Mit ‘Rob Lowe’ getaggte Beiträge

the20standln den Achtzigerjahren, als sich die Stephen-King-Verfilmungen die Klinke der Kinosäle in die Hand gaben, waren George A. Romero und John Boorman im Gespräch gewesen, die Verfilmung von Kings epischem Tausendseiter über das Ende der Welt und den anschließenden Kampf von Gut und Böse bzw. Gott und Teufel zu übernehmen, bis man sich dann in einem Anfall der Vernunft darauf einigte, den Roman als „unverfilmbar“ zu erklären und das Projekt zu canceln. Die Idee, die Vorlage als insgesamt rund achtstündige TV-Miniserie umzusetzen, war angesichts des Romanumfangs naheliegend, doch nach der Sichtung der auf sechs Stunden eingedampften Heimkino-Version, würde ich behaupten, man hätte das ursprüngliche Urteil beherzigen und die Finger von dem Stoff lassen sollen. Für den TV-Sender ABC lohnte sich das Mammut-Unternehmen indessen: Die Fernsehausstrahlung erreichte Rekordquoten, doch künstlerisch bleibt die Serie hinter den Erwartungen weit zurück und mutet 20 Jahre später reichlich überkommen und bisweilen geradezu schmerzhaft kitschig und banal an.

Dabei ist der Auftakt sehr gut gelungen: Zu den Klängen von Blue Öyster Cults „(Don’t fear) The Reaper“schwebt die Kamera schwerelos durch die Räumlichkeiten einer Militärbasis und fängt beiläufig die leblosen Opfer eines ausgebrochenen Virus ein, der wenig später fast die gesamte Population der USA hinwegrafft. Nur ein paar Menschen, die aus unerfindlichen Gründen immun sind, überleben und werden infolge von Visionen heimgesucht, in denen sie entweder von einer hutzeligen, 106-jährigen schwarzen Oma namens Abagail Freemantle (Ruby Dee) oder aber von Randall Flagg (Jamey Sheridan), einem teuflischen Verführer mit Jeansjacke, Cowboystiefeln und Michael-Bolton-Gedächtnisfrisur, gerufen werden. Die ersten beiden Episoden beschäftigen sich mit dem Zusammenbruch der stolzen Nation und mit den Protagonisten, die ihren Träumen folgen und sich dann in den Episoden 3 und 4 für das titelgebende „letzte Gefecht“ formieren. Was sich wie oben erwähnt ganz schön anlässt, versumpft zusehends in der schmucklosen Inszenierung, die vor allem damit beschäftigt ist, die ausufernde, aber redundante Handlung (von Stephen King höchstselbst fürs Fernsehen adaptiert) unterzubringen. Es bleibt vor lauter Geschäftigkeit kaum Zeit, den Blick einmal schweifen, die Figuren zu Atem kommen zu lassen, und trotzdem hat man ständig das Gefühl, etwas Wichtiges verpasst zu haben. Je näher THE STAND seinem Ende kommt, umso banaler und vor allem kitschiger und klischierter wird der Film: Nirgends wird das deutlicher als in der Figur Randall Flaggs, der mit seiner Sprücheklopferei wie eine verspätete Freddy-Krueger-Variante anmutet, sich zu allem Überfluss auch noch mithilfe mieser Morphingeffekte in einen Teufel mit Gummihörnern verwandelt und nie die Bedrohlichkeit ausstrahlt, die das Script ihm zuweist. Auf der anderen Seite strapazieren die in ihrer Gewissheit, auf der richtigen Seite zu stehen, überaus unsympathischen „Guten“ mit ihrem unablässigen Gerede über den lieben Gott und die Vorhersehung die Geduld weniger gläubiger Zuschauer. Das alles wäre noch zu verkraften, wenn THE STAND irgendwohin führte, aber das Finale, in dem die Hand Gottes als preiswerter Visual Effect vom Himmel herabsinkt, der Teufel sich in einer Krähe verwandelt, um den Abflug zu machen, und Las Vegas als Brutstätte des Bösen (gähn!) am Horizont in einer Explosion untergeht, lässt sich nach sechs Stunden nur als maßlose Enttäuschung bezeichnen. Dass dann immer noch nicht Schluss ist, im Finale mit rührseligen Überblendungen und einer Montage der auf dem Weg Verblichenen alle Register des Schnulzenmelodrams gezogen werden, schlägt dem Fass endgültig den Boden aus.

