Mit ‘Sex’ getaggte Beiträge

Kurze Vorbemerkung: Ich überspringe in meiner chronologischen Franco-Werkschau an dieser Stelle sowohl JUNGFRAUEN-REPORT, Francos Beitrag zur deutschen Reportfilm-Welle, als auch ROBINSON UND SEINE WILDEN SKLAVINNEN, eine Softsexkomödie von 1971. Auf beide habe ich gerade keine Lust. (Über SIE TÖTETE IN EKSTASE, DER TEUFEL KAM AUS AKASAVA, DER TODESRÄCHER VON SOHO und DR. M SCHLÄGT ZU habe ich bereits geschrieben.)

Mit UNE VIERGES CHEZ LES MORTS VIVANTS bewegen wir uns wieder auf das Terrain der „privaten“ Franco-Filme, das wir zuletzt für LES CAUCHEMARS NAISSENT LA NUIT betreten hatten. Laut Throwers Buch „Murderous Passions“ drehte Franco den Film in 1971 in Portugal, wo er zur gleichen Zeit zusätzliches Material für den von Artur Brauner finanzierten JUNGFRAUEN-REPORT sammelte und es ist denkbar, dass Franco für diesen bereitgestellte Mittel für seinen erotischen Horrorfilm zweckentfremdete. (Die Zusammenarbeit mit Brauner endete nach Fertigstellung des Report-Films.) Als Produktionsfirma fungierte die liechtensteinische „Prodif Ets.“, die bereits hinter Francos LES CAUCHEMARS, EUGÉNIE sowie SEX CHARADE stand und möglicherweise aus Steuergründen von Franco „gegründet“ wurde. Im Drehbuch hieß der Film ursprünglich LA NUIT DE L’ETOILES FILANTES, doch er erschien nie unter diesem Titel, dafür aber u. a. 1973 als CHRISTINA, PRINCESSE DE L’EROTISME, erweitert um zusätzliches Material, das Darstellerin Alice Arno als Stand-in für die eigentliche Hauptdarstellerin Christina von Blanc aufbietet. Spätere französische Videofassungen wurden im Zuge der Zombiewelle um entsprechende Zombieszenen gestreckt, für die kein Geringerer als Jean Rollin verantwortlich zeichnete. Die von mir begutachtete Blu-ray-Fassung aus dem Hause Redemption beinhaltet sowohl das Rollin-Material als auch zwei Sexszenen, von denen die erste Semi-Hardcore ist (es gibt einen erigierten Penis zu sehen), deren Darsteller auffällig bemüht sind, ihr Gesicht nicht zu zeigen. Es handelt sich definitiv nicht um die Darsteller des Films, auch wenn sie diesen ähneln sollen. Ich vermute, dass UNE VIERGE ohne dieses Material noch deutlich runder liefe, aber es fügt dem wunderbaren Werk auch keinen echten Schaden zu.

Franco erzählt eine beinahe klassische Spukgeschichte: Die junge Christina (Christina von Blanc) reist aus London in das Schloss, in dem der Rest ihrer Familie residiert, um dort der Verlesung des Testament ihres Vaters (Paul Muller) beizuwohnen, den sie nie kennen gelernt hat – und der sich mutmaßlich selbst das Leben nahm. Auf der Fahrt zu dem Schloss behaupten mehrere Menschen, es sei völlig unbewohnt, und am Ziel angelangt zeigt ihr Onkel Howard (Howard Vernon) eiskalte Haut und keinerlei Mitgefühl mit seiner im Sterben liegenden Schwägerin Hermine, die ihr Leben just in dem Moment aushaucht, als Christina sie begrüßt. Die junge Frau wird im Folgenden von merkwürdigen Träumen und der Erscheinung ihres Vaters heimgesucht und schließlich von einer schwarzhaarigen Frau, der Königin der Nacht (Anne Libet) mit ins Schattenreich genommen, wohin ihr dann auch der Rest der Sippe folgt.

UNE VIERGE CHEZ LES MORTS VIVANTS ist ein poetischer, schwarzromantischer, mitunter ziemlich unheimlicher Bilderreigen, der von einer tiefen Traurigkeit durchzogen ist und, wie man das von Franco erwarten darf, manche Frage aufwirft. Auffälligstes Merkmal ist seine dichte, traumgleiche Atmosphäre, die Franco unter anderem mithilfe der wunderbaren Musik von Bruno Nicolai und seiner charakteristischen Weitwinkelfotografie sowie der Beugung von Logik und Kausalität erzeugt. Kaum dass die Protagonistin vom zurückgebliebenen Diener Basilio (Jess Franco) zum Schloss chauffiert wird, verlässt der Betrachter mit ihr zusammen die Realität und taucht ein in ein rätselhaftes, mal unheimliches, dann wieder verführerisches Zwischenreich, in dem Zeit und Raum eigenen Gesetzen unterworfen sind, Traum und Realität verschwimmen in einem diffusen Zwielicht. Wir verstehen schneller als die Protagonistin, was los ist: Ihre ganze Familie ist tot, Opfer eines rätselhaften Fluchs, gefangen im Limbo, und ihre Anwesenheit Teil des Plans, sie auf die andere Seite zu ziehen und den Fluch zu lösen. Die junge Frau wacht nachts auf, wandelt durch das Schloss und den angrenzenden Park und macht dort immer wieder merkwürdige Beobachtungen, für die sie keine Erklärung findet – und mit ihr auch der Zuschauer nicht: Warum trägt Christina etwa einen anderen Nachnamen als ihr Vater? Was hat die Familie für eine Schuld auf sich geladen, dass sie mit einem Fluch beladen wird?

