Mit ‘Richard Pepin’ getaggte Beiträge

„Fist“ Sullivan (Sam Jones) arbeitet als Geldeintreiber und Schaukämpfer für die Familie von Mafiaboss Dino Diamond (Harry Guardino). Der hat soeben mit der Malucci-Familie einen trügerischen Friedenspakt geschlossen, um deren Anführer Victor Malucci (Abe Vigoda) in Sicheheit zu wiegen. Als sich die Gelegenheit bietet, ihn auszuschalten, schlägt Diamond eiskalt zu und schiebt den Mord Sullivan in die Schuhe …

Mit FIST OF HONOR versuchten sich die Köpfe der für krachige, gut aussehende DTV-Action bürgenden Produktionsgesellschaft PM Entertainment, Richard Pepin und Joseph Merhi, an einem etwas zurückgenommeren Mafia- und Rachefilm. Dieser Versuch ist jedoch nur bedingt als erfolgreich zu bewerten: Zwar gelingt es Pepin überraschend gut, die für das Mafiasujet angemessenen Bildwelten zu malen, wobei nicht zuletzt das tolle Mafia-Casting eine entscheidende Rolle spielt, doch bekommt er seinen Stoff erzählerisch nicht in den Griff. Es dauert eine gute Stunde, bevor sich überhaupt ein Plot herauskristallisiert, bis dahin gestaltet sich FIST OF HONOR als Aneinanderreihung mehr oder weniger zielloser Episoden, die mal den Konkurrenzkampf der Familien, mal Sullivan und seine Aufträge, mal sein Privatleben zum Inhalt haben. Die Besetzung Sullivans mit Sam Jones ist die höchste Hürde, die man zu nehmen hat, will man FIST OF HONOR etwas abgewinnen: Der grobe, eh nur wenig charmante und hier noch mit einem GI-Bürstenhaarschnitt gestrafte Jones, müht sich redlich, den Sympathieträger zu geben, doch sieht man immer nur den unbeweglichen Proleten, der sein Geld damit verdient, Leute zu vermöbeln, und trotzdem versucht als cooler Kumpel – etwa des Teenie-Nachbarmädchens – wahrgenommen zu werden. Im Grunde ist er nicht schlecht für die Rolle: Geldeintreiber wird man wohl kaum für seine zwischenmenschlichen Fähigkeiten oder wegen der sozialen Kompetenz und eine gewisse Grunddummheit ist wohl ebenfalls nötig, ein Engagement bei der Mafia niemals kritisch zu hinterfragen – vor allem, wenn man dem Chef die Freundin ausgespannt hat –, aber das ändert eben nichts daran, dass er als Identifikationsfigur schlichtweg ungeeignet ist. Das größte Manko des Films ist aber wahrscheinlich, dass das, worum es in FIST OF HONOR eigentlich hauptsächlich gehen sollte, nämlich die Rache Sullivans, in lausigen 20 Minuten abgesfrühstückt wird. Bemerkenswert ist Pepins Film in erster Linie für das überraschend niedrige Aggressionspotenzial des Helden: Als der den Mörder seine Freundin in die Finger kriegt, begnügt er sich damit, diesen durch eine Scheibe zu werfen. Das geht in anderen Filmen als Liebesbekundung durch!

Nach den Ereignissen von CYBER TRACKER: Eric (Don „The Dragon“ Wilson) arbeitet nach wie vor für den Secret Service und sein neuester Kollegen ist ein Tracker (Jim Maniaci), die sich offenbar trotz allen Protests als Ordnungshüter etabliert haben. Auch Erics Frau, die Fernsehreporterin Connie (Stacie Foster), darf ihren Job weiter ausüben, obwohl sie doch zuvor nebenbei für die radikale Terrororganisation U.H.R. (Union for Human Rights) tätig war: Dass ihre Organisation eine groß angelegte Verschwörung aufgedeckt hat, hat sie rehabilitiert. Doch damit scheint es schon wieder vorbei, als sie vor laufenden Kameras einen Gouverneur erschießt, sehr zum Entsetzen auch ihres Gatten. Es stellt sich aber „zum Glück“ heraus, dass der Mord auf das Konto eines Trackers mit Connies Antlitz geht, den der fiese Damien Rhodes (Steven Rowe) eingesetzt hat, um sich die für seine Pläne potenziell gefährliche Frau vom Hals zu schaffen. Und er hat auch noch einen Cyborg mit Erics Gesicht auf Lager …

