Mit ‘Shannon Tweed’ getaggte Beiträge

Gattin und Sohn eines afrikanischen Königs werden von dem schurkischen Rebellenführer Tabrak (James Ryan) entführt. Das CIA, dem an der Stabilisierung der politischen Verhältnisse in dem Staat sehr gelegen ist, reaktiviert den ehemaligen Agenten Monroe Bieler (Robert Ginty), um die Entführten zu befreien und Tabrak zur Strecke zu bringen …

CODE NAME VENGEANCE ist einer der zahlreichen preisgünstigen Actionklopper, die Ginty in den Achtzigern machte: Vorbilder waren meist populärere, größere Actionfilme, im Schlepptau des B-Movie-Stars befanden sich dann abgewirtschaftete Veteranen wie hier Cameron Mitchell, blondes Eye Candy wie Shannon Tweed oder aber Darsteller, die man aufgrund ihrer Nebendarstellertätigkeit in populären Filmen als „Stars“ verkaufen konnte (siehe Sandahl Bergman in PROGRAMMED TO KILL). Regisseur Winters, ein gebürtiger Brite mit bis in die Sechzigerjahre zurückreichender Fernseh- und Showbizerfahrung (u. a. Episoden für THE MONKEES sowie der Alice-Cooper-Film WELCOME TO MY NIGHTMARE), hatte in den frühen Achtzigern das MANIAC-Quasisequel LOVE TO KILL inszeniert und für MISSION … KILL auch schon mit Ginty und Mitchell zusammengearbeitet. Wies letzterer aber ein als ambitioniert zu bezeichnendes Script und eine sehr ungewöhnliche, spannenden Story auf, ist dieser Nachklapp insgesamt deutlich bescheidener: Die Geschichte ist im Grunde nach fünf Minuten zu Ende erzählt und weicht dann einer Aneinanderreihung von Actionszenen sowie typischer Actionfilmklischees, wie dem alten, gut gelaunten Veteranen, dem sich als Verräter entpuppenden Sidekick sowie dem mit verdeckter Agenda handelnden CIA-Agenten, der am Schluss seine gerechte Strafe bekommt. Das Ende, mit dem per Helikopter ins Morgen flatternden Helden, das in MISSION … KILL eine deutlich pessimistische Note trug, verwendet Winters hier auch, setzt den Helden aber neben die geile blonde Tweed, die ihm verführerisch zuzwinkert, was den Unterschied zwischen beiden Filmen auf den Punkt bringt.

CODE NAME VENGEANCE ist ziemlich ruppig und in seinen Ballereien durchaus gefällig, aber dann auch wieder viel zu routiniert. War MISSION … KILL noch vollgestopft mit interessanten Figuren, Subplots und Motiven lässt dieser Film jedes spezifische Detail vermissen und wirkt so irgendwie lustlos und austauschbar. Das endlose Geballer ist letztlich vor allem ermüdend und wenn am Ende die Credits rollen ist kaum etwas hängengeblieben. Winters hingegen blieb hängen und zwar in Südafrika, wo er mit Reb Brown den ersten südafrikanischen Science-Fiction-Film drehte, den herrlich hirnrissigen SPACE MUTINY. Ginty, Tweed und Mitchell indessen zogen weiter und sorgten mit ihrem kommenden Output weiterhin dafür, dass der Nachschub für die Videotheken nicht abriss.