Stephen Thrower schlägt vor, UNE VIERGE CHEZ LES MORTS VIVANTS als eine Art „Sequel“ von EUGÈNIE zu betrachten, mit Mullers Charakter als Bindeglied: Dann hätte er als praktizierender Sadist und Lustmörder vielleicht eine zweite Tochter aus einer anderen Beziehung gehabt und diese vor sich in Sicherheit gebracht. Wir lernten nun seine Familie kennen, zu der mit seinem Bruder Howard, der vampirhaften Carmenzé (Britt Nichols), der steinernen Abigail (Rose Palomar) und dem irren Basilio noch weitere zwielichtige, gewalttätige und dem Okkultismus zugeneigte Personen gehören, die sich auf dem Schloss mit unberechenbaren Mächten eingelassen haben. Aber wenn solche Fragen auch aufgeworfen werden und es spannend ist, über sie nachzudenken, spielen sie bei der ersten Betrachtung des Films eigentlich keine Rolle: Ich folgte ihm wie unter Hypnose, bereit, mich von ihm verzaubern zu lassen und ohne Interesse an den inneren Motivationen der Figuren oder dem Füllen von vermeintlichen Plotholes. UNE VIERGE CHEZ LES MORTES VIVANTS bietet nämlich mehr als genug Reize, um die Ratio weit hinter sich zu lassen, was manchen kalten Schauer begünstigt – vor allem, wenn man den Film wie ich nachts in einem Zustand fortschreitender Schläfrigkeit betrachtet. Exemplarisch sei hier die Begegnung Christinas mit ihrem Vater erwähnt: Ein einfacher, aber wirkungsvoller Trick lässt den Mann, der nach seinem Tod durch den Strick eben jenen um seinen Hals trägt, vor der Subjektiven seiner Tochter durch den Wald schweben. Später wird er dann, an seinem Schreibtisch sitzend, von der sich aus der Schwärze hinter seinem Stuhl schälenden Königin der Nacht ergriffen und langsam und lautlos in den Schatten und aus dem Blick der Tochter gezogen. Ein wunderbarer, magischer, märchenhafter Moment, visuell brillant umgesetzt.

Über dem allen liegt, ich erwähnte es schon, eine tiefe Traurigkeit, die sich aus der Einsamkeit seiner Protagonistin speist: Das Narrativ zeichnet sie als Verstoßene, als Person ohne jeden Vertrauten, aufgewachsen ohne jede elterliche Liebe und Zuneigung und sie eilt angesichts der Möglichkeit einer Vereinigung mit den Verwandten voller Erwartung und Hoffnung in die Fremde. Die Kälte, mit der man ihr begegnet, erkennt sie gar nicht, so entwöhnt ist sie von jedem menschlichen Kontakt, und ihr Wunsch, sich in diese unheimliche Gemeinschaft einzugliedern, ist geradezu herzzerreißend. Die Frage nach der möglichen Schuld an ihrer Einsamkeit tangiert Franco aber ebensowenig wie der Wunsch, sie zu befreien. Es gibt kein Gut und Böse, keine Bestrafung, keine Charakterentwcklung. Der Film verharrt in einem Gefühl der Melancholie, der Hoffnung auf Liebe. Doch diese Liebe muss unerwidert bleiben. Was Franco anbieten kann, ist nicht Er-, sondern Auflösung.

 

Ist VAMPYROS LESBOS möglicherweise Francos berühmtester Film? Es spricht einiges dafür, auch wenn man annehmen darf, dass längst nicht alle, die den Titel des Filmes kennen, diesen auch tatsächlich gesehen haben, oder gar wissen, wer als Regisseur dahintersteckt. Seine Popularität verdankt er in erster Linie dem Soundtrack von Hübler und Schwab, der im Zuge des Easy-Listening-Booms in den Neunzigerjahren wiederentdeckt und -aufgelegt wurde und so neue, wenn auch kurzlebige Aufmerksamkeit auf den Film mit dem einprägsam-markigen Titel zog. Francos bewusst ohne die damals gängigen Ingredenzien des Vampirfilms – Schlösser, Gruften, Spinnweben, finstere Mondnächte und graue Eminenzen – inszeniertes Werk traf rund 25 Jahre nach seiner Entstehung, in einer Zeit, als Seventies-Chic und Psychedelia ein kleines Revival erlebten und das „Trashfilm“-Phänomen in den deutschen Mainstream eindrang, erneut (oder vielleicht sogar zum ersten Mal?) den Nerv eines zwar überschaubaren, aber dann doch beachtlichen Publikums. Was dieses dachte, als es den Film dann bei einem Screening mit anschließender Seventies-Party zu Gesicht bekam, sei dahingestellt, dass der Stern so schnell wieder sank, wie das bei Moden nun einmal üblich ist, scheint vernachlässigbar: Die sehr speziellen Reize des Franco’schen Kinos fanden damals vielleicht zum ersten Mal als solche breitere Resonanz. Man verirrte sich nicht im Trenchoat in VAMPYROS LESBOS, weil man sich erhoffte, sich ein von der Palme wedeln zu können oder gar, weil man den nächsten Horrorknaller erwartete, sondern weil man sich von einem sinnlichen Erlebnis einlullen lassen und lässig abgrooven wollte.

