Mit ‘Sex’ getaggte Beiträge

„The film is ranked Number 45 in GamesRadar’s 50 Best Sex Comedies, a list including ANNIE HALL and THE GRADUATE, and in 2013 Complex magazine rated it Number 42 in their 50 Best Raunchy Teen Comedies, above several better known major studio films,“ schreibt die allwissende Wikipedia und enttarnt damit die Einschätzung, ich bespräche hier nur niederen Schund, als böse Unterstellung. Nun ja. Fakt ist zugegebenermaßen auch, dass der hauptberuflich als Pornoregisseur tätige Chuck Vincent PREPPIES ursprünglich für den Playboy-Channel produzierte, der Film dann aber, als solche juvenilen Sexkomödien plötzlich das große Geld an den Kinokassen machten, einen ganz regulären Kinostart erhielt. Seine „wahre“ Bestimmung erkennt man noch daran, dass da zahlreiche Profis in den entsprechend freizügigen Nebenrollen zu sehen sind und sich PREPPIES nicht lang bitten lässt: Der Film ist noch keine fünf Minuten alt, da kommt der geneigte Betrachter in den Genuss einer S&M-Einlage mit diversen barbusigen Schönheiten in Ledergeschirr. Way to Start!

Um kurz den Titel zu erläutern: Als „preppies“ bezeichnet der US-Amerikaner konservative Schnösel aus wohlhabendem Hause, die mit Lacoste-Polohemd in Pastellfarben und um die Schultern geschlungenem Pullover den Country Club oder den Campus des Ivy League Colleges unsicher machen, wobei „unsicher machen“ dem züchtigen Tun des gemeinen Preppies noch deutlich zu viel Ehre macht. Der Preppy hat immer seine Zukunft im Blick, die sich nicht zuletzt auf das Vermögen der Eltern gründet, in deren Fußstapfen er treten und mit denen er es sich deshalb keinesfalls verscherzen will. Es handelt sich beim Begriff um eine Klassenzuschreibung, die sich so nur schwierig ins Deutsche übersetzen lässt: Weder „Popper“ noch „Schickimicki“ trifft es, wenngleich ich meine, in den ekligen BWL- und Jurastudenten, die man bei Wahlveranstaltungen der FDP zu sehen bekommt, deutsche Wesensverwandte des Preppies erkennen zu können. Für die abgebildete Gattung ist PREPPIES ungefähr das, was REVENGE OF THE NERDS für die Nerds war: Wer vorher nicht wusste, was der Begriff bezeichnet, der weiß es danach.

Der Film kreist um die drei Preppies Robert (Dennis Drake), Bayard (Steven Holt) und Marc (Peter Brady Reardon), für die aufgrund schulischer Versäumnisse das letzte Stündlein zu schlagen droht: Wenn sie durch die in wenigen Tagen anstehende Prüfung rasseln, werden sie von dem renommierten College geschmissen, auf dem ihre Väter einst ihre ersten Karriereschritte machten – und das Vermögen, das Robert erben soll, fällt dann seinem fiesen Cousin Blackwell (Leonard Haas) zu. Büffeln ist also angesagt, doch das will Blackwell natürlich verhindern: Er setzt die losen Mädels Roxanne (Nitchie Barrett), Jo (Cindy Manion), Tip (Katie Stelletello) und Suzy (Jo-Ann Marshall) auf die drei Preppies an, damit diese sie von ihren Büchern ablenken …

