Mit ‘Robert Downey jr.’ getaggte Beiträge

Dass für den Freund bunten Firlefanzes dieses Jahr kein Weg an MARVEL’S THE AVENGERS vorbeiführt, zeigt sich schon daran, dass selbst ich den Weg ins Kino gefunden habe, um ihn mir mit 3D-Brille bewaffnet anzusehen und mich selbst davon zu überzeugen, dass es sich hierbei um den CITIZEN KANE des Superheldenfilms handelt. Zwar bin ich ganz froh, dass ich mein anlässlich des grauenvollen X-MEN ORIGINS: WOLVERINE geäußertes Versprechen, Marvel-Filme zukünftig zu meiden, gebrochen habe, dennoch hapert es auch bei diesem jüngsten Werk ganz erheblich an allem, was über Krawall und Action hinausgeht. Was das heißt, könnt ihr in meiner Rezension nachlesen, die ich für Hard Sensations verfasst habe. Klick!

Am Ende, während die Abschlusscredits laufen, fährt die Kamera einen Stadtplan von Los Angeles ab, zeigt die unüberschaubare Vielzahl von sauber vertikal und horizontal oder aber kurvig und scheinbar natürlich verlaufenden Linien, die die Straßen der Westküstenmetropole repräsentieren, und deren gemeinsame Kreuzungen. Mit SHORT CUTS, mit dem Altman nach seinem Comeback THE PLAYER bewies, dass der mitnichten ein Zufallstreffer gewesen war, und an seinen ambitionierten, ausschweifenden Ensemblefilm NASHVILLE anknüpfte, entwirft der Regisseur so etwas wie einen emotionalen Straßenplan, zeichnet die Stadt als ein engmaschiges Geflecht, aus sich kreuzenden Lebenswegen von Menschen, die über mehrere Ecken miteinander in Verbindung stehen, ohne es zu wissen. Nicht alle dieser Begegnungen begründen eine dauerhafte Beziehung, manche sind sehr flüchtig und werden von den Betroffenen kaum weiter bemerkt, weil ihnen der Kontext fehlt, sie in den „Stadtplan“ einzuordnen. Genau daraus entspringt die Schönheit, die Komik, aber auch die Tragik von SHORT CUTS: Altman zeigt, wie Jeder mit Jedem verwoben ist, wie die Handlungen des Einzelnen das Leben eines Fremden auf völlig unvorhergesehene Weise beeinflussen und wie alle viel zu sehr mit ihren niederen Problemchen oder auch großen Krisen beschäftigt sind, als dass sie diesen größeren Zusammenhang, in den sie eingebunden sind, verstehen könnten. Der Mensch ist in SHORT CUTS wie ein Tourist ohne Straßenplan.

Die Kellnerin Doreen Piggot (Lily Tomlin) fährt den kleinen Casey an, Sohn von Andy und Howard Finnigan (Andie McDowell & Bruce Davison). Der Junge übersteht den Unfall anscheinend unverletzt, doch er wird an seinen Folgen sterben, seine Eltern in tiefe Trauer stürzen, während Doreen am Schluss die Überwindung einer Ehekrise ausgelassen mit ihrem Gatten Earl (Tom Waits) feiert, nicht wissend, welches Leid ihre Unachtsamkeit ausgelöst hat. Die Ehe des für Casey zuständigen Arztes Dr. Ralph Wyman (Matthew Modine) mit der Malerin Marian (Julianne Moore) krankt an einem nicht aufgearbeiteten vermeintlichen Seitensprung der Frau, die des Polizisten Gene Shepard (Tim Robbins) und seiner Frau Sherri (Madeleine Stowe) an der Unfähigkeit beider, sich ihrer sexuellen Zuneigung zu versichern. Jerry Kaiser (Chris Penn) leidet an der Telefonsex-Tätigkeit seiner Frau Lois (Jennifer Jason Leigh) und der wahrgenommenen Diskrepanz zwischen dem Enthusiasmus, mit dem sie diesen ausübt, und der Tristesse des gemeinsamen Sexlebens, die Cellistin Zoe (Lori Singer) an der Unaufmerksamkeit und Selbstbezogenheit ihrer Mutter Tess (Annie Ross), die für ihre emotionale Unfähigkeit wiederum den Drogentod ihres einstigen Mannes heranführt. Stuart Kane (Fred Ward) betrachtet die Leiche der jungen Frau, die just dort am Flussufer liegt, wo er mit seinen Freunden ein Angelwochenende verbringt, nicht als Körper eines Menschen, der Angehörige hat, sondern lediglich als Hindernis, das es für ein paar Tage zu ignorieren gilt, und die Versuche von Howard Finnigans Vater Paul (Jack Lemmon), den jahrelang brachliegenden Kontakt zu seinem Sohn wiederherzustellen, scheitern daran, dass er sich dafür ausgerechnet den Zeitpunkt ausgesucht hat, an dem der mit seiner Frau wohl den schlimmsten Tag erlebt, den sich Eltern vorstellen können.