Ich will einräumen, dass die ursprüngliche Langfassung möglicherweise weniger holprig ist, aber ich habe da meine Zweifel. Das einzige, was mich davon abhält, von einer totalen Zeitverschwendung zu sprechen, ist neben dem erwähnt schönen Auftakt die wirklich tolle Besetzung. Neben den Hauptakteuren Gary Sinise, Rob Lowe, Molly Ringwald, Adam Storke, Ray Walston, Ossie Davis, Bill Fagerbakke und Ruby Dee aufseiten der Guten sowie Miguel Ferrer, Matt Frewer, Corin Nemec, Laura San Giacomo, Shawnee Smith und eben Jamey Sheridan als Bösewichter treten auch solche Darsteller wie Ed Harris, Kathy Bates, Howard Sherman oder Kareem Abdul-Jabbar auf, absolvieren u. a. Stephen King, John Landis, Sam Raimi und Tom Holland Gastauftritte. Es wurde gewiss ein immenser Aufwand betrieben, aber man vermisst einen freieren Umgang mit dem vorliegenden Script an allen Ecken und Enden. Wer Film in erster Linie als visuelles Abarbeiten von Handlung und Plot betrachtet, für den mag THE STAND in der vorliegenden Form adäquat sein, aber ich glaube, die 30 Millionen, die die Produktion verschlungen hat, hätte man um Einiges besser anlegen können.

 

Jonathan (Andrew McCarthy), ein Junge aus einfachen Verhältnissen, kommt auf eine vornehme Prep School und wird dort Zimmergenosse des aus wohlhabendem Haus stammenden Frauenschwarms Skip (Rob Lowe). Der macht es sich gleich zur Aufgabe, dem unbeholfenen Grünschnabel an die Frau zu bringen. Der spendierte Trip nach Chicago ist tatsächlich erfolgreich: Die attraktive Mittdreißigerin Janet (Jacqueline Bisset) angelt sich den Jungen und beginnt eine hitzige Liaison mit ihm. Doch dann kommt der große Knall: Janet entpuppt sich als Mutter von Skip …

Ein früher Vertreter des Brat-Pack-Kinos, das Jugendkultur in den Achtzigerjahren entscheiden prägen sollte, wird CLASS heute nicht mehr ganz so kultisch verehrt wie etwa THE BREAKFAST CLUB, SIXTEEN CANDLES oder auch FERRIS BUELLER’S DAY-OFF. Das liegt möglicherweise auch daran, dass der „skandalöse“ Inhalt eher brav aufbereitet wird: Bekam der Pubertierende bei Betrachtung jener Szene, in der Jonathan und Janet es in einem gläsernen Aufzug treiben, damals noch die volle Wucht der Hormone zu spüren, entpuppt sich dieselbe Szene einige Jahre später betrachtet als doch ziemlich sittsam und zugeknöpft. CLASS ist dann auch insgesamt eher „middle of the road“: durchaus unterhaltsam und nicht unsympathisch, in den Nebenrollen zudem mit John Cusack und Alan Ruck gut besetzt. Was fehlt, ist die Tiefe, die der Titel noch suggeriert. CLASS, das ist ja nicht nur Jonathans „Schulklasse“ oder eben die „Klasse“, die Skip Jonathan voraus hat, sondern referenziert auch den Klassenunterschied zwischen den beiden Protagonisten, einen Unterschied, der in fast allen dieser Filme eine mehr oder weniger wichtige Rolle spielt. Aber gerade zu diesem interessantesten Aspekt fällt Carlino außer Klischees nichts ein: Reichtum macht nicht glücklich und die finanzielle Affluenz wurde mit dem Verlust der Empathie bezahlt. Janet ist gefangen in ihrer Ehe, stürzt sich in den Alkohol und das Sexabenteuer mit einem Minderjährigen. Am Ende begibt sie sich in psychiatrische Behandlung, Skip und Jonathan sind wieder Freunde. Ein Happy End, das irgendwie billig und vormodern erscheint.