PREPPIES hat nur wenig echte elaborierte Gags, aber er kann sich ganz auf die wunderbaren Darbietungen seiner Darsteller und ihre grandiosen line readings sowie auf seine pointierten Dialoge und diverse schräge Ideen verlassen. Die drei Streber sind einfach zum Schießen in ihrem Dilemma, die ruhmreiche Anwaltskarriere auf der einen, Sex mit lüsternen Weibern auf der anderen Seite. Sie sind zu bedauern, denn gegen die Raffinesse und die körperlichen Reize der erfahrenen Aufreißerinnen haben sie eigentlich nicht den Hauch einer Chance – wenn da nicht Margot (Katt Shea) wäre, Roberts strenge und humorlose Preppy-Freundin. Gemeinsam mit der dümmlichen Trini (Lynda Wiesmeier), Marcs Perle, nimmt sie den Kampf gegen die losen Schlampen auf, was dann in einer wahnsinnige Sex-Lehrstunde für die völlig unerfahrene Trini kulminiert: In Trockenübungen, mit kreisendem Becken, rudernden Armen und lautem Stöhnen, erläutert Margot der Ahnungslosen, was diese während des Schäferstündchens zu tun hat. Katt Shea ist die eigentliche Entdeckung des Films, absolut perfekt als die hochgeschlossene, verbissene Margot, bei der schon die Wahl ihres Liebhabers eine bedeutende Karriereentscheidung ist. (Sehr vielsagend ist die „Sexszene“, die sie mit ihrem Lover hat und bei der sie ihn hinter der Scheibe einer Terrassentür platziert, durch die er sie dann „anfassen“ darf. Wahnsinn!) Shea sollte später selbst einige Filme inszenieren – STRIPPED TO KILL, STRIPPED TO KILL 2, STREETS und den relativ bekannten POSION IVY mit Drew Barrymore als junger femme fatale – und sogar eine Retrospektive am New Yorker MoMa erhalten, bevor sie sich aus dem Geschäft zurückzog. Toll ist auch Cindy Manion als augenrollende blonde Versuchung Jo: Als die Mädels mit ihren Opfern einen Joint auf dem Herrenklo durchziehen gerät sie angesichts des Pissegeruchs und der Vorstellung, dass sich Männer am Urinal auf die Finger pinkeln, in Wallung. Super ist aber auch die Szene, in der sich Roxanne unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Zugang zu Roberts Elternhaus verschafft – sie behauptet einfach, eine Freundin von „Archibald“ zu sein – und den fassungslosen Jungs dann einen Pornofilm um eine Gurkenfarm vorführt. Mein Favorit unter den Preppies ist Marc, der von Reardon als ständig unter sexuellem Druck stehender Jammerlappen interpretiert wird. Einmal verdingt er sich als Lustspender für seine Freunde: Während er in schwüler Rhetorik vom heißen Sexabenteuer spricht, den er uns seine Kumpels nicht hatten, sieht man, wie da langsam aber sicher drei Zelte unter den Bettdecken errichtet werden. Leider trat Reardon nie mehr in Erscheinung: PREPPIES ist sein einziger Film geblieben.

PREPPIES erschien in Deutschland unter dem Titel PREPPIES – DIE SCHRILLEN 3 VOM COLLEGE bei Toppic auf Video, dürfte hier aber kaum zur Kenntnis genommen worden sein. Ich hatte noch nie von ihm gehört, bevor ich im wunderbaren Schmöker „Teen Movie Hell“ von ihm las. Umso schöner, ihn jetzt unter einem Stein im Wald entdeckt zu haben. Der Film lässt vielleicht die attraktiven Settings, spektakulären Set-Pieces und den Hit-Soundtrack anderer, populärerer Teeniekomödien jener Zeit vermissen, aber er beweist Inspiration, Herz und hier und da gar unerwartete sophistication. Für seine Darsteller war er dennoch eine Sackgasse: Kaum einer von ihnen trat danach noch groß in Erscheinung. Mit Ausnahme der weiter oben erwähnten Profis, für die PREPPIES eine schöne Abwechslung gewesen sein dürfte.

