Mit ‘Sergio Corbucci’ getaggte Beiträge

Der Navajo-Indianer Joe (Burt Reynolds) kann das Massaker an seinem Stamm, das die Gang um den schurkischen Marvin Duncan (Aldo Sanbrell) anrichtet, nicht verhindern. Aber er begibt sich auf einen Rachefeldzug, der ihn in die Stadt Esperanza führt: Hier wollen die Schurken einen Safe knacken …

Nach dem Erfolg von Corbuccis DJANGO war der Italowestern der heißeste Scheiß und der Regisseur, der zuvor schon einige Erfahrungen gesammelt hatte, ein gefragter Mann. Es folgten noch im selben Jahr JOHNNY ORO und eben NAVAJO JOE, besetzt mit dem 30-jährigen US-Amerikaner Burt Reynolds, der zuvor vor allem in Fernsehserien in Erscheinung getreten war. Der mit DJANGO etablierten Linie bleibt Corbucci weitestgehend treu, auch wenn NAVAJO JOE rein bildlich näher an die Vorbilder aus Übersee rückt: Die Sonne brennt heiß auf die andalusische Sierra Nevada herab und ihre Berge stechen so majestätisch in den Himmel wie die bizarren Felsformationen von Monument Valley in den Filmen John Fords. Naja, fast. Reynolds gibt den wortkargen Rächer, unter dessen Mittelscheitel sich ein guter, im tiefsten Inneren verwundeter Kerl verbirgt mit ähnlicher Unbarmherzigkeit wie Franco Nero zuvor, aber sein Charakter ist insgesamt einfach uninteressant: Wo in DJANGO ein bizarres Detail wie der Sarg auf die unvorstellbaren Traumata hinwies, ihre ganze Tragweite aber doch nur erahnen ließ, gibt sich NAVAJO JOE nicht lang mit psychologischem Firlefanz ab.

Corbucci drehte einen formal sauberen Reißer, der schnell zur Sache kommt, aber sich mit Spannungsaufbau nicht lang herumschlägt. Klar, zwischendurch gibt es mal einen Rückschlag für den braven Rächer, aber das ist ja auch nur der Konvention geschuldet und ändert nichts daran, dass man hier von Minute eins an weiß, wie der Hase läuft. Hervorstechend sind der Score von Ennio Morricone mit seinen „Navajo Joe, Navajo Joe“ skandierenden Sirenen und die Gewaltspitzen, derer die deutsche Fassung vorsichtshalber entledigt wurde. Fazit: Nett, aber nur wenig nachhaltig. Die Sichtung hat mir jedenfalls wieder einmal gezeigt, dass ich das Prinzip des Italowestern mehr schätze als seine konkreten Vertreter. Da stehen einige rare Highlights ganz viel Mittelmaß gegenüber.

Bei einem Einsatz in den Everglades gerät der Polizist Dave Speed (Terence Hill) in ein Experiment der NASA, bei dem eine mit Plutonium bestückte Rakete explodiert. Wie durch ein Wunder überlebt Speed, doch beobachtet er danach einige merkwürdige Fähigkeiten an sich: Er kann in die Zukunft sehen, ist nahezu unverwundbar und außerdem telekinetisch begabt. Sieht er jedoch die Farbe Rot, geht es ihm wie Superman beim Kontakt mit Kryptonit und er verliert seine Kräfte vorübergehend. Im Kampf gegen das Verbrechen hat er zwar einen entscheidenden Vorteil, doch dies schützt ihn nicht davor, wegen Mordes an seinem Partner unschuldig zum Tode verurteilt zu werden …