Der 17-jährige Dean Youngblood (Rob Lowe) führt mit seinem Vater und seinem älteren Bruder ein tristes Dasein auf dem Land. Er hofft auf eine Karriere als professioneller Eishockeyspieler und erhält eine Chance, sich beim kanadischen Amateurteam der Hamilton Mustangs für größere Taten zu empfehlen. Doch dort wird ihm sowohl vom Trainer Chadwick (Ed Lauter) als auch von den rauhbeinigen Teamkollegen um den Leader Derek Sutton (Patrick Swayze) alles abverlangt. Als letzterer in einem wichtigen Meisterschaftsspiel vorsätzlich brutal verletzt wird, steht Dean vor der wichtigsten Entscheidung seines Lebens …

Um den Wahnsinn auf Kufen namens YOUNGBLOOD angemessen zu würdigen, bedarf es einer detaillierteren Beschreibung, weil Regisseur Markle es sich zum Ziel gesetzt zu haben scheint, auf jede einzelne bescheuerte Szene eine noch bescheuertere folgen zu lassen. YOUNGBLOOD, inhaltlich eigentlich ein wenig origineller und vor allem klischeehafter Jugend- bzw. Sportfilm, mausert sich mit dieser Strategie aber zu einer beträchtlichen Stimmungskanone, die für Freunde des plakativen Achtzigerjahrekinos ein absolutes Muss darstellt. Gleich zu Beginn wird der Vater-Sohn-Konflikt, der in keinem Sportfilm fehlen darf, eingeführt: Papa Youngblood will nicht, dass sein Filius Eishockeyprofi wird, weil dessen älterer Bruder beim selben Versuch ein Auge einbüßte. Dem Sohnemann ist es aber zu langweilig auf der Farm und mithilfe des genannten Bruders kann er den Papa dann doch überzeugen. Ab geht es für den Amerikaner nach Kanada und nun scheint Markle eine Fish-out-of-Water-Geschichte anzustreben, die sich die Rivalität der beiden benachbarten Nationen zunutze macht – und mit ihr die Vorurteile, die beide voneinander haben. Die „Canucks“ sind einfältige Landeier, die aber leider mit dem Eishockeyschläger aufgewachsen sind und für den „Yank“ nur Spott übrig haben; jedenfalls sofern es sich bei Youngbloods Teamkollegen tatsächlich um Kanadier handelt und nicht ebenfalls um Amerikaner, die sich in diesem Fall ausgiebig darüber beklagen, in Kanada sein zu müssen. Dieser Ansatz, den Markle schnell wieder fallen lässt, führt den Zuschauer immerhin in den Genuss, Keanu Reeves als Frankokanadier mit französischen Akzent bewundern zu können.