Der coole Brad Lovett (Bryan Genesse, der ein paar Jahre später in dem schicken DTV-Actioner HUMAN TIMEBOMB mitspielen würde), der blonde Popper Steve Hardman (Lance van der Kolk), Nerd Hugh G. Rection (Alan Deveau) und Fettsack Marvin Eatmore (Jason Warren) drohen an der Beaver Academy durchzufallen und müssen demnach im Sommer in der Coxswell Academy, „a college for morons“, büffeln. Hier erregt die junge Französischlehrerin Mona Lott (Cynthia Belliveau) ihre Aufmerksamkeit: Das Ziel, sie ins Bett zu zerren, verfolgen die Jungs mit weitaus größerem Ernst, als ihre schulische Ausbildung.

Dass Zielinski die anarchisch-dadaistische Qualität des Vorgängers SCREWBALLS noch einmal erreichen würde, war nicht unbedingt zu erwarten, umso schöner die Erkenntnis, dass LOOSE SCREWS ihr verdammt nahe kommt. Der Film macht genauso viel Spaß wie sein großer Bruder – vorausgesetzt man ist dieser Art anspruchsloser, triebbefriedigender, direkt unter die Gürtellinie zielender Unterhaltung gegenüber aufgeschlossen und hat Freude an doofen Wortwitzen. Schon die oben aufgeführten Namen lassen erahnen, was den Betrachter hier erwartet: Neben diesen gibt es auch noch eine Nikki Nystroke, eine Hilda van Blow und einen chinesischen Masseur namens Hung Lo. Die sequeltypische Steigerung gegenüber dem zwei Jahre älteren Vorläufer besteht darin, dass es nun nicht mehr nur um die Befriedigung voyeuristischer Bedürfnisse geht, sondern um „echten“ Sex – und um dieses Ziel zu erreichen, werden wieder alle Register gezogen. Der Klassiker unter den Anmachstrategien – sich als Mädchen verkleiden und im mit David-Lee-Roth- und Boy-George-Postern tapezierten Schlafraum Einzug halten – darf in diesem Spektakel natürlich ebensowenig nicht fehlen wie der Besuch im lokalen Stripschuppen, in dem Wet-T-Shirt- und Whipped-Cream-Wettbewerbe abgehalten werden.

Super – und tatsächlich besser als im Vorgänger – ist der Gegenspieler der notgeilen Hauptdarstellerclique, der Schuldirektor Arsenault (Mike MacDonald), der nicht nur in Omnipotenzfantasien schwelgt, sondern auch selbst der jungen Lehrerin nachsteigt, während seine nymphomane Ehefrau sich zu Hause lüstern in den Laken wälzt. Ihm bricht am Schluss ein Video, dass die Jungs von ihm und Mona gedreht haben, das Genick. Ein bisschen fies ist es, dass sie die Karriere der Begehrten, die sich bis zum Schluss beharrlich weigert, sich ihren Verehrern zu öffnen, gleich mit ruinieren. Sie hat ihnen ja gar nichts getan, im Unterschied zu ihrer Vorgängerin Purity Busch aus SCREWALLS, die ja eine sadistische Freude daran entwickelte, die Jungs erst geil zu machen und dann auflaufen zu lassen. Aber diese selbstbezogene Aggression der Pubertät, die auf der Jagd nach Befriedigung auf nichts und niemanden Rücksicht nimmt, wird so natürlich recht adäquat abgebildet.

„SCREWBALLS is utter lunacy – or keeping with the nature of the movie, ,udder lunacy‘. Opening with an actual image of the word ,coming‘, accompanied by orgasmic female squeals, the camera pulls back to reveal a pair of teenage nubiles hanging a ,COMING SOON‘ banner outside a hot-dog stand as a giant inflatable wiener pokes them repeatedly to-and-fro in their crotches and butts. Each bump is punctuated, of course, by Three Stooges-style sound effects. From there, the wit just keeps, like the sign says, coming.“

