Mit ‘Ryan O’Neal’ getaggte Beiträge

Um einen Mord in der Schwulenszene von L.A. aufzuklären, sollen der Frauenheld Benson (Ryan O’Neal) und der homosexuelle Schreibtischbeamte Kerwin (John Hurt) als verdeckte Ermittler ins Milieu eingeschleust werden: als schwules Pärchen. Benson ist zunächst alles andere als begeistert, doch Kerwins Qualitäten als Hausmann überzeugen ihn schließlich. Als Benson während seiner Ermittlungen mit einer attraktiven Fotografin zusammenarbeitet, riskiert er mehr als nur seine Tarnung und die harmonische Beziehung zu Kerwin: Die junge Frau scheint nämlich in die Morde verwickelt zu sein …

PARTNERS – in Deutschland unter dem damals typischen Titel ZWEI IRRE TYPEN AUF HEISSER SPUR vermarktet – ist eine leichte, seichte Krimikomödie, die sich aber auf äußerst charmante, wenn auch nicht gänzlich klischeefreie Art mit dem Thema „Homophobie“ auseinandersetzt. Man könnte den von Francis Veber (der mit seinem Drehbuch zu LE CAGE AUX FOLLES maßgeblich dazu beigetragen hat, schwule Themen im Mainstreamkino zu etablieren) gescripteten Film auch als massentaugliche, kommerzielle Version von Friedkins CRUISING bezeichnen: Während der Protagonist dort über seine Ermittlungen in der New Yorker Schwulenszene immer mehr mit seiner eigenen Homophilie konfrontiert wird, lernt der Vorzeigehetero Benson hier nicht nur, dass nicht jeder Schwule ihm sofort an den süßen Hintern will, sondern darüber hinaus auch die Vorzüge des homosexuellen Lebens zu schätzen, für das er zunächst nur Abscheu übrig hat – fast so, als befürchtete er, er könne sich bei Kerwin anstecken. Der ganze Einsatz wird für Benson zu einer Art Therapie (während CRUISING eher vom Sturz in eine Krise erzählt): In der Verkleidung des leicht verfügbaren Homosexuellen, mit Trägershirt, Stirnband und Workerboots, erfährt er am eigenen Leib, was es mit sexuellen Übergriffigkeiten auf sich hat und wird unfreiwillig auf seine weiblichen Züge gestoßen. Nachdem ihm der schwule Besitzer eines Motels, das von männlichen Pärchen frequentiert wird, unter dem Tisch ganz selbstverständlich das Gemächt liebkost, ist Bensons spätere Reaktion erstaunlich: Nun wisse er, wie schrecklich es für eine Frau sein müsse, die von den Männern stets als „fair game“ betrachtet werde, immer damit rechnen müsse, einen „freundschaftlichen“ Klaps auf den Hintern zu bekommen, ohne sich darüber beschweren zu dürfen.

Ich habe letztlich mit meinen Freund Robert, dessen Movie Store in Düsseldorf ich hier schön häufiger lobend erwähnt habe und der mir auch PARTNERS ans Herz gelegt hat, darüber diskutiert, ob es eher produktiv oder hinderlich ist, vor der Betrachtung eines Films allzu viel über ihn in Erfahrung gebracht zu haben. Wir sind natürlich zu keiner Einigung gekommen, aber PARTNERS ist in meinem Fall ein Beispiel dafür, wie der vorige Kontakt mit einem Verriss zu einer eher günstigen Beeinflussung geführt hat. Der erste IMDb-Rezensent zu diesem Film bezeichnet ihn als homophob, klischeehaft, ja geradezu hasserfüllt. Und selbst wenn ich zugeben würde, dass einige der Figuren die Vorstellungen des Spießbürgers bestätigen, so finde ich doch, dass Burrows sehr gemäßigt und sensibel mit seinem Thema umgeht. Schon die Besetzung mit Hurt zeigt das: Auf schwule Rollen abonniert, ist er doch weit davon entfernt, die hysterische Superschuchtel zu geben. Sein Kerwin ist sensibel und effeminiert, natürlich ein begnadeter Hausmann, der bereitwillig die Rolle der Eheefrau einnimmt, aber Hurt ist durch und durch glaubwürdig darin, verleiht Kerwin jenes Maß an Würde, das solchen Figuren oft eben nicht zugestanden wird. Auch die Darstellung der Szene finde ich durchaus differenziert: Nachdem das Thema einmal etabliert ist, geht Burrows sehr selbstverständlich damit um. Die wenigen grellen Gags, die sich der Film vor allem zu Beginn erlaubt – das Auto, das die Polizei Benson und Kerwin zur Verfügung stellt, ist ein pinkfarbener VW Käfer, dessen Hupe eine alberne Melodie trötet –, scheinen mir außerdem weniger Schwule zu diffamieren, als vielmehr das Bild, das Heteros von ihnen haben, bloßzustellen.

