Mit ‘Sexfilm’ getaggte Beiträge

malabimba (andrea bianchi, italien 1979)

Veröffentlicht: Februar 16, 2014 in Film
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malabimba_katell_laennec_andrea_bianchi_001_jpg_iwnvBei einer Seance wird die pubertierende Tochter (Katell Laennec) der von inneren Streitigkeiten gebeutelten Adelsfamilie Caroli von einem äußerst notgeilen Dämon besessen. Während die Hormone in der Sippe sowieso schon wüst ins Kraut schießen – die mit dem querschnittsgelähmten, nur noch so dahinvegetierenden Bruder verheiratete Nais (Patrizia Webley) bietet sich immer wieder ihrem Schwager Andrea (Enzo Fisichella) an, der wiederum seit dem Tod seiner Gattin in Trauer lebt und außerdem impotent ist –, trägt nun also auch das total entfesselte Töchterchen seinen Teil dazu bei. Ihr enthemmtes Treiben halten alle für krankhafte Auswüchse ihrer Pubertät, erst die zu ihrer Erziehung eingestellte Nonne Sofia (Mariangela Giordano) findet heraus, was wirklich los ist – allerdings erst, nachdem das Balg auch ihr an die Wäsche gegangen ist – und opfert sich in einem Akt der Nächstenliebe …

Heidewitzka! Auch mit MALABIMBA begibt sich Andrea Bianchi wieder in die Gosse, wo sich Sperma, Kot, Blut, Kotze, Schweiß und Tränen zu einem hochpotenten Sekret verbinden, der Intellekt keine Chance hat und sich der Regisseur offenkundig (siehe auch QUELLI CHE CONTANO, NUDE PER L’ASSASSINO und natürlich LE NOTTI DEL TERRORE) pudelwohl fühlt. Von der ersten Minute an wird man als Zuschauer einer nicht abreißen wollenden Folge von Geschmacklosigkeiten ausgesetzt, die dank des beinahe vollkommenen Verzichts auf eine ablenkende Handlung geradezu rauschhafte Wirkung erzielt. Was da zu Beginn noch an familiären Konflikten angedeutet wird, löst sich recht schnell wenn schon nicht in Wohlgefallen, so doch im regen Austausch verbaler und körperlicher Obszönitäten auf, das alte Hippiediktum, das alles, was man angeblich brauche, Liebe sei, radikal durchexerzierend. Ja, die Familie Caroli braucht es immer und überall, kommt vor lauter Geilheit gar nicht dazu, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Der Dämon hat da überaus leichtes Spiel, die kleine Tochter fällt gar nicht weit aus der Rolle und man fragt sich bald, ob sie sich ohne das Zutun überirdischer Kräfte denn so wesentlich anders entwickelt hätte. Schließlich lauert da an jeder Ecke ein mieses, notgeiles Rollenvorbild: Dass man die Aufgabe der Erziehung einer Nonne angedeihen ließ, spricht Bände. Zumindest an Selbsterkenntnis mangelt es nicht.

Wer sich für derlei schmierigen Schmuddelkram erwärmen kann, der verwandelt die heimischen vier Wände durch das Einwerfen der vorbildlichen neuen deutschen DVD von filmart in ein ranzig müffelndes Bahnhofskino, wo man froh ist, ob der funzeligen Beleuchtung nicht so genau erkennen zu können, wo man sich reinsetzt. Die Lektion in Sachen Niedertracht wird durch einige saftige Hardcore-Inserts „aufgelockert“, die möglicherweise aus einem anderen Film stammen, möglicherweise aber auch nicht. Auch die Musik von Berto Pisano wurde nicht für MALABIMBA komponiert: Ihre lieblichen, ätherischen Klänge bilden dann auch einen wirkungsvollen Kontrast zu der brutalen Vulgarität der Bilder. Schöngeistern kann man mit diesem Film eine unvergessliche Abreibung verpassen, Katholiken schreiend in den Beichtstuhl treiben und Moralapostel zum Staatsanwalt, wo sie wahrscheinlich geifernd auf Beschlagnahmung des vermaledeiten Machwerks plädieren. Dass ein Film wie MALABIMBA heute gedreht und kommerziell verwertet würde, ist absolut unvorstellbar. Wie sagen kulturpessimistische Kunstfreunde immer? „They don’t make ‚em like this anymore.“

Frau Clemens (Helen Thomas) ist Mathematiklehrerin und konfrontiert ihre Schüler mit hartem Stoff, der wohl auch Universitätsstudenten den Kopf rauchen ließe:

„In diesem Paragrafen zeigen wir, wie sich in projektiven Ebenen das Axiom von Desargues aus dem Axiom von Pappus herleiten lässt. Wir beweisen, dass eine projektive Ebene, in der eine dem Axiom von Pappus entsprechende Aussage für nur ein Paar von Geraden vorausgesetzt wird. [Bei diesem Satz ist nicht einmal der Lehrerin aufgefallen, dass er unvollständig ist.] Zuerst beweisen wir einige Aussagen über Automorphismen projektiver Ebenen. Aus 6.7 ergibt sich, dass jede nichtidentische zentrale Kollineation K genau eine Gerade G besitzt, deren Punkte sämtliche Fixpunkte sind. G heißt die Achse von K und wird auch mit ZK bezeichnet. Aus 6.8 folgt umgekehrt, dass jeder nichtidentische Automorphismus K, der sämtliche Punkte einer Geraden festlässt, eine zentrale Kollineation ist.“ Usw., usf.

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Dressed to Kill.

Man weiß nicht genau, ob es eine Motivationsstrategie oder eine zusätzliche Herausforderung ihrerseits darstellen soll, dass sie ihren männlichen Schülern tiefe Einblicke zwischen ihre reifen Schenkel offenbart, während sie ihnen diesen trockenen Stoff einprügelt. Ihre didaktisch überaus streitbare Methode zeitigt jedenfalls umgehende Ergebnisse, die aber nur wenig mit Mathematik zu tun haben: Der brave Uwe (Rolf Kochenhofer), immer noch Jungfrau, schleicht des Abends um ihr Haus, um einen Blick auf sie zu erhaschen, und bringt die dralle Lehrerin damit in schwere innere Konflikte, die sie als Stream-of-Consicousness auf den Zuschauer herniedergehen lässt wie eine Zuchtgerte.

„Aber das ist ja Uwe! Mein Schüler Uwe! Dieser hübsche Bengel begibt sich in Gefahr, nur um mich nackt zu sehen. Aber was soll ich tun? Ich kann mich doch nicht einfach ausziehen. Ich bin seine Lehrerin. Auch wenn ich ihn nett finde. Oder bin ich schuld, dass er hier ist? Dass es so weit gekommen ist? Was mache ich denn während des Unterrichts? Die Jungs denken, es sei alles nur aus Versehen. Ich berühre ihre Körper mit meinem Busen. Ich lasse sie zwischen meine Beine sehen, obwohl ich es nicht will. Und trotzdem ist da etwas, das mich dazu treibt. Es macht mir sogar Spaß. Und wenn sie ihre Bleistifte fallen lassen, dann muss ich noch so sitzen bleiben, obwohl ich aufspringen möchte. Dabei weiß ich genau, was in ihren Köpfen vorgeht, wenn ich den Rest der Stunde noch vor ihnen stehe und unterrichte. Also muss ich mich nicht wundern, wenn Uwe hier ist.