Wer hätte das für möglich gehalten: CYBER TRACKER 2 ist nach dem doch eher drögen Vorgänger schon fast als qualitativer Quantensprung zu bezeichnen. Der Film legt hinsichtlich seiner Actionszenen eine ganze Schippe drauf, schon in der temporeichen Eingangssequenz geht mehr kaputt als in den 90 Minuten des ersten Teils zusammen, und im zuverlässigen Fünf-Minuten-Rhythmus fliegt etwas erst in und danach durch die Luft, rollen tosende Flammen über den Bildschirm, werden Autos geschrottet, Menschen und Menschmaschinen effektvoll erschossen. Zudem bietet Pepins Fortsetzung eine zumindest etwas breiter angelegte emotionale Palette, ergeht sich nicht ausschließlich in dystopischer, stahlblau gefärbter Tristesse, sondern erlaubt seinen Protagonisten auch mal ein Lächeln. Ein paar miese visuelle Effekte konnte sich Pepin zwar auch diesmal nicht verkneifen, doch ist dafür der ganze Rest aufwändiger geraten – oder sieht zumindest so aus. So weit, so gut. Trotzdem können diese positiven Eigenschaften nicht ganz darüber hinwegtäuschen, dass die Story etwas sehr um des Sequels willen konstruiert ist: Dass die Cybertracker (die jetzt also nicht mehr Coretracker wie noch im Vorgänger heißen) zum festen Bestandteil des amerikanischen Rechtssystems geworden sind, scheint nach den Ereignissen des ersten Teils eher unglaubwürdig. Nicht nur, dass sie schon dort niemand wirklich haben wollte, sie stellten sich ja auch noch als Erfindung eines Irren mit Weltbeherrschungsplänen heraus. Man sollte meinen, dass der Plan einer Computerexekutive nach solchen Erfahrungen erst einmal wieder vertagt worden wäre, zumal die Welt in CYBER TRACKER 2 insgesamt um Einiges freundlicher aussieht als noch zuvor. (Misstrauische und kritische Gemüter könnten aber mit einigem Recht vermuten, dass die geradezu klinisch sauber anmutenden gläsernen Bürotürme, die die Kulisse so vieler PM-Filme sind, nur täuschende Fassade sind, hinter der es gewaltig brodelt.) Aber vielleicht ist das ja auch gerade den Trackern zu verdanken, die am Ende sogar in der Lage sind, von ihren einprogrammierten Grundsätzen abzuweichen und menschliche Gefühle (ein Lächeln!) zu zeigen. Man könnte auch sagen, dass sich CYBER TRACKER 2 zum Vorgänger verhält wie Camerons T2: JUDGMENT DAY zu dessen erstem Teil: Die einstige Mordmaschine hat eine Lektion in Humanismus gelernt, zum Ausgleich muss da natürlich eine neue, noch effizientere Maschine her.

Vielleicht war es auch nur äußeren Umständen geschuldet, dass ich CYBER TRACKER 2 – aller Verbesserungen zum Trotz – über die gesamte Spielzeit als sprichwörtlich ermüdend empfunden habe. Neben den genannten, eigentlich verzeihbaren Mängeln scheint mir das Hauptproblem beider Filme in der Besetzung der Hauptfigur zu liegen: Wilson ist kein wirklich schlechter Actiondarsteller – hier hat er den geleckten Kurzhaarlook des ersten Teils zugunsten eines Desperado-Typs mit langen Haaren und Staubmantel abgelegt -, aber es gelingt ihm einfach nicht, bei mir Sympathie oder auch nur Empathie zu evozieren, wie das etwa Gary Daniels mit seiner Kartoffelnase durchaus schafft. Wilson wirkt selbst dann noch seltsam unbeteiligt, wenn um ihn herum alles in Flammen aufgeht. Egal. Wer Lust auf eine amtliche Zerstörungsorgie aus dem Hause PM Entertainment hat, fährt mit CYBER TRACKER 2 definitiv besser als mit dem ersten Teil, den es jedoch braucht, um den Einstieg zu finden. Wählerische Menschen finden aber zahlreiche bessere Filme, die unter der Ägide von Pepin und Merhi entstanden sind. Auch wenn in denen nicht Apollo Creeds Trainer Tony Burton mitspielt.

