Mit ‘Richy Müller’ getaggte Beiträge

Episode 206: Die Reise nach München (Alfred Weidenmann, 1992)

Der arbeitslose Hugo Sassner (Stefan Wigger) reist nach München, um sich dort einen Job zu suchen – seine Frau droht, ihn zu verlassen, wenn er nicht langsam wieder in Lohn und Brot kommt. Doch Sassner hat wenig Erfolg. Dann schlägt das Schicksal zu: Im Nachbarzimmer der miesen Absteige, in der er sich eingemietet hat, bringt der unbeherrschte Berthold Holzinger (Michael Roll) eine Prostituierte um. Sassner hilft dem jungen Mann, seine Spuren zu verwischen und unbemerkt zu fliehen – und erpresst ihn anschließend: Sein Schweigen gegen eine Festanstellung. Holzingers Mutter (Ursula Lingen) lässt ihre Kontakte spielen und verschafft Sassner die ersehnte Stelle. Dessen sichtbare Freude weckt jedoch berechtigten Verdacht in Derrick …

Gute Episode, die mit ihren rücksichtslosen Egoisten thematisch den Bogen zu den Glanzzeiten der Serie schlägt. Das Zusammenspiel von Wigger – ein Waschlappen, der die Arschbacken zusammenkneift und ob seines Triumphes größenwahnsinnig wird -, Roll – schwitziger Totschläger, der noch schwitziger wird, als er merkt, dass sein vermeintlicher Wohltäter ihn in der Hand hat – und Lingen – cool kalkulierende Mutterfigur, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt, aber weiß, dass sie Derrick nicht an der Nase herumführen kann – ist der Schlüssel zum Erfolg. Lustig außerdem, wie vorsintflutlich die Welt eines Jobsuchenden im Jahr 1992 heute anmutet: Den Satz „Ich nehme mir ein Hotel in München, dann kann ich gleich morgens die Stellenanzeigen lesen, wenn die Zeitungen rauskommen“ muss man jüngeren Zuschauern wahrscheinlich erst einmal übersetzen.

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Episode 207: Ein seltsamer Ehrenmann (Zbynek Brynych, 1992)

Der Kleinkriminelle Krowacs (Claude-Oliver Rudolph) wird von Grigo (Henry van Lyck) beauftragt, den Studenten Berthold Masinger (Philipp Moog) umzubringen. Krowacs willigt ein, doch vor dem jungen Mann packt ihn das Gewissen. Als Masinger wenig später dennoch tot ist, sucht Krowacs Derrick auf …

Rudolph war in seinen DERRICK-Auftritten bisher immer gut, aber es haperte manchmal an den Rollen, die man ihm zuwies. Hier nun steht er ganz im Zentrum und begeistert als „seltsamer Ehrenmann“, sprich als Krimineller mit Ehrgefühl. Die Szene, in der er seinem Opfer gegenübertritt, sich dann aber anders entscheidet und schließlich auf einen Kaffee und ein Pläuschchen bleibt, ist großartig (auch wenn man sich kaum vorstellen kann, dass Rudolph sich freiwillig mit dem Popper Moog abgegeben hätte), nicht minder cool ist sein anschließender Anruf bei seinem Auftraggeber, dem er nur lapidar mitteilt, dass er es sich anders überlegt hat und seinen Lohn gern zurückgeben würde. Mit Tappert entwickelt Rudolph zudem eine unvorhergesehene Chemie und beim Schlussbild musste ich fast ein wenig an die Männerepen eines John Woo denken. Lediglich der Kriminalfall hinter dieser Männergeschichte ist nicht so prall. Macht aber gar nichts.

