Mit ‘Slasher’ getaggte Beiträge

Es gibt sie also noch, die mir noch unbekannten Slasherfilme der „klassischen Phase“, die ich nicht nur so durchwinken muss, auf meiner Mission, alle dieser Teile irgendwann mal gesehen zu haben, sondern die mich tatsächlich positiv überraschen. Die nicht unerheblichen Stärken von Bill Froehlich sind einfach umrissen: Er erliegt nicht dem Trugschluss, dass die gut abgehangene Story um einen unbekannten Killer, der die Mitglieder eines Horror-Filmteams dezimiert, wahnsinning aufregend ist. Ferner ergeht er sich zur Kompensation dieser Tatsache auch nicht im unproduktiven Rumgematsche. Nein, er legt seinen Film als Mischung aus Metakomödie und Whodunit an, die dank einer gut gelaunt aufspielenden Besetzung und eines cleveren Drehbuchs tatsächlich witzig ist.

Die Story geht wie folgt: In den frühen Achtzigerjahren gab es an der Crippen Highschool eine ungeklärte Mordserie. Jahre später bezieht ein Filmteam um den überambitionierten Regisseur Josh Forbes (Scott Jacoby) und den schmierigen Produzenten Harry Sleerik (Alex Rocco) die Schule, um einen Horrorfilm über die Ereignisse zu drehen. Natürlich ruft das erneut einen Mörder auf den Plan, der beginnt, die Crew zu dezimieren. Das Ganze wird in einer Rückblende erzählt, während die Polizei versucht, das Verbrechen zu rekonstruieren und dazu vor allem den letzten Überlebenden, Drehbuchautor Arthur Lyman (Richard Brestoff) vernimmt.

RETURN TO HORROR HIGH versteht es, die verschiedenen Erzählebenen – Vergangenheit, Gegenwart und Filmebene – sehr geschickt miteinander zu verbinden und die grundsätzlich nur wenig originelle Geschichte interessant zu halten. Der Humor, der den Film im Wesentlichen trägt, artet dabei glücklicherweise nie in nerviges Nerdjerking aus, sondern macht sich eher über den exploitativen Charakter des Horrorfilms per se lustig: Während dem Regisseur und dem Autor ein psychologischer Thriller vorschwebt, denkt der Produzent natürlich nur an Titten und Blut. Alex Rocco brilliert als Schmierlappen, der seinen Kuli Pastrami-Sandwiches holen schickt, Crewmitgliedern Honig ums Maul schmiert, nur um hinter ihrem Rücken über sie abzulästern, und immer wieder in Clinch mit dem verzweifelten Regisseur geht. Als seine Hauptdarstellerin aufgrund einer selbstzweckhaften Vergewaltigungsszene mit der Kündigung dreht, sucht er den Autor auf und bittet ihn, für sie einen tiefgründigen Dialog über die Liebe, das Leben und Babys ins Script zu integrieren – aber in der Dusche, damit sie nackt ist. Er kann halt nicht raus aus seiner Haut. Wunderbar auch der Dialog zwischen dem Regisseur und dem Darsteller einer Leiche, der ihn nach der Motivation seiner Rolle fragt. „You’re dead. Dead people have no motivation!“ Vergleichbare Szenen, Momente und Figuren (die Polizistin, die der Massenmord richtiggehend anzutörnen scheint, der Hausmeister, der von einer Karriere in „pussy films“ träumt) gibt es in RETURN TO HORROR HIGH zuhauf und verleihen ihm ungeahntes Leben. Gegen Ende wird es beinahe ein wenig surreal, wenn plötzlich alle tot sind und die Schule völlig entvölkert ist, bevor ein Twist alles wieder auf „realistischen“ Boden stellt. Vielleicht überdehnt es Froehlich am Schluss etwas mit den originellen Einfällen, aber das tut dem Vergnügen keinen Abbruch.