Keine dieser ursprünglich von Raymond Carver als einzelne Short Stories verfassten und erst von Altman verbundenen Geschichten ist besonders spektakulär, genauso wenig wie ihre am Ende des dreistündigen Films manchmal doch etwas abrupt wirkenden Auflösungen. Sie sind, wie meine Gattin nach dem Film sagte, damit einen unausgesprochenen Gedanken von mir bestätigend (wenn man über Film schreibt, formuliert man ja noch während des Filmschauens ständig mögliche Sätze), „wie das Leben“. Das heißt aber konsequenterweise nicht nur, dass sie sehr authentisch erscheinen, sondern auch, dass sie immer wieder auch banal, hässlich, undramatisch, unterentwickelt, pointen- und humorlos sind. Dies ist aber keineswegs als Kritik gemeint, schon deshalb nicht, weil es dazwischen immer wieder auch zahlreiche Momente von sprühendem Witz, menschlicher Wärme und bleischwerer Traurigkeit gibt, sondern eben ausdrückliche Stärke des Films, der sein Thema nicht aus einem Zurechtbiegen oder eine dichterischen Überhöhung und Stilisierung entwickelt, sondern einzig aus der Verbindung seiner einzelnen, kompakten Teile. Die Gesamtheit aller menschlichen Leben, ist jedes einzelne davon auch noch so mangelhaft und defizitär, ergibt ein wahrhaft göttliches Konstrukt, dessen wahre Schönheit auch im Hässlichen dem Menschen leider verschlossen bleiben muss, weil er zu sehr in seiner individuellen Narration gefangen ist, ihm der Überblick fehlt, sich selbst als Puzzleteil in einer gewaltigen Erzählung namens „Leben“ zu begreifen.

Vielleicht finde ich es auch deshalb so schwierig, mich zu SHORT CUTS zu verhalten. Die drei Stunden vergehen wie im Flug und die Charaktere werden einem – so idiotisch man ihre Neurosen und Probelme vielleicht auch finden mag – über die Spielzeit mit all ihren Macken so vertraut, dass man sich unweigerlich fragt, was beim eigenen Nachbarn denn eigentlich so vor sich geht. Aber dann ist der Film, dessen Protagonisten ja alle im Sumpf der irdischen Durchschnittlichkeit gefangen bleiben, ohne Hoffnung jemals aus diesem emporzusteigen, auch verdammt deprimierend. Und nichts, aber auch gar nichts kann für mich den Tod des kleinen Casey, die Schmerzen seiner Eltern und die unweigerlich aufkeimende Angst, es könnte dem eigenen Kind genauso ergehen, in eine tröstliche Perspektive rücken oder irgendwie abmildern. Diese auch von Altman zentral positionierte Geschichte prägt die Stimmung des ganzen Films, der damit sehr unmissverständlich in Erinnerung ruft, dass Leben immer ein Leben mit dem stets zur falschen Zeit eintreffenden Tod ist. Ich sagte es bereits: SHORT CUTS ist wie das Leben: voller Paradoxien. Ganz leicht zu schauen, dabei nur schwer zu ertragen. Eine ambitionierte Abhandlung über das moderne urbane Leben, die dabei aber nie zur Erbauungsprosa verkommt, auf metaphysische Paradiesversprechen und Romantisierungen ganz verzichtet. Ein zweifellos großer filmischer Wurf, der mir jedoch nie das Gefühl gab, einem Meister der Kunst bei der Ausübung seiner heiligen Kunst zusehen zu dürfen, sondern der in seiner narrativen Akribie nur wie gewissenhafte, ganz dem Zweck unterworfene Arbeit wirkt. Ein Film, der nicht dafür gemacht zu sein scheint, ihn schön zu finden, oder der sonstwie auf Zustimmung und Applaus aus wäre, sondern der einfach da ist. Ich weiß nicht, ob ich das jetzt noch klarer hinbekomme: Mir ist SHORT CUTS irgendwie unheimlich.

