Mit ‘Rudolf Lenz’ getaggte Beiträge

Keinen Film habe ich dieser Tage (oder sogar jemals?) mit solcher Spannung erwartet wie Jürgen Enz‘ mittlerweile gleichermaßen gefeierten wie berüchtigten Heimatfilm. Die mir schon seit einiger Zeit vorliegende Videokopie habe ich extra links liegen lassen, um beim ersten Sonderkongress des Hofbauer-Kommandos mit der 35-Millimeter-Kopie besonders nachhaltig entjungfert zu werden. Der Film hatte es, belastet mit dieser Erwartungshaltung (die durch die zahlreichen Lust machenden, dabei das Mysterium des Filmes bewahrenden Texte geschätzter Freunde und Kollegen geschürt wurde) eigentlich unheimlich schwer. Meine Leser, die meine Filmlandschaft teilen, kennen das wahrscheinlich aus eigener Erfahrung: Diese endlich nach langer Wartezeit erfolgenden Sichtungen von Filmen, über die man schon so viel und fast ausschließlich Gutes gehört hat, sind oft auch die enttäuschendsten. Hier wurden die Erwartungen jedoch nicht nur erfüllt, sondern noch meilenweit übertroffen, was als Beleg dafür dienen mag, was Enz mit HERBSTROMANZE für ein Meisterwerk gelungen ist. Und nicht nur das: Sein Film ist hinsichtlich seiner Stimmung absolut singulär, ein Unikat, nicht nur in der deutschen Filmlandschaft. Er ist so verstörend und groß, dass man nur bedauern kann, dass er, immerhin als „Film für die ganze Familie“ angekündigt, seinerzeit so hoffnungslos floppte, mithin keinen ganzen Serie vom genialisch-autistischen Enz inszenierter Spät-Heimatfilme initiierte: Schon der Gedanke lässt unweigerlich Hosen platzen und Gehirne schmelzen.

Aus dem fernen München reist Christina Peters (Anke Syring), eine Frau in den besten Jahren, mit ihrer stummen Tochter Veronika (Marion Brandmaier) ins beschaulich-rustikale Hochsauerland, um auf dem Gut Vorwald Freiherr Benno von Calden (Rudolf Lenz) zu besuchen, mit dem sie vor vielen, vielen Jahren eine unerfüllt gebliebene Liebesbeziehung unterhielt. Beim Freiherrn erwachen jedenfalls sofort alte Gefühle, auch unter dem Eindruck Veronikas, die ihn so sehr an seine große Liebe erinnert. Doch die Last der vergangenen Jahrzehnte lässt sich nicht beseitigen …

