Mit ‘Ron Perlman’ getaggte Beiträge

police-academy-7-mission-to-moscowMan soll ja mit Superlativen vorsichtig sein, gerade im Netz, wo es an jeder Ecke von Meisterwerken; Hitlers und den schlimmsten Katastrophen seit Hiroshima wimmelt. Aber es fällt mir sehr, sehr schwer den siebten POLICE ACADEMY-Film nicht als eines der miesesten und traurigsten Werke aller Zeiten zu bezeichnen. Dass Alan Metter es geschafft hat, auch noch das jämmerliche Niveau der Teile 4 und 6 zu unterbieten (mal ganz außen vor, dass die ganze Reihe nun nicht gerade durch Eleganz und Subtilität bestach), ist eine beachtliche Leistung, die mit der konsequenten Verbannung ins TV belohnt wurde. Aber er kämpfte natürlich auf verlorenem Posten. Brauchte wirklich irgendwer im Jahr 1994, fünf Jahre nach dem letzten Film der Reihe, ein weiteres Abenteuer der dämlichen Polizisten? MISSION TO MOSCOW reiht sich ein in die Phalanx solch vollkommen rätselhafter Werke wie GARFIELD, ALF – THE MOVIE, THE SMURFS, SIN CITY 2 oder auch OTTO’S ELEVEN; Filme, die darauf schließen lassen, dass die Executives, die sie durchwinkten, gerade erst aus einem mehrjahrzehntigen Koma erwacht oder aber von Außerirdischen ausgetauscht worden waren. Aber Metter scheint einen hartnäckigen Fetisch für überkommene Popkultur-Relikte zu haben: Sein letzter IMDb-Eintrag aus dem Jahr 2005 ist eine Videoclip-Collection von Olivia Newton-John.

MISSION TO MOSCOW ist gewiss ein heißer Anwärter auf den Preis der unwitzigsten Komödie ever. Selbst gemessen an den niedrigen Humormaßstäben, die die Vorgänger etablierten, ist Metters Beitrag erschreckend dröge und trist. Es ist noch nicht einmal so, dass er seine „Pointen“ in den Sand setzen würde: Der Film hat einfach keine. Die besseren Teile der Reihe entwickelten eine Art irrsinnigen Charme in ihrer Mischung aus Brachialität und Furchtlosigkeit, ließen den Zuschauer gewissermaßen vor der Zote kapitulieren: Irgendwann musste man schon aus Verzweiflung lachen. In MISSION TO MOSCOW gibt es aber gar keine Witze. Und wenn dann doch einer der üblichen Pups-Pipi-Kacka-Versuche unternommen wird, ist die Ernüchterung groß. Wie konnten sich Ron Perlman und Christopher Lee in dieses Fiasko verlieren? Hatten David Graf, Michael WInslow und Leslie Easterbrook Schulden bei Russisch Inkasso? War George Gaynes aus dem Seniorenheim entführt worden? Bekam er überhaupt noch mit, dass er in einem Film mitspielte? Selbst G. W. Bailey, sonst der einsame Lichtblick, kämpft auf verlorenem Posten, bekommt nichts, womit er arbeiten könnte.Es ist zum Verzweifeln.

So sieht der Versuch von Humor des Filmes aus: Lassard ekelt sich vor dem Borschtsch, der ihm vorgesetzt wird, und schüttet ihn in den Ausguss. Darunter steht Harris und bekommt die Suppe ins Gesicht. Wenig später bespitzelt er den Gangsterboss Konali (Ron Perlman) mithilfe eines durch den Fußboten gestecktes Periskops. Konalis Hund pinkelt dagegen und die Pisse läuft durch das Guckrohr in Harris‘ Auge. Wow. Und dieser „Gag“ ist eben nicht einer von Dutzenden Kalauern, von denen auch mal einer danebengeht, sondern fällt in eine 80 Minuten währende kreative Ödnis. Der Film existiert ganz einfach, wirkt wie eine Strafarbeit von Verzweifelten. Hart, ganz hart. Ich musste genau einmal schmunzeln, und das lag an der Synchro: Lassard sagt „Kotzmauer“ statt „Moskauer“. That’s it. Das ist MISSION TO MOSCOWS Beitrag zu jenem Phänomen, das wir „Humor“ zu nennen pflegen.

