Mit ‘Robert Patrick’ getaggte Beiträge

Vor ein paar Tagen bin ich über diesen – möglicherweise gar offiziellen? – Youtube-Kanal gestolpert: Er führt zu einer Sammlung zahlreicher alter Filme aus der Produktionsschmiede PM Entertainment, über die ich hier schon häufiger geschrieben habe. Da die Firma ihre Hochzeit in den Neunzigern hatte, als es zwar einen blühenden Markt für solide produzierte DTV-Action gab, aber noch keine DVDs, sind ihre Filme heute nicht ganz einfach zu bekommen. Nur wenige schafften den Sprung ins digitale Medium, schon gar nicht in Deutschland, und wer also keinen Videorecorder besitzt und das entsprechende, damals aufgebaute Kassettenarchiv, der hat kaum eine Chance, die Filme heute noch zu sehen. Ich kann gar nicht sagen, wie dankbar ich daher für diesen Videokanal bin, der mir die Möglichkeit gibt, einige klaffende Lücken zu schließen und die Filme vor allem ungeschnitten zu schauen (wenn auch in eher mittelprächtiger Qualität). Ich nehme meinen Fund daher zum Anlass, hier in nächster Zeit in loser Folge eine kleine PM-Retrospektive und meinen Lesern hoffentlich Lust auf diese wunderbaren Timewaster zu machen.

Zum Auftakt habe ich mit Joseph Merhis ZERO TOLERANCE gleich mal einen mittelschweren Kracher erwischt, der sich für Nichteingeweihte als Einstiegsdroge perfekt eignet, weil er alles in sich vereint, was die Filme von PM Entertainment auszeichnet: markige Stories, gute Besetzungen mit einigen ungewöhnlichen Coups, viel Gewalt, fette Stunts und brandheiße Explosionen sowie eine gediegene Inszenierung, die all das wirkungsvoll ins Bild zu rücken weiß. Die Story von ZERO TOLERANCE ist schnell erzählt: FBI-Mann Jeff Douglas (Robert Patrick) soll den mexikanischen Kartellchef Manta (Titus Welliver), Mitglied der fünfköpfigen „Weißen Hand“, die das Drogengeschäft in den USA an sich reißen will, mit zwei Kollegen von Mexiko in die USA überführen, wird aber unterwegs  von dessen Männern überfallen. Jeff überlebt den Anschlag, doch die Vergeltung Mantas ist fürchterlich: Gnadenlos bringen seine Killer Douglas‘ Familie um. Der schwört natürlich Rache und macht von nun an Jagd auf die Mitglieder der „Weißen Hand“. Den Vorgesetzten des Cops kommt der Rachefeldzug nicht ungelegen, aber Douglas‘ Kollegin Megan (Kristen Meadows), weiß, dass ihm der elektrische Stuhl droht und versucht ihn aufzuhalten.

ZERO TOLERANCE hält sich nicht lange mit Exposition auf, sondern beschert dem Zuschauer von Anfang an, was der sich von einem Film mit diesem Titel mit Recht versprochen hat. In schneller Folge setzt es krachende Shootouts, rasante Verfolgungsjagden mit hohem Verschrottungsfaktor und natürlich die lodernden Explosionen, die ein Trademark der Firma waren. Der Schauplatz Las Vegas bietet eine überaus attraktive Kulisse, wie der Film sich hinsichtlich des betriebenen Aufwands generell nicht vor seinen deutlich teureren Kollegen aus Hollywood verstecken muss. Es ist erstaunlich, was Richard Pepin und Joseph Merhi damals mit vergleichsweise geringen Mitteln auf die Beine gestellt haben. Wirklich herausragend wird ZERO TOLERANCE aber wegen seiner Besetzung: Robert Patrick ist spitze als gebrochener Held, überzeugt als trauernder, brodelnder Familienvater genauso wie als kaltblütiger Vigilant, und beweist, dass es nicht immer die ganz großen Namen sein müssen. Titus Welliver wirft sich mit Gusto in seine Arschlochrolle und es macht einfach Freude, ihn mit Inbrunst zu hassen. Ein geiler Actionfilm braucht einen richtig guten Schurken, und Welliver liefert. Miles O’Keeffe ist vielleicht etwas verschenkt als Kowalski, das sanftmütigste Mitglied der Weißen Hand, aber sein Prinz-Eisenherz-Haarschnitt und das Szenenfoto aus DER KAMPFGIGANT, das beim FBI von ihm kursiert, reißen es heraus. Als besonderes Leckerli wirkt Musiklegende Mick Fleetwood als Helmut Vitch, Anführer der Weißen Hand, mit und macht seine Sache ebenfalls sehr ordentlich. Es gibt weiter nicht viel zu sagen: Der Film läuft genauso ab, wie man sich das nach Lektüre meiner Kurzzusammenfassung vorstellt, aber er entwickelt eben genau den Drive, den es braucht, damit man sich bei der Wiederholung des Immergleichen nicht langweilt. Der überbordende Machismo kommt in einer tollen Szene zum Ausdruck, in der sich Douglas‘ Vorgesetzte, die eigentlich alles daran setzen sollten, ihn aufzuhalten, über dessen Amoklauf freuen wie drei Kumpels über die Oberweite der Bedienung in der Lieblingskneipe. Die Welt, die in diesen Filmen gezeichnet wird, scheint so wunderbar einfach. Mich erwischte bei der Betrachtung gestern die volle Nostalgie-Breitseite und ich erinnerte mich wehmütig an die Zeit zurück, in der man in der Videothek reichhaltige Auswahl an neuen Actionfilmen mit verheißungsvoll markigen Titeln und dicken Wummen auf dem Cover hatte und sich für ein paar Mark Zutritt zu einer ganzen Welt verschaffen konnte. Diese Zeit ist endgütig vorbei, aber Youtube ist durchaus ein irgendwie angemessener Ersatz.