Fazit: Ein überraschend guter Slasherfilm, der deutlich intelligenter und origineller daherkommt, als es der generische Titel und das Cheerleader-Plakat vermuten lässt. Slasherfreunde sollten ihn unbedingt auf die Liste nehmen, andere dürfen ebenfalls ein Auge riskieren. Das gilt auch für Fans von George Clooney: Der spätere Herzensbrecher hat hier einen ganz frühen Leinwandauftritt (als Schauspieler Oliver!) und darf als erster über die Klinge springen. Während er ganz am Anfang einer ruhmreichen Karriere stand, blieb es für Froehlich der einzige Film. Er drehte noch ein paar Fernsehepisoden, bevor er sich ganz aufs Produzieren verlegte. Schade eigentlich.

 

 

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Die Idee des Horror-Amateurfilms ist grundsätzlich eine schöne: unkompromittiert von irgendwelchen äußeren Einflüssen und kommerziellen Erwägungen mit Freunden und Bekannten eine gute Zeit haben, seinem Ding nachgehen, sich ausprobieren, den Vorbildern nacheifern, rumexperimentieren, ohne Rücksicht nehmen zu müssen. Leider geht der Schuss für den Zuschauer, der nicht mit Cast & Crew befreundet ist, meist nach hinten los. Klarer Fall, das Gros der Horror-Amateurfilme ist für den Eigenbedarf gemacht, in dem kühnen Glauben, dass der eigene Spaß sich automatisch auf den Betrachter überträgt. Aber das ist eben nur höchst selten der Fall.

Was mich zu MANIA bringt, dem Werk der Nürnberger Metal- und Horrorfans Alexander Franz und Thomas Herr, das sich wohltuend von der meist traurig-dürftigen Amateurfilm-Realität abhebt. Nicht, weil man hier künftigen Regie-, Drehbuch-, FX- oder Schauspiel-Assen zusehen würde, sondern weil MANIA mit einem sicheren Gespür für Tempo und Timing inszeniert wurde, ohne die in diesem Genre so oft nervtötende Selbstverliebtheit und Maßlosigkeit – fast wie ein „richtiger“ Film. An MANIA ist kein Gramm Fett dran, nach absolut ausreichenden 28 Minuten ist er auch schon wieder vorbei: So verzeiht man dann auch gern den schauspielerischen Dilettantismus, der in dieser Form tatsächlich charmant rüberkommt, weil erst gar nicht versucht wird, ihn zu verbergen. Im Gegenzug lassen Franz und Herr ihren Film aber auch nicht zur ultraironischen Gagparade verkommen, mit der andere versuchen, ihre Unfähigkeit quasi zur Tugend umzuinterpretieren und sich gegen Kritik abzusichern. MANIA ist durchaus ambitioniert erzählt sowie kompetent inszeniert und geschnitten. Man kann der Geschichte folgen, versteht zu jeder Sekunde, was da gerade vor sich geht und bleibt bis zum Ende interessiert am Ball.

Wenn ich zusammenfassen müsste, was MANIA von den etlichen missratenen Filme dieser Couleur unterscheidet: ein sehr realistische Einschätzung der Beteiligten, was sie können und was nicht, und der über allem stehende Wunsch, einen Film zu machen, den man sich nicht nur ansehen mag, weil man mit seinen Machern befreundet ist. MANIA ist witzig, weil er ehrlich und unverstellt ist, und hochsympathisch, weil sich Unzulänglichkeiten und Talent perfekt auspendeln. Die Effekte sind nicht von der irgendwie ekligen Besessenheit, die mir bei den Filmen von Schnaas und Ittenbach immer übel aufgestoßen sind, sondern erinnern eher an die liebevolle Fadenscheinigkeit eines Herschell Gordon Lewis. MANIA ist einfach ein Idealbeispiel für die Do-it-yourself-Mentalität, die den Amateurfilm auszeichnen sollte, es aber viel zu selten tut. Er ist noch kein „richtiger“ Spielfilm, aber nah genug dran, um neben ihm bestehen können.