Advertisements

Als Fan des DTV-Actioners ist man ja durchaus Tristesse gewohnt. Im ehemaligen Ostblock preisgünstig und mit anonymen Nebendarstellerfressen abgedreht, unter Zuhilfenahme von oft nur mäßig überzeugender Computertechnologie aufgehübscht, um die oft traurige Realität zu verbergen, erfordern sie manches Mal ein gehobenes Maß an Leidensfähigkeit vom Zuschauer. Da freut man sich über einen Film wie SKIN TRADE, der nicht nur mit einer namhaften Besetzung aufwartet, sondern auch richtig gut aussieht. Die exotische Kulisse Bangkoks und des umliegenden Landes fängt Kameramann Ben Nott in supercrispen Bildern ein, weiß den Farben- und Lichtreichtum der nächtlichen Metropole immer wieder effektiv zu inszenieren. Der Schnitt orientiert sich dankenswerterweise nicht an der Lichtshow einer Provinzdisco, sondern gestattet Orientierung und Übersicht. Und selbst wenn auf die Möglichkeiten digitaler Bildbearbeitung auch hier nicht ganz verzichtet wurde, so wurde immerhin maßvoll damit umgegangen. Es ist noch gar nicht so lang her, da wäre SKIN TRADE ohne Zweifel als lupenreiner Kinofilm durchgegangen (und in manchen Ländern der Erde hatte er ja auch seinen Kinostart).

Es sind andere Faktoren, die einem ins Gedächtnis rufen, dass SKIN TRADE eher den weniger anspruchsvollen und langmütigeren Videotheken- und Streamingkunden anpeilt. Die Story um den Cop Nick Cassidy (Dolph Lundgren), den es nach der Ermordung seiner Frau und der Entführung seiner Tochter durch den Menschenhändler Viktor (Ron Perlman) auf Rachefeldzug nach Bangkok verschlägt, wo er sich mit seinem thailändischen Kollegen Tony (Tony Jaa) zusammentut, kommt über ein Ansammlung bekannter Versatzstücke nie hinaus, und um wirklich eine emotionale Bindung zu den Protagonisten aufzubauen, fehlen die spezifischen Details, die sie als Menschen aus Fleisch und Blut glaubhaft machten. Ähnliches gilt für die Action, die kompetent gemacht ist – eine lange Verfolgungsjagd sticht heraus – und fast die gesamte zweite Hälfte des Films einnimmt, aber auch nichts bietet, was man so noch nie gesehen hätte. Gut, das ist vielleicht auch ein etwas hoher Anspruch, aber gerade wenn man weiß, was Tony Jaa so drauf hat, wirkt er hier, als agierte er mit angezogener Handbremse. Gut, er ist in den vergangenen zehn Jahren auch nicht jünger geworden.

Das alles ist aber streng genommen Jammern auf hohem Niveau, denn SKIN TRADE sticht überaus positiv aus der Masse der überwiegend durchschnittlichen aktuelleren DTV-Actionern heraus. Dolph Lundgren ist einfach immer schön anzuschauen, vor allem, wenn er dann so gut eingesetzt wird wie hier, der Film geht ein immens hohes Tempo und bietet jede Menge Eye Candy, das Wiedersehen mit Veteranen wie Ron Perlman oder Peter Weller nimmt man gern mit, selbst wenn sie schauspielerisch keine Bäume ausreißen müssen. Ein durchweg runde Sache.

