Mit ‘Sheree North’ getaggte Beiträge

lawman1971-ua-halfDer „Lawman“ ist Jared Maddox (Burt Lancaster) und er reitet auf seinem Pferd zielstrebig und unaufhaltsam in dem Westernnest Sabbath ein. Die Leute beäugen den Fremden, der zudem einen Toten mit sich führt, misstrauisch, wie sie das in solchen Orten immer zu tun pflegen. Er registriert es, aber er stört sich nicht weiter daran, lässt sich von seinem Vorhaben nicht abbringen und strahlt eine stoische Ruhe aus. In genau abgemessenen Schritten betritt das Büro von Sheriff Cotton Ryan (Robert Ryan) und bittet ihn in klaren, unmissverständlichen Sätzen um Mithilfe: Im Örtchen Bannock haben ein paar betrunkene Cowboys auf der Durchreise für einen Tumult gesorgt, bei dem ein Mann ums Leben gekommen ist. Die Verantwortlichen wurden identifiziert und sollen nun vor Gericht aussagen. Er ist gekommen, um sie fest- und mitzunehmen. Es soll keine Vorverurteilungen geben, die Männer erwartet ein fairer Prozess, kein Lynchmob. Aber wenn sie sich dem Haftbefehl verweigern, müssen sie mit den Konsequenzen rechnen. Wie er das sagt, weiß man, dass es keine leere Drohung ist, keine aufgesetzte Pose einer bloß behaupteten Stärke. Auch Ryan weiß das. Aber eben auch, dass Maddox seinen Willen so einfach nicht bekommen wird. Einer der Gesuchten ist der Großgrundbesitzer Vince Bronson (Lee J. Cobb), dem nahezu die ganze Stadt ihre Existenz verdankt. Und die Männer, die er um sich geschart hat, sind ebenso loyal wie zupackend …

Michael Winners erste US-Produktion ist ein grandioser Spätwestern, der den alten Recken des Genres, Lancaster oder Ryan, noch einmal wunderbar maßgeschneiderte Rollen spendiert. Darüber hinaus stellt er wohl den Ausgangspunkt für Winners anhaltende Beschäftigung mit verschiedenen Formen von Gewalt dar: Maddox ist natürlich im sprichwörtlichen Recht mit seinem Vorhaben, aber er muss sich die Frage gefallen lassen, ob die Kälte, mit der er den Willen des Gesetzes vollstreckt, ihn nicht selbst zum Psychopathen macht. Während die Cowboys, deren karge Existenz schon durch eine mehrtägige Abwesenheit bedroht wäre, sich heißblütig und mit dem Mute der Verzweiflung, aber ohne jede Aussicht auf Erfolg gegen Maddox zur Wehr setzen, harrt er der Dinge, die da kommen, jede Verantwortung an ihrem Ausgang von sich weisend. Lancaster spielt Maddox als eine Art metaphysischer Gewalt, geht seiner Mission ohne erkennbare Gefühlsregung nach, stellt Leib und Fähigkeiten ganz und gar einer abstrakten Institution zur Verfügung und droht dabei zum seelenlosen Monster zu verkommen. Er mag legitimiert sein in seinem Handeln, aber macht er die Dinge wirklich besser in seinem mitleidlosen Insistieren auf den Willen des Gesetzes?

Sein Spiegelbild ist Sheriff Ryan, der einst ein gefürchteter Schütze war, bevor ihm schon vor Jahren die Angst in die Glieder fuhr und ihn handlungsunfähig machte. Nun ist er froh in einem ruhigen Städtchen zu leben, in dem das Leben einen geordneten Gang ohne unangenehme Überraschungen geht. Gewalt ist ihm ein Gräuel, weil er weiß, dass sie nie ein Ende findet, dass jeder Mord unweigerlich einen Vergeltungsschlag und einen ewigen Kreislauf des Tötens nach sich zieht. Und er weiß außerdem, dass dieser Maddox the real deal ist, das irdische Äquivalent zum Sensenmann, und jeder, der sich mit ihm anlegt, dem Tod geweiht. Er steht ihm dann doch zur Seite, weil auch er den Stern an der Brust trägt, vor allem aber, um deeskalierend zu wirken, zu verhindern, dass sich zu viele Menschen unglücklich machen. Denn auch die einfachen Bürger Sabbaths kommen auf die überaus dumme Idee, das Gesetz gegen Maddox in die eigene Hand zu nehmen und die Ordnung durch Selbstjustiz am Lawman wiederherzustellen.