Wer die sympathischen Franken unterstützen möchte, kann MANIA für einen geringen Unkostenbeitrag auf DVD oder Blu-ray über www.postmortem-productions.de/ oder den Facebook-Account der Jungs bestellen. Als Bonus gibt es neben dem obligatorischen Making-of ein ganz besonders schönes Goodie: das „Original“ von 1995, das dieselben Akteure als damals 13- bis 17-Jährige im Wald gedreht haben und das den Unterschied zwischen „Filmemachen“ und „Filmen“, den ich in diesem Text versucht habe zu skizzieren, sehr schön verdeutlicht. Richtig toll ist die minutenlange Szene, in der die sich gewiss mächtig erwachsen fühlenden Jungs verzweifelt mit einem Feuerzeug am Kronkorken einer Bierflasche vergehen. Da werden wehmütige Erinnerungen wach …

 

twisted nightmare (paul hunt, usa 1987)

Veröffentlicht: Oktober 27, 2017 in Film
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Wenn ich manchmal nichts Besseres zu tun habe, versuche ich mir meine anhaltende Liebe für den Slasherfilm der Achtzigerjahre zu erklären. Ich frage mich dann, warum ich mir immer wieder solche Sachen wie TWISTED NIGHTMARE anschaue, wo ich doch weiß, dass die Chance, mal wieder etwas halbwegs Brauchbares erwischt zu haben, langsam aber sicher gen null tendiert. Noch mehr wundert es mich aber, warum ich selbst an solchem Bodensatz immer noch ein perverses Vergnügen finde. TWISTED NIGHTMARE ist großer Käse, aber ich würde lügen, wenn ich sagte, dass ein Teil von mir diesen Käse nicht ziemlich schmackhaft fand.

Was ist es also?  Sind es die furchtbaren Teenie-Darsteller in ihren gruseligen Klamotten? Die rätselhafte Vorstellung von jugendlichem Vergnügen, die diese Filme immer wieder transportieren? Der staubige Billiglook? Die selbstgebastelten Slasherkostüme? Die unbeholfene Art, Zeit zu schinden? Ich schätze, es ist die Kombination aus all diesen Elementen. TWISTED NIGHTMARE habe ich gestern im Zustand fortgeschrittenen Rausches und zu später Stunde gesehen. Teilweise bin ich weggedriftet, dann kurz vor Schluss eingepennt. Teile des Films sind einfach weg, da wo sie hingehören, anderes werde ich aus unerklärlichen Gründen wahrscheinlich nie mehr vergessen: dieses arme Pärchen, das von den Kumpels erst in eine Blockhütte am Arsch der Welt geladen wird und dann auch noch das Pech hat, beim Verlosen der Schlafplätze den Wohnzimmerfußboden zu ziehen. Warum wundern sich alle, dass er daraufhin ausrastet? Mein Verständnis von „Spaß“ sieht auch definitiv anders aus. Dieser Streit führt zur Spaltung der Gruppe und zu einer weiteren Fragmentierung der eh schon nur rudimentär vorhandenen Handlung, denn nun gilt es gleich mehreren kleinen Splittergrüppchen beim Totschlagen der Zeit beizuwohnen. Es wird irrsinnig viel im Wald rumgelatscht, bevor es dann auch der letzte bemerkt, dass ein Killer sein Unwesen treibt. Die Mordszenen sind sogar ganz effektiv und zupackend geraten, aber mehr als an der Regie liegt das am Score, der mit preiswertem Industrialgeschepper und unheilvollem Dröhnen viel Stimmung macht, wo einfach nur ein paar Knallchargen in Clinch gehen.