Und genau so muss man den Film auch rezipieren, wenn man irgendetwas aus ihm mitnehmen möchte, denn Franco könnte kaum deutlicher zeigen, dass er am Abwickeln einer Plotline, an der Erzeugung von Spannung und Suspense, an Action und Effekten, an Psychologie oder auch nur an dramaturgischer Kohärenz nicht das geringste Interesse hat: Die Anleihen bei der Stoker’schen Vorlage – Charakternamen und Motivationen – dienen ihm lediglich als notdürftige Ankerpunkte. Einmal diagnostiziert der Arzt Dr. Seward (Dennis Price), dass Omar (Andrea Montchal), der Liebhaber der Protagonistin, eine große Menge Blut verloren habe, aber die dazugehörige Szene, in der ihm die Vampirgräfin Nadine Karody (Soledad Miranda) einen nächtlichen Besuch abstattet, fehlt (Szenenfotos belegen, dass sie gedreht und dann vermutlich verworfen wurde). Was an Plot übrig geblieben ist – die Reise der Immobilienmaklerin Linda (Ewa Strömberg) zu der geheimnisvollen Dame nach Istanbul, ihre Verführung durch dieselbe, der Verdacht des Einflusses von Vampirismus von Dr. Seward, der bereits ein anderes Opfer in seiner Klinik untersucht, schließlich das Eindringen in das Domizil der Vampirin und ihre Tötung – wird in wenigen Szenen abgewickelt, während das Hauptaugenmerk eindeutig auf der Erzeugung einer traumgleichen Atmosphäre liegt, die ganz auf der Suggestivkraft von Bildern gegenüber der Bedeutung von Worten beruht, rationale Kausalität zugunsten einer emotionalen, instinktiven verwirft. Dieser ästhetische Zugang macht Sinn, schließlich behandelt VAMPRYOS LESBOS – wenn man auf eine hermeneutische Deutung zurückfallen möchte – den Zusammenbruch eines gefestigten Wertesystems, die Durchdringung und Rekonfiguration einer Persönlichkeit mit den Mitteln der Magie und Verführung. Die heterosexuelle Linda, von der etwas langweiligen Strömberg perfekt verkörpert, sieht sich den Reizen der mysteriösen Nadine hoffnungslos erlegen und von ihr in den Bann geschlagen. (Einen interessanten und richtigen ideologiekritischen Ansatz zur Bewertung der Tradition des lesbischen Vampirfilms liefert Stephen Thrower in seinem Eintrag zum Film in seinem Franco-Buch „Murderous Passions“.) VAMPYROS LESBOS entfaltet sich in langen, betont handlungsarmen Tableaus, die nur dann und wann von Szenen unterbrochen werden, die den Film vorantreiben – ohne ihn jedoch wirklich in Bewegung zu versetzen und seinen entspannten Flow aufzubrechen.

„Flow“ ist aber eigentlich auch ein irreführender Begriff, denn er suggeriert eine aktive Bewegung auf ein Ziel hin. Doch dieses Ziel, das Ende von VAMPYROS LESBOS bzw. die Tatsache, dass der Film überhaupt eines hat, ist ja allenfalls einer materiellen und ökonomischen Notwendigkeiten geschuldet: Ein Film kann nicht ewig dauern, zumindest dann nicht, wenn ein kommerzielles Interesse mit ihm verbunden ist. Doch es ist diese Stasis, die Franco eigentlich anstrebt, das passive, richtungslose Treiben im Limbo, in dem man von Sinneseindrücken, Farben, Bildern und Musik umspült wird, und diese losgelöst von jeder assoziativ und hermeneutisch verbundenen Bedeutung aufnimmt. In den Bildern der Gräfin, die anscheinend tot in ihrem Swimming Pool treibt, einzelner Blutstropfen, die an einer Scheibe herabrollen, oder eines Drachens, der vom Wind erfasst durch die Luft gewirbelt wird, kommt VAMPYROS LESBOS ganz zu sich.

 

Hier fängt es an, so richtig interessant zu werden im Werk Francos: Nicht, dass er nicht schon zuvor enorm sehenswerte Filme hervorgebracht hätte, aber mit LES CAUCHEMARS NAISSENT LA NUIT war er zum ersten Mal von allen kommerziellen Verpflichtungen befreit und nur sich selbst verpflichtet. Es gab keine Produzenten, die ihm reinredeten, keine kommerziellen Erwartungen, die zu erfüllen waren, keine literarische Vorlage, an der er sich orientieren musste. Das Ergebnis ist ein Film, der alle die Elemente zeigt, für die der Spanier berüchtigt ist, wahlweise verehrt oder verlacht wird. LES CAUCHEMARS NAISSENT LA NUIT drehte Franco innerhalb einer Woche ab und er musste dabei keinerlei Rücksicht etwa auf die Zensur in seinem Heimatland nehmen. Das Werk war nicht für eine breite Kinoauswertung gedacht, sondern für die freigeistigen Sexkinos in Frankreich und Belgien, wo der Film dann auch als einziges aufgeführt wurde, mit drei- bzw vierjähriger Verspätung.

