Mit ‘Slasher’ getaggte Beiträge

twisted nightmare (paul hunt, usa 1987)

Veröffentlicht: Oktober 27, 2017 in Film
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Wenn ich manchmal nichts Besseres zu tun habe, versuche ich mir meine anhaltende Liebe für den Slasherfilm der Achtzigerjahre zu erklären. Ich frage mich dann, warum ich mir immer wieder solche Sachen wie TWISTED NIGHTMARE anschaue, wo ich doch weiß, dass die Chance, mal wieder etwas halbwegs Brauchbares erwischt zu haben, langsam aber sicher gen null tendiert. Noch mehr wundert es mich aber, warum ich selbst an solchem Bodensatz immer noch ein perverses Vergnügen finde. TWISTED NIGHTMARE ist großer Käse, aber ich würde lügen, wenn ich sagte, dass ein Teil von mir diesen Käse nicht ziemlich schmackhaft fand.

Was ist es also?  Sind es die furchtbaren Teenie-Darsteller in ihren gruseligen Klamotten? Die rätselhafte Vorstellung von jugendlichem Vergnügen, die diese Filme immer wieder transportieren? Der staubige Billiglook? Die selbstgebastelten Slasherkostüme? Die unbeholfene Art, Zeit zu schinden? Ich schätze, es ist die Kombination aus all diesen Elementen. TWISTED NIGHTMARE habe ich gestern im Zustand fortgeschrittenen Rausches und zu später Stunde gesehen. Teilweise bin ich weggedriftet, dann kurz vor Schluss eingepennt. Teile des Films sind einfach weg, da wo sie hingehören, anderes werde ich aus unerklärlichen Gründen wahrscheinlich nie mehr vergessen: dieses arme Pärchen, das von den Kumpels erst in eine Blockhütte am Arsch der Welt geladen wird und dann auch noch das Pech hat, beim Verlosen der Schlafplätze den Wohnzimmerfußboden zu ziehen. Warum wundern sich alle, dass er daraufhin ausrastet? Mein Verständnis von „Spaß“ sieht auch definitiv anders aus. Dieser Streit führt zur Spaltung der Gruppe und zu einer weiteren Fragmentierung der eh schon nur rudimentär vorhandenen Handlung, denn nun gilt es gleich mehreren kleinen Splittergrüppchen beim Totschlagen der Zeit beizuwohnen. Es wird irrsinnig viel im Wald rumgelatscht, bevor es dann auch der letzte bemerkt, dass ein Killer sein Unwesen treibt. Die Mordszenen sind sogar ganz effektiv und zupackend geraten, aber mehr als an der Regie liegt das am Score, der mit preiswertem Industrialgeschepper und unheilvollem Dröhnen viel Stimmung macht, wo einfach nur ein paar Knallchargen in Clinch gehen.

Meine Lieblingsszene ist gewiss der Auftritt des ca. hundertjährigen Sheriffs, der im Schneckentempo durchs Bild latscht, stehenbleibt, um sich etwas bedeutungsschwer anzuschauen, und dann einfach weitergeht. Die Sinnlosigkeit des Daseins und die Hybris des Menschen wurden nie prägnanter in Szene gesetzt. Für solche Unzulänglichkeiten liebe ich Slasherfilme, deren Langeweile für mich mittlerweile eine fast meditative Wirkung hat. Man muss es so sehen: Viele Menschen hätten ohne das Aufkommen des Slashers niemals einen Film gedreht. Viel Schrott wäre mir erspart geblieben, aber wahrscheinlich erinnern sich die Darsteller von TWISTED NIGHTMARE heute noch gern an dieses tolle Wochenende im Wald, wo der eine Dünnschiss hatte und der andere dem Kameramann aufs Maul gehauen hat. Ist der Slasherfilm gar ein entfernter Verwandter des Urlaubsvideos? Gerade die Tatsache, dass die Filme alle gleich sind, macht ihre ureigene, genuine Scheißigkeit ja so leuchtend. Man sieht hier Fressen, die man so nirgendwo sonst zu sehen bekommt, an Orten, wo man nie hinwollte, bei Tätigkeiten, die für sich genommen hohl sind, aber auf Zelluloid gebannt und für ein HD-Medium restauriert zum Denkmal für die menschliche Dummheit erhoben werden.

