Mit ‘Slapstick’ getaggte Beiträge

Winslow Lowry (Anthony Geary) hat Spielschulden und braucht dringend Bares, um seinen Gläubiger, den Gangster Luis Montana (Marco Rodriguez), zu besänftigen. Daher will er den Tod seines Onkels Albert Dennison (Ralph Bellamy), von dem er eine große Erbschaft erwartet, beschleunigen, schmeißt dessen Ärzteteam kurzerhand raus und engagiert die drei fetten, verfressenen, einfältigen und verantwortungslosen Krankenpfleger Rollmops, Bulette und Roulade (The Fat Boys). Deren eigenwilligen Pflegemethoden tun dem alten Mann aber wider Erwarten ausgesprochen gut …

Wie man den Rollennamen der Fat Boys entnehmen kann, habe ich mir die deutsche Synchro dieses kleinen kuriosen Zeitzeugnisses vorgenommen, die es mühelos schafft, den eh schon ziemlich blöden Film noch ein ganzes Stück blöder zu machen. Im Original tragen die drei Hauptfiguren die Namen ihrer Darsteller: Markie, Buffy und Kool. Dass man in der deutschen Synchro davon absah, hängt wohl zum einen damit zusammen, dass Hip-Hop 1987 noch kein Mainstream-Thema in Deutschland war, die Fat Boys demzufolge nicht die Popstars, die sie in den USA bereits waren (ihr Debüt im Filmgeschäft hatten sie schon Jahre zuvor im legendären KRUSH GROOVE – ebenfalls von Michael Schultz – gegeben). Kurze Popularität erlangten die Fat Boys herzulande erst ein wenig später, als sie die bundesdeutschen Charts mit „The Twist feat. Chubby Checker“ anführten. Es war das letzte Aufblühen einer kurzen Karriere, die just in dem Moment abflaute, als Rap Ende der Achtziger den Kinderschuhen entwuchs und Spaßmacher wie die Fat Boys mit ihrem überkommenen Call-and-Response-Stil nicht mehr auf der Höhe der Zeit waren. Diesen kurzen Moment zwischen dem jahrelangen Heranwachsen und dem Durchbruch zu einer kommerziell wie künstlerisch relevanten Musikrichtung besetzt DISORDERLIES, eine Slapstick-Komödie mit drei bekannten Rappern, die sich jedoch – ganz im Unterschied zu den ca. mit Beginn der Neunzigerjare populärer werdenden und später dann geradezu inflationär entstehenden Filmen mit Rappern – nie ganz dazu entschließen kann, ein Hip-Hop-Film zu sein. Neben zwei Stücken der Fat Boys besteht der Soundtrack ausschließlich aus AOR- und Poprock-Scheußlichkeiten der Achtzigerjahre, die deutlich machen, wie wenig Hollywood das Konzept von Hip-Hop damals verstanden hatte. Die deutsche Synchro, die die Namen der Darsteller durch auf ihre Körpermaße abzielende Klamauknamen ersetzte, ist da nur konsequent.

Der Film selbst ist vor allem als Kuriosität zu goutieren: Die Story ist auch 1987 schon ein alter Hut gewesen und der Humor lässt sich nur als „einfach“ treffend beschreiben. Das Drehbuch verschenkt zudem die Gelegenheit, mit der Quälerei des siechenden Alten durch die inkomptententen Pflegerlust voll dem sadistischen Humor zu frönen zugunsten eines etwas müden humanistischen Ansatzes. Aber DISORDERLIES ist dabei von einer unleugbaren Naivität, die einen für das Gebotene durchaus einnehmen kann. Mein Lieblingsmoment des Films bringt seine Stärken ganz gut zum Ausdruck. Es ist der Moment, in dem die drei chaotischen Pfleger zum ersten Mal ihrem „Opfer“ vorgeführt werden, jener klassische Komödienmoment, wenn wohlfeile Worte plötzlich durch ihr diesen diametral entgegenstehendes Objekt bildlich kommentiert werden. Als also der arme Albert Dennison seine Pfleger in spe erblickt, eröffnet einer der Fat Boys gerade mit dem umwerfenden Non-sequitur: „Mein Lieblingsvogel ist der Kolibri.“ Dann setzt er sich in eine Gartenschaukel, die sofort zusammenbricht. Glück kann sehr einfach sein.

