Mit ‘Slasher’ getaggte Beiträge

Ein blöder, gar unaussprechlicher Wortspieltitel, ein gut abgehangener Plot um einen derangierten Serienmörder, minimal talentierte, aber dafür maximal tätowierte Darstellerinnen, viel, viel Kunstblut und wenig sonst: Willkommen bei DEATH-SCORT SERVICE, einem Film, der im Jahr 2015 wie das Relikt einer längst vergangenen Zeit wirkt, aber erstaunlicherweise trotzdem ein Publikum fand, dass auch noch Bock auf ein Sequel hatte.

Erzeugnisse wie DEATH-SCORT SERVICE als „Film“ zu bezeichnen, ist gewagt: Ja, da waren eine Kamera und Darsteller involviert und irgendwann wurde das eingefangene Material dann am Rechner aneinandergeklebt, aber da hat es sich dann auch schon weitestgehen mit den Parallelen. Das hier ist eilig runtergekurbeltes Fast Food in Bildern, das die beiden seit Menschengedenken so gern genommenen Themen „Sex“ und „Gewalt“ auf kürzestem Wege zusammenbringt. Ein paar Mädels, die man möglichweise von diversen amerikanischen Pornodiensten kennt, machen mit und lassen sich von einem unerkannt bleibenden Killer haufenweise Kunstblut in hektisch geschnittenen Bildern übers Dekolleté spritzen, das in der Farbgebung des Films wie besonders trübe Raviolisoße aussieht.

Nach 80 Minuten, die durch die Episodenhaftigkeit des Ganzen noch kürzer wirken, ist DEATH-SCORT SERVICE vorbei und hat seinen bescheidenen Zweck erfüllt. Wie sich Imdb-Rezensenten ehrlich dazu versteigen können, Donohues 1.500-Dollar-Produktion sei „intense horror that will linger longer after the closing credits“ ist mir ein mittelschweres Rätsel. Es wird weder eine Form von Spannung erzeugt, noch entwickelt sich da ein Interesse für die Opfer, die kurz nach ihrem ersten Auftritt auch schon wieder aus dem Weg geräumt werden. Witz oder gar Originalität sind vollkommen abwesend. Nee, nee, DEATH-SCORT SERVICE ist reine Gewaltponografie und als solche von beeindruckender Unprätentiösität. Wenn ich mir sowas anschaue, dann im Rahmen eines Festivals wie des Morbid Movies, wo er als von der Müllkippe gefallene Kuriosität gut ins Beuteschema passte. Ansonsten bitte eher nicht.

KILLER’S MOON zeigt wieder einmal sehr schön, wie die Zeit für manche Themen manchmal einfach reif zu sein scheint: Der Film handelt davon, wie eine Gruppe von Mädchen, die auf der Reise zu einem Chorauftritt aufgrund einer Buspanne gezwungen sind, in einem sich auf die bevorstehende Saisoneröffnung vorbereitenden Landhotel zu übernachten, von vier aus einer Klinik ausgebrochenen Psychopathen heimgesucht werden. Das erinnert nicht nur inhaltlich an den Ende 1978 in den USA gestarteten HALLOWEEN, der Carpenter-Klassiker, der zum Box-Office-Phänomen avancierte, wird in einer Szene ganz explizit zitiert. Zumindest scheint es so, denn der Protoslasher startete in Großbritannien erst nach Birkinshaws Film. Aber KILLER’S MOON ist keine Kopie: Er hat einen ganz eigenen Stil, lässt in seiner Grundkonstellation mit den ängstlichen, hilflosen, am Ende in weißen Nachthemden durch die Nacht stolpernden Mädchen an die poetischen Horrormärchen eines Jean Rollin denken (es passt, dass der Film seine Digitalauswertung durch Redemption erlebte), in seiner Zeichnung der Killer hingegen an Kubricks A CLOCKWORK ORANGE und versieht das ganze mit einem Humor, den man gemeinhin als „typisch britisch“ apostrophiert.