Selbst ein so gut erschlossenes Genre wie der US-amerikanische Slasherfilm birgt immer noch Geheimnisse. Von HORROR HOUSE ON HIGHWAY FIVE hatte ich noch nie zuvor gehört – trotz obsessiver Horrorlexika-Lektüre -, jetzt ist der bizarre kleine Film in den USA gar auf Blu-ray erschienen. Ein echter Liebesdienst, denn ich glaube kaum, das irgendjemand mit bebender Brust auf dieses Teil gewartet hat. Nur ganz knapp oberhalb des Amateurfilms angesiedelt, erinnert Caseys Debüt (er wirkte als Editor beim tollen 3:15 mit) aber weniger an den Billigschund aus jenen Tagen, sondern eher an die Filme solcher Leute wie Ted V. Mikels oder Al Adamson, die ihre Zuschauer mit irrsinnigem Stuss bei Laune hielten, wenn es mit dem storytelling und dem Spannungsaufbau mal wieder nicht klappte. HORROR HOUSE ON HIGHWAY FIVE ist eigentlich eine lupenreine Komödie, aber dabei so far out, dass er schon fast wieder als verstörend durchgeht. Zumindest ist er in seiner seltsamen Mischung absolut originell. Das ist ja schon mal was.

Eine Gruppe von Studenten (der Dozent ist genauso alt wie sie) soll sich in einem kleinen Kaff nach dem ehemaligen deutschen Wissenschaftler Frederick Bartholomew erkundigen, der erst eine V2-Rakkete entwickelte, dann seine ganze Familie abschlachtete. Eine der Studentinnen fällt bei der Recherche einem durchgeknallten Brüderpaar in die Hände, das vorgibt, Nachfahren des Wissenschaftlers zu sein und die junge Frau festhält, um sie in einem bizarren Ritual zu opfern. Gleichzeitig läuft ein verrückter Killer mit Nixon-Maske herum …

Die besten Szenen des Films sind eigentlich die witzigen: Als der schwachsinnigere der beiden Brüder die Frau zurückholen soll, schnappt er stattdessen eine andere von der Straße weg. Sein Bruder maßregelt ihn und zwingt ihn, die Betäubte wieder loszuwerden. Das tut der, indem er sie einfach an einer Bushaltestelle ablädt. Der Killer geht später tatsächlich mit einem Handbohrer (siehe Bild) auf seine Opfer los, den er bedrohlich in seiner Hand dreht und die Fliehenden damit zum Kreischen bringt. Und ein weiterer Student fällt so unglücklich, dass er sich eine Harke in den Kopf rammt: Diese macht ihn zwar zum Zombie, aber immerhin lebt er noch ein bisschen, bis ihm eine Kommilitonin das Gartenwerkzeug gegen seinen Willen aus dem Kopf zieht. Seine letzten Worte: „Don’t pull the rake!“

Die hervorstechendste Qualität von HORROR HOUSE ON HIGHWAY FIVE ist ganz gewiss, dass man nie weiß, was einen als nächstes erwartet. So bescheuert und billig der Film auch ist – vor allem im Schnitt kommt zum Vorschein, dass da keine Ahnungslosen am Werk waren -, so eigenständig ist er auch. Wir haben es nicht mit einer bislang unentdeckten Perle zu tun, aber ich freue mich immer wieder, wenn ich bei meinen mittlerweile doch etwas anstrengenden Wanderungen durch den immer muffiger stinkenden Slashertümpel über solche Filme stolpere, die sich nicht bereits nach fünf Minuten völlig offenbaren. Freunde des Bizarren sollten Caseys Film eine Chance geben.