res10Trotz seiner leicht überdurchschnittlichen IMDb-Bewertung gilt ALIEN: RESURRECTION vielen Genrefilm-Freunden geradezu als Inbegriff für das unerklärliche, bizarre Totalversagen eines einst unfehlbar scheinenden Erfolgsfranchises. Polemiken gegen das Sequel sind ein liebevoll gepflegter Standard von Nerd-Websites, seine Schlechtigkeit ein unstrittiges Faktum, das dort ähnlich vehement verkündet wird wie der Hass auf die STAR WARS-Prequels. Konnten die Fanboys Finchers ALIEN 3 irgendwie noch verzeihen, weil sie dessen schwierige Produktionsgeschichte kannten und das (zusammengestutzte) Endergebnis außerdem immer noch amerikanisch genug war, um es ohne Verdauungsprobleme wegkonsumieren zu können, reizte Jeunet offensichtlich einen bloßliegenden Nerv. Dabei könnte man doch meinen, dass gerade das von vornherein offenkundiger Bestandteil des Deals war: Für ein stromlinienförmiges, wie eine gut geölte Maschine laufendes Entertainment-Vehikel war der Franzose gewiss nicht engagiert worden. Viel eher erwartete man sich doch wohl jene ausstatterische und visuelle Opulenz, schrägen Humor sowie märchenhafte Stimmung gepaart mit postmoderner Findigkeit, die wesentliche Merkmale von DELICATESSEN und LA CITÉ DES ENFANTS PERDUS gewesen waren. Und genau diese Qualitäten weist ALIEN: RESURRECTION dann auch auf – womit er erwartungsgemäß aus dem bis dahin vergleichsweise homogenen Korpus der Reihe herausfällt. Die Frage ist: Ist das wirklich ein Mangel? Und wenn ja: Wird er durch die von Jeunet neu ins Spiel gebrachten Impulse aufgewogen?

ALIEN: RESURRECTION setzt die Geschichte um die überaus aggressive Rasse Außerirdischer sowie die Bemühungen der Menschen, sie für militärische Zwecke nutzbar zu machen, durchaus sinnvoll fort, legt nach Finchers ätherisch-transzendentalem dritten Teil hinsichtlich der aus Scotts Original bekannten, grafischen Sexualisierung wieder eine deutliche Schippe drauf. Jeunet entfaltet eine fast erotisch zu nennende Zeigelust an deformiertem Fleisch, schwelgt in Aufnahmen verwachsener Leiber und mutierter Mensch-Alien-Halbwesen in großen Glasbehältern, macht die vormals eierlegende Alien-Königin zur Lebengebärenden und erfindet auf dem Höhepunkt des Films einen schockierenden Alien-Hybriden, aus dessen menschenähnlichem Totenschädel zwei dunkle, traurige Augen glotzen und das sogar in der Lage ist, sich sprachlich zu artikulieren. (Viele fanden dieses neue Monster eher lächerlich, aber bei mir hat es ein breites Spektrum an Emotionen von Ekel bis Mitleid ausgelöst.) In diesen Momenten gelingt es Jeunet, den ganzen Wahnsinn hinter den menschlichen Zuchtversuchen herauszuschälen, gleichzeitig die evolutionäre Flexibilität seiner Titelkreaturen und das Thema der Reihe – die unauflösliche Verstrickung des Menschen mit der fremden Rasse – auf die Spitze zu treiben. Leider funktionieren viele andere Elemente des Films weniger gut. So geht der bis zu diesem Zeitpunkt noch vorherrschende Realismus der Reihe fast vollends verloren und macht der comicartigen Stilisierung Platz. Die Charaktere – allen voran die geklonte Ripley mit ihrem überlegenen Superbitch-Smile – sind alle vollkommen over the top und man wähnt sich plötzlich in einem ganz anderen filmischen Universum. Auch der krude Humor wirkt fehl am Platze, weil er den Bestrebungen zuwiderläuft, den Zuschauer bei der Gurgel zu packen. ALIEN: RESURRECTION ist über weite Strecken weder besonders spannend noch erschreckend und die Aliens selbst mutieren fast ein wenig zu Witzfiguren. Von ihrer einstigen biologischen Überlegenheit jedenfalls ist nicht mehr viel übrig. Die Actionsequenzen sind Kind ihrer Zeit und gar nicht gut gealtert: Man sieht noch den damaligen Woo- und Hongkong-Einfluss, für dessen überzeugende Umsetzung Jeunet jedoch das kinetische Gespür abgeht. Und die meisten Computerffekte sind ebenfalls reichlich angestaubt.