LES CAUCHEMARS NAISSENT LA NUIT erzählt eine aus alten Mysteryfilmen bekannte Geschichte, die im Rahmen des damals populär werdenden Giallos gerade eine kleine Renaissance erfuhr: Cynthia (Colette Giacobine) und Dr. Paul Vicas (Paul Muller) sind Juwelendiebe, die sich die emotional labile Striptease-Tänzerin Anna (Diana Lorys) ausgeguckt haben, um zwei ihrer Mittäter (darunter Soledad Miranda in einer Mnirolle) auszuschalten und ihr die Schuld in die Schuhe zu schieben. Cynthia gaukelt Anna eine Liebesbeziehung vor, doch in Wahrheit treibt sie ihr manipulatives Spiel mit ihr. Mit Erfolg, denn die ahnungslose junge Frau wird von Albträumen geplagt, die sie an ihrem Verstand zweifeln lassen.

Der Krimi- und Thrillerplot interessiert Franco herzlich wenig und es ist nicht auszuschließen, dass ein wenig aufmerksamer oder von der langsamen, traumgleichen Inszenierung des Spaniers eingelullter Betrachter gar nicht mitbekommt, welche Geschichte da im Hintergrund miterzählt wird. Ziemlich zu Beginn schildert Anna, wie sie Cynthia kennenlernte: Sie trat in einem schäbigen Stripclub in Zagreb auf, dessen Besitzer von ihr verlangte, ihre Stripnummern über den ganzen Abend auszudehnen, sie als nicht enden wollenden Tease anzulegen und ihre männlichen Zuschauer so dazu zu animieren, viel Geld für Getränke auszugeben. Einer der Zuschauer war Cynthia, doch anstatt von Annas Nummer in ihren Bann gezogen zu werden, übte sie mit ihrem Blick eine geradezu hypnotische Kraft auf die Striptänzerin aus. Die Anekdote – die Franco mittels einer Rückblende auf mehrere Minuten ausdehnt und dabei nachdrücklich zeigt, wie „einfallsreich“ und ermüdet die überforderte Anna auf der ranzigen Bühne agiert – fungiert als Schlüssel, um den Code von LES CAUCHEMARS NAISSENT LA NUIT zu knacken. Franco setzt ganz auf die Zerdehnung der Zeit, auf Ellipsen und Sprünge, die den brüchigen Verstand seiner Protagonistin widerspiegeln, und sein Film wirkt dabei wie eine radikalere, ungeschönte und improvisierte Version des kurz zuvor entstandenen VENUS IN FURS.

Hier geht Franco sogar noch einen Schritt weiter, denn der Wahnsinn Annas zeigt sich auch in dem wahrhaft irrwitzigen Nebeneinander von betörend schönen, wenngleich extrem rohen Einstellungen und Bildkompositionen und amateurhaften, technisch unzureichenden Aufnahmen. Man sieht dem Film sehr deutlich an, dass Franco nicht viel Zeit und auch kein Interesse daran hatte, den perfekten Take einzufangen, dass ihm darüber hinaus das Budget und die räumlichen Bedingungen Grenze auferlegten. Das Badezimmer in Cynthias Haus muss etwa auch für eine Szene herhalten, die ganz woanders spielt. Ein Dialog zwischen Anna und Dr. Vicas wird in einer schier haarsträubend dilettantischen Schuss-Gegenschuss-Komposition aufgelöst, die noch dazu minutenlang dauert: Während Franco Anna durch die stark reflektierende Windschutzscheibe eines Autos filmte, fängt er ihren Gesprächspartner in sauberen, im Inneren des Wagens gedrehten Aufnahmen ein. Cynthias und Vicas‘ Komplizen interagieren nie mit den anderen Darstellern und die Szenen mit ihnen wurden offenkundig ganz woanders (vielleicht sogar für einen anderen Film?) gedreht. Ungefähr zur Halbzeit tauchen wie aus dem Nichts zwei weitere Personen auf, ohne dass geklärt würde, woher sie kommen und wer sie sind. In der sich daraufhin entfaltenden Partyszene erklimmt die nur mit Körperschmuck bekleidete Anna einen Tisch für einen erotischen Tanz, bei dem sie aber die drei herabhängenden Lampions der Deckenlampe entweder verdecken oder aber sehr unelegant gegen ihren Körper stoßen. Die englische Synchronfassung passt sich dem Chaos an und unterlegt einige Szenen mit einem ohrenbetäubenden Hall, der es absolut unmöglich macht, irgendetwas zu verstehen.