Was ich im Beitrag zu OCCHIO ALLA PENNA zur Dynamik zwischen Hill & Spencer schrieb, lässt sich mithilfe des ersten Solofilms von Hill innerhalb meiner kleinen Werkschau belegen. Ohne den lakonischen Spencer, an dem jede Demütigung längst aus Gewohnheit abprallt, wirkt Hill in POLIZIOTTO SUPERPIÚ wie ein Geck, ein unreifer Naivling, der dummerweise in einem Erwachsenenkörper steckt. Der relativ ambitionierte Erzählverlauf, der mit dem in der Todeszelle Bohnen mampfenden und auf seine nach zwei erfolglosen Versuchen dritte Hinrichtung wartenden Speed beginnt und dessen Geschichte dann in einer Rückblende entfaltet, konfligiert schon mit Hills Persona: Er ist den Dingen viel zu sehr enthoben, als dass ihn der Verlust des Lebens besonders kratzen würde. Die Dramatik, die Corbucci etablieren möchte, prallt an diesem Hauptdarsteller einfach ab. POLIZIOTTO SUPERPIÚ ist dann auch ein eher müdes Filmchen voller schlecht gealterter Gags und schon damals nicht mehr auf dem Stand der Technik befindlicher Spezialeffekte, das durch seine episodische Struktur und die bis zum Schluss kaum über einen Subplot hinauskommende Krimihandlung zusätzlich gehemmt wird. Klar, über so viel Naivität kann man staunen und sich in der richtigen Stimmung vielleicht sogar freuen, zumal Borgnine mit seinem herzerweichenden Lächeln, das einen im Handumdrehen wieder an das Gute im Menschen glauben macht (oder aber den Realisten an seinem Geisteszustand zweifeln), die ideale Besetzung für den lieben Dunlop ist – und wahrscheinlich auch der größte Fan von Corbuccis Film. Wenn ich mir vorstelle, wie Borgnine POLIZIOTTO SUPERPIÚ im Kino sieht oder in einem Interview auf ihn angesprochen wird, hat er jedenfalls exakt dieses enthemmte Grinsen drauf …

Alan (Terence Hill) hat seinem Onkel eine Schatzkarte abgeluchst und der Mafia einen Batzen Bargeld. Auf der Flucht vor den Gansgtern versteckt er sich auf dem Boot von Charlie O’Brien (Bud Spencer), der für den Marmeladenhersteller „Puffin“ werbewirksam zu einer Segeltörn aufbrechen soll. Charlie entdeckt den blinden Passagier, es kommt zum Streit und die beiden landen als Schiffbrüchige auf einer vermeintlich einsamen Insel …

Nach dem Zwischenhoch mit IO STO CON GLI IPPOPOTAMI leitet Sergio Corbucci mit CHI TROVA UN AMICO, TROVA UND TRESORO den endgültigen Abstieg des Duos ein, der nur von dem späten selbstreflexiven Gagfeuerwerk NON C’É DUE SENZA QUATTRO noch einmal kurzzeitig abgebremst wurde. ZWEI ASSE TRUMPFEN AUF, wie CHI TROVA in den deutschen Kinos hieß, bedeutet eine Rückkehr zu den oberflächlichen Albernheiten von I DUE SUPERPIEDI QUASI PIATTI und PARI E DISPARI, die er aber noch einmal übertrifft: Das Setting einer paradiesischen Insel, auf der nicht nur ein Stamm von Klischee-Buschnegern, sondern auch ein japanischer Soldat, der noch vom Zweiten Weltkrieg übrig geblieben ist (John Fujioka), leben, entspringt nun ganz und gar einer kindlichen bzw. kindischen Fantasie, ein paar „Piraten“ in SM-Lederkluft stellen wohl so etwas wie den Versuch dar, MAD MAX zu parodieren, und gegenüber all diesem Irrwitz, der von der Dada-Synchro noch unterstrichen wird, muss man Spencer & Hill fast schon als „normal“ bezeichnen. Vielleicht liegt das auch daran, dass die Luft mittlerweile merklich raus war: Die beiden Stars wirken müde, agieren nur noch auf Autopilot und für die Lacher sind die anderen zuständig. CHI TROVA UN AMICO, TROVA UN TRESORO ist eigentlich nur noch aus historischer Perspektive sehenswert: Der Humor, der hier gepflegt wird, ist heute kaum noch vorstellbar, und basiert vor allem auf der Überzeugung, es sei wahnsinnig witzig, wenn Menschen nicht richtig Deutsch sprechen können. So radebrechen die Buschneger mit ihren Baströckchen und der durchgeknallte Japaner vor sich hin, dass es nur so eine Art hat, und sich die One-Liner von Spencer & Hill dagegen wie Poesie ausnehmen. Das ist, ein gewisses Maß an Toleranz und Nachsicht vorausgesetzt, schon recht interessant und amüsant anzuschauen, aber von einem guten Film ist CHI TROVA UN AMICO, TROVA UN TRESORO trotzdem so weit entfernt, wie seine Protagnisten am Ende mal wieder vom ersehnten Reichtum.