steelejusticeIch weiß nicht genau, wie lange ich diesem Film schon hinterherjage: Es war ein Screenshot des mit Tarnfarben bemalten Martin Kove, der in meinem jugendlichen Selbst den unbändigen Wunsch wachsen ließ, STAHL-JUSTIZ (wie er hierzulande in einer fast Ernstjünger’schen Interpretation des Originaltitels heißt) zu sehen. Dummerweise ist er mir in all den Jahren nie über den Weg gelaufen, weder als VHS-Tape noch als DVD. Umso größer die Freude, als ich ihn vor kurzem endlich, endlich auftreiben konnte. Wie STEELE JUSTICE nun eigentlich ist, verkommt angesichts dieses jahrzehntelangen Vorlaufs fast zur Nebensache. Ich sage es mal so: Der Film reicht an sein arschgeiles Poster („You don’t recruit John Steele, you unleash him.“) nicht ganz heran, aber als begeisterter Fan des Achtzigerjahre-Actionkinos nimmt man auch etwas biederere Ware wie diese gern mit, sofern der Spirit stimmt und es ordentlich was auf die Mütze gibt. Und das ist hier durchaus der Fall.

Martin Kove – bekannt für THE KARATE KID und RAMBO: FIRST BLOOD PART II – ist in einer seltenen Hauptrolle als ausgebrannter Vietnamveteran John Steele zu sehen, der es 12 Jahre nach dem Krieg in der Heimat mit seinem alten Rivalen General Kwan (Soon Teck-Oh) zu tun bekommt. Jener ist mittlerweile nicht nur ein angesehener Geschäftsmann, sondern auch Chef der vietnamesischen Mafia. Als Steeles alter Kamerad, der Kriminalbeamte Lee (Robert Kim), samt Ehefrau bei einem Anschlag der Mafia das Leben lassen muss, begibt der sich mit freundlicher Genehmigung von Polizeichef Bennett (Ronny Cox) auf einen zerstörerischen Rachefeldzug.

STEELE JUSTICE ist, wie man dieser Zusammenfassung unschwer entnehmen kann, streng genommen Dutzendware und Regisseur Robert Boris fehlt es deutlich an Finesse und Profil, um seinem Film das Epigonale, Fernsehhafte auszutreiben. So richtig wehtun will er keinem: Großkalibrigen Ballereien mit reichlich Aderlass stehen süßlich-kitschige Szenen mit der jugendlichen Tochter von Steeles totem Kumpel sowie humorige Momente gegenüber, die sich um die Lebensunfähigkeit des Protagonisten drehen und sein raubeiniges Gammlertum zur liebenswerten Marotte verklären. Wie so viele Actionfilme um Vietnamveteranen handelt auch STEELE JUSTICE eigentlich von posttraumatischem Stress, von den tiefen Wunden, die die Erfahrung des Krieges hinterlässt, von der Unfähigkeit der Betroffenen, danach zur Normalität zurückzukehren. Aber eine echte Auseinandersetzung mit diesem Thema findet erwartungsgemäß nicht statt, es scheint noch nicht einmal das Bewusstsein für diese krankhafte Disposition vorhanden zu sein. Stattdessen trauert Steele im Verständnis des Films dem Krieg nach, weil er da noch seinen Freund hatte, sich nicht ständig vor dem Gesetz verantworten oder vor der strengen Ex-Frau rechtfertigen musste.

Robert Boris – größte Leistung: das Drehbuch für Mark L. Lesters EXTREME JUSTICE – hat eher seichte Unterhaltung im Sinn, garniert seinen Film dann auch mit den damals gängigen Trainings- und Videoclip-Montagen, ohne jedoch jemals an die visuelle Raffinesse anknüpfen zu können, die Filmemacher vom Schlage eines George Pan Cosmatos oder Michael Mann bei solchen in die Waagschale warfen. Kove macht seine Sache gut, aber er ist als Typ etwas zu durchschnittlich, um einen solchen Film als Hauptdarsteller tragen zu können. Nicht zuletzt wegen ihm wirkt STEELE JUSTICE ein bisschen wie der Pilotfilm für eine nie in Produktion gegangene Serie. Auch andere, etwas alberne Elemente tragen dazu bei: So hat Steele als Haustier stets eine giftige Schlange bei sich, die trotz offensichtlich wenig artgerechter Haltung nicht nur satte 12 Jahre lang, vom Vietnamkrieg bis in die Gegenwart des Films, bei ihm überdauert, sondern am Ende auch einen der Schurken abräumt (die kurze Netzrecherche ergab, dass es sich bei der Schlange um eine völlig ungiftige Königsnatter handelt). Das Finale erinnert mit dem Superpanzer in der Fabrikhalle nicht wenig an Andrew Davis‘ CODE OF SILENCE, sein Einsatz bleibt aber ebenso antiklimaktisch wie der hüftsteife Schwertkampf gegen Kwan. Wie dem auch sei: STEELE JUSTICE ist leider nicht der von allen vergessene Klassiker der Eighties-Action, aber doch ein sehenswerter Vertreter des Genres, der so etwas wie die gehobene Mittelklasse verkörpert.