ALIEN: RESURRECTION ist ohne Zweifel der bis dahin schwächste, unrundeste Beitrag zur Reihe und man fährt wahrscheinlich gut damit, ihn nicht so sehr als echte Fortsetzung zu betrachten, sondern als eine Art Spin-off, als Abzweigung vom eigentlichen Hauptstrang, als What-if-Szenario, das sich mit der Frage beschäftigt, was wäre, wenn man die Titelkreaturen aus ihrem unterkühlten Body-Horror-Setting in ein Comic-Universum transplantierte. Jeunets Film verfügt über einen sehr eigenen Charme, traut sich Dinge, mit denen wohl nur ein Europäer davon kommen konnte und lässt nebenbei das Bedürfnis nach einem ALIEN-Film von David Cronenberg ca. 1988 in ungeahnte Höhen schnellen. Vielleicht muss man ihn als den Schraubenschlüssel betrachten, den jemand mit Wucht ins bis dahin gut, vielleicht sogar zu rund laufende Räderwerk gepfeffert hat, bevor es nur noch seelenlose Klonen ausspucken konnte. ALIEN: RESURRECTION sabotierte das Franchise zu einem Zeitpunkt, als es langweilig zu werden drohte, mit seinen kruden Einfällen und lieferte so den willkommenen Anlass für eine Auszeit. Dass seitdem fast 20 Jahre vergangen sind, legt nahe, dass man mit den biomechanischen Außerirdischen nicht mehr allzu viel anzufangen wusste. Es ist fast unmöglich, an Jeunets Film anzuschließen. Das ist eine sehr respektable Leistung, wie ich finde. Mission accomplished.

 

Manchmal muss es eben Cage sein. Ein Film des Mega-Actors garantiert seit einigen Jahren meist unbekümmertes, leicht abseitiges und irgendwie anderes Mainstreamkino. Dem einstigen Oscar-Preisträger ist es mit seiner eigenwilligen Rollen- und Filmauswahl tatsächlich gelungen, sich eine eigene Nische in Hollywood einzurichten: Die ganz große kommerzielle Zuneigung erfährt er zwar nicht mehr, aber für jeden humorlosen Kritiker, der Cages Urteilsvermögen infrage stellt, gibt es einen, der den schieren Irrwitz, den seine Filmografie mittlerweile darstellt, als Ausdruck von seltener künstlerischer Autonomie und Unangepasstheit zu schätzen weiß.

Auch SEASON OF THE WITCH ist ein Film, den es im Jahre 2011 eigentlich nicht mehr geben durfte, zumindest nicht in seiner Größenordnung. Dominic Sena war mal ein viel versprechender Regienewcomer, der mit Filmen wie KALIFORNIA, GONE IN 60 SECONDS oder SWORDFISH wenn auch keine Filmkunst, so doch immerhin prestigeträchtiges Popcorn-Kino fabrizierte, mittlerweile dreht er verhinderten Direct-to-Video-Kram wie diesen, der aus unerfindlichen Gründen mit 40-Millionen-Dollar-Budget und Kinostart ausgestattet wird und auf die wenigen Menschen, die sich ins Kino verirrten, wie ein „glitch in the matrix“ anmuten musste, als Beweis dafür, dass Hollywood nicht nur nicht unfehlbar ist, sondern teilweise ganz und gar unzurechnungsfähig. Aber gerade das macht SEASON OF THE WITCH auch so sehens- und liebenswert. Der Film geht seine eigenen Wege, trifft überraschende Entscheidungen und ist  ein wunderbarer Sonderling im standardisierten Einheitsbrei.