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Uwe allein zu Haus.

Während der zögerliche Uwe den ganzen Film über mit verschiedenen Frauen um den Verlust der Jungfäulichkeit ringt – seine mitfühlende Schwester besorgt ihm sogar ein Mädchen, das ihm jeden Wunsch erfüllt – und also auch die keimenden Gelüste der Lehrerin nicht ganz befriedigen kann, ist der fiese Wolf (Günther Bayer) von ganz anderem Kaliber. Er fotografiert seine Lehrerin beim Petting mit Uwe und erpresst sie so zu diversen Schweinereien. Anfangs noch entsetzt, findet sie bald Gefallen daran, Hemmungen fallen zu lassen und Tabus zu brechen. Und in Wolf hat sie offensichtlich einen Gleichgesinnten gefunden.

Weil sie über ihre „Ja, aber“-Argumentation nicht hinauskommt, ist es Uwe, der für sie nach einigen sexuellen Abenteuern, die immer riskanter werden, eine Entscheidung trifft und die Nymphomanin zu einem Umdenken zwingt. Er spielt dem Direktor die Fotos zu, die er Wolf abgenommen hat. Frau Clemens wird während des Unterrichts in dessen Büro gerufen. Langsam schreitet sie den Flur entlang und betritt sein Zimmer. Die Tür fällt hinter ihr zu und zum ersten Mal ist der Zuschauer ausgeschlossen. Ende.

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„I love lamp.“

Wie alle Enz-Filme der späten Siebzigerjahre verfügt auch dieser über ein kammerspielartiges Flair. Es gibt nur eine handvoll von handelnden Personen, die dem Zuschauer weitestgehend fremd bleiben, auch wenn sie dann und wann erstaunliche Dinge von sich offenbaren. So berichtet Wolf, wie er als Jugendlicher von älteren Frauen als Lustknabe benutzt wurde und darüber zum sprichwörtlichen „Wolf“ wurde. Mit der Lehrerin teilt er nicht nur den unstillbaren Sexhunger, sondern auch die große Müdigkeit, die beide nach dem Orgasmus befällt. Sie sind Gefangene ihrer eigenen Bedürfnisse, aber unfähig, sich wirklich zu öffnen. Demgegnüber kann Uwe dem sportlichen Gerödel nur wenig abgewinnen. Richtige Lust empfindet er mit seiner Freundin (Regula Mertens), doch die beiden werden regelmäßig gestört, bevor es zum „Vollzug“ kommen kann.

Sex ist in HEISSE TRÄUME AUF DER SCHULBANK etwas, das großzügig, aber letztlich aus rein egoistischen Motiven verschenkt wird und mit keinerlei Emotion verbunden ist. Es findet keine Verbindung zwischen den Parteien statt, schon gar keine spirituelle. Auch die Darstellung der diversen Fummeleien und Akte entbehrt jeder Subtilität: Aggressiv wird dem Gegenüber die Zunge reingeschoben, die Titten durchgewalkt wie Sauerteig, die Nippel berarbeitet wie die Knöpfe am Flipperautomaten. Der Titel suggeriert auf den ersten Blick Erotik und Leidenschaft, nach dem Film ist klar: Das „Traumhafte“ an diesem Sex ist, dass man ihn ganz allein mit sich ausmacht, ohne einen Gedanken an den Anderen verschwenden zu müssen. Deprimierend.

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Harte Zeiten: „Findest du nicht, dass ein einfaches Eis auch gereicht hätte? So ein Eisbecher ist doch wahnsinnig teuer.“

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Wolf in the Throne Room.

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Gelsenkirchener Barock 1.

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„Wolf, das Radio steht da hinten!“

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Heiz- und Lehrkörper.

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Gelsenkirchener Barock 2.

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Gelsenkirchener Barock 3.

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Let’s talk about sex.

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Candlelight Dinner im Bahnhofsviertel.

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Die ganz feine Gesellschaft.

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Servicewüste Deutschland.

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Le grand finale.

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Alles hat ein Ende nur ein Enz hat zwei.

5851Peter (Rolf Zigan), ein blonder, gut gebauter Schnurrbartträger und Bankangestellter, hat ein Problem: Beim Liebesspiel bleibt ihm die Freude des Orgasmus verwehrt, so sehr er sich auch bemüht. Weil er sich an der Arbeit kaum noch konzentrieren kann, empfiehlt ihm sein Vorgesetzter, Urlaub zu machen. Und so reist Peter nach München, um „das Bumsen zu lernen“ …

Zwischen den zünftigen Lederhosenfilmen von Jürgen Enz und diesem Beziehungs-Sexfilm liegen nur zwei Jahre, aber satte fünf (zum Teil unter Pseudonym gedrehte) Filme. Thematisch und stilistisch ist der Regisseur sich aber dennoch treu geblieben. Das hilflose Streben der Menschen nach der Transzendenz im Moment des Höhepunkts, das man schon aus WO DER WILDBACH DURCH DAS HÖSCHEN RAUSCHT, GAUDI IN DER LEDERHOSE und vor allem NACKT UND KESS AM KÖNIGSSEE kennt, manifestiert sich diesmal in dem armen Peter, der trotz zahlreicher Gelegenheiten einfach nicht abspritzen kann. Er ist ein typischer Zivilisationsmensch, die Enthemmtheit der in den genannten Filmen „porträtierten“ bayrischen Landbevölkerung (die wieder ihre eigenen Probleme mit sich bringt), geht ihm völlig ab, stattdessen wirkt er orientierungslos, abwesend, abgelenkt, unzufrieden, unsicher über seine eigenen Wünsche. Das wilde Gebumse mit wechselnden Partnern in München bringt leider auch keine Lösung seiner Sinnkrise. Ob mit der nymphomanen Gespielin seines alten Schulfreunds Frank, der Bekanntschaft aus einem Tanzlokal oder einer Prostituierten: Peters Problem bleibt bestehen, so sehr sich die Partnerinnen auch abmühen. Letzten Endes ist es die freundliche Blumenverkäuferin, bei der er am nächsten Tag stets die Rosen für seine nächtlichen Freundinnen zu kaufen pflegt, die ihm den ersehnten Höhepunkt beschert – und er ihr, denn wie er erfährt, hatte sie am selben Problem wie er gelitten. Es war kein körperlicher Mangel, der der sexuellen Erfüllung im Weg stand, sondern ein emotionaler: die Liebe hat gefehlt. Enz bestätigt mit DIE LIEBESVÖGEL (der Titel spielt auf eine Vogelart an, die vollkommen monogam lebt) den Verdacht, dass er ein hoffnungsloser Romantiker ist, der die Welt allerdings durch die beschlagene Brille des Realisten sieht. Wenn Peter seinen Sexpartnerinnen den Rosenstrauß überreichen will, wird er durch die Wohnungstür mit der schnöden Realität konfrontiert: Franks Perle ist schon wieder am Bumsen, die andere streitet sich lauthals mit ihrem Ehemann. Es bestätigt sich wieder, was sich auch in den zuvor besprochenen Filmen von Enz gezeigt hat: Die Menschen sind alle unglücklich, aber manchen gelingt es besser als anderen, die Augen davor zu verschließen.