the errand boy (jerry lewis, usa 1961)

Veröffentlicht: September 29, 2009 in Film
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Zweitsichtung. Meinem letzten Eintrag zu Jerry Lewis zweiter Regiearbeit (den Kurzfilm HOW TO SMUGGLE A HERNIA ACROSS THE BORDER von 1949 nicht mitgezählt) habe ich inhaltlich – ich hatte mir seinerzeit den Spaß erlaubt, den Film mithilfe der Luhmann’schen Systemtheorie zu lesen – nichts hinzuzufügen. Allerdings musste ich feststellen, dass viele der Sketche, aus denen der Film im wahrsten Sinne des Wortes zusammengesetzt ist, bei dieser Sichtung längst nicht mehr einen solch starken Eindruck hinterlassen haben wie noch bei der letzten Begegnung. Das Lachen ist einem amüsierten Schmunzeln gewichen; vielleicht nicht ganz ungewöhnlich bei einer Art von Humor, die vor allem von den Verrenkungen und Grimassen Lewis‘ lebt und somit nur wenig Wachstumspotenzial offenbart. Gefallen hat mir THE ERRAND BOY immer noch, aber es ist eher eine stille Begeisterung: Ich kann mich über die naive, aber doch sehr schöne Kindlichkeit freuen, etwa wenn Morty S. Tashman einer Handpuppe zusieht oder sich von einer Marionette über das Wesen der Fantasie belehren lässt …

249819.1020.A[1]Beim Versuch, das traurige Wüstenkaff Desert Hole mit dem Zug gen New York zu verlassen, landet der Bahnhofsangestellte Homer Flagg (Jerry Lewis) auf einem Atombombentestgelände und zieht sich eine Strahlenverseuchung zu. Schon bald berichtet das ganze Land über den Pechvogel, dem laut erster Diagnose seines Arztes Steve Harris (Dean Martin) ein baldiger Tod bevorsteht. Dies entpuppt sich zwar schon bald als Irrtum, doch als die New Yorker Zeitungsreporterin Wally Cook (Janet Leigh) vor der Tür steht, um den vermeintlich dem Tode Geweihten in die Metropole zu holen, wo er für eine große Story ausgeschlachtet werden soll, beschließen Homer und Steve gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Als Wally Homer aus Mitleid gar ehelichen will, obwohl sie mit Haut und Haaren dem Charme Steves verfallen ist, droht das Geheimnis der beiden Schwindler jedoch ans Licht zu kommen … 

Der vierte von sechs Filmen Taurogs mit dem Duo Martin und Lewis stellt eine nur lose zusammenhängende Folge von Sketchen und Musiknummern seiner Stars dar, die an deren Glanzleistungen zu keiner Sekunde heranreichen. Das Prinzip der Verwechslungskomödie, das in leichter Variation nahezu allen gemeinsamen Filmen seiner Stars zugrunde lag, wird hier sehr müde und einfallsarm abgespult. Wo der nachfolgende YOU’RE NEVER TOO YOUNG zwar ebenfalls nicht auf einem durchgehend hohen Niveau angesiedelt ist, aber wenigstens einige spektakuläre Sequenzen und gelungene Slapstickeinlagen aufweisen kann, wird man bei LIVING IT UP selbst nach langer Suche mit der Lupe nicht fündig. Und auch als Huldigung New Yorks und dessen vergangenem Glamour taugt er mangels Originalaufnahmen nicht – Großteile des Film sind augenscheinlich in Studiokulissen entstanden. Betrachtet man Taurogs Film als Zeitgeistprodukt, so kann man zwar durchaus Gefallen an ihm finden – seine bunten Bilder und seine generelle Naivität sind herzzerreißend – doch stellen sich selbst mit viel gutem Willen recht bald Ermüdungserscheinungen ein. Höhepunkt des insgesamt erstaunlich lauwarmen Films ist bezeichnenderweise eine jener Musicalnummern, die man in den wirklich guten Martin/Lewis-Filmen für den Gang zur Toilette oder zum Kühlschrank genutzt hat. 