 

51MXH66B91LDas Wichtigste vorab: In der Originalfassung mit doofem Allerweltstitel und grausam öden Designs gestraft, wurde der Film erst in der deutschen Fassung mit dem erhabenen Titel DER KAMPFGIGANT 2 und dem nebenstehenden Spitzen-Videocover-Artwork angemessen abgerundet und zum Must-See veredelt. Das „Sequel“ kann Bruno Matteis Original zwar nicht die Butter vom Brot nehmen – welcher Film kann das schon –, etabliert aber seinen ganz eigenen unwiderstehlichen Wahnsinn. Für mich war die Erstbegegnung seinerzeit ein cineastisches Erweckungserlebnis: Nachdem ein guter Freund und ich den Trailer auf irgendeinem Videotape gesichtet hatten, war klar, dass wir DER KAMPFGIGANT 2 unbedingt sehen mussten. Und jener güldene Tag, an dem wir des Kleinods endlich habhaft wurden, ihn voller Vorfreude in den Player schoben und das erste Dosenbier aufrissen, wird mir bis an mein Lebensende als einer der schönsten und nachhaltigsten meines Lebens in Erinnerung bleiben. DER KAMPFGIGANT 2 ist einer jener Filme, die zum richtigen Zeitpunkt gesehen ein ganzes Leben verändern, ja auf den Kopf stellen können. Ohne DER KAMPFGIGANT 2 gäbe es wahrscheinlich dieses Blog nicht – zumindest sähe es ganz anders aus –, weil er mich doch ganz entscheidend mit der Idee des „baddies“ vertraut machte und für solche begeisterte. Ich wäre, das ist nicht übertrieben, ein anderer Mensch. Und er machte mich zum Die-Hard-Reb-Brown-Fan: Nach DER KAMPFGIGANT 2 setzten wir die Tour durch die Videotheken auf der Suche nach weiteren Filmen des muskulösen Knuddelbären fort und stießen dabei auf solche All-Time-Classics wie ROBOMAN, COBRA FORCE, SPACE MUTINY und FREEDOM FIGHTERS. Wir lernten so auch, dass DER KAMPFGIGANT 2 gewissermaßen ein Schlüsselfilm im Werk des amerikanischen Darstellers war: Es ist nämlich der einzige Film, in dem er einen Schnauzbart trägt. Filmhistorisch betrachtet, steigert das seinen Wert noch einmal erheblich.