PARTNERS, der heftig floppte und von O’Neal später angeblich als „Fehler“ eingestuft wurde, ist bestimmt kein großer Film: Das versucht er auch gar nicht zu sein. Aber er stellt für meine Begriffe einen rundweg gelungenen Versuch dar, ein eher oberflächliches Publikum mit einem Damals-noch-Tabuthema zu konfrontieren (das heute überkommene Genre der Krimikomödie bot ja immer eine beliebte Schablone, um solche in ein Unterhaltungsgewand zu kleiden), die der Gesellschaft inhärente latente Homophobie aufzudecken: Gerade der Polizei stellt Burrows in dieser Hinsicht alles andere als ein gutes Zeugnis aus. Doch PARTNERS ist tatsächlich viel mehr als nur ein Film über Homosexuelle und Homophobie: Er beschäftigt sich mit unterschiedlichen Männerbildern und Beziehungsmodellen, ist somit auch für monogam lebende, tolerante Heteros wie mich ein Gewinn.

Der Ex-GI, Ex-Con, erfolglose Schriftsteller, dafür aber erfolgreiche Alkoholiker Tim Madden (Ryan O’Neal), Ehemann der geldgeilen Südstaatenschlampe Patty Lareine (Debra Sandlund), wacht nach einer übel durchzechten und durchfickten Nacht auf und stellt fest, dass er offensichtlich einen heftigen Blackout hat. Das ist umso schlimmer, als er Hinweise darauf findet, seine Frau ermordet zu haben. Der wahnsinnige Polizist Alvin Luther Regency (Wings Hauser) ist Madden bereits auf der Spur – und darüber hinaus mit Maddens großer verflossener Liebe Madeleine (Isabella Rosselini) liiert. Haben Geister Tim zum Mord angestiftet? Oder steckt dahinter doch nur ein schiefgelaufener Drogendeal, in dem Tim die Rolle des Sündenbocks zukommt?

Der große Skandalschriftsteller Norman Mailer adaptierte mit TOUGH GUYS DON’T DANCE seinen eigenen Roman für die Leinwand – im Zuge der Qualitätsoffensive der Cannon, während der Regisseure wie Cassavetes, Altman, Schroeder, Godard oder eben Mailer das mit Actionfilmen „ramponierte“ Image der Cannon aufbessern und die Produktionsfirma als ernstzunehmende cineastische Adresse etablieren sollten. Zumindest was TOUGH GUYS DON’T DANCE angeht, war dieses Vorhaben zum Scheitern verurteilt. Zwar ist Mailers Film durchaus künstlerisch eigenständig und hoch interessant, doch ist er dabei auf so überaus seltsame Art und Weise so weit neben der Spur, dass er sowohl ein auf straightes Crimekino gepoltes als auch ein cineastisches Publikum vor den Kopf schlagen dürfte. Was genau den Film so schräg macht, ist dabei keienswegs leicht zu beantworten: Die Storyline um einen Mann, der einen Teil seines Geächtnisses verloren hat und herausfinden muss, was in dem ihm fehlenden Zeitraum geschehen ist, kennt man aus etlichen Thriller- und Noirfilmen, ebenso wie die Erzählstrategie das Ganze über ein Puzzle aus Rückblenden und gegenwärtigen Ermittlungen aufzuschlüsseln.

Nein, es sind die Mischung aus klassischen Noir-Elementen und Eighties-Ennui (es wird gekokst, dass es nur so kracht), aus unterkühlten und krass überdrehten Szenen, aus Mindfuck-Movie – ist alles nur die Fantasie eines depressiven Alkoholikers? – und „weltlichem“ Krimiplot, dargeboten von einer fantasievollen Besetzung aus alternden Mainstream-Beaus (O’Neal), berückend schönen Modelmusen (Rosselini), alten Noir-Haudegen (Tierney) und B-Movie-Extremisten (Hauser), deren Charakteren der Drehbuchautor abwechselnd mit beißendem Spott, giftiger Verachtung und kühler Distanziertheit begegnet, und sich nie zu hundert Prozent dafür entscheidet, ob er seinen Film nun als surreal angereicherten Krimi, als ätzende Satire über gelangweilte Neureiche oder gar als Parodie auf vertrackte Thriller verstanden wissen will. Oder als alles auf einmal.

