Mit ‘Robert Mitchum’ getaggte Beiträge

Wenn selbst ein vermeintliches Liebhaberprojekt wie ELECTRIC BOOGALOO: THE WILD, UNTOLD STORY OF CANNON FILMS lediglich die tausendfach gehörte (und also keinesfalls „unerzählte“) Geschichte von den israelischen Bonzen mit dem miesen Geschmack erzählt, dann muss man sich wohl keine Illusionen darüber machen, dass die Produktionsfrma Cannon irgendwann einmal die Rehabilitation erfährt, die sie verdient hat. Möglicherweise ist das einfach zuviel verlangt: Dass eine Welt, die ein schnödes Langweilerprdoukt wie THE SHAWASHANK REDEMPTION ernsthaft für den besten Film aller Zeiten hält, die Schönheit eines TOUGH GUYS DON’T DANCE nicht erkennt, ist kaum verwunderlich. THE AMBASSADOR, Rock Hudsons letzter Film, bevor er an Aids starb, dauert noch keine zehn Minuten, da steht schon zum ersten Mal der Mund offen. Mal ganz von der unglaublichen Besetzung abgesehen: Welches große Studio hätte im Jahr 1984 sonst die Traute gehabt, eine Sexszene mit der barbusigen, damals bereits 52-jährigen Ellen Burstyn in die ersten zehn Minuten ihres Eventfilms zu packen?

Leider gibt es über THE AMBASSADOR sonst nicht viel Positives zu berichten. Zugegeben, das Ende ist schon ziemlich unglaublich, aber leider nicht auf die gute Art. Der Film setzt sich mit dem Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern bzw. der PLO auseinander, erläutert seine Hintergründe zu Beginn in einem ausladenden Text und widmet sich den Bemühungen des amerikanischen Botschafters Peter Hacker (Robert Mitchum) als diplomatischer Vermittler zwischen den verfeindeten Parteien und als Friedensstifter zu fungieren. Seine Bemühungen kulminierem in einem übersteuerten Finale, in dem er israelische Studenten und Vertreter der PLO zusammenbringt und sie miteinander diskutieren lässt. Doch kaum hat eine Annäherung stattgefunden, skandieren die jungen Leute gemeinsam „Peace“, kommen auch schon die Terroristen mit den rotweißen Schals und ballern alle über den Haufen. Das Blutbad ist schockierend, doch die gelegte Saat geht dennoch auf. Nur wenige Stunden später gibt es vor dem Haus des Botschafter eine große Kundgebung und die mit Kerzen ausgestatteten Teilnehmer fordern erneut lautstark „Peace“. Hacker steht gerührt auf seinem Balkon: Sein Werk ist getan, er kann jetzt abreisen.

Das mag gut gemeint sein, aber mal davon abgesehen, dass die Darstellung unangenehm kitschig und naiv ist, stößt es schon etwas sauer auf, dass es lediglich die warmen Worte eines gütigen Amerikaners bedarf, um einen seit Jahrzehnten schwelenden Konflikt zu beenden. Es ist der größte, wenn auch nicht der einzige Fehltritt von Thompsons Film, der mit seiner Starbesetzung, den Originalschauplätzen und seinem aktuellen Thema den Eindruck großen Kinos erwecken möchte, aber nur eine ziemlich lahmarschige, durch krude Details zudem reichlich holprige Politschmonzette auf den Weg bringt. So hat Hackers Gattin Alex (Ellen Burstyn), die sich von ihrem Gatten vernachlässigt fühlt, eine Affäre mit dem Antiquitätenhändler Hashimi (Fabio Testi), der sich dann als wichtiger PLO-Mann entpuppt. Das gemeinsame Schäferstündchen wird von den Terroristen aufgezeichnet und Hacker damit erpresst, dass man den Film an die internationale Presse weitergeben will. Rock Hudson gibt Hackers Berater und Leibwächter Frank Stevenson, dessen Aufgabe es ist, seinen Chef zur Vorsicht zu mahnen oder Maulschellen an Finsterlinge zu verteilen. Aber richtig aus den Pötten kommt der Film nicht: Die Geschichte entwickelt sich zu einer Suche nach dem kompromittierenden Filmmaterial, aber ein nahe des Wachkomas agierender Mitchum erstickt mit seiner Indifferenz jedes Aufkommen von Spannung im Keim. Hier und da gibt es mal etwas, was über das bloß routinierte Formelkino hinausgeht, etwa die Dialoge zwischen Hacker und seiner Ehefrau, die die jahrzehntelange Vertrautheit der beiden Partner sehr schön einfängt, aber insgesamt ist THE AMBASSADOR vor allem betulich und öde. Schade, denn der Anfang lässt durchaus noch auf einen spannenden Politthriller mit aktuellem Bezug hoffen. So bleibt es nur ein weiterer der vielen irgendwie fehlgeleiteten Filme der Cannon, den zu verteidigen eine Aufgabe ist, der ich mich jetzt nicht stellen möchte. Für Trivialisten: Donald Pleasence wirkt als israelischer Minister Eretz mit, unter den Einheimische befinden sich unter anderem Zachi Noy und Jesse Katzur. Außerdem meine ich, Spiros Focás, bekannt als Rambos afghanischer Sidekick in RAMBO III, entdeckt zu haben, aber die IMDb möchte das nicht verifizieren.

 

the-big-sleep-movie-poster-1020240380Generationen von Filmbegeisterten haben sich die Köpfe darüber zermartert, was in Howard Hawks‘ Klassiker von 1946 eigentlich genau passiert. Eine Legende besagt, dass der Regisseur während der Dreharbeiten den Überblick über das dichte Handlungsnetz verloren hatte, und kurzerhand Raymond Chandler, den Autor der Romavorlage, um Hilfe fragte. Ob der Chauffeur umgebracht worden sei oder doch Selbstmord verübt hätte? Auch Chandler konnte die Frage nicht beantworten, musste gestehen, es selbst vergessen zu haben. Dem Erfolg und Einfluss des Films hat es nicht geschadet, im Gegenteil: Hawks‘ THE BIG SLEEP gilt als einer der wichtigsten und besten Noirs, als zeitloses Meisterwerk des amerikanischen Kinos; auch weil der Film weniger mit seinem labyrinthischen Plot erzählt, als er eine Stimmung schafft, die weitaus mehr sagt, als es jeder expositorische Dialog vermag.

