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sam firstenberg: stories from the trenches

Veröffentlicht: April 10, 2017 in Zum Lesen
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Marco Siedelmann hat mit Editions Moustache nicht nur das „Sauft Benzin, ihr Himmelhunde„-Buch herausgegeben, sondern einige weitere zum Thema „Pornofilm“ und natürlich das Referenzwerk zur Filmschmiede von Shapiro-Glickenhaus. Nun versucht er, sein neuestes Werk über eine Kickstarter-Kampagne zu finanzieren: „Stories from the Trenches“ widmet sich Leben und Werk von Sam Firstenberg, der der Cannon mit Filmen wie REVENGE OF THE NINJA, NINJA III: THE DOMINATION, BREAKIN‘ 2: ELECTRIC BOOGALOO sowie AMERICAN NINJA, AMERICAN NINJA II: THE CONFRONTATION und AVENGING FORCE veritable Hits bescherte und die Fantasie pubertierender Videothekenkunden in den Achtziger- und frühen Neunzigerjahren beflügelte.

Auf der Kickstarter-Seite der Kampagne gibt es neben der genauen Beschreibung des Projektes auch ein exklusives Grußwort von Sam als Video. Macht mit und helft dabei, das Buch Realität werden zu lassen!

Joe Armstrong (Michael Dudikoff) ist ein Einzelgänger mit Stahl im Blick und rätselhafter Vergangenheit, das ist schon klar, als man ihn zum ersten Mal teilnahmslos an einem Army-Transporter lehnen sieht, während seine Kollegen sich benehmen wie auf dem Schulhof. Dieses Auftreten macht ihn sogleich verdächtig und bringt ihm den Neid der anderen ein. Als er eine Ninjaattacke auf einen Militärkonvoi allein zerschlägt, anstatt sich ruhig zu verhalten, und so den Tod einiger Soldaten mitzuverantworten hat, wird er nicht als Held gefeiert, sondern als Kollegenschwein tituliert. Was in der Realität eine durchaus angemessene Reaktion wäre, ist in Firstenbergs AMERICAN NINJA – dem erfolgreichsten Film des Ninjabooms und Auftakt zu einer insgesamt fünfteiligen Reihe – Ausdruck von Missgunst und Mittelmaß: Joe ist nämlich ein amerikanischer Ninja und er weiß genau, dass man mit Stillhalten gegen Ninjas nicht weit kommt. Für ihn wendet sich jedoch alles zum Guten, als er den Anführer der Front gegen ihn, den toughen Jackson (Steve James) im Zweikampf besiegt. Hatte der ihn kurz zuvor noch als Schlappschwanz, Verräter, Feigling und mithin Oberarsch ausgemacht, den es zu bestrafen gilt, ist er nach seiner Niederlage plötzlich ganz anderer Meinung: Wer ihm die Fresse poliert, der muss ja ein dufter Typ sein – andernfalls hätte man sich ja auch einen gefährlichen Feind gemacht. Was man als Indiz für den unfreiwilligen Humor eines Trashfilms abtun könnte, ist tatsächlich ziemlich gut beobachtet. Ja, so geht es ab in Männerbünden.

Die Ninjas sind die Privatarmee des verbrecherischen Millionärs Ortega, der mit Armstrongs Vorgesetzten einen Waffenhandel vereinbart hat. Angeführt vom „Black Star Ninja“ (Tadashi Yamashita), dem ranghöchsten Ninja Japans, sollen die Profikiller erst einen Überfall vortäuschen (eben jenen, den Joe zu Beginn verhindert hat), dann schließlich für die Erledigung des Störenfrieds sorgen. Das misslingt, weil Joe selbst ein Ninja ist, was in sich schon ein Sakrileg darstellt: Der Black Star Ninja weiß nämlich, dass nur Japaner die Kunst des Ninjitsu erlernen dürfen. So kommt es am Schluss zum unausweichlichen Kampf der guten Army-Soldaten gegen ihre schurkischen Vorgesetzten, Ortega und dessen Ninjaarmee sowie von Joe gegen den Black Star Ninja. Am Ende steht Joe auf dem Dach von Ortegas Riesenvilla, sein stahlblauer Blick in die ferne Zukunft gerichtet, wo weitere Aufgaben auf ihn warten.

