Mit ‘Robin Ward’ getaggte Beiträge

Die Programmiererin Carly Kendall (Diana Reis) hat für den dubiosen Unternehmer Caspar (Frank Moore) das Computerspiel „Thrillkill“ entworfen – und mit ihren Hackerfähigkeiten außerdem rund 3,5 Millionen Dollar von dessen Firmenkonto abgezweigt. Nachdem sie umgebracht wird, sieht sich ihre eingeweihte Schwester Bobbie (Gina Massey) nicht nur den Fragen des Polizisten Frank Gillette (Robin Ward) ausgesetzt, sondern bald auch den diversen Killern von Caspar …

Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass Epochen aus der zurückblickenden Distanz verklärt werden. Bestimmte Phänomene werden überbewertet, nicht ins schnell zurechtgezimmerte Bild passende Ausnahmen der Einfachheit halber ausgeblendet. So kommen etwa die Achtzigerjahre zu ihrem Ruf als neonfarbenes, auf Hochglanz poliertes, materialistisches Jahrzehnt, in dem alles blöd, flach und oberflächlich war. Diese Zuschreibung mag auf vieles zutreffen, an anderer Stelle versagt sie völlig, denn unter der verführerisch schimmernden Oberfläche brodelte es gewaltig. THRILLKILL, ein kleiner und – machen wir uns nichts vor – unbedeutender Thriller, mag nicht zu bahnbrechenden Erkenntnissen führen, aber er zeigt doch recht nachdrücklich, dass es in den Eighties mitunter ziemlich düster, schmuddelig, kalt und trist zuging. Das billig produzierte Filmchen, dessen moderner Computerspielbezug sehr alibihaft wirkt (das titelgebende Spiel, bei dem man mit einer Pistole auf einen auf dem Bildschirm ablaufenden Film und auf die Kamera zulaufende Gestalten zielt, kommt nur in einer Szene wirklich zum Tragen), ist frappierend unansehnlich, voller ungemütlich beleuchteter und hässlich eingerichteter Räumlichkeiten, geschmacklos aufgebrezelter Charaktere und von einer generell wenig einladenden Stimmung. Dass die sehr gewöhnliche Krimigeschichte trotz fehlender Spannung und der Abwesenheit jener vielzitierten unique selling proposition so ausgesprochen überernst und träge erzählt wird, vervollständigt den Eindruck bleierner, lähmender Schwere, die da alles niederdrückt. THRILLKILL ist nicht nur hinsichtlich der Diskrepanz zwischen dem Aufregug versprechenden Titel und der filmischen Realität eine Enttäuschung. Auch die Verheißungen der neuen Computer-Technologie entpuppen sich als Lug und Trug. Das bahnbrechende neue Computerspiel ist ein schrecklicher Langweiler und die Reichtum und Luxus verheißenden Geldsummen bewegen sich nur als grüne Zahlen auf dem schwarzen Bildschirm. Wofür soll man dieses Vermögen ausgeben? Frank Gillettes Vorstellung eines guten Essens sieht er von einer Hotdog-Schmiede repräsentiert, am Schluss beißt er geradezu genießerisch in eine Frühlingsrolle vom China-Imbiss. Die Welt von THRILLKILL ist geradezu hermetisch abgeriegelt, nie öffnet sich der Blick, Kultur ist längst abgeschafft und eine idealistische Zukunft scheint geradezu undenkbar.

Ärzte und Gutachter stehen vor einem Rätsel, als Michael O’Brien (Robin Ward) eines Tages aus heiterem Himmel einen grausamen Ritualmord verübt. Es gibt keinerlei Erklärung, warum aus dem zurückhaltenden jungen Mann plötzlich ein Mörder wurde. Sein eineiiger Zwillingsbruder Sean (Robin Ward) ist nicht nur geschockt, sondern auch verängstigt: Steht ihm eine ähnliche Verwandlung bevor? Eine Sorge, die seine Ehe mit Dale (Wendy Crewson) merklich belastet. Als er Michael 15 Jahre nach der schrecklichen Tat offenbart, dass er gedenkt das familieneigene Anwesen zu verkaufen, brennt bei dem durch die Isolation der Haft eh schon unter Spannung stehenden Mann erneut eine Sicherung durch: Er ermordet eine Krankenschwester und flieht aus der Heilanstalt …