Als ein Serienmörder seine Lebensgefährtin umbringt, stürzt sich der FBI-Agent Jake Malloy (Sylvester Stallone) in den Alkoholismus. Sein Partner Hendricks (Charles S. Dutton) bringt ihn schließlich in ein Rehabilitationszentrum, das von einem Ex-Cop (Kris Kristofferson) speziell für alkoholabhängige Polizisten geführt wird. In der verschneiten Einöde Wyomings befinden sich die Patienten in einem ehemaligen Bunker in totaler Isolation. Hilfe ist also nicht in Sicht, als die ersten Insassen sterben. Es scheint, als sei der Serienmörder Malloy gefolgt …

Ich erinnere mich noch daran, als ich bei einem Kinobesuch das Plakat sah, das D-TOX seinerzeit ankündigte. „Juchhuuh, ein neuer Stallone!“, dachte ich mir, war es doch in den Jahren zuvor ziemlich ruhig geworden um mein Jugendidol. Das war dann aber auch das letzte, was ich von D-TOX mitbekam: Der Film kam ohne großes Trara ins Kino und verschwand innerhalb kürzester Zeit wieder. Er floppte so massiv, dass Stallones nächster Film AVENGING ANGELO in Deutschland gar nicht erst den Weg ins Kino fand, sondern gleich auf DVD verwurstet wurde: Es war seit 1984 und seinem Komödienflop RHINESTONE der erste Film Stallones, dem in Deutschland dieses Schicksal wiederfuhr.

Die Erwartungen an D-TOX waren heute dementsprechend gering und vielleicht lag es nur daran, dass mir die erste halbe Stunde sogar ganz gut gefiel. Klar, die Creditsequenz ist ein sieben Jahre verspäteter Rip-off von SE7EN, aber Stallone macht seine Sache sehr ordentlich und sieht auffallend frisch aus. Der Film versumpft dann aber in genau dem Moment, in dem er eigentlich losgehen sollte, nämlich mit Betreten des Reha-Centers, in der totalen Beliebigkeit. Gillespie hatte vorher einen Überraschungserfolg mit I KNOW WHAT YOU DID LAST SUMMER gelandet und D-TOX zeigt eindrucksvoll, dass er seitdem nichts dazugelernt hat. Nach dem ausgelutschten Slasher-Prinzip wird die müde Handlung abgespult, mit dem Unterschied, dass es hier keinerlei Schauwerte gibt. Das Setting sollte wohl eine ähnlich klaustrophobische Stimmung erzeugen wie Carpenters THE THING, doch bedarf es dazu eines größeren inszenatorischen Geschicks, einer ausgefeilteren Dramaturgie und vor allem Charaktere, die einem nicht völlig egal sind. Mühsam und höhepunktarm schleppt sich der Film über die Zeit, das eintönige Grau-in-Grau ermüdet auch den wohlwollendsten Zuschauer. Erst zum Ende, wenn Malloy den Bösewicht hübsch sadistisch killt, kommt noch einmal ganz kurze Stimmung auf, ansonsten ist D-TOX ein Schlafmittel erster Güte.

Dabei war hier doch zumindest Potenzial wenn schon nicht für einen guten Thriller, so doch immerhin für einen beknackten Baddie vorhanden. Die Idee, dass eine Gruppe von Polizisten sich im Nirgendwo zu einer Therapie versammelt, ist schon ziemlich hanebüchen, und wie die vermeintlichen Profis sich verhalten, als es ernst wird, wirft auch kein gutes Bild auf den Zustand der Verbrechensbekämpfung. Was das überhaupt für Gestalten sind: Keiner von denen macht den Eindruck, dass er überhaupt einsieht, eine Therapie nötig zu haben. Wahrlich beste Voraussetzungen für den Erfolg. Woraus jemand wie etwa Renny Harlin einen schön durchgeknallten Big-Budget-Trasher gemacht hätte, wird unter der Regie von Gillespie ein langweiliger Thriller, der niemanden aufregt, ein Serienmörderfilm ohne Schrecken, ein Slasher ohne Gore. Das braucht in dieser Form wirklich kein Mensch.