Mit ‘Rusty Cundieff’ getaggte Beiträge

Für ihre Doktorarbeit begleitet die schwarze Soziologin Nina Blackburn (Kasi Lemmons) die Rapgruppe N.W.H., die „Niggas with Hats“, mit einer Kamera, verfolgt ihren Alltag und befragt die Mitglieder Ice Cold (Rusty Cundieff), Tasty Taste (Larry B. Scott) und DJ Tone Def (Mark Christopher Lawrence) zu ihrem Leben und ihren Texten. Nachdem das Skandalalbum „Gorillas in the Midst“ N.W.H. zu Reichtum und Ruhm verhilft, wird die Gruppe jedoch von internen Streitigkeiten zerrissen …

Nur ein Jahr nach Tamra Davis‘ Hip-Hop-Mockumentary CB4 (über die ich hier geschrieben habe) wandelt Rusty Cundieff mit FEAR OF A BLACK HAT mit ähnlich gemischtem Erfolg auf nahezu denselben Pfaden (beide widmen sich dem Phänomen des Gangsta-Rap, beide orientieren sich in der Zeichnung der porträtierten Gruppe an N.W.A.), was den Schluss nahelegt, dass es vor allem ein strukturelles Problem ist, das einer Hip-Hop-Parodie den durchschlagenden Erfolg verwehrt. FEAR OF A BLACK HAT ist immer dann wirklich gut und witzig, wenn er entweder sehr spezifisch oder aber vollkommen absurd wird, im Idealfall sogar beide Seiten miteinander verbindet. Den größten Lacher des Films erntet etwa der kurze Ausschnitt aus DJ Tone Defs Solovideo: Mit Batikshirt und Sandalen sitzt der einstige Gangsta im Schneidersitz vor einer kitschigen Naturkulisse, durch die Hippies mit Sonnenblumen tanzen, und rappt mit sanft-säuselnder Stimme über die Gleichheit aller Menschen, die sich – das ist der Clou – darin äußert, dass alle den gleichen übel riechenden Stuhlgang haben. Während hier unverkennbar der Hippierap von Frühneunziger-Acts wie PM Dawn verhohnepipelt wird, bekommt an anderer Stelle ein zwergenhafter schwarzer Filmregisseur namens „Jike Spingleton“ sein Fett weg.

Wunderbar sind auch die Versuche Ice Colds, die frauenfeindlichen und rassistischen Texte als sozialkritisch zu interpretieren – kein leichtes Unterfangen bei Texten wie „Booty Juice“ („The booty is a symbol for society as a whole …“) – sowie die „Message“ hinter dem Bandnamen zu erläutern: Nach Ice Colds Theorie bestand die Vorherrschaft der Weißen über ihre schwarzen Sklaven nämlich darin, dass sie diese dazu zwangen, ohne Hüte in der Sonne zu arbeiten. Wenn die Sklaven dann nach einem Tag ohne Schutz vor der Sonne in ihre Hütten zurückkehrten, hatten sie keine Kraft mehr, um an Widerstand zu denken. Doch damit ist es nun vorbei, weil sich Ice Cold, Tasty Taste und Tone Def keinem Hutverbot mehr unterordnen. Die beknackten Kopfbedeckungen, die sie zur Schau tragen, sind mit das Witzigste am ganzen Film (im Abspann sieht man sie unter anderem mit Plastikritterhelmen, Partyhütchen und riesigen Sombreros).

Aber auch die Schwächen von Cundieffs Film liegen eindeutig auf der Hand: So sind das Rumreiten auf dem Hip-Hop-typischen Misogynismus und Waffenfetisch einfach zu abgedroschen als dass sich daraus noch echte Lacher gewinnen ließen, was auch damit zu tun hat, dass N.W.H. heute als eloquent-intellektuelle Vertreter ihrer Musik durchgehen würden: Jedes echte 50-Cent-Interview ist absurder, als die Versuche der Schauspieler in FEAR OF A BLACK HAT, die fraglichen Verhaltensweisen auf die Spitze zu treiben. Auch die obligatorischen Seitenhiebe gegen Vanilla Ice (hier: Vanilla Sherbet) und MC Hammer entlocken heute allenfalls noch ein müdes, wissendes Lächeln. Hier wünschte man sich, dass der Film in der Wahl seiner Zielscheiben etwas mutiger und kreativer wäre. Seine mangelnde Risikobereitschaft verhindert nämlich, dass Cundieffs Film die Beschränkungen des von ihm parodierten Genres überschreitet. So bleibt er selbst in dessen Grenzen gefangen. Letztlich fungiert er vor allem ein Zeitzeugnis. Das ist durchaus auch eine Leistung: FEAR OF A BLACK HAT macht unmissverständlich klar, wie sehr sich die Raplandschaft in den vergangenen 15 Jahren verändert hat. Den Konkurrenten CB4 überholt FEAR OF A BLACK HAT um Haaresbreite. Das liegt daran, dass Cundieff seiner Prämisse der Mockumentary im Gegensatz zu Davis über die gesamte Spielzeit treu bleibt und trotz seiner parodistischen Haltung nie verleugnet, dass er sein Objekt liebt.