Dass man in den späten Siebzigerjahren auf die Idee kam, es sei eine gute Idee, ein Remake zu drehen, mag mit Mitchums Auftritt als Philip Marlowe in der 1975 entstandenen Chandler-Verfilmung FAREWELL, MY LOVELY zu tun haben (zwei Jahre zuvor hatte Robert Altman mit THE LONG GOODBYE seinerseits eine Noir-Verbeugung inszeniert). Warum der Stoff aber von Los Angeles nach England verlegt wurde, ist ein mindestens ebenso großes Mysterium wie die Frage nach der Todesursache des Chauffeurs. Was immer die Idee hinter diesem Schachzug gewesen sein mag: Der Film gibt keinerlei Aufschluss darüber, wird durch die Diskrepanz zwischen Mitchums Hardboiled-Voice-over und der behäbigen Inszenierung sowie des irgendwie betulichen Ambientes aber zu einem Kuriosum erster Güte. Es passt nichts wirklich zusammen: Der 60-jährige Hauptdarsteller schlafwandelt mit meterbreiten Augenringen durch die mondänen Settings, wahrscheinlich auf der Suche nach einer Flasche Whisky. Das nokturne Noir-Ambiente des Vorgängers weicht der taghellen Gemütlichkeit eines britischen Whodunits, die aber immer wieder durch Gewaltschübe und sleazigen Sex zerrissen wird (das gnadenlsoe Overacting von Candy Clark, Sarah Miles und Joan Collins tut sein Übriges). Die Paranoia des PIs, dessen Voice-over viel mehr die unauflösliche Verstrickung in seine Fälle als seine Souveränität spiegelten, wird in Mitchums altersmüder Darbietung zum Zeichen des totalen Detachments. Er cruist wie ein Zuschauer durch seinen Fall, den er äußerst gelangweilt noch einmal verbal rekapituliert. Dass die Mordgeschichte, in die er da verstrickt ist, hinten und vorn nicht aufgeht, ist kein Grund zur Beunruhigung über ein aus den Fugen geratene Welt. Diesen Marlowe kann längst nichts mehr aus der Ruhe bringen, weil er weiß, dass nichts einen Sinn ergibt. Das teilt er mit den Winner-Helden aus THE SYSTEM, THE JOKERS oder I’LL NEVER FORGET WAHT’S ‚ISNAME, nur dass diese mit der Erkenntnis deutlich weniger gut zurechtkamen. Dass Marlowe so über den Dingen steht, mag auch mit seinem Status als Immigrant zu tun haben: Er kann von außen auf die britische Gesellschaft und ihr kompliziertes Klassensystem schauen und sich seinen Teil denken.

Und so hält man es mit dieser Version von THE BIG SLEEP auch am besten.

 

THE WRATH OF GOD erschien in Deutschland unter dem putzigen Titel ZUM TEUFEL MIT HOSIANNA und stach mir bei einer Amazon-Recherche wegen seines hübschen Postermotivs ins Auge. Robert MItchum als ballernder Priester, lateinamerikanischer Bürgerkrieg, Ralph Nelson als nicht ganz uninteressanter Regisseur: Das sah nach einer schönen Wiederentdeckung aus einer Zeit aus, in der weitaus mehr seltsame und längst vergessene Starvehikel prouziert wurden, als man das heute gemeinhin für möglich hält. Damals, als noch kein Team von Marktforschern eine umfassende Zielgruppenanalyse durchführten, bevor dann ein durchoptimiertes Plastikprodukt auf den Markt kam, das garantiert niemanden mehr überraschte, konnte noch so etwas entstehen: Ein Abenteuerfilm vor dem Hintergrund eines blutigen Bürgerkriegs, dessen Protagonisten vom Militär eingespannt werden, einen unliebsamen Rebellenführer zu ermorden, und sich dann nicht, wie es eigentlich üblich ist, auf die vermeintlich richtige Seite schlagen.

Der irische Gelegenheitsarbeiter Keogh (Ken Hutchison) will eigentlich das Land verlassen, wird aber vom hinterlistigen Geschäftsmann Jennings (Victor Buono) reingelegt und für einen letzten Job engagiert. Unterwegs trifft er auf den falschen Priester van Horne (Robert Mitchum), der im Koffer ein Maschinengewehr mit sich führt. Auf ihrer Fahrt durchs Land werden sie von Colonel Santilla (John Colicos) verhaftet und treffen bei ihm auch Jennings wieder, dem es ähnlich ergangen ist. Santilla schlägt einen Deal vor: Die drei Männer sollen sich im Dorf des Rebellenführers Thomas de la Plata (Frank Langella) einschleichen und ein Attentat auf ihn verüben. Am Ziel angekommen, stellen die „Helden“ aber fest, dass de la Plata nicht nur gegen die Regierungstruppen kämpft: Der Halbwahnsinnige hat alle Priester seines Heimatorts hinrichten lassen und ein eigenes Schreckensregiment aufgezogen. Die gedungenen Mörder schlagen sich auf die Seite der Dorfeinwohner …

THE WRATH OF GOD ist leider ziemlich langweilig geraten, was wohl vor allem daran liegt, dass er sich nicht wirklich entscheiden kann, was er denn eigentlich sein will. Da wird mit dem verschlagenen Protagonistentrio der humorvolle Ton alter Abeneteuerfilme angeschlagen, dann wieder relativ ernste Kost geboten, in der ein aus längst vergangenen Zeiten einbrechendes Element, die stumme Indianerschönheit Chela, wie ein bizarrer Fremdkörper wirkt. Der ganze Auftakt scheint für die spätere Geschichte überhaupt keine Rolle mehr zu spielen: Dass de la Plata ein Regierungsgegner ist, ist für den weiteren Verlauf des Films völlig unbedeutend. Zu behaupten, es dauerte zu lang, bis der Film in Fahrt komme, wäre dann auch falsch: Es wird eigentlich vom Auftakt weg einiges an Action geboten, das Problem ist eher, das nichts davon wirklich tangiert, weil man die Motivationen der Figuren nicht versteht. Erst im letzten Akt klärt sich das Bild ein wenig und im Showdown kommt dann auch ein bisschen Stimmung auf, aber bis dahin kommt THE WRATH OF GOD eher einer tragischen Ressourcenverschwendung gleich.

Ich bin beim Durchforsten der Titel der Warner Archive Collection auf den mir zuvor völlig unbekannten RAMPAGE (deutscher Titel: BRING SIE LEBEND HEIM oder auch IM BANNE DER ROTEN TIGERIN) gestoßen, dessen Covermotiv und Inhaltsangabe mich sofort für ihn eingenommen haben. Es geht um den Fallensteller Harry Stanton (Robert Mitchum), der von einem deutschen Zoo (eigentlich ist es der Zoo von San Diego) den Auftrag erhält, im Urwald von Malaysia „The Enchantress“, eine mythenumwobene Raubkatze, halb Leopard, halb Tiger, einzufangen. Ich versprach mir davon einen farbenfrohen – noch dazu vergessenen – Abenteuerfilm mit Fantasy-Einschlag, den man als Freund des abseitigen Films nur ins Herz schließen kann. Und dass auf dem Regiestuhl Phil Karlson saß, der u. a. den tollen Redneck-Actioner WALKING TALL und den rohen Rachefilm FRAMED zu verantworten hat, schadete auch nicht. RAMPAGE stammt noch aus einer Zeit, als auch den großen Filmstudios mal ein gnadenloser Heuler entfleuchte, den sie sich heutzutage längst nicht mehr erlauben würden – oder zumindest mit so viel Knete aufmotzen, bis er wie eines ihrer typischen Hochglanzprodukte aussieht. Karlsons Film fährt neben der namhaften Besetzung einiges an Schauwerten auf – gedreht wurde auf Hawaii –, kann aber zu keiner Sekunde verbergen, dass seine Wurzeln in der Groschenheft-Literatur liegen, das Drehbuch eilig auf einen Bierfilz gekritzelt wurde und das Budget auch eher karg war. Ich habe mich wirklich angestrengt, RAMPAGE zu mögen, aber es ist mir bis zum Schluss nicht gelungen.