Nicht alles geht auf: Die Zeichnung der Irren ist gewöhnungsbedürftig wie auch die Idee, das gleich vier unter völlig unterschiedlichen Psychosen leidende Mörder gemeinsame Sache machen wie eine gewöhnliche Bande von Einbrechern (hier musste ich an Jack Sholders ALONE IN THE DARK denken). Das Drehbuch begründet ihre Mordtour damit, dass sie durch eine Traumtherapie verlernt haben, Realität und Traum zu unterscheiden: Sie glauben, sie befänden sich in einem Traum. Das ist eine schöne Idee, die eine etwas geschliffenere Umsetzung verdient gehabt hätte. In Birkinshaws Film wird dieser Aspekt aber vor allem auf der Dialogebene abgehandelt, anstatt ihn auf die visuelle Ebene zu hieven. Gut, das Setting des alten, schlossartigen Hotels mitten im englischen Niemandsland und die durch den dunklen Tann schleichenden Mädchen in ihren Nachthemden bieten ein durchaus traumgleiches Motiv, aber die Inszenierung ist sehr trocken und sachdienlich, wie sich auch die Handlungsabwicklung als eher bodenständig erweist: Den Mädchen kommen zwei in der Nähe campierende junge Männer zur Hilfe und KILLER’S MOON springt dann, wenn er einmal in Fahrt gekommen ist, zwischen den im Hotel gefangen gehaltenen Schülerinnen, den Helfern und den delirirenden Killern hin und her, ohne seine eigentlich vielversprechende Prämisse jemals so ganz zur Entfaltung zu bringen.

Mir hat es vor allem die Zeichnung der vier Psychos erschwert, so richtig in den Film eintauchen zu können: Sie bekommen meines Erachtens zu viel Raum, sich zu erklären, als dass sie als mörderische Phantome Angst und Schrecken verbreiten könnten, und die Geisteskranken habe ich den Darstellern auch nicht abgenommen. Hier kommt der oben genannte Vergleich zu Kubricks Gewaltoper zum Tragen: Nicht nur sehen sie Alex DeLarges droogs mit ihren weißen Krankenhausanzügen zum Verwechseln ähnlich (einer trägt sogar eine Melone), sie behandeln die ganze Situation wie diese als großes Spiel. Das ist nicht per se problematisch, aber die Darsteller tragen diesen Einfall einfach nicht. Immer, wenn die vier Mörder ins Zentrum des Geschehen rücken, hat man den Eindruck, einen komplett anderen Film zu sehen. Trotzdem möchte ich eine Lanze für KILLER’S MOON brechen: Allein deshalb, weil der Film anders ist und sich von den zu jener Zeit aus dem Boden schießenden Vertretern des Stalk’n’Slash vor allem US-amerikanischer Prägung deutlich unterscheidet. Und der lausige eine Stern, den Frank Trebbin in einem seiner zahlreichen Anflüge von geistiger Umnachtung verteilt hat, ist völlig indiskutabel.

 

happyhellnight-quest1Man tut dem Slaherfilm kein Unrecht, wenn man ihm nachsagt, dass er sich wie nur wenige andere Genres für die Stellenlektüre eignet. Das gilt für seine berühmtesten Vertreter, die zwischen den klimaktischen Mordszenen jede Menge Zeit totschlagen, aber noch mehr, wenn man sich zu Werken auf den unteren Brettern der Videothekenregale vorarbeitet. Will sagen: Je mehr man von diesen Filmen sieht, umso mehr lernt man, bei der Beurteilung auf die kurzen Szenen und Momente zu achten, in denen die meist kläglichen Produktionsbedingungen überwunden werden konnten, sich das kollektive Unvermögen wie von Geisterhand zu Augenblicken der Poesie addiert und der sprichwörtliche Silberstreif durch die allgemeine Trübnis zischt. So gesehen wird HAPPY HELL NIGHT immer der Slasherfilm mit dem kreuzunheimlichen, saumäßig effektiven Auftakt sein, auch wenn er dem leider nichts hinzuzusetzen hat, sich nach zehn Minuten stattdessen in den üblichen rammdösigen Fraternity-Kapriolen verliert und seinen eigentlich recht gruseligen Killer als albernen Freddy-Verschnitt vergeigt.