Ryan O’Neals Tim Madden kann man – das machte den Film für mich besonders interessant – durchaus als eine um 20 Jahre weiterentwickelte Version seines Jack Ryan aus THE BIG BOUNCE begreifen: Gab es für den Drifter am Ende von Alex Marchs Film doch die Hoffnung, irgendwann einmal ein halbwegs solides Leben führen zu können, vielleicht mit einer gleichermaßen attraktiven wie netten Frau, so zeigt sich in TOUGH GUYS DON’T DANCE, dass diese Hoffnung sich nicht wirklich bestätigt hat. Zwar muss er nicht mehr mit dem Seesack per Anhalter durch die USA reisen, das Bankkonto ist dank seiner wohlhabenden Frau stets gut gefüllt, aber eigentlich haben sich alle seine Probleme und Charakterschwächen endgültig manifestiert. Die gute, aber vielleicht etwas zu selbstbewusste Madeleine hat er für die immergeile Patty verlassen, deren erschwindelter Reichtum auch ihm zu Gute kommt, allerdings mit dem unguten Nebeneffekt, in ihren Augen nun als unfähiger, eierloser Schmarotzer dazustehen. Mit dem Bücherschreiben klappt es auch nicht so richtig und so taumelt Tim durch den stetigen Kreislauf von Suff, bedeutungslosen One-Night-Stands und Drogenabstürzen, bis er endgültig in einer Sackgasse gelandet ist.

Sein Schicksal nimmt man aber nur mile geschockt und relativ gelassen zur Kenntnis: Das hier abgebildete Milieu liegt denkbar fern von der Lebenswirklichkeit des durchschnittlichen Zuschauers weg und man kann nur darüber staunen, was für Parties manche Menschen so zu feiern gewohnt sind und in was für Albtraumbeziehungen sie sich sehenden Auges begeben. TOUGH GUYS DON’T DANCE verkommt gottseidank nie zur selbstmitleidigen Nabelschau der Reichen und Schönen, dafür ist Mailer viel zu abgewichst. Die Scheiße, die man sich eingebrockt hat, muss man gefälligst selbst ausbaden. Vor allem, wenn man ein so ausgesprochenes Talent dafür hat, von einem Fettnäpfchen ins nächste zu treten und einen Haufen idiotischer Egomanen um sich zu scharen. Rumheulen ist da nun mal keine Option. Angelo Badalamentis Score trägt neben den abseitigen Plotwendungen, den strangen Regieeinfällen, den völlig von der Kette schauspielerischer Mäßigung gelassenen Darstellern und dem jenseits jeder geografischen Konkretion liegenden Schauplatz, einem Fischerort namens Hell Town (!!!), noch seinen Teil dazu bei, dass man doch erhebliche Schwierigkeiten hat, diese Geschichte in der Realität zu verorten. TOUGH GUYS DON’T DANCE ist stattdessen im Fegefeuer der Eitelkeiten angesiedelt, wo manche verkorkste Existenz der Ewigkeit entgegenbrutzelt und sich der liebe Gott in Person von Mailer einen Spaß daraus macht, sich ganz besonders abstruse Schicksalsschläge für sie auszudenken.

Ich weiß nicht so genau, was ich über den Film abschließend sagen soll. Ich fand ihn befremdlich, gleichzeitig absolut faszinierend, dann und wann sehr inspiriert und intelligent, ja nahezu brillant dann wieder jenseits von Gut und Böse, peinlich und überdreht. Aber das scheint mir durchaus beabsichtigt zu sein und es macht gerade den Reiz dieses Films aus, wie er die Grenze zum Trash teilweise lustvoll hinter sich lässt. Für Cannon-Enthusiasten wie mich eh unerlässlich, für Filmfreunde mit dem Faible fürs Absonderliche inmitten des Mainstreams eigentlich auch. Ja, doch, TOUGH GUYS DON’T DANCE ist schon zeimlich geil. Auf seine ihm eigene, völlig individuelle Art und Weise.

Der vorbestrafte Ex-GI Jack Ryan (Ryan O’Neal) verliert wegen eines Gewaltausbruchs bei einem Baseballspiel seinen Job als Gurkenpflücker für den Unternehmer Ray Ritchie (James Daly), packt seine Sachen und zieht weiter. Aber er kommt nicht weit: Der Friedensrichter Sam Mirakian (Van Heflin) bietet ihm Job und Unterkunft in seinem Motel an und weil Jack zum einen eh nichts Besseres zu tun und zum anderen Interesse an Ritchies jugendlicher Gespielin Nancy (Leigh Taylor-Young) hat, schlägt er ein. Zwischen ihm und Nancy entflammt eine heiße Liebesaffäre, in der Jack mehr und mehr die Kontrolle verliert: Nancy ist eine Thrillseekerin wie sie im Buche steht und nicht bereit, ein „Nein“ als Antwort zu akzeptieren. Das Liebesabenteuer entwickelt sich für Jack zum Albtraum, als sie ihn dazu erpresst, bei einem Bruch mitzumachen …