Ich habe AMERICAN NINJA schon als Jugendlicher unzählige Male als Videoaufzeichnung von RTLplus gesehen, war begeistert von den Ninjas und ihren coolen Waffen und Dudikoff, der ein bisschen wie eine glattpolierte Actionfigur von James Dean wirkt. Vor ein paar Jahren, als ich den Film nach längerer Abstinenz mal wieder eingeworfen hatte, war viel vom Zauber verflogen, sah das alles doch recht preisgünstig und trashig aus. Diesen Eindruck muss ich jetzt erneut revidieren: Ich habe AMERICAN NINJA nämlich fast so genossen wie damals mit schätzungsweise 13 Jahren und kann ihm zubilligen, einer der schönsten Actionfilme der Achtzigerjahre zu sein. Zwar ohne große Durchschlagskraft oder Nachhaltigkeit, dafür aber mit viel Tempo gelingt es Sam Firstenberg – der auch schon die letzten beiden Teile von Cannons vorangegangener Ninja-Trilogie inszeniert hatte – hier, den Ninja als Figur für den amerikanischen Actionfilm nutzbar zu machen. Die in AMERICAN NINJA verwendete Blaupause wird in jedem der vier kommenden Sequels zum Einsatz kommen: ein amerikanischer Held mit Ninjatalenten auf der einen, eine im Dienste eines Schurken stehende Ninjaarmee mit einem hervorgehobenen Anführer auf der anderen. So umging Firstenberg das bis dahin bestehende Protagonistenproblem, machte dafür aber ein neues Fass auf: Dadurch, dass durch die Figurenkonstellation unzählige Ninjas ins Gras beißen musste, unterminierte er deren Ruf als Meister des Tötens. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich ein anderes Mal erzählen werde.

Christie (Lucinda Dickey), eine fesche Aerobiclehrerin und Elektrikerin, wohnt der Exekution eines Ninjas durch mehrere Polizisten bei, bei der der Geist des Toten von ihr Besitz ergreift und sie zum Instrument seiner Rache macht. Ihre Gedächtnislücken bringen sie gegenüber ihrem neuen Freund, dem Cop Billy (Jordan Bennett), in Erklärungsnotstand. Und dann ist da noch Yamada (Sho Kosugi), der mit dem toten Ninja eine Rechnung zu begleichen hat …

NINJA III: THE DOMINATION zeigt recht eindrucksvoll, auf welch holprige Pfade sich die Drehbuchautoren begaben, um das dem Ninjafilm inhärente Problem der Protagonistenrolle zu lösen. Für diesen dritten Teil von Cannons Ninjatrilogie (nach ENTER THE NINJA und REVENGE OF THE NINJA) bemühte man kurzerhand eine eigentlich eher dem Horrorfilm entstammende Besessenheitsgeschichte, um eine geeignete Identifikationsfigur aufbieten zu können: ein maskierter Killer – ein Japaner zumal – war dem westlichen Publikum wohl nur schwerlich als Protagonist zu vermitteln. Der Leser ahnt schon, dass NINJA III: THE DOMINATION weder Fisch noch Fleisch ist: Die Ninjaaction tritt über weite Strecken des Films in den Hintergrund, stattdessen gibt es Aerobic- und Tanzeinlagen sowie erst Beziehungs- und dann schließlich psychische Probleme mit der Hauptdarstellerin aus dem Cannon-Erfolgsfilm BREAKIN‘, die mit ihrer dunklen Lockenpracht als auch ihrem handfesten Malocherjob Assoziationen zu Jennifer Beals und FLASHDANCE wecken soll. So beschränken sich die nennenswerten Martial-Arts-Sequenzen dann auf die Exposition, in der der später als Geist herumspukende Ninja einen amerikanischen Golfplatz auf furiose Art und Weise aufmischt und das Finale, in dem der nun wieder in seinem eigenen Körper befindliche böse Ninja gegen Yamada antritt.