Zwei Pfleger, ein Mann und eine Frau, schleichen durch die dunklen, mödrigen Gänge einer Irrenanstalt. Am Ende eines Flures bleiben sie vor einer Tür stehen, hinter der sich der berüchtigtste Insasse des Hauses verbirgt. Die Frau schaut durch die Luke hinein, man sieht sie und den Strahl ihrer Taschenlampe von innen. Sie erblickt etwas und schreit. Der Mann erklärt ihr mit Grabesstimme, dass dieser Insasse seit 25 Jahren nichts anderes tue als dort zu sitzen, als ob er auf etwas warten würde. Man sieht ihn nicht ganz, nur seinen Schatten, wie er da regungslos auf einem Stuhl im fahlen Licht sitzt. 25 Jahre zuvor wurde er gefasst, nachdem er in den Katakomben einer alten Kirche ein wahres Gemetzel unter einigen Studenten angerichtet hatte. Auch dies fängt Owens sehr effektiv ein, lässt einen Zeugen im Dunkel erst über blutige Gliedmaßen stolpern bevor ein leichenblasser, glatzköpfiger, blutverschmierter Mann mit riesigen schwarzen Augen in den Lichtschein seiner Taschenlampe stolpert. Ein wirklich spitzenmäßiger Auftakt.

Leider kommt danach nicht mehr viel, meist sogar deutlich weniger: Zur „Hell Night“, in der sich traurige Studenten bei den diversen Fraternitys anbiedern und sich in meist demütigenden Mutproben beweisen müssen, muss ein armer Tropf ein Foto des Killers machen und befreit ihn dabei. Im Folgenden sucht der irre Mörder die Studenten heim – die derselben Fraternity angehören, deren Mitglieder er damals schon dahingerafft hatte – und killt sie mit einem Eispickel, nicht ohne dabei fürchterlich unterbelichtete One Liner abzusondern, die nicht nur unwitzig sind, sondern zu dieser Figur einfach überhaupt nicht passen wollen. Weil die Studenten gerade eine Riesenparty feiern, gibt es auch ein paar weibliche Opfer, die hier und da etwas nackte Haut zeigen. Einer der Studenten – ein Loser mit Schnurrbart, fliehendem Kinn und einem Muttermal am Ohr, das ich zunächst für einen fleischfarbenen Ohrring gehalten habe – betreibt einen College-Fernsehsender, filmt seine Kumpels mit versteckten Kameras beim Sex und führt sich dabei wie ein Pornomogul auf. Am Ende kommt etwas schwarze Magie ins Spiel und die Flucht vor dem Mörder wird endlos ausgewalzt, als sei das alles auch nur im Entferntesten spannend, bevor HAPPY HELL NIGHT schließlich mit der vorhersehbarsten Pointe aller vorhersehbaren Pointen schließt. Nee, der Film ist nix. Aber er hat eben diesen Anfang – und Sam Rockwell und Jorja CSI Fox in Mini-Nebenrollen, auf die man sie heute wahrscheinlich eher nicht mehr ansprechen sollte.

Kuriosum am Rande: Der deutsche und englische Wikipedia-Eintrag machen alles richtig. Bis auf die Inhaltsangabe, die nichts, aber auch rein gar nichts mit diesem Film zu tun hat. Sehr seltsam.