Das war der vorläufige Abschluss meiner am Ende doch etwas ermüdenden Altman-Reihe. Ein guter Schluss, weil SHORT CUTS doch auch gut als Antwort Altmans auf den nicht zuletzt von mir öfter mal erhobenen Zynismus-Vorwurf gelten darf. Das letzte Drittel seines Werkes werde ich bestimmt irgendwann mal nachholen. Jetzt freue ich mich erst einmal, mich neuen Dingen zuwenden, die längst überfällige Fleischer-Werkschau mit neuem Elan beginnen und mich einem Regisseur widmen zu können, der einen gänzlich anderen Typus des Filmemachers vertritt.

Johnny Walker (Anthony Michael Hall) ist der Starquarterback seines Highschool-Teams und deshalb, kurz vor dem Schulabschluss stehend, heiß begehrt bei den verschiedenen Colleges, die sich im Bemühen, den viel versprechenden Footballspieler für sich und das College-Footballteam zu gewinnen, förmlich überschlagen mit ihren Angeboten. Bei all der Aufmerksamkeit, die man ihm entgegenbringt, und den damit einhergehenden hochtrabenden Versprechungen droht der gute Johnny aber den rechten Weg aus den Augen zu verlieren – und damit Freunde und Familie zu verprellen …

Gott, was für ein Mist. Es ist schon erstaunlich, wie man diese altbacken-konservative Story um Versuchung, Enthaltung und Selbsterkenntnis, die wohl zu den größten Klischees nicht nur des Sportfilms gehört und sich deshalb doch fast von selbst erzählt, so dermaßen in den Sand setzen kann. Mal davon abgesehen, dass JOHNNY BE GOOD einfach fürchterlich langweilig ist, ist der ganze Konflikt des Films völlig unglaubwürdig: Anthony Michael Hall – der in den Filmen von John Hughes als linkischer Nerd brillierte und hier das komplette Gegenteil seiner etablierten Persona spielen muss – ist von Beginn an viel zu nett, als dass man sich wirklich Sorgen um seinen Sündenfall machen müsste. Er bleibt stets brav, rennt vor einer nymphomanen MILF, die ihn vernaschen will, sogar weg und das Schlimmste, was er sich erlaubt, ist es einen über den Durst zu trinken, eine Stripbar aufzusuchen, sich geschmacklos anzuziehen und mit Goldschmuck zu behängen. Big fuckin‘ deal! Das Einzige, was positiv zu erwähnen ist, ist die Leistung von Paul Gleason, der als schmieriger Trainer Johnnys eigene Interessen verfolgt – und zudem mit einer Tupperparties veranstaltenden Ehefrau verheiratet ist, die von Jennifer Tilly gewohnt amüsant und angemessen trashig gegeben wird. Über den Auftritt von Steve James (u. a. die AMERICAN NINJAReihe) habe ich mich auch gefreut, aber eigentlich muss man eher traurig sein, wer hier sinnlos verheizt wird. Das Niveau des Films spiegelt sich ganz gut in seinem abgenudelten Titel wider, der dann auch noch als Dialogzeile vorkommt und die Frage nach dem Song, der während der Schlusscredits dudelt, ziemlich überflüssig macht. Dass dann auch noch die miese Judas-Priest-Coverversion des Chuck-Berry-Klassikers Verwendung findet, spricht Bände. Bud Smith hat übrigens  Oscar-Nominierungen als Editor für THE EXORCIST und FLASHDANCE eingeheimst: Aber inszenieren kann er nicht für drei Dollar.

