Mit ‘Ross Hagen’ getaggte Beiträge

heavy-thing-62Auf der ganzen Welt verschwinden Spitzensportler auf mysteriöse Art und Weise. Der coole Agent Mike Harber (Ross Hagen), ein Kollege von James Bond, wird hinzugezogen, um herauszufinden, was sich dahinter verbirgt. Die Spur führt auf die „Insel der 1.000 Frauen“, wo die verrückte Wissenschaftlerin Dr. Zu (Nancy Kwan) gemeinsam mit ihrer Armee heißer Martial-Arts-Babes am überlegenen Supermenschen herumschraubt, für den sie die passenden Ersatzteile braucht …

WONDER WOMEN, inszeniert von Robert Vincent O’Neil, der ein gutes Jahrzehnt später den famosen Rotlichtthriller ANGEL drehen sollte, ist eine der zahllosen amerikanischen Koproduktionen, die in den Siebzigerjahren auf den Philippinen entstanden. Wie bei den meisten von ihnen handelt es sich auch bei diesem Werk um einen mit heißer Nadel aus populären Versatzstücken und damals angesagten Elementen zusammengestrickten Unfug, der in seinen bescheuerten Impulsen durch eine Rainer-Brandt-Synchro auch nicht gerade gebremst wird. Die Berliner Schnodderschnauze trägt ihren Teil zum Gelingen dieses Teils bei, auch wenn sie sich dafür, das merkt man, kaum anstrengen musste: Er fliegt auf Autopilot, und wenn man die Brandt’sche Arbeit kennt, dann weiß man hier immer schon kurz vorher, was für einen Spruch man von ihm erwarten kann. Asiaten werden großzügig als „Schlitzis“ und „Gelbe“ bezeichnet, Frauen werden ebenso zur Zielscheibe. Hagens Mike spricht keinen einzigen normalen Satz, sondern kommuniziert nur noch in mal mehr, mal weniger sinnigen Sprüchen, in die gern auch mal Fantasiegestalten wie „Wenzel, der Teppichhändler“ oder Orte wie „Bad Salzufflen“ eingebaut werden. Richtig schön wird es immer, wenn Brandt in die Stille hinein improvisiert, als könne er es nicht ertragen, wenn die Figuren mal für fünf Sekunde die Klappe halten: Als Dr. Zu dem Helden ihr Labor vorführt, quittiert der das mit brummigen „hmmms“ und „ohhhs“ und als er den Blick einmal schweifen lässt, wird das sofort mit „Ach, nur eine Fliege“ quittiert.

Auffallend ist, dass Brandt mit den tielgebenden Wonder Women selbst kaum etwas anzufangen weiß. Wenn die auftreten, wird es dann auch umgehend etwas bleiern, was natürlich zum Paket dazugehört. Brandts Synchro passt sich dem typischen Auf-und-Ab zwischen überdrehten und absurden Actionszenen und eher schnarchige Passagen gewissermaßen optimal an. Immer wenn der Held auftritt, geht es rund. Das Highlight ist wohl eine Verfolgungsjagd durch Manila mit bunten Minibussen, an der auch der unverzichtbare Vic Diaz beteiligt ist. (Sid Haig ist auch dabei, hat aber als schurkischer Gregorius kaum mehr zu tun, als vielsinnig grinsend in einem Stuhl zu sitzen.) Da wird einmal ein Mann sehr unsanft über den Haufen gefahren in einem Stunt, der so nicht geplant gewesen sein kann, und einmal erwischt es auch ein paar auf einem Fahrrad hockende Hühner. Ein Hahnenkampf ist auch eher unerquicklich (ich weiß nicht, wie viele Hahnenkämpfe ich in den letzten Monaten in Filmen gesehen habe; das kann kein Zufall sein), dafür sorgt eine Keilerei zwischen Mike und einer Dame mit beeindruckendem Afro für Gelächter: Der Supertyp wird da quer durchs Mobiliar gedroschen und kommentiert das jedesmal mit einer neuen Zote – herrlich. Irgendwann endet WONDER WOMEN dann einfach. Auch das macht Sinn. Keiner der Beteiligten war hier der Illusion erlegen, eine Geschichte zu erzählen oder gar großes Kino zu machen: Es ging einfach darum, knappe 80 Minuten grelles Entertainment zusammenzukloppen. Mission accomplished. Meint auch Wenzel, der Teppichhändler.