Erzählt werden im Grunde zwei Geschichten, die sich gegenseitig spiegeln sollen, sich aber letztlich nur gegenseitig die Zeit wegnehmen. Hauptplot ist die Jagd auf „The Enchantress“ und zwei Tiger, auf die sich Harry zusammen mit dem reichen Großwildjäger Otto Abbot (Jack Hawkins) und dessen Jahrzehnte jüngerer Geliebte Anna (Elsa Martinelli) begibt. Harry ist der Meinung, dass es falsch ist, Tiere aus purer Lust zu töten, Otto hingegen vertritt die Ansicht, dass erst ein konserviertes, ausgestopftes Tier wahre, unvergängliche Schönheit verkörpert. Ihre beiden unterschiedlichen Haltungen treten auch in ihrer Stellung zu Anna zu Tage, die Harry sofort gefällt. Otto lernte die Frau als 14-jähriges Waisenkind kennen, nahm sie sofort zu sich und gab ihr einen neuen Namen, weil ihm der Klang ihres echten Geburtsnamens nicht gefiel – der Film verschleiert nicht die unangenehmen Implikationen, die mit dieser Geschichte einhergehen. Es ist klar: Auch sie ist nur ein Trophäe für ihn, mit deren Fang er sich brüstet. Dass Harry ihm gegenüber keinen Hehl daraus macht, dass er sie für sich gewinnen möchte, betrachtet er nicht als Affront, sondern als Bestätigung für seinen exzepttionellen Geschmack und als sportliche Herausforderung. Das ändert sich jedoch, als Anna ihm am Ende tatsächlich den Laufpass gibt und sich für Harry entscheidet: Da rastet Otto aus, lässt „The Enchantress“ frei und geht auf die titelgebende „Rampage“.

Der Film krankt vor allem an einem elendig umständlichen Drehbuch, das den Zuschauer mit einer halben Stunde Dialogexposition befrachtet, bevor er endlich im Urwald ankommt. Doch auch dann wird RAMPAGE nur geringfügig interessanter. Dass Harry und Anna zusammenfinden werden, ist schon früh beschlossene Sache, und auch die kleinen Konflikte, die ihnen in den Weg gelegt werden, sind stets als Klischees zu erkennen, die keine Folgen nach sich ziehen werden. Die Jagd auf die Tiger ist ebenso schnell abgefrühstückt wie die Suche nach „The Enchantress“, die sich leider als nur etwas angemalter Leopard entpuppt. Augenfällig ist auch, dass für aufwändige Tieraufnahmen oder Stunts, wie man sie etwa aus HATARI! kennt, kein Geld da war. Erst zum Finale hin kommt in Harrys Auseinandersetzung mit dem Fabeltier in einer Höhle und dem Schlusskampf gegen Otto auf nächtlichen Häuserdächern etwas Spannung auf, aber zu diesem Zeitpunkt hat man auch schon über eine Stunde darauf gewartet, dass irgendwas passiert. Auch die Charaktere sind flach und eindimensional, die Schauspieler bekommen fast nichts zu tun. Mitchum ist MItchum, Hawkins ein Ekel und die schöne Elsa Martinelli, die in LA RISAIA noch mit burschikoser Aufmüpfigkeit erotisierte, erinnert als vornehme Society-Dame mit weißemTeint tatsächlich an eine Mumie. Geradezu schmerzhaft ist es aber, wie mit Sabu umgegangen wird: Als 12-Jähriger für den Film ELEPHANT BOY entdeckt, bestätigte der gebürtige Inder seinen Publikums-Appeal in Zoltan Kordas THE DRUM, bevor er mit den Klassikern THE THIEF OF BAGDAD und JUNGLEBOOK zum Star avancierte. Es ist ein Beispiel für den damals vorherrschenden Alltagsrassimus, dass man mit ihm nicht mehr anzufangen wusste, als ihn immer wieder in Nebenrollen als agilen „Eingeborenen“ oder „Ausländer“ zu besetzen, und er ist gewiss auch nicht der erste Kinderstar, dessen Ruhm an der Schwelle zum Erwachsenwerden verblasste. Aber ihn hier, im Jahr seines tragischen Todes im Alter von nur 39 Jahren (posthum erschien noch A TIGER WALKS), in einer absolut unwürdigen Rolle als rassistisches Klischee des stets gutmütig grinsenden, den weißen Herrenmenschen sklavisch ergebenen, seine Ehefrau andienenden, lendenbeschürzten Urwaldbewohner zu sehen, erstickt noch den letzten Funken von goodwill, den man für RAMPAGE hatte.

critique-el-dorado-hawksEL DORADO, Howard Hawks‘ vorletzter Film, gilt als einer der großen Westernklassiker, auch wenn er zu einer Zeit erschien, als sich das Genre bereits auf dem absteigenden Ast befand. Er ist, mehr noch als RIO BRAVO, mit großer Geste als farbenfrohes Entertainment-Paket inszeniert, voller Actionszenen, markiger Dialogzeilen und deutlich größerem Anteil an komischen Einlagen. Inhaltlich darf man ihn durchaus als Remake, oder vielleicht besser „Re-Imagining“ des nur sechs Jahre zuvor ebenfalls unter Hawks‘ Regie entstandenen Films bezeichnen, aber er ist ausufernder, weniger fokussiert, beschwingter, lockerer. Dass er kaum weniger geliebt wird als sein Vorgänger verwundert aus heutiger Sicht etwas, gehört es doch mittlerweile zum guten Ton für selbstbewusste Filmfreunde, eilig nachgeschobene Remakes und Reboots mit Verachtung zu strafen, vor allem, wenn sie leichter und weniger ernst sind als ihre Originale. Dann muss man aber einräumen, dass heutige Remakes und Reboots selten auch nur einen Funken der Klasse haben, die EL DORADO ohne Zweifel aufweist.

Im inhaltlichen Abgleich zeigt sich, dass Hawks einen anderen Anfang für seine Geschichte wählt, früher ansetzt als der Vorgänger, der den Zuschauer ohne große Exposition in medias res warf. EL DORADO wirkt hingegen fast schon episch mit seinem sechs Monate überspannenden Handlungsbogen: Robert Mitchums J. P. Harrah, das Äquivalent zu Dean Martins Dude, ist der Sheriff von El Dorado und zu Beginn des Films, als sein alter Kumpel, der Revolverheld Cole Thornton (John Wayne) auftaucht, noch trocken. Der spätere Konflikt wird vorerst nur vorbereitet, bricht aber noch nicht aus. Thornton verlässt die Stadt wieder, nachdem er in Notwehr einen unschuldigen Jungen, der ihn für einen Gangster hielt, erschießen musste und zur Rache dafür selbst eine Kugel auf den Pelz gebrannt bekam, die nun nahe seinem Rückgrat feststeckend unregelmäßige Lähmungsanfälle hervorruft. Während seiner Abwesenheit lernt er den jungen Einzelgänger Mississippi kennen – James Caan in der Ricky-Nelson-Rolle – und erfährt, dass es in El Dorado bald zum Kampf zwischen dem schurkischen Rancher Bart Jason (Edward Asner) und den braven Macdonalds kommen wird. Cole kehrt zurück, um seinem Freund Harrah zu helfen, der in der Zwischenzeit über einer unglücklich verlaufenen Liebesgeschichte zum Alkoholiker geworden ist. Von hier an spielt sich die Geschichte bis auf Details nach dem Muster von RIO BRAVO ab: Cole, der ihn begleitende Mississippi sowie Harrahs Sidekick Bull (Arthur Hunnicutt) müssen den Sheriff einer Entziehungskur unterziehen, um ihn für die bevorstehenden Aufgaben frisch zu machen. Bart Jason landet nach dem Mord an einem Macdonald im Gefängnis, Cole geht auf Tuchfühlung mit der schönen Maudie (Charlene Holt), und Jasons Killer, angeführt von Nelse McLeod (Christopher George), versammeln sich um das Haus des Sheriffs.

