Mit ‘Sibylle Rauch’ getaggte Beiträge

eis-am-stiel-viii-summertime-bluesKeine Ahnung, warum der letzte Teil der Originalreihe (im Jahr 2001 wurde ein verspätetes Sequel mit neuen Darstellern aufgelegt) nicht eine Art neues Gesetz des Franchise-Filmemachens begründete, etwa: „Wenn eine schon seit Jahren nur noch künstlich am Leben gehaltene Filmserie frischen Wind für einen achten Teil braucht, engagiere den Regisseur von DIDI, DER DOPPELGÄNGER„. Bei EIS AM STIEL 8. TEIL: SUMMERTIME BLUES ist die Rechnung jedenfalls voll aufgegangen. So gut, dass man es danach klugerweise dabei bewenden ließ. Man sollte sein Glück nicht überstrapazieren.

Der achte Teil – basierend auf einer Idee von Zachi Noy, dessen Johnny nun auch ins Zentrum der Handlung rückt – widmet sich den Bemühungen der drei Kumpels, einen Tanzschuppen am Strand zu eröffnen. Das Ding ist eine jämmerliche Ruine und sieht mit der riesigen Fabrik in Sichtweite aus wie das Setting eines Endzeitfilms, aber Johnny hat eine große Vision und kann seine Kumpels Benny (Yftach Katzur) und Bobby (Jonathan Segal) überzeugen. Das Problem: Der Besitzer will zu viel Geld und die einzige Chance, ihm einen Vertrag abzuluchsen, besteht darin, sein tolpatschiges Mauerblümchen-Töchterlein Polly (Elfi Eschke) zu erobern. Nachdem Benny erfolglos sein Glück versucht hat, ist Bobby an der Reihe, doch der ist natürliche heißere Geschosse gewohnt …

Schwabenitzkys macht mit seinem Schwanengesang alles richtig, nämlich anders. Anstatt verzweifelt zu versuchen, die Magie des zehn Jahre zuvor entstandenen ESKIMO LIMON wiederaufleben zu lassen und zwangsläufig einen traurigen Abklatsch zu liefern wie seine erfolglosen Vorgänger, erkennt er zunächst einmal, dass die Zeiten der frivolen Coming-of-Age-Späße für seine Hauptdarsteller längst vorbei sind. SUMMERTIME BLUES ist, wie der Titel schon unmissverständlich andeutet, sehr melancholisch. Es ist ein Abschiedsfilm, ein Film, der in einer Erinnerungsblase angesiedelt scheint, weniger in einer konkreten Zeit oder an einem konkreten Ort. Die Fifties sind noch da in Form von Musik und Mode, aber mehr als um Details einer bestimmten Epoche handelt es sich bei diesen Markern um Symbole, die die Ideale und Träume der Protagonisten verkörpern. Die Fifties, das ist für die Jungs der Raum der Jugend, die Zeit des Sturm und Drangs, der großen Abenteuer und Pläne: Diese Zeichen sind noch da, aber sie sind im Schwinden begriffen, werden abgelöst von etwas Neuem, was man noch nicht ganz einordnen kann. Im Hintergrund stehen auffallend of Kräne rum, statt der bekannten Innenstadtstraßen sieht man triste Plattenbausiedlungen am Horizont hinter dem Brachland, der Tanzschuppen am Strand ist ein Refugium, in dem man sich gegen den Fortschritt verbarrikadieren, sich ein Stück der Jugend bewahren kann. Aber es ist eigentlich von Anfang an klar, dass das nicht fnktionieren wird. Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen und auch nicht festhalten. Nach dem neurotischen Beharren auf jugendlichem Leichtsinn und Übermut, der die schon erwachsenen Helden in den unmittelbaren Vorgängern wie Idioten erscheinen ließ, lässt Schwabenitzky die Blase gnadenlos platzen. Auch die letzten Schwaden des Tagtraums sind nun dabei, sich zu verziehen und den Blick auf die Wirklichkeit freizugeben.