Das exzentrische Genie Tony Stark (Robert Downey jr.) ist wegen seiner Superheldennebentätigkeit als Iron Man zur internationalen Popikone geworden, gleichzeitig aber auch zum Sicherheitsproblem geworden. Wenn er einen High-Tech-Maschinenanzug bauen kann, dann sollten auch andere Menschen mit weniger guten Absichten dazu in der Lage sein. Tony Stark wiegelt ab, doch dann tritt der Russe Ivan Vanko (Mickey Rourke) mit seinen mörderischen Elektronenpeitschen auf. Im mäßig erfolgreichen Waffenproduzenten Justin Hammer (Sam Rockwell) findet er einen willigen Finanzier …

Das Übermaß positiver Reaktionen auf den sehr guten, aber doch auch etwas zu runden IRON MAN sollte wohl durch das kaum weniger unverhältnismäßige bashing des zweiten Teils wieder ausgeglichen werden. Tatsächlich versagt Favreaus Sequel immer dann, wenn er auf den Pfaden des ersten Teils wandelt und lediglich klassisches Superhelden-Erzählkino sein will. Die nötigen klischierten Plotpunkte werden nämlich lediglich lustlos abgehakt, die eigentlich zentrale Rivalität zwischen Stark und Vanko bleibt sträflich unterentwickelt, kaum mehr als eine Fußnote in einem Film voller wesentlich interessanterer Subplots, was auch der finale Zweikampf belegt, der lediglich pflichtschuldig abgespult wird und – wie schon im Vorgänger – enttäuscht. Dass IRON MAN 2 mehr sein könnte, wenn er nicht so sklavisch der Vorgabe verpflichtet wäre, massentaugliches Entertainment mit den typischen Beigaben zu liefern, wird offenkundig, wenn Favreau sich vom abgegriffenen Gut-gegen-Böse-Schema ab- und den Verwicklungen von Politik, Wirtschaft und Militär zuwendet. Schon die Auftaktsequenz, in der sich Stark/Iron Man während einer Eröffnungsfeier in einer überaus befremdlichen Popchoreografie buchstäblich als Messias feiern lässt, muss demjenigen Zuschauer, der hier seinem Comichelden zujubeln wollte, eigentlich die Kehle zuschnüren. Klar, der unverhohlene Narzissmus gehört zur Stark-Figur nunmal dazu, aber mit ihrer Verortung in einer mit unserer Welt stark verwandten Quasirealität verliert er eindeutig seine Unschuld. Zu den stärksten Momenten des Films, der mit seiner High-Gloss-Optik im Kontext sehr treffend auf Verführung und Täuschung seiner Konsumenten abzielt, zählt eine gerichtliche Anhörung Starks, bei der dieser von sich behauptet, den Weltfrieden privatisiert zu haben. Solche kurzen Momente liefern weitaus mehr Gedankenfutter, als der restliche Film mit seiner reichlich uninteressanten Materialschlacht, denn von einem solch „privatisierten Weltfrieden“ und den Problemen, die ein solcher aufwirft, scheinen wir in einer Welt, in der Privatunternehmer mit ihren Erfindungen plötzlich ganz erheblich in die Politik eingreifen – man denke da aktuell nur an den Wirbel um Wikileaks –, tatsächlich nicht mehr allzu weit entfernt zu sein.

So bleibt ein zwiespältiger Film, der sich nicht so recht zwischen klassischem, affirmativen Erzählkino und einem postmodernen, fragmetarischen Erzählen entscheiden will, stattdessen versucht, beides auf einmal zu bieten und in der Folge keines von beiden schafft. Schade um die guten Ansätze und die verbratenen Millionen. Besser als belangloser Müll wie X-MEN ORIGINS: WOLVERINE oder ähnliche Langweiler ist er aber natürlich trotzdem.

Morgan (James Spader) zieht mit seinen Eltern aus dem wohlhabenden Connecticut ins strukturschwache L. A., weil sein Vater (Matt Clark) seinen Job verloren hat. Auf der Schule gerät er – ein Junge, der dem Ärger nicht gerade aus dem Weg geht – sofort mit der Gang von Nick (Paul Mones) aneinander, zu der auch die süße Frankie (Kim Richards) gehört. Zwischen den beiden entspinnt sich schließlich eine Liebesbeziehung, was Nick natürlich gar nicht gern sieht …

TUFF TURF ist ein idealer Double-Feature-Partner für den zuvor von mir gesehenen DANGEROUSLY CLOSE, weil beide das für die Achtzigerjahre so typische Teenie/Highschool-Sujet mit einem sozialkritischen Impetus versehen. TUFF TURF, der auf die beachtliche Laufzeit von 110 Minuten kommt, gelingt dies aber deutlich besser als seinem Genossen, weil er sein Thema bis zum Ende durchhält und sich nicht auf Nebenkriegsschauplätzen verzettelt. Zwar lässt sich Kiersch auf Morgans Seite und damit auf der bequemeren nieder, dennoch muss man einräumen, dass die Aschenputtel-Naivität, die man aus anderen Achtzigerfilmen mit vergleichbarem Thema kennt, in TUFF TURF ziemlich absent ist. Was natürlich auch daran liegt, dass der Reiche hier ein Ex-Reicher ist: In Wirtschaftskrisenzeiten mag man durchaus darüber schmunzeln, dass Morgans Vater im Immobiliengewerbe tätig war, bevor ihn die Pleite ereilte.