Ein blöder, gar unaussprechlicher Wortspieltitel, ein gut abgehangener Plot um einen derangierten Serienmörder, minimal talentierte, aber dafür maximal tätowierte Darstellerinnen, viel, viel Kunstblut und wenig sonst: Willkommen bei DEATH-SCORT SERVICE, einem Film, der im Jahr 2015 wie das Relikt einer längst vergangenen Zeit wirkt, aber erstaunlicherweise trotzdem ein Publikum fand, dass auch noch Bock auf ein Sequel hatte.

Erzeugnisse wie DEATH-SCORT SERVICE als „Film“ zu bezeichnen, ist gewagt: Ja, da waren eine Kamera und Darsteller involviert und irgendwann wurde das eingefangene Material dann am Rechner aneinandergeklebt, aber da hat es sich dann auch schon weitestgehen mit den Parallelen. Das hier ist eilig runtergekurbeltes Fast Food in Bildern, das die beiden seit Menschengedenken so gern genommenen Themen „Sex“ und „Gewalt“ auf kürzestem Wege zusammenbringt. Ein paar Mädels, die man möglichweise von diversen amerikanischen Pornodiensten kennt, machen mit und lassen sich von einem unerkannt bleibenden Killer haufenweise Kunstblut in hektisch geschnittenen Bildern übers Dekolleté spritzen, das in der Farbgebung des Films wie besonders trübe Raviolisoße aussieht.

Nach 80 Minuten, die durch die Episodenhaftigkeit des Ganzen noch kürzer wirken, ist DEATH-SCORT SERVICE vorbei und hat seinen bescheidenen Zweck erfüllt. Wie sich Imdb-Rezensenten ehrlich dazu versteigen können, Donohues 1.500-Dollar-Produktion sei „intense horror that will linger longer after the closing credits“ ist mir ein mittelschweres Rätsel. Es wird weder eine Form von Spannung erzeugt, noch entwickelt sich da ein Interesse für die Opfer, die kurz nach ihrem ersten Auftritt auch schon wieder aus dem Weg geräumt werden. Witz oder gar Originalität sind vollkommen abwesend. Nee, nee, DEATH-SCORT SERVICE ist reine Gewaltponografie und als solche von beeindruckender Unprätentiösität. Wenn ich mir sowas anschaue, dann im Rahmen eines Festivals wie des Morbid Movies, wo er als von der Müllkippe gefallene Kuriosität gut ins Beuteschema passte. Ansonsten bitte eher nicht.

KILLER’S MOON zeigt wieder einmal sehr schön, wie die Zeit für manche Themen manchmal einfach reif zu sein scheint: Der Film handelt davon, wie eine Gruppe von Mädchen, die auf der Reise zu einem Chorauftritt aufgrund einer Buspanne gezwungen sind, in einem sich auf die bevorstehende Saisoneröffnung vorbereitenden Landhotel zu übernachten, von vier aus einer Klinik ausgebrochenen Psychopathen heimgesucht werden. Das erinnert nicht nur inhaltlich an den Ende 1978 in den USA gestarteten HALLOWEEN, der Carpenter-Klassiker, der zum Box-Office-Phänomen avancierte, wird in einer Szene ganz explizit zitiert. Zumindest scheint es so, denn der Protoslasher startete in Großbritannien erst nach Birkinshaws Film. Aber KILLER’S MOON ist keine Kopie: Er hat einen ganz eigenen Stil, lässt in seiner Grundkonstellation mit den ängstlichen, hilflosen, am Ende in weißen Nachthemden durch die Nacht stolpernden Mädchen an die poetischen Horrormärchen eines Jean Rollin denken (es passt, dass der Film seine Digitalauswertung durch Redemption erlebte), in seiner Zeichnung der Killer hingegen an Kubricks A CLOCKWORK ORANGE und versieht das ganze mit einem Humor, den man gemeinhin als „typisch britisch“ apostrophiert.

