Mit ‘Robert Hoffmann’ getaggte Beiträge

Kitty (in der deutschen Version „Katja“: Susan Scott) beobachtet mit dem Münzfernrohr den Mord an einer Frau. Es stellt sich heraus, dass es bereits der zweite Messermord an einer Balletttänzerin innerhalb kürzster Zeit war. Kittys Ehemann, der Künstler Alberto (Robert Hoffmann) gerät in Verdacht, weil er aufgrund einer Verletzung hinkt und der Mörder Spuren mit einem Gehstock am Tatort hinterlassen hat. Gemeinsam mit dem ermittelnden Inspektor Merughi (George Martin), der Journalistin Lidia (Anuska Borova) und seiner Frau versucht Alberto den Mörder zu finden, um so seine Unschuld zu beweisen. Doch alle, die helfen können, fallen dem Mörder zum Opfer …

Der titelgebende „Tanz auf der Rasierklinge“ (deutscher Titel: DIE NACHT DER ROLLENDEN KÖPFE) ist auch ein missglückter Tanz auf dem schmalen Grat zwischen exploitativer, aber stilvoller Giallo-Uunterhaltung und feistem Schund. Maurizio Pradeaux rutscht zwar nicht ganz so tief in den Sumpf wie sein Kollege Ferdinando Merighi mit dem tolldreisten CASA D’APPUNTAMENTO, aber mit seiner arthritischen Handkameraführung, den schmucklosen Settings, der preisgünstigen Ausleuchtung, dem stulligen Script und den inflationär eingesetzten, aber völlig sinnlosen Sex- und Nacktszenen kommt er dem schon ziemlich nahe. Es sind vor allem die wie immer bildschöne Susan Scott und der schnurrbärtige Robert Hoffmann, die dem Film einen funzeligen Anschein von Klasse verleihen, wo eigentlich nur stumpfer Pulp regiert. Das muss nicht schlecht sein und PASSI DI DANZA ist dann auch durchaus unterhaltsamer Quatsch, der immer wieder durch die Zurschaustellung weiblicher Brüste aufgelockert wird und dessen fiese Kehlenschnitte (die dem Film seinerzeit die Indizierung in Deutschland bescherten) zudem ziemlich unangenehm anzuschauen sind. Als spannungsgeladener Krimi versagt der Film aber völlig, weil er nur die nötigen Plotpunkte abhakt, ohne diese aber durch einen roten Faden – dieses Dingsbums namens „Dramaturgie“ – zu verbinden: Wer sich da wiewaswarum durch Roms weibliche Balletttänzerinnenschar schlitzt, bleibt bis zur Auflösung ein unergründliches Rätsel und auch die finale Enthüllung scheint eher der Notwendigkeit geschuldet, als dass sie sich sinnvoll aus den vorangegangenen 80 Minuten ergäbe. Die deutsche Synchro, die viel, viel Quark von sich gibt und „Lidia“ beständig als „Lühdia“ bezeichnet, trägt zum Reiz des Films auch einen nicht unerheblichen Teil bei. Ich war trotzdem irgendwie erleichtert, als er zu Ende war.

Die Leiche, die Christian (Robert Hoffmann) am Starnd entdeckt zu haben glaubt, entpuppt sich zum Glück als nur bewusstlose und zudem hochattraktive Blondine Barbara (Suzy Kendall). Zwischen den beiden funkt es sogleich und so landen die beiden noch am seben Abend auf ihrem Motelzimmer. Doch als erdort von einem Killer überfallen wird, den er iim folgenden Handgemenge erschießt, ist es vorbei mit der Romanze. Das angeblich leer stehende Haus einer Freundin Barbaras soll den beiden vorübergehend als Unterschlupf dienen, doch dann stehen plötzlich die Untermieter vor der Tür: der alte Malcolm (Guido Alberti) und die rätselhafte Clorinda (Monica Monet). Beide scheinen Christian zu kennen und sind fest davon überzeugt, den Ermordeten quicklebendig gesehen zu haben. Christian beginnt an seinem Verstand zu zweifeln …

SPASMO ist der erste Giallo, den ich von Umberto Lenzi gesehen habe, und wenn ich auch schon von seinen Polizei- und Gangsterfilmen (allen voran dem fantastischen LA BANDA DEL GOBBO, der meines Wissen immer noch einer DVD-Auswertung harrt) her wusste, dass der gute Mann Einiges mehr auf dem Kasten hatte, als das, was er in seinen Kannibalen- und Zombiefilmen so zum Besten gab, hat mich die Eleganz und Schönheit dieses Films mehr als überrascht. In prächtigem Scope, das den tollen Bildkompositionen zur Ehre gereicht, und veredelt von einem gewohnt betörenden Score von Meister Morricone, ist SPASMO ein absolutes Schmuckstück in einem ästhetisch soweiso schon sehr avancierten Genre. Diese Schönheit fungiert dabei durchaus als dramaturgisches Mittel, denn sie täuscht eine ganze Weile über die existenzielle Tragweite der Geschichte um Christian hinweg. In Lenzis Film geht es dann auch nicht in erster Linie um einen lustmordenden Maskenmann, sondern um den Zusammenbruch seines Protagonisten, der im Laufe der Handlung weit mehr als nur seinen schicken Vollbart verliert. Als „Giallo“ ist der Film somit nur sehr vage beschrieben (nämlich insofern, als „Giallo“ synonym oft für „italienischer Thriller“ steht): Lenzi schert sich nicht besonders um Genrekonventionen, baut die Spannung verführerisch langsam auf – so langsam, dass man sich lange Zeit fragt, worum es in diesem Film eigentlich geht – und lässt ihn dann mit einem schockierenden Doppelschlag enden. Vielleicht ist es die Euphorie der Erstsichtung, die mich diesen Film als „meisterlich“ bezeichnen lässt, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass SPASMO auch der Belastungsprobe weiterer Sichtungen standhalten und noch weitere Fassetten offenbaren wird. Bisher der mit Abstand beste Lenzi, den ich kenne, und ein Höhepunkt seines Genres.