Mit ‘Roberta Collins’ getaggte Beiträge

In einem südamerikanischen Frauengefängnis regieren die Wärterin Lucian (Kathryn Loder) und der mysteriöse Mendoza, dessen Gesicht noch niemand lebend gesehen hat, mit eiserner Hand. Fünf Insassinnen – die lesbische Grear (Pam Grier), die toughe Alcott (Roberta Collins), Bodine (Pat Woodell), die Geliebte eines Revoluzzers, die drogenabhängige Harrad (Brooke Mills) sowie die „Neue“, Collier (Judy Brown) – planen schließlich die Flucht. Die beiden Dienstboten Harry (Sid Haig) und Fred (Jerry Franks) kommen ihnen dabei eher unfreiwillig zur Hilfe …

Um das zunächst mal klarzustellen: THE BIG DOLL HOUSE ist der Auftakt für die WiP-Reihe von New World Pictures, dem dann die von mir bereits besprochenen THE BIG BIRD CAGE und WOMEN IN CAGES nachfolgten (die ich nur aus Versehen zuerst geschaut habe), und dementsprechend längst nicht so aufwändig und ausufernd wie das nominelle Sequel.  THE BIG DOLL HOUSE liegt stimmungsmäig genau zwischen den beiden genannten Nachfolgern: Relativ ernst und reduziert, ist er noch kein Comicspektakel wie THE BIG BIRD CAGE, aber auch bei Weitem nicht so düster und deprimierend wie WOMEN IN CAGES (dessen Knastsetting hier zum ersten Mal Verwendung findet). Das Drehbuch konzentriert sich in erster Linie auf die Beziehung zwischen den fünf Inhaftierten, ohne dabei eine wirklich klare Plotline herauszuarbeiten. Erst spät kommt die Idee auf, zu fliehen, und die Enttarnung Mendozas ist kaum überraschend, weil einem nur wenige mögliche Kandidaten vorgeführt wurden. Auch der Subplot um Harry und Fred, die natürlich davon träumen, sich an den hübschen Damen zu verlustieren, wirkt eher hingeworfen, als schlüssig mit der Geschichte verbunden. Zwar glingt es Hill die Episoden am Ende zufriedenstellend zusammenzuführen, doch bis dahin mäandert THE BIG DOLL HOUSE durchaus unterhaltsam, aber eben auch ein wenig unentschlossen vor sich hin.

So sind es eher kleinere Details und einzelne Szenen, die herausstechen: Sehr putzig fand ich etwa die Untersuchung Colliers zu Beginn, bei der natürlich jede Körperöffnung einer genauen Prüfung unterzogen wird. Die Wärterin wischt sich danach einfach lapidar die Finger an ihrem Hemd ab und ruft „Next!“. Hygiene ist wahrlich ein Luxusproblem. Natürlich gibt es auch wieder eine Partie dekorativen Schlammcatchens und deutlich mehr übergriffigen Sex als im BIRD CAGE, aber im Vordergrund stehen eindeutig die Performances des fünf Hauptdarstellerinnen. Die besten Parts haben Pam Grier und Brooke Mills abbekommen, weil sie am ehesten so etwas wie Tiefe vorweisen: Ihre gemeinsame Szene kurz vor Schluss ist die stärkste des Films. Collins, Brown und Woodell sehen vor allem gut aus und dürfen am Schluss schön pulpig mit Maschinengwehren rumballern. Es liegt auch an ihnen, dass dieser Film kaum ernstzunehmen ist: Selbst nach der schlimmsten Folter sitzen Frisur und Schminke noch perfekt und alle strotzen nur so vor Unbeugsamkeit, dass selbst ein getsandener Kerl wie Sid Haig vor ihnen nur in die Knie gehen kann. „Realistischer“ ist da schon die Besetzung der irgendwie gruseligen Kathryn Loder als Folterknecht: Ihr war leider nur eine sehr kurze Karriere vergönnt, bevor sie mit nur 38 Jahren verstarb; zu ihren wenigen Filmen zählt etwa der Hill-Film FOXY BROWN. Sid Haig ist wie immer liebenswert und die deutsche Christiane Schmidmer spielt die Gefängnisdirektorin, die sich am Schluss … aber das verrate ich jetzt nicht. Ihr merkt, allzu viel weiß ich zu diesem Film, der einfach nur leicht überdurchschnittliche, kompetent gefertigte Exploitation darstellt, nicht zu sagen. Muss ja auch nicht sein.