Danach verwandelt sich YOUNGBLOOD aber kurzerhand in einen „Männerfilm“: Erst gibt es verschwitzte Männerleiber und angespannte Muskeln in einer dampfenden Umkleidekabine, dann schließlich als zweifelhaften Höhepunkt Rob Lowe in den nackten Arsch entblößenden Jockstraps. Weiter im Text folgen die üblichen Initiationsriten, die auch bei der Fremdenlegion kaum charmanter sein könnten. Youngblood muss erst eine Schamhaar-Rasur von seinen mit der Nächstenliebe eines Lynchmobs auftretenden „Kameraden“ ergehen lassen, dann machen sie ihn in einer Bar betrunken. Swayze gibt als Sutton den Leitwolf und belegt einmal mehr, dass nur wenige Schauspieler die prollig-selbstverliebt-barbarische Fratze des Normalos so gut draufhatten wie er. Aber natürlich soll er hier ein Sympathieträger sein, ein echter Kerl eben. Einer Dame, die von dem testosteronhaltigen Zellhaufen offenbar sehr angetan ist, schmeißen die lustigen Eishockeyspieler zum Abschluss noch eine Zahnprothese in die Bloody Mary. Ein Höhepunkt in der Geschichte des menschlichen Humors, der von allen mit lautem Grölen angemessen quittiert wird – auch von der Frau! Auf die Szene, in der Rob Lowe von der Tochter seines Coachs (Cynthia Gibb) Melvilles „Moby Dick“ geschenkt bekommt, sich heimlich noch den Schundroman „Nympho“ kauft und dann natürlich prompt diesen aus der Tüte zieht, als er seinem Coach erzählt, dass er „Moby Dick“ von seiner Tochter geschenkt bekommen habe, gehe ich hier nicht weiter ein, um schneller auf die frivole Vermieterin Youngbloods eingehen zu können, die die Eishockeyrookies, die bei ihr regelmäßig eine Wohnung finden, bei einem Tässchen Tee professionell bedient. Und was echte Männer sind, wird am nächsten Tag in der Kabine ausführlich über ihre Talente geplaudert. Man könnte meinen, YOUNGBLOOD sei von einer militanten Feministin gedreht worden, die der Welt den Mann als sexuelles Raubtier vorführen wollte, aber das soll alles ganz normal und lustig sein.Umso merkwürdiger, wenn man bedenkt, dass YOUNGBLOOD sich mit dem Teenieschwarm Rob Lowe wohl vor allem an junge Mädchen richtete. Ich erinnere mich jedenfalls an die Bravo-Ausgaben meiner Kindheit, die den Kinostart dieses Films (bei uns unter dem Titel BODYCHECK, was in seiner unbeabsichtigten (?) Zweideutigkeit sehr viel treffender ist) Woche für Woche mit Rob-Lowe-Bilderstrecken feierten. Man darf nicht weiter darüber nachdenken. Für heterosexuelle Mäner gibt es immerhin eine Sexszene zwischen Lowe und Cynthia Gibb, in der diese deutlich mehr zeigt, als man zu hoffen gewagt hatte. Und wie die beiden braven Teenies da über die Matratze fegen, jeder gut geölte Muskel ihres Körpers im Kaminlicht glänzend, könnte man meinen, die verfügten über eine jahrelange Ausbildung mit zahlreichen erfolgreich absolvierten Fortbildungskursen im Ficken.

