Mit ‘Shusuke Kaneko’ getaggte Beiträge

deathnotethelastnameTeil 1 endete, wenn schon nicht mit einem „echten“ Ende, so doch zumindest mit einer viel versprechenden Prämisse für Teil 2: Light Yagami hatte seine Intelligenz und die Möglichkeiten, die ihm das Notizbuch „Death Note“ bot, so geschickt eingesetzt, dass L. nichts anderes übrig blieb, seine zumindest temporäre Niederlage anzuerkennen – trotz der Überzeugung, in Yagami den gesuchten Massenmörder vor sich zu haben. Um den battle of intellects der beiden auf die Spitze zu treiben, bietet Yagami L. nun seine Hilfe bei der Suche nach dem Mörder an – und der nimmt an, wissend, dass Yagami wiederum alles tun wird, die eigenen Spuren zu verwischen …

Diese Prämisse und das Misslingen, sie adäquat umzusetzen, demonstrieren recht eindrücklich, was ich beim ersten Teil schon zu bekritteln hatte: Was in DEATH NOTE clever erscheint, ist letztlich nur halb so schlau. Weil das „Death Note“ und das es umgebende Regelwerk beliebig ausbaubar sind, seine Regeln unter anderem den Eingriff in die Chronologie ermöglichen, war es für die Macher relativ leicht, den Zuschauer in die Irre zu führen. Ganze Handlungsstränge konnten nachträglich als aus der Vergangenheit heraus motiviert erklärt werden; ein Taschenspielertrick letztlich, aber er ließ immerhin eine recht spannende strukturalistische Sichtweise zu. Dass die Drehbuchautoren nun aber da, wo wirkliche Cleverness gefragt wäre, versagen und nicht mehr als die Standardlösungen derSequeldramaturgie, namentlich „Wiederholung“, „Übertreibung“ und „Verdopplung“ aufzubieten wissen, belegt meine These. Die formidable Prämisse, deren virtuelle Potenz allein den Vorgänger aufzuwerten in der Lage war, löst sich im Sequel binnen Minuten in Luft auf. Weil der Zweikampf zwischen L. und Light kein solcher sein kann, solange Light inaktiv bleibt – und warum sollte er aktiv werden, wenn er sich doch beobachtet weiß -, hätte es hier einer gehörigen Portion Kreativität und Erfindungsreichtum oder aber zumindest einer glaubwürdigen psychlogischen Ausarbeitung der Hauptfiguren bedurft. Weil beides nicht vorhanden war, wird nun wie aus dem Nichts ein zweites Notizbuch und ein zweiter Vigilant eingeführt. Kanekos Film kreist über zwei Stunden lang um nichts anderes als sich selbst und nervt mit seinen ellenlang ausgewalzten Dialogszenen, die nur dazu da zu sein scheinen, um die Auflösung möglichst lange herauszuzögern und somit künstlich aufzuwerten. Letzten Endes geht der Schuss nach hinten los, denn die Auflösung ist eine maßlose Enttäuschung: DEATH NOTE hatte noch nicht einmal ein richtiges Ende, doch selbst dieses schlug den Antiklimax von Teil 2 um Längen. Schade, denn nach dem ordentlichen ersten Teil hatte ich hier etwas mehr erwartet.

death note (shusuke kaneko, japan 2006)

Veröffentlicht: April 6, 2009 in Film
Schlagwörter:, , ,

death-note-movie-poster1Dem Jurastudenten Light Yagami (Tatsuya Fujiwara) fällt ein rätselhaftes Notizbuch vor die Füße: Dieses Notizbuch, „Death Note“ genannt, verleiht seinem Besitzer die Kraft des Todes selbst: Wessen Namen der Besitzer auch immer in das Buch schreibt, der stirbt innerhalb von 40 Sekunden an einem Herzschlag. Yagami, vom Gesetz enttäuscht, sieht seine Chance, für Gerechtigkeit zu sorgen. Die folgende Welle von plötzlichen Toden von Schwerverbrechern ruft schließlich die Polizei auf den Plan, die dem Täter mithilfe des jugendlichen Meisterdetektivs L. (Kenichi Matsuyama) auf die Spur kommt. Doch wie bringt er seine Opfer um? 