Nicht alles geht auf: Die Zeichnung der Irren ist gewöhnungsbedürftig wie auch die Idee, das gleich vier unter völlig unterschiedlichen Psychosen leidende Mörder gemeinsame Sache machen wie eine gewöhnliche Bande von Einbrechern (hier musste ich an Jack Sholders ALONE IN THE DARK denken). Das Drehbuch begründet ihre Mordtour damit, dass sie durch eine Traumtherapie verlernt haben, Realität und Traum zu unterscheiden: Sie glauben, sie befänden sich in einem Traum. Das ist eine schöne Idee, die eine etwas geschliffenere Umsetzung verdient gehabt hätte. In Birkinshaws Film wird dieser Aspekt aber vor allem auf der Dialogebene abgehandelt, anstatt ihn auf die visuelle Ebene zu hieven. Gut, das Setting des alten, schlossartigen Hotels mitten im englischen Niemandsland und die durch den dunklen Tann schleichenden Mädchen in ihren Nachthemden bieten ein durchaus traumgleiches Motiv, aber die Inszenierung ist sehr trocken und sachdienlich, wie sich auch die Handlungsabwicklung als eher bodenständig erweist: Den Mädchen kommen zwei in der Nähe campierende junge Männer zur Hilfe und KILLER’S MOON springt dann, wenn er einmal in Fahrt gekommen ist, zwischen den im Hotel gefangen gehaltenen Schülerinnen, den Helfern und den delirirenden Killern hin und her, ohne seine eigentlich vielversprechende Prämisse jemals so ganz zur Entfaltung zu bringen.

Mir hat es vor allem die Zeichnung der vier Psychos erschwert, so richtig in den Film eintauchen zu können: Sie bekommen meines Erachtens zu viel Raum, sich zu erklären, als dass sie als mörderische Phantome Angst und Schrecken verbreiten könnten, und die Geisteskranken habe ich den Darstellern auch nicht abgenommen. Hier kommt der oben genannte Vergleich zu Kubricks Gewaltoper zum Tragen: Nicht nur sehen sie Alex DeLarges droogs mit ihren weißen Krankenhausanzügen zum Verwechseln ähnlich (einer trägt sogar eine Melone), sie behandeln die ganze Situation wie diese als großes Spiel. Das ist nicht per se problematisch, aber die Darsteller tragen diesen Einfall einfach nicht. Immer, wenn die vier Mörder ins Zentrum des Geschehen rücken, hat man den Eindruck, einen komplett anderen Film zu sehen. Trotzdem möchte ich eine Lanze für KILLER’S MOON brechen: Allein deshalb, weil der Film anders ist und sich von den zu jener Zeit aus dem Boden schießenden Vertretern des Stalk’n’Slash vor allem US-amerikanischer Prägung deutlich unterscheidet. Und der lausige eine Stern, den Frank Trebbin in einem seiner zahlreichen Anflüge von geistiger Umnachtung verteilt hat, ist völlig indiskutabel.

 

happyhellnight-quest1Man tut dem Slaherfilm kein Unrecht, wenn man ihm nachsagt, dass er sich wie nur wenige andere Genres für die Stellenlektüre eignet. Das gilt für seine berühmtesten Vertreter, die zwischen den klimaktischen Mordszenen jede Menge Zeit totschlagen, aber noch mehr, wenn man sich zu Werken auf den unteren Brettern der Videothekenregale vorarbeitet. Will sagen: Je mehr man von diesen Filmen sieht, umso mehr lernt man, bei der Beurteilung auf die kurzen Szenen und Momente zu achten, in denen die meist kläglichen Produktionsbedingungen überwunden werden konnten, sich das kollektive Unvermögen wie von Geisterhand zu Augenblicken der Poesie addiert und der sprichwörtliche Silberstreif durch die allgemeine Trübnis zischt. So gesehen wird HAPPY HELL NIGHT immer der Slasherfilm mit dem kreuzunheimlichen, saumäßig effektiven Auftakt sein, auch wenn er dem leider nichts hinzuzusetzen hat, sich nach zehn Minuten stattdessen in den üblichen rammdösigen Fraternity-Kapriolen verliert und seinen eigentlich recht gruseligen Killer als albernen Freddy-Verschnitt vergeigt.