Die Story ist dankenswerterweise sattsam bekannt und kann gut in drei Sätzen abgerissen werden: Reb Brown ist Mark Hardin (Hard-on?), ein Soldat, der als Söldner für die Regierungstruppen eines vermutlich südamerikanischen Staats im Kampf gegen die obligatorischen Rebellen arbeitet. Als er erfährt, dass der gefangen genommene Anführer der Rebellen keinen „fairen Prozess“ bekommen hat, sondern mitleidlos hingerichtet wurde, überwirft er sich mit seinen Arbeitgebern, landet als möglicher Spion im Bau und kann schließlich fliehen. Er schließt sich zusammen mit der Reporterin Sandra Spencer (Shannon Tweed) den Rebellen an, die er mit seiner Erfahrung zum Sieg führt. So weit, so uninteressant. Was DER KAMPFGIGANT 2 erst zu einem kolossalen Actionmonument macht, sind die unzähligen Stilblüten, die einem der notdürftig zusammengeschusterte Film in rasanter Abfolge kredenzt. Gleich zu Beginn, der sich einem Angriff der Truppen auf die Rebellen widmet, wird man etwa mit Hardins schlecht manikürtem Daumennagel vertraut gemacht, der in einer x-mal verwendeten Einstellung den „Fire“-Knopf eines Hubschraubers drückt und so die armen Rebellen am Boden befeuert. Die Elaboriertheit der Kampfchoreografie bzw. ihr unverkennbar kafkaesker Einschlag fällt als zweites auf: Eine längere Szene folgt der Regel, dass derjenige, der jemanden erschießt, gleich als nächster getroffen wird. Die ganze Absurdität des Krieges wird hier besser eingefangen als in drei Stunden APOCALYPSE NOW REDUX. Unverzichtbar natürlich auch, dass sich sämtliche Statisten bei Explosionen als verhinderte Prima Ballerinas entpuppen. So wie die da mit ausgebreiteten Armen Luftsprünge vollführen, bekommt der eigentlich für John Woo (oder Peckinpah?) aus der Taufe gehobene Begriff des „Kugelballetts“ eine ganz neue Bedeutung. Es ist schwer, aus diesen eindrucksvollen ersten 10 Minuten ein Highlight herauszupicken, aber wenn ich eines benennen müsste, dann wäre es ganz sicher die unsterbliche Mahnung zur Eile, die Rodriguez (Mike Monty) seinen Guerillas entgegenschreit: „Rapido Karacho!“ Da rennt es sich gleich ganz von allein.

Hauptattraktion des Films ist, neben der erwähnten Sprungkraft und -begeisterung der Statistenschar, aber ganz  eindeutig Reb Brown. Ich glaube Christian Kessler beschrieb ihn mal als Knuddelbär, dem man am liebsten die ganze Zeit den Kopf tätscheln möchte, und das trifft es tatsächlich sehr gut. Ich glaube, Reb Brown ist gar kein sooo schlechter Schauspieler, sein Problem ist vor allem, dass er für die Rollen, die er spielte, einfach zu lieb aussah und darüber hinaus immer etwas dümmlich wirkt. Der hünenhaft gebaute Mann hat einfach keine echte Körperspannung, er mutet stets an wie ein 12-Jähriger, der in einem viel zu großen Fleischanzug steckt. Als er in einer Szene mit fiesen Pieptönen gefoltert wird, stößt er einen langgezogenen Schrei aus, verdreht die Augen und sackt zusammen. Wahrscheinlich ist seine Darbietung sogar recht nahe an der Realität, aber mit seinem putzigen Koala-Gesicht regt sie vor allem zu schallendem Gelächter an. Dem Film hilft die Naivität, die Brown in jeder Sekunde ausstrahlt, aber ungemein, entbindet sie ihn doch von der Pflicht, komplizierte Motivationen herleiten zu müssen: Hardin befallen keinerlei Selbstzweifel, wenn er die angreifenden Regierungstruppen nach seinem Anschluss an die Rebellenarmee wüst beschimpft und verflucht, obwohl er nur einen Tag zuvor dasselbe getan hat. Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern? DER KAMPFGIGANT 2 gehört zu jenem Subgenre des Dschungel-Actioners, in dem Rebellen und ihre Taten grundsätzlich gut und moralisch legitimiert sind. Natürlich gibt es Ausnahmen: Montiero etwa, den die Rebellen mit Hardins Hilfe aus dem Knast befreien – sie latschen rein, treten drei Wachen vors Knie, öffnen Montieros Zelle und spazieren wieder raus –, ist ein eifersüchtiger, von Missgunst geplagter Opportunist, der natürlich zur anderen Seite überläuft, weil er es nicht verkraften kann, dass ein Ami nicht nur die Führung seiner Leute an sich reißt, sondern ihm auch seine heimliche Perle, die tapfere Laura (Kahlena Marie), ausspannt. In einem fantastisch pointierten Dialog kritisiert er Hardins Entscheidung, eine Rast einzulegen (weil dessen Love Interest Sandra die Füße wehtun). „Passt ihnen was nicht, sie Arschloch?“ ist die geharnischte Antwort die ihm entgegenschlägt. Aber das lang ausgedehnte Blickduell zwischen Hardin, Laura, Sandra und Montiero unmittelbar nach seiner Befreiung ist auch nicht schlecht. Sergio Leone nichts dagegen!

