wie unwahrscheinlich ist DAS bitte? Man muss doch eine seltene vererbbare Geisteskrankheit annehmen, wenn die Vertreter zweier aufeinander folgender Generationen einer Familie nichts Besseres mit ihrem Leben anzufangen wissen, als sich in einer Dritte-Welt-Nation am Hindukusch einem aussichtslosen Wettbewerb zu stellen. Das Überraschende an GYMKATA ist, dass er diesen Wahnsinn bis zum Ende durchhält. Das „Game“ entpuppt sich als Menschenjagd-Spiel, bei dem die Kandidaten durch einen reichlich anspruchslosen Hinderniskurs gehetzt werden, auf dem Ninjas als Fahnenstangen und Wegweisern platziert sind. Jaja, Ninjas: Die werden zwar nicht explizit so bezeichnet, sind mit ihren schwarzen Tarnanzügen aber eindeutig als solche zu identifizieren – auch wenn sie kaum ihren einzigartigen Talenten nachgehen dürfen. Der oberböse Jäger ist Zamir (Richard Norton in seinem charakteristischen Look mit Vollbart und Nackenspoiler), der in dieser Funktion auch Cabots Papa ermordete und außerdem auch dessen Love Interest, Prinzessin Rubali, ehelichen soll. In Actionfilmkonventionen gedacht, qualifiziert ihn das gleichzeitig zur dreifach lebenslänglichen Haftstrafe, zur Vierteilung, Enthauptung und Kastration, ewigen Verdammnis und öffentlicher Bloßstellung: Er bettelt förmlich um seine Hinrichtung durch den Helden. Die kommt dann auch, weil Cabot dank seiner Gymkata-Kampfkunst unbesiegbar ist: Und das ist dann wirklich der Gipfel des Films. Sein bevorzugter Move ist ein aus dem Stand gesprungener Salto mit einfacher Schraube, den er benutzt, um seinen Feinden auf den Kopf zu springen. Aber die Parmistanis – sämtlichst mittelalte Bauern mit Fellmützen und faulen Zähnen – bauen ihm förmlich goldene Brücken: Im letzten „Level“ des „Game“ muss Cabot durch eine alte Irrenanstalt, deren aufgebrachte Insassen ein wenig an die Mobs aus alten Universal-Filmen erinnert. Dort steht – aus unerfindlichen Gründen – dieses Turngerät herum, das man Pferd nennt und das Cabot nun für eine Turnerroutine nutzt, bei der die Irren bevorzugt mit ihren Gesichtern in seine herumwirblenden Füße rennen, anstatt ihn mit ihren Mistgabeln einfach runterzupieksen.

Ich schließe den Text jetzt, weil der Irrsinn namens GYMKATA nicht zu fassen ist. Ich empfehle jedem meiner Leser, diese unerklärliche Mischung schlechter Einfälle und mieser Umsetzung, US-amerikanischer Herablassung und rassistischer Klischees, schlechtem Schauspiel und katastrophaler Inszenierung ausfindig zu machen (es gibt eine US-DVD) und sich davon zu überzeugen, dass GYMKATA einer der bizarrsten Filme ist, die das Studiosystem jemals hervorgebracht hat. Ein Erlebnis.