Ich habe mir die Beschreibung Mike „McBeardo“ McPaddens Buch „Teen Movie Hell“ ausgeborgt, weil ich besagtes Eröffnungstableau selbst nicht besser hätte in Worte fassen können, es gleichzeitig aber so wunderbar dazu geeignet ist, einen Eindruck vom Wahnsinn dieses Films zu vermitteln. Die Protagonisten von SCREWBALLS sind fünf Jungs der Taft and Adams High School – deren Cheerleader passenderweise Trikots mit der Aufschrift „T&A“ tragen -, und ihre Wege kreuzen sich schicksalhaft, als sie gemeinsam nachsitzen müssen. Der smarte Rick (Peter Keleghan) hatte sich als Doktor getarnt in eine schulärztliche Brustuntersuchung geschlichen, der bebrillte Nerd Howie (Alan Deveau) war dabei erwischt worden, wie er seinen MItschülerinnen mithilfe einer Spiegelkonstruktion unter die Röcke schauen wollte, der dicke Melvin Jerkovski (Jason Warren) war seinem Namen im Kühlraum der Schulcafeteria gerecht geworden, das Landei Tim (Jim Coburn) aus Versehen in die Mädchenumkleide gestolpert und der Preppie Brent van Dusen III (Kent Deuters) hatte ein Mädchen im Französischunterricht dazu gebracht, ein Modell des Eiffelturms zu fellationieren – die superheiße Lehrerin war bei der wiederholten Aussprache des Wortes „la bouche“ so heiß geworden, dass sie das Klassenzimmer verlassen musste. Alles klar?

Die fünf Jungs teilen eine Obsession: Sie wünschen sich nichts sehnlicher als einen Blick auf die Brüste der Schulkönigin Purity Busch (Linda Speciale) werfen zu können. Die weiß aber ganz genau um die Wirkung, die sie auf die im Hormonwirbel taumelnden Jungmänner ausübt – und wie wichtig es für diese Zuneigung ist, ihre beiden sekundären Geschlechtsorgane wie ein gutes Geheimnis zu hüten. SCREWBALLS ist nicht mehr als eine Aneinanderreihung der verschiedenen Versuche der Jungs, sich ihren Traum zu erfüllen, immer wieder unterbrochen von orgiastischen Szenen mit den weniger verkniffenen Cheerleadern um die geile Bootsy Goodhead (Linda Shayne): Eine Autokino-Sichtung des Films „Wild Women of Wango“ (hinter dem Titel verbirgt sich nicht etwa WILD WOMEN OF WONGO, wie man vielleicht annehmen könnte, sondern das Pam-Grier-Vehikel THE ARENA) artet in eine Massenschlägerei aus, als Tim bemerkt, dass Brent es mit seiner Schwester treibt. Bei einer Runde Strip-Bowling bleibt Howie bestes Stück in einer Bowlingkugel stecken (fragt nicht …), schießt dann aber natürlich unter lüsterner Mithilfe der Cheerleader zum eruptiven Strike in die Pins. Der Schulball gerät zum Gelage, als die Jungs aus Versehen eine ganze Flasche Aphrodisiakum aus dem Sexshop in die Bowle kippen. Nur die heiligen Hügel von Purity bleiben verhüllt – bis zum großen Finale: Während die frisch gekürte Homecoming Queen die Nationalhymne singt, zeigt Howies neueste Erfindung ihre Wirkung und reißt der sonst so zugeknöpften Schönen die Kleider vom Leib. Während die Credits laufen, werden nun immer wieder die beiden überaus ansehnlichen Brüste eingeblendet, auf die man so lange warten musste. Ein wahrhaft sensationelles Ende.

