Mit ‘Robert LaBrosse’ getaggte Beiträge

0100338IL FIORE DELLA PASSIONE ist einer der vielen Softerotikfilme, die Joe D’Amato in den späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahren unter dem Namen seiner Produktionsfirma Filmirage in den USA inszenierte und dann auf den Markt brachte, wie aus einem bodenlosen Füllhorn der nie versiegenden Titillationen. Im vorliegenden Fall orientierte er sich nicht an 9 1/2 WEEKS oder ähnlich Naheliegendem (wie in den Filmen seiner 11 DAYS, 11 NIGHTSReihe), sondern am guten alten Film Noir mit seinen blonden Sirenen, verblödeten, schwanzgesteuerten Männern und dunklen Absichten. Aber natürlich kommt bei D’Amato alles ganz anders.

Jeff (Robert LaBrosse) ist ein echter hunk und, wie es sich für einen Noir-Protagonisten gehört, per Anhalter unterwegs zu seinem Bruder, nachdem er mehrere Jahre im Bau eingesessen hat. Wie man weiß, braucht ein soeben aus der Haft Entlassener nichts so dringend wie einen guten Fick, also schickt D’Amato die platinblonde Linda (Kristine Rose) vorbei, der Jeff – eine gute Chance immer sofort erkennend – sogleich nachstellt. Als die beiden sich lüstern beäugen,  röhren die Bläser auf dem Soundtrack wie brünftige Hirsche, und wenig später wird Linda auch schon auf dem Fahrersitz ihres orangefarbenen Sportwagens von Jeff durchgeorgelt, eingekeilt zwischen Fahrertür, Lenkrad und Rückenlehne, die meterhohen Absätze ihrer Come-fuck-me-Pumps praktisch auf der Beifahrerseite eingehakt. Sie schmeißt ihn raus, ohne ein Wort des Dankes für seinen selbstlosen Akt der Liebe, und braust davon. Jeff nimmt’s sportlich mit einem Lächeln über diese Wahnsinnsfrau, wohl wissend, dass geile Typen wie er in einem D’Amato-Film regelmäßig zur Entladung kommen. Und so ist es dann auch: Bei seinem Bruder angekommen, dem ergrauten Besitzer einer schlecht gehenden Pinte, der optisch eher Jeffs Vater sein könnte, trifft er die geile Ische aus dem Sportwagen wieder. Sie ist niemand Geringeres als seines Bruders Ehefrau. Wobei die Ehe der beiden das Verfallsdatum schon weit überschritten hat: Sie redet gar nicht mehr mit ihm, macht sich keinerlei Mühe, ihre Verachtung zu verbergen. Und er ist schon so abgestumpft, dass er das gar nicht bemerkt. Umso besser für Jeff!

Die Geschichte läuft dann im Weiteren genauso ab, wie man das erwartet, nur dass alles länger dauert als in vergleichbaren Filmen, wo die Leute immer viel zu geschäftig sind, als dass sie sich dem Nichtstun und Müßiggang hingeben könnten. In IL FIORE DELLA PASSIONE spielen die Figuren hingegen regelmäßig Karten, sie stehen rum und unterhalten sich oder sie haben ganz plötzlich spontanen Sex, einfach so, warum auch nicht. Während Jeff also seine Affäre mit Linda pflegt, gräbt er auch noch an der dunkelhaarigen Jamie (Kristine Fischhertz) rum und kann sich einfach nicht entscheiden. Irgendwann geht der Plot dann weiter, will Linda, dass Jeff seinen Bruder kalt macht, weil der sie schlecht behandelt und schlägt. Dass nichts an des Bruders Persönlichkeit solch ein Verhalten andeutet, der im Gegenteil ein überaus friedfertiger Zeitgenosse ist, stört Jeff nicht weiter. Aber er empfindet Lindas Gesuch auch nicht als Skandal. Seine Reaktion ist mehr so ein: „Ach scheiße, sowas kann ich jetzt gar nicht gebrauchen. Aber gut, man kann es sich nicht aussuchen. Na dann.“ Zu den Mordplänen, die jetzt in einem Noir von Interesse wären, kommt es aber nicht. Stattdessen mehr Pokerspiele, mehr Sex an unbequemen Orten, mehr ziellose Konversation. Und dann tauchen zum Finale wie aus dem Nichts zwei Halunken auf, die man vorher schon mal kurz gesehen hat, und sorgen dafür, dass die Geschichte eine andere Wendung nimmt. Die ist zwar auch nicht glaubwürdiger, aber dennoch eine Überraschung.

Darüber zu diskutieren, ob IL FIORE DELLA PASSIONE jetzt besser oder schlechter ist als andere Filme D’Amatos aus jener Schaffensphase, geht am Ziel vorbei. Die Schauspieler sind nicht ganz so farblos und steril wie in anderen Werken, aber gewiss auch keine großen Mimen, der Score verwöhnt das Ohr mit feinsten Saxophon-Edelpop-Schmachtballaden, die Handlung ist Vorwand für eine Handvoll softer Sexszenen, die keinen Hund mehr hinterm Ofen hervorlocken. Es gibt nicht viel, worüber man hier streiten müsste: Entweder man lässt diesen Stoff ratlos links liegen oder man geht in dieser Stimmung völliger Indifferenz auf, genießt die Konsequenzlosigkeit des Ganzen, freut sich über die Füllszenen, die hier in den Fokus rücken, und die Dialoge, mit denen alle messerscharf aneinander vorbeiquatschen. Es ist ein wundersame Welt, in der D’Amatos Figuren da rumlaufen, und man wundert sich, warum sie sich nicht von früh bis spät kaputtlachen. Wahrscheinlich ficken sie einfach lieber.

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