Mit ‘Robert Lynn’ getaggte Beiträge

Das gab’s noch nie: Die drei Stars der Karl-May-Reihe, Pierre Brice, Lex Barker und Stewart Granger, vereint in einem einzigen Film! Und noch dazu Karin Dor, unvergesslich als Winnetous Gspusi Ribanna in WINNETOU 2. TEIL! Das war das Versprechen des Films, seine Unique Selling Proposition, um es mal in Marketingsprech zu sagen, und die Produzenten waren anscheinend so angetan von dieser Idee, dass die Notwendigkeit, eine richtige Story um diesen Besetzungscoup herum zu stricken, ihnen offensichtlich zweitrangig erschien. So ist GERN HAB ICH DIE FRAU’N GEKILLT also ein Episodenfilm geworden, in dem die drei Stars doch wieder fein säuberlich voneinander getrennt in unterschiedlichen Segmenten agieren, die in Wien (Granger), Rio (Barker) und Rom (Brice) spielen, und also doch nicht „gemeinsam“ auftreten.

Die Rahmenhandlung dreht sich um einen vermeintlichen Mädchenmörder (Peter Vogel), der sich auf der Flucht vor der Polizei im Haus von Professer Alden (Richard Münch) versteckt und von diesem im Verlauf des Abends drei Geschichten zu hören bekommt, die fuck all mit seinem Schicksal zu tun haben, aber egal. Episode eins ist die beste des Films und lässt Granger als mondäner Privatdetektiv David Porter in einer Mordsache in Wien ermitteln – natürlich zu Zithermusik. Dieser Teil des Films ist mit Leichtigkeit sauber inszeniert mit einigen schönen, stimmungsvollen Bildern des nächtlichen Wiens und gut aufgelegten Darstellern. Neben Granger, der diese versnobten Gentlemänner im Schlaf beherrscht, gefällt vor allem Walter Giller als sein freundlicher Butler. Episode zwei fällt dann schon massiv ab und schickt Pierre Brice als Geheimagent Brice (haha!) nach Rom. Worum es geht, ist zweitrangig, die ganze Geschichte wirkt wie aus unattraktiven Resten zusammenstückelt, ein bemüht lustiger Voice-over-Kommentar sowie alberne Soundeffekte versuchen zu retten, was zu retten ist. Es misslingt. Episode drei schließlich lässt den Privatdetektiv Glenn Cassidy (Lex Barker) von Los Angeles nach Rio jetten, um ein Komplott aufzudecken. Karin Dor absolviert einen sinnlosen Cameo als Rezeptionistin in einem Hotel und Klaus Kinski macht seine Aufwartung als kleiner Gauner. Natürlich dürfen Impressionen vom Karneval nicht fehlen. Am Ende erweist sich der Mädchenmörder als Kriminalist, der den eigentlichen Killer – Professor Alden – überführt.

GERN HAB ICH DIE FRAU’N GEKILLT, benannt nach dem Stück „Gern hab ich die Frau’n geküsst“ aus der Operette „Paganini“ von Franz Lehár, ist einigermaßen kurzweilig – wie könnte es bei einem Episodenfilm auch anders sein -, aber so willkürlich und sinnfrei, dass es kracht. Weder passen die drei Geschichten zusammen – von der oben erwähnten Gemeinsamkeit ihrer Hauptdarsteller mal abgesehen – noch werden sie durch die ebenfalls bescheuerte Rahmenhandlung in irgendeiner sinnstiftenden Form zusammengeführt. Man kann hier wirklich nur mutmaßen, was wirklich für eine Idee hinter dem Film steckte bzw. warum es nicht gelang, einen die drei Episoden überspannenden Bogen zu finden. Als Drehbuchautor fungierte übrigens Rolf Olsen, neben etlichen anderen, z. B. Ernesto Gastaldi, und ich vermute, dass wir ihm die „witzigen“ Sprüche aus Episode zwei zu verdanken haben. Ein Mysterium, dieser Film, aber keins der guten Art.