95385_frontEin Late-Period-Slasher, der trotz einer offenkundig komplizierten Produktionsgeschichte sehr hübsch geworden ist und aus dem oft tristen Einerlei positiv hervorsticht: Regisseur Alan Ormsby wurde nach wenigen Drehwochen von Mark Herrier ersetzt, auch Hauptdarstellerin Jill Schoelen kam erst später für die eigentlich besetzte Amy O’Neill an Bord. Gedreht wurde auf Jamaica, was den Auftritt der für das Sujet etwas ungewöhnlich gewählten Reggae-Band erklärt. Der Film ging an der Kinokasse leider völlig baden und wurde schon nach kurzer Zeit für kleinere Wiederaufführungskinos gebucht, um den Schaden gering zu halten. Herrier – eigentlich Schauspieler – drehte danach nur noch Kurzfilme, Ormsby widmete sich wieder dem Verfassen von Drehbüchern. POPCORN ist leider weitestgehend in Vergessenheit geraten, was schade ist, als er gegenüber vielem anderen Kram, der so als „Kultfilm“ wiederentdeckt und in Deluxe-Editionen auf Blu-ray veröffentlicht wird, doch sehr viel interessanter, origineller und liebevoller ist.

Herriers/Ormsbys Film kreist um ein Horror-Film-Festival, das eine Gruppe von Filmstudenten organisiert, um Geld für den darbenden Lehrstuhl zu generieren. Gezeigt werden „The Mosquito“, „The Amazing Electrified Man“ und „The Stench“ in ihren Originalformaten und mit zahlreichen an William Castle erinnernden Gimmicks. In dem ausgewählten Kino indes hatte sich vor 15 Jahren ein Massaker ereignet, als ein von seinem Publikum verlachter Avantgarde-Filmer seine Familie als letzten Akt seines Werks live auf der Bühne umbrachte bevor er in einer anschließenden Feuersbrunst sein Leben ließ. Das Festival wird dann auch recht bald von einem Killer heimgesucht. Die Studentin Maggie (Jill Schoelen) erfährt, dass sie die Tochter des psychopathischen Filmemachers ist und vermutet, dass dieser sein Unwesen treibt .

Das Herz von POPCORN sind die Ausschnitte aus den im Film gezeigten fiktiven Fünfzigerjahre-Klassikern. Ormsbys gelungene Hommage an die naiven Monster- und Sci-Fi-Filme von einst zeugt von großer Liebe für das Genre und drängt den Vergleich zu Joe Dantes etwas später entstandenem MATINEE ´förmlich auf. Besonders toll ist Bruce Glover als durch die Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl mit elektrischen Superkräften ausgestatteter Schurke, der mit zu Berge stehenden Haaren und irrem Augenrollen Blitze verschießt. Dazu gesellen sich dann noch die wunderbaren Gimmicks – ein über das Publikum hinwegfliegendes Riesenmoskito sowie die bekannten Elektroschock-Sitze – und die schönen Originalposter, die man immer wieder im Bildhintergrund erblicken kann. Mehr als die eigentliche Slasher-Story, die ein paar schöne Make-up-Effekte, aber sonst nichts wirklich Neues bietet und am Ende auch etwas ermüdet, erobert POPCORN das Herz des geneigten Betrachters mit der Zelebrierung einer Kino- und Filmkultur, die es in dieser Form in Deutschland leider nie gegeben hat. Da strömen die Teens mit fantasievollen Verkleidungen ins Kino, veranstalten eine Riesenparty mit fliegendem Popcorn und tosender Begeisterung, bejohlen die ins kulturelle Gedächtnis eingegangenen Filme ebenso wie die Einfälle der Veranstalter. Fast wünschte man sich, POPCORN hätte sich ausschließlich dem Miteinander der Besucher gewidmet, dem Hin-und-Her zwischen Kinosaal und Popcorn-Ständer, dem Beziehungskuddelmuddel, das sich da unweigerlich entspinnt. So muss man sich halt auch durch eine eher uninspirierte Horrorgeschichte schlagen, die keinesweges schlecht ist, aber eben auch nichts wirklich Besonderes. Trotzdem: POCORN darf man ruhig mal wieder rauskramen.