Die Rauminszenierung ist bei allen Enz-Filmen, die ich bisher gesehen habe, die halbe Miete. In DIE LIEBESVÖGEL wird sie besonders wichtig. Enz baut in nahezu jede Sexszene visuelle Irritationsmomente ein, die so sehr vom Kern des Geschehens ablenken, dass man sich über Peters Misserfolge kaum wundern mag. Deplatzierte Gegenstände liegen herum, scheußliche Kabelkonstruktionen zerstören jede erotische Atmosphäre, der Aufriss aus der mit schwarzem Holz vertäfelten, trüb ausgeleuchteten Tanzkneipe zeigt nach einer Körperdrehung plötzlich üble Brandnarben an Hals und Arm: Perfektion ist in Enz‘ Welt eine Wahnvorstellung des Menschen, Romantik ein frommer Wunsch. Aber man muss an ihr festhalten, wenn man sein Glück finden will. Peter kommt die Erkenntnis beim Blick in seinen Rosenstrauß („Peter, Peter, bist du denn blind?“, fragt der Voice-over-Kommentator gütig): Da sieht er die brave Blumenverkäuferin, mit der er am Schluss in ein wohlgeordnetes Familienleben eintritt. Das finale Glück sieht aus wie ein Setzkasten, das Lächeln wie mit Zuckerguss festgeleimt, aber die Orgasmen, sie sind wenigstens echt.

Insider bezeichnen DIE LIEBESVÖGEL auch als Enz' "Türklinken- und Steckdosen-Film".

Insider bezeichnen DIE LIEBESVÖGEL auch als Enz‘ „Türklinken- und Steckdosen-Film“.

Vornehm geht die Welt zugrunde

Vornehm geht die Welt zugrunde

Der Mann von Welt weiß: Nur mit Uhr in der Minibar gelingt der Sieben-Minuten-Cognac perfekt.

Der Mann von Welt weiß: Nur mit Porzellanuhr in der Minibar gelingt der Sieben-Minuten-Cognac perfekt.

Steckdosen und Türklinken 2

Steckdosen und Türklinken 2

"Wir spielen Serve & Volley, Baby, okay?"

„Wir spielen Serve & Volley, Baby, okay?“

Im Tanzlokal "Zum schweigenden Grab" legen Peter und seine Eroberung eine flotte Sohle aufs Parkett

Im Tanzlokal „Zum schweigenden Grab“ legen Peter und seine Eroberung eine flotte Sohle aufs Parkett.

Menschliche Couchgarnitur

Menschliche Couch-Garnitur. Menstruationsblutrote Accessoires buhlen um Aufmerksamkeit.

Kabel

Die meisten aller tödlichen Unfälle passieren im Haushalt. 5 % davon gehen auf schlecht verlegte Kabel zurück.

Romantik am Morgen

Ordnung ist die halbe Miete.

Puff

Die Verbindung von nacktem Fleisch und traditionellem deutschem Kunsthandwerk ruft bei sensiblen Zeitgenossen das so genannte „Enz-Syndrom“ hervor.

Puff 2

Ein Schnurrbart ist ein Schnurrbart ist ein Schnurrbart.

Rosen

Enz lässt Blumen sprechen und erfindet Bollywood.

Date 2

Love is in the air.

Date Sex

Zwischen Couchtisch und Wand ist immer noch Platz für eine kleine Nummer.

Jon Bon Jovi ließ sich von diesem Enz-Film zu seinem Hit "Bed of Roses" inspirieren.

Jon Bon Jovi ließ sich von diesem Enz-Film zu seinem Hit „Bed of Roses“ inspirieren.

Familiengra ... äh ...glück.

Familiengra … äh …glück. Rechts im Bild: das Phallussymbol des Monats.

zzzzzzz_articleBauer Franz (Frithjof Klausen) und seine Frau Luise (Renate Ruhland) erhalten auf ihrem Hof im idyllischen Oberbayern Besuch aus Preußen: Aus Berlin haben sich Trudchen (Christa Abel) und Onkel Fritz (Karl Schwarzmayer) angekündigt. Die beiden sind keine Kinder von Traurigkeit und entführen den armen Knecht Karl (Sepp Gneissl), kaum hat der ihnen eröffnet, dass sie den letzten Zug nach Shangri-Lalala verpasst haben und demzufolge eine Nacht in München bleiben müssen, kurzerhand in ein Münchener Striplokal. Wie das bei Enz immer so ist, können weder die lustlos-blutarme Darbietung der bemitleidenswerten Tänzerin noch das trostlose Ambiente des herabgeschwirtschafteten Etablissements etwas an der überschäumenden Lust des Berliner Pärchens ändern. Vor allem das üppige Trudchen, deren wogende Leibesmasse kaum bezähmbar erscheint und in deren Falten und Kurven sich wahrscheinlich schon so mancher Mann hoffnungslos verlor, beginnt hier bereits einem orgiastischen Höhepunkt entgegenzubeben, dessen Ende man sich nicht ausmalen mag. Während ihr Fritz die kargen Reize der Tänzerin taxiert wie ein potenzieller Käufer ein Pferd, verkrallt das feiste Trudchen sich sofort gierig in Karls Schritt. Und so setzt sich das auch am ländlichen Zielort angekommen fort. Von der Urtümlichkeit und Direktheit ihrer Gastgeber sind die beiden zivilisierten Stadtmenschen sogleich begeistert, fühlen sich angeregt, von der Offenheit, mit denen man ihnen begegnet. Doch die anfängliche Begeisterung schlägt am Ende in das nackte Grauen um. Mit ihrem durch nichts zu stillenden Sexhunger schlagen die Landeier die Städter gnadenlos in die Flucht. Die Aussicht auf noch mehr des wilden Gebumses hat jeglichen Reiz verloren, jetzt gilt es nur noch den Körper vor weiteren Übergriffen in Sicherheit zu bringen. Die Gastgeber können da nur staunen, ratlos, was in ihre eben noch so freundlichen Gäste gefahren ist.

Einen Aufsatz über GAUDI IN DER LEDERHOSE, zumindest nominell Enz‘ naheliegender Beitrag zum in den Siebzigerjahren kurzzeitig populären deutschen Sexfilm-Subgenre des Lederhosen-Films, könnte man vielleicht mit „Die Essenz vom Enz“ überschreiben. Nachdem der Vorgänger noch sehr vollgepackt war mit handelnden Figuren, die vielleicht nicht gerade eine Psyche ihr eigen nannten, aber immerhin eine erzählerische Funktion innehatten, die eine solche ersetzte, außerdem reich an Rückblenden und kommentierenden Voice-overs, darüber hinaus sehr zielgerichtet in seinem gesellschaftskritisch-humanistischen Impetus, blickt der Zuschauer hier geradewegs in die gähnende Leere. Es gibt keinen Plot mehr und auch keine Handlung, und die grob skizzierten Figuren stemmen sich mit vollem Körpereinsatz zwar, aber letztlich erfolglos dagegen, als bloße Schatten oder Geister beschrieben zu werden. Ihr Treiben kann man durchaus als Ankämpfen gegen die Sterblichkeit begreifen: Der Flüchtigkeit des Lebens muss das konkret Körperliche entgegengesetzt werden. Das, was da indes in ihren Köpfen vorgehen mag, spielt bei Enz konsequent keine Rolle. Wie Insekten gehen seine Figuren ihren Bedürfnissen nach und nach einer Persönlichkeit zu fragen, macht keinerlei Sinn. Sie sind nacktes Sein, frei von jeder komplexen Regung oder tieferen Gedanken. Und ein bisschen bewundert man sie dafür, wie sie die berückende Hässlichkeit ihres Daseins gar nicht bemerken.