Gleich zu Beginn wohnt der Zuschauer der Hinrichtung dreier Hexen bei. Die überraschende Erkenntnis, die man aus der Sequenz mitnimmt: Die Kirche ist grausam, aber nicht grundsätzlich im Unrecht, denn es gibt tatsächlich dunkle Mächte, dämonisches Treiben und eben Hexen. Schnitt ins heilige Land zu den Kreuzzügen. Dort schmeißen sich die beiden Ritter  Behmen (Nicolas Cage) und Felson (Ron Perlman) mit nicht zu überbietendem Enthusiasmus den ungläubigen Horden entgegen und überbieten sich gegenseitig im reuelosen Abschlachten. Als Behmen jedoch beim Überfall auf eine Stadt ein junges Mädchen ermordet, das ihm ins Schwert rennt, hält er inne und erkennt, an was für einem Massaker er und Felson da eigentlich teilhaben. Es ist der (wirkungsvoll inszenierte) Moment, in dem beide beschließen, ihr Leben zu ändern: Eine Institution, die Frauen und Kinder umbringt, kann nicht im Sinne Gottes handeln und hat demzufolge auch keinen Anspruch mehr auf ihre Unterstützung. Behmen und Felson kehren der Armee den Rücken zu und als Deserteure nach Europa zurück, wo sie mit der Pest konfrontiert werden und dem Kirchenmann Debelzaq (Stephen Campbell Moore) in die Hände fallen. Eine Hexe (Claire Foy) soll am Ausbruch der Krankheit schuld sein und deshalb zu einem alten Kloster gebracht werden, wo man ihr das Böse austreiben und den Fluch beenden kann, Behmen und Felson sollen als Leibgarde mitreisen und im Gegenzug begnadigt werden. Behmen willigt ein, aber nur, weil er dem jungen Mädchen, das da für eine Hexe gehalten wird, helfen will.

SEASON OF THE WITCH erzählt aber – das ist die Überraschung des Films – mitnichten die Geschichte zweier voraufklärerischer Aufklärer, wie man anhand der kurzen Inhaltsangabe annehmen könnte. Der Zuschauer weiß, im Gegensatz zu den beiden Helden, von Beginn an, dass es Schwarze Magie gibt, die Kirche nicht grundsätzlich im Unrecht ist und die Hexe, die Behmen für ein normales, unschuldig verurteiltes Mädchen hält, tatsächlich mit dem Leibhaftigen im Bunde ist. Aber Sena erzählt auch nicht von der Bekehrung des vom rechten Pfade abgekommenen Christen, er wählt vielmehr einen Kompromiss zwischen beiden Ansätzen: Behmen muss sich damit abfinden, dass es die Kräfte des Bösen gibt, die Kirche lernen, dass sie eine humanistische Verpflichtung hat, Menschen zu schützen. Es geht im Folgenden für Behmen und Felson darum, der Kirche im Namen Gottes zu helfen, das Böse zu besiegen, aber seinen Wirtskörper dabei zu retten.

SEASON OF THE WITCH ist auf überaus angenehme Art und Weise unaufgeregt und trivial, nur mäßig interessiert an Aktualität, Relevanz oder frommen Botschaften. Es geht einfach um spannenden, aber gleichzeitig leichten Eskapismus mit schicken Bildern und gruseligen Effekten. Für eine verhinderte Videopremiere sieht SEASON OF THE WITCH exzellent aus: Klar, der Traditionalist wird mit der typisch postmodernen Actioninszenierung nicht zu 100 % warm werden, und die CGI-Effekte sind auch nicht immer gelungen. Aber letztlich fällt das nicht so wirklich ins Gewicht, weil man eh von vornherein wusste, worauf man sich hier eingelassen hat. Ich würde mir jedenfalls wünschen, dass Hollywood mehr solcher Filme produzieren würde: Filme, die sich nicht dafür schämen, ein Genrepublikum zu bedienen, die sich nicht hinter dem Deckmäntelchen der Sozialkritik verstecken, die sich nicht an ein berühmtes Franchise dranhängen, sondern einfach ihr Ding durchziehen, sich mit der Funktion zufriedengeben, 90 Minuten lang Geisterbahn zu markieren. Dominic Sena gelingt das mit SEASON OF THE WITCH sehr gut und das muss man zu würdigen wissen, denn es gibt heute viel zu wenige solcher ernstgemeinten Quatschfilme.