Es ist angesichts solcher inszenatorischer Sternstunden nicht verwunderlich, dass Regisseur Gallardo das immens hohe Tempo nicht bis zum Ende halten kann. DER KAMPFGIGANT 2 versumpft in der letzten halben Stunde in einem nicht enden wollenden Showdown, der mit „statisch“  noch überaus freundlich umschrieben ist. Dass der monotone Synthiescore nur aus zwei Passagen besteht, die je nach Bedarf endlos verlängert oder willkürlich arhythmisch abgekürzt werden, ist nicht gerade eine Hilfe. Aber wen interessiert das schon, wenn es so viele andere Wunder zu bestaunen gibt? Bei einer romantischen Liebesszene zwischen Hardin und Sandra werden die beiden so hinter einem Steinhaufen platziert, dass nur Kopf und Schultern hervorlugen. Offensichtlich war Gallardo der Meinung, DER KAMPFGIGANT 2 enthalte schon genug Sex, womit er zweifelsohne Recht hatte. Das Handlungskonstrukt wirft auch die ein oder andere Frage auf: Warum wird Hardin wie ein Spion gefoltert, warum die Reporterin festgenommen, wenn sich der Söldner doch ganz offensichtlich allein dadurch disqualifizierte, dass er seinem direkten Vorgesetzten die Fresse poliert hatte? Ich warne vorab: Wer hier nach Logik sucht, der wird nicht fündig werden. Anders sieht es da schon mit der Poesie aus: Wunderschön etwa die Szene, in der der an einen Baum gefesselte Hardin die mit einer Machete in der Hand vor ihm verharrende Sandra auffordert, nun endlich seine Fesseln durchzuschneiden, und diese mit einem unidentifizierbaren Stöhnen und einem Blick gen Himmel antwortet, der suggeriert, dass sie kurz vergessen hat, wer und wo sie ist und was sie da eigentlich wollte. Wer wollte es ihr verdenken? Wenn ich mit einer Machete Reb Brown gegenüberstünde, würde ich mir vor Aufregung wahrscheinlich schwerste Verletzungen zufügen. Meine Aufzählung könnte jetzt noch ewig so weitergehen: Ein Blick durch ein Fernglas wird mithilfe einer Papierschablone realisiert, die wahrscheinlich der behinderte Neffe von Gallardo mit einem Holzlöffel zurechtschnitt, und ein Funker fällt dadurch unangenehm auf, dass er sein Ohr beim Funken nicht auf Anhieb findet. Natürlich gibt es auch einen Sackvoll jener für die dichte Dschungelatmosphäre unverzichtbarer Szenen, die Statisten einfach beim endlosen Latschen durch den Blätterwald sowie vom Material her nicht passendes Stock Footage zeigen, aber das ist bei einem Film dieser Couleur ja gewissermaßen Ehrensache. Mehr gibt es nicht mehr zu sagen. Die DVD ist als X-Rated-Hartbox im genau richtigen Format erschienen und ihre Platzierung im Regal ist für Leser dieses Blogs natürlich ebenfalls: Ehrensache.

