Mit ‘Sally Kellerman’ getaggte Beiträge

Thornton Melon (Rodney Dangerfield) ist ein erfolgreicher Unternehmer: Mit einer Kette von Bekleidungsgeschäften für Übergrößen namens „Tall & Fat“ ist er reich geworden, obwohl er eigentlich nie etwas gelernt hat. Gebracht hat es ihm eine schlampige Ehefrau (Adrienne Barbeau), die ihn hasst, sich kaum Mühe gibt, ihre Seitensprünge zu verbergen und ständig blasierte Leute zu protzigen Partys einlädt. Als sie ihm die Scheidung ankündigt, packt er seinen treuen Chauffeur Lou (Burt Young) und fährt kurzerhand zur Uni seines Sohnes Jason (Keith Gordon), der nicht gerade zu den Beliebtheitsanführern auf dem Campus zählt und gut etwas vom überbordenden Selbstbewusstsein des Papas gebrauchen könnte. Mit einer großzügigen Spende bei Dean Martin (Ned Beatty) gelingt es Thornton, sich selbst noch einmal einzuschreiben. Er verärgert den Lehrkörper, verliebt sich in die Literaturprofessorin Diane (Sally Kellerman) und mogelt sich dank nie versiegender Finanzen durch den Schulalltag. Dann kommt es zum Zerwürfnis mit dem Sohn …

BACK  TO SCHOOL ist zunächst einmal ein sehr typischer Vertreter der Collegekomödie, wie sie in den Achtzigerjahren populär war: Da geht es um amouröse Anbahnungen, ausufernde Partys, langweilige Unterrichtsstunden bei exzentrischen Lehrern, den Konflikt zwischen den Nerds und den Jocks und darum, wichtige Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Jason kämpft verzweifelt um die Aufnahme ins Turmspringerteam unter Trainer Turnbull (M. Emmet Walsh) sowie um das Herz der süßen, aber auch etwas langweiligen Valerie (Terry Farrell), auf die es auch sein ekliger Rivale Chas (William Zabka) abgesehen hat, und hängt mit dem ewigen Clown Derek (Robert Downey jr.) rum. Papa Thornton wirbelt alles ordentlich durcheinander und verpasst dem Sohnemann einen kräftigen Schub: Das Überraschende an BACK TO SCHOOL ist, dass sein zentrales Vater-Sohn-Gespann ein ganz gutes Team darstellt, es erst spät zum Konflikt zwischen den beiden kommt – der dann auch kaum länger als drei Szenen anhält. Der Vater kann noch so peinlich sein, Jason nimmt das mit einem Lachen und scheint sich tatsächlich darüber zu freuen, den alten Herren an seiner Seite zu wissen. Klar, der verwandelt die drei kargen dorm rooms in ein spitzenmäßig eingerichtetes bachelor pad, hat nur Unfug im Kopf und gibt den Lehrern, allen voran dem spießig-elitären Wirtschaftsprof Barbay (Paxton Whitehead), ordentlich Kontra. Der Umschwung kommt irgendwann, weil Jason es selbst schaffen will, anstatt ständig die Unterstützung seines Papas zu bekommen – der es aber natürlich nur gut meint. Am Ende löst sich alles in Wohlgefallen auf: Thornton büffelt wie ein Ochse, um den Abschluss zu schaffen (die „Trainingssequenz“ ist der Höhepunkt von BACK TO SCHOOL), der Sohnemann versöhnt sich mit ihm und als der alte Herr mit seinem Spezialsprung dann auch noch das Turmspringerteam zum unerwarteten Sieg führt, dürfen die Melons sogar ihre beiden jeweiligen love interests in die Arme schließen.