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Episode 208: Mord im Treppenhaus (Helmuth Ashley, 1992)

Frau Kollwitz wird im Treppenhaus ihres Wohnhauses ermordet. Ihr Ehemann (Rüdiger Vogler) ist erschüttert, auch wenn der Haussegen länger schon schief hing: Für den Unterhalt der Familie sorgte die Gattin in ihrer Nebentätigkeit als Luxusprostituierte. Als Sohn Martin (Holger Handtke) davon erfährt, ist er am Boden zerstört …

Es moralisiert mal wieder. Aus der Frau, die ihre Familie durch vollen Körpereinsatz ernährt, weil ihr Mann wieder einmal einer jener typischen DERRICK-Waschlappen ist, wird in den mitleidlosen Dialogen eine „Hure“, aus ihrem Tun eine moralisch verwerfliche Tat und ein Verrat an ihrem Mann und ihrem Sohn. Ihre Kunden sind ekelhafte Bonzen von zweifelhafter Lebensauffassung, die sich natürlich keiner Schuld bewusst sind und die gnadenlos an den Pranger gestellt werden, obwohl sie ja lediglich eine Dienstleistung in Anspruch nahmen – und diese ziemlich fürstlich bezahlten. Immerhin gibt es einen Auftritt von Harald Leipnitz als einer dieser eklen Freier.

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Episode 209: Die Festmenüs des Herrn Borgelt (Alfred Weidemann, 1992)

Der ältere Herr Borgelt (Ernst Schröder) reist nach dem Drogentod seiner Tochter (Svenja Pages) nach München und sucht die Männer auf, die er für verantwortlich für ihr Ende hält. Während er dann abends im Hotel ein üppiges Menü zu sich nimmt, finden sie ihren Tod. Mit wem arbeitet er zusammen?

Mal wieder eine Selbstjustizepisode: Auf der Habenseite sind der als distinguierter älterer Herr auftretende Ernst Schröder zu verbuchen, dessen vornehmen Ausführungen über guten Wein ich stundenlang zuhören könnte, sowie Henry van Lyck als Pornoproduzent: Der Einblick in den Dreh eines seiner Filme ist allein den Eintrittspreis wert. Dann natürlich die schöne Svenja Pages, die ihrem Papa regelmäßig Videotapes von sich schickt, von denen sie nun in Reinecker’scher Diktion direkt in die Kamera schwafelt. Der Besuch in einem sozialen Auffangbecken für Junkies ist auch amüsant und Irene Clarin als feuereifrige Sozialarbeiterin voll in ihrem Element. Man könnte sich das Ganze sehr gut als Schwarze Komödie aus Frankreich vorstellen. In Weidenmanns Inszenierung ist alles etwas biederer, aber letztlich bleibt eine gute Episode.

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Episode 210: Der stille Mord (Theodor Grädler, 1992)

Eine junge Frau wird in der Isar gefunden. Offenbar wurde sie bei einer Betriebsfeier ihres Arbeitgebers vergewaltigt und dann „entsorgt“. Als Verdächtige kommen ihre Vorgesetzten Weber (Dirk Galuba), Dowald (Robert Jarczyk) und Hahne (Gerd Baltus) in Frage. Bei den Ermittlungen kreuzt immer wieder Frau Zinser (Sonja Sutter) mit ihren beiden Töchtern Derricks Weg …

Man wünschte sich, dieses Drehbuch wäre in den Siebzigern verfilmt worden, mit bier- und zigarrenrauchgeschwängerten Eindrücken von der Betriebsfeier, bei der geile Männerfinger am jungen Praktikantinnen-Po herumfummeln, bis die schwitzigen Herrschaften schließlich auf eine Leiche herniederschauen. Anfang der Neunziger war man taktvoller und hüllte den Mantel des Schweigens über die Tat – zumindest verlegte man sie in die extradiegetische Vorvergangenheit der Episode. Zum Ausgleich führt Reinecker aber die drei Frauen ein, die schwarz gewandet wie Rachegeister durch die Geschichte wandeln. Wie schon in ISOLDES TOTE FREUNDE begeistert vor allem Juliane Rautenberg mit ihrem abwesenden Gesichtsausdruck. Selten hat Anti-Schauspiel so nachdrücklich gewirkt wie hier.