the glove (ross hagen, usa 1979)

Veröffentlicht: Juli 29, 2009 in Film
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Der Kopfgeldjäger Sam Kellog (John Saxon) kommt finanziell auf keinen grünen Zweig. Der Job bringt kaum mehr als einen Hungerlohn und zusätzlich liegt ihm die Exfrau mit ihren Unterhaltsforderungen auf der Tasche, die durch sein notorisches Pech beim Glücksspiel eh schon arg überstrapaziert ist: Wenn er seine Schulden bei ihr nicht abbezahlt, darf er seine Tochter nicht mehr sehen. Aber dann gibt es Anlass zur Hoffnung, denn sein Auftraggeber bietet ihm einen inoffiziellen, lukrativen Job an. Auf den ehemaligen Häftling Victor Hale (Rosey Grier), der seine einstigen Gefängniswärter mithilfe eines stahlbesetzten „Riot-Gloves“ vermöbelt hat, ist von eben jenen ein Kopfgeld von 20.000 Dollar ausgesetzt worden. Sam macht sich auf die Suche …

glove[1]Das Plakatmotiv verspricht einen saftigen Gewaltfilm und rückt den martialisch anmutenden Handschuh in den Mittelpunkt, doch stattdessen ist THE GLOVE eher dem Private-Eye-Film und dem Film Noir verpflichtet. Die offensichtlichste Parallele zu diesen Genres ist der Voice-over von Sam Kellog, der das Herzstück des Films bildet und seine triste Stimmung ganz entscheidend prägt. Wir lernen den Kopfgeldjäger Sam als Loser mit gutem Herz kennen: Souverän bewegt er sich durch die Straßen der Großstadt, knüpft hier und da seine Kontakte, doch richtig vorwärts kommt er nicht. Als der Silberstreif am Horizont zu erkennen ist, sieht er seine Zeit gekommen, doch auch dies ist nur ein Trugschluss: Victor ist weniger als Täter als als Opfer zu sehen, ein Pechvogel wie Sam, der immer nur Prügel bezogen hat und nicht mehr länger bereit ist, sich in diese Rolle zu fügen. Der Handschuh ist das Symbol seiner Machtergreifung: Wenn er ihn überstreift, wendet sich das Blatt. Die Waffe der Herrschenden – der Handschuh war ursprünglich dazu gedacht, von der Polizei bei Aufständen eingesetzt zu werden – verwandelt sich an seiner Hand vom Instrument des Rechts in ein Instrument der Gerechtigkeit, mit dem er seinen einstigen Peinigern die Strafe zukommen lässt, die ihnen gebührt. Aber diese Machtergreifung kann ebenfalls nicht zum Ziel führen. Der Afroamerikaner Victor, der in der Gesellschaft der USA sowieso zum ewigen Verlierer gestempelt ist, hat mit seiner Grenzüberschreitung den Zorn auf sich gezogen, dem er letztlich unterliegen muss. Und Sams Entscheidung zur handfesten Gewalt – und zum bereitwillig in Kauf genommenen Tod – beruht auf einem Fehlschluss. Es ist die bittere Ironie des Schicksals, dass er nicht nur ungeschoren davonkommt, sondern sein Leben weiterführen kann, weil er für einen Mord belohnt wurde, den er nicht begangen hat, an einem Mann, der diese Strafe nicht verdiente, von Männern, die die eigentlichen Verbrecher sind.