Der wahre Zauber von LES CAUCHEMARS NAISSENT LA NUIT ist aber, dass alle diese Mängel dem Film keinen Schaden zufügen, sondern seinen außerweltlichen Reiz ganz wesentlich mitbestimmen. Nicht ganz unerheblich ist Bruno Nicolais fantastischer, hochklassiger Score, der die Morbidität und existenzielle Verzweiflung, die Anna ergriffen hat, perfekt einfängt und den Film in seiner formalen Disparität zusammenhält. Wobei Disparität eigentlich der falsche Begriff ist: Denn LES CAUCHEMARS NAISSENT LA NUIT ist jederzeit als Ausdruck einer sehr individuellen Kreativität und Ästhetik zu erkennen, in der für schillernde Schönheit genauso Platz ist wie für staubige Ranzigkeit.

Ein Mann, der Jazztrompeter Jimmy (James Darren), findet am Strand die Leiche der jungen Wanda (Maria Rohm), die er wenige Tage zuvor auf einer Party getroffen hatte und dabei Zeuge wurde, wie sie von dem Kunsthändler Kapp (Dennis Price), der Fotografin Olga (Margaret Lee) und dem Playboy Ahmet (Klaus Kinski) in einem perversen Spiel gequält und gefoltert worden war. Der Leichenfund treibt den Musiker nach Rio, wo er eine Beziehung mit der Nachtclub-Sängerin Rita (Barbara McNair) eingeht und wenig später einer Frau begegnet, die wie das Ebenbild der toten Wanda aussieht. Der schweigsamen Frau fallen nacheinander die Peiniger der Ermordeten zum Opfer. Wer ist die mysteriöse Frau? Ist sie eine Doppelgängerin oder ein Geist? Und welche Rolle spielt Jimmy, der immer mehr an seinem Verstand zweifelt, in der Geschichte?

VENUS IN FURS, der in die Reihe der Towers-Produktionen gehört, in die Franco zum Ende der Sechzigerjahre involviert war, ist ein Mysterium. Unter anderem mit deutschen Geldern kofinanziert, erfuhr der Film nie einen Deutschlandstart, obwohl er sicherlich zu den erfolgversprechenderen, „massentauglichen“ Werken des Regisseurs gehörte. Die beiden stark voneinander abweichenden existierenden Schnittfassungen lassen darüber hinaus vermuten, wie Thrower in „Murderous Passion“ schreibt, dass Franco den Film nie wirklich fertigstellte, zumindest keinen Rohnschnitt anfertigte. Die italienische und die amerikanische Fassung erzählen jeweils eine völlig eigene Version Geschichte, was den Verdacht nahelegt, dass es keine Anweisung gab, wie das vorliegende Material sinnhaft zu verknüpfen war.

In der amerikanischen Fassung, die mir vorlag, rückt ein prominenter Voice-over den Film in die Nähe des Film Noirs, der in seinen expressiveren Momenten wie VENUS IN FURS von Desorientierung, Identitäts- und Realitätsverlust erzählte, doch die Bildwelt ist unverkennbar die der psychedelischen, freigeistigen Sixties. Mit beiden Strömungen korreliert die elliptische, sprunghafte, repetitive Struktur des Films, dessen drei zentrale Mordszenen einen Großteil der Laufzeit ausmachen und der mit Szenen am Strand beginnt und endet. Das Spiel mit der Zeit, das endlose Zerdehnen und die großzügigen Wiederholungen sind natürlich ein Standard im Schaffen des spanischen Vielfilmers und sie finden in VENUS IN FURS eine sehr geschliffene, verführerisch oszillierende Umsetzung. Wem die Francos der Siebziger zu billig, zu improvisiert, zu hingeworfen, zu langweilig und zu unambitioniert sind, der dürfte mit VENUS IN FURS seine helle Freude haben, denn der Film ist eine Augen- und dank des famosen Scores von Manfred Mann auch eine Ohrenweide. Das zentrale Mysterium um die Identität des weiblichen Racheengels spiegelt sich in seiner funkelnden Oberfläche, die zwischen den Fingern zerfließt, wenn man sie greifen möchte. Im Kern geht es um Lust (Sadismus spielt wieder einmal eine zentrale Rolle) und um die Schuldgefühle, die sie auslöst: VENUS IN FURS lässt sich als der neunzigminütige guilt trip eine Mannes beschreiben, dessen Selbstschutzmechanismen nahezu perfekt funktionieren – bis zur Selbstverleugnung gewissermaßen. Wer eine dem Krimi entsprechende saubere Auflösung der Vorgänge erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht werden: VENUS IN FURS bildet weitestgehend innere psychische Vorgänge ab, die sich nicht eins zu eins übersetzen oder lückenlos interpretieren lassen.