Der Trailer suggeriert noch einen Plot, in dessen Zentrum der schurkische Reno von Calden (Claus-Dieter Reents), Sohn des Freiherrn und sein unstillbares Verlangen nach der jugendlichen Veronika stehen, doch der entsprechende Konflikt ist kaum mehr als ein Nachgedanke in diesem Film, der eine Meditation über das Älterwerden und den langsamen Fluss der Zeit ist. Eigentlich passiert überhaupt nichts in HERBSTROMANZE, aber dabei ist er dennoch übervoll. An Eindrücken, Geheimnissen, unerzählt bleibenden Geschichten, unerfüllten Wünschen und geplatzten Träumen. Und an Blicken. Oh, diese vielsagenden Blicke … Unter der Oberfläche, die spiegelglatt daliegt wie der friedvolle Ententeich auf des Freiherrn Grundbesitz, die nur von ganz leichten Wellenbewegungen gekräuselt wird, wenn eine leichte Brise darüberstreicht, ein Unwetter ankündigt, das dann doch unerwartet ausbleibt, da brodelt es gewaltig, fallen bizarre Raubfische über gründelnde Entchen her und zerfetzen sie lustvoll mit ihren rasiermesserscharfen Zähnen. Die Suggestivkraft, die Enz in seiner aufreizend langsamen, hypnotischen Inszenierung beschwört, ist vielfach kaum zu ertragen. Die Dialoge dringen nie zum Kern der Dinge vor, die Münder verstummen, bevor sie die Wahrheit aussprechen können, und was am Ende bleibt, sind hilflose Gesten und immer wieder diese Blicke ins Nichts. Die Luft in jenen Szenen des bis zur totalen Leblosigkeit ritualisierten Beisammenseins – am Frühstücks- oder Mittagstisch, im Festzelt, beim Schachspiel – ist zum Schneiden dick und die Nerven sind bis zum äußersten gespannt. Die ostentative Betonung seiner Gastfreundschaft, die der Freiherr immer wieder verkündet, lässt ihn wahlweise als Realitätsverleugner oder aber als Blindgänger erscheinen, die Kluft zwischen Anspruch und Realität als vollkommen unüberbrückbar. Nicht nur im Zuschauerraum stellte sich stets spürbare Entspannung ein, wenn der Clown Kaspar Leroy (Dietz-Werner Steck) die aufgeladene Atmosphäre mit seinen exaltierten Späßen durchbrach. Auch die Charaktere freuen sich sichtbar über die Ablenkung vom Elefanten im Raum, der mit jeder Bewegung weiteres Porzellan zerschlägt, ohne dass jemand Anstoß daran nähme. HERBSTROMANZE ist auch ein Film der Handlungsunfähigkeit bzw. -verweigerung, ein Film über die äußersten Auswüchse der Verdrängung. (Die Traumatisierung Veronikas wird von ihrer Mutter einfach so hingenommen, ihre Fixierung auf den toten Vater als romantische Marotte genauso toleriert wie das Arschlochverhalten Renos von Benno.) Das passt zum Heimatfilm mit seiner Sexualitätsverklausulierung und seiner Untiefenpsychologie natürlich wie die Faust aufs Auge. Die Besetzung Rudolf Lenzs, des einstigen Försters vom Silberwald, ist mehr als nur programmatisch: HERBSTROMANZE wirkt zeitweise beinahe wie der große Meta-Heimatfilm, in dem alle Klischees des Genres in abstrakten Gesten erstarrt sind. Anstatt Bedeutung werden hier nur noch leere Bedeutungsbehälter transportiert. Und statt imposanter Alpenkulisse empfängt die nondeskript-erdfarbene Anhäufung von Hügeln, Tannenwäldern und Tälern des Sauerlands den Zuschauer mit mildem Hohn. Enttäuschung ist nicht zuletzt die Befreiung von einer Täuschung.

Aber Enz‘ Film ist keineswegs bloß trocken-intellektuelle Fingerübung. Mit seiner meditativen Stimmung, maßgeblich befördert durch den typisch mechanischen Enz-Soundtrack und die gewohnt langsame Inszenierung sowie das chloroformierte Spiel der Akteure, handelt es sich vielmehr um einen unmittelbar sinnlichen Film, der eher instinktiv verstanden wird, als mit den Instrumenten der Hermeneutik seziert. Es ist ein unglaublich deutscher, unglaublich beunruhigender, aber auch unglaublich aufregender Film. Am Ende betastet Benno, seiner Christina trauernd hinterherschauend, das kleine Porzellanpferd, den Talisman Veronikas, den diese ihm überlassen hat, als Zeichen ihrer Dankbarkeit und der Überwindung ihres Traumas. Es ist ein Bild, das die finale (Auf-)Lösung aller Probleme, den Aufbruch in eine befreite Zukunft signalisieren soll. Aber es ist mit so vielen weiteren, weitaus weniger beruhigenden Bedeutungen aufgeladen, dass es vielmehr eine neue, noch tiefere Ebene neurotischer Verstrickungen andeutet. „Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“, schrieb einst Bertolt Brecht in „Der gute Mensch von Szechuan“. Das trifft auch auf den Zuschauer zu, der aus der HERBSTROMANZE entlassen wird. Nur Benno von Caldern, der große Verdränger, fragt sich nichts mehr.