DEATH NOTE basiert auf einem in Japan hoch erfolgreichen Manga, der mittlerweile auf nahezu allen Entertainment-Sektoren verwertet wurde. Bei Kanekos Film handelt es sich also um ein Produkt japanischer Popkultur, mit Blick auf schnelle Gewinne produziert, weil der Zielgruppe das Geld schnellstmöglich aus der Tasche gezogen werden soll, bevor sie das Interesse verloren hat. Allzu ernst sollte man DEATH NOTE nicht nehmen, das ist die Grundvoraussetzung, um Gefallen an ihm zu finden. Filmisch sauber, aber auch sehr bieder umgesetzt vom GAMERA-Regisseur Kaneko, gibt es hier alle Versatzstücke des Vigilantenkinos, das immerhin um eine nette Idee erweitert wird: Die Tatsache, dass Yagami an seinen Exekutionen gar nicht mehr körperlich teilnehmen muss, erleichtert ihm das Töten immens, lässt ihn schnell jegliches Maß verlieren. Ein netter Einfall, der die Frage nach der „Autorschaft“ von Morden ganz explizit stellt. Mehr als an dieser Frage oder gar einer psychosozialen Studie seines Protagonisten ist Kaneko aber an der fantastisch-mysteriösen Welt der „Death Note“ und dem Duell mit dem genialen Zuckerjunkie L. interessiert. Schade, offenbart doch die Tatsache, dass ein gewissenloser Mörder wie Yagami in Japan zur Identifikationsfigur der Teenager avancieren kann, allemal ausreichend Potenzial für eine finstere Gesellschaftsstudie. Diese bleibt zugunsten des nackten Entertainments leider ungenutzt. Zum Glück hat DEATH NOTE den Charakter des L. aufzubieten, der als absoluter Gewinn für die Mainstream-Filmwelt bezeichnet werden darf – weshalb er im vergangenen Jahr auch ein Spin-off namens L. CHANGE THE WORLD spendiert bekommen hat, über das ich hier schon geschrieben habe. Der Mythos um das Notizbuch, dem der Film seine Twists und Turns in erster Linie zu verdanken hat, ist dann aber der Knackpunkt des Films: So viele Möglichkeiten es bereithält – dass der Besitzer Tode mittels eines entsprechenden Eintrags minutiös vorausplanen kann, verleiht ihm nahezu gottähnliche Kraft -, so sehr muss es einem Zuschauer, der sich nicht blindlings gefangen nehmen lässt, als strukturalistischer Krückstock erscheinen, der es den Drehbuchautoren ermöglicht, sich aus jedem Plothole und jedem Logikloch herauszuschreiben. Die Finaltwists, so sauber sie auch arrangiert sind, sind letztlich nur halb so raffiniert, wie sie zunächst erscheinen: In einer Welt, deren Gesetze man nach Belieben umschreiben kann, ist die Überwindung der Schwerkraft ein Leichtes. Dennoch: Gegenüber vergleichbarer Ware, ob sie nun aus den USA, Europa oder Asien kommt, schneidet DEATH NOTE ordentlich ab, weil er sich selbst ernst nimmt und sich nicht ausschließlich auf Vordergründiges verlässt, weil er sein handy-, klingelton- und konsolengeschädigtes Publikum fordert, anstatt ihm nur die Brocken vor die Füße zu werfen. Hätte man das Drehbuch hier und da etwas gerafft, DEATH NOTE hätte gar richtig gutes Genrekino sein können. So reicht es nur zur Mittelklasse, aber das ist ja schon mehr als man von anderen Filmen – inklusive des Sequels – sagen kann. Dazu später mehr.