EL DORADO hat seinem ideellen Vater nicht viel hinzuzufügen: Robert Mitchum betont in der Rolle des Alkoholikers eher die körperliche Seite des Verfalls, während es bei Dean Martin vor allem um den Verlust der Würde ging. Mitchum ist natürlich toll, aber ihm gefällt es sichtlich, den abgerissenen Penner zu geben. Man hat fast ein bisschen Mitleid mit ihm, wenn Mississippi ihm einen ekelhaft aussehenden Trunk einflößt, der es Harrah danach unmöglich macht, auch nur einen Tropfen zu sich zu nehmen. Die Tragik, die Martin seinem Dude verleiht, wird hier deutlich gemildert. James Caan wird mehr Raum eingeräumt als Ricky Nelson vor ihm und er weiß diesen gut zu nutzen. Man merkt, dass es sich bei ihm um einen „echten“ Schauspieler handelt und nicht um einen Quereinsteiger aus dem Musikbiz. Der Hauptplot steht mehr im Vordergrund, es gibt mehr Schießereien, der Schurke erhält mit McLeod einen gefährlichen Helfer – Christopher George, der später meist freundliche Rollen spielte, ist toll mit blindem Auge und beeindruckender Narbe –, alles wirkt etwas größer und spektakulärer – aber auch oberflächlicher. Am deutlichsten wird das an der Beziehung zwischen Cole und Maudie, die nur ein Schatten des komplexen Rapports ist, den John Wayne und Angie Dickinson in RIO BRAVO miteinander unterhielten. Charlene Holt, ein ehemaliges Model, ist hübsch anzusehen, aber wenig mehr. Ihre Rolle bedeutet gegenüber dem in der Zeichnung seiner weiblichen Protagonistin durchaus als progressiv zu bezeichnenden Vorgänger einen Rückfall in alte Westernschemata, in denen Frauen üblicherweise auf die Aufgabe reduziert wurden, ihren Mann anzuhimmeln und sich Sorgen um ihn zu machen. Das alles ändert nichts daran, dass EL DORADO meisterliches Kino ist, inszeniert von einem der Allergrößten. RIO BRAVO ist einfach ein verdammtes Meisterwerk, mit dem nur die allerwenigsten Filme mithalten können.

De la neige sur les tulipes (A)Der ehemalige Drogenbeamte Quinlan (Robert Mitchum) wird von Chung Wei (Keye Luke), Mitglied des Hongkonger Drogenkartells, beauftragt, ihm bei seinem Ausstieg zu helfen. Quinlan soll als Mittelsmann zwischen Wei und der Polizei fungieren, ihr mittels Tipps zu Verhaftungen und Beschlagnahmungen verhelfen. Als mehrere Polizisten bei einer Razzia in eine Falle laufen, wird Quinlan klar, dass es einen oder mehrere Verräter in den eigenen Reihen gibt. Und er selbst schwebt somit auch in Lebensgefahr …

Ob man diesen Film mag, hängt entscheidend davon ab, ob man Siebzigerjahre-Exploitation irgendwo im Niemandsland zwischen Hollywood-Glamour und Bahnhofskino-Ranz angesiedelt sowie den damit einhergehenden Style zu schätzen weiß. Eine Vorliebe für Hollywood-Recken kurz nach Überschreitung ihres Verfallsdatums kann gewiss auch nicht schaden. Robert Mitchum steht ganz im Zentrum von THE AMSTERDAM KILL, bestreitet nahezu jede Szene und sieht den ganzen Film über aus, als sei er morgens am Tresen eben jener Pinte aufgewacht, in die er sich nach Drehschluss des Vortages begeben hatte. Er „trübt“ sich von links nach rechts und umgekehrt durch die Szenenbilder, ab und zu rennt er auch mal und am überzeugendsten ist er, wenn er das Etikett seiner Flasche J&B liest. Nein, nein, er ist schon toll hier und ohne ihn wäre THE AMSTERDAM KILL weniger als die Hälfte wert. Der Plot ist Jacke wie Hose und ich habe irgendwann ganz aufgehört, ihm zu folgen. Es ging auch so, denn es ist eigentlich immer irgendwas los, und die Fotografie – an zugegebenermaßen nicht wenig telegenen Orten wie Hongkong und Amsterdam – ist schon die halbe Miete.

Regisseur Robert Clouse, der mit ENTER THE DRAGON nicht nur einen veritablen Hit landete, sondern dabei gleich Popkultur-Geschichte schrieb, hat eine sehr durchwachsene Filmografie vorzuweisen. Nachdem er Bruce Lee zu Superstar-Status verholfen hatte, war er zunächst auf weitere Eastern-inspirierte Stoffe festgelegt, wenngleich er sicherlich nicht der größte Action-Regisseur vor dem Herrn war. Sein BLACK BELT JONES markiert die damals wahrscheinlich  unvermeidbare Verbindung von Martial Arts und Blaxploitation, GOLDEN NEEDLES klingt nach der IMDb-Inhaltsangabe wie eine Mischung aus Turnier- und Abenteuerfilm und THE ULTIMATE WARRIOR ist ein früher Beitrag zum Endzeit-Genre (den ich immer noch nicht gesehen habe). Nach dem darauffolgenden THE AMSTERDAM KILL drehte er den guten Tierhorrorfilm THE PACK sowie den aus Bruce-Lee-Archivmaterial zusammengeklöppelten GAME OF DEATH. Er war verantwortlich für den ersten gescheiterten Versuch, Jackie Chan in den USA populär zu machen (BATTLE CREEK BRAWL), verfilmte mit NIGHT EYES einen der damaligen Ratten-Bestseller von James Herbert und drehte mit GYMKATA den wohl absurdesten Kung-Fu-Film aller Zeiten, bevor er zum Abschluss seiner Karriere mit Cynthia Rothrock und Bolo Yeung die Kickbox-Abteilung der Videotheken belieferte. Sein Werk, soweit ich es kenne, ist sehr hit & miss. Mir scheint es, als sei Clouse mehr als andere Filmemacher davon abhängig gewesen, was die Crew um ihn herum auf die Beine stellte. THE AMSTERDAM KILL ist nicht gerade von nervenzerfetzender Spannung geprägt, aber er sieht gut aus und ist relativ schwungvoll, mit ein paar Momenten der Inspiration inmitten des Genre-Allerleis. Bradford Dillman und Leslie Nielsen haben diese typischen Rollen, bei denen offenkundig wird, dass sie aus Budgetgründen wahrscheinlich nur für ein paar Tage zur Verfügung standen. Sie haben kaum etwas zu tun und sitzen fast ausschließlich am Schreibtisch. Man weiß eigentlich von Anfang an, dass sie etwas im Schilde führen, weil es sonst keinen Grund gäbe, ihre Rollen derart prominent zu besetzen, sodass sich die Überraschung am Ende doch sehr im Rahmen hält. Ich mochte den Film trotz aller offenkundigen Schwächen, aber das liegt sicherlich daran, dass ich solchem Käse generell sehr aufgeschlossen gegenüberstehe. Und der Showdown auf einer holländischen Tulpenplantage, bei dem Mitchum ein Gewächshaus mit einer Planierraupe plattmacht, ist zugegebenermaßen sehr hübsch. Wer genau hinschaut, erkennt dort auch den späteren Jackie-Chan-Weggefährten Yuen Biao in einer Minirolle als henchman.