Über die Laufzeit von 85 Minuten ist das ein bisschen zu wenig, wenngleich NINJA III: THE DOMINATION dieses Manko durch seine Beknacktheit einigermaßen wettzumachen sucht. Das Ninja-Waffenarsenal wird um gemeine Injektionsnadeln erweitert, die der Killer zwischen den Fingern versteckt, und es gibt reichlich übersinnlichen Hokuspokus mit fliegenden Schwertern, sich in den Erdboden bohrenden Ninjas und ähnlich absurdem Kram. Übersinnlich ist übrigens auch die flächendeckend wuchernde Körperbehaarung des süßen Love-Interest-Polizisten, die einem schlagartig bewusst macht, wie sehr sich Schönheitsideale in den vergangenen 25 Jahren verändert haben. Und das nicht unbedingt zum Schlechteren. Lucinda Dickey indes wäre auch heute noch zum Anbeißen.

Bei einer Nahost-Friedenskonferenz in Moskau verübt eine Selbstmordattentäterin einen Anschlag auf den Friedenspreisträger. Sie tut dies im Auftrag von Kadal (Jonathan Cherchi), dem Anführer des islamistischen Staates Sudalia, der die Gelegenheit nutzt, um die westliche Welt per Fernsehbotschaft zu erpressen: In den USA soll eine Atombombe von einem seiner Männer gezündet werden. Die Delta Force soll Kadal unter der Führung von Charlie (Nick Cassavetes) aus seiner Festung entführen und ihm den Namen des Attentäters entlocken. Die Mission steht jedoch zunächst unter einem schlechten Stern, denn unverhofft wird den amerikanischen Soldaten eine russische Einheit zur Seite gestellt. Die ehemals verfeindeten Männer müssen sich zusammenraufen, um die Katastrophe zu verhindern …

Es ist irgendwie putzig: Als DELTA FORCE 3 1991 in den deutschen Videotheken landete, da habe ich mich ihm verweigert. Als Verehrer der ersten beiden Teile (das Poster zum Sequel zierte damals meine Zimmertür) konnte ich es nicht gutheißen, dass man eine Fortsetzung ohne den von mir so verehrten Chuck Norris gedreht hatte. Ein Sakrileg! Der Blick auf die wenig beeindruckenden 08/15-Fressen auf dem Cover festigte meine ohnehin bestehende Meinung nur noch. Ich habe Firstenbergs Film jetzt nach fast 20 Jahren der selbstauferlegten Askese gesehen und kann nur sagen: Ich tat damals wohl ganz gut daran, mich ihm zu verweigern. Damit will ich nun aber keineswegs andeuten, dass DELTA FORCE 3: THE KILLING GAME schlecht ist, sondern lediglich, dass er mir, dem von Eighties-Action geprägten Teenie, damals wahrscheinlich wirklich nicht gefallen hätte. Die Abwendung vom kernig-pflichtbewussten Supersoldaten Norris hin zu den unbekannt-durchschnittlichen Mimen, die den dritten Teil bevölkern, ist durchaus programmatisch und wird auch durch die Tatsache, dass es sich bei diesen um die Söhne weitaus berühmterer Schauspieler handelt (neben Cassavetes agieren Mike Norris, Matthew Penn und Eric Douglas), nicht abgefangen. Anstatt der ikonischen Inszenierung des ersten Teils, der trotz aller Anlehnung an reale Begebenheiten stets auch eifrig bemüht war, Norris als amerikanischen Mythos abzulichten (man denke nur an die Aufnahme, die ihn auf dem Motorrad sitzend als Silhouette vor der aufgehenden Sonne einfängt), gibt es hier sachlich-nüchternes Teamwork ohne herausstechende Helden. Die Mannschaft ist der Star. Zwar ähnelt Firstenbergs Film in Dramaturgie und Setting durchaus noch Golans DELTA FORCE – in seiner Erzählhaltung weckt er Erinnerungen an den dokumentarisch-unterkühlten Agenten- und Söldnerfilm der Siebzigerjahre -, doch verzichtet er auf jene markigen Übertreibungen, die Golan immer wieder einstreute: keine Ballereien mit Panzerfäusten, kein breit angelegter Endkampf gegen den Schurken, kein mit Raketenwerfern bestücktes Motorrad, keine mit dem Star-Spangled-Banner bedeckten Särge und tränenreichen Abschiedszeremonien. Hier wird der Krieg gearbeitet und nicht gelebt.