Meine Lieblingsszene ist gewiss der Auftritt des ca. hundertjährigen Sheriffs, der im Schneckentempo durchs Bild latscht, stehenbleibt, um sich etwas bedeutungsschwer anzuschauen, und dann einfach weitergeht. Die Sinnlosigkeit des Daseins und die Hybris des Menschen wurden nie prägnanter in Szene gesetzt. Für solche Unzulänglichkeiten liebe ich Slasherfilme, deren Langeweile für mich mittlerweile eine fast meditative Wirkung hat. Man muss es so sehen: Viele Menschen hätten ohne das Aufkommen des Slashers niemals einen Film gedreht. Viel Schrott wäre mir erspart geblieben, aber wahrscheinlich erinnern sich die Darsteller von TWISTED NIGHTMARE heute noch gern an dieses tolle Wochenende im Wald, wo der eine Dünnschiss hatte und der andere dem Kameramann aufs Maul gehauen hat. Ist der Slasherfilm gar ein entfernter Verwandter des Urlaubsvideos? Gerade die Tatsache, dass die Filme alle gleich sind, macht ihre ureigene, genuine Scheißigkeit ja so leuchtend. Man sieht hier Fressen, die man so nirgendwo sonst zu sehen bekommt, an Orten, wo man nie hinwollte, bei Tätigkeiten, die für sich genommen hohl sind, aber auf Zelluloid gebannt und für ein HD-Medium restauriert zum Denkmal für die menschliche Dummheit erhoben werden.

Selbst ein so gut erschlossenes Genre wie der US-amerikanische Slasherfilm birgt immer noch Geheimnisse. Von HORROR HOUSE ON HIGHWAY FIVE hatte ich noch nie zuvor gehört – trotz obsessiver Horrorlexika-Lektüre -, jetzt ist der bizarre kleine Film in den USA gar auf Blu-ray erschienen. Ein echter Liebesdienst, denn ich glaube kaum, das irgendjemand mit bebender Brust auf dieses Teil gewartet hat. Nur ganz knapp oberhalb des Amateurfilms angesiedelt, erinnert Caseys Debüt (er wirkte als Editor beim tollen 3:15 mit) aber weniger an den Billigschund aus jenen Tagen, sondern eher an die Filme solcher Leute wie Ted V. Mikels oder Al Adamson, die ihre Zuschauer mit irrsinnigem Stuss bei Laune hielten, wenn es mit dem storytelling und dem Spannungsaufbau mal wieder nicht klappte. HORROR HOUSE ON HIGHWAY FIVE ist eigentlich eine lupenreine Komödie, aber dabei so far out, dass er schon fast wieder als verstörend durchgeht. Zumindest ist er in seiner seltsamen Mischung absolut originell. Das ist ja schon mal was.

Eine Gruppe von Studenten (der Dozent ist genauso alt wie sie) soll sich in einem kleinen Kaff nach dem ehemaligen deutschen Wissenschaftler Frederick Bartholomew erkundigen, der erst eine V2-Rakkete entwickelte, dann seine ganze Familie abschlachtete. Eine der Studentinnen fällt bei der Recherche einem durchgeknallten Brüderpaar in die Hände, das vorgibt, Nachfahren des Wissenschaftlers zu sein und die junge Frau festhält, um sie in einem bizarren Ritual zu opfern. Gleichzeitig läuft ein verrückter Killer mit Nixon-Maske herum …

Die besten Szenen des Films sind eigentlich die witzigen: Als der schwachsinnigere der beiden Brüder die Frau zurückholen soll, schnappt er stattdessen eine andere von der Straße weg. Sein Bruder maßregelt ihn und zwingt ihn, die Betäubte wieder loszuwerden. Das tut der, indem er sie einfach an einer Bushaltestelle ablädt. Der Killer geht später tatsächlich mit einem Handbohrer (siehe Bild) auf seine Opfer los, den er bedrohlich in seiner Hand dreht und die Fliehenden damit zum Kreischen bringt. Und ein weiterer Student fällt so unglücklich, dass er sich eine Harke in den Kopf rammt: Diese macht ihn zwar zum Zombie, aber immerhin lebt er noch ein bisschen, bis ihm eine Kommilitonin das Gartenwerkzeug gegen seinen Willen aus dem Kopf zieht. Seine letzten Worte: „Don’t pull the rake!“

Die hervorstechendste Qualität von HORROR HOUSE ON HIGHWAY FIVE ist ganz gewiss, dass man nie weiß, was einen als nächstes erwartet. So bescheuert und billig der Film auch ist – vor allem im Schnitt kommt zum Vorschein, dass da keine Ahnungslosen am Werk waren -, so eigenständig ist er auch. Wir haben es nicht mit einer bislang unentdeckten Perle zu tun, aber ich freue mich immer wieder, wenn ich bei meinen mittlerweile doch etwas anstrengenden Wanderungen durch den immer muffiger stinkenden Slashertümpel über solche Filme stolpere, die sich nicht bereits nach fünf Minuten völlig offenbaren. Freunde des Bizarren sollten Caseys Film eine Chance geben.