 

 

 

 

Den Unterschied zwischen Film als Kunst und Film als Konsumprodukt erkennt man gut, wenn man Milius‘ einzigartigen CONAN THE BARBARIAN mit Marcus Nispels Neuverfilmung vergleicht. Während das Original dem Zuschauer in einem nur schwer zu beschreibenden Erzählrythmus zäh und gewaltig wie ein Lavastrom entgegenwalzte, damit eine von Blut und Stahl bestimmte Vorzeit greifbar machte und nebenbei eine angemessen größenwahnsinnige Interpretation nietzscheanischer Philosophie lieferte, läuft Nispels Version ohne jedes Brennen, ohne Verschlucken rein,  ohne, dass irgendwas wirklich hängenbliebe. Die archaische Rohheit, die brachiale Urgewalt werden ersetzt durch slicken CGI-Splatter, der tumbe Berserker in der Titelrolle einem smart grinsenden Gillette-Mann mit Sixpack. Die grenzenlose Epik wurde dem zugrundeliegenden Stoff ebenfalls ausgetrieben, geblieben ist ein verschwitzten Abenteuerchen mit strahlendem Helden, finsterem Schurken und anmutiger damsel in distress. 

Wenn man sich damit abgefunden hat – und wer hätte denn wirklich etwas anderes erwartet? –, dann bietet Nispels CONAN THE BARBARIAN immerhin bunte, blutige Unterhaltung, die dem Vorbild keine Schande macht: weil sie den direkten Vergleich erst gar nicht sucht und sich darbietende Fettnäpfchen vermeidet. Marcus Nispel weiß natürlich, wie man die passenden, mystisch aufgeladenen Bilder zaubert, Szenen wie die eröffnende Geburt Conans während eines blutigen Kampfes durch tödlichen Kaiserschnitt, deuten an, was vielleicht hätte sein können, Stephen Lang, Ron Perlman und Rose McGowan schmeißen sich mit sichtbarer Spielfreude in ihre Rollen, und die Anwesenheit eines fiesen Tentakelmonsters hat auch noch keinem Film geschadet. Ich hatte nicht viel erwartet, das war sicherlich hilfreich. Kann man sich mal angucken.

PACIFIC RIM ist eine Übung in awesomeness: Seine Story lässt sich auf die visuelle Idee „Riesenroboter kämpfen gegen Riesenmonster“ runterbrechen; ein markiges Versprechen, das der Weltbevölkerung der Nerds wahrscheinlich kollektive Hirnorgasmen verschaffte. Der ganze Film lässt sich als Versuch verstehen, der ultimativen Nerdfantasie bildlich so nah wie möglich zu kommen, zwei der coolsten Dinge auf dem Planeten – Kampfroboter! Monster!! – auf kürzestem Wege zusammenzubringen und in unvergesslichen geilen Bildern abzulichten. Ich würde behaupten, der Versuch war ausgesprochen erfolgreich, aber ein Bisschen was fehlt dennoch. Del Toro gehört mit Leuten wie Quentin Tarantino, Robert Rodriguez, Alex de la Iglesia, Eli Roth oder auch Rob Zombie zu einer „neuen“ Generation von movie brats, Videonerds mit Vorliebe für Genrekino, Comics, Computerspiele und andere Aspekte der Trivialkultur. In seinem Werk pendelte der Mesikaner bislang zwischen künstlerisch anspruchsvolleren Genrefilmen wie CRONOS, EL ESPINAZO DEL DIABLO oder PAN’S LABYRINTH und kommerziellem Geek-Kult wie BLADE 2, HELLBOY oder HELLBOY II: THE GOLDEN ARMY und letzteres offenbarte in seinen besten Momenten immer Elemente des ersteren: HELLBOY war nicht nur eine verdammt spaßige und liebevolle Umsetzung der gleichnamigen Comics, er offenbarte Herz und eine für solche Stoffe sonst ungeahnte Tiefe. Letzteres vermisst man bei PACIFIC RIM, zumal man in jeder Sekunde das Riesenpotenzial der Geschichte für echte Epik erkennt. Während seiner rund 130-minütigen Spielzeit fällt dieser Mangel nicht ins Gewicht, zu sehr ist man damit beschäftigt, jedes einzelne Detail der überwältigenden Bilder aufzunehmen und das wie wild in der Brust hüpfende Jungenherz zu beruhigen. Doch wenn der Film zu Ende ist, dann ist da plötzlich auch das Gefühl einer gewissen Leere, die Del Toro nicht auszufüllen vermochte. Gerade dass er so an diesem einen Bild klebt, dem sprichwörtlichen Duell der Giganten, beraubt ihn einiger Möglichkeiten.