code_seven_victim_fivePrivatdetektiv Steve Martin (Lex Barker) folgt dem Ruf des wohlhabenden Minenbesitzers Wexler (Walter Rilla) nach Kapstadt: Der Millionär fürchtet um sein Leben, seitdem sein Butler von Unbekannten ermordet wurde. Auch Steve macht schnell Bekanntschaft mit einigen Übeltätern, die etwas gegen seine Ermittlungsarbeit haben. Von Inspector Dickie Lean (Ronald Fraser) erfährt er, dass der Tote ein Foto bei sich trug, das ihn mit Wexler und zwei weiteren Männern während des Krieges vor rund 20 Jahren zeigt. Nach und nach müssen auch die anderen Abgebildeten sterben …

Nach meinem Text zu DIE DIAMANTENHÖLLE AM MEKONG gibt es über dieses Schmuckstückchen aus der Schmiede des fleißigen Briten Harry Alan Towers gar nicht mehr viel zu sagen. Wie man dem Plakat unschwer entnehmen kann, suchte man die Parallelen zur gleichzeitig ungemeine Erfolge feiernden Bond-Reihe, mit der unschlagbaren Mischung aus kernigem Held, schönen jungen Frauen, exotischen Schauplätzen und zahlreichen Actioneinlagen. Die Fotografie übernahm Nicolas Roeg sechs Jahre vor seiner ersten eigenen Regiearbeit (im selben Jahr hatte er bereits Roger Cormans THE MASQUE OF THE RED DEATH abgelichtet), Dietmar Schönherr ist in einer kleinen, aber zentralen Rolle einmal nicht als Held, sondern – wie auch in Robert Lynns MOZAMBIQUE – als tragischer Mörder zu sehen, für den Sex Appeal sorgen Ann Smyrner und Véronique Vendell, deren Filmografie sich wie der Wunschzettel eines Europloitation-Liebhabers liest. Der heimliche Star des Films ist aber eindeutig Ronald Fraser, der seinen Inspector Lean als gut gelaunten Lebemann gibt, den Martin stets mit wechselnder Damenbegleitung in irgendeiner Bar bei einem guten Gläschen antrifft. Für etwas Verwirrung sorgt die deutsche Synchro, die ihm einen leicht effeminierten Ton gibt, der nicht so recht zu seiner deutlich heterosexuellen Ausrichtung passt. Nicht zu vergessen sind natürlich die Ausflüge in die südafrikanische Fauna: Höhepunkt ist der Ausflug auf eine Straußenfarm mit abschließender Straußen-Stampede, es gibt eine blutige Löwenattacke zu bestaunen und eine ausgedehnte Unterwassersequenz mit Riesenschildkröten, Rochen und Haien. Am besten hat mir aber der Auftritt eines kleinen, schüchternen Skorpions gefallen: Steve Martin und sein love interest, Wexlers Sekretärin Helga (Ann Smyrner), stehen in der Wildnis und tauschen sich über den Ermittlungsfortschritt aus, als sie plötzlich panisch zu schreien beginnt. Vor ihnen im Sand sonnt sich ein kleiner Skorpion, der in Großaufnahme und mit dramatischer Musik eingefangen wird wie ein tödliches Monstrum. Es kommt aber gar nicht erst zur weiteren Eskalation. Steve Martins Stiefel senkt sich ins Bild und zertritt das arme Tierchen mit humorloser Effizienz zu klebrigem Matsch. Ein reichlich unsensibler Moment, der aber auch zeigt, warum Filme dieser Art so toll sind: Hier geht es ohne viel Firlefanz ran an die Buletten.