Ein blöder, gar unaussprechlicher Wortspieltitel, ein gut abgehangener Plot um einen derangierten Serienmörder, minimal talentierte, aber dafür maximal tätowierte Darstellerinnen, viel, viel Kunstblut und wenig sonst: Willkommen bei DEATH-SCORT SERVICE, einem Film, der im Jahr 2015 wie das Relikt einer längst vergangenen Zeit wirkt, aber erstaunlicherweise trotzdem ein Publikum fand, dass auch noch Bock auf ein Sequel hatte.

Erzeugnisse wie DEATH-SCORT SERVICE als „Film“ zu bezeichnen, ist gewagt: Ja, da waren eine Kamera und Darsteller involviert und irgendwann wurde das eingefangene Material dann am Rechner aneinandergeklebt, aber da hat es sich dann auch schon weitestgehen mit den Parallelen. Das hier ist eilig runtergekurbeltes Fast Food in Bildern, das die beiden seit Menschengedenken so gern genommenen Themen „Sex“ und „Gewalt“ auf kürzestem Wege zusammenbringt. Ein paar Mädels, die man möglichweise von diversen amerikanischen Pornodiensten kennt, machen mit und lassen sich von einem unerkannt bleibenden Killer haufenweise Kunstblut in hektisch geschnittenen Bildern übers Dekolleté spritzen, das in der Farbgebung des Films wie besonders trübe Raviolisoße aussieht.

Nach 80 Minuten, die durch die Episodenhaftigkeit des Ganzen noch kürzer wirken, ist DEATH-SCORT SERVICE vorbei und hat seinen bescheidenen Zweck erfüllt. Wie sich Imdb-Rezensenten ehrlich dazu versteigen können, Donohues 1.500-Dollar-Produktion sei „intense horror that will linger longer after the closing credits“ ist mir ein mittelschweres Rätsel. Es wird weder eine Form von Spannung erzeugt, noch entwickelt sich da ein Interesse für die Opfer, die kurz nach ihrem ersten Auftritt auch schon wieder aus dem Weg geräumt werden. Witz oder gar Originalität sind vollkommen abwesend. Nee, nee, DEATH-SCORT SERVICE ist reine Gewaltponografie und als solche von beeindruckender Unprätentiösität. Wenn ich mir sowas anschaue, dann im Rahmen eines Festivals wie des Morbid Movies, wo er als von der Müllkippe gefallene Kuriosität gut ins Beuteschema passte. Ansonsten bitte eher nicht.

KILLER’S MOON zeigt wieder einmal sehr schön, wie die Zeit für manche Themen manchmal einfach reif zu sein scheint: Der Film handelt davon, wie eine Gruppe von Mädchen, die auf der Reise zu einem Chorauftritt aufgrund einer Buspanne gezwungen sind, in einem sich auf die bevorstehende Saisoneröffnung vorbereitenden Landhotel zu übernachten, von vier aus einer Klinik ausgebrochenen Psychopathen heimgesucht werden. Das erinnert nicht nur inhaltlich an den Ende 1978 in den USA gestarteten HALLOWEEN, der Carpenter-Klassiker, der zum Box-Office-Phänomen avancierte, wird in einer Szene ganz explizit zitiert. Zumindest scheint es so, denn der Protoslasher startete in Großbritannien erst nach Birkinshaws Film. Aber KILLER’S MOON ist keine Kopie: Er hat einen ganz eigenen Stil, lässt in seiner Grundkonstellation mit den ängstlichen, hilflosen, am Ende in weißen Nachthemden durch die Nacht stolpernden Mädchen an die poetischen Horrormärchen eines Jean Rollin denken (es passt, dass der Film seine Digitalauswertung durch Redemption erlebte), in seiner Zeichnung der Killer hingegen an Kubricks A CLOCKWORK ORANGE und versieht das ganze mit einem Humor, den man gemeinhin als „typisch britisch“ apostrophiert.