Bumsen

Dieses Bild dient als beweiskräftige Veranschaulichung der These, dass Enz‘ Figuren einen „Hang zum Ficken“ haben.

Arschbegutachtung

„Haaaallooooo, Eeeeechooooo!“

Sex

Liebe ist … ein mitten im Raum stehender Stuhl.

So spult sich GAUDI IN DER LEDERHOSE als eine Abfolge von Akten ab, die für den Betrachter genau in dem Maße befremdlich sind, wie sie für die Beteiligten als banale Normalität erscheinen. Trudchen greift Knecht Karl im Striplokal mit der Selbstverständlichkeit zwischen die Beine, mit der eine Affenmama ihr Junges laust. Auf dem Weg zum oberbayrischen Hof von Bauer Franz überfällt sie und Fritz die Lust, sodass sie sich kurzentschlossen an Ort und Stelle auf den Boden schmeißen und sich vor den Augen ihres Begleiters ineinander verbeißen. Im Hof angekommen, wird als erstes der Arsch der Magd begutachtet, derweil es die Bäuerin beim Sortieren der Milchhörnchen überkommt. Entrückt streichelt sie deren phallische Form und benutzt sie schließlich zur Selbstbefriedigung. Knecht Karl ist hingegen Traditionalist und hat sich ganz klassisch mit einem Herrenmagazin zum Wichsen in den Stall zurückgezogen. So geht das den ganzen Film hindurch: Jede Situation führt eher früher als später zu sexuellen Verrenkungen und es versetzt in großes Erstaunen, wie wenig Mühe Enz darauf verwendet, diese Szenen auch nur ansatzweise vorzubereiten und anzubahnen. Sex steht bei ihm nicht am Ende langen Balzens, sozusagen als Belohnung, er ist glanzlose Normalität. Da wird dann auch kein langes Federlesen gemacht, nicht lange um den heißen Brei herumgeredet. Wozu Zeit verlieren? Das ist schmucklos und sicherlich unromantisch, aber auch eine denkbar schöne Utopie. Die Welt wäre eine bessere, wenn die Menschen einfach an Ort und Stelle über sich herfallen könnten. Das schonte die Geldbörse vor sinnlosen Frustkäufen und wahrscheinlich auch die Nerven. Man müsste nur Menschen finden, die das Sperma aufwischen.

Hörnchen

Der Enz-Kenner erfreut sich am Klempner-Kunsthandwerk an der hinteren Wand, derweil die Bäuerin ihr Hörnchen liebkost.

Fett

Um den nahtlosen Übergang zu schaffen, ein weiteres Bild mit Teigwaren.

Vorfreude

Die Vorfreude zeigt ihre Zähne.

Tisch

Zum Ende des Films liegt auch der Zuschauer unterm Tisch.

Ähnlich nüchtern ist der Humor des Films. Die kleinen Slapstick-Einlagen, die als kurze Ruhepausen fungieren, sind kaum mehr als vorgetäuscht und drehen sich allesamt um einen Haufen Kuhscheiße, auf dem der Bauer und ein weiterer Knecht ständig ausrutschen und in den sie mit dem Gesicht hineinfallen. Zwar werden hier Schadenfreude und Ekel des Zuschauers angesprochen, aber für solche zivilisierte Errungenschaften wie Abscheu für Ausscheidungen sind Enz‘ Figuren selbst natürlich viel zu derb und vor-zivilisiert. Wenn der Knecht den Fladen mit beiden Händen vom Boden aufnimmt, nachdem er mit dem Geischt voran hineingeplumpst ist, eine Kugel daraus formt und sie als Wurfgeschoss verwendet (das dann natürlich den Bauern trifft), dann fühlt man sich gleich an den letzten Zoobesuch und die mit ihrem Kot um sich werfenden Menschenaffen erinnert. Man kennt ähnliche Szenen aus vergleichbaren Filmen, doch während sie da irgendwie „funktionieren“, stehen sie hier einfach so da. Man sieht sie und wundert sich nicht im Geringsten. Da ist er wieder, der Enz’sche Humor: Der unreflektierte Dekonstruktivismus, mit dem er noch die überholtesten Standards der filmgeschichtlichen Müllkippe in einer Art und Weise ablichtet, die sie wie Artefakte einer uns völlig fremden Kultur erscheinen lassen, hat etwas entschieden Kindliches. Als wolle er die letztgültigen Antworten auf Fragen, die sich längst schon niemand mehr stellt.

Wie durch ein Wunder endet GAUDI IN DER LEDERHOSE irgendwann tatsächlich und sogar mit einem echten Gag. Nach einer wilden Sexorgie versprechen Bauer und Bäuerin ihren Gästen eine besondere Überraschung, worauf sich die drei Mägde sogleich erheben. Völlig ausgelaugt ergreifen die beiden Preußen die Flucht, noch mehr ertragen sie einfach nicht. Während sie fluchtartig über sattgrüne Weiden dem Horizont entgegeneilen, da begreifen die Gastegber die Welt nicht mehr: „Ja, mögen die denn koa Schweinsbraten?“ Ein Moment der Reflexion, der in Enz‘ Werk jenem Moment in Kubricks 2001: A SPACE ODYSSEY gleichkommt, in dem die Affen erkennen, dass ein Knochen eine Waffe sein kann. Oder war das schon die Szene mit der Bäuerin und dem Milchhörnchen?

Inneneinrichtung

Was niemand wusste: Knecht Karl hatte einst 14 Semester Innenarchitektur studiert. Den Eingangsbereich seiner Wohnung betrachtete er als seine persönliche Meisterleistung.

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Das Haus der langen Schatten

Holz

Holz ist ein außerordentlicher Werkstoff, aus dem man viele schöne Sachen herstellen kann. Die meisten davon sieht man auf diesem Bild.

Flurschaden

Dr. Caligari beantragte hier einst Mietminderung wegen Flurschadens.