Beim Eintrag zu PARDNERS hatte ich noch gemutmaßt, dass das abnehmende Interesse meinerseits mit einer generellen Abnutzung des Komikergespanns zu tun hat. Meine Bewertung von LIVING IT UP taugt nun nicht gerade zur Entkräftung dieses Verdachts, trotzdem erscheint mir der Taurog-Western immer noch amüsanter als diese müde Komplettistenübung, die zu den schwächsten Filmen gehört, die Lewis und Martin zusammen gedreht haben.

Pardners[1]Die Väter von Slim Moseley jr. (Dean Martin) und Wade Kingsley jr. (Jerry Lewis) starben im Kugelhagel, als sie ihre Ranch gegen den gewissenlosen Hollis (Sam Baragrey) und seine Bande verteidigten. Ein Vierteljahrhundert später machen sich die beiden Söhne nun auf den Weg in ihre alte Heimat und stehen vor denselben Schwierigkeiten wie ihre Väter: Die Bande der „Masked Raiders“ versucht alles, um die rechtmäßigen Besitzer von ihrer Ranch zu vertreiben … 

Der vorletzte Film des berühmten Duos endet mit einer direkten Ansprache an das Publikum: Dean Martin und Jerry Lewis bedanken sich für die anhaltende Treue der Zuschauer und laden diese ein, auch beim nächsten Film wieder dabeizusein. Vor dem Hintergrund der ein Jahr später im Streit vollzogenen Trennung, der eine fast zwei Jahrzehnte anhaltende Funkstille zwischen Martin und Lewis folgte, mutet diese kleine Szene doch eher wie eine leere Durchhalteparole und ein vorweggenommener Abschied, denn als ernstgemeintes Versprechen an. Der vorangegangene Film selbst befeuert diese Spekulation noch: PARDNERS ist, aller gewohnter Zutaten und Qualitäten zum Trotz, von deutlichen Ermüdungserscheinungen gekennzeichnet, denen auch der Genre- und Locationwechsel nichts entgegenzusetzen hat. Die Möglichkeiten, die das Westerngenre böten, bleiben zudem weit gehend ungenutzt: PARDNERS verbraucht gut die Hälfte seiner Spielzeit, um seine Protagonisten überhaupt in den Wilden Westen zu bringen, für den Humor sorgt dann lediglich Lewis mit seinen sattsam bekannten Eskapaden, die dem Film aber seine wenigen echten Höhepunkte bescheren, der Westernanteil beschränkt sich auf wenige, eher einfallslose Szenen (Saloonschlägerei, Verfolgungsjagd, Schießerei). Nun muss man Taurogs Film zugutehalten, dass er immer noch hübsche, kurzweilige Unterhaltung bietet und das ja nun nicht in unerreichbaren Höhen angesiedelte Niveau der Martin/Lewis-Filme (die beiden Tashlins natürlich ausgenommen) nicht weit verfehlt. PARDNERS ist hübsch bunt, Dean Martins Stimme immer noch gut geölt und die einzelnen Sequenzen geben sich in rascher Folge die Klinke in die Hand. Gemessen an dem, was möglich gewesen wäre, ist PARDNERS aber trotzdem eine kleine Enttäuschung. Daran können auch die mitwirkenden Jack Elam und Lon Chaney jr. nix ändern. Vielleicht muss ich aber nur mal wieder ein bisschen Abstand zu den beiden nehmen, um auch PARDNERS richtig schätzen zu lernen.