In nicht allzu ferner Zukunft: Das Rechtssystem der USA wird durch die Firma Cybercore, die unter der Schirmherrschaft von Senator Dilly (John Aprea) steht, komplett computerisiert, für die sprichwörtliche Exekutive sind keine Polizisten, sondern so genannte CoreTracker (Jim Maniaci) zuständig, nahezu unverwundbare und zum Töten programmierte Androiden. Als der neu im Dienst Dillys stehende Secret-Service-Agent Eric Phillips (Don „The Dragon“ Wilson) erfährt, wie Dilly mit seinen zahlreichen Kritikern umgeht, nimmt er kurzerhand Reißaus und steht fortan sowohl auf der Abschussliste von Secret-Service-Chef Ross (Richard Norton mit seinem putzigen Aussie-Akzent) als auch der CoreTracker. Auf der Flucht wird Phillips von einer radikalen Menschenrechtsorganisation aufgegriffen, die sich von ihm wertvolle Hilfe im Kampf gegen Dilly und Cybercore erhofft …

Nach meinen Lobeshymnen über die Filme von PM Entertainment musste zwangsläufig mal ein schwächerer Film der Firma des Weges kommen: Hallo CYBER TRACKER, setz dich hin und nimm dir ’nen Keks, ich rede gerade über dich. Die Frage nach den moralisch-philosophischen Implikationen einer automatisierten Rechtsprechung, wie sie etwa ROBOCOP oder MINORITY REPORT stellen, um nur mal zwei Beispiele zu nennen, bietet eigentlich genug Stoff auch noch für den xten Film, der sich ihr annimmt. Leider jedoch dient sie Pepin – der mir gegenüber seinem Spezi Merhi der deutlich schlechtere Regisseur zu sein scheint – nur als relativ willkürliche Prämisse für Science-Action von der Stange. Die Problematik wird in einer Szene zu Beginn, in der sich der Senator einer kritischen Menge aus Demonstranten und Reportern stellt, grob umrissen (sein schönstes Argument pro Computerexekutoren: endlich würden keine Polizisten mehr in Ausübung ihrer Pflicht erschossen), um danach zugunsten eines etwas faden und unterentwickelten Cyborg-on-the-loose-jagt-einen-Unschuldigen in den Hintergrund zu treten. Hinter Cybercore stecken letztendlich keine politischen Hardliner, die für eine Zero-Tolerance-Politik eintreten, sondern ein diabolischer Mad Scientist, der die als minderwertig empfundene Menschheit komplett durch bessere Maschinen ersetzen möchte. Es ist klar, dass Differenzierungen da auf der Strecke bleiben müssen.