Vorbild für TUFF TURF ist ohne Zweifel WEST SIDE STORY mit seinen rivalisierenden Gangs, der grenzüberschreitenden Liebe und den handgreiflichen Auseinandersetzungen – aber auch mit seiner Musikalität. Entscheidende Szenen werden in TUFF TURF musikalisch aufgelöst: Die erste Annäherung zwischen Morgan und Frankie findet bei einem Konzert statt (es spielen: Jim Carroll und Band!), dessen gut gelaunte Besucher angeheizt von der Musik in eine Choreografie verfallen, die zum Glück nie ganz die natürliche Spontaneität einbüßt; der Funke zwischen beiden springt über, als Morgan ihr ein Ständchen am Klavier bringt; sie verdreht ihm vollständig den Kopf als sie in einem Nachtclub einen wilden Tanz hinlegt, der alle anderen Besucher zu Statisten degardiert. Dieser Aspekt verleiht dem Film mit seinem doch recht schweren Thema eine gewisse Leichtigkeit – und vor allem eine ganz eigene Note, die ihn von anderen Teeniefilmen seiner Zeit abhebt.

TUFF TURF war mir bislang überhaupt kein Begriff. Möglicherweise ist der Film für Klassiker- oder Kultstatus zu lang, zu ernst, zu eigen. Keine Ahnung, denn zu rechtfertigen ist sein geringer Bekanntheitsgrad eigentlich nicht. Mir hat er ausgezeichnet gefallen und ich darf hier wieder einmal eine Wiederentdeckung anordnen. Zumal es ja auch eine schöne Anchor-Bay-DVD gibt, auf der der feine Soundtrack richtig knackt. Und dass Kim Richards ein ziemliches Schnuckelchen ist, schadet auch nicht.

 

Zweitsichtung. Filmforen-User The Critic warf diesem Film einmal vor, dass er sich gegen alle Seiten absichere. Dieser Vorwurf ist verständlich: Ben Stiller versammelt Stars vom Kaliber eines Tom Cruise, Robert Downey jr., Jack Black oder Matthew McConaughey um sich, um ein großes Spekatkel zu inszenieren, in dem er nicht zuletzt die Eitelkeit, Verlogenheit und den Größenwahn der Traumfabrik und damit seines eigenen Arbeitgebers aufs Korn zu nehmen. Hollywood kritisiert Hollywood mit den Mitteln Hollywoods – man muss kein großer Denker sein, um das Problematik dahinter zu erkennen. Wer jedoch Heuchelei diagnostiziert, sitzt einem Trugschluss auf: nämlich dem Glauben, ein Objekt von einem archimedischen Punkt aus quasi-göttlicher Persektive kritisieren zu können. Insofern wird die Kritik von TROPIC THUNDER dadurch, dass sie vor sich selbst gar nicht haltmachen kann und dies auch nicht tut, nicht etwa abgeschwächt oder gar illegitim, sondern im Gegenteil nur schärfer. Wenn Downey jr. sich als eitler Kirk Lazarus einer Pigmentbehandlung unterzieht, um einen Schwarzen spielen zu können, und er diese Rolle auch dann noch weiterspielt, wenn die Kamera gar nicht mehr läuft, ist dies eine scharfe Abmahnung der hollywood’schen Behandlung der afroamerikanischen Bevölkerung und auch ein bissiger (und überfälliger) Kommentar dazu, wie die weiße Mittelschicht „ihren“ Neger gern mag. Wenn sich der für die Quote des Films-im-Film gecastete Rapper Alpa Chino sich nicht nur als intelligentester des Casts entpuppt, sondern darüber hinaus auch noch als Homosexueller, der seine sexuelle Orientierung hinter dem Image des promiskuitiven Sexmonsters verstecken muss (inkl. Fitnessdrink „Booty Sweat“ und Schokoriegel „Bust-a-Nut“), ist dies der treffliche Konterpart, der die Kritik keinesfalls abschwächt, sondern sie nur erweitert. Dialoge wie der zwischen Stiller, dem abgehalfterten Actionstar Tugg Speedman, und eben Downey, in dem sie die Schwierigkeit diskutieren, geistig Behinderte darzustellen und die Konsequenzen einer solchen Darstellung auf die Academy, ist das nicht nur ein unfassbar böswitziger Moment: Er zeichnet sich gerade durch seine Ambivalenz aus, dadurch, dass er eben ganz unterschiedliche Parteien angreift. Die Zeit der einfachen Statements und der von moralisch sicherem Terrain aus geführten Bergpredigt ist vorbei.  TROPIC THUNDER betreibt keinen Ausverkauf, wenn er seine Kritik publikumswirksam verpackt: Er wird umso schärfer. Tom Cruise, der als widerlich-großkotziger Produzent Les Grossman brilliert, verdichtet die Vielschichtigkeit der Kritik/des Humors von TROPIC THUNDER mit seinem finalen Tanz zu Ludacris‘ „Get Back“, der als paradigmatisch für Stillers Methode gelten darf. Man kann TROPIC THUNDER durchaus lediglich als alberne Komödie und (gelungenen) Partyfilm rezipieren und dabei einen Heidenspaß haben. Aber dann verpasst man die Hälfte. Intelligenteres Mainstreamkino sucht man derzeit jedenfalls vergeblich.