All diese Abweichungen und Modifizierungen haben natürlich eine Ursache: Der Konflikt zwischen den Amerikanern und Russen, der mit zunehmender Dauer erst dem gegenseitigen Respekt und dann der Freundschaft weicht, ist das deutlichste Zeichen für den geopolitischen Wandel, der sich in den Jahren zwischen Teil 1 und 3 vollzogen hat und sich entsprechend in einem anderen Ton von Firstenbergs Film niederschlägt. Zwar müssen sich – wie auch in Zitos RED SCORPION – vor allem die Russen ändern und bewähren, um als gleichwertige Menschen gelten zu dürfen, aber immerhin gesteht man ihnen diese Fähigkeit nun überhaupt zu. In der Partnerschaft zwischen Sam (Eric Douglas) und Pietre (Mark Ivanir) wird das ganz explizit gemacht: Als der Russe dem Amerikaner vor dem Einsatz gesteht, nach erfüllter Mission in den USA bleiben zu wollen, beziffert Sam die Wahrscheinlichkeit der Erfüllung dieses Wunsches mit 60 : 40, nur um dieses Verhältnis im Verlauf des Films immer weiter zu korrigieren. Freilich, man ahnt es schon, wird die 50 : 50-Marke erst erreicht, wenn Pietre sterbend darniederliegt, was Sam dann die Gelegenheit gibt, den genretypischen Amoklauf zu starten, der auch seinen Tod zur Folge hat. Die Annäherung der beiden Blöcke wird durch zwei Fakoren begünstigt: Zum einen durch die Anwesenheit der attraktiven Irenka (Hana Azoulay-Hasfari), die alle Zweifel mit ihrem Sex-Appeal wegwischt, zum anderen durch die Existenz eines neuen gemeinsamen Feindes, auf den man den Hass projezieren kann, den man vorher füreinander reserviert hatte. Die Moslems sind – natürlich – vollkommen undifferenziert gezeichnet, oszillieren zwischen den sympathischen Charaktereigenschaften „religiös verblendet“, „gewissenlos und machtgeil“ und „tierhaft brutal“. Selbst die Zivilbevölkerung kommt nicht gut weg: Als den verkleideten Soldaten ein Junge vor den Transporter läuft und erschrocken, aber ohne verletzt zu werden, zu Boden geht, bildet sich sogleich ein hysterisch kreischender, die Hände gen Himmel reckender Mob um den Wagen, der erst durch das Eingreifen des Militärs aufgelöst werden kann – wohlgemerkt nachdem Irenka die Waffen der Frau am Kommandanten entsprechend abgewetzt hat.

Man merkt DELTA FORCE 3: THE KILLING GAME an, dass er in einer Zwischenperiode entstanden ist: Die Sowjetunion war zwar nicht mehr der Feind, aber was wirklich folgen würde, welche Konsequenzen sich daraus ergeben würden, war noch ungewiss. Man konnte sich die Welt offensichtlich noch nicht ohne das Blockdenken vorstellen und so ersetzte man die Russen einfach durch einen neuen gemeinsamen Feind. Es müssen zwar keine Fahnen mehr geschwenkt werden, um das eigene Ego zu stärken, aber ansonsten wird sich nichts Wesentliches ändern. Vielleicht ist es dieser Glaube, der im Untertitel THE KILLING GAME steckt: Der Mensch ist des Menschen Wolf und die Regeln des Spiels sind nun einmal wie sie sind. Aber die Welt vor dem Bösen zu retten, ist keine heilige Aufgabe mehr, sondern nur noch ein Job.  Die karatekämpfenden Superhelden sind passé, die nächste Generation kann ins Feuer geschickt werden, eine, die zwar ihre eigenen Methoden hat, aber durch deren Adern eben noch das Blut der Väter fließt. So ist DELTA FORCE 3: THE KILLING GAME: Ein bisschen was Anderes, aber eben noch nichts ganz Neues. Nicht mehr ganz Achtzigerjahre, aber längst noch nicht Neunzigerjahre. Die Witze sollten erst noch folgen.