wilderer-vom-silberwald-derChristian Pachegg (Rudolf Lenz) kommt in das Alpendörfchen Edlau, um dort seine neue Stelle als Förster anzutreten. Auf dem Weg ins Dorf lernt er Josefa Rohrer (Traute Wassler) kennen, die Erbin des örtlichen Sägewerks, die ihm ihr Leid klagt und damit seine Sympathien gewinnt. Seit dem mysteriösen Unfalltod ihres Gatten sehe sie sich als Zugezogene der offenen Ablehnung der Bewohner gegenüber, müsse allein das Geschäft führen und sich zudem um die Erziehung ihres kleinen Sohns Alois kümmern. Auf der anderen Seite erfährt der Förster bald, dass die Wut der Alteingesessenen nicht gänzlich unbegründet ist: Josefa lässt die für die angrenzenden Felder so wichtigen Wälder rücksichtslos abholzen. Nachdem seine anfängliche Zuneigungzu Josefa aus diesem Grund schnell wieder abgeebbt ist, entdeckt er die burschikose Hobbyfotografin Ulli (Anita Gutwell), Tochter des Oberförsters (Rudolf Carl), für sich. Ihre Romanze wird durch das Auftauchen eines Wilderers unterbunden, der Christians ganzen Einsatz fordert …

Mit deutlich größerem erzählerischen Schwung inszeniert Otto Meyer das Quasi-Sequel zum megaerfolgreichen DER FÖRSTER VOM SILBERWALD, der mit DER WILDERER VOM SILBERWALD indessen nur das Hauptdarstellerpaar und den Beruf seiner männlichen Hälfte gemein hat. Die das Original von Alfons Stummer beherrschende, alles abtötende Bräsigkeit wird nicht zuletzt von ein paar gezielten Modernismen aufgelockert: In Gestalt des Berliner Musikboxen-Bestückers Paul (Wolfgang Jansen) halten großstädtische Schnoddrigkeit und Schlagermusik Einzug, zu der die Dorfjugend dann auch gleich zu Beginn eine flotte Sohle aufs astlochige Parkett der heimischen Bierstube legt. Gleichzeitig dient die Figur natürlich dazu, um an ihr die genretypische Unterlegenheit des Stadtmenschen zu demonstrieren: Nachdem die feiste Zenzi (Brigitte Antonius) Paul dazu benutzt, ihren Herzbuben Franzl (Fritz Muliar) beim obligatorischen Dorffest eifersüchtig zu machen, lädt der den gutmütigen Tölpel zu einem zünftigen Watschentanz ein, bei dem das verweichlichte Bürschlein aus der Großstadt zum Gelächter der Umstehenden kräftig verdroschen wird. Hier ist Mobbing eben noch Ehrensache. Das muss auch Josefa erfahren, der der Film nur wenig Mitleid entgegenbringt. Die altkluge, eingebildete Ulli, die immer noch bei ihren Eltern lebt und mehr zum Spaß als aus wirtschaftlicher Notwendigkeit ein paar Tierfotos knipst, mischt sich ganz dreist in die Erziehung des kleinen Alois ein, der ihr bei ihren Wanderungen nicht von der Seite weicht, und weiß natürlich ganz genau, wie man als alleinerziehende Geschäftsfrau ohne Freunde und Rückhalt so zu leben hat. Auch der selbstgerechte Christian lässt sie fallen wie eine heiße Kartoffel, als er von ihren Rodungen – zu denen sie per Vertrag legitimiert ist – erfährt: Dass Spinnenfrau Ulli schon als Ersatz bereitsteht, oder ihn vielmehr mit doppeldeutigen Jägerliedchen eingewickelt hat, macht seine wortlose Trennung von Josefa natürlich deutlich leichter. Er soll am Ende noch die Quittung für seine Herzlosigkeit bekommen, aber weil auch dieser Heimatfilm mehr am Idyll und der Wiederherstellung der Ordnung interessiert ist als am Konflikt und seiner schonungslosen Aufarbeitung, wird es ihm erspart, daraus zu echter Erkenntnis zu gelangen. Hauptsache er weiß, dass das Wandern des Müllers Lust ist. Die in diesen Filmen immer wieder durchschlagende Unbarmherzigkeit, mit der Menschen, die aus dem Raster fallen, ins Exil gedrängt, moralisch scharf verurteilt oder für minderwertig erklärt werden, fällt gerade deshalb so heftig auf, weil sie sich vor dieser kitschigen Naturkulisse zeigt. Den Protagonisten fehlt jegliches Maß an Selbstreflexion oder die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, die eigene kleine Welt, in der sich Reh und Hase Gute Nacht sagen, als Ausschnitt eines größeren Ganzen zu begreifen. Keiner scheint jemals in der Stadt gewesen zu sein, aber dass es dort nicht ganz koscher zugeht, das wissen sie alle. Ohne mit der Wimper zu zucken, ruft der brave Christian da am Ende zur „Treibjagd“ auf den Wilderer auf, wird flugs ein Lynchmob zusammengestellt, bei dem es an Freiwilligen nicht mangelt. Aber wie fasst es der Oberförster in einem kleinen Liedchen so treffend zusammen: „Manchmal ist es gut, wenn man nichts sieht.“ Für den Zuschauer ist es da aber schon zu spät.