SCREWBALLS hat alles, was das Genre der Teenie-Sexkomödie auszeichnet: Jede Menge selbstzweckhafte Zurschaustellung nackter Mädchenkörper, männliche Charaktere, die nur das eine im Kopf haben, laute Zoten, Kalauer, Wortwitze und Slapstickeinlagen, die mal mehr, mal weniger gut funktionieren, aber in einer solchen Vielzahl auf den Betrachter niedergehen, dass das irgendwann keine Rolle mehr spielt, und haufenweise abstruse Einfälle. Was den Film dabei besonders auszeichnet ist seine Direktheit – und die Gleichsetzung der Protagonisten mit der Zielgruppe, deren Motivation sie teilen: Sie wollen Titten sehen, nicht mehr, nicht weniger. Um es mit den Worten des Songs zu sagen, den die Cheerleader singen: „We must, We must, We must develop our bust. The bigger the better, the tighter the sweater, the boys depend on us.“

empfehlung vom drecksperten

Veröffentlicht: Juni 14, 2019 in Film
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Fernando di Leo hat viele hochklassige Filme gedreht: VACANZE PER UN MASSACRO gehört eher nicht dazu. Was natürlich nicht bedeutet, dass der hierzulande unter dem Titel  TOY erschienen Sleazehobel nicht Freude bereiten würde. Wer es derb und dreckig mag, wird hier amtlich bedient – und darf sich zudem darüber freuen, dass Joe Dallessandro den ganzen Film über mit demselben Unterhemd rumläuft. Andreas Bethmann hat dem Kammerspiel nun das HD-Treatment und den Titel MADNESS – ZUM TÖTEN GEZWUNGEN spendiert. Mit auf der Scheibe ist ein Audiokommentar, den ich mit Oberschmierlappen Pelle Felsch angesprochen habe. In einschlägigen Foren wurden wir bereits dafür kritisiert, uns in besagtem AK deutlich zur AfD geäußert zu haben. Diese Kritik ist berechtigt, denn eigentlich sollte man diese Fascho-Arschgeigen am besten ignorieren. Allen Gehirnamputierten da draußen rufen wir deshalb zu: Wir geloben Besserung! So und jetzt brav zur OFDb surfen und die Scheibe bestellen.

In einem Stripclub lernen sich die Tänzerin Nathalie (Coralie Revel) und die junge Kellnerin Sandrine (Sabrina Seyvecou) kennen. Sandrine ist beeindruckt vom Mut und der Sinnlichkeit, mit der sich Nathalie Nacht vor Nacht vor ihrem Publkum entblößt und zieht bei ihr ein, lernt in Folge von ihr, ihre sexuellen Fantasien auszuleben und dabei keine Rücksicht auf bürgerliche Moralvorstellungen zu nehmen. Doch beide sind mittellos und fassen daher einen Plan: Sie wollen ihre weiblichen Reize nutzen, um Karriere zu machen. In dem Unternehmen, in dem beide wenig später unterkommen, bietet sich die Chance dazu, denn Sandrines direkter Vorgesetzter, ein unglücklich verheirateter Mittfünfziger namens Delacroix (Roger Mirmont), ist der ideale Kandidat, erobert zu werden. Und von ihm aus ist es nur noch n Katzensprung zu Christophe (Fabrice Deville), dem gut aussehenden Juniorchef …

CHOSES SECRÈTES wurde 2002 von der Cahier du Cinema zum besten Film des Jahres 2002 erkoren (zusammen mit Abba Kiarostamis TEN), was ich jetzt erst einmal umkommentiert lasse. Brisseau (der später wegen sexueller Belästigung während des Castings zu CHOSES SECRÈTES verurteilt wurde) verbindet Elemente des Erotik-Thrillers mit einer gesellschaftskritischen Komponente und surrealen Einsprengseln, die den Vergleich zu Kubrick EYES WIDE SHUT nach sich zogen. Hinter der Story steckt die Empowerment-Fabel zweier Frauen, die sich die Rolle als willfähriger Sexgespielinnen, auf die Gesellschaft gutaussehende, junge Frauen reduziert, zunutze machen, um die Karriereleiter emporzuklettern – den Spieß gewissermaßen umzudrehen. Doch beide müssen feststellen, dass die Macht des Patriarchats stärker ist als sie, ihr subversiver Plan den männlichen Gatekeepers letztlich doch wieder in die Hände spielt. Am Ende steht Sandrine an der Spitze eines Imperiums, sie hat Wohlstand und Macht, ist aber einsam und unerfüllt, während Nathalie zwar „gescheitert“ ist, aber eine Familie und damit das persönliche Glück gefunden hat.