contagem2bde2bcad25c325a1veres2b-2bcamping2bdel2bterrore2b252819862529Ruggero Deodatos CAMPING DEL TERRORE zeigt schon im Titel, dass er keine größeren Ambitionen hatte, als die zum damaligen Zeitpunkt bereits gut abgehangene Slasher-Formel auch noch einmal durchzunudeln. Die Story um ein paar besonders doofe Teenies, die in den Bergen von Colorado einem Killer zum Opfer fallen, der seine ersten Opfer vor 15 Jahren niedergestreckt hatte, ist natürlich nur Vorwand für ein paar Splatter-Szenen, die der Rede kaum wert sind – und es eigentlich damals auch schon nicht waren. Unter deutschen Horrorfreunden war der Film zu VHS-Zeiten absurderweise dennoch sehr gefragt, weil man ihn in der deutschen Version seiner garstigeren Momente – und somit seines ganzen Reizes – entledigt hatte. Ich mag ihn irgendwie, das hat sich auch in dieser ersten Sichtung seit bestimmt 20 Jahren erneut gezeigt: Ob ich das erklären kann, werden die folgenden Zeilen zeigen, ich habe aber meine Zweifel.

Zunächst mal ist da natürlich diese Besetzung: David Hess spielt den Besitzer des Campgrounds, auf dem sich das Massaker abspielt, einen unfreundlichen, eigenbrötlerischen und verbitterten Mann, der sich einen Scheiß um das Wohl seiner Mitmenschen sorgt. Mimsy Farmer ist seine Gattin: Sie hat nicht irrsinnig viel zu tun, aber ihre Anwesenheit ist trotzdem eine Freude, zumal sie auch noch eine Affäre mit Charles Napier haben darf, der wieder einmal einen Gesetzeshüter spielt. John Steiner und Ivan Rassimov haben nur winziger Wegwerfrollen, die für den Film kaum von Bedeutung sind, aber dass sie da sind, ist schön, weil es den Film mit der alten italienischen Exploitation- und Giallo-Tradition verknüpft, die man durch die sonst ganz auf amerikanisch getrimmte Oberfläche nur noch schemenhaft erkennt. Vor allem die eigentlichen Protagonisten, also die Teens, sind furchtbar gesichtslos und benehmen sich stets so idiotisch und aufgekratzt wie möglich: Sie kommen mitten in der Nacht auf die Idee, ein verfallenes Badehaus im Wald aufzuräumen, um es für ihre Dusche zu benutzen, und necken sich auf eine Art und Weise, die nur sehr bedingt komisch ist. Aber dann gibt es da noch den Score von Claudio Simonetti, der an bessere Zeiten erinnert, sowie Eugenio Alabisos furiosen Schnitt, der so manche der formelhaften Fluchtszenen zu wahren Tanzperformances stilisiert: Noch nie sind Menschen so anmutig durchs Unterholz gestolpert wie hier. Ja, und das war es dann auch schon fast.

CAMPING DEL TERRORE ist By-the-numbers-Kino, klebt so sklavisch am erprobten Muster, dass man ihn schon fast als Metafilm bezeichnen muss. Kaum vorstellbar, dass Deodato diesen Film als etwas anderes betrachtete als als tumben Spaß, um verblödeten Kids das Geld aus der Tasche zu ziehen. Vermutlich hat er sich mit David Hess in den Drehpausen kaputtgelacht. Zumindest auf mich überträgt sich dieses „Ah, fuck it“: Langweilig ist CAMPING DEL TERRORE eigentlich nie, selbst wenn man sich einen Furz dafür interessiert, wer der Killer ist oder wer als nächstens ins Gras beißen muss. Es ist immer was los – und es sieht immer eine Ecke besser aus als im Großteil der schäbigen DTV-Slasher, die zu dieser Zeit den Markt fluteten. Das Ehedrama zwischen David und Mimsy hätte eigentlich mehr Raum verdient und ist viel, viel interessanter als die Mär um den Schamanen mit der Gummimaske, aber man kann das ja auch so sehen: Immerhin gibt es hier irgendwas, von dem man nach 85 Minuten gern noch mehr gehabt hätte. Wenigstens das ist sehr Slasher-untypisch.