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Episode 211: Beatrice und der Tod (Theodor Grädler, 1992)

Derrick wird die Journalistin Beatrice (Elisabeth Trissenaar) zur Seite gestellt, die eine Story über die Arbeit der Mordkommission schreiben soll. Mit Mördern und ihren Opfern konfrontiert zu werden, fasziniert die Frau vielleicht etwas zu sehr …

Hier stimmt gar nichts und man fragt sich, ob Reinecker wirklich so ein schlechtes Bild von Journalisten hatte oder ob er sich schlicht einen Scheißdreck für Authentizität und Plausibilität interessierte. Anstatt den Lesern ihres Blättchens eine Story zu geben, die diese auch wirklich lesen wollen, verliert sich die Journalistin Beatrice in philosophischen Spekulationen über das Wesen von Mord als „intimstem Moment, den Menschen miteinander teilen können“ und anderen Spinnereien, die sie in nicht enden wollenden, Fremdscham auslösenden Monologen ausbreitet. Zu Papier bringt sie gar nichts und man fragt sich, für was sie von ihrem Chef eigentlich bezahlt wird bzw. wie der sich eine solche Mitarbeiterin leisten kann. Ihre Spinnerei ist dramaturgisch natürlich begründet, aber die Auflösung ist so doof, dass sie weder das Gesamtkonstrukt noch die Etablierung einer solch durch und durch nervtötenden Figur rechtfertigen würde. Und dass sich Reinecker hier zum dritten Mal innerhalb kürzester Zeit selbst kopiert, habe ich dabei noch gar nicht erwähnt. Die zwei Sterne gibt es nur, weil die Episode „Lena“ noch beschissener ist.

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Episode 212: Eine eiskalte Nummer (Helmuth Ashley, 1992)

Als der Geschäftsmann Rudger (Peter Fricke) von zwei Einbrechern überrascht wird und diese anschließend ihre Waffe bei ihm vergessen, schaltet er blitzschnell: Er nutzt die Pistole, um den wenig später bei ihm auftauchenden Partner umzubringen, der ihn wegen Betruges vor einen Richter zerren möchte, und schiebt den Mord den beiden Einbrechern in die Schuhe …

Peter Fricke ist mal wieder in seinem Element als manisch-arroganter Geschäftsmann, der andere mit weit aufgerissenen Augen taxiert, als wolle er sie hypnotisieren. Standardware bis zum Schluss, als Schauspieler Ullrich Haupt von Derrick die Rolle seines Lebens annimmt: Er kann die Stimme des Toten täuschend echt imitieren und ruft dann gewissermaßen aus dem Totenreich beim Mörder an. Es spricht aber ausnahmsweise nicht für die Inszenierung Ashley, dass vor allem jene Szene im Gedächtnis bleibt, in der eine kreuzpeinliche „Rock“-Band ihren schrottigen AOR-Sound am hellichten Tag in einer Kneipe probt – in Zimmerlautstärke.

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Episode 213: Tage des Zorns (Günter Gräwert, 1992)

Der Polizist Alfred Heckel (Klaus Grünberg) ist außer sich: Der Nachtclub-Betreiber Donath (Jürgen Schmidt), den er vor Jahren in den Knast gebracht hatte, hat ihm die Gattin (Jessica Kosmalla) ausgespannt. Er bittet Derrick um Hilfe …

Mal wieder etwas anderes, aber letztlich scheitert die interessante Episode an Reineckers fragwürdigen Moralvorstellungen und einem Drehbuch, dass es sich zu leicht macht. Wie spannend wäre es gewesen, wenn Henkels Ex-Frau und der schmierige Loddel tatsächlich eine ernsthafte Liebesbeziehung miteinander führen würden? Stattdessen darf das natürlich nicht sein, muss sich Donath dann eben doch als frauenhassender Drecksack und Manipulator herausstellen, der sich nur dafür rächen will, einst in den Knast gesteckt worden zu sein. Und Derrick hat es von Anfang an geahnt, weil eine Besserung einst straffällig gewordener Subjekte in Reineckers Welt einfach undenkbar ist. Dass die Folge dennoch eher positiv im Gedächtnis bleibt, liegt am herrlich geschmacklosen Setting, an Jürgen Schmidt, der in diesen Rollen einfach super ist (auch ohne Schnauzbart), und an Wepper, dessen Harry sichtlich Freude daran hat, sich während der Dienstzeit einen Whiskey am Tresen des Etablissements reinzugießen und dabei mit der Bardame (Krista Posch) zu plaudern.