Sehr schön auch, wie hier nun endlich Johnny zu seinem Recht kommt. Die Figur war eigentlich immer das Herz der Reihe, auch wenn sie zu Beginn auf den Part des Comic Reliefs reduziert wurde. Mit den Jahren wurde immer offensichtlicher, dass auch Benny nur ein egozentrischer Narziss war, im Unterschied zu Bobby/Momo lediglich mit einem gerüttelt Maß an ätzendem Selbstmitleid und Unentschlossenheit ausgestattet. Johnny hingegen war immer Johnny, eine ehrliche Haut, die das Pech hatte, nur die zweite Geige neben seinen eingebildeten Freunden spielen zu dürfen. Benny und Bobby stehen am Ende von SUMMERTIME BLUES nackt vor einer ungewissen Zukunft. Johnny hingegen hat das, worum es all die Jahre zuvor immer ging, wovor aber alle letztlich zu große Angst hatten: die große Liebe. Ein schöner, nahezu perfekter Film und wahrscheinlich einer der besten achten Teile, die je gedreht wurden. Das ist keine kleine Sache.

 

ph_eis_am_stiel_7_001Besser als der unterirdische Vorgänger, aber immer noch ein Trauerspiel lediglich vorgegaukelten Frohsinns. Diesmal verschlägt es die drei Protagonisten in ein Hotel, wo sie nicht nur die üblichen Kapriolen schlagen, sondern vor allem versuchen, 600 Dollar zu erwirtschaften, um das von Johnny (Zachi Noy) geschrottete Auto seiner Eltern wieder flottzumachen. Sonja Martin macht nach Teil 4 wieder einmal ihre Aufwartung als sonnengebräuntes Love Interest Bennys (Yftach Katzur), Sibylle Rauch ist eine geile Strapsmaus, die den Rahmen für den altbewährten Johnny-Gag gibt, der auch hier nicht fehlen darf. Was zuvor 36 Mal leidlich gut funktioniert hat, entlockt dem Zuschauer garantiert auch bei der 37. Runde ein gequältes Lächeln.

Aufzuzählen, was hier alles nicht mehr funktioniert, ist leicht: Die schon im Vorgänger nicht mehr zu verleugnenden Achtzigerjahre killen jeglichen Fifties-Spirit, der die ersten drei Teile (und mit Abstrichen auch den fünften) noch ausmachten. Katzur ließ sich nicht mal mehr dazu überreden, seinen Nackenspoiler zu stutzen – er agiert auch sonst merklich arrogant, kein Vergleich mehr zu seinen Darbietungen in den ersten Beiträgen. Das führt uns direkt zum Hauptproblem: Segal und Katzur kratzten anno ’87 bereits heftig an der Tür zum 30er-Club, Noy war schon seit vier Jahren Mitglied. Dass sie trotzdem immer noch diese hemmungslosen Schürzenjäger spielen, die nichts anderes im Kopf haben, als durch Schlüssellöcher zu linsen und sich in Sexfantasien zu ergehen, lässt sie hier zunehmend wie neurotisch-monomanisch Entwicklungsgehemmte erscheinen, nicht mehr wie liebenswerte Hallodris. Der Coming-of-Age-Film wird zum Still-not-coming-of-Age-Film, der seit Jahren in der Dauerschleife rotiert. Und was einst witzig war, ist in der siebten Iteration einfach nur noch traurig. Einzige Ausnahme: Die Title-Sequenz, die das zunehmend enervierende Schauspiel eines Mannes bietet, der verzweifelt und erfolglos versucht, einen Liegestuhl aufzustellen. Ich bin am Ende vor Ödnis weggepennt und mache drei Kreuze, wenn ich den achten Teil und damit auch diese Serie hinter mich gebracht habe. Dann kann ich mich endlich mit gebührender Ruhe den verbleibenden drei POLICE ACADEMY-Werken widmen. Life is brutal.