Auf einer kalifornischen Bergstraße kommt ein Wagen von der Fahrbahn ab und stürzt in den Abgrund. Ein paar Zeugen eilen dem Fahrer zuhilfe, können jedoch nur noch dessen letzte Worte erhaschen. Und die haben es in sich: In einem Park in Pomona sollen unter einem „riesigen W“ 350.000 Dollar vergraben sein. Die Jagd nach dem Geld beginnt, doch auch die Polizei unter der Führung des findigen Captain Culpeper (Spencer Tracy) hat schon Lunte gerochen, stammt das Geld doch aus einem 15 Jahre alten Überfall …

Es gibt wahrscheinlich nur wenige amerikanische Filme, die sich so gut dazu eignen, anlässlich des Besuchs in den nicht mehr ganz so neuen Bundesländern begutachtet zu werden. Tatsächlich rutschte IT’S A MAD, MAD, MAD, MAD WORLD nicht nur unbeanstandet durch die DDR-Zensur, er dürfte den strengen Zensoren auch noch ausgezeichnet gefallen haben. Kramer enttarnt in seiner Slapstick-Parade auf zwar schonende, aber deshalb nicht minder deutliche Art und Weise die bodenlose Geldgier der Menschen im Kapitalismus und spielt der sozialistischen Propaganda schön in die Karten. Kramers Protagonisten riskieren für das große Geld nicht nur ihr Leben, sie legen infolgedessen auch allerhand unangenehme Charaktereigenschaften an den Tag, treten sowohl die eigene als auch die Würde ihrer Mitmenschen bereitwillig mit Füßen und geben sich vollkommen der Lächerlichkeit preis. Dass Kramers Film dabei nicht zu einer unagenehm ätzenden Veranstaltung wird, liegt zum einen daran, dass er seine Geschichte als gewaltige Slapstick-Orgie im Scope-Format inszeniert, in der sich allerhand Comedygrößen in Haupt- und Minirollen die Klinke in die Hand geben, zum anderen daran, dass der Traum vom großen Geld natürlich auch für den Zuschauer nur allzu nachvollziehbar ist. Alle Figuren wollen den Zwängen des Alltags entfliehen: Sie haben das Camus’sche Absurde in der Welt erkannt und das Geld scheint ihnen das rechte Mittel, diesem zu entkommen. Doch gerade das ist ihr Fehler: Das Absurde ist, einmal erkannt, nicht mehr revidierbar und somit werden die Geldjäger umso heftiger darauf zurückgeworfen, wie sie sich ihm zu entziehen suchen. All ihre Mühe ist schon von Beginn an umsonst, weil die Polizei doch nur darauf wartet, zuzuschlagen, sobald die Schatzsuche vorbei ist. So stehen alle am Ende mit leeren Händen da; auch Polizist Culpeper. So viel Ernüchterung war wahrscheinlich zu viel für Kramer weshalb er am Ende alle herzhaft über ihr Schicksal lachen lässt. Nicht erst hier macht sich IT’S A MAD, MAD, MAD, MAD WORLD angreifbar, scheint dieses Lachen doch genau jenes zu sein, gegen das Adorno einst so vehement wetterte: Es ist das Lachen, mit dem man sein Leid leugnet und sich bereitwillig in die Welt fügt. Die Parallele zu Adorno wird umso evidenter, wenn man den Anlass des großen Schlusslachers betrachtet: Die biestige Schwiegermutter rutscht auf einer Bananenschale aus. Gibt es einen Gag, der den Begriff „Kulturindustrie“ stärker verbildlicht? IT’S A MAD, MAD, MAD, MAD WORLD ist ein auf positive Art und Weise streitbarer Film, weil in ihm alle Widersprüchlichkeiten und Paradoxien des kapitalistischen Systems und dessen Kulturbetriebs oszillieren und den Zuschauer zu blenden versuchen. Aber das macht ihn auch zu einem wunderbaren Erlebnis, einem perfekten Beispiel für das, was sich hinter dem Begriff der „Traumfabrik“ eigentlich verbirgt. Man sollte nur wissen, worüber man lacht …

the party (blake edwards, usa 1968)