Den Gipfel hat sich Markle aber für das Schlussdrittel seines Sportpornos aufbewahrt. Beim größten Konkurrenten der Mustangs spielt nämlich ein fieser Schläger namens Racki (George Finn). Der hatte zuvor bei eben jenen angeheuert, musste aber dem jungen unerfahrenen Youngblood Platz machen. Vor lauter Hass auf den jungen Schnösel trinkt Racki daraufhin vor jedem Spiel gegen den Erzfeind einen Eimer heißen Schweinebluts, um so richtig in Stimmung zu kommen. Seine absurd brutalen Fouls werden – sehr praktisch für Markle und die Affektsteuerung des Zuschauers – vom Schiedsrichter konsequent übersehen, was schließlich dazu führt, dass Sutton mit einer schweren Kopfverletzung im Krankenhaus landet. Youngblood hat daraufhin keine Lust mehr aufs Eishockeyspielen, will lieber über das Leben nachdenken, und lässt seine Mannschaft und den Trainer kurz entschlossen im Stich. Zurück auf der Farm seines Vaters redet ihm aber der Bruder ins Gewissen und lehrt ihn nicht nur Mores, sondern auch, wie man einem Gegenspieler ordentlich was aufs Maul gibt. Man muss dazu wissen, dass Youngbloods größtes Manko ist, dass er weder austeilen noch einstecken kann. Und vor allem ersteres wurde ihm immer wieder vorgeworfen. Fleißig trainiert Youngblood mit dem Bruder und schließlich sogar mit dem Papa, der seinem Sohn noch die letzte fehlende Motivation zum Aufsmaulhauen mitgeben will und ihn daher zwingt, sich mit ihm zu prügeln. Man muss das wirklich gesehen haben: Das ist nicht etwa als abschreckendes Beispiel für fehlgeleitete Kindererziehung, sondern als sentimentaler, ergreifender Moment der Versöhnung inszeniert! Was ich mich während der obligatorischen Trainings-Montage außerdem gefragt habe: Warum ist Youngblood denn so überzeugt, dass er überhaupt zurückgenommen wird, nachdem er feige die Biege gemacht hat? Dass sein Plan aufgeht, wird vom Film aber auch nie infrage gestellt, was umso absurder ist, wenn man bedenkt, dass es im Sportfilm ja auch immer um Disziplin und die Unterordnung des Einzelnen geht. Hier nicht, obwohl dann doch auch oder wie oder was? Nachdem Youngblood also eine Woche trainiert hat, kehrt er zurück und wird vom Trainer tatsächlich ohne größere Probleme wieder aufgenommen. Er schießt drei Tore und gewinnt das Spiel quasi im Alleingang – so wie Markle Eishockey inszeniert, könnte man eh meinen, dass eine Mannschaft nur zwei Spieler und einen Torhüter braucht –, doch wir alle wissen, dass er als Spieler und Mensch erst gereift ist, wenn er beweist, dass er einen anderen Menschen umhauen kann. Obwohl nur noch drei Sekunden zu spielen sind – das Spiel also faktisch gelaufen ist –, tritt er noch gegen den bösen Racki an, den er mit ein paar gezielten Fausthieben und unter dem Jubel der Masse, der auch Papa und Bruderherz – schluchz! – angehören, aufs Eis schickt. Zum Erwachsenwerden gehört eben zwingend hinzu, anzuerkennen, dass es manchmal notwendig ist, jemandem die Fresse zu polieren – und das dann auch zu tun. Willkommen in der Realität, Youngblood. Herzlichen Glückwunsch.

Ich hatte eine Riesengaudi mit diesem Film, dessen geiler Achtzigerjahre-Abschlussong einem nochmal so richtig einheizt und Bock macht, YOUNGBLOOD gleich nochmal von vorn zu gucken. So ein absurder Quatsch wird ja heute gar nicht mehr gemacht. Und hier ist wirklich jede Szene komplett daneben. Wahnsinn. Als Sportfilm ist er hingegen eher schlecht: Es ist eine denkbar miese Idee, ein Eishockeyspiel nur in Zeitlupe und ohne jede Totale einfangen zu wollen. Passt dann aber auch wieder.

THE OUTSIDERS ist für Leute meines Alters wahrscheinlich fast so etwas wie eine Kollektiverfahrung. Schon allein aufgrund seiner Besetzung mit etlichen damals aufstrebenden Jungstars, aber natürlich auch, weil Rock n‘ Roll, Gangs, Schlägereien, Haartollen, Jeans, Lederjacken und Springmesser eine kaum zu unterschätzende Faszination ausüben und hier allesamt im Übermaß vertreten sind, zählte er damals zu den Pflichtfilmen für Heranwachsende. Nachdem ich THE OUTSIDERS seit gut 15 Jahren nicht mehr gesehen habe, habe ich ihn jetzt gleich an zwei Abenden hintereinander geschaut. Zugegebenermaßen war das nicht geplant: Bei der ersten Sichtung war aus Versehen die Vollbildversion im Player gelandet und ich wollte logischerweise noch die richtige Fassung (die sich auf der von meiner Gattin übersehenen Rückseite des Silberlings befand) nachlegen, um den Film angemessen beurteilen zu können.