Mutimillionär, Großindustrieller, erfinderisches Genie und Waffenfabrikant Tony Stark (Robert Downey jr.) fällt irgendwo im Nahen Osten einer Gruppe Terroristen in die Hände, die ihn zwingen, eine Rakete zu bauen. Doch Stark denkt gar nicht daran: Er entwirft eine gigantische Metallrüstung, mit der er sich schließlich befreien kann. Zurück in den USA fasst er einen Entschluss: Anstatt mit Waffen Kriege und Konflikte zu begünstigen, will er den Kampf gegen das Böse antreten. Er wird zum „Iron Man“ – nicht ohne jedoch Feinde auf den Plan zur rufen …

Es gibt eine Szene in IRON MAN, die stärker wirkt als alle der hervorragenden und spektakulären Effektsequenzen: Pepper Potts (Gwyneth Paltrow), die Assistentin von Tony Stark, greift mit ihrer Hand in das Loch in dessen Brust, um ihm seinen neuen, von ihm selbst entworfenen Herzschrittmacher einzusetzen, der gleichzeitig der Motor seiner Rüstung ist. Neben dem Schauer, den diese Szene dem Zuschauer über den Rücken laufen lässt, ist sie gleichzeitig bestens dazu geeignet, den Helden von IRON MAN paradigmatisch zu erklären: Tony Stark, der Mensch, ist leer, er hat kein Herz. Den Wandel vom egoistischen Kapitalisten, der seinen Wohlstand dem Leid anderer zu verdanken hat, zum Wohltäter und humanistischen Superhelden vollzieht er, indem er zumindest teilweise zur Maschine wird: Und das Zentrum dieser Menschmaschine ist ein künstliches Herz. Dieser scheinbare Widerspruch ist das Spannende am „Iron Man“ und es ist den Produzenten des Films kaum hoch genug anzurechnen, dass sie dies erkannt und klar herausgearbeitet haben. Tony Stark ist ein eher ungewöhnlicher Held des Marvel-Universums, umso richtiger erscheint die Entscheidung, ihn von einem Schauspieler verkörpern zu lassen, der nicht ganz das durchschnittliche Heldenmaterial darstellt. Robert Downey jr. ist gerade deshalb ideal besetzt, weil er in einem solchen Effektspektakel nie so ganz zu Hause zu sein scheint. Seine daraus resultierende Spielfreude, seine beinahe kindliche Neugier machen diesen IRON MAN zu einem so außergewöhnlichen Superheldenfilm und zu einem Vergnügen, das sich ungebrochen auf mich übertragen hat. Auf kommende Marvel-Comicverfilmungen darf man wohl gespannt sein. Den finalen Sekunden, in denen Samuel L. Jackson als Nick Fury der Versammlung der Avengers und dem gleichnamige Franchise den Weg ebnet, ist zu entnehmen, dass man es im Hause Marvel ernst meint. „Der mächtige Thor“ auf der großen Leinwand … Wenn dem wirklich so ist, dann geht für mich ein Kindertraum in Erfüllung.