Nicht alles geht auf: Die Zeichnung der Irren ist gewöhnungsbedürftig wie auch die Idee, das gleich vier unter völlig unterschiedlichen Psychosen leidende Mörder gemeinsame Sache machen wie eine gewöhnliche Bande von Einbrechern (hier musste ich an Jack Sholders ALONE IN THE DARK denken). Das Drehbuch begründet ihre Mordtour damit, dass sie durch eine Traumtherapie verlernt haben, Realität und Traum zu unterscheiden: Sie glauben, sie befänden sich in einem Traum. Das ist eine schöne Idee, die eine etwas geschliffenere Umsetzung verdient gehabt hätte. In Birkinshaws Film wird dieser Aspekt aber vor allem auf der Dialogebene abgehandelt, anstatt ihn auf die visuelle Ebene zu hieven. Gut, das Setting des alten, schlossartigen Hotels mitten im englischen Niemandsland und die durch den dunklen Tann schleichenden Mädchen in ihren Nachthemden bieten ein durchaus traumgleiches Motiv, aber die Inszenierung ist sehr trocken und sachdienlich, wie sich auch die Handlungsabwicklung als eher bodenständig erweist: Den Mädchen kommen zwei in der Nähe campierende junge Männer zur Hilfe und KILLER’S MOON springt dann, wenn er einmal in Fahrt gekommen ist, zwischen den im Hotel gefangen gehaltenen Schülerinnen, den Helfern und den delirirenden Killern hin und her, ohne seine eigentlich vielversprechende Prämisse jemals so ganz zur Entfaltung zu bringen.

Mir hat es vor allem die Zeichnung der vier Psychos erschwert, so richtig in den Film eintauchen zu können: Sie bekommen meines Erachtens zu viel Raum, sich zu erklären, als dass sie als mörderische Phantome Angst und Schrecken verbreiten könnten, und die Geisteskranken habe ich den Darstellern auch nicht abgenommen. Hier kommt der oben genannte Vergleich zu Kubricks Gewaltoper zum Tragen: Nicht nur sehen sie Alex DeLarges droogs mit ihren weißen Krankenhausanzügen zum Verwechseln ähnlich (einer trägt sogar eine Melone), sie behandeln die ganze Situation wie diese als großes Spiel. Das ist nicht per se problematisch, aber die Darsteller tragen diesen Einfall einfach nicht. Immer, wenn die vier Mörder ins Zentrum des Geschehen rücken, hat man den Eindruck, einen komplett anderen Film zu sehen. Trotzdem möchte ich eine Lanze für KILLER’S MOON brechen: Allein deshalb, weil der Film anders ist und sich von den zu jener Zeit aus dem Boden schießenden Vertretern des Stalk’n’Slash vor allem US-amerikanischer Prägung deutlich unterscheidet. Und der lausige eine Stern, den Frank Trebbin in einem seiner zahlreichen Anflüge von geistiger Umnachtung verteilt hat, ist völlig indiskutabel.