Rodney Dangerfield dürfte den meisten meiner Leser durch seine Rolle als neureicher Zampano Al Czervik in Harold Ramis Kultkomödie CADDYSHACK bekannt sein; in den USA machte er sich einen Namen als Stand-up-Comedian, dessen Catchphrase „I don’t get no respect!“ der Ausgangspunkt für zahllose Gags war, in denen er sich als vom Schicksal, den Eltern und allen anderen Mitmenschen geprügelter Hund stilisierte. Hintergrund waren wohl handfeste Depressionen und Selbstzweifel – seine Glubschaugen und die Tatsache, dass er seinen großen Durchbruch erst relativ spät erlebte, trugen vermutlich erheblich zur Etablierung dieser Persona bei. In BACK TO SCHOOL (und in CADDYSHACK) erahnt man diese Seite eher, als dass sie explizit zum Vorschein käme. Wie seine Charaktere mit dem Geld um sich werfen und immer darum bemüht sind, im Mittelpunkt des Geschehens zu stehen, auch wenn sie sich dabei zum kompletten Narren machen, deutet jene Unsicherheit und das Bedürfnis nach Bestätigung an, die jedoch nie auszureichen scheint, weil sie natürlich immer bloß „erkauft“ ist. In BACK TO SCHOOL sieht man den traurigen Clown im Gesicht des Spaßvogel, wenn man in seine Augen schaut. Metters Film ist dann auch nicht ganz das, was ich mir von ihm erhofft hatte: Die großen Brüller bleiben aus, dafür hat der Film andere Qualitäten. Er ist eine Spur wärmer als die oft sehr auf ihr jugendliches Publikum hin konzipierten Spaßvehikel, bei denen der Soundtrack und die geilen Klamotten oft wichtiger sind als alles andere, zwar ziemlich albern, aber dennoch darum bemüht, die absurde Prämisse mit einer gewissen Glaubwürdigkeit auszustatten. Doch, ich habe mich schon ganz gut amüsiert, auch wenn es für höhere Weihen nicht ganz reicht.

Brewster McCloud (Bud Cort) lebt in einem Bunker unter dem Houston Astrodome und baut dort an mechanischen Flügeln, mit denen er hofft, sich nach Fertigstellung wie ein Vogel in die Lüfte erheben zu können. Menschen, die ihm in die Quere kommen, enden nach der Begegnung mit einer rätselhaften Frau (Sally Kellerman) meistens tot und sind darüber hinaus auch noch mit Vogelscheiße verunziert. Um die Mordfälle aufzuklären, wird der Supercop Frank Shaft (Michael Murphy) nach Houston gerufen, doch erweist auch der sich als nur wenig erfolgreich …

In meinem Eintrag zu M*A*S*H hatte ich bereits geschrieben, dass Altmans Karriere in den Siebzigern dem oft beschworenen Wechselbad der Gefühle glich: Die Geschichte erzählt, dass Altman dem genannten Erfolgsfilm mit BREWSTER MCCLOUD eine Kuriosität folgen ließ, die seine ahnungslosen Zuschauer ebenso verprellt haben dürfte wie seine Geldgeber, die sich eine weitere Hitkomödie erhofft hatten und stattdessen eine voller Zitate steckende, an die Dekonstruktionen des absurden Theaters erinnernde ätzende Parabel erhielten, die heute gemeinhin als einer der schwächsten Altmans gilt und demzufolge gern verschwiegen wird. Ich hatte nach der Sichtung eine längere Diskussion mit eminer Gattin darüber, ob dieser Film nun tatsächlich so merkwürdig ist, wie es zunächst den Anschein hat, oder ob es nicht lediglich nur Nuancen sind, die ihn vom Vorgänger unterscheiden, aber eine unproportional gewaltige Auswirkung auf die Rezeption haben. Ich tendiere zwar zu letzterem, aber so richtig glücklich bin ich damit immer noch nicht.