Der Trend, dem später BATTLE OF BRITAIN und TORA! TORA! TORA!, aber auch etwa Richard Attenboroughs A BRIDGE TOO FAR folgen sollten, wurde von dieser Mammutproduktion der 20th Century Fox unter der Ägide von Darryl F. Zanuck gestartet: Film als episodisches Abbild von Geschichte. Nicht Interpretation, Überhöhung, Verdichtung und Fiktionalisierung, sondern tatsächlich möglichst akribische, originalgetreue Wiederholung realer Ereignisse. Der materielle Aufwand, der für THE LONGEST DAY zu diesem Zweck betrieben wurde, war enorm: Darryl F. Zanuck „befehligte“ mehr Männer als jeder General, der am D-Day beteiligt war. Mit einem Budget von 10 Millionen Dollar war THE LONGEST DAY bis zum Erscheinen von Spielbergs SCHINDLER’S LIST der teuerste (und auch erfolgreichste) Schwarzweißfilm. Drei Regisseure – ein Amerikaner, ein Brite und ein Deutscher – wurden engagiert, um ein möglichst objektives Bild der Ereignisse zu liefern. Deutsche, Engländer, Amerikaner und Franzosen wurden von deutschen, englischen, amerikanischen und französischen Schauspielern verkörpert, die in ihrer jeweiligen Landessprache sprachen. Das Staraufgebot macht einen bei Betrachtung ganz schwindlig, zumal etliche der auftretenden Superstars kaum mehr als ausgedehnte Cameos absolvieren. Den dramaturgischen Rahmen des Films liefern jene 24 Stunden des 6. Juni 1944, an dem sich die Invasion der Alliierten in der Normandie ereignete, und diese 24 Stunden versucht der Film durch eine Vielzahl kleiner Episoden mit unterschiedlichsten „Hauptfiguren“ abzudecken, um ein möglichst umfassendes Bild zu liefern: Lieutenant Colonel John Vandervoort (John Wayne) bricht sich bei der Landung mit dem Fallschirm den Fuß und wird von seinen Männern fortan mit einem Karren herumgefahren. Private John Steele (Red Buttons) bleibt mit dem Fallschirm an einem Kirchturm hängen und muss mitansehen, wie seine Kameraden unter ihm erschossen werden. Brigadier General Norman Cota (Robert Mitchum) und Colonel Thompson (Eddie Albert) versuchen fieberhaft, dem Beschuss am Omaha Beach zu entkommen und die Invasion ins Landesinnere zu tragen. Brigadier General Theodore Roosevelt jr. (Henry Fonda) besteht trotz seines berühmten Namens darauf, seine Männer seinem militärischen Rang angemessen in die Schlacht zu führen. Private Martini (Sal Mineo) bezahlt einen dummen Irrtum mit seinem Leben. Flying Officer David Campbell (Richard Burton) genießt schwer verwundet eine Zigarette. Günther Blumentritt (Curd Jürgens) blickt der Niederlage resigniert ins Auge, weil der Führer sich nicht aus dem Mittagsschlaf wecken lassen will. Major Werner Pluskat (Hans Christian Blech) sieht, wie sich die gigantische Armada der Alliierten aus dem Morgennebel schält, hat aber einen ungläubigen Oberstleutnant Ocker (Peter van Eyck) am Apparat. Oberst Josef Priller (Heinz Reincke) ist einer von zwei in der Normandie verbliebenen Piloten, der nun mit seinem Kollegen einen einzigen verzweifelten Angriff auf die Invasionsstreitkräfte fliegen muss. Eine Gruppe von Nonnen marschiert unbeirrt mitten durch ein tobendes Gefecht, um sich um ein paar Verletzte zu kümmern. Und ein altes französisches Ehepaar feiert fähnchenschwenkend die Ankunft der Befreier, obwohl unter deren Geschützfeuer auch das eigene kleine Häuschen dem Erdboden gleichgemacht wird.

THE LONGEST DAY liefert so einerseits einen recht  detaillierten Einblick in die Geschehnisse jenes Tages: Anders als in BATTLE OF BRITAIN wird die menschliche Seite des Konflikts nicht ausgespart. Bei aller Kürze, in der die einzelnen Figuren abgehandelt werden, sind ihre Episoden prägnant genug, um sie lebendig werden zu lassen. Jeder einzelne ist mehr als eine Nummer, mehr als ein Körper, der bloß als Material in die Schlacht geworfen wird. THE LONGEST DAY ist menschlicher als Guy Hamiltons Film. Dann sind da der immense technische Aufwand, der betrieben wurde, um eine Ahnung von der Dimension zu vermitteln (aber wohl auch, um die eigene finanzielle Potenz zu feiern) und die fantastische Fotografie: Vor allem die zahlreichen Totalen und Plansequenzen sind überwältigend. Man erhält einen Eindruck davon, wie sich die Gefechte abgespielt haben könnten, oder allgemeiner, wie Krieg generell wohl aussehen mag. Andererseits kann man den Grad der Authentizität des Films aus der zeitlichen und räumlichen Distanz kaum angemessen beurteilen. Es kursiert die Geschichte, dass Präsident Dwight D. Eisenhower die Vorführung des Films vorzeitig verlassen habe, verärgert über die historische Ungenauigkeit des Gezeigten. Nun ist diese Genauigkeit eigentlich kein zwingendes Kriterium zur Bewertung eines Films, aber wenn der unter der Vorgabe inszeniert wurde, ein möglichst genaues Abbild der realen Vorgänge zu liefern, sieht das natürlich anders aus. Aber wie gesagt, ich kann das nicht beurteilen und es interessiert mich auch nicht besonders, ob die richtigen Waffen zum Einsatz kamen, dieser oder jener Akteur den falschen Helm aufhat, die Invasion eigentlich 500 Meter weiter rechts hätte stattfinden müssen. Das ist nicht das, worum es mir bei Film geht. Was mir, der sich für Militärgeschichte also rein gar nicht interessiert, aber wirklich etwas sauer aufgestoßen ist, ist eben dieses erwähnte Streben des Films nach Neutralität. So lobenswert es auch ist, dass die Vertreter des nationalsozialistischen Deutschlands nicht als augenrollende Dämonen gezeichnet werden, wie es in vielen anderen Kriegsfilmen der Fall ist (das berühmte „Heil Hitler!“ fällt tatsächlich kein einziges Mal, man sieht es lediglich einmal an eine Häuserwand gekritzelt), mutet der ökumenische Ansatz des Filmes doch kaum weniger merkwürdig an. Der Zweite Weltkrieg, wie er in THE LONGEST DAY dargestellt wird, war eine fast sportliche Angelegenheit von Menschen, die doch alle nichts Böses wollten. Und um diesem großen Sandkastenspiel ein Denkmal zu setzen, vereinen sich die Gegner von einst nun noch einmal und spielen alles für ein neugieriges Publikum vor einer Kamera nach. Man muss niemandem der Beteiligten unbedingt den ideologischen Knüppel zwischen die Beine werfen, aber irgendwie ist es schon befremdlich, dass man nur 15 Jahre nach dem Ende des Kriegs das Bedürfnis hatte, einen Film zu drehen, der den Horror jenes Tages mit der Abgeklärtheit und Distanz eines Mannes ins Bild setzt, der im Keller seine Modelleisenbahnen zusammenprallen lässt. In der ganzen Akribie und Megalomanie, mit der Zanuck die Landung in der Normandie nachzeichnet, kommt eine sachliche Bewunderung zum Ausdruck, die mir das Blut in den Adern gefrieren lässt, je länger ich darüber nachdenke. Und ich glaube, es ist falsch, Krieg so dazustellen, völlig befreit von Emotionen und, ja, natürlich auch: Hass. Auch wenn die Feststellung, dass unter den Nationalsozialisten nicht jeder ein hitlerverehrendes Monster war, sicherlich richtig ist, und mancher Soldat der Alliierten den Einsatz ganz professionell gesehen haben mag, so glaube ich nicht, dass die Neutralität des Films repräsentativ für das ist, was Tausende der Beteiligten gedacht und gefühlt haben mögen. Inmitten des um sie herum tobenden Irrsinns rastet keiner aus, bricht keine schreiend zusammen, rennt keiner einfach weg. So kann das nicht gewesen sein.