Veröffentlicht: September 10, 2008 in Film
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Der indische Schauspieler Hrundi V. Bakshi (Peter Sellers) hat mit der unbeabsichtigten Sprengung einer Filmkulisse das Ende seiner Hollywood-Karriere besiegelt, noch bevor diese so richtig beginnen konnte. Doch durch einen dummen Zufall landet sein Name nicht wie geplant auf der Schwarzen, sondern auf der Gästeliste seines Produzenten. In dessen mondäner Villa angelangt, tappt der tolpatschige und von allen Gästen ignorierte Bakshi von einem Fettnäpfchen ins nächste …

Die dritte Zusammenarbeit von Blake Edwards und Peter Sellers führt den britischen Schauspieler auf vertrautes Terrain. Sein Hrundi V. Bakshi ist ein Seelenverwandter des „besten Manns bei Interpol“ Inspector Clouseau: Auch der indische Schauspieler lässt keine Gelegenheit aus, sich zu blamieren, was schiefgehen kann, geht schief. Und wie bei seinem französischen Verwandten macht er die Katastrophe meist noch schlimmer, indem er versucht Schadensbegrenzung zu betreiben. Was ihm gegenüber Clouseau jedoch vollkommen abgeht, ist das grenzenlose Selbstbewusstsein. Während der Polizist auch in Momenten der größten Peinlichkeit noch in der Lage ist, sein Selbstbild der Souveränität zu wahren, ist Bakshi sich seiner Missgeschicke bewusst, jedoch absolut unfähig, diese auch nur halbwegs zu kaschieren. Er weiß, dass es für ihn keinen Weg gibt, der Blamage zu entrinnen. Edwards inszeniert Bakshis Martyrium als unablässige Abfolge von langen Slapstick-Szenen, die über weite Strecken ohne Dialoge auskommen und ganz auf ihren Star ausgerichtet sind, der THE PARTY dominiert, ohne den Film zu sehr an sich zu reißen und damit seine Dynamik zu zerstören. Diese ergibt sich ja gerade daraus, dass Bakshi unter dem fremden Hollywoodvolk vollkommen isoliert ist und somit auch schon ohne seine Missgeschicke bloßgestellt ist. Peter Sellers Darstellung ist brillant und hebt Edwards Komödie in Sphären der Tragödie. Wir lachen über ihn, aber eigentlich hat Bakshi unser ungebrochenes Mitleid.

Was mir neben der grandiosen Inszenierung des Settings, das im Verlauf des Filmes immer weiter erkundet wird, immer neue Räumlichkeiten bietet, die von Bakshi verwüstet werden können, am interessantesten an THE PARTY erscheint, ist sein kaum verborgener anarchischer Subtext. Edwards‘ Film erzählt auch von einer Wachablösung in Hollywood: Im Umbruchsjahr 1968 entstanden zeigt er ein Hollywood der alten Männer, in dem noch immer großkotzige Monumentalfilme gedreht werden und Westerndarsteller Bill Kelso sich auch privat wie seine Filmpersona gerieren darf. Die Party ist ein erschreckend freudloses Unterfangen, ein von unausgesprochenen Zwängen bestimmtes Stelldichein, bei dem jeder Angst hat aufzufallen und Amüsement gleichzusetzen ist mit dem strengen Befolgen gesellschaftlicher Regeln. Der fremde Bakshi – ein Filmgastarbeiter, wenn man es so nennen will – wird ignoriert und gemieden und somit überhaupt erst in seine peinliche Situation getrieben.  „Scham“ ist ein Schlüsselbegriff, um THE PARTY zu erschließen: Die Situation auf der Party eskaliert auch, weil alle damit beschäftigt sind, das Gesicht zu wahren; auch dann noch, als längst nichts mehr zu retten ist. So kommt es im letzten Drittel zum Aufstand der Jugend gegen die verkrusteten Strukturen: Die Kinder der Gastgeber stürmen mit einem bemalten Elefanten das Haus, das gesittete Beisammensein artet in eine wahre Orgie aus, in deren Verlauf Bakshi zu einem der Stars des Abends wird. Somit ist THE PARTY auch ein Film über die Geburtsstunde des New Hollywood, die Wachablösung in den Chefetagen der Filmstudios, in denen in Zukunft der Mensch wieder mehr in den Fokus des Interesses rücken sollte.