Lustige Gesellschaft

Lustfördernde Atmosphäre ist für einen gelungenen Swingerabend das A und O.

picture_12.phpIlsebill Lechner (Mascha Sieger) trauert ihrem verstorbenen Gatten Alois (Josef Moosholzer) hinterher, seines Zeichens Bürgermeister ihres oberbayrischen Heimatortes. Doch der getreue Gatte hatte dunkle Geheimnisse, wie Ilsebill zu ihrem Schrecken feststellen muss, als sie eines Tages die Tür von Alois‘ Standuhr öffnet. In ihrem Inneren findet sie nicht nur einen üppigen Schnapsvorrat,  sondern auch sein geheimes Tagebuch (in das er vorsichtshalber seinen Namen reingeschrieben hat, damit es keinerlei Missverständnisse gibt). Ein Blick hinein offenbart der Witwe, dass es ihr Mann mit nahezu allen Frauen des Ortes toll getrieben hat und auch ihre Nachbarn allesamt keine Kinder von Traurigkeit sind. Während eines Volksfestes kommt es im Bierzelt zum Eklat: Ilsebill bezeichnet die anwesenden Frauen als Ehebrecherinnen und Schlampen und landet schließlich vor dem Richter. Doch sie hat mit dem Tagebuch ja noch ein As im Ärmel …

Über Jürgen Enz‘ wundersame Wiederentdeckung durch die deutsche Cineastenfront hatte ich in meinem Text zu DAS LIEBESTOLLE INTERNAT schon ein paar Worte verloren.  Jener höchst merkwürdige Film, der in den rauschenden Nächten des 11. außerordentlichen Kongress des Hofbauer-Kommandos meine sanfte Einführung in das Enzianische Werk  bedeutete, hatte meine von den bis dahin gelesenen Texte geweckte Neugier endgültig entfacht. WO DER WILDBACH DURCH DAS HÖSCHEN RAUSCHT – WITWEN-REPORT, Enz‘ zweiter Spielfilm nach FEUCHTE TRÄUME JUNGER FRAUEN, markiert an dieser Stelle also den Startschuss einer kleinen Jürgen-Enz-Werkschau, für die die wunderbare Silvia Szymanki und ihr kaum weniger wunderbarer Hard Sensations-Mitstreiter Marco Siedelmann als Kuratoren fungierten. Für die mir von ihnen leihweise überlassenen Filme möchte ich mich hier noch einmal  ganz offiziell bedanken. Was für einen Film hat der geneigte Zuschauer hier also vor sich? Der Titel beinhaltet gleich mehrere Anhaltspunkte: WO DER WILDBACH RAUSCHT ist nicht nur der Titel eines deutschen Volksliedes („Viele Jahre sind vergangen/viele Jahre sind dahin/und es zieht ein heiß‘ Verlangen/immer mich zum Wildbach hin/Wo der Wildbach rauscht/dort im grünen Wald/ach wie glücklich war ich damals dort einmal/Denn du gabst mir dort/Dein Verlobungswort/und der Wildbach rauschte weiter in das Tal.“) sondern auch eines 1956 unter der Regie von Heinz Paul entstandenen Heimatfilms, der bei seiner Wiederaufführung 1972 zum Überraschungserfolg in deutschen Kinos avancierte. Der Untertitel WITWEN-REPORT knüpft natürlich an die 1970 vom Produzenten Wolf C. Hartwig und Regisseur Ernst Hofbauer mit SCHULMÄDCHEN-REPORT: WAS ELTERN NICHT FÜR MÖGLICH HALTEN initiierte „Aufklärungsfilm“-Welle an, die in den Folgejahren zahlreiche Ableger und Nachzieher auf den Markt spülte. Es handelte sich dabei meist um Episodenfilme, die dem Publikum unter dem spermabefleckten Deckmantel der Aufklärung frivole Geschichten vom Sexleben verschiedener Berufs- und Bevölkerungsgruppen servierten, die angeblich gesellschaftliche Relevanz haben sollten. Es darf vermutet werden, dass der Untertitel hier vom Verleih hinzugedichtet wurde, um auf den 1974 mit unvermindertem Tempo fahrenden Zug aufzuspringen: WO DER WILDBACH DURCH DAS HÖSCHEN RAUSCHT – WITWEN-REPORT hat genau eine Witwe aufzubieten, und es geht gerade nicht, wie der Titel suggeriert, um ihre sexuellen Eskapaden, sondern um die ihrer Mitbürger. Es fehlen außerdem der das Geschehen authentifizierende und moralisierende Voice-over-Kommentar, die Straßeninterviews sowie der aufdringliche Verweis auf die „realen“ Hintergründe, die die Reports auszeichneten. WO DER WILDBACH DURCH DAS HÖSCHEN RAUSCHT – WITWEN-REPORT ist mithin ein lupenreiner Heimatfilm, der mit Sex- und komischen Szenen garniert wird und in dem man eine gallige, augenzwinkernde Kritik an bayrischem Spießertum und Heuchelei erkennt, wenn man es schafft, trotz der sich einem bietenden Gräuel genau hinzuschauen. Und diese Gräuel nehmen in Enz‘ Film mannigfaltig Gestalt an.

Assoziiert man mit Sex im Idealfall nicht nur eine rein körperliche Tätigkeit, sondern einen „spirituell“ aufgeladenen Akt der Liebe, eine emotionale Öffnung gegenüber einem Partner, so unterscheidet er sich bei Enz nur durch die Anwesenheit einer zweiten Person von banalen, notwendigen Vorgängen wie dem Stuhlgang oder dem Wasserlassen. Sex ist hier derb und triebhaft, frei von jeder erotischen Fantasie, ein Akt der Notdurft. Ständig geil, wanken seine Figuren (Protagonisten möchte man sie nicht nennen) durch die Landschaft und es scheint lediglich ein winziger, in ihrem Hirn glimmender Funke von Vernunft sie davon abzuhalten, sich an Bäumen oder Erdhügeln zu reiben oder ihr Geschlechtsteil in Astlöcher oder sonstige sich darbietende Öffnungen zu stecken. Die bayrische Natur, auf zahlreichen Landschaftsgemälden verewigt und beinahe religiös überhöht, nimmt hier bedrohlich wuchernde Züge an. Sie ist ein Abbild dessen, was da an unterdrückten Lüsten im Inneren ihrer Bewohner schlummert und was sich bei jeder Gelegenheit eruptiv entlädt. Das alles steht natürlich nur im scheinbaren Widerspruch zu der lustfeindlichen Fassade, die das Dorf aufrechterhält. Sex, das ist eben etwas, das man im stillen Büßer-Kämmerlein verrichtet, schön ungemütlich auf das karge Bettgestell vor dem Hirtenbildnis gefläzt oder eiligst auf die scheußliche Couch geworfen, die da in der schlecht beleuchteten Kammer den Schimmelpilz anzieht. Freude ist Ausnahmezustand, den man sich zu verbieten hat und von dem man am Sonntag nach dem Gottesdienst dem Pfarrer beichtet. Aber diese selbstauferlegte Keuschheit, sie ist längst umgeschlagen in ein wildes Rudelbumsen: Was sich die Menschen seit Jahrhunderten verboten haben, das bricht nun umso härter durch. Nackte, dralle Weiber masturbieren im kalten Wasser des Wildbachs, zu jeder Tages- und Nachtzeit wird gevögelt und wer das Pech hat, selbst keinen willigen Partner zur Hand zu haben, der glotzt wenigstens enthemmt durchs Schlüsselloch. Kein Wunder, dass der Alois seine Ilsebill, eine verhärmte, holzig wirkende Frau mit Haifischzähnen, in der Düsternis ihrer gemeinsamen Wohnstube nie zur Körperlichkeit überreden konnte. So sehen Orte aus, an die sich alte Hunde zum Sterben zurückziehen oder Menschen Psychosen entwickeln, die sie nach Jahren der ausweglosen Verzweiflung zu Massenmördern machen.