 

happyhellnight-quest1Man tut dem Slaherfilm kein Unrecht, wenn man ihm nachsagt, dass er sich wie nur wenige andere Genres für die Stellenlektüre eignet. Das gilt für seine berühmtesten Vertreter, die zwischen den klimaktischen Mordszenen jede Menge Zeit totschlagen, aber noch mehr, wenn man sich zu Werken auf den unteren Brettern der Videothekenregale vorarbeitet. Will sagen: Je mehr man von diesen Filmen sieht, umso mehr lernt man, bei der Beurteilung auf die kurzen Szenen und Momente zu achten, in denen die meist kläglichen Produktionsbedingungen überwunden werden konnten, sich das kollektive Unvermögen wie von Geisterhand zu Augenblicken der Poesie addiert und der sprichwörtliche Silberstreif durch die allgemeine Trübnis zischt. So gesehen wird HAPPY HELL NIGHT immer der Slasherfilm mit dem kreuzunheimlichen, saumäßig effektiven Auftakt sein, auch wenn er dem leider nichts hinzuzusetzen hat, sich nach zehn Minuten stattdessen in den üblichen rammdösigen Fraternity-Kapriolen verliert und seinen eigentlich recht gruseligen Killer als albernen Freddy-Verschnitt vergeigt.

Zwei Pfleger, ein Mann und eine Frau, schleichen durch die dunklen, mödrigen Gänge einer Irrenanstalt. Am Ende eines Flures bleiben sie vor einer Tür stehen, hinter der sich der berüchtigtste Insasse des Hauses verbirgt. Die Frau schaut durch die Luke hinein, man sieht sie und den Strahl ihrer Taschenlampe von innen. Sie erblickt etwas und schreit. Der Mann erklärt ihr mit Grabesstimme, dass dieser Insasse seit 25 Jahren nichts anderes tue als dort zu sitzen, als ob er auf etwas warten würde. Man sieht ihn nicht ganz, nur seinen Schatten, wie er da regungslos auf einem Stuhl im fahlen Licht sitzt. 25 Jahre zuvor wurde er gefasst, nachdem er in den Katakomben einer alten Kirche ein wahres Gemetzel unter einigen Studenten angerichtet hatte. Auch dies fängt Owens sehr effektiv ein, lässt einen Zeugen im Dunkel erst über blutige Gliedmaßen stolpern bevor ein leichenblasser, glatzköpfiger, blutverschmierter Mann mit riesigen schwarzen Augen in den Lichtschein seiner Taschenlampe stolpert. Ein wirklich spitzenmäßiger Auftakt.

Leider kommt danach nicht mehr viel, meist sogar deutlich weniger: Zur „Hell Night“, in der sich traurige Studenten bei den diversen Fraternitys anbiedern und sich in meist demütigenden Mutproben beweisen müssen, muss ein armer Tropf ein Foto des Killers machen und befreit ihn dabei. Im Folgenden sucht der irre Mörder die Studenten heim – die derselben Fraternity angehören, deren Mitglieder er damals schon dahingerafft hatte – und killt sie mit einem Eispickel, nicht ohne dabei fürchterlich unterbelichtete One Liner abzusondern, die nicht nur unwitzig sind, sondern zu dieser Figur einfach überhaupt nicht passen wollen. Weil die Studenten gerade eine Riesenparty feiern, gibt es auch ein paar weibliche Opfer, die hier und da etwas nackte Haut zeigen. Einer der Studenten – ein Loser mit Schnurrbart, fliehendem Kinn und einem Muttermal am Ohr, das ich zunächst für einen fleischfarbenen Ohrring gehalten habe – betreibt einen College-Fernsehsender, filmt seine Kumpels mit versteckten Kameras beim Sex und führt sich dabei wie ein Pornomogul auf. Am Ende kommt etwas schwarze Magie ins Spiel und die Flucht vor dem Mörder wird endlos ausgewalzt, als sei das alles auch nur im Entferntesten spannend, bevor HAPPY HELL NIGHT schließlich mit der vorhersehbarsten Pointe aller vorhersehbaren Pointen schließt. Nee, der Film ist nix. Aber er hat eben diesen Anfang – und Sam Rockwell und Jorja CSI Fox in Mini-Nebenrollen, auf die man sie heute wahrscheinlich eher nicht mehr ansprechen sollte.

Kuriosum am Rande: Der deutsche und englische Wikipedia-Eintrag machen alles richtig. Bis auf die Inhaltsangabe, die nichts, aber auch rein gar nichts mit diesem Film zu tun hat. Sehr seltsam.