Mit ‘Sharon Farrell’ getaggte Beiträge

Es ist gut, wenn ein Film, über den man rein gar nichts weiß, den man einfach mal so angeworfen hat, weil er gerade da war und einem nicht besseres eingefallen ist, damit beginnt, dass Richard Lynch mit Hüfthose, Hosenträgern und Ballettschuhen aus einem Kirmeswohnwagen steigt und Gymnastikübungen im Sonnenaufgang macht. THE PREMONITION hatte danach annähernd Narrenfreiheit bei mir oder zumindest einen solchen Bonus, dass ich es ihm manche Schwäche gern verziehen habe – was zugegebenermaßen immer schwieriger wurde, je näher er sich dem Ende zuneigte. THE PREMONITION ist nicht nur ein Beitrag zum Mitte/Ende der Siebzigerjahre populären New-Age-Parapsychologie-Metaphysik-Schwurbelspukfilm, eines sowieso schon ziemlich schwer tolerierbaren Genres, sondern auch noch eine echte Überzeugungstat von Director-Producer-Writer Robert Allen Schnitzer, dessen Imdb-Profil ohne Zweifel von ihm selbst geschrieben wurde, anders lassen sich solche Sätze nicht erklären: „Robert Schnitzer is Founder/CEO of Sedona, Arizona-based Elation Media, Inc., owner-operator of streaming content channels serving the Body Mind holistic consumer market.“ Äh, ja. Wenn man das liest, wundert er einen gleich viel weniger, dass THE PREMONITION jede gute Idee mit zwei immens blöden auskontert, inhaltlich ziemlich idiotisch ist und das dadurch auszugleichen versucht, dass er seinen pseudowissenschaftlichen Mumbojumbo noch bedeutungsvoller und ernsthafter behandelt als ebenfalls schon ziemlich bedeutungshuberische Filme wie etwa AUDREY ROSE. Laut der zitierten Schnitzer-Bio soll THE PREMONITION auch einen Award gewonnen haben, aber weder Imdb noch Wikipedia geben Aufschluss darüber, welcher das gewesen sein könnte. Interessant immerhin: In Schnitzers Spielfilmdebüt REBEL spielte niemand Geringeres die Hauptrolle als der damals gerade 24-Jährige Sylverster Stallone.

Zurück zu THE PREMONITION: Der geht nach der beschriebenen Eröffnung ziemlich interessant weiter. Richard Lynch ist Jude, der Geliebte und Partner Andreas (Ellen Barber), die auf der Suche nach ihrer leiblichen Tochter Janie (Danielle Brisebois) ist, die vor fünf Jahren zur Adoption freigegeben wurde. Janie wohnt bei Sheri und dem Wissenschaftler Miles Bennett (Sharon Farrell und Edward Bell): Sheri leidet unter seltsamen Albträumen und Visionen, in denen eine Frau – Andrea – ihr versucht, ihr Janie wegzunehmen. Eines Tages entdeckt sie die Frau aus ihren Träumen eines Tages an Janies Schule, wie sie versucht Kontakt mit dem kleinen Mädchen aufzunehmen. Die Situation eskaliert, als Andrea eines Nachts im Haus der Bennetts auftaucht, um Janie zu entführen und von Sheri ertappt wird. Es gelingt ihr, Andrea ohne Janie in die Flucht zu schlagen, doch einige Tage später verschwindet ihre Tochter nach einem Autounfall Sheris spurlos. Als dem Kriminalbeamten Denver (Jeff Corey) die Ideen ausgehen, zieht Miles seine Kollegin Dr. Kingsley hinzu, eine Expertin auf dem Gebiet der Parapsychologie …

Schnitzer macht zunächst sehr viel richtig: Er schenkt sich jegliche Exposition und gibt dem Zuschauer nur nach und nach die Informationen, die der braucht. Das hält das Interesse wach, weil man wissen will, was es mit Andrea und Jude eigentlich auf sich hat. Die rätselhaften Vorgänge, die man aufgrund dieses Mangels an Wissen nicht einzuordnen weiß, werden durch die sehr effektive Inszenierung, Bildsprache und Musik noch unterstützt: THE PREMONITION ist kein glatter Parapsychologiethriller, sondern bemüht eher avantgardistische Verfremdungs- und Überrumplungsstrategie, die ihre Wirkung nicht verfehlen. Immer wieder brechen da Bilder über einen ein, die nicht mehr zum „objektiven“ Erzählstrang gehören, sondern einen in die Subjektive der von unverständlichen Träumen gepeinigten Sheri zwingen. Und Andrea und Jude geben ein superbes Außenseiterpärchen ab, das einen lange darüber rätseln lässt, ob man nun mit ihnen mitfühlen oder sich vor ihnen fürchten muss. Vor allem Andrea, ein Ausbund mütterlicher Neurosen, hinter deren prinzessinnengleichem Antlitz sich eine wahre Furie verbirgt, gräbt sich tief ins Gedächtnis. Leider bleibt Schnitzer nicht bei diesen beiden, sondern verlegt den Fokus gerade in der zweiten Hälfte des Film ganz auf die Bennetts und ihre Versuche, hinter die Visionen Sheris zu kommen. Das ist leider oft unangenehm melodramatisch und außerdem deutlich weniger faszinierend als Schnitzer glaubt: Ziemlich schlimm wird es immer, wenn Dr. Kingsley auftritt und mit bierernster Miene über parapsychologische und „spirituelle“ Phänomene doziert, vor allem weil man merkt, das hinter diesen Szenen auch noch so eine Art aufklärerische Intention steckt. Das Finale ist dann wirklich der Gipfelpunkt dieser Entwicklung. Was schade ist, weil THE PREMONITION mit ein bisschen mehr Zurückhaltung und weniger missionarischem Eifer wirklich das Zeug zu einem bizarren kleinen Klassiker gehabt hätte. Bizarr ist er auch so noch, allein deshalb auch ziemlich interessant, aber das Gefühl der Enttäuschung kann ich am Ende nicht ganz abschütteln. Da war so viel mehr drin. Aber wie gesagt: Der Film legt die Messlatte mit seiner Auftaktszene auch verdammt hoch …