So richtet Pepin sein Augenmerk auf das, wofür PM Entertainment in erster Linie steht: dicke Explosionen und Feuerstunts, zerstörungswütige Autocrashes, Martial-Arts-Fights und Schießereien sowie ein paar nur wenig überzeugende visuelle Effekte. Gegenüber Filmen wie RIOT, RAGE oder T-FORCE kommt CYBER TRACKER aber auch in dieser Hinsicht nicht über unteren Durchschnitt hinaus, was nicht zuletzt darin begründet ist, dass der ganze Film einen etwas schlampigen und hingeworfenen Eindruck macht. Vor allem mit der inneren Logik und Kohärenz hapert es: Da wird einmal behauptet, der CoreTracker sei aus einem völlig neuartigen, physikalischen Gesetzen trotzenden Material gefertigt, dass quasi immateriell ist und somit nicht beschädigt werden kann, nur um dann wenig später zu zeigen, wie Phillips dem Androiden einen Arm abschießt. Und sieht man zu Beginn in einer Subjektiven, dass der CoreTracker mit einer Zielautomatik ausgestattet ist, die absolute Treffsicherheit gewährleistet, ist er bei einem späteren Schusswechsel in einem mit Personen geradezu vollgestopften Raum, in dem selbst ein Blinder nach allen Regeln der Wahrscheinlichkeitsrechnung mal einen Glückstreffer landen müsste, nicht in der Lage, einen seiner Gegner auch nur zu verwunden. Ganz ohne Meriten ist CYBER TRACKER trotzdem nicht: Der Film ist durchaus kurzweilig, hat hier und da seine Momente – etwa in einem selbstmörderischen Feuerstunt am Ende -, das Finale macht Einiges wieder gut, was vorher verbockt wurde, und Filtereinsatz und die Ausleuchtung mit einem eisigen Blau sind teilweise so exzessiv, dass sie fast zu einer Disintegration der Oberflächenstruktur des Bildes führen: Manchmal weiß man nicht mehr, ob man da einen Spiel- oder einen Zeichentrickfilm vor sich hat. Überdies fällt CYBER TRACKER durch die völlige Abwesenheit jeglichen auflockernden Humors auf: Der ganze Film ist von einer verbissenen Ernsthaftigkeit geprägt, die im harten Kontrast zu seinem infantilen Inhalt steht.

Los Angeles in der nahen Zukunft des Jahres 2004: Während Kopien eines Aids-Impfstoffs den Markt fluten, haben die Polizisten Braniff (Chad McQueen) und Sledge (Gary Daniels) alle Hände voll zu tun, denn das Verbrechen ist vollkommen außer Kontrolle geraten. Hatte die Stadt das Verbrechen vor Jahren durch die Einrichtung einer „Personal Freedom Zone“, in der so genannte opferlose Verbrechen (Drogenhandel, Prostitution etc.) nicht mehr strafrechtlich verfolgt wurden, in den Griff bekommen, hat sich diese Zone nun in ein Kriegsgebiet verwandelt, dessen Konflikte immer mehr über seine Grenzen hinaustreten. Als Braniff und Sledge ein Gangmitglied (Jim Hellwig, der ehemalige Catchprofi „Ultimate Warrior“) in die Zone verfolgen, landen sie im Etablissement des Gangsterbosses Drexal (Joseph Ruskin), der dort Cage Fights veranstaltet. Sledge und Braniff beschließen, sich als Teilnehmer einzuschleusen …

Man merkt es vielleicht schon: FIREPOWER ist inhaltlich etwas zerfahren, packt die Ideen für mindestens zwei Filme in einen, der in der Folge nie so ganz zu sich findet. Pepin ist im PM-Stall für die Science-Fiction-Stoffe zuständig und so versprechen die ersten 20 Minuten ein absolutes Fest, das jedoch leider vertagt werden muss, als sich FIREPOWER in einen Arena-Fight-Film verwandelt. Dieses Subgenre des Actionfilms bezieht seinen Reiz aus der Gegenüberstellung unterschiedlicher Typen und Charaktere, deren Eigenschaften sich in unterschiedlichen Kampfstilen niederschlagen, sowie aus einer Dramaturgie, die der einer Sportveranstaltung nicht unähnlich ist: Man lernt während der Vorkämpfe die einzelnen Teilnehmer kennen, entwickelt Vorlieben und Abneigungen und sieht im Finalkampf idealerweise die Auseinandersetzung zwischen dem eigenen Favoriten und der persönlichen Hassfigur. Die Verteilung der Sympathien wird natürlich durch die Inszenierung gesteuert und die affektive Bindung durch Integration saftiger Spezial- und Toneffekte sowie aufwändige Choreografien gesichert. All das gelingt Pepin auf den ersten Blick nicht: Den Kämpfen fehlt jede dramaturgische Verbindung, weil der Turniermodus unklar ist, die Kämpfer bleiben bis auf eine Ausnahme (Art Camacho als „Viper“) anonym. So prügeln sich Sledge und Braniff dem Ende entgegen und man trauert über die verpassten Möglichkeiten.