Die ideale Rezeptionshaltung ist es gewiss, den Film über sich hinwegspülen zu lassen wie einen guten Rausch, sich ihm vorurteilsfrei auszusetzen und vom Zauber seiner Komposition und der kunstvollen Gestaltung seiner Set Pieces einnehmen zu lassen. Maria Rohm ist ein wunderbarer Racheengel und allein der erste Mord, bei dem sie dem alternden Kapp einen tödlichen ruined orgsam beschert, ist ein Meisterstück von Inszenierung und Schnitt. Geistes- und kulturgeschichtlich scheint mir außerdem bemerkenswert, dass Franco den großen Kater, der dem Sommer der Liebe folgen sollte, bereits zu einem Zeitpunkt antizipierte, als die meisten noch ganz mit den Freuden des Trips beschäftigt waren. Die Verheißungen der „freien Liebe“, von Love-ins und Drogenexzessen zeigen hier schon die hässliche Seite ihres Gesichts: Der große Kick ist nicht ohne Nebenwirkungen zu haben. Rauschhaft, betörend und ganz gewiss die beste der Kollaborationen zwischen Towers und Franco. Eine Schande, dass der Film hierzulande nie zu sehen war.

Zwei Herzen schlagen, ach, in seiner Brust: CRIMES OF PASSION ist auf der einen Seite visuell berauschend, mitunter verstörend, subversiv, mutig und provokant, witzig, poetisch, seinem Sujet überaus angemessen mal unverschämt ziemlich sexy und dann wieder niederträchtig und abtörnend, auf der anderen Seite leider aber auch irgendwie inkonsequent, unbeholfen und ja, auch unangenehm spießig und einseitig. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob diese Janusköpfigkeit einfach daher rührt, dass Russell sich, wie Drehbuchautor Sandler zu Protokoll gab, für das normale Familien- und Eheleben seines Protagonisten nicht so sehr interessierte, oder ob diese Kluft nicht tatsächlich Teil des Programms ist. Das werden zukünftige Sichtungen vielleicht verraten – oder auch nicht.

Nicht unähnlich den De Palma-Filmen DRESSED TO KILL oder BODY DOUBLE geht es bei CRIMES OF PASSION um Sex, um unerfüllte Fantasien, das Bedürfnis, sie Realität werden zu lassen, den Konflikt zwischen einem Leben in der Wirklichkeit, eingebunden in alltägliche Zwänge, und einer Traumwelt, die man zumindest teilweise wahr werden lässt, und die Gefahren, die damit einhergehen, wenn man permanent Masken trägt. Die Protagonisten sind auf der einen Seite die Modedesignerin Joanne Crane (Kathleen Turner), die nachts unter ihrem Künstlernamen „China Blue“ auf den Strich geht und ihren Freiern jeden noch so bizarren Wunsch erfüllt, auf der anderen Seite der biedere Unternehmer und Familienvater Bobby Grady (John Laughlin), der ihr irgendwann begegnet. Bobby ist seit über zehn Jahren mit Amy (Annie Potts) verheiratet, doch ihre Ehe existiert eigentlich nur noch als Erinnerung, vor allem das gemeinsame Sexleben ist nonexistent. Was in seiner Beziehung alles falsch läuft, erkennt er, als er Sex mit China Blue hat: ein geradezu ekstatisches Erweckungserlebnis, nach dem er eine Liebesbeziehung mit der Prostituierten anstrebt, die mit ihren Rollen selbst eine tiefe Verunsicherung kaschiert – und darüber hinaus von dem irren Prediger Shayne (Anthony Perkins) verfolgt wird.

CRIMES OF PASSION fängt bärenstark an, ist mit seiner artifiziellen Neonoptik und an Ikonenmalerei erinnernden Bildkompositionen um seine weibliche Hauptfigur ein absolutes Fest, das aufgrund der grellen Musik von Rick Wakeman und natürlich der Thematisierung von Sexualität und Geisteskrankheit Erinnerungen an den italienischen Giallo wachruft. Russell und sein DoP Dick Bush (u. a. SORCERER und LAIR OF THE WHITE WORM) zeichnen das Rotlicht-Milieu als bisweilen schmutzige und deprimierende, aber eben auch schillernde, geheimnis- und reizvolle Welt und ziehen den Zuschauer mit in seinen Sog. Kathleen Turner agiert als souveräne Herrscherin der Fantasien, als selbstsicherer Zeremonienmeister, der jedem gibt, was er sucht – nur eines nicht: sich selbst. Es liegt eine tiefe, bittere Ironie darin, dass der etwas einfach gestrickte Bobby, der zu Hause Liebe, Leidenschaft und Ehrlichkeit vermisst, ausgerechnet bei einer Professionellen fündig geworden zu sein glaubt. Er ist der Trottel des Films, ein Mann, der sich sicher ist, nicht dem typischen Puffgänger zu entsprechen, aber schon beim ersten Besuch gnadenlos in das gängige Muster fällt und glaubt „seine“ Nutte retten zu müssen, mehr bei ihr ausgelöst zu haben als der übliche Stecher.

Seltsamerweise springt ihm Russell in seiner Verblendung aber zur Seite – jedenfalls macht es diesen Eindruck. Amy ist eine Frau ohne jede positive Eigenschaft: Gibt es zu Beginn noch einige kurze Situationen, in denen sie mit ihrer Kritik an Bobby im Recht scheint, verwandelt sie sich irgendwann zum Inbegriff der missgünstigen, ungerechten Zicke. Bobby wird demgegenüber viel zu schnell vom Haken gelassen: Er ist der manchmal etwas dümmliche, im Grunde seines Herzens aber stets ehrliche Mann, den die Gattin im Stich ließ und ihm dann keine Chance mehr gab. Diese Einseitigkeit mutet in einem Film, in dem es im Wesentlichen um die Beziehungen zwischen Mann und Frau, aber natürlich auch um Machtstrukturen und – wir sind hier schließlich bei Russell – um den Kampf gegen den Status quo geht, schon etwas seltsam an. Von einer Kritik an Maskenhaftigkeit, Unehrlichkeit und Verdinglichung schlägt er plötzlich um in die reine Männerfantasie. Keine Ahnung, was da schiefgelaufen ist. Für faszinierend und sehenswert halte ich CRIMES OF PASSION aber dennoch. Ob trotz oder wegen dieser Unentschlossenheit wird sich in der Zukunft noch zeigen.

