Mit ‘Robert Harmon’ getaggte Beiträge

Von seinem Partner, für den er eine Haftstrafe wegen Mordes absitzt, wird der Bankräuber Sam (Jean Claude Van Damme) bei einem Gefangenen-transport rausgehauen. Den Flüchtigen verschlägt es danach in eine ländliche Gegend, wo Clydie (Rosanna Arquette), Witwe und Mutter zweier Kinder, ihr Heim gegen den Grundstücks-spekulanten Franklin Hale (Joss Ackland) verteidigt, der dort eine luxuriöse Wohnsiedlung errichten möchte. Sam steht ihr in diesem Kampf, der sich durch das Handeln von Hales Partner Mr. Dunston (Ted Levine) immer mehr zuspitzt …

NOWHERE TO RUN war bei mir als eher actionarmer Versuch Van Dammes abgeheftet, sich als ernster Darsteller und romantischer Liebhaber zu etablieren – kein untypischer, aber meist erfolgloser Karriereschritt für Actionstars –, weshalb ich ihn bislang links liegen lassen habe. Zwar reduziert THE HITCHER-Regisseur Harmon etwaige Fights und ist um eine gewisse Ernsthaftigkeit bemüht, dennoch ist NOWHERE TO RUN ohne Zweifel ein Actionfilm; eben lediglich einer, der nicht nur den Kickbox-begeisterten Prolo in Trainingshose, sondern eben ein breiteres Publikum anspricht. Er orientiert sich ganz eindeutig an George Stevens großem Klassiker SHANE – der mysteriöse Fremde, der wie aus dem Nichts kommt und den Guten im Kampf gegen das Böse beisteht – und spult dann eine Geschichte ab, die man nur als Standard bezeichnen kann: Kleineren Auseinandersetzungen folgen bald größere, die Enthüllung seiner dunklen Vergangenheit entzweit den Helden und seine damsel in distress, er tritt die Weiterreise an, bevor er dann schließlich pünktlich zur totalen Zuspitzung wieder auf der Bildfläche erscheint, um den Tag zu retten. Das sieht alles sehr hübsch aus und ist so kurzweilig, wie man eine solch abgedroschene Geschichte erzählen kann.

Was oben angesprochene (Fehl-)Einschätzung des Films als Liebesdrama angeht, so ist diese nicht gänzlich aus der Luft gegriffen: Mehr als sonst wird hier das traute Familienidyll beschworen und der großbusigen Clydie (die Arquette zieht zweimal blank) stehen zu diesem Zweck gleich zwei kulleräugige Balgen (eins davon Macauleys Bruder Kieran Culkin) zur Seite, um den schönen Fremden dauerhaft zu binden. Die Szenen, in denen JCVD vom Sohnemann angehimmelt wird, sind vielleicht ein bisschen zu viel des Guten, aber diese Kritik verkennt ja auch, dass die Muscles from Brussels mehr als alle anderen Actiondarsteller immer einen entschieden bürgerlichen Impuls hatten. Van Damme war als gutaussehender, junger Darsteller mehr als seine Kollegen prädestiniert für die heiße Romanze und die Rolle als fürsorglicher Ehemann: Dass er die schnittige Witwe hier aus ihrer Einsamkeit rettet und gleichzeitig auch noch den Traumpapa abgibt, ist also nicht so verwunderlich.