„Jeff“ (Jennifer Gan) wird von ihrem drogendealenden Freund Rudy (Charlie Davao) – nebenbei unterhält er einen Vergnügungsdampfer, auf dem reiche Männer dem Glücksspiel nachgehen und sich an Prostituierten vergehen können – hintergangen und landet im Gefängnis. Dort führt die amerikanische Wärterin Alabama (Pam Grier) ein hartes Regiment, hält sich die Frauen wahlweise als Liebesspielzeug oder steckt sie in den „Playpen“ – eine Folterkammer. Jeff freundet sich mit ihren Zellengenossinnen an, doch hat sie bald noch ganz andere Sorgen als Alabama: Denn ihr Rudy fürchtet eine belastende Aussage und weil er gute Kontakte in den Knast hat, beauftragt er Stoke (Roberta Collins), seine Freundin umzubringen …

Pam Grier, die Philippinen und das Genre selbst verbinden WOMEN IN CAGES mit dem Vorgänger THE BIG BIRD CAGE, der aber kaum weiter entfernt sein könnte von diesem Runterzieher. Bot jener farbenfrohen Eskapismus, deutet in De Leons Film schon die monochromatische Farbpalette aus Schwarz, Grau und dunklen Blautönen an, woher hier der Wind weht. Nicht ein Sonnenstrahl verirrt sich in den Film und analog zu den berühmten Day-for-Night-Aufnahmen – also Nachtszenen, die bei Tage gedreht und dann nachträglich abgedunkelt wurden – muss man hier von Night-for-Day sprechen: Selbst über Szenen, die bei Tag spielen, hat sich schon eine unfreundliche Dämmerung gelegt. Auch der Titel ist durchaus paradigmatisch zu verstehen, weist nicht nur auf das Frauenknast-Setting, sondern allgemeiner auf die Lebenssituation der Frauen hin, von denen im Gegensatz zu Jack Hills THE BIG BIRD CAGE keine einzige Souveränität erlangt, jede einzelne vielmehr „gefangen“ ist – und dies auch bleibt. Jeff hofft auch dann noch auf Rettung von ihrem Rudy, wenn ihr doch längst klar geworden sein müsste, dass der ein übles Spiel mit ihr getrieben hat; die drogenabhängige Stoke verkauft sich Rudy, weil sie sich erhofft, von ihm befreit zu werden, und bekommt am Schluss die Quittung: Sie ist die eigentliche tragische Heldin des Films. Aber selbst die schurkische Alabama ist von den ursachlos bösen Sadisten des WiP-Genres weit entfernt, eigentlich auch nur ein Opfer der Umstände. In Harlem aufgewachsen, Opfer des Rassismus und „strung out on crack at the age of ten“ ist ihre Gewalt nur ein fehlgeleiteter Versuch, ihre Traumata zu verarbeiten. Als ihre Macht am Ende dahin ist, fallen die Banditen, die sie engagiert hat, um die Flüchtlinge einzufangen, gnadenlos über sie her. Der Kreis hat sich geschlossen.

Pam Grier ist brillant in der Rolle der Alabama, gerade weil ihr Schauspiel zu jener Zeit am Anfang ihrer Karriere jede Geschliffenheit und Souveränität noch vermissen ließ. Sie hat kaum mehr als ihre Respekt einflößende Physis und jede Menge attitude, wirft sich voller unkontrollierter Inbrunst in ihre Rolle, kommt dabei weniger wie ein totalitärer, unterkühlter Herrscher, sondern eher wie ein amoklaufender Bully rüber, dem die Macht zu Kopf gestiegen ist und der nun die Gelegenheit hat, alle inneren Frustrationen und Ängste nach außen zu richten, anstatt sie verarbeiten zu müssen. Dank dieser Darstellung und der ruppigen, ungeschliffenen Inszenierung vermittelt WOMEN IN CAGES eine Ahnung davon, was Rassismus mit seinen Opfern anrichtet. Will man De Leons Film kritisieren, dann könnte man ihm vorwerfen, dass er in seiner ausnahmslos düsteren Weltsicht über 80 Minuten ganz schön ermüdend ist. Aber Spaß, Kurzweil und leichtes Entertainment wären hier auch kaum angemessen.