Die Geschichte von PACIFIC RIM ist eigentlich ein auf Spielfilmlänge ausgedehnter dritter Akt: In einer Art Prolog erzählt er von der ersten Attacke der „Kaiju“, von der Konstruktion der „Jaeger“, den ersten menschlichen Triumphen, dem scheinbaren Rückgewinn der Kontrolle und der überraschenden Verschärfung der Situation. Die folgenden zwei Stunden befassen sich mit der letzten Schlacht, die die Menschen zu schlagen haben, um die Kaiju engültig zurückzutreiben oder zu kapitulieren, und damit mit dem, was andere Filme sich für den Showdown aufbewahren. Das ist durchgehend unterhaltsam und so spektakulär bebildert, wie man es anhand der Prämisse erwarte durfte. Die Idee, des „drifts“, der neurologischen Kopplung der Jaeger-Piloten, sorgt für den nötigen human factor, und die ausufernden Fights stellen ein gelungenes technisches Update der Gummimonster-Balgereien aus den japanischen Kaiju Eiga dar, das wenig Wünsche offen lässt. Ja, ein paar Verbesserungsvorschläge hätte ich auch hier noch vorzubringen: Ich vermisste einen Kampf bei Tageslicht und ein etwas abwechslungsreicheres Monsterdesign, aber letztlich sind das Kleinigkeiten, Geschmäcklereien. Schwerer ins Gewicht fällt, dass PACIFIC RIM nur einen sehr kleinen Ausschnitt aus einer ungemein großen Geschichte erzählt – und noch nicht einmal den interessantesten. Der angesprochene Prolog deutet in wenigen Bildern das riesige Potenzial an, dass ein mit dieser Technik ausgestatteter Monster-Invasionsfilm aus der Hand Del Toros hätte, evoziert eine ganze Palette an Emotionen, während der Film selbst vergleichsweise eindimensional bleibt. Diese ständig in Angst vor unvorhersehbaren Monsterattacken lebende Welt bleibt eine Chiffre in Del Toros Film, der, seinen gigantischen Protagonisten zum Trotz, einen enorm engen Fokus hat.

Wenn man das verschmerzen kann, wenn man den Zusammenprall von Riesen-Kampfrobotern und Monstern ebenfalls einfach nur awesome findet, Spaß an State-of-the-art-Effektkunst hat (allein wie das Regenwasser von diesen Giganten abperlt ist eine Augenweide) und sich daran erfreuen kann, dass eine solche nerdige Idee von jemandem umgesetzt wurde, der weiß, worauf es ankommt, der ist mit PACIFIC RIM gut bedient. Gewaltiger und beeindruckender wird dieses Jahr kein Science-Fiction-Film mehr werden (ich schätze, Cuarons GRAVITY spielt in einer ganz anderen Liga) und bei allem nitpicking sollte man für diesen Film wahrscheinlich einfach dankbar sein. Del Toro ist nicht angetreten, das Erzählkino zu revolutionieren, sondern unsere Augen übergehen zu lassen, uns zu überwältigen und uns zwei Stunden lang reuelosen Spaß zu bereiten. Das ist ihm meines Erachtens ausgezeichnet gelungen. Sein nächster Film wird dann auch wieder unsere grauen Zellen beschäftigen, da bin ich mir sicher.

 

Natürlich musste ich DRIVE sehen. Und natürlich habe ich ihn geliebt, wie ich in den vergangene Jahren nur wenige aktuelle Filme geliebt habe. Für die Filmgazette habe ich versucht, meiner Begeisterung Worte zu geben. Hier ist mein Text.