Witwenheim

Vom gichtgrünen Kachelofen sendet Alois seinen letzten Gruß an die vor dem Zinngeschirr eingepferchte Ilsebill (daneben die vermaledeite Standuhr)

Doggystyle

Synästhetische Bildkomposition: Es riecht nach nassem Hund. Der Jesus in der Ecke würde sich gern die Nase zuhalten, ist aber leider festgenagelt. (Haha, „fest genagelt“!!!)

Grün ist die Hoffnung

Die Enz’sche Unschärfe-Korrelation: Die Bettgröße verhält sich immer umgekehrt proportional zu jener der Erektion und ein hässlicher Teppich tritt die Menschenwürde mit Füßen.

Schäfer

Der Lustspiel-erprobte Zuschauer erahnt die sich bietenden komischen Möglichkeiten. Richtig ist Variante b): Das Bett wird bald zusammenbrechen.

In diesen Räumen da tummeln sich die Suboptimalen, die an ungünstiger Stelle Behaarten, die Beschnauzbarteten, die Frauen mit den Muttermalen, den Schlauchbrüsten und den Bauchfalten, werfen sich aneinander, als ob es keine anderen Menschen gäbe. Ihr Treiben kommentieren sie mit derber bayrischer Mundart, die im Stadium höchster sexueller Erregung von tierischen Grunzlauten nur noch schwer zu unterschieden ist. Das kann man als hässlich empfinden, tatsächlich sind Enz‘ Sexfilme durch und durch demokratisch. Jeder hat das Potenzial zum Sexgott, gerade in der körperlichen Mangelhaftigkeit zeigt sich die Schönheit des Einzelnen. Hässlich sind andere. Die beiden geckenhaften Comic Reliefs etwa, die an die Appropriation klassischer burlesker Figuren durch das moderne Theater erinnern: Der neue Bürgermeister, Herr Oberkocher, trifft in dem Örtchen ein, um Alois‘ Stelle an- und seine Gattin bei dieser Gelegenheit gleich zu übernehmen. Mit feistem Grinsen wanzt er sich an die Dame ran, die er kraft seines Amtes sogleich als williges Opfer ausgemacht zu haben glaubt („Frau Lochner …. ähhh, Lechner“). Ihm zur Seite steht ein Lakai mit pomadiger Schmierfrisur und chronischer Rückgraterweichung, der mit speichelleckender Unterwürfigkeit und größtmöglicher Ehrerbietung solche würdelosen Tätigkeiten wie das Wippen des Schaukelstuhles für den Chef übernimmt. Die beiden Gestalten fungieren aus rein erzählökonomischer Sicht dazu, den unablässigen Flow krachlederner Sexszenen mit Klamauk zu unterbrechen, auf inhaltlicher Seite bieten sie einen weiteren Eintrag in Enz‘ Chronik schauerlicher deutscher Spießerfiguren, die natürlich auch die Behörden und Amtsstuben längst erreicht haben. Ihre „Gags“ zeichnen sich dann auch nie durch diese befreiende, anarchische Wirkung aus, die man sonst mit wildem Slapstick verbindet. Auch geht es nicht darum, Respektspersonen zu verhöhnen, was ja ein Standard der Burleske ist. Enz‘ Humor scheint immer nur vorgetäuscht, wie mit Anführungszeichen versehen. Er ist nicht menschlich, sondern grotesk, anorganisch. Seine Auswüchse erinnern an das, was die Telepods in Cronenbergs THE FLY in einem frühen, fehlerhaften Stadium als Interpretation biologischen Lebens ausspucken: von innen nach außen gekehrte Hüllen wabbelnden Fleisches. Die Zutaten stimmen, aber ihre Zusammensetzung dreht einem den Magen um.

Der Blick von Enz gleicht dem eines Insektenforschers durch das Mikroskop auf eine Ameisenfarm, seine Filme  Versuchsanordnungen, die durch ein Spezialobjektiv betrachtet werden, das jeden sonst über den Dingen liegenden, das Hässliche gnädig verhüllenden Schleier lüften. Man sieht die Welt in WO DER WILDBACH DURCH DAS HÖSCHEN RAUSCHT – DER WITWEN-REPORT aus einer ähnlichen Perspektive wie der Held aus Carpenters THEY LIVE, nachdem er die Sonnenbrille aufgesetzt hat, die seine Mitmenschen als Außerirdische enttarnt. Das menschliche Treiben, es erscheint einem in seiner ganzen frappierenden Vulgarität plötzlich durch und durch absurd und vollkommen fremd. Man betrachte nur einmal das finale Bierzelt-Szenario: Nun mag man diesen Ort ja sowieso für einen Hort der schlimmsten menschlichen Auswüchse halten, aber so wie Enz ihn zeigt, wird diese Minderheitenemeinung zum unausweichlichen Fakt. Heruntergekommene Menschen sitzen in einem heruntergekommenen Plastikzeit an heruntergekommenen Bierbänken auf feuchtem Heu und lassen all das fallen, was sie in ihrem Alltag in Beschlag nimmt. Der zur Moral mahnende Ausbruch der Witwe, die die anwesenden Weiber des Ehebruchs bezichtigt, wird zum ultimativen Tabubruch. Doch die anschließende Gerichtsverhandlung wendet das Blatt: Die geifernde, lustfeindliche Witwe zieht ihre Anzeige zurück. Zwar ist das wilde Treiben ihre Sache nicht, aber letztendlich muss jeder nach seiner Facon glücklich werden. Das ist am Ende dieses Films eine durch und durch erstaunliche Erkenntnis. Jürgen Enz, der große Humanist des deutschen Sexfilms? Seiner Vision vom friedlichen Mit- und Ineinander der Mitbürger ist kaum etwas entgegenzusetzen. Sie stellt sich nicht als leuchtender, heiliger Blick ins Paradies dar, dafür ist der Mensch wohl zu dumpf in seiner Anlage. Aber auch wenn man das Sofa nicht mag, auf dem der schnauzbärtige Landwirt seine feiste Magd durchorgelt: Man muss ihm sein Recht doch lassen. Dieser kritische Impetus von Enz‘ Film bricht nie ganz durch, wirkt vielmehr zersetzend und subversiv im Hintergrund der deutschen Heimatklamotte, arbeitet heimlich daran, den bayrischen Spießer zum befreiten Brutbürger zu machen – oder zumindest ihn von der Schönheit der Freiheit zu überzeugen. Die frigide Enthaltsam- und Freudlosigkeit Ilsebills und das wüste Geficke der Bürger sind nämlich nur die zwei Seiten ein und derselben Medaille. Wo Spießertum und Religion regieren, da kann es eben kein gesundes Maß geben, sondern nur den Exzess in beiderlei Hinsicht.

Bierzeltpublikum

Hässliche Menschen beim Versuch, sich andere hässliche Menschen schönzusaufen.

Busengrapscher

Weil dieses Bild für sich spricht, möchte ich darauf hinweisen, wie das „p“ im Schriftzug „Alpenglühen“ rechts oben die Öffnung des „ü“s penetriert.