Die beiden Cops des DEA Jack (David Bradley) und Philip (Todd Jensen) – ersterer ein ewig verschwitzt glänzender Vollprolet, der mit Jeans, Cowboystiefel, Lederjacke und Muskelshirt auf die Welt gekommen zu sein scheint, letzterer der bepopperscheitelte Bruder Jacks, Typ: „Im Windschatten meines stärkeren Bruders kann ich mir alles erlauben.“ – werden aufgrund ihrer ruppigen Arbeitsweise die „Double-Trouble-Cops“ genannt. Vielleicht aber auch nur, weil sie beide zusammen mit ihren aus dem Spielzeugladen geklauten Schirmkäppis so aussehen, als könnten sie jede Schwulenbar zum Überkochen bringen. Jedenfalls erledigen beide gemeinsam in den ersten drei Minuten gleich mal einen Psychopathen, der sich jedoch als Sohn einer berühmten Publizistin entpuppt, was den beiden ungeliebten Cops die sofortige Suspendierung einbringt. Und einer blonden Journalistin, die mit ihrem gesamten Fernsehteam noch vor dem Rettungswagen am Tatort ist, eine fette Story. Wir werden ihr später wiederbegegnen: Das ist kein Versprechen, sondern eine Drohung.

Weil Jack aber einen schicken ledernen Bauchbeutel hat, den er nie ablegt, und Philip ein grienendes Balg, macht ihnen die Arbeitslosigkeit nichts weiter aus. Lieber erstmal Billard spielen gehen, wie Kerls das nunmal machen, wenn sich ein stressiger Tag dem Ende zuneigt. Um sich selbst geil zu finden, braucht man eben keinen Job. Zumal Zappel-Philip, ewig auf der Suche nach Action, gleich das nächste heiße Eisen im Feuer hat (niemand verlangt schließlich so sehr nach sofortiger Wiedereinstellung wie ein Cop, der wegen ständiger Disziplinlosigkeit gefeuert worden ist): Auf irgendeiner mittelamerikanischen Insel sitzt der Drogenzar Kessel (John Rhys-Davies), der förmlich danach schreit, von einer Eliteeinheit voller nach Gewalt lechzender Herrenmenschen den Arsch versohlt zu bekommen. Jack hat aber leider erstmal keine Lust mehr, Menschen umzubringen, und sagt Philip ab. Der ist allein natürlich nur die Hälfte wert und fällt dann vor Ort auch Kessels neuer Erfindung zum Opfer: einem Cyborg.

Weil Philip aber ein schlaues Kerlchen ist, hat er – wissend, dass er in einem Film wie CYBORG COP neben dem feschen David Bradley dazu verdammt ist, nur die zweite Geige zu spielen – seinem Bruder schon vorab eine Nachricht hinterlegt, in der er ihn zu Hilfe ruft. Mangelndes Selbstvertrauen ist Philip anscheinend weniger fremd als ein guter Friseur. Jack macht sich sogleich auf den Weg in die Bananenrepublik, wo er – ebenfalls ein Plotstandard – schon am Flughafen der zickigen Reporterin vom Beginn des Films wiederbegegnet und fortan mit ihr verbale Nettigkeiten austauscht, die an misslungene Kindergeburtstage erinnern. Der geübte Seher solcher C-Actioner weiß jedoch: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das blonde Dummchen der todsicheren Mischung aus öligen Muckis, nichtvorhandenem Charme und fehlender sozialer Kompetenz erliegt und sich zu luriger Saxophonmusik auf den Rücken dreht. Und weil CYBORG COP nicht gerade ein Film ist, der mit der Erwartungshaltung seiner Zuschauer zu spielen wüsste, passiert genau das. Endlich nackte Brüste, mag der Leser sagen, aber leider trübt die Anwesenheit Bradleys das potenzielle Vergnügen ganz erheblich. Nein, es macht definitiv keinen Spaß, ihm beim Liebesspiel zuzusehen, man fühlt sich schmutzig, benutzt und möchte ein Frauenhaus gründen. Der zickigen Reporterin gönnt man zwar so Einiges, aber das geht dann doch zu weit.