Die Nazis dringen unter der Führung von Gestapo-Mann Heisler (Stanley Baker) in ein griechisches Bergdorf ein, dessen Bewohner – einfache Bauern und Arbeiter – zum Teil der Widerstandsbewegung angehören. Bei einem missglückten Überfall der Partisanen auf ein Waffenlager der Nazis sind bereits etliche von ihnen gefallen. Nun wollen die Deutschen ein weiteres Exempel statuieren. Aus der Schar der übrig gebliebenen Männer sollen zehn hingerichtet werden. Der erste Name wird aufgerufen. Der Mann beteuert, nicht dem Widerstand anzugehören, ein Kollaborateur zu sein. Doch das hilft ihm nicht. „Da siehst du, was du angerichtet hast“, sagt einer der Dorfbewohner. „Wir mögen dich nicht und sie mögen dich auch nicht.“ Eine Gewehrsalve zerreißt den Mann, er fällt tot zu Boden. Der nächste Name wird aufgerufen. Der nächste tödliche Schuss hallt durch die Nacht. Eleftheria (Gia Scala), eine junge Frau aus dem Dorf und Schwester eines der Widerstandskämpfer, wendet sich weinend und voller seelischer Qual ab. Der nächste Name, der nächste Schuss …

Es ist diese Szene, in der es Aldrich gelingt, die Unbarmherzigkeit, zu der Menschen im Krieg fähig sind, das Leid, das sie anderen zufügen, ohne auch nur das geringste Zeichen von Mitgefühl oder Gnade – Menschlichkeit eben – bloßzulegen. Sie erinnert sofort an seine großen Schmerzdarstellungen: Nalinles zerschundene Füße in APACHE, eine Vielzahl von Verletzungen und schmerzverzerrter Gesichter in KISS ME DEADLY, Burt Hansons sich unter der Elektroschocktherapie aufbäumender Körper in AUTUMN LEAVES, die Schreie von Joe Costa in ATTACK!, als ihm ein Panzer über den Arm  rollt. Bei Aldrich verbergen sich hinter äußeren Narben immer auch seelische Wunden: Im Schmerz ist der Mensch bei Aldrich als Ganzes erfasst, man kann sich nicht mehr an ihm versündigen, als ihn zu foltern – die Schäden sind irreparabel. Aber Aldrichs Schmerzensbilder sind auch die grafische Kulmination des inneren Ringkampfs, den seine Protagonisten austragen; ein Ringkampf, der seinerseits Ausdruck sozialer und historischer Verwerfungen ist. Da fällt einem dann auf, wie viele von Aldrichs Filmen zu Zeiten der Krise und der Unsicherheit spielen, vor dem Hintergrund von kriegerischen Auseinandersetzungen und großer sozialer Umbrüche. Die äußeren Umstände erfassen den Menschen, zerreißen ihn, perpetuieren den Status quo oder schaffen die Zäsur, die zur Überwindung führt. Aldrichs Protagonisten stehen vor der Wahl: Weitermachen wie bisher, sich mit den Gegebenheiten zu arrangieren und materiell davon zu profitieren, aber dabei moralisch zu verarmen, oder aber sich aufzulehnen, auch auf die Gefahr hin, dabei unterzugehen.

In THE ANGRY HILLS ist es der amerikanische Kriegsberichterstatter Mike Morrison (Robert Mitchum), der sich entscheiden muss: Will er nur der unbeteiligte Mitläufer sein, der den Krieg, in dem Millionen von Menschen ihr Leben lassen, zum Anlass nimmt, herumzureisen, sich zu betrinken und Frauen unterschiedlichster Herkunft kennenzulernen? Oder will er tatsächlich etwas dazu beitragen, Menschenleben zu schützen und dem Guten – oder zumindest dem, was er dafür hält – zum Sieg zu verhelfen? Zu Beginn ist er kaum mehr als ein Tourist, der die Orte des Sterbens besucht. Als er einen alten Bekannten trifft und diesem lapidar vom Tod eines gemeinsamen Freundes erzählt, steht er dessen sichtlichem Schock geradezu ratlos gegenüber. Schließlich ist Krieg, da sterben nunmal Menschen – so einfach ist das für ihn. Eigentlich will er nur schnellstmöglich in eine Taverne und eine hübsche Griechin auftun, doch dann wird ihm gegen seinen Willen eine Liste zugespielt, die die Namen von 16 griechischen Nazi-Kollaborateuren enthält. Seine Aufgabe besteht darin, die Liste nach England und damit aus der Reichweite der Nazis und ihrer griechischen Helfer zu bringen, die sich ihm sofort an die Fersen heften. Auf der Flucht landet Morrison in einem kleinen Dorf in den Bergen, wo eine Gruppe unerschrockener, aber chancenloser Partisanen den Widerstand probt. Für ihn ist der Überfall auf das Waffenlager zuerst ein Abenteuer, und um sich den Hauch von Autorität und Kompetenz zu verleihen, gibt er sich als Soldat aus. In Wahrheit gehört er nicht dazu, es ist nicht sein Land, dessen Autonomie bedroht ist. Wenn der Krieg vorbei ist, wird er zurück nach Amerika reisen. Eleftheria ist schockiert davon, wie er den Überfall mitplant und über das Leben der Männer verfügt, die ihm doch völlig fremd sind. Wie er plötzlich auftritt, als habe man nur auf ihn gewartet, und sich ganz selbstverständlich in die Rolle des Messias aus dem gelobten Land einfindet, obwohl er doch ein blutiger Amateur ist (was sie nicht weiß). Als es Ernst wird, erkennt er, was es bedeutet, mit Haut und Haaren involviert zu sein. Er hat Angst. Dieses Eingeständnis Mitchums dürfte eine ziemlich ungewöhnliche Dialogzeile für einen amerikanischen Helden in einem Kriegsfilm der Fünfzigerjahre gewesen sein. Mir hat es sich sofort eingebrannt, fast genauso wie das leidende Gesicht der trauernden Eleftheria, als ihre Mitbürger hingerichtet werden. Ein Robert Mitchum, der seine Angst eingesteht: Könnte es etwas geben, was den Wahnsinn des Krieges pointierter darstellt?