blondefrachtDer Pilot Brad Webster (Steve Cochran) ist arbeitslos, seitdem er vor einigen Monaten einen Absturz verursachte, den er als einziger überlebte. Als er nach einer Kneipenschlägerei in Lissabon im Knast landet, holt ihn der Polizeichef Commarro (Paul Hubschmid) raus und überreicht ihm ein neues Jobangebot, dessen eigentlicher Überbringer ermordet wurde. Webster soll in Mozambique als Pilot für einen gewissen Colonel Valdez arbeiten. Aus Mangel an Alternativen nimmt er das Angebot an. Auf dem Weg in die portugiesische Kolonie lernt er die blonde Sängerin Christina (Vivi Bach) kennen, die auch dem Ruf Valdez‘ folgt und ebenso wenig weiß, was sie dort erwartet. Vor Ort muss Webster erst einmal feststellen, dass sein Arbeitgeber bereits tot ist. Stattdessen arbeitet er nun für den zwielichtigen Da Silva (Martin Benson), der im Clinch mit Valdez‘ Witwe Ilona (Hildegard Knef) liegt. Fragen nach dem genauen Zweck des Unternehmens mag ihm niemand beantworten und dann verschwindet auch noch Christina. Neben anderen kriminellen Tätigkeiten betreibt Da Silva offensichtlich auch einen gut gehenden Mädchenhandel …

Nach 24 HOURS TO KILL ein weiterer bunter, an exotischen Originalschauplätzen entstandener Abenteuerfilm mit internationaler Starbesetzung aus der Schmiede von Harry Alan Towers. Der klassische Noir-Beginn – der ausgebrannte, aber unverdrossene, raubeinige, aber korrekte Held, der an einem fremden Ort in eine dubiose Organisation gezogen wird und auf der Suche nach Antworten eine Mauer des Schweigens und eine mysteriöse Frau trifft – zieht den Betrachter gleich in den Film hinein, vom Start weg ist das Geschehen interessant und angemessen mysteriös. Leider bleibt das nicht über die gesamte Spielzeit so. Der deutsche Verleihtitel BLONDE FRACHT FÜR SANSIBAR ruiniert die Spannung mehr als nur ein wenig, klingt aber dafür zugegebenermaßen gut und versieht den Film mit eben jener Schmierschicht, die der Originaltitel schamhaft vermeidet. Wenigstens in einer Hinsicht wird der deutsche Zuschauer also getäuscht, denn auf krasse Geschmacklosigkeiten wartet man vergebens. Es geht alles sehr gesittet und züchtig zu und selbstverständlich rettet Brad seine Christina, bevor man sich an ihr vergreifen kann. Letzten Endes wird eine recht handelsübliche Verbrecherklamotte abgespult, bei der es um das Vermögen des toten Valdez geht. Verschiedene Parteien beanspruchen das Vermögen für sich und geraten sich dabei in die Haare. Am Ende beißen die Schurken ins Gras oder werden verhaftet und der Held darf die blonde Schöne als Prämie mit nach Hause nehmen.

Nach dem viel versprechenden Auftakt pendelt sich MOZAMBIQUE also auf mittlerem Erregungsniveau ein, in sicherer Distanz zu den entgegengesetzten Polen „Spannung“ und „Langeweile“. Das alles ist ganz nett anzusehen, Steve Cochran gibt einen schön lässigen, vor allem nicht zu attraktiven Helden ab – er starb leider noch im selben Jahr mit gerade mal 48 Jahren an einer Lungeninfektion auf hoher See –, unsere Hildegard schlonzt auf ihre unnachahmliche Art das schöne Lied „Das geht beim ersten Mal vorbei“ herunter und das Finale an den Victoria Falls liefert die gewünschten Schauwerte – und serviert das Sahnehäubchen mit Kirsche obendrauf wenn Dietmar Schönherr zu Tode stürzt. Ein paar nette, für die Zeit typische politische Unkorrektheiten gibt es als Bonus, wenn etwa Brad seiner Christina vorschlägt, man könne ja in Mozambique bleiben und „Buschneger werden“. Ich habe 95 Minuten schon besser verbracht, aber ganz sicher auch noch deutlich schlechter.