LAWMAN ist ziemlich toll, weil er einerseits metaphysische Western à la HIGH PLAINS DRIFTER vorwegnimmt, andererseits aber mit beiden Beinen in der Realität verhaftet bleibt und eher als kantige Parabel oder Brecht’sches Lehrstück denn als knallige Räuberpistole funktioniert. Was nicht bedeutet, dass es in LAWMAN nicht ziemlich zur Sache ginge. Es fließt protosplatterig viel Blut und wenn die armen Schurken ins Gras beißen, geschieht das ohne die kintoppige Theatralik des B-Westerns, sondern ist dreckig, schmerzhaft und endgültig. Das triumphale Lächeln eines siegreichen Helden bleibt ebenfalls aus, weil es einen Helden nicht mehr gibt und von einem Sieg angesichts der sich sinnlos stapelnden Leichen kaum gesprochen werden kann. Maddox ist schon viel zu erkaltet, als dass er noch Begeisterung und Enthusiasmus zeigen könnte, aber seine Routine ist fast noch schlimmer. Er leidet und trauert stumm mit der Welt, ohne zu bemerken, dass er sie doch selbst mitanschiebt.

 

In New York werden unbescholtene Bürger ausgerechnet von jemandem umgebracht, der sie eigentlich beschützen sollte: einem Polizisten. Der ermittelnde Frank McCrae (Tom Atkins) hat den Verdacht, dass der Mörder sich nicht bloß als Cop verkleidet hat, sondern tatsächlich aus den Reihen des NYPD kommt. Der Verdacht fällt zunächst auf Jack Forrest (Bruce Campbell), dessen Gattin ermordet wurde, nachdem sie ihren Mann im Bett einer anderen Frau erwischt hat. Doch auch nach Jacks Inhaftierung reißt die Mordserie nicht ab. Die Spur führt zu dem wegen seiner Methoden verurteilten Ex-Cop Matt Cordell (Robert Z’Dar), doch der sollte eigentlich längst tot sein …

MANIAC COP hat es zwar auf immerhin zwei Sequels gebracht, deren Existenz ja schon als Indikator dafür fungiert, dass Regisseur Lustig und Drehbuchautor Cohen einen Nerv beim Horror-Publikum getroffen hatten. Der Maniac Cop Matt Cordell hat seinen Platz im Pantheon der in den Achtzigerjahren so populären Slasherfiguren sicher, auch wenn er sich dort mit einem der billigeren Plätze zufrieden geben muss. Ich fand ja schon immer, dass der Film sein Potenzial nicht ganz ausschöpfen, die Erwartungen, die an eine Zusammenarbeit von Lustig und Cohen zwangsläufig geknüpft werden müssen, nicht ganz erfüllen kann und diese Meinung hat sich auch bei dieser ersten Sichtung seit einigen Jahren wieder bestätigt: Aber irgendwie macht ihn auch gerade das für mich so liebenswert und hebt ihn von den zahlreichen anderen seriellen Filmkillern, die die Willkommensfreude im Laufe ihrer zahlreichen Wiederauferstehungen gnadenlos überstrapazierten, positiv ab.