Nach dem vereitelten Überfall gibt es einen Bruch in THE ANGRY HILLS. Die „wütenden Berge“ werden verlassen, das Geschehen verlagert sich zurück in die Stadt, die Partisanen und Eleftheria, Morrisons Love Interest, werden zurückgelassen. Nun rückt eine andere Frau in den Mittelpunkt: Lisa Kyriakides (Elisabeth Müller), die Morrison helfen soll, in Wahrheit aber im Auftrag von Heisler handelt. Er ist ihr ehemaliger Ehemann und hat mit ihr zwei Kinder, die er als Druckmittel gegen sie einsetzt: Wenn sie Morrison nicht ausliefert, will er ihre gemeinsamen Kinder töten. Lisa weiß nicht, was sie erschrekcender finden soll: Die Tatsache, dass das Leben ihrer Kinder von einer Entscheidung abhängt, die sie nicht treffen will, oder davon, dass Heisler sein eigen Fleisch und Blut so völlig skrupellos einsetzt wie Chips in einem Kartenspiel. Lisa bleibt eigentlich keine Wahl. Man könnte es ihr nicht übelnehmen, ließe sie Morrison über die Klinge springen. Doch sie ist nicht in der Lage, ein Leben im Austausch für zwei andere zu opfern, auch nicht, wenn es um das Leben ihrer Kinder geht und das Opfer ein Fremder ist. Sie bricht das Spiel ab, schafft die Zäsur. Bevor Morrison unwissend in die Falle tappt, warnt sie ihn. Damit verändert sie die ganze Situation, zwingt die Involvierten zum Innehalten. Morrison ist nun längst nicht mehr nur der unfreiwillig Hineingezogene, der lediglich bemüht ist, seine Haut in Sicherheit zu bringen. Er will Lisas Kinder um jeden Preis retten und die Liste  nach England bringen. Was erstaunlich ist: Je mehr er zum aktiv Handelnden wird, umso mehr verlagert Aldrich sein Interesse zugunsten Heislers. Denn nun ist es an diesem, einen Gesinnungswandel zu vollführen. Ist er wirklich bereit, für den „Endsieg“ seine eigenen Kinder zu opfern?

THE ANGRY HILLS, der auf einem Roman von Leon Uris basiert, ist ein in vielerlei Hinsicht bemerkenswerter Film. Zum oben erwähnten ängstlichen Mitchum gesellt sich am Schluss auch noch der menschliche Nazi, der in den Fünfzigerjahren wohl eher selten gesehen war und es ja auch heute noch ist. Aldrich glaubt nicht an apriorische Gut-Böse-Zuschreibungen. Der Mensch zeichnet sich durch das aus, was er tut, durch die Entscheidungen, die er trifft. Und jeder hat zu jeder Sekunde die Gelegenheit, sein Handeln zu überdenken, und den Kurs zu wechseln. Wie Sartre das einmal treffend formulierte: Man hat immer die Wahl. Und wenn es der Selbstmord ist. Leider ist THE ANGRY HILLS aber auch sehr zerfahren. Das ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass das Studio diverse Schnitte auferlegte, die den zweistündigen Film auf knapp 105 Minuten herunterkürzten. Welche Passagen und Szenen tatsächlich der Schere zum Opfer fielen, kann ich nicht nachhalten, aber einige Handlungssprünge muten tatsächlich viel zu ungelenk an, als man sie Aldrichs Regie zuschreiben wollen würde. Lisa tritt ohne echte Einführung in den Film (sie wird nur einmal in einem Gespräch erwähnt), wird von Morrison aber schon erwartet. Der Schauplatzwechsel überrascht nicht nur, weil der Film doch THE ANGRY HILLS heißt. Und später erfährt Morrison dann noch sehr beiläufig vom Tod Eleftherias: Auch diese Entscheidung mutet angesichts der Bedeutung, die dieser Figur zuvor beigemessen wurde, rätselhaft an. Diese Sprünge machen es mitunter schwer, dem Geschehen zu folgen. Und so vermute ich, dass man in der Postproduction kurzerhand einige „Bindeglieder“ entfernte, die einen weicheren Übergang zwischen dem ersten und dem zweiten Teil des Films geschaffen hätten. THE ANGRY HILLS ist daher nicht ganz einfach – und schon gar nicht fair – zu bewerten. Was man sieht, zeugt von der Meisterschaft und dem Humanismus Aldrichs. Das große erzählerische Talent, das etwa aus VERA CRUZ einen so meisterhaft strukturierten und konstruierten Western machte, scheint hier jedoch zumindest streckenweise ausgehebelt.

Der „Fluss ohne Wiederkehr“ ist in Premingers Film natürlich in zweierlei Hinsicht ein ebensolcher: in wörtlicher, weil derjenige, der sich seinen Gefahren aussetzt, dabei ums Leben kommt, in bildlicher, weil sein Bezwinger, der Siedler Matt Calder (Robert Mitchum) die Rückreise nicht mehr als Derselbe antritt.

RIVER OF NO RETURN ist einer jener Filme, die einzig mit dem Begriff des „großen Kinos“ angemessen beschrieben sind. Leider muss man dieser Beschreibung heute einen mittellangen Exkurs anhängen, weil er längst zur hohlen Phrase verkommen ist. Inflationär wird nämlich jeder Quark als „großes Kino“ bezeichnet, sofern er nur teuer genug ist oder aber erfolgreich in dem Unterfangen, auch noch den taubsten Gestalten für anderthalb Stunden das Gefühl zu vermitteln, ein echter Mensch zu sein, mit richtigen Emotionen und tiefen Gedanken und so. Im Zusammenhang mit Premingers Klassiker bedeutet „großes Kino“ nichts weniger, als dass hier alles in erster Linie Bild ist und jede Interpretation dieses Bildes nur höchst unzureichend und nachrangig (womit ich natürlich auch eine super Ausrede habe, falls jemand meinen Text blöd findet).

Schon an seiner Struktur kann man erkennen, dass sich Preminger vor allem für etwas interessiert, was jenseits von Psychologie und Motivation liegt. Die Handlung ist kaum mehr als eine Prämisse, ein Vorwand, die Protagonisten auf dem Fluss ohne Wiederkehr durch diese Wahnsinnslandschaft zu schicken, die angeblich „alive with indians“ ist, die man dann aber auch eher selten zu Gesicht bekommt. Trotzdem sind sie natürlich ebenso da, wie alles andere, was man mit jenem Traumland weit im amerikanischen Westen verbindet, auch da ist. Von diesen Träumen handelt der Film, davon, wie sich Menschen in diese Träume werfen und ihnen dann ein Stück Realität abtrotzen – oder bei dem Versuch jämmerlich verrecken. Harry Weston (Rory Calhoun), ein Zocker und Ehemann der Sängerin Kay (Marilyn Monroe), hat einmal in seinem Leben Glück gehabt. Am Ende des Flusses ohne Wiederkehr winkt der Ort Council City und ein Fleckchen Erde, auf dem man Gold (noch so ein Traumbild: im ganzen Film bekommt man nicht ein Nugget zu Gesicht) suchen und hoffentlich finden kann. Um diesen Traum Realität werden zu lassen, ist dem kleinen Ganoven plötzlich jedes Mittel recht – auch Mord. Matt Calder, selbst ein reuiger Mörder, träumt von einem friedlichen Leben mit eigener Farm und seinem Sohn – einem ehrlichen Leben, für das er sich nicht zu schämen braucht, das zu verteidigen er aber auch bereit ist, alles zu riskieren. Dazwischen Kay, hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, auszubrechen, und dem Bedürfnis, dabei ehrlich zu bleiben. Weston nimmt Calder alles, zumindest in der Bild-Sprache des Films, nämlich Pferd und Gewehr, um sein Ziel zu erreichen, und zwingt ihn so, auch noch den verbleibenden Rest – sein nacktes Leben – zu riskieren, um sich die Grundlage seiner Existenz zurückzuholen. Sie wartet am Ende des von reißenden Stromschnellen gepeitschten und von blutrünstigen Indianern belagerten Flusses, in Council City, einm utopischen Ort, der sich als erschreckend armselig entpuppt. Hier soll alles besser werden?