Zunächst mal: M*A*S*H machte es dem Zuschauer trotz aller stilistischen Verzerrungen insofern leicht, als er sich ganz eindeutig dem Genre „Kriegsfilm“ zuordnen ließ. Zwar unterschied er sich von einem 1970 noch gängigen Vertreter dieses Genres gewaltig, doch teilte er mit diesem dennoch eine Bilderwelt, bestimmte Handlungselemente und Klischees, die eine Orientierung auch in seinen ungewöhnlicheren Passagen ermöglichte. In BREWSTER MCCLOUD gibt es diese Hilfestellung nicht: Klar, man erkennt Elemente aus dem Coming-of-Age-Film sowie dem Polizei- und Serienmörderfilm, doch die Art, wie diese unterschiedlichen Einflüsse zusammengeführt werden, gibt keinen Aufschluss darüber, was Altman in BREWSTER MCCLOUD eigentlich in erster Linie erzählen will. Im Zentrum steht, so sollte man annehmen, die Geschichte des Heranwachsenden Brewster, doch der bleibt den ganzen Film über ein Phantom, über dessen Innenleben man nur sehr wenig erfährt. Und das Gleiche gilt für alle anderen Figuren auch: Sie sind allesamt nicht mehr als Typen, die eine ganz bestimmte Funktion innerhalb des Films zu erfüllen haben und sich in dieser erschöpfen.

Einen Großteil des Films nimmt die Kriminalgeschichte ein, die von Altman jedoch niemals mit der Intention, Spannung zu erzeugen, inszeniert wird. Mit ihrem an Steve McQueens Bullitt angelehnten Frank Shaft, dessen Name – sowas wie ein running gag des Films – inflationär oft und stets mit lang gezogenem „ä“ gesprochen wird, bietet sie dem Regisseur Gelegenheit für seinen bissigen Humor, der sich wie schon in M*A*S*H gegen Bürokratie, Idiotie in Führungspositionen und den Zustand staatlicher Institutionen überhaupt richtet. Die Aufklärung der auch für den Zuschauer rätselhaften Morde kommt kein Stück voran, vielmehr ergehen sich alle Beteiligten in infantilem Kompetenzgerangel und idiotischen Ideen.

Eine Vogelmetaphorik zieht sich quer durch den Film, angefangen beim schrulligen Lecturer (Rene Auberjonois), der mit kurzen Szenen oder auch nur als Voice-over durch den Film führt, indem er Fakten aus der Welt der Ornithologie zum Besten gibt und sich im Verlauf des Films mehr und mehr selbst in einen Vogel verwandelt. Protagonisten fahren Autos mit Nummernschildern, die sich als Abkürzungen von Vogelnamen lesen lassen, Brewster, der fliegen will, erinnert mit seiner riesigen Brille an eine Eule und seine Beschützerin trägt Narben auf den Schulterblättern, die nahelegen, dass sie einst Flügel trug. Dass der heranwachsende Brewster dieser Welt – einer Welt, die um den gigantischen Astrodome herumkonstruiert scheint und sich so als Ansammlung von Augé’schen Nicht-Orten präsentiert – entfliehen will, dabei aber immer wieder von Rassisten, Kapitalisten und anderem Geschmeiß behindert wird, legt eine ziemlich eindeutige Auslegung dieser Vogelmetaphorik nahe, die jedoch die wortreiche Ernsthaftigkeit, mit der diese aufgebaut wird, kaum zu rechtfertigen vermag. Der Mensch ist ein Vogel, dem von den powers that be die Flügel gestutzt werden. Ist das alles? Vermutlich eher nicht, denn auch dieses Bild ist ja nur eines der zahlreichen Gestaltungsmerkmale, deren Anhäufung das Prinzip dieses Films zu sein scheint, mehr als eine klare Linie, eine Bedeutung, ein Konzept, eine Botschaft, ein Sinn.

Man merkt: Ich bin nicht wirklich schlau geworden aus BREWSTER MCCLOUD und hätte eigentich nicht wenig das Bedürfnis, ihn gleich nochmal zu schauen, um zu prüfen, ob sich das Durcheinander dann zu einem schlüssigeren Ganzen fügt. Bis dain bleibt der Eindruck eines Filmes, dessen Macher sich vielleicht etwas zu wenig darum geschert hat, was Menschen sehen wollen. Heute würde dieser Film nie im Leben in dieser Form ein Studio verlassen. Und vielleicht ist das die Erkenntnis, die man am ehesten mitnehmen kann. Altman hat BREWSTER MCCLOUD gedreht, weil er es konnte. Und keiner hat ihm die Flügel gestutzt.