Brisseau versteht es zunächst sehr gut, die eher schlüprigen Elemente seines Films geschmackvoll und künstlerisch in Szene zu setzen. CHOSES SECRÈTES gleitet auch in seinen expliziteren Momenten nicht in den Schmier ab und sieht tatsächlich so luxuriös aus, wie das etliche der preiswerteren Nachzieher von Verhoevens BASIC INSTINCT anstrebten, aber dabei kläglich scheiterten. Das eiskalte Kalkül seiner beiden Protagonistinnen – unter anderem inszenieren sie einen Überfall auf Delacroix‘ Mutter, um sich sein Vertrauen zu erschleichen – ist vor dem Hintergrund ihrer Perspektivlosigkeit nachvollziehbar: Der Zuschauer verzeiht ihnen diese Entgleisungen, weil er ihnen den Erfolg gönnt. Aber natürlich ist schnell klar, dass sich die beiden auf einem Irrweg befinden, dass ihr vermeintliches Ziel eine Sackgasse ist und sie doch nur ihr eigenes Unglück befördern. Das ist nicht verkehrt, denn natürlch kann es kein richtiges Leben im Falschen geben und auch wenn die beiden meinen, „ihr Ding“ durchzuziehen, machen sie letztlich doch den Kotau vor dem (männlich-kapitalistischen) Status quo.

Aber genau bei diesem letzten Schritt verliert sich Brisseaus Film meiner Meinung nach. Er zeichnet den Kapitalisten Christophe als mephistophelischen Schurken, der eine inzestuöse Beziehung zu seiner engelsgleichen Schwester unterhält und in seinem mondänen Chateau Orgien zelebriert, gegen die der Reigen aus Kubricks bereits erwähntem EYES WIDE SHUT wie eine Karnevalsveranstaltung aussieht. CHOSES SECRÈTES gleitet im letzten Akt in fantastische Gefilde ab: Seine Bilder kapitalistischer Dekadenz sind gnadenlos übersteuert und abgeschmackt, die egomanischen Monologe seines Antagonisten Christophe erinnern an einen Bond-Schurken, der zu viel De Sade gelesen, aber nicht verstanden hat, die Bilder sind als Kapitalismus-Kritik hoffnungslos naiv. Das schmerzt umso mehr, als er mit diesem Ende auch die sehr nachvollziehbaren Sorgen und Bedürfnisse seiner Protagonistinnen verrät, die plötzlich nur noch austauschbares Inventar in einer abstrakten (und irgendwie ziemlich eitel wirkenden) Allegorie sind.

CHOSES SECRÈTES ist überaus streitbar (auch vor dem Hintergrund der Vorwürfe gegen den Regisseur) und als solcher erst einmal interessanter und sehenswerter als Dutzender anderer völlg egaler Filme, die Jahr für Jahr herauskommen, aber wie man zu dem Schluss kommen kann, ihn als besten Vertreter seines Jahrgangs zu bewerten, ist mir zunächst mal schleierhaft. Ich habe jetzt gerade nicht so den Überblick über das Filmjahr 2002 und will der Cahier du Cinema ihre Expertise auf keinen Fall streitig machen, aber vielleicht waren da auch einfach zu viele Männer zu beeindruckt von den zur Schau gestellten Reizen der Hauptdarstellerinnen.