Zwei Pfleger, ein Mann und eine Frau, schleichen durch die dunklen, mödrigen Gänge einer Irrenanstalt. Am Ende eines Flures bleiben sie vor einer Tür stehen, hinter der sich der berüchtigtste Insasse des Hauses verbirgt. Die Frau schaut durch die Luke hinein, man sieht sie und den Strahl ihrer Taschenlampe von innen. Sie erblickt etwas und schreit. Der Mann erklärt ihr mit Grabesstimme, dass dieser Insasse seit 25 Jahren nichts anderes tue als dort zu sitzen, als ob er auf etwas warten würde. Man sieht ihn nicht ganz, nur seinen Schatten, wie er da regungslos auf einem Stuhl im fahlen Licht sitzt. 25 Jahre zuvor wurde er gefasst, nachdem er in den Katakomben einer alten Kirche ein wahres Gemetzel unter einigen Studenten angerichtet hatte. Auch dies fängt Owens sehr effektiv ein, lässt einen Zeugen im Dunkel erst über blutige Gliedmaßen stolpern bevor ein leichenblasser, glatzköpfiger, blutverschmierter Mann mit riesigen schwarzen Augen in den Lichtschein seiner Taschenlampe stolpert. Ein wirklich spitzenmäßiger Auftakt.

Leider kommt danach nicht mehr viel, meist sogar deutlich weniger: Zur „Hell Night“, in der sich traurige Studenten bei den diversen Fraternitys anbiedern und sich in meist demütigenden Mutproben beweisen müssen, muss ein armer Tropf ein Foto des Killers machen und befreit ihn dabei. Im Folgenden sucht der irre Mörder die Studenten heim – die derselben Fraternity angehören, deren Mitglieder er damals schon dahingerafft hatte – und killt sie mit einem Eispickel, nicht ohne dabei fürchterlich unterbelichtete One Liner abzusondern, die nicht nur unwitzig sind, sondern zu dieser Figur einfach überhaupt nicht passen wollen. Weil die Studenten gerade eine Riesenparty feiern, gibt es auch ein paar weibliche Opfer, die hier und da etwas nackte Haut zeigen. Einer der Studenten – ein Loser mit Schnurrbart, fliehendem Kinn und einem Muttermal am Ohr, das ich zunächst für einen fleischfarbenen Ohrring gehalten habe – betreibt einen College-Fernsehsender, filmt seine Kumpels mit versteckten Kameras beim Sex und führt sich dabei wie ein Pornomogul auf. Am Ende kommt etwas schwarze Magie ins Spiel und die Flucht vor dem Mörder wird endlos ausgewalzt, als sei das alles auch nur im Entferntesten spannend, bevor HAPPY HELL NIGHT schließlich mit der vorhersehbarsten Pointe aller vorhersehbaren Pointen schließt. Nee, der Film ist nix. Aber er hat eben diesen Anfang – und Sam Rockwell und Jorja CSI Fox in Mini-Nebenrollen, auf die man sie heute wahrscheinlich eher nicht mehr ansprechen sollte.

Kuriosum am Rande: Der deutsche und englische Wikipedia-Eintrag machen alles richtig. Bis auf die Inhaltsangabe, die nichts, aber auch rein gar nichts mit diesem Film zu tun hat. Sehr seltsam.

95385_frontEin Late-Period-Slasher, der trotz einer offenkundig komplizierten Produktionsgeschichte sehr hübsch geworden ist und aus dem oft tristen Einerlei positiv hervorsticht: Regisseur Alan Ormsby wurde nach wenigen Drehwochen von Mark Herrier ersetzt, auch Hauptdarstellerin Jill Schoelen kam erst später für die eigentlich besetzte Amy O’Neill an Bord. Gedreht wurde auf Jamaica, was den Auftritt der für das Sujet etwas ungewöhnlich gewählten Reggae-Band erklärt. Der Film ging an der Kinokasse leider völlig baden und wurde schon nach kurzer Zeit für kleinere Wiederaufführungskinos gebucht, um den Schaden gering zu halten. Herrier – eigentlich Schauspieler – drehte danach nur noch Kurzfilme, Ormsby widmete sich wieder dem Verfassen von Drehbüchern. POPCORN ist leider weitestgehend in Vergessenheit geraten, was schade ist, als er gegenüber vielem anderen Kram, der so als „Kultfilm“ wiederentdeckt und in Deluxe-Editionen auf Blu-ray veröffentlicht wird, doch sehr viel interessanter, origineller und liebevoller ist.