Ponyboy Curtis (C. Thomas Howell) und Johnny (Ralph Macchio) gehören zu den Greasers, einer Bande sozialer Outcasts in Tulsa, die im ständigen Clinch mit den besser situierten Socs liegt. Als Johnny in Notwehr einen Soc ersticht, verstecken sich die beiden in einem Dorf in der Nähe. Dort werden sie Zeuge eines Kirchbrandes und eilen den eingeschlossenen Kindern zur Hilfe. Sie können sie zwar retten, doch Johnny erleidet schwere Verletzungen, die sie zu ihrer Rückkehr zwingen …

Coppola erzählt seinen Film als lange Rückblende oder genauer gesagt als Rückblick, als Erinnerung seines Protagonisten Ponyboy Curtis, der sich daran versucht, die zurückliegenden Ereignisse dichterisch aufzuarbeiten. Mit einem Text, den er mit „The Outsiders“ überschreibt und der folgendermaßen beginnt: „When I stepped out into the bright sunlight, from the darkness of the movie house, I had only two things on my mind: Paul Newman, and a ride home.“ Dass Coppola nach den darauffolgenden Credits – die mit dem Song „Stay Gold“ unterlegt werden, gesungen von der vielleicht schönsten Stimme der Popmusik, Stevie Wonder – bildlich nicht an diesen Satz anknüpft, nicht zeigt, wie Ponyboy aus einem Kino ins Sonnenlicht tritt, zeigt schon an, worum es hier nicht nur zwischen den Zeilen geht: um Erinnerung und darum, wie sie Vergangenes überhöht, idealisiert; darum, dass diese Verklärung eine positive, ja geradezu künstlerische Tätigkeit ist, die Essenz von Dichtung, deren Sinn es ist, an die Wahrhaftigkeit der Dinge zu rühren.

Coppolas Film schwelgt in Nostalgie: Zuerst natürlich auf der Inhaltsebene, auf der sich Ponyboy an seine zwar längst noch nicht vergangene, aber doch auch nicht mehr unbeschwerte Jugend erinnert, um sie festzuhalten, sie zu bewahren; eine Jugend, die nicht willkürlich in den Fünfzigerjahren angesiedelt ist, sondern weil auch der 1939 geborene Coppola selbst in dieser Zeit seine Jugend erlebte (und natürlich, weil der Roman in dieser Zeit spielt). Auf formaler Ebene reflektiert Coppola dies, indem er starke Bilder findet, die weniger von dem Bedürfnis geprägt sind, Vergangenheit originalgetreu abzubilden, sondern eher davon, die vergangenen Stimmungen und Emotionen einzufangen und greifbar zu machen.

Am deutlichsten wird das in der Szene, in der Coppola das Motiv des Sonnenaufgangs als Leitmotiv einführt, angestoßen von einem Gedicht Robert Frosts, das auch zitiert wird: Hier taucht er Ponyboy und Johnny in ein goldenes Licht, fotografiert sie vor einem barocken Himmelspanorama, das Assoziationen zu Victor Flemings GONE WITH THE WIND förmlich erzwingt (dessen literarische Vorlage wiederum ebenfalls eine Rolle in THE OUTSIDERS spielt). Ein weiteres von Coppola benutztes Mittel der Bildgestaltung ist es, Figuren im Bildvordergrund anzuschneiden, über den Hintergrund ragen zu lassen und so in ein Spannungsverhältnis zu diesem zu setzen: Wenn Johnny seine Tötung aus Notwehr begangen hat und im Bildvordergrund zitternd mit dem Schock dieser Tat kämpft, steht die Leiche, die wir im Hintergrund sehen, nicht mehr länger nur „für sich“, viel stärker symbolisiert sie in dieser Komposition die seelische Last, die Johnny fortan zu tragen hat.