shadows2brun2bblack2b001frodgffdgEin Film aus der beliebten Rubrik „Leiche im Keller“: kleine schmuddelige oder schlicht blöde Horrorfilme, in denen spätere Superstars sich ihre frühen Brötchen verdienten. In diesem Film aus dem Jahr 1984, der aber aussieht und sich anfühlt wie einer von 1978, ist es Kevin Costner, der zwei völlig unwichtige Szenen hat und dabei den Eindruck macht, er habe alle seine Dialogzeilen spontan erdacht. Er wird in den Credits separat genannt, wahrscheinlich weil er zu diesem Zeitpunkt der Bekannteste aus der Besetzungsliste war, und startete dann mit seinem nächsten Film FANDANGO richtig durch. Ob er gern über diesen kleinen Schlocker spricht, weiß ich nicht, wage es aber zu bezweifeln.

Es handelt sich bei SHADOWS RUN BLACK um einen Film, der damals vielleicht im Zuge des Slasherbooms den ein oder anderen dazu veranlasste, ein Kinoticket zu lösen. Wer aber auf der Suche nach neuen Inspirationen für eigene Latex- und Kunstblutkreationen war, wurde bitterlich enttäuscht. Mehr als ein neumodischer Metzelfilm mit ausufernden Mordsequenzen und einen miesepetrigen Maskenmann ist SHADOWS RUN BLACK ein unbeholfen erzählter, weitestgehend ohne Schauwerte auskommender kleiner Thriller. Man fühlt sich an Hunderte billig produzierter Schwarten aus den Seventies erinnert, die mit dem Versprechen von viel Sex & Crime in die Autokinos lockten, auf den saftigen Titel und das geile Posterartwork aber nicht mehr viel drauflegen konnten. Aber irgendwie ist Heards Film in seiner schmucklosen Unbeholfenheit auch wieder ganz süß: ein krasser Anachronismus zwischen den neonbunten Effektfeuerwerken, die damals populär wurden.

Die Geschichte um einen Studentinnenmörder, der von der Polizei „the black angel“ tituliert wird, ist ohne Drive und Spannung erzählt, geht aber trotzdem recht schnell vorüber, weil halt immer irgendwas Idiotisches passiert. Da lässt sich ein Mädel von ihrem Schlapphut tragenden Freund erst durch den Wald hetzen (die immer mit ihre rape fantasies) und anschließend in seinem Wagen durchorgeln, bevor er sich bei einsetzender Nacht daran macht, das Auto zu reparieren. Auf einer Geburtstagsparty begeistert danach ein schwarzer Zauberkünstler die handvoll anwesender Gestalten – der Geräuschkulisse aus dem Off nach könnte man meinen, man befände sich im Madison Square Garden – minutenlang mit völlig banalen Tricks, während sich ein weiteres Opfer davonstiehlt um im Pool ein Nacktbad zu nehmen. Die Portagonistin des Films, die von einem obszönen Anrufer belästigt wird, bekommt von ihrem Freund gesagt, sie solle sich keine Sorgen  machen, das sei bestimmt nur einer dieser obszönen Anrufer. Er ist nicht nur offensichtlich dumm, sondern auch noch Afroamerikaner, weshalb ihr Stiefvater ihn brutal zusammenschlägt. Nicht weiter tragisch, man redet drüber, der Freund wird kurzerhand dazu gebeten, sich um des lieben Frieden willens wegen bei seinem Peiniger zu entschuldigen. Das ist gelebtes Christentum. Apropos Christentum, irgendwann stellt sich ein Pfaffe beim ermittelnden Polizeibeamten vor, um Hinweise in der Mordsache zu geben. Nach ellenlangem belanglosem Dialog gesteht er dann aber, selbst der Killer zu sein. Er wird abgeführt,  ein durchgeknallter Trittbrettfahrer, das war’s, die ganze sinnlose Szene hatte keinen weiteren Sinn. Das trifft dann auch auf die Auflösung zu: Wie immer ist am Ende einfach der der Mörder, der bislang nie in Frage kam und noch lebt. Kevin ist zu diesem Zeitpunkt schon lang wieder raus.