Im Jahr seines ersten Hardcore-Films zog es Joe Sarno wieder einmal nach Europa, genauer gesagt in die Schweiz, um dort im Auftrag seiner Produzenten einen der damals angesagten Beiträge zur Sexvampir-Welle zu drehen. Dem Ergebnis sieht man an, dass sich der amerikanische Sexfilm-Pionier für solcherlei Gedöns nicht die Bohne interessierte, aber er dachte sich „what the hell“ und lieferte: DER FLUCH DER SCHWARZEN SCHWESTERN ist nicht gerade ein Schlüsselfilm im umfassenden Werk des Filmemachers, für Anhänger der Auteur-Theorie wahrscheinlich gänzlich vernachlässigbar, aber wenn man bereit ist, die mitunter hanebüchenen Dialoge, die stark schwankenden Darstellerleistungen, die aus der Not geborenen „Spezialeffekte“ und die ziellos mäandernde, zum Schluss immer redundanter werdende Handlung als Teil des Spiels zu akzeptieren, wird man mit einem visuell mitunter betörenden Werk belohnt.

Die an die Legende der in Jungfrauenblut badenden Elizabeth Bathory wird von Sarno zu einer Vampirgeschichte um Verführung, Kontrollverlust und -behauptung umgedichtet, die ihre zwei bis drei Konfliktsituationen in verschiedenen Konstellationen ad infinitum wiederholt und das alles mit zahlreichen Nacktszenen sowie den barbusig in ihrem Folterkeller zu hypnotischen Trommelrhythmen tanzenden Vampirinnen um die strenge „Haushälterin“, sprich Obervampirin, Wanda Krock (Nadia Henkowa) ergänzt. Zu Beginn kehren sowohl drei hübsche Mädchen – Helga (Marie Forså), Monika (Ulrike Butz) und Iris (Flavia Keyt) – im alten Schloss ein als auch die Aberglaubens-Forscherin Julia Malenkow (Anke Syring) und ihr Bruder Peter (Nico Wolferstetter). Letztere gebe sich als im Regen Gestrandete aus, wollen in Wahrheit aber dem Treiben der Vampire ein Ende setzen. Es beginnt das große Belauern: Die schöne Monika ist eine Wiedergängerin der einstigen Vampirgräfin, darüber hinaus haben es Wanda und ihre Vampirfrauen aber auch auf Helga abgesehen, um erst Peter, dann dessen Schwester unschädlich machen zu können. Durch nächtliche Gesänge und Getrommel werden die armen Mädchen wuschig gemacht, aber immer, wenn es ernst wird, kommt Julia mit ihrem Knoblauchkreuz daher. Am Ende können die Vampirinnen schließlich doch noch besiegt werden und der Film nimmt ein ebenso unsanftes, abruptes Ende wie die diabolische Wanda und die arme Monika.

Das alles ist natürlich totaler Tinnef, dem das nicht vorhandene Budget nicht gerade in die Karten spielt: Ein Angriff von Vampirfledermäusen wird erst ganz ohne solche realisiert, dann mithilfe von als Schattenrisse vor der Kamera rumfuchtelnden Händen. Das ständige Belauern ohne Konsequenz wird zunehmend enervierend, der Film tritt eine gut halbe Stunde lang auf der Stelle und streckt das alles unter Zuhilfenahme der obligatorischen Sex- und Nacktszenen auf die geradezu epische Länge von über 100 Minuten. Was DER FLUCH DER SCHWARZEN SCHWESTERN rettet – neben dem Charme, die solche kackdreisten Erzeugnisse ja immer verströmen – sind Sarnos meisterliche Kadrierung, sein Gespür dafür, Gesichter zu inszenieren und die wunderschöne Fotografie von Steve Silverman, der auf eine sehr sinnliche Lichtsetzung bauen kann. Werden „Billigfilme“ dieser Art oft nach dem Motto „Viel hilft viel“ ausgeleuchtet, auf dass die Schlagschatten ihren Tanz aufführen mögen, setzt Sarno auf natürliche Lichtquellen und erzeugt so eine sehr diffuse, weiche Lichtstimmung. Besonders Anke Syring und die zauberhafte Marie Forså profitieren davon und DER FLUCH DER SCHWARZEN SCHWESTERN gerät mitunter fast zur Liebeserklärung an die beiden Darstellerinnen (eine solche drehte ja auch Jürgen Enz mit seiner HERBSTROMANZE, in der die nun nicht mehr ganz so junge Anke Syring dem FÖRSTER VOM SILBERWALD Rudolf Lenz verfällt). Nadia Henkowa chargiert demgegenüber bis zum Umfallen, hat offenkundig Spaß daran, ihre Nüstern beben zu lassen und geil die Lippen zu schürzen und Sarno dankt es ihr, indem er ihr und ihren markanten Zügen etliche Kinski-Momente beschert. Die Zahl der Szenen, in denen sie von der Seite ins Bild tritt, um einer Schönen mit ihren dunklen Augen und teuflischem Lächeln über die Schulter zu schauen, ist kaum zu zählen. Mir hat DER FLUCH DER SCHWARZEN SCHWESTERN gefallen und mich dazu inspiriert, mich endlich mal intensiver mit Sarno zu beschäftigen. Wenn zu seiner formalen Meisterschaft, die er hier zeigt, auch noch etwas inhaltliche Substanz hinzukommt, darf Großes erwartet werden.