Doch halt: Wie bei so vielen PM-Filmen steckt der Teufel auch hier im Detail. Das Turnier ist nämlich von Beginn an ein Fake, weil Drexal und seine Untergebenen das Kampfgeschehen aus einem Hinterzimmer per Computer manipulieren und so dafür sorgen, dass immer der „Richtige“ (= der, der ihnen am meisten Knete verschafft bzw. ihnen gewogen ist) weiterkommt; und verläuft etwas nicht nach Plan, erfinden sie einfach eine Ausnahmeregelung, die einem verwunderten Kämpfer eine unverhoffte Finalteilnahme verschafft. Auch dass die beiden Cops über die Fights ihr eigentliches Ziel aus den Augen verlieren, hat durchaus Methode: Vor allem Sledge geht in seiner neuen Rolle als Cagefighter vollkommen auf und legt ein äußerst unangenehmes Imponiergehabe an den Tag. Schrieb ich zu RIOT noch, dass Daniels in seinen Filmen zwar uncharismatisch, aber stets sympathisch daherkomme, so straft mich FIREPOWER Lügen: Mit blondem Pferdeschwanz, ärmellosem Holzfällerhemd, dämlichen Prolo-Phrasen wie „Rock’n’Roll“ und seinem arroganten Auftreten im Ring stellt er die Sympathien des Zuschauers auf eine harte Probe. Aber auch das ist eine Art Finte des Drehbuchs: Sledge wird von der anscheinend grenzenlosen Freiheit in der „Personal Freedom Zone“ verführt. Endlich kann er seinen niedersten Instinkten frönen und wird dafür auch noch bezahlt. Daniels Schauspiel ist mitnichten eine Fehlleistung, sondern führt zielgenau auf ein Ende hin, das ich hier nicht verraten möchte. Ich habe jedenfalls ziemlich blöd geguckt, als alle vorher als solche identifizierten Mängel plötzlich in einem ganz anderen Licht erschienen. FIREPOWER weist einige solcher Löcher auf, die am Schluss mit einem Mal Sinn ergeben. Mehr als in die Phalanx der mit dystopischen Motiven nur spielender Actionfilme reiht er sich so zwischen den echten filmischen Dystopien ein, indem er eine Welt zeichnet, die nicht nur an der sichtbaren Oberfläche verrottet und abgestorben ist, sondern deren Seelenlandschaften kaum weniger desolat aussehen.

MPW-35930[1]Die USA in einer nicht allzu fernen Zukunft: Als die hoch entwickelten Cybernauten der „Terminal Force“ beim Versuch, Geiseln aus der Hand von gefährlichen Terroristen befreien, ein Blutbad anrichten, erhält deren geistiger Vater den Befehl, sie endgültig abzuschalten. Weil die hoch entwickelten Roboter jedoch auf Selbsterhaltung programmiert wurden, setzen sie sich zur Wehr und erklären dem System, das sie nun als „korrupt“ ansehen, den Krieg. Der Cop Jack (Jack Scalia) versucht, die amoklaufenden Maschinen gemeinsam mit dem abtrünnigen Cybernauten Caine (Bobby Johnston) unschädlich zu machen …