Weil Firstenbergs Film nur knappe 90 Minuten lang ist, aber schon 50 Minuten für Exposition und das merkwürdige Balzverhalten minderbemittelter Actionfilmprotagonisten draufgegangen sind, geht am Ende alles ganz schnell. Für den Showdown schnappt sich Jack eine dicke Wumme und Granaten, klemmt sich ein Motorrad zwischen die aufgepumpten Schenkel und fährt los, dem Kessel den Dampf abzulassen. Der wohnt in einem Camp das draußen wie Ewok-Village aussieht und drinnen so, wie Labors, in denen Actionschurken mit ihren weißbekittelten Wissenschaftlerschergen Cyborgs bauen, nun einmal aussehen. Überall kleben sinnlose Bildschirme an der Wand, irgendwo steht eine gläserne Litfasssäule mit Cyborg drin herum und selbstverständlich gibt es auch Stahltreppen und -balustraden, von denen Bösewichter herunterfallen können.

Philip, mittlerweile auch ein Cyborg, erkennt natürlich seinen Bruder Jack und weigert sich, den tödlichen Befehl auszuführen, wendet sich statddessen gegen seinen Schöpfer und stirbt im Kampf gegen den Obercyborgmops. Kurz zuvor hatte Jack dieses Wunderwerk überlegener Technik – Preis zzgl. Mehrwertsteuer: 10 Millionen Dollar – noch mit einem popeligen Kurzschluss zerstören können, was Kessels Wissenschaftlern eine stressige Nachtschicht eingebracht hatte. Gut Ding will Weile haben, einen Cyborg kloppt man aber schonmal schneller zusammen, wenn sich David Bradley zum Kuchenessen angekündigt hat. Es ist also nur konsequent, dass Jack dem Cyborg-Provisorium zur Strafe mit seinem Mokick den Kopf abfährt, in einem Finalkampf, der mit das traurigste ist, was ich je in einem Actionfilm zu sehen bekommen habe. Die letzte Einstellung zeigt, wie Jack mit seiner Reporterfreundin das Balg vom Philip abholt. Zur Feier des Tages hat sich Jack dafür extra aus seinen verschwitzten Rockerklamotten gepellt und ein todschickes weißes Sakko übergeworfen, in dessen Kragen ihn bestimmt noch das Preisschild kratzt. Aber das wirft einen Kerl wie Jack natürlich nicht aus der Bahn.

Der Ruhm, den Kelly (Lucinda Dickey), Ozone (Adolfo Quinones) und Turbo (Michael Chambers) mit ihrem Musical „Street Jazz“ am Ende von BREAKIN‘ geerntet haben, ist verflogen. Die beiden Breakdancer engagieren sich nun in dem Jugendheim „Miracles“ für jugendliche Unterprivilegierte, während Kelly auf Geheiß ihrer wohlhabenden Eltern versucht, eine seriöse Tanzkarriere einzuschlagen, auf die sie aber eigentlich keine rechte Lust hat. Als sie ihre Freunde im „Miracles“ besucht, beschließt sie, den beiden bei ihrer Arbeit zu helfen. Denn Probleme bahnen sich an: Die Stadt erklärt das Gebäude als unsicher und will es an einen herzlosen Baulöwen verkaufen, wenn es der Belegschaft nicht gelingt, das Geld für die notwendige Renovierung aufzubringen. Alle Kräfte werden gegen die herrschenden Vorurteile mobilisiert …

Nach dem Erfolg von BREAKIN‘ ließ das Sequel nicht lang auf sich warten. Golan und Globus wussten: Die Geldsegen versprechende Breakdance-Kuh wollte gemolken werden, solange sie noch Milch gab.  So erschien BREAKIN‘ 2: ELECTRIC BOOGALOO schon ein knappes halbes Jahr nach dem Vorgänger, konnte den Überraschungserfolg aber nicht annähernd wiederholen, spielte weltweit nicht einmal die Hälfte des Gewinnes des ersten Teils ein (der, das muss man sich heute erst einmal auf der Zunge zergehen lassen, sogar einen Klassiker wie THE TERMINATOR an der Kinokasse schlug und am Ende des Jahres 1984 Platz 18 in der US-amerikanischen Kinoauswertung belegte). Sucht man nach Gründen für das einbrechende Interesse, bieten sich gleich mehrere Erklärungen an. So neigte sich der Breakdance-Wahn Ende ’84 bereits seinem Ende zu, war der Mainstream-Konsument von dem nicht eben besonders variabel erscheinenden Tanzstil, der noch kurz zuvor der heißeste Scheiß gewesen war, schon wieder gelangweilt. Und wer weiß schon, ob die Menschen, die für BREAKIN‘ eine Karte gelöst und den Film zum Erfolg gemacht hatten, überhaupt so begeistert waren, dass sie auch das Sequel unbedingt mit ihrem Besuch beehren mussten? Angesichts des doch eher hausbackenen Films durften an dieser Annahme berechtigte Zweifel bestehen.