Da THE CHEERLEADERS drei Jahre zuvor ein überaus ertragreiches Geschäft darstellte, war das Sequel nur eine Frage der Zeit, die dann 1976 abgelaufen war. Dabei könnte REVENGE OF THE CHEERLEADERS gut und gern auch ein eigenständiger Film sein: Sieht man mal davon, ab, dass es erneut um die meist sexuellen Abenteuer der titelgebenden Motivierdamen geht, bestehen zwischen beiden Filmen keinerlei inhaltliche Gemeinsamkeiten.

Ein handfester Skandal erschüttert die heruntergekommene kalifornische Aloha High School in ihren Grundfesten: Heather (Rainbeaux Smith), eine der Cheerleaderinnen, ist schwanger und diese Entgleisung sieht der fiese Unternehmer Hartlander (William Bramley) als Chance, die Schule zugunsten einer Shopping Mall dem Erdboden gleichzumachen. Vorher wird jedoch ein neuer Rektor installiert, um dem unmoralischen Treiben ein Ende zu machen. Dem begegnen die Cheerleaderinnen mit vereinten Kräften, Hinterlist und gespreizten Beinen, bevor sie sich des Kapitalisten annehmen.

Der Plot bietet erneut den Hintergrund für all jene Exzesse, die schon den ersten Teil zum Hit in einschlägigen Kinos machten zuzüglich einiger Tanznummern, die erheblich dazu beitragen, REVENGE OF THE CHEERLEADERS auf Spielfilmlänge zu bringen: Schon die Titlesequenz zeigt die sechs ethnisch diversen Heldinnen, wie sie auf ihrer Fahrt durch die Vororte von L.A. am Steuer des Wagens lachend und gut gelaunt blank ziehen, ganz eins mit sich und ihrer weiblichen Natur. David Hasselhoff spielt einen der männlichen Tänzer, die die Cheerleader begleiten, und wird nur wenig später in einer öffentlichen Toilette von der feixenden Blondine Sesame (Patrice Rohmer) durchgezogen, seinem Namen „Boner“ offensichtlich alle Ehre machend. (Dem langen Lulatsch, der später mit seiner Musik die Berliner Mauer zum Einsturz brachte und Deutschland quasi im Alleingang wiedervereinigte, beim Tanzen zuzusehen, ist eine der Freuden, die dieser Film spendet.) Später gibt Tishi (Susie Elene), die Asiatin der Truppe, dem glucksenden Angestellten der örtlichen Eisdiele einen Blowjob hinter dem Tresen, während er einer nichts ahnenden Dame einen Banana Split zubereitet. Seinen frühzeitigen Höhepunkt findet REVENGE OF THE CHEERLEADERS, als die Mädels anlässlich des Besuchs des Schulamts die Mensa-Bolognese mit Marihuana und LSD versetzen und daraufhin eine zügellose Schaumparty samt Rudelbums auslöse.

Im Finale schrammt REVENGE OF THE CHEERLEADERS gar den (preiswerten) Actionfilm und sucht die Nähe zu Werken wie Ted V. Mikels THE DOLL SQUAD, als nämlich der Kampf mit den Schergen Hartlanders aufgenommen und sogar dessen unterirdisch gelegenes, an einen Bondfiesling gemahnendes Schurken-Hauptquartier geentert wird. Das alles ist ohne Sinn für visuelle Gestaltung in ultrabillig aussehenden Settings, dafür aber mit jeder Menge Verve, Freude am Chaos und Sinn für das „Wesentliche“ inszeniert. Absurder Gipfel des Ganzen ist aber eindeutig die Anwesenheit des schwangeren Softsex-Stars Rainbeaux Smith, der seinen Neun-Monats-Bauch beim besten Willen nicht mehr verbergen konnte: Flugs wurde ihre Schwangerschaft im Drehbuch aufgenommen. Man hat ein bisschen Mitleid mit ihr, wie sie da in den „erotischen“ Animierszenen immer an den Rand des Bildes gedrängt wird, damit ihre speziellen Rundungen nicht zu sehr von den anderen ihrer Kolleginnen ablenken: Zur Wiedergutmachung darf sie am Ende mit ihrem echten Kind voll erfülltem Mutterglück in die Kamera lächeln. Ein denkwürdiges Ende für dieses Werk.