MARK OF CAIN ist ein kleiner, handwerklich sauber gefertigter und gut gespielter Psychothriller, wie man ihn heute gar nicht mehr produziert. Er kommt angenehm unaufgeregt daher, ohne sich dem Zuschauer mit marktschreierischem Gekreisch oder irgendwelchen fragwürdigen Gimmicks aufzudrängen, ganz zufrieden damit, seine Geschichte über zwei denkbar verschiedene – oder doch nicht so verschiedene? – Zwillingsbrüder zu erzählen. Anstatt den finalen Belagerungszustand und die handfeste Auseinandersetzung mit dem Killer in den Fokus zu rücken, etabliert Pittman sehr subtil eine gedrückte, depressive Stimmung, die von den leisen, aber unaufhörlich nagenden Sorgen Seans, der Einsicht in die schiere Unerklärlichkeit des Geschehenen und leisen Hinweisen auf die repressive katholische Erziehung der Brüder geprägt wird. Visuell trägt das Setting des dunklen, altehrwürdigen Hauses sehr dazu bei, dass das gelingt. Es ist auffällig, wie wenig der Regisseur an jenen Tricks und Drehbuchkniffen interessiert ist, die heute ohne Frage in den Vordergrund gerückt würden. Die unweigerliche Verwechslung der beiden Brüder ist nur die äußerst logische Folge der Plotkonstellation, keinesfalls aber Anlass für unzählige Plottwists und Verwirrstrategien. Die Auflösung der Situation wird von langer Hand telegrafiert – als zu Beginn einmal nur anscheinend beiläufig erwähnt wird, woran man die beiden Brüder auseinanderhalten kann, weiß man sofort, dass das später noch einmal von Bedeutung sein wird – und als heutiger Zuschauer wundert man sich schon etwas darüber, wie fahrlässig Pittman das sich eröffnende Potenzial liegen lässt. Wenn es zum Konflikt kommt, auf den MARK OF CAIN sehr stringent hinausläuft, scheint der Regisseur fast ein bisschen ratlos, was er damit nun anfangen soll. Eine weitere Zuspitzung, eine unvorhersehbare (oder auch nur vorhersehbare) Offenbarung oder aber eben der heute ohne Zweifel folgende Twist bleiben aus, fast schmucklos kommt der Film zu seinem einfachsten möglichen Ende. Eine gewisse Ratlosigkeit war bei mir gestern die Folge: Was wollte Pittman eigentlich erzählen? Was ist der Punkt von MARK OF CAIN, worin liegt hier gewissermaßen der Witz? Diese Fragen bleiben offen, Pittman weicht ihnen geradezu offenherzig aus. Andererseits ist es aber fast wohltuend, einen Film zu sehen, der sich damit begnügt, ganz altmodisch eine Geschichte zu erzählen, eine Geschichte, die auf Charakteren basiert, nicht auf einer möglichst clever konstruierten Prämisse. Das Drehbuch kreist um menschliche Fragen und ist nicht bloß eine Aneinanderreihung letztlich leerer formaler Kniffe. Pittman, dessen bekanntester Film das halboffizielle PROM NIGHT-Sequel MARY LOU ist, der in seiner mittlerweile 44-jährigen Regiekarriere aber überwiegend für das Fernsehen tätig war, hat mit MARK OF CAIN einen sauberen, stimmungsvollen Film ohne technische Mängel abgeliefert. Schade, dass er sich damit begnügt hat, denn auf dem grundsoliden Fundament hätte man durchaus etwas Größeres errichten können. (Warum der Film für Menschen, die sich für kanadische Exploitation interessieren, von Interesse ist, erklärt Canuxploitation.)