Der Navy-Agent Johnny Firpo (Terence Hill) erhält den Auftrag, den Falschspielerring von Parapoulis (Luciano Catenacci) zu zerschlagen. Dazu soll er seinen Stiefbruder, den ehemaligen Falschspieler Charlie (Bud Spencer) aufsuchen und sein Vertrauen gewinnen. Doch der mittlerweile als Lastwagenfahrer arbeitende Charlie hat gar keine Lust, sich in krumme Angelegenheiten einzumischen …

Vom Italowestern-Mitbegründer Sergio Corbucci inszeniert, besitzt PARI E DISPARI – deutscher Titel: ZWEI SIND NICHT ZU BREMSEN – nichts von der Homogenität, die seine Klassiker DJANGO oder IL GRANDE SILENZIO auszeichnete. Wie schon der Spencer&Hill-Vorgängerfilm I DUE SUPERPIEDI QUASI PIATTI stellt auch er kaum mehr dar als eine lose zusammenhängende Abfolge der mittlerweile zu Genüge erprobten Standards: Hill treibt Spencer bis zur Weißglut und leitet dessen Ausbrüche dann auf das eigentliche Ziel um, woraufhin es die bekannten ausgedehnten Keilereien gibt. Auch sonst zeichnet sich PARI E DISPARI durch den großzügigen Einsatz von Streckmittel aus und so kommt man als Zuschauer nicht nur in den Genuss der Spencer&Hill’schen Flausen, sondern auch eines Auto- und eines Pferderennens sowie eines Pelota-Matches. Die Handlung hüpft munter hin und her, überraschende Informationen über die Charaktere werden ebenso plötzlich enthüllt wie sie sich dann als gänzlich konsequenzlos für den Fortgang der Geschichte entpuppen. Dass Charlie und Johnny Brüder sind, hat allenfalls symbolischen Wert und fügt der dürren Handlung nichts hinzu, außer ein Kopfschütteln des verwirrten Zuschauers.

Die deutsche Synchro – diesmal nicht von Brandt gefertigt – wendet diese Schwächen aber zu ihren Gunsten und bemüht sich gar nicht erst lang, das erzählerische Tohuwabohu irgendwie in geordnete Bahnen zu lenken, sondern lässt sich von ihm infizieren und fortreißen. Hill verwandelt sich so in einen vollkommen überdrehten Soziopathen, der sich in JEDER Szene wie ein kompletter Außeriridischer aufführt. Er ignoriert in der Kommunikation jede Etikette und Konvention, ist offen beleidigend oder herablassend zu seinen Mitmenschen, seine Unverschämtheiten aber hinter einem bübchenhaften Grinsen versteckend. So bekommt man unweigerlich Mitleid mit Spencer, der seine zunächst noch vorhandene Souveränität bald völlig verliert und unter den Attentaten – so muss man das nennen – seines Bruders in Verzweiflung gerät. PARI E DISPARI erscheint so manchmal fast wie eine Art „What, if …“-Szenario: Was wäre, wenn dem freundlichen Schelm Hill einmal sämtliche Sicherungen rausflögen? Die zerstörerische Kraft, die ich jetzt in mehreren Beiträgen als wichtigste Eigenschaft des Duos bezeichnet hatte, wird in PARI E DISPARI nicht länger gebündelt, wie das Marcell Fondato noch mit … ALTRIMENTI CI ARRABIAMO! so gut gelungen war, vielmehr führt sie Corbuccis Film selbst mehrfach an den Rand der Implosion. Eine logische Fortführung dieses Irrsinns wäre kaum noch möglich gewesen, hätte geradewegs in den Dadaismus oder in das absurde Theater geführt, deshalb legte man Spencer und Hill für den folgenden IO STO CON GLI IPPOPOTAMI wieder Sicherheitsgurte an und stellte sie in den Dienst der guten Sache, anstatt sie als Vorboten des Chaos auf die Menschheit loszulassen.

Corbucci kann auch anders

Veröffentlicht: Juni 4, 2008 in Zum Lesen
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Mit DJANGO hat Sergio Corbucci dem Italowestern – Leone zum Trotz – die eigentliche Geburtsstunde beschert, dieses Meisterwerk mit LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG noch übertroffen. Kein Wunder, dass der ein Jahr später entstandene FAHRT ZUR HÖLLE, IHR HALUNKEN demgegenüber  einen qualitativen Rückschritt bedeuten musste. Dennoch war mir Corbuccis Film anlässlich seiner ungekürzten deutschen DVD-Veröffentlichung einen Text wert. Lesen kann man ihn wie immer auf F.LM, und zwar hier.