Um zu verdeutlichen, dass RIVER OF NO RETURN ein Film über unerreichbare Träume und ihre Verheißungen ist, hätte ich auch einfach nur zwei Namen in die Runde werfen können: Marilyn Monroe und Robert Mitchum. Zwei Schauspieler, die die Überlegenheit des US-amerikanischen Kinos jener Zeit symbolisieren: Keine andere Filmindustrie hat Stars hervorgebracht, die zu solch mächtigen Mythen wurden, das Begehren des Publikums so kommandierten, wie Hollywood. Die Monroe ganz fraugewordene Verführung, als steter Tease die Verlockungen eines Heims verkörpernd, das nun einmal ohne Frau nicht vollständig ist, Mitchum der Inbegriff (na gut, das war vielleicht eher John Wayne) des All-American Man, jenes Raubeins, das das Ideal am Horizont selbst dann noch verfolgt, wenn es weiß, dass es unerreichbar ist. Warum dann also nicht diese blonde Fieberfantasie von Frau schnappen und das Beste aus den wenigen Möglichkeiten machen? Warum sich nicht der nächsten Herausforderung stellen, wenn man den Fluss ohne Wiederkehr bereits bewältigt hat?

Ich bin einigermaßen entsetzt über die nur leicht überdruchschnittliche Bewertung dieses Films auf Imdb. Peter Greenaway hat mal gesagt, der moderne Mensch sei unglaublich gut mit Worten und Texten, aber er habe es verlernt, Bilder zu lesen. Die Größe von RIVER OF NO RETURN muss man nicht suchen. Sie liegt ganz offen dar. Man muss nur hinschauen. Das können viele wohl nicht mehr.

Mexiko, 1916: Während der Mexikanischen Revolution strömen zahlreiche amerikanische Glücksritter und Geschäftsleute in das Land, um mit dem Krieg Geld zu machen. Unter ihnen befindet sich auch der Waffenhändler Kennedy (Zachary Scott), der mit seiner Gattin Lisa (Ursula Thiess) nach Mexiko reist, um die Regierungsarmee mit Waffen zu beliefern. Davon bekommt wiederum der Einzelgänger Wilson (Robert Mitchum) Wind, der sofort Kontakt zu den Rebellen um Colonel Escobar (Gilbert Roland) aufnimmt. Mit Wilsons Hilfe können Escobars Männer Kennedy zwar gefangen nehmen, doch der täuscht die Rebellen über den Ort des Waffenverstecks. Diese Pleite fällt auf Wilson zurück und dass er eine Liaison mit der schönen Lisa Kennedy begonnen hat, trägt in den Augen der Rebellen auch nicht zu seiner Glaubwürdigkeit bei. Zwischen die Fronten geraten, muss er nun versuchen, die Rebellen von seiner Unschuld zu überzeugen und so sein Leben zu retten: Doch dazu muss er ihnen helfen, im Kampf gegen die Armee zu bestehen …

BANDIDO, der in Deutschland unter dem herrlich pulpigen Titel GRANATEN-JOE im Kino lief (Wilson hat einen Koffer voller Granaten dabei), ist sicherlich einer der vernachlässigbaren Filme in Fleischers Schaffen, aber für eine Werkschau trotzdem nicht uninteressant, weil er ein Paradebeispiel für eine Auftragsarbeit und die Probleme abgibt, mit denen ein Auftragsregisseur für gewöhnlich zu kämpfen hat – mithin ein Film, der trotz seiner Mittelmäßigkeit einen guten Einblick in Fleischers Arbeit und seine Fähigkeiten als Problemlöser gibt.  Als sich Fleischer für BANDIDO verpflichtete, war der Film lediglich ein Exposé von Screenwriter Earl Felton, das sich noch HORSE OPERA nannte und unter anderem den mexikanischen Volkshelden Pancho Villa als einen der Protagonisten aufbot. Der Stoff versprach einen anspruchsvollen, durchaus ambitionierten Abenteuerfilm und – so Fleischer in seiner Autobiografie – vor allem „fun“ bei den Dreharbeiten. Als Fleischer THE GIRL IN THE RED VELVET SWING beendet hatte und sich voller Spannung dem fertigen Script zuwendete, war er entsetzt: Der Film hieß nun BANDIDO und hatte fast nichts mehr mit dem Exposé zu tun, das Fleischer überhaupt dazu bewegt hatte, einen Vertrag zu unterzeichnen. Weil ihm aber juristische Konsequenzen drohte, wenn er diesen nicht erfüllen würde, blieb ihm nur ein Kompromiss: Er nahm Felton mit nach Mexiko, um ihn für Rewrites zur Verfügung zu haben und den Film so während der Dreharbeiten zurück in die Richtung der ursprünglichen Idee zu lenken, was ihm eigenen Aussagen zufolge wenigstens halbwegs gelang.

Trotzdem ist das Drehbuch sicherlich das größte Manko an BANDIDO: Nach dem gelungenen und vielversprechenden Aufbau kommt einfach zu wenig, verliert sich der Film in der bloßen Plotabwicklung, die leider weder besonders interessant noch wirklich spannend ist. Es klingt paradox, aber man hat den Eindruck, dass das Script der Geschichte, die es erzählen will, stets einen Schritt hinterher hinkt, das Wichtigste verpasst. BANDIDO wächst leider nicht über den Status eines bloß ansehnlichen, milde unterhaltsamen Abenteuerfilms hinaus, was schade ist, weil ein unverkennbar beträchtlicher materieller Aufwand betrieben wurde. Der Dreh an Originalschauplätzen und die erneut herrliche Scope-Fotografie von Ernest Laszlo garantieren schöne Bilder und suggerieren die epische Breite, die dem Drehbuch leider völlig abgeht, Robert Mitchum ist immer sehenswert (er war an den Einspielergebnissen von BANDIDO beteiligt und deshalb recht pflegeleicht) und Fleischers Inszenierung macht das Beste aus dem ihm zur Verfügung stehenden Material. Die Actionszenen – ein Zugüberfall ist neben dem finalen Shootout das Action-Highlight des Films – sind kraftvoll und zupackend, doch die einprägsamste Szene gehört eindeutig Mitchum: Als Wilson checkt er während heftiger Schusswechsel in einem heruntergekommenen Hotel ein, völlig unbeeindruckt von den um ihn herum fliegenden Kugeln, bezieht sein Zimmer und packt eine Flasche Whiskey aus, um sich einen ersehnten Drink einzugießen. Ein Querschläger verdirbt ihm jedoch den Spaß und zerschmettert die Flasche. Wilson sieht seinen Whiskey verrinnen, stürzt ungeachtet der drohenden Gefahr zur Flasche und rettet gerade genug für seinen ersehnten Drink. Hätte es im weiteren Verlauf nur mehr solcher Szenen gegeben …