Cohens finstere Story um einen No-Nonsense-Cop, der für sein hartes Durchgreifen bestraft wird und es im Gefängnis schließlich mit genau jenen Subjekten zu tun bekommt, die er zuvor mit der Macht des Gesetzes ausgestattet drangsaliert hatte, daraufhin für tot erklärt wird, nur um dies dann für einen persönlichen Rachefeldzug gegen die Polizei zu nutzen, ist ohne Zweifel von der aufgeheizten Stimmung im New York der Prä-Giuliani-Ära mit ihrem Zero-Tolerance-Großreinemachen geprägt (und darüber hinaus eine schlagfertige Überspitzung der Tough-Cop-Filme der Siebzigerjahre). Cohen – einer der essenziellen New-York-Filmemacher – verfügt über ein ausgezeichnetes Gespür dafür, soziale Missstände und die aus diesen resultierenden Ängste der Stadtmenschen zum Ausgangspunkt für seine potenten, doppelbödigen und intelligenten, niemals aber verkopften Genrefilme zu machen, und auch MANIAC COP ist da keine Ausnahme: Was wäre, wenn sich in einer Stadt, in der die Straßen nach Einbruch der Dunkelheit kaum noch gefahrlos zu betreten sind, ausgerechnet ein Polizist als größte Bedrohung entpuppte? Lustig setzt diese Angst in der ersten Hälfte des Films, die eben fast ausschließlich nachts spielt, sehr effektiv ins Bild, verzeichnet die Straßen Manhattans ganz im Sinne des düsteren Crime- und Selbstjustiz-Thrillers  seines Jahrzehnts zum Kriegsschauplatz (hier müssen Lustigs VIGILANTE und MANIAC unbedingt genannt werden). Man merkt dem Film in jenen Szenen an, dass seine Urheber mit Leib und Seele New Yorker  sind: Der Film erreicht eine Intimität und Authentizität, die durchaus bemerkenswert und keineswegs selbstverständlich ist. Selbst eigentlich unspektakuläre Füllszenen – ein Dialog zwischen McCrae und seinem Kollegen Ripley (William Smith) in einer schummrigen Bar – geraten so unverhofft zum Kern eines Horrorfilms, der mit dieser Etikettierung reichlich unterbewertet ist.

Es ist dann auch die überwiegend mit Plotabwicklung beschäftigte zweite Hälfte des Films, die ihm eines Teils seiner Wirkung wieder beraubt. Wenn der Täter enttarnt ist, mit McCrae plötzlich gar der bisherige Protagonist abtreten muss und Lustig ganz zur Hatz auf das Monster übergeht, die vorher gesichtslose Bedrohung mithin konkretisiert, gliedert sich der Film ins generische Maniac-on-the-loose-Subgenre ein, das eher mit Vordergründigkeiten beschäftigt ist. Vor allem zeigt sich aber in dieser zweiten Hälfte, warum Bruce Campbell nie den Sprung nach ganz oben geschafft hat und seine Brötchen wohl bis ans Ende aller Tage mit langweiliger Selbst- bzw. Ash-Kopie oder selbstreflexiver Fanboy-Fütterung wie MY NAME IS BRUCE fristen wird: Als straighter Held, der keine Gelegenheit zu Slapstick-Verrenkungen erhält, bleibt er vor allem im Vergleich mit Atkins fürchterlich blass. Die in der zweiten Hälfte von MANIAC COP vollzogene enttäuschende Entwicklung lässt sich also ganz explizit an ihm festmachen. Dennoch: Die genannten Stärken von Lustigs Film reichen aus, ihm einen Platz in meinem Herzen einzuräumen. Und ein Film, der sein Versprechen nicht ganz einlösen kann, ist mir immer noch lieber als einer, der erst gar keins macht, das er brechen könnte. Ach ja: Teil 2 und 3 sind bestellt, ick freu mir!

Nachdem eine Möbelfabrik überfallen und der Geschäftsführer ermordet wurde, wird der ermittelnde Virgil Tibbs (Sidney Poitier) von einer Gruppe junger Revoluzzer (u. a. Raul Julia und Ron O’Neal) aufgesucht, die sich zu dem Überfall bekennt, mit dem Mord aber nichts zu tun haben will. Alle sind indirekte Opfer der Drogenkriminalität und haben die Fabrik, die nur als Tarnung für groß angelegte Drogengeschäfte dient, um Drogen im Wert von mehreren Millionen Dollar erleichtert. Von Tibbs erhoffen sie sich Unterstützung im Kampf gegen die übermächtige „Organisation“, die hinter dem Drogenhandel steckt. Tibbs willigt ein, doch hat er bald alle Hände voll zu tun, die jungen Vigilanten zu beschützen, weil die „Organisation“ ihnen längst auf die Schliche gekommen ist …