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Episode 214: Die Frau des Mörders (Zbynek Brynych, 1992)

Der im Sterben liegende Abel (Gerd Baltus) lässt sich auf einen Deal ein: Er gesteht einen Jahre zurück liegenden Mord, um dem einsitzenden Täter (Christian Berkel) die Freiheit zu verschaffen – gegen ein stattliches Sümmchen, das Abels Gattin (Thekla-Carola Wied) zugute kommt. Doch Derrick ahnt, dass da etwas nicht stimmt.

Die Prämisse ist nicht uninteressant, aber wie so oft in den Neunzigern konzentriert sich Reinecker vor allem auf genau jene Aspekte der von ihm erdachten Geschichte, die eher nicht so aufregend sind. Hier ist das Derricks „Bearbeitung“ der Witwe, von der es abhängt, ob der wahre Mörder auf freiem Fuß bleibt. Dass Derrick die Täter immer wieder bedrängte, ihnen auf die Nerven ging, sie in die Enge trieb und ihnen wie eine Bulldogge am Hosenbei zerrte, gehörte in den ersten Jahren zu seinem bevorzugten Modus operandi – und seine sichtbare Freude daran übertrug sich unvermittelt auf den Zuschauer. Die Methode ist die gleiche, doch Derrick ist ungleich sanfter und wendet sich eher an die Opfer, die er – einem Priester oder Seelsorger gleich – dazu bringen möchte, sich von der Last der Schuld zu befreien. Hier ist es seine Strategie, die Witwe immer wieder damit zu konfrontieren, nun die Frau eines Mörders zu sein. Dass diese Maschen natürlich nur funktionieren kann, weil eine konservative Gesellschaft aus Reineckers eine Ehefrau in Sippenhaft für ihren Gatten nimmt, reflektiert er leider nicht. Das Problem unzähliger später DERRICK-Episoden: Sie funktionieren nur innerhalb Reineckers eng abgezirkelter Welt.

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Episode 215: Billies schöne, neue Welt (Wolfgang Becker, 1992)

Billie (Muriel Baumeister), die Tochter des dubiosen Diskothekenbesitzers Troyka (Bernd Herzsprung) wird immer wieder mit Drogentoten im Etablissements des Papas konfrontiert. Nachdem sie zusammen mit ihrem Freund Christian (Nikolaus Gröbe) eine Leiche in einem Waldstück entsorgen muss, erleidet sie einen Nervenzusammenbruch.

Hier gilt dasselbe wie für die vorangegangene Episode: Eine grundsätzlich interessante Prämisse wird zugunsten eines behelfsmäßig zusammengezimmerten Melodrams verschenkt. Das Setting – ein Familienbetrieb, in dem die lapidare Sterbehilfe für Drogenabhängige, die einem sonst Ärger machen könnten, so selbstverständlich ist, dass sogar die eigene Tochter in den Prozess der Leichenentsorgung involviert wird – ist so bizarr wie spannend, und es sind nicht zuletzt Bernd Herzsprung und der Thomas Schücke, die diese Idee verkaufen. Anstatt sich mehr auf diese Familie zu konzentrieren, entscheidet sich Reinecker aber, das junge Liebespärchen in den Mittelpunkt zu rücken und das wird mitunter schmerzhaft. Bei den gespreizten, artifiziell deklamierten Dialogen zwischen den beiden Liebenden am Ende fühlt man sich in bemühte Theaterinszenierungen mit pädagogischem Anspruch versetzt. Schlimm.

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Episode 216: Ein merkwürdiger Privatdetektiv (Helmuth Ashley, 1992)

Johann Raude (Peter Fricke) lässt seine junge Gattin (Heike Faber), die eine Affäre mit dem jungen Ingo (Tobias Hoesl) hat, vom Privatdetektiv Lippen (Richy Müller) beschatten. Dem ist das junge Liebespaar so sympathisch, dass er seinem Auftraggeber kurzerhand die Mitarbeit verweigert. Der kommt dem Betrug seiner Ehefrau trotzdem auf die Schliche und verprügelt sie brutal. Wenig später wird er erschossen. Und die beiden Hauptverdächtigen geben sich gegenseitig ein Alibi.