Wohl aber, dass Drehbuch-Zampano Joe Eszterhas selbst diesem biederen Stoff noch seinen gewohnt sexualisierten Schmier verpasst. Am Esstisch bemerkt das Töchterchen sehr zur stillen Freude Sams, das er einen „big penis“ hat (sie hatte ihn vorher nackig beim Baden gesehen), worauf Clydie – zu seiner Ernüchterung – entgegnet, er sei keinesfalls „big“, sondern nur „average“ (sie durfte ihn zuvor beim Duschen begutachten). Und nachdem die beiden Turteltauben dann endlich die erste Nacht gemeinsam verbracht haben und Clydie ihrem Sohn am nächsten Morgen verbietet, ihn schon zu wecken, da fragt er sie ebenso wissend wie vorwurfsvoll, was sie denn mit ihm angestellt habe. Das soll lustig sein und man darf diese Anflüge von Humor zumindest als gewissermaßen subversiv in ihrer Offenheit bezeichnen, aber sie befremden dennoch, weil man diese vom Actionfilm eigentlich nicht gewohnt ist – und auch nicht unbedingt haben will. Der mysteriöse Fremde wird durch solche Volten auf eine Art und Weise banalisiert, die der Figur nicht gerade hilft. Hier scheint lediglich auf die Masturbationsfantasien von Hausfrauen mit Van-Damme-Faible abgezielt worden zu sein. Für Eszterhas, der sonst eher Männer mit Wichsvorlagen bediente, immerhin ein fast emanzipatorisch zu bezeichnendes Novum. Für NOWHERE TO HIDE heißt es, dass man zwei, dreimal die Zähne zusammenbeißen muss, ansonsten aber einen ordentlichen Actionfilm für Zwischendurch bekommt, an dem man nicht wirklich rumnörgeln muss.

the hitcher (robert harmon, usa 1986)

Veröffentlicht: Januar 3, 2009 in Film
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hitcherSchon im Western verbanden die Protagonisten mit der ihrem Genre den Namen gebenden Himmelsrichtung mehr als nur eine Region auf der Landkarte. Was immer sie in der Heimat plagte – Arbeitslosigkeit, Armut, Hunger und Krankheit – im Westen sollte, ja würde alles besser sein. Von dieser Hoffnung angetrieben machten sich viele auf die beschwerliche Reise, deren Ziel jedoch längst nicht alle erreichten. Aber auch in diesem Fall ist der Weg das Ziel: Der Treck nach Westen ist der amerikanische Initiationsritus.

Auch der jugendliche Jim Halsey (C. Thomas Howell) fährt nach Westen. Statt auf einem Pferd sitzt er in einem Sportwagen, sonst ist keiner bei ihm. Wochenlang stand er auf der Warteliste, um einen Wagen nach Kalifornien zu überführen, auch wenn er gar nicht so genau weiß, was er dort will. Aber irgendetwas muss passieren in seinem Leben. Die Initiation beginnt für ihn, als er den Anhalter mit dem sprechenden Namen John Ryder (Rutger Hauer) mitnimmt. Schon nach wenigen Minuten offenbart dieser seinem Helfer nämlich, dass er ein Serienmörder ist, dessen Mordlust immer noch nicht gestillt ist. Ein Moment der Geistesgegenwart lässt Jim zunächst entkommen, aber zwischen ihm und dem Killer ist längst eine Bindung entstanden, die sich nicht so einfach auflösen lässt. Und so muss Jim beweisen, dass er ein ganzer Mann ist – doch dazu muss er erst einer werden. Und John Ryder ist ein guter Vater …

Eric Reds Drehbuch trifft den Nagel auf den Kopf, erhebt die Fahrerkabine des PKW zur traumatisch aufgeladenen Keimzelle der Postmoderne, in der sich der Einsame zurückzieht, um vor der Welt zu fliehen: ein Ort, der Sicherheit verspricht, seinem Insassen mit dem Komfort von Autoradio, Heizung und Zigarettenanzünder einen kleinen Mikrokosmos zur Verfügung stellt, in dem es sich gut leben lässt, solange kein anderer ihm zu nahe kommt. Aber manchem Übel kann man eben nicht entkommen, man muss sich ihm immer noch stellen, weil es sonst nicht locker lässt. Die Weite des US-amerikanischen Mittelwestens, der Ort, an dem der Mensch sich im Nichts verliert, wird in THE HITCHER mehr und mehr zum ausgelagerten Fahrzeuginneren, zum Ort ohne Versteck, zur Arena eines uralten Kampfes, zum Ort mythischer Weihe und spiritueller Erhebung. Dort, an der Straße nach Westen, entscheidet sich noch immer, ob man lebt oder stirbt.

PS: Das Remake aus dem vergangenen Jahr macht wirklich gar nichts richtig.