 

Hasenjagd 2SABABA wurde offensichtlich back-to-back mit dem allerdings ungleich größer produzierten vierten Teil der EIS AM STEIL-Reihe gedreht: Man findet sich im selben Setting eines israelischen Militär-Ausbildungslagers wieder, neben Zachi Noy sind auch Joseph Shiloach als lächerlicher Ausbilder Ramirez, Moshe Ish-Kassit als Captain und Devora Bakon als Ramirez‘ fette Geliebte wieder mit von der Partie. Aber alles ist viel kleiner und schäbiger: Nur eine Handvoll Statisten tummelt sich zwischen den Baracken, die nur für gelegentliche Abstecher in die umliegende, überaus trist aussehende Wald-und-Wiesen-Landschaft verlassen wird.

Aber auch in anderer Hinsicht wird das auch schon nicht gerade hohe Niveau des Vorbildes unterboten: Der in Deutschland absurd EIS AM STIEL 4. TEIL: HASENJAGD 2. TEIL betitelte Film stürzt sich geradezu mit Anlauf und kopfüber in die humoristische Jauche, serviert seinem verzweifelt Obhut in wurmstichigen Kinosälen suchenden Trenchcoat-Publikum eine bedenklich torkelnde Polonäse an Pimmel-, Popo-, Pipi- und Pupswitzen und bietet den lustlos an ihrem verdorrten Pillermann rubbelnden Kunden eine wie lobotomiert wirkende Sibylle Rauch an, die zum zweiten Mal unter Zachi Noy stöhnend ihren zweifelhaften Karrierehöhepunkt erlebt. Nach 75 Minuten und einem eilig zurechtgeklöppelten Finale – die Männer um den depperten Ramirez müssen sich im Manöver gegen eine Konkurrenzkaserne behaupten – ist der Spuk vorbei und man weiß, warum die Militärklamotte keine Zukunft mehr hatte. Spätestens hier war alles gesagt, jeder dumme Witz gemacht.

Was SABABA in der deutschen Fassung aber zu einem wahren Meilenstein des Gaga-Humors macht, ist – wie so oft – die Synchro, für die vermutlich Rainer Brandt verantwortlich zeichnete (er ist selbst einmal kurz zu hören). Viele ursprünglich nichtswürdige Streifen wurden in den Siebzigern und Achtziger durch die kreative Arbeit von Synchronarbeitern veredelt und genießen daher heute noch Kultstatus unter Freunden des psychotronischen Films. Man denke etwa an den hier jüngst besprochenen DJANGO NUDO UND DIE LÜSTERNEN MÄDCHEN VON PORNO HILL, einen ultraschundigen Sexwestern, der in der deutschen Bearbeitung zum bizarren Metafilm wird. Qualitativ wird hier kein neuer Gipfel erklommen: Michael Chevalier spricht den Ramirez gar etwas zurückgenommener als zuvor Erik Schumann, es gibt die Brandt-typische Mischung aus putzig-derben Neologismen (ein Hochsitz wird etwa als „Frischluft-Lokus“ bezeichnet), abgewandelten Redensarten („In der Regel hatten die alten Griechen rote Bärte.“) und beliebter Stadards wie dem Stotterer oder ständiger Versprecher und Verbesserer. Was einem aber wirklich die Luftzufuhr zum Hirn abschnürt, ist die schiere Menge und das irrwitzige Tempo dieser Zoten. Die Figuren quasseln ohne Unterlass und teilweise so schnell, dass man die eine Pointe noch gar nicht verstanden hat, bevor man schon eine schallende Rechts-Links-Kombi zweier weiterer Ohrfeigen abbekommt. Da geht ein solcher Platzregen aus verbaler Diarrhoe auf einen nieder, dass man sich zwischendurch nur durch spontanes Wachkoma retten kann. Ehrlich, ich habe schon viele absurde Synchros gehört und gefeiert, aber diese hier nimmt einen einmalige Sonderstellung ein. Ein Kraftakt, eine Monument der sinnentleerten Quasselei, ein Einlauf für die Ohren. Und nur für ganz Harte.

eis_am_stiel_iiiMit dem dritten Teil der EIS AM STIEL-Reihe klinkten sich deutsche Produzenten in das Erfolgsgeschäft ein – und trieben die Verflachung weiter voran. Die Eröffnungssequenz gibt gleich einen guten Vorgeschmack auf das Kommende: Beim Spannen kracht der dicke Zachi Noy durch das Dach eine Duschbaracke, auf der Flucht vor den aufgebrachten Frauen fällt er am Strand in eine von seinen Kumpels ausgehobene Grube, die ihn sogleich einbuddeln und seinem Schicksal überlassen. Sie sind kaum verschwunden, da kommt auch schon ein Dreikäsehoch des Weges und pinkelt dem armen Tropf ins hilflos aus dem Sand guckende Gesicht. Ein Auftakt nach Maß.