Wer einmal etwas von Elmore Leonard gelesen hat, weiß, dass es eigentlich nicht mehr viel braucht, um seine Romane erfolgreich für die große Leinwand zu adaptieren: Wenn man nur möglichst viele seine fantastischen, immens pointierten und zitierwürdigen, aber auch authentischen Dialoge in das Script hinüberrettet und dann noch einen Cast zusammenstellt, er diese Dialoge angemessen intoniert, Leonards Charaktere glaubwürdig verkörpert, dann ist das schon die halbe Miete. THE BIG BOUNCE ist ein ideales Beispiel für diese These. Mit Alex March führte ein Mann Regie, der nun nicht gerade im Verdacht steht, ein besonders kreativer Kopf zu sein: Er arbeitete überwiegend fürs Fernsehen, steuerte im Zeitraum von 1960 bis in die frühen Achtzigerjahre Episoden zu Dutzenden berühmter Fernsehserien bei. Seinem THE BIG BOUNCE merkt man diese Herkunft durchaus an: Mit seinem plüschig-schwofigen Score zwischen Big-Band-Swing und kalifornischem Pop à la Beach Boys, seiner behäbigen Inszenierung und der Dialoglastigkeit mutet Marchs Film manchmal wie eine zu lang geratene Episode einer Siebzigerjahre-Krimiserie an. Dass THE BIG BOUNCE Gewaltausbrüche fast gänzlich vermeidet, insgesamt eher brav und liebenswert anmutet, kommt noch hinzu. Aber das fällt nicht negativ ins Gewicht, weil die Charaktere nur den Mund aufmachen und Leonards Dialogzeilen herauspurzeln lassen müssen, um einem wieder klarzumachen, dass man hier großem Kino beiwohnt.

Es leuchtet vielleicht nicht unmittelbar ein, aber vor allem Ryan O’Neal ist ein Glückstreffer als Jack Ryan. Er ist nicht unbedingt der Typ, den man vor Augen hat, wenn man an einen Leonard-Protagonisten denkt – er ist zu hübsch, zu blond, er scheint zu soft –, aber er ist dennoch besser als etwa Burt Reynolds in der Leonard-Verfilmung STICK. Leonards Helden sind zwar cool und selbstbewusst, aber sie sind niemals arrogant. Sie wissen ganz genau, wo ihre Schwächen sind und selbstverliebtes Getue ist ihnen fremd. Eigentlich wollen sie bloß ihre Ruhe haben, sie ziehen das Pech aufgrund ihrer Vergangenheit aber stets magisch an. Während Reynolds nie verhehlen kann, dass er sich selbst ziemlich geil findet, und immer den Eindruck erweckt, er sucht die Situationen, in denen er sich beweisen kann, bringt O’Neal dieses Maß an Demut mit, das Leonards Helden wirklich auszeichnet. Er ist durchaus in der Lage, jemanden auszuknocken, aber er muss das nicht ständig unter Beweis stellen. Gerade weil sie die Härten des Lebens kennen gelernt haben, wollen Leonards Helden nämlich etwas anderes. Und der Konflikt in seinen Büchern kommt oft gerade daher, dass sie von anderen gezwungen werden, das zu tun, was sie eigentlich hinter sich lassen wollten. So auch in THE BIG BOUNCE.

Ich michte diesen Film wirklich sehr gern, auch wenn er eigentlich keine große Sache ist. Es gibt keine superaufregenden Actioneinlagen, keine nervenzerreißenden Suspense-Szenen, die Story ist im Grunde ein alter Hut, es dauert sehr lange, bis der Crimeplot losgetreten wird und dann löst sich alles sehr schnell wieder in Wohlgefallen auf. Aber das ist egal, weil der Film dafür die kleinen Dinge richtig macht. Er fließt so angenehm vor sich hin, es macht einfach Spaß, ihm und seinen Charakteren zu folgen. Vielleicht gerade weil das alles so unaufgeregt und lapidar – und dabei eben auch ziemlich echt – daherkommt. Ich würde jetzt gern mit einem Zitat aus dem Film schließen, um meine Begeisterung für die tollen Dialoge irgendwie untermauern zu können, aber mir fällt keins mehr ein. Ich empfehle daher ausdrücklich, sich THE BIG BOUNCE anzuschauen. Ist nämlich einfach ein  verdammt schöner Film.