the bellboy (jerry lewis, usa 1960)

Veröffentlicht: März 24, 2008 in Film
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Ein Blick in das luxuriöse Fontainebleu Hotel in Miami Beach und den Arbeitsalltag des trotteligen Pagen Stanley (Jerry Lewis), der sich mit strengen Vorgesetzten, hinterlistigen Kollegen, anspruchsvollen Gästen, eingebildeten Prominenten und jeder Menge Gepäck herumschlagen muss …

page.jpgDass THE BELLBOY, Lewis‘ Regiedebüt, kein ganz gewöhnlicher Spielfilm ist, wird gleich zu Beginn explizit gemacht: Der Chef von Paramount (Jack Kruschen) warnt den Zuschauer, dass dieser eher eine Sammlung von „silly sequences“ zu erwarten habe. Und so ist es dann auch. THE BELLBOY ist eine Sketchshow, in der es zwar durchaus wiederkehrende Motive, aber keine Handlung im eigentlichen Sinne gibt. Im Zentrum dieser Sketche (aber nicht aller) steht der Page Stanley, der von einem Auftrag zum nächsten gescheucht und dabei bis zum Schluss niemals zu Wort kommen wird. Dabei begegnet er nicht nur dem massiv gestressten Superstar Jerry Lewis, der von einer ganzen Entourage übereifrig serviler Bediensteter begleitet wird, sondern auch einem Stan-Laurel-Double sowie diversen anderen, meist nicht gecrediteten Gaststars. Wie man sich vorstellen kann, schwankt das Niveau der einzelnen Sketche deutlich: Ganz groß ist THE BELLBOY immer dann, wenn Lewis sein eigenes Mienenspiel und sein physisches Geschick in den Mittelpunkt rückt, während andere „verbalere“ Gags heute nicht mehr ganz zünden wollen. Dennoch wird in jeder Sekunde deutlich, dass Lewis längst nicht nur ein Kasper ist, sondern seinen Erfolg vor allem einer bestimmten Weltanschauung verdankt. Diese tritt in THE BELLBOY logischerweise stärker hervor als in den zuletzt von mir gesehenen Tashlins. Lewis‘ Regiedebüt bezieht seinen Witz aus dem Zusammenprall des mondänen Settings, der banalen Aufgabe Stanleys, seinen Versuchen, diese würdevoll zu meistern, und der Ignoranz seiner Umwelt. Wenn er zur Schadenfreude seiner Kollegen mit größtem Eifer und pedantischer Akribie einen riesigen Zuschauerraum bestuhlen muss oder eine stille Minute nutzt, um auf einer leeren Bühne den Dirigenten zu spielen, reiht sich Lewis nahtlos in die lange Ahnengalerie großer Komiker ein, bei denen lustige wie auch tragische Elemente einträchtig nebeneinander existierten. Mit THE BELLBOY gelang Lewis zwar kein Meisterwerk, aber dennoch ein Film, der andeutet, warum er später von der französischen Filmkritik als auteur gefeiert werden sollte.