Nach dem unsagbar biederen und langweiligen THEY CALL ME MR. TIBBS! stellt der dritte und letzte Tibbs-Film beinahe einen Quantensprung dar. Mit Medford auf dem Regiestuhl (der den unfassbar brutalen THE HUNTING PARTY auf dem Kerbholz hat) wird der Wandel von der schnarchigen Murder Mystery und dem traditionellen Kriminalfilm zum actionlastigen Copthriller vollzogen, der symptomatisch für die Entwicklung des Genres in den Siebzigerjahren ist. Schon die zehnminütige Eröffnungssequenz, die ganz in der Tradition des Heist-Movies den Einbruch in die Möbelfabrik einfängt, ist spannender und verfügt über mehr inszenatorisches Profil als der gesamte Vorgänger und dieser positive Eindruck wird auch in den folgenden 90 Minuten bestätigt. Nicht nur dass THE ORGANIZATION bis in die Nebenrollen mit Schauspielern besetzt ist, die in den kommenden Jahren noch von sich reden machen sollten, auch die Kulisse San Franciscos wird sehr schön ins Bild gesetzt, ganz anders als in Douglas‘ Vorgänger, der fast ausschließlich in unattraktiven Innenräumen spielte und in eher engen Einstellungen aufgelöst war. Auch die Geschichte ist merklich anspruchsvoller, vor allem wenn man sie aus heutiger Perspektive mit dem wenig später florierenden Selbstjustiz-Film kurzschließt: Tibbs, Prototyp des Saubermanns, kann es sich noch nicht erlauben, das Gesetz wie seine weniger zimperlichen Kollegen nach seinem Gutdünken zu beugen, er muss einen Kompromiss eingehen, in dem er sich mit laufender Spielzeit jedoch immer mehr verstrickt. Poitier bekommt hier endlich wieder etwas zu tun und ist nahezu perfekt für den in THE ORGANIZATION geschilderten Konflikt:  „Sidney Poitier couldn’t just act on screen, he was expected to represent. In films like Guess Who’s Coming to Dinner? and In the Heat of the Night there’s the feeling that Poitier senses the eyes of an entire race and the heft of decades of ethnic stereotypes on him, moving as if […] balancing a Ming vase on his head.“  Wenn er in THE ORGANIZATION also mit sich und seinem Berufsethos ringt, er den Ausbruch aus dem rigiden Rechtssystem erwägt, dann wird dieser Konflikt durch Poitiers Persona noch geschürt und erhält eine zusätzliche Dimension: Mit Tibbs überlegt auch Poitier das ihn einengende Korsett abzustreifen.

Wenn THE ORGANIZATION trotzdem nicht ganz die Wirkung erzielt, die potenziell in ihm steckt, ist das auf ein bis zum Zerbersten vollgestopftes Drehbuch zurückzuführen. Anstatt sich auf den Kampf der Vigilanten gegen die Organisation zu konzentrieren, wird dieser Strang recht schnell zugunsten konventionellerer Elemente verworfen und weil Tibbs gleichzeitig auf zwei Hochzeiten tanzen muss, verliert man als Zuschauer irgendwann die Übersicht darüber, welchen Zweck er nun gerade verfolgt. Dem Film hätte eine etwas lockere Struktur gut getan, die den Figuren mehr Luft zum atmen gegeben hätte und dem Zuschauer mehr Zeit, dass Gesehene zu verarbeiten. So hat man bei der Betrachtung ein bisschen das Gefühl, der Handlung hinterherhetzen zu müssen, um den Anschluss nicht zu verpassen, und trotzdem immer einen Schritt zu spät zu kommen. Dafür versöhnt aber das schöne Ende: Kaum glaubt Tibbs, die großen Fische am Haken zu haben, der Organisation eine große Niederlage beigebracht oder sie gar völlig zerschlagen zu haben, da fällt ein Schuss, der unmissverständlich klar macht, dass der Kampf gegen das organisierte Verbrechen kein Ende haben wird. Er wird bis heute ausgetragen, auch auf der Leinwand.