curtainsAuf der Bühne eines kleinen, menschenleeren Theaters gibt Samantha Sherwood (Samantha Eggar) ihrem Regisseur Jonathan Stryker (John Vernon) eine Darbietung als rachsüchtige, betrogene Frau. Als sie die Waffe zieht, um ihren Liebhaber umzubringen, lacht Stryker nur: Er nimmt ihr die Rolle nicht ab. Um ihm zu beweisen, wie weit sie für die Rolle der in den Wahn abdriftenden Audra, der Protagonistin seines nächsten Films, bereit ist zu gehen, lässt sie sich gar in eine Nervenheilanstalt einweisen. Umgeben von manischen Patientinnen scheint ihr ein echter Horrortrip bevorzustehen. Wird sie ihre geistige Gesundheit bewahren?

CURTAINS geht dieser Frage aber nicht weiter nach, fängt nach einem fallenden Vorhang lieber noch einmal neu an: Stryker hat die Idee, Sherwood zu besetzen, verworfen und stattdessen sechs andere Darstellerinnen zum Casting in ein einsames Landhaus geladen. Die geschasste Aktrice ist wütend und kündigt einen Vergeltungsschlag an, der sich schon bald in einer Mordserie zu entladen scheint. Nacheinander fallen die Bewerberinnen um „ihren“ Part einem maskierten Mörder zum Opfer.

CURTAINS ist eine Slasher-Film-Kuriosität, ein Werk, das erst kürzlich wieder ausgegraben und als vergessene Perle beworben wurde. Dem Schema seines Subgenres mag er sich nicht wirklich fügen, das Stalk’n’Slash, das sonst im Zentrum des Interesses steht, nimmt hier einen vergleichsweise kleinen Spielraum ein. Viel eher ist CURTAINS ein Sammelsurium von Ideen, die in ihrer Kombination ein höchst seltsames Ganzes ergeben. Irgendwie hat mich das an Robert Aldrichs THE LEGEND OF LYLAH CLARE erinnert, mit dem CURTAINS vordergründig eigentlich kaum etwas gemeinsam hat. Aber neben seinem Horrorplot handelt Ciupkas Film eben auch vom unbarmherzigen Filmbusiness, von den komplizierten Beziehungen zwischen Regisseuren und ihren Musen, von unerreichbaren Träumen, geplatzten Hoffnungen und gescheiterten Karrieren. Zu allem Überfluss inszenierte Ciupka seinen Film auch noch unter dem Namen seines Film-Alter-egos Stryker, was CURTAINS endgültig auf die selbstreflexive Metaebene hebt und es schwer macht, den Film at face value zu nehmen. Der Film hat eine melodramatische Qualität, die von den bisweilen kitschigen, in Pastelltönen gehaltenen  Bildern gestützt wird, wirkt wie der Albtraum einer im Alkohol- und Tablettenrausch darniederliegenden Diva. Eine mörderische Puppe taucht auch auf, ohne dass man wirklich weiß warum, und ein junger Michael Wincott hat eine Sexszene. Ein wahrlich merkwürdiges Teil.