Billy Colton (Derek Rydall) gilt in seiner Schule als Störenfried und notorischer Lügner. Folglich glaubt ihm auch niemand, als er erzählt, dass er gesehen habe, wie seine Nachbarin, die Prostituierte Lisa (Shannon Tweed), von seinem Geschichtslehrer Mr. Willard (Allen Garfield) erdolcht worden sei. Bei diesem handelt es sich jedoch tatsächlich um einen praktizierenden Satanisten, der dem Gehörnten gemeinsam mit seinem zurückgebliebenen Bruder Stanley (Michael J. Pollard) eine ganze Reihe von weiblichen Opfern dargebracht hat. Weil Billy in Lebensgefahr schwebt und keine Hilfe von der Polizei zu erwarten hat, wendet er sich in seiner Verzweiflung an den ehemaligen Polizisten Ron Devereaux (Elliott Gould) …

Ein Film über einen satanischen Nuttenmörder, der von einem Schuljungen auf frischer Tat ertappt wird. Was hätte man daraus machen können! NIGHT VISITOR beginnt dann auch zunächst als durchaus muntere Variation auf Filme wie Hitchcocks REAR WINDOW oder auf dessen bereits exploitativ gebrochene Adaptionen wie De Palmas  BODY DOUBLE oder Tom Hollands FRIGHT NIGHT. Hitzig baut seine Geschichte sorgfältig auf, führt erst seinen Protagonisten ein, dessen Charaktereigenschaften für den Konflikt des Films von zentraler Bedeutung sind, und kann zudem auf eine recht illustre Besetzung zurückgreifen. Schon hier kommt NIGHT VISITOR letztlich zwar nicht über belangloses Entertainment hinaus, doch zumindest das gelingt ihm: Und der Achtzigerjahre-Zeitkolorit trägt – für mich – nicht unerheblich dazu bei. Doch leider gelingt es Hitzig danach einfach nicht, das Tempo zu forcieren. Der Film plätschert endlos vor sich hin, ohne dass er sich vorwärts bewegen oder auch nur die Bedrohung für die Hauptfigur plausibel und spürbar machen würde. Nur ein einziges Mal hat man den Eindruck, dass Billy wirklich in Gefahr schwebt, und das ist dann auch gleich die beste Szene des gesamten Films. Und Elliott Gould, der in den Credits als Hauptdarsteller geführt wird, taucht nach seinem ersten Auftritt, der endlich einen Fortschritt der Handlung verspricht, wieder für eine ganze Weile ab, bis er sich dann irgendwann doch noch daran erinnert, in entscheidender Funktion mitwirken zu müssen. Das ist alles umso ärgerlicher, als NIGHT VISITOR niemals so richtig schlecht ist. Inszenatorisch ist er zwar höchstens bieder, aber immerhin sauber, und die Besetzung verleiht dem Stoff ein Profil, das Hitzig niemals für sich arbeiten zu lassen weiß. Der größte Fehler, den er aber begeht, ist der völlige Verzicht auf exploitative Elemente (mit Ausnahme ein paar entblößter Brüste), sodass es einfach nichts gibt, was aus der Langeweile herausstechen und das einmal erloschene Interesse wieder wachrufen würde. Und für einen ernst gemeinten Thriller, der Hitzig wohl vorschwebte, sind sowohl die Geschichte zu blöd als auch Hitzigs inszenatorisches Geschick zu wenig ausgeprägt. Und wenn man dann am Ende auch noch zwei völlig sinnlose Minuten lang der poprockunterlegten Harmonie zwischen Billy und seiner Flamme beiwohnen muss, denen ein putziger Pudel bedeppert nachschaut, weiß man endgültig: Das war leider gar nix. Und ich werde als nächstes THE TOXIC AVENGER schauen, weil ich nach diesem grauen Anzug von einem Film das dringende Bedürfnis nach saftigem Fleisch habe.