T-Force. Terminal Force. Die beendende Kraft. Die Kraft, die Widersprüche beseitigt. Die Kraft, die Fragen in Aussagen verwandelt. Die Kraft, die Potenzen in Fakten verwandelt. Wann immer der Mensch vor unlösbaren Problemen steht, sehnt er sich nach einer Maschine, die sie lösen kann; die Antworten weiß, wo er nur Fragen kennt. Die Cybernauten aus T-FORCE haben nicht nur die Rechenkapazität, um zu deduzieren, logische Schlüsse zu ziehen und Entscheidungen zu treffen, sie verfügen auch über die physische Kraft, die abgeleiteten Lösungsmöglichkeiten in die Tat umzusetzen: Realität zu schaffen. Das Problem: Realität ist unumkehrbar. Das Dilemma: Nicht jede reale Problemsituation gleicht einem Versuchsaufbau. Der Grund: “ There are gray areas.“ Der menschliche Glaube an die Ausrechenbarkeit von Gefahrensituationen und die Errechenbarkeit von entsprechenden Problemlösungen ist ein Aberglaube, der den Cybernauten der T-Force zum Verhängnis wird. Und der systembedingte „Aberglaube“ der Cybernauten besteht darin, anzunehmen, dass sich auch die reale Welt in Zustände des „An“ und „Aus“, des „Entweder Oder“ fassen ließe. Dass dieselbe Autorität, die ihnen die Direktive der Selbsterhaltung einprogrammierte, sie nun abschalten will und damit den Verstoß gegen die eigene Direktive fordert, löst den „Kurzschluss“ aus, das System sei korrupt. Die T-Force braucht Eineindeutigkeit, sie kann mit dem Widerspruch nicht leben. Also muss sie ihn zerstören.

Der Traum, der hinter dem Cyborg steht, ist derselbe, den der Actionheld per se verkörpert: Er handelt impulsiv und schafft Realität – eine neue, bessere. Das implizit Maschinelle des Actionhelden – sein „gestählter“ Körper – wird im Cyborgfilm zum explizit Maschinellen und damit zum eigentlichen Problem. Der Cyborg kann nicht außerhalb seiner maschinellen Verfasstheit denken, weil er nur Maschine ist. Wo der Actionheld noch aus oft genug im Widerstreit liegenden Geist und Körper besteht, ist der Cyborg eins. Er kennt keine moralischen Schranken, nur seine Programmierung. Im dystopisch angehauchten Cyborg-Subgenre wird dieses Positive nun ins Negative gewendet. Man könnte sagen, der Cyborgfilm sei die Selbstkritik des Actionfilms. Wenn in T-FORCE der Dialog zwischen Mensch und Maschine in Form der Freundschaft zwischen dem Roboterhasser Jack und dem Cybernauten Caine angeregt wird, dann werden Geist und Körper wieder vereint. Die Frage ist nur, wer welche Rolle übernimmt: Der Cop Jack jedenfalls rettet von seinem nahezu unzerstörbaren Maschinenfreund ausgerechnet dessen Gehirn, das ihm in Zukunft Gesellschaft beim Kartenspielen leisten soll.

Ich möchte hier nebenbei eine Lanze für die Filme der Produktionsgesellschaft PM Entertainment von Richard Pepin und Joseph Merhi brechen, die in den Neunzigerjahren fast ganz allein dafür gesorgt hat, dass das Actiongenre nicht untergeht. Während die großen Studios ihre Millionen in familientaugliche Eventfilme pumpten, drehten PM reihenweise Filme für den Videomarkt. Den damals angesagten, billigen Kickboxfilmen setzten sie aufwändig produzierte Actioner entgegen, die sich meist durch fette Explosionen, haarsträubende Stunts und halsbrecherische Verfolgungsjagden auszeichneten. T-FORCE ist einer ihrer wunderbaren Filme, die zudem einen unverwechselbaren Stil aufweisen – charakteristisch sind neben Darstellern wie Jack Scalia und Evan Lurie vor allem die klinisch-steril wirkenden Glasbauten, Bürohäuser und Industrielandschaften, in denen die Filme spielen und die ihre Atmosphäre entscheidend bestimmen – und in ihrer dramaturgischen Verkürzung und Überspitzung schlichtweg avantgardistisch sind (die Filme scheinen allesamt in einem Paralleluniversum zu spielen, das sich aus filmischen und popkulturellen Klischees speist). Man kann überall lesen wie dumm und billig sie sind. Doch dieses Urteil ist letztlich auch nur einer roboterhaft einseitigen Wahrnehmung der Welt geschuldet.