Das Frauenbild ist kaum weniger zum Gruseln: Nicht nur, dass Herzensdame Ulli eine verachtenswerte, selbstgerechte Zicke ist, ihre vermeintliche Selbstständigkeit als Fotografin ist natürlich auch nur geduldet, weil sie sich friedlich in ihr Kämmerlein begibt, wenn der Mann im Haus das befiehlt. Es ist ja bemerkenswert, dass keiner dieser Kerle wirklich etwas kann: Der Oberförster schaut sich Nacktbildchen in der Zeitung an und ist stets besoffen, Christian selbst läuft auch nur dumm mit dem Schießgewehr durch den Wald und lässt sich dafür feiern, wehrlose Tiere abzuknallen, als sei er Gottes Geschenk an die Weiblichkeit. Ullis Bilder hingegen werden tatsächlich irgendwo veröffentlich, Josefa führt ein erfolgreiches Unternehmen und Mathilde (Lucie Englisch), die Ehefrau des Oberförsters, schreibt Liebesromane im Eiltempo: Die drei Damen erbringen damit eine größere intellektuelle Leistung als alle männlichen Figuren des Films zusammen. Ernst genommen werden sie dafür natürlich nicht: Als Christian einmal einen Brief schreiben muss, muss Mathilde den Platz an ihrer eigenen Schreibmaschine sofort räumen. Er lässt ihn dann aber lieber von Ulli tippen, weil er auch zum Schreibmaschinenschreiben zu dumm ist. Nicht aber im Dick-Auftragen: Seinen Spaziergang zum Waldrand, wo er die einhellige Meinung des Ältestenrats über Josefas Tätigkeit nach kurzem Hingucken bestätigt findet, beschreibt er großzügig als „eingehende Prüfung“ und meint das ganz gewiss ernst. Vor diesem Hintergrund erstaunen die oben angesprochenen Modernismen schon ein wenig. Der Hinweis auf die „Hottentotten-Musik“ der Jugendlichen unterbleibt gänzlich, den Auftritt des Schlagertrios „Die Teddies“ kann man fast schon als Cross Marketing beschreiben (oder so) und in einem selbstreflexiven Anfall nennt Mathilde ihren jüngsten Roman „Der Wilderer vom Silberwald“.

DER WILDERER VOM SILBERWALD ist als Spielfilm professioneller, schwungvoller und runder als DER FÖRSTER VOM SILBERWALD und man merkt ihm die mit dem Erfolg des Vorgängers einhergehenden kommerziellen Ambitionen deutlich an. Gruseln kann man sich hier zwar auch, aber immerhin ist ein Verständnis der Macher für das Medium ihrer Wahl erkennbar, während Alfons Stummer kaum mehr als einen mit Ton unterlegten Bilderbogen vorlegte. Im Grunde genommen ist Meyers Film lupenreine deutsche Exploitation und als solche durchaus auch für solche Menschen interessant, die den Heimatfilm bislang weiträumig umfahren haben.

DER FÖRSTER VOM SILBERWALD ist mit geschätzten 28 Millionen Zuschauern möglicherweise der erfolgreichste deutschsprachige Film aller Zeiten und damit – noch vor SCHWARZWALDMÄDEL und GRÜN IST DIE HEIDE – auch der erfolgreichste Heimatfilm. Seine Berühmtheit geht so weit, dass sein Titel heute nahezu synonym für sein Genre verwendet wird und auch Menschen ein Begriff ist, die sich – aus naheliegenden Gründen – niemals einen Heimatfilm anschauen würden. Die Verbindung von imposanten Naturaufnahmen, Brauchtum und einer einfachen, schmonzettenhaften Liebesgeschichte gilt als prototypisch für den Heimatfilm der Fünfzigerjahre, und es verwundert angesichts der schieren Menge eingebundener Tierbilder kaum, dass DER FÖRSTER VOM SILBERWALD ursprünglich als Dokumentarfilm über Jäger in der Steiermark geplant war, erst nachträglich durch das Hinzufügen einer Liebesgeschichte zum Spielfilm wurde. Regisseur Alfons Stummer, der außer diesem Film noch die unvermeidliche Fortsetzung WO DIE ALTEN WÄLDER RAUSCHEN und dann zehn Jahre später DER SATAN MIT DEN ROTEN HAAREN drehte, inszeniert den FÖRSTER ohne Flair, ohne Gespür für Tempo oder Rhythmus und ohne jeden Witz als drögen Bilderreigen mit fragwürdiger Ideologie, dessen Bräsigkeit heute nur noch schwer zu ertragen ist.