 

Schon der Auftakt verheißt Großes: Ein nicht mehr ganz so junges Mädchen malt mit Kreide Hüpfkästchen auf die Straße und beginnt fröhlich bezopft ihr ausgelassenes Spiel. Des Weges kommt der Zwerg des Titels (Torben Bille), ein diabolisch grinsender Lilliputaner mit Gehstock. Er bleibt stehen, holt einen kitschigen weißen Spielzeughund hervor, den er durch Zug an der Leine laufen und bellen lassen kann. Das Mädchen ist vollkommen verzückt und er lockt sie mithilfe des Plüschgesellen in sein Haus, in dessen Keller ihr ein tragisches Dasein als Lustsklavin für zahlende Kunden bevorsteht.

Doch vorher lernen wir die Protagonisten des Films kennen: die schöne Mary (Anne Sparrow) und den arbeitslosen Schriftsteller Peter (Tony Eades), ein junges Ehepaar in wirtschaftlichen Nöten, das eine erschwngliche Bleibe sucht und schließlich an die Tür der Pension von Lila Lash (Clara Keller) klopft. Sie ist ein ehemaliges Showgirl, deren vielversprechende Karriere durch einen tragischen Unfall beendet wurde, und außerdem die Mutter des Zwerges, der auf den schönen Namen „Olaf“ hört. Während die Mama mit ihrer besten Freunden Gin litert und in Erinnerungen an bessere Zeiten schwelgt, sorgt Olaf dafür, dass der Nachschub an schönen Frauen, mit denen sie ihr Geld verdienen, nicht abreißt. Und natürlich steht Mary als nächstes auf seiner Liste …

DVAERGEN ist ein Schundfilm fürs Poesiealbum: Geradezu irrsinnig schmierig und billig, dabei aber voller wunderbarer Figuren und Einfälle, veredelt mit einer deutschen Synchro, die den Zwerg schadenfroh feixen und frohlocken, die alten Damen überschwänglich johlen und das brave Ehepärchen zärtliche Belanglosigkeiten austauschen lässt. Gedreht wurde das gute Stück zudem als Porno, lediglich für die deutsche Fassung entfernte man die einschlägigen Szenen dann wieder, wahrscheinlich weil man die ohne Frage großen kommerziellen Chancen des Films nicht schmälern wollte. Er funktioniert auch ohne solche Handfestigkeiten ausgezeichnet, wahrscheinlich auch, weil man sich kaum ausmalen mag, in welch schlammigen Untiefen ein Hardcore-DVAERGEN sonst abgleiten würde. Er mutet ja in seiner soften Fassung schon an, als sei er aus den Fantasien der Insassen einer geschlossenen Anstalt gebündelt worden: Die der oben geschilderten Szene folgende Creditsequenz ist megahysterisch mit ihren aufgezogen rasselnden Spielzeugtieren, einmal lässt sich die volltrunkene Lila zu einer Gesangsnummer hinreißen, die sie mit Plastikobstkorb auf dem Kopf absolviert. Olaf lässt seine Puppen grienend kopulieren, derweil triste Anzugtypen die verdreckten Sklavinnen im Keller bumsen und Mary ihrem Mann zum Abendessen Ölsardinen serviert. Was für ein Szenario!

DVAERGEN ist aber nicht nur ein wirklich unfassbarer Schnenkelklopfer, er funktioniert darüber hinaus als karikaturesk verzerrtes Spiegelbild ökonomischer Beziehungen. Es geht eigentlich ständig um Arbeits- und Ausbeutungsverhältnisse: Am stärksten natürlich bei den unglücksseligen Mädchen, die im Keller angekettet die Bedürfnisse gut situierter Herren befriedigen müssen und dafür mit Heroin sediert werden, aber auch in der Ehe von Mary und Peter. Die Mittellosigkeit hat sie in die billige Pension von Lila Lash getrieben, alle Versuche Peters, seine Drehbücher an den Mann zu bringen, sind fruchtlos und so heuert er schließlich beim städtischen Drogendealer an, der sich als Spielzeughändler tarnt. Mary ist indessen dazu verdammt, in ihrer tristen Einzimmerwohnung zu hocken und Hausfrau zu spielen. Lila Lashs Karriere endete, als eine Narbe ihr Gesicht entstellte: Nun bleibt ihr nur noch der Schnaps. Der einzige, dem es gut zu gehen scheint, ist Olaf: Er geht voll in seiner Aufgabe und seinen schmutzigen Fantasien auf. Beneidenswert.