Richter

Im Namen des Vaters und des Freistaats Bayern.

Fahrrad

Zum Abschluss: Stillleben mit Fahrrad und Beton. Was will Enz uns damit sagen?

Sylvia (Corinne Brodbeck) kommt ins Grübeln: Was sie da in ihrem Aufklärungsbuch über Sex, Lust und Orgasmen liest, steht in hartem Widerspruch zu ihrem tristen Zusammenleben mit Kurt (Michel Jacot), der nur Fußball und seinen Beruf im Kopf hat und ihr beim gemeinsamen Liebesspiel keinerlei Freude verschaffen kann. Als sie dem erfolgreichen Geschäftsmann Joerg Bronner (Gianni Garko) begegnet, buchstäblich der Mann ihrer geheimen Fantasien, wird alles anders. Doch Joerg ist erstens kein Kind von Traurigkeit und macht bei einem geschäftlichen Termin zudem Bekanntschaft mit der frechen Klosterschülerin Maria (Olivia Pascal), die es am liebsten an öffentlichen Ort treibt und nahezu unersättlich ist …

Strukturell ist Gottliebs Film von lupenreinem Porno nicht mehr allzu weit entfernt. Die Handlung dient vor allem dazu, möglichst viele verschiedene Paarungen zusammenzubekommen und nackte Damen zu zeigen. In den Dialogen dreht es sich nur um das eine, Psychologie ist reine Nebensache. Und wenn es zur Sache geht, ist das etwas konkreter als in den sonstigen Softerotik-Filmchen aus München. Das muss alles nicht zwingend so öd und langweilig sein, wie es sich hier darstellt. Gottlieb entwickelt keinerlei Haltung zum Geschehen, selbst das sehr vordergründig eingewebte Emanzipationsgedöns bleibt leer und ist natürlich nur Vorwand um Altherrenfantasien zu bedienen. Auch der in den Lisa-Filmen sonst so gern grassierende Brachialhumor ist hier abwesend. So bleibt nur wenig, das wirklich hängenbleibt. Olivia Pascals freches Früchtchen ist so ein Hauch Frischluft, dem man dann aber gleich viel zu lang ausgesetzt bleibt. Irgendwann habe ich es nicht mehr ausgehalten und bin eingepennt. Den verschlafenen Rest werde ich wohl eher nicht nachholen. Was übrig bleibt ist der supertriste Spruch von Sylvias Kurt. Auf ihre Frage, ob er mit ihr einen Wochenendtrip machen wolle (bei dem natürlich Sex in Aussicht steht), antwortet er ganz sebstverständlich: „Du weißt doch, dass ich nie Zeit habe“. Was für ein Leben in den deutschen Siebzigern.

Für die Filmgazette habe ich Walerian Borowczyks erotischen Epsiodenfilm CONTES IMMORAUX rezensiert, der unter seinem deutschen Titel UNMORALISCHE GESCHICHTEN dieser Tage bei Bildstörung auf DVD erschienen ist. Eine unbedingte Pflichtanschaffung für aufgeschlossene Filmfreunde: Warum, kann man hier lesen.

Der fesche öläugige Bobby (Matt Lattanzi) wird von seinem reichen Vater (Kevin McCarthy) zu schulischen Höchstleistungen getrieben, die jedoch ausbleiben, weil Bobby mit seinen Kumpels Billy (Clark Brandon) und Jack (Crispin Glover) mehr Energie darauf verwendet, sich die Hörner abzustoßen. Als der Papa die 29-jährige Terry (Caren Kaye) als Nachhilfelehrerin für den Filius engagiert, ist dieser jedoch plötzlich motiviert. Und er wird von ihr nicht nur in Fremdsprachen unterwiesen …

An Filmen wie MY TUTOR erkennt man noch die Exploitationwurzeln des Teeniefilms, die im Verlauf der Achtziger mit dem Erfolg etwa der respektablen (und braveren) John-Hughes-Filmen immer mehr gekappt werden sollten. MY TUTOR liefert mit seiner belanglosen und auffallend lustlos abgespulten Story nur Vorwand für ein paar Sexszenen, die dann auch eine ganze Ecke expliziter ausgefallen sind als in anderen Vertretern des Genres. Die Ausflüge der Kumpels in Puffs, Schlammcatch-Arenen und zu willigen Diner-Bedienungen enden immer mit der Aussicht auf üppige Oberweiten und entsprechenden Leibesertüchtigungen – passend dazu absolviert auch die Russ-Meyer-Ikone Kitten Natividad einen kleinen Gastauftritt. Das sieht Mann zwar alles ganz gern, doch hätte der Film um diese Szenen drumrum ruhig etwas interessanter sein dürfen. Der ganze Plot um die Verführung des Schülers durch die ältere Frau führt zu gar nix und kommt zudem nahezu ohne jeden Konflikt aus. Erst am Ende konstruiert Regisseur Bowers etwas Ärger herbei, damit es so etwas wie eine Auflösung geben kann. Dazu kommt noch, dass MY TUTOR seltsam leer wirkt: Die Figuren sind allesamt so eindimensional und uninteressant, dass man das alles völlig teilnahmslos über sich ergehen lässt. Wie sehr der Film etwas mehr Profil vertragen hätte, sieht man daran, wie die Stimmung abrupt ansteigt, wenn Crispin Glover in einer typischen Nerd-Rolle oder McCarthy als erfolgsgeiler Papa auftritt. Die lustigste Szene ist noch nichtmal ein Gag, sondern eher ein Beispiel für die Unbedarftheit des Drehbuchs: Auf die Frage der wie gesagt 29-jährigen Terry an ihren Schüler, wie alt der sie schätze, antwortet dieser tatsächlich „45? 40?“ und sie ist noch nichtmal beleidigt. Vollkommen unrealistisch. (Und ich muss zur Abwechslung dringend mal wieder was Vernünftiges gucken.)

Die beiden Navy-Matrosen Tom Buckley (Bruce Fairbairn) und Terry Wayne (Trey Wilson) sind bei ihrem Landgang auf den Philippinen auf der Suche nach Frischfleisch. Als sie nach zahlreichen erfolglosen Eroberungsversuchen (unter anderem in einer Transvestitenbar) endlich fündig werden, kommt ihnen ausgerechnet ihr Vorgesetzter zuvor. Zum Glück, denn die vermeintliche Edelprostituierte gehört zu den Dienerinnen des Vampirs Richmond Reed (John Carradine), der eine Gruft auf dem örtlichen Friedhof bewohnt. Als der Captain verschollen bleibt, machen sich Buckley und Wayne auf die Suche …