Rudolf Lenz – Hauptdarsteller in Jürgen Enz‘ gefeiertem HERBSTROMANZE – spielt den braven Förster Hubert Gerold, der erfährt, dass die Verantwortlichen seines Dörfchens den Silberwald zum Abholzen freigegeben haben. Mit dem Hofrat Leonhard (Karl Ehmann) stoppt er das Unterfangen, um die örtlichen Wildbestände zu retten, die „der Schöpfer“ dem Ort „geschenkt“ habe. Als die fesche Liesl Leonhard (Anita Gutwell), eine Malerin, zu Besuch aus dem großen Wien kommt, beginnt eine Liebesgeschichte zwischen ihr und Hubert, der ihr die Schönheiten der Natur vorführt und sie in die Philosophie des Jägerwesens einweiht. Das Leben in der Stadt wird ihr mehr und mehr fremd, was ihrem Freund, dem Bildhauer Max (Erik Freiberg), verständlicherweise gar nicht gefällt. Er reist in die Steiermark, um Liesl zur Rede zu stellen und macht sich gleich der Wilderei schuldig. Hubert deckt den Künstler, um seine Beziehung zu Liesl nicht zu zerstören und geht der jungen Frau im Folgenden aus dem Weg. Natürlich kann später doch noch das Happy End zwischen den beiden gefeiert werden: Außerdem ist Hubert zum neuen Jäger des Ortes ernannt worden und während der Priester einen erlegten Hirsch weiht, schwenkt die Kamera gen Himmel. Ende.

Was sich in SCHWARZWALDMÄDEL andeutete und in GRÜN IST DIE HEIDE bereits explizit, aber weitestgehend unpolemisch thematisiert wurde, erhebt DER FÖRSTER VOM SILBERWALD zum propagandistischen Programm: In der Stadt verdirbt der Mensch, wird er entfremdet, ist er der Dekadenz anheim gegeben. Die moderne Kunst, die Liesl mit ihrem Freund in Wien schafft, ist dem beschränkten Leonhard freilich ein Dorn im Auge: „Du bist doch ein gesundes Mädchen!“, sagt er, ihren Lebensinhalt und die Ergebnisse ihres Schaffens ganz der Ideologie des vorangegangenen Regimes entsprechend als „krankhaft“ und „entartet“ charakterisierend. Das wird natürlich nie wirklich offen gesagt, aber es ist klar, was man von den „ausgeflippten“ jungen Leuten, die im Atelier von Max zu Jazzmusik tanzen, halten soll. Hubert hingegen sitzt bestenfalls in der Kirche an der Orgel und spielt bleischwere Kompositionen von Bach, wenn er nicht durch die  Wälder streift und sich an Gottes Schöpfung erfreut. Der echte Mann weiß wie man mit dem Schießgewehr umzugehen hat, jagt aber natürlich nur „mit Respekt“ vor der Natur. Die Jagd-Vorstellungen von Liesl verwirft er mit wissendem Lächeln, aber wenn der Film in der Treibjagd auf Gamsböcke kulminiert, die Kamera voll draufhält, wenn die Tiere in den Tod stürzen, der aufgrund seines fehlenden Jagdglückes von allen verlachte und nur als halber Mann betrachtete Bertl (Albert Rueprecht) schließlich die Wirtin Karin (Emi Mangold) in den Arm schließen darf, weil er sich endlich als echter Kerl bewiesen hat, fragt man sich, wo er denn plötzlich hin ist, der Respekt. Ein ganz und gar fürchterlicher Film, der alle Vorurteile, die man gegenüber dem Genre so hegt, bestätigt.