DVAERGEN war ein einmaliges Erlebnis und ich bin überglücklich, ihn nicht schon zuvor in der Heimkinovariante gesehen zu haben. Die Sichtung mit einem Publikum, das sich der wunderbar überdrehten Gefühlswelt des Filmes nicht verschließen konnte, wertete ihn noch einmal gehörig auf, und war ein echtes Gemeinschaftsereignis. Was nicht heißt, dass DVAERGEN nicht auch vo der Konserve seine Reize entfalten dürfte: Man muss Regisseur Fuller neidlos zugestehen, aus seinen kargen Mitteln das Optimum rausgeholt zu haben. Allein die Tonspur, die im Kino in mitunter ohrenbetäubender Lautstärke ihre Wirkung nicht verfehlte, ist ein kleines Wunder, und DVAERGEN entwickelt hier und da tatsächlich so etwas wie zerrende Spannung. Das gilt nicht für allzu viele Zwergenfilme.

 

 

 

Ein Taxifahrer vergewaltigt seine weiblichen Fahrgäste und filmt sie dabei. Um seiner Lust nachzugehen, wird er immer einfallsreicher: So baut er eine Düse in sein Fahrzeug ein, aus der ein Betäubungsgas ausströmt, das seine Opfer lahmlegt, während er sich durch Tragen einer Gasmaske schützt. Eines seiner Opfer ist eine Ehefrau, die nach dem Erlebnis einen Rape-Fetisch entwickelt, der die Beziehung zu ihrem Mann gefährdet, und ihre Schwester auf dumme Gedanken bringt …

Satôs Frühwerk – laut IMDb-Filmografie sein dritter Spielfilm, wobei ich vorsichtig wäre, das für die ultimative Wahrheit zu halten – ist stakr sexlastig und handlungsarm. Wie in einem „typischen“ Porno werden hier mehrere Sex- und Vergealtigungsszenen aneinandergereiht und nur von kurzen Dialog- und Handlungspassagen unterbrochen. Dennoch erkennt man den Regisseur schnell wieder: HITOZUMA KOREKUTÂ – internationaler Verleihtitel ist WIFE COLLECTOR – ist dunkel, kalt, ungemütlich, hoffnungslos, apokalyptisch. Warum es um die Menschen so mies bestellt ist, wird dabei nie so ganz klar. Warum sind sie nicht in der Lage, liebevolle, erfüllende Beziehungen zueinander zu unterhalten. Männer sind entweder Waschlappen, reißende Bestien, heimtückische Manipulatoren oder auf dem Weg dahin, eines von beiden zu werden, Frauen frustriert, unbefriedigt und neurotisch.

Auch wenn Satô sich nicht wirklich für die Hintergründe dieser Dispositionen interessiert, dass das Leben in der Megacity Tokio von Gleichgültigkeit und Egoismus geprägt ist, kommt in seinen Bildern immer wieder zum Ausdruck: Da fallen Männer gleich in Scharen über hilflose Frauen her, wird die mit versteckter Kamera gefilmte Vergewaltigung am Rand einer stark befahrenen Schnellstraße maximal mit einem faulen Hupen quittiert. Am Schluss, wenn der vergewaltigende Taxifahrer sein totes Opfer durch die Fußgängerzone schleppt, muss man angesichts der ratlos um ihn herumtorkelnden Menschen fast an den Zombiefilm denken. Der Serienvergewaltiger kommt da im Vergleich gar nicht mehr so schlecht weg, er hat wenigstens irgendeine Leidenschaft. Am Ende fährt er in die Tiefe der nächtlichen Stadt, verschwindet in den Lichtern. Er wird weitermachen und niemand wird ihn aufhalten.