Billigheimer Santiago versucht sich mit VAMPIRE HOOKERS nicht ganz erfolglos an einer Horrorkomödie. Sein Film erinnert mit seinem harmlos-fröhlichen Humor vor allem an die ersten Gehversuche des Genres in den Dreißiger- und Vierzigerjahren: In den Rollen der beiden Matrosen könnte man sich durchaus Jerry Lewis und Dean Martin oder andere komische Filmduos vorstellen, auch wenn diese zu ihrer Zeit keine zehnminütigen Zeitlupen-Sexszenen absolvieren durften. Dennoch bleibt VAMPIRE HOOKERS stets annähernd jugendfrei und konzentriert sich eher auf pointierte Dialoge als auf Pornografisches. Einige Ideen sind dann auch ganz hübsch: John Carradine darf als Richmond Reed Klassiker der englischsprachigen Dichtung proklamieren und anhand ausgesuchter Zeilen aus Shakespeares Gesamtwerk belegen, dass es sich bei diesem ebenfalls um eine Blutsauger handelte. Andere Dialoge sind zwar eher auf dem Niveau von Herrenwitzchen angeeidelt, aber dennoch nicht ganz ohne Charme. So bremst eine Vampirdame den zudringlichen Captain, der sie am liebsten gleich auf einem Grab vernaschen würde, mit den Worten: „This is to get laid to rest, not to get laid!“ Und später, wenn Reed versucht, den Matrosen die Erfahrung des Todes schmackhaft zu machen, entbrennt folgender Dialog: Matrose: „This is not death. It’s murder!“ Vampirfrau: „This is not murder … it’s dinner!“  Zu guter letzt beachte man in diesem Zusammenhang auch die schöne Poster-Tagline: „Warm Blood isn’t all they suck!“ Da darf dann auch der obligatorische grunzende und fette Gehilfe nicht fehlen, der in seiner philippinischen Ausprägung zudem mit einer beeindruckenden Kauleiste ausgestattet ist (gespielt von Vic Diaz) und das Humorportfolio um zünftige Flatulenzwitze bereichert. Angesichts solch charmanten Unfugs könnte man sich – die Fähigkeit zur Freude am niedrigen Niveau vorausgesetzt – den Film durchaus gefallen lassen, wenn der Gesamtentwurf nicht so schrecklich dröge wäre: Die nur in Spurenelementen vorhandene Story ist nach ca. 20 Minuten abgespult und das folgende redundante Gekasper mit den Vampirdamen ist schon nach kurzer Zeit ähnlich prickelnd wie abgestandenes Bier. Es ist längst nicht nur Dienst am Kunden, wenn Santiago eine eh schon überlange Sexszene auch noch perZeitlupe zerdehnen muss, um seinen Film überhaupt auf die nun auch nicht gerade monumentale Länge von 78 Minuten zu bringen. Der Verdacht liegt nahe, dass er den Film nur gedreht hat, um den zugegebenermaßen hübsch klingenden Titel verkaufen zu können. Um John Carradine und die gar nicht mal so üblen Darsteller sowie um die paar liebevollen Details tut es einem geradezu Leid, hätten sie doch allesamt einen besseren Film verdient. So bleibt ihnen die undankbare Aufgabe, einen Film aufzuwerten, der davon nur unwesentlich profitiert.

Als der Student Glenn Marshall (Rick Barnes) bei einer Party einen Porno sieht, ist es um ihn geschehen: Von der Hauptdarstellerin (Merideth Haze) fühlt er sich geradezu magisch angezogen. Schließlich macht er sie in einem mondänen Club ausfindig, der sich ganz im Stile der Nachtclubs der Zwanziger dem sündigen Treiben verschrieben hat und von dem diabolischem Mr. Youngmeyer (J. Martin Sellers) geleitet wird. Unter dem Namen Gretta spielt sie dort Klavier, scheint aber auch nichtmusikalischen Wünschen nicht abgeneigt. Glenn versucht sie dem Sündenpfuhl zu entreißen, doch anstatt sie zu befreien, zieht es ihn immer tiefer in diesen hinein …

Uff. Was war denn das?

Unter Filmfreunden scheint ja die Ansicht vorzuherrschen, dass man wirklich Ungewöhnliches nur abseits der ausgetretenen Pfade vorfinde. Noch der originellste US-amerikanische, deutsche, französische oder britische Film folgt einem Muster, das für uns als Angehörige eines mindestens verwandten Kulturkreises fast instinktiv zu entschlüsseln ist und uns kaum noch besondere Anstrengung abverlangt. Anders sieht es in Ländern aus, in denen eine grundlegend andere Erzähltradition vorherrschend ist: Auf der Suche nach filmischen Überraschungen durchstöberte man so vor nun rund 20 Jahren erst den schier unerschöpflichen Filmmarkt Hongkongs, ließ dann den Blick nach Japan und Südkorea schweifen und entdeckte vor ein paar Jahren Bollywood. Doch auf die Immersion in diese zunächst noch fremde Filmwelten folgt ja immer auch die traurige Erkenntnis, dass das vermeintlich Rätselhafte auch nur Ausdruck einer lediglich anderen Normalität ist: Was im ersten Hongkongfilm noch verwundert, irritiert und  begeistert, erkennt man im zwanzigsten schließlich als standardisiertes Struktur- und/oder Plotelement. Exotismus kann also nicht die (einzige) Lösung sein.

Das wird umso deutlicher, wenn man alle paar Jahre auf einen Film wie THE DEATH WISH CLUB stößt, der einen mit etlichen Fragezeichen über dem Kopf entlässt, ohne vordergründig strange, enigmatisch oder rätselhaft zu sein. Den man im Gegenteil als Summe verschiedener bekannter Teile erkennt und der trotzdem als Ganzes völlig uneinordenbar bleibt. Bei dem es nicht funktioniert, sich auf eine Metaebene zu flüchten, den Grund für seine Eigenart in der Unzulänglichkeit der Inszenierung zu suchen. Bei dem alles auf wundersame Weise Sinn ergibt und trotzdem alles offen bleibt. Carr vereint in THE DEATH WISH CLUB völlig disparate Versatzstücke aus so unterschiedlichen Genres wie Sex-, Horror- und Gangsterfilm, Film Noir und Vaudeville, kleidet diese in das Lumpengewand eines Ultra-Low-Budget-Films, der sich seiner formalen Minderwertigkeit vollkommen bewusst ist und deshalb gar nicht erst über sie hinwegzutäuschen versucht, sondern sie vielmehr in sein Spiel einbezieht. So klingen die von den drittklassigen Schauspielern gesprochenen dummen Dialogzeilen nicht mehr wie solche: Aus den hölzernen Figuren, die schlecht gescriptete Zeilen als die ihren sprechen, werden vielmehr Schauspieler, die schlechte Schauspieler spielen, die schlechte Zeilen verlesen müssen, die sie nicht als solche erkennen. Der Film katapultiert sich auf dieser Weise in Abstraktionsgefilde, die man kaum noch nahvollziehen kann. Was unterm Strich herauskommt ist zwar kein guter Film, aber einer, dessen Eindruck sich nicht so einfach wegwischen lässt.

Aus dem missratenen Horrorfilm mit unbeholfenen Cronenberg-Anleihen (der auszugsweise für den Remix-Episodenfilm namens NIGHT TRAIN TO TERROR wiederverwendet wurde) wird ein geradezu Godard’sches Spiel mit Bedeutungsebenen, Selbst- und Fremdbezügen, eine Reise durch verschiedene Filmgenres und tief in die Filmgeschichte, ein verschlüsselter Kommentar zum Indiefilme-Machen und zum Filmemachen überhaupt. Was das alles soll? Ich habe nicht die geringste Ahnung, aber auch in dem Fall war dann wohl der Weg das Ziel.