Auch hier schlittert Reinecker etwas unsicher auf dem Schmierfilm seiner unangenehm verklärten Weltsicht und bietet zudem eine enttäuschende Auflösung auf, aber insgesamt rettet er sich dann doch noch ins gehobene Mittelmaß – was er vor allem Richy Müller zu verdanken hat, der als idealistischer Privatdetektiv einfach sehr sympathisch rüberkommt und auch die kantigsten Dialogperlen Reineckers noch unfallfrei hervorbringt. Derricks Zurückhaltung angesichts der Misshandlung der jungen Frau stieß mir aber irgendwie sauer auf: Kann der da nicht mal klare Kante zeigen? Die latente Misogynie der Serie wird in diesen späten Jahrgängen immer deutlicher. Wie der Autor das mit seinem Gesäusel von der wahren Liebe zusammenbringt, ist mir ein Rätsel.

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Episode 217: Kein teurer Toter (Helmuth Ashley, 1992)

Der Rechtsanwalt Dr. Lohst (Will Dann) sucht Derrick mit einem Anliegen auf: Sein Klient, der Unternehmer Berger (Joachim Kemmer) erhält Morddrohungen per Telefon. Niemand wundert sich so recht darüber, auch der Betroffene selbst nicht, denn Berger ist ein Tyrann, der erst aufblüht, wenn alle um ihn herum vor Angst zittern. Doch dann wird er wirklich tot aufgefunden, erschossen und in den Maschinen seiner Firma zersägt …

Früher hätte sich Reinecker mit Lust auf den Charakter des brutalen Berger gestürzt, hätte Derrick sich mit der ihm eigenen Hartnäckigkeit an ihm abarbeiten lassen, sich einen Spaß daraus gemacht, dem Misanthropen den Spiegel vorzuhalten und ihn zu bestrafen. Aber leider befinden wir uns im Jahr 1992 und da darf Joachim Kemmer kaum mehr als einen Gastauftritt abliefern, in dem er bezeichnenderweise sympathischer rüberkommt, als all die Waschlappen und Angsthasen um ihn herum. Stattdessen rückt Lohst in den Mittelpunkt, der sich natürlich – das dürfte wirklich nur die wenigsten Zuschauer überraschen – am Ende als der Mörder herausstellt. Sein Motiv: Der Freund der Familie kann es einfach nicht ertragen, wie Gattin (Ingeborg Schöner) und Tochter (Juliane Rautenberg) unter dem Grobian leiden. Vor allem letztere, eine sensible und (zum zweiten Mal nach „Isoldes tote Freunde“) hochbegabte Kirchenorgelspielerin, droht unter dem Einfluss des Vaters förmlich zu zerbrechen, eine Tatsache, die Lohst immer und immer wieder in gewohnt steifer Reinecker-Sprache zu Protokoll gibt. Ich freue mich für Will Danin, dass er hier mal eine etwas größere Rolle übernehmen durfte, aber sein Lohst ist wirklich eine unfassbar freudlose Figur. Der Begriff ist ungut vorbelastet und eigentlich möchte ich ihn gar nicht benutzen, aber hier passt er wie die Faust aufs Auge: Er ist ein unerträglicher Gutmensch, dessen Eifer im Kampf für das Gute im Menschen und den Erhalt der grotesk idealisierten Reinheit seines Schützlings fast schon biblische Züge annimmt. Das wäre ja alles nicht so schlimm, wenn das letzte Drittel der Episode nicht nahezu ausschließlich aus Dialogen zwischen ihm und Derrick bestünde, in denen er sich um einen Dauerauftrag vom „Wort zum Sonntag“ zu bewerben scheint. Was für eine vertane Chance – vor allem vor dem Hintergrund, dass „Kein teurer Toter“ der einzige DERRICK-Auftritt des charismatischen Kemmer bleiben sollte.

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