EIS AM STIEL 3: LIEBELEIEN setzt verstärkt auf flache Zoten und frivole Späße, die die eigentliche Story über weite Strecken des Films völlig vergessen lassen. Benny (Yftach Katzur) ist glücklich mit der süßen Sally (Ariella Rabinovich) liiert, als ihm die kirschmundige Nikki (Orna Dagan) begegnet und ihm den Kopf verdreht. Nach einer Affäre ist Schluss mit Sally, doch Nikki entpuppt sich als echtes Luder, das Benny ständig mit anderen Typen provoziert. Benny, vorher der sensibelste und vernünftigste seiner Clique, tritt hier in die Fußstapfen seines Freundes Bobby (Jonathan Segal), der in den Filmen zuvor noch Momo hieß, diesen Namen aber aus unerfindlichen Gründen an Zachi Noy abtreten musste, welcher zuvor noch Johnny genannt ward: Eine Extravaganz, die die deutsche Synchro exklusiv hat. Das bedeutet, Benny benimmt sich Sally gegenüber wie ein Arsch und markiert ständig den eiskalten Hund, dem alles egal ist. Ironischerweise muss ihm ausgerechnet der Egofucker und Chauvi Bobby die Leviten lesen und ihm die Augen für Nikkis miesen Charakter öffnen: Wahrscheinlich, weil er sich selbst in ihr wiedererkennt. Ich hatte ja schon vorher angemerkt, dass die EIS AM STIEL-Reihe sehr ausschließlich aus männlicher Sicht erzählt ist, was sich nicht zuletzt darin äußert, dass Typen, die Frauen wie bessere Matratzen behandeln, echte Kerle sind, Frauen, die das gleiche tun, aber Huren. Nun ja. Hier und da blitzt Herz auf, meist in den Szenen zwischen Benny und Sally, ansonsten geht der dritten Installation sowohl der Realismus des Originals wie auch die Wärme des Sequels ab.

Wenn man die Ansprüche etwas zurückschraubt und einen vielleicht sogar nostalgische Bande an den Film ketten, ist er trotzdem ganz OK: Am besten sind eigentlich die Szenen mit Bennys Eltern (Menashe Warshavsky & Dvora Kedar), die besonders viel Screentime bekommen: Ich mochte die Szene, in der die Mama mit Benny in einem Bekleidungsgeschäft ist und mit dem alten Verkäufer über „Albert Pressler“ schwadroniert und um den Preis einer Hose feilscht. In einer langen Episode buhlen sowohl Benny als auch sein Vater um die Gunst der feschen Nichte Trixie (Sibylle Rauch), die dann in einer eher ekligen Szene wieder einmal von Momo und Bobby benutzt wird. Eine andere Episode dreht sich um eine nymphomane Klavierlehrerin und endet – ebenfalls ein beliebter Standard der Reihe – damit, dass der Dicke Haue bekommt, weil er sich an der Falschen vergreift. Der Film huscht so an einem vorbei, ohne wirklich anzustrengen: Durchaus eine Leistung, aber sein größter Fehler ist wohl, dass er gegenüber den Vorgängern einen merklichen Rückschritt bedeutet, er seine Charaktere nicht weiterentwickelt, sondern in ihrem pubertären Status verharren lässt – was sie nicht eben sympathischer macht. Benny wirkt mit seiner ausdruckslosen Trauermine beinahe wie ein Psychopath und die süße sommersprossige Sally kann einem beinahe Leid tun, dass sie am Schluss doch wieder auf ihn reinfällt. Ein bitterer Zerrspiegel des Endes vom ersten Teil.