Diese Form der Verdichtung prägt auch den Plot, der ebenso offen (vieles scheint nur angerissen, wirkt unvollständig, als sei auch die Erinnerung nur noch lückenhaft) wie komprimiert (es wird wahnsinnig viel in kürzester Zeit erzählt) ist und weniger auf eine psychologisch plausible und lückenlose Protokollierung der Handlungen seiner Protagonisten setzt, als vielmehr auf poetische Überhöhung, den emotionalen Affekt, Reduktion. Doch Coppola differenziert in THE OUTSIDERS zwischen einer guten, weil wahren, und einer gefährlichen, weil falschen, Vereinfachung. Erstere wird vom kindlichen Blick vorgenommen, der die Dinge sieht, „wie sie sind“, ohne Vorurteile, aber voller Neugier, letztere ist das Ergebnis der Zweck- und Interessengebundenheit des Erwachsenen, der alles bereits zu kennen glaubt, meint, alles schon richtig einordnen zu können und deshalb nicht mehr richtig hinsieht.

Die Kids in THE OUTSIDERS laufen Gefahr, diesen Blick unhinterfragt anzunehmen, weil die Welt sie dazu zwingt: So wird die Feindschaft der beiden Gangs von ihren Mitgliedern gar nicht mehr hinterfragt, sondern als a priori angenommen. Im Kampf zwischen Greasers und Socs spiegelt sich der ewige Klassenkampf zwischen Arm und Reich, das Cowboy-und-Indianerspiel der Erwachsenen. Was die Mitglieder beider Gangs jedoch übersehen (oder aber bewusst ignorieren, wie einige ihrer Aussagen erkennen lassen), ist dass der kausale Zusammenhang zwischen sozialen Herkunft und Gangzugehörigkeit nichts über die einzelnen Mitglieder aussagt: Die Greasers sind zwar arm, aber deswegen keineswegs asozial, wie man es ihnen nachsagt, die Socs zwar wohlhabend, aber keineswegs unmenschlich. Wenn einer der Socs Ponyboy Stunden vor dem großen Kampf seinen Respekt bekundet, sagt, dass er nicht gedacht habe, dass ein Greaser dazu fähig sei, eine gute Tat zu begehen, sagt Ponyboy – der zwar der jüngste ist, aber trotzdem als einziger verstanden hat, worum es wirklich geht: „Greaser had nothing to do with it“. Der Mensch ist mehr als das Etikett, das man ihm anklebt.

Auch Dallas (Matt Dillon) wird ein Opfer der vermeintlich überlegenen erwachsenen Perspektive, die er schon früh adaptieren musste, um zu überleben. Als er nach dem Tod Johnnys zusammenbricht, bezeichnet er als dessen tödlichen Fehler seine Empfindsamkeit und Emotionalität und damit ausgerechnet dessen besten Eigenschaften. Man müsse sich hart machen, um in der Welt bestehen zu können. Wenig später ist Dallas selbst tot: Vor allem, weil er, der sich so hart gemacht hat, mit den in der Trauer aufkeimenden Emotionen nicht umgehen konnte, sie ihn blind gemacht haben. Diese Schwäche Dallas‘ hat ironischerwesie auch Johnny erkannt, der Ponyboy zum Schluss, quasi aus dem Grab heraus, in einem Brief bittet, dem gemeinsamen Freund einen Sonnenaufgang zu zeigen. Der Sonnenaufgang, die Jugend des anbrechenden Tages, die nur kurz andauert, aber doch die schönste Zeit ist, aber so schnell verfliegt. „Stay Gold“, das heißt: jung bleiben, Kind bleiben.

Das Kind in sich am Leben erhalten: Vordergründig eine Lebensmaxime fürs Poesiealbum, die sich klug anhört, sich bei näherer Betrachtung aber doch kaum als tragfähig zu erweisen scheint. In Coppolas THE OUTSIDERS, der mit jeder Einstellung mitten ins Herz zielt, der den durch die Erinnerung gebrochenen Blick in die Vergangenheit in ebenso vibrierenden Bildern wie Figuren einfängt, dessen Hellsichtigkeit ihn aber vom Vorwurf falscher Sentimentalität und Verblendung unbedingt freispricht, zeigt sich nicht nur, wie sich die Maxime leben lässt, sondern vielmehr dass ein Leben, das sich nicht nach ihr richtet, überhaupt nicht lebenswert ist.