Aber auch filmimmanent lassen sich durchaus Anhaltspunkte für das Scheitern von BREAKIN‘ 2 finden: War schon BREAKIN‘ mit seiner reichen weißen Heldin, der braven Handlung, der kommerziell-domestizierten Ausrichtung und seiner deutlich an die Schwulenbewegung appellierenden Obertöne nicht gerade der ideale Repräsentant für eine von der Straße kommende Macho-Kultur, so löst sich BREAKIN‘ 2: ELECTRIC BOOGALOO nun fast vollkommen von seinen Wurzeln. Wo im Vorgänger kleine Tanzeinlagen dominierten, die Handlung in diesen ihre zentralen Wendepunkte hatte und somit der Tanz selbst thematisiert wurde, trägt das Sequel deutlich musicaleskere Züge: Hier wird Handlung getanzt und zwar in großen, ausufernden Massenszenen und schrillbunten Kostümen. Scheinbar vertraute man im Hause Cannon (zu Recht) nicht mehr allein auf die Zugkraft des Modetrends, dem BREAKIN‘ 2 gewidmet war. Es musste alles größer, greller und noch massentauglicher sein. So wird Kelly und Ozone noch eine Liebesgeschichte angedichtet, die jedoch nie wirklich Erfüllung findet. Man hat den Eindruck, die Filmemacher hätten selbst nicht recht an die Möglichkeit dieser (Rassengrenzen überschreitenden) Liebe geglaubt, so wenig überzeugend ist sie im fertigen Film realisiert. Ähnlich verhält es sich mit den Konflikten zwischen Kelly und ihren Eltern, Ozone und Kellys Vater, dem Aufeinanderprall von Arm und Reich generell: Vieles wird angedeutet und aufgebaut, aber nur wenig ein- oder befriedigend aufgelöst. Die meiste Energie ist unübersehbar in die Choreografien geflossen, die dann auch recht ansehnlich geworden sind und aufgrund ihrer gleichmäßigen Verteilung über den Film für Kurzweil sorgen. Für die beste Szene des Films, in der Turbo in seinem Zimmer die Wände rauf und runter und an der Decke entlangtanzt, hatte man sich das drehbare Zimmer vom Set von A NIGHTMARE ON ELM STREET ausgeliehen und somit ein spektakuläres Gimmick zu bieten. Aber es ist eben auch dieses Eventhafte des Films, das ihm letztlich jegliche Credibility raubt, die sein Vorläufer zumindest teilweise hatte.

Regisseur Sam Firstenberg, der im Anschluss an BREAKIN‘ 2 eine beispiellose Karriere als Action-Trash-Lieferant startete, die bis in die Neunzigerjahre reichte (u. a. zeichnete er verantwortlich für AMERICAN NINJA 1 & 2, AVENGING FORCE, DELTA FORCE 3: THE KILLING GAME, AMERICAN SAMURAI und CYBORG COP 1 & 2), kann man indes keinen Vorwurf machen. Er liefert ansprechende Arbeit ab und ist letztlich Opfer äußerer Umstände. BREAKIN‘ 2: ELECTRIC BOOGALOO ist somit auch ein recht deutliches Beispiel dafür, was mit Underground-Trends passiert, wenn sie vom Mainstream absorbiert werden: Sie sterben. Daran kann auch ein erneuter Auftritt von Ice-T als Rapper im Manowar-Outfit nichts ändern.