Herriers/Ormsbys Film kreist um ein Horror-Film-Festival, das eine Gruppe von Filmstudenten organisiert, um Geld für den darbenden Lehrstuhl zu generieren. Gezeigt werden „The Mosquito“, „The Amazing Electrified Man“ und „The Stench“ in ihren Originalformaten und mit zahlreichen an William Castle erinnernden Gimmicks. In dem ausgewählten Kino indes hatte sich vor 15 Jahren ein Massaker ereignet, als ein von seinem Publikum verlachter Avantgarde-Filmer seine Familie als letzten Akt seines Werks live auf der Bühne umbrachte bevor er in einer anschließenden Feuersbrunst sein Leben ließ. Das Festival wird dann auch recht bald von einem Killer heimgesucht. Die Studentin Maggie (Jill Schoelen) erfährt, dass sie die Tochter des psychopathischen Filmemachers ist und vermutet, dass dieser sein Unwesen treibt .

Das Herz von POPCORN sind die Ausschnitte aus den im Film gezeigten fiktiven Fünfzigerjahre-Klassikern. Ormsbys gelungene Hommage an die naiven Monster- und Sci-Fi-Filme von einst zeugt von großer Liebe für das Genre und drängt den Vergleich zu Joe Dantes etwas später entstandenem MATINEE ´förmlich auf. Besonders toll ist Bruce Glover als durch die Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl mit elektrischen Superkräften ausgestatteter Schurke, der mit zu Berge stehenden Haaren und irrem Augenrollen Blitze verschießt. Dazu gesellen sich dann noch die wunderbaren Gimmicks – ein über das Publikum hinwegfliegendes Riesenmoskito sowie die bekannten Elektroschock-Sitze – und die schönen Originalposter, die man immer wieder im Bildhintergrund erblicken kann. Mehr als die eigentliche Slasher-Story, die ein paar schöne Make-up-Effekte, aber sonst nichts wirklich Neues bietet und am Ende auch etwas ermüdet, erobert POPCORN das Herz des geneigten Betrachters mit der Zelebrierung einer Kino- und Filmkultur, die es in dieser Form in Deutschland leider nie gegeben hat. Da strömen die Teens mit fantasievollen Verkleidungen ins Kino, veranstalten eine Riesenparty mit fliegendem Popcorn und tosender Begeisterung, bejohlen die ins kulturelle Gedächtnis eingegangenen Filme ebenso wie die Einfälle der Veranstalter. Fast wünschte man sich, POPCORN hätte sich ausschließlich dem Miteinander der Besucher gewidmet, dem Hin-und-Her zwischen Kinosaal und Popcorn-Ständer, dem Beziehungskuddelmuddel, das sich da unweigerlich entspinnt. So muss man sich halt auch durch eine eher uninspirierte Horrorgeschichte schlagen, die keinesweges schlecht ist, aber eben auch nichts wirklich Besonderes. Trotzdem: POCORN darf man ruhig mal wieder rauskramen.

contagem2bde2bcad25c325a1veres2b-2bcamping2bdel2bterrore2b252819862529Ruggero Deodatos CAMPING DEL TERRORE zeigt schon im Titel, dass er keine größeren Ambitionen hatte, als die zum damaligen Zeitpunkt bereits gut abgehangene Slasher-Formel auch noch einmal durchzunudeln. Die Story um ein paar besonders doofe Teenies, die in den Bergen von Colorado einem Killer zum Opfer fallen, der seine ersten Opfer vor 15 Jahren niedergestreckt hatte, ist natürlich nur Vorwand für ein paar Splatter-Szenen, die der Rede kaum wert sind – und es eigentlich damals auch schon nicht waren. Unter deutschen Horrorfreunden war der Film zu VHS-Zeiten absurderweise dennoch sehr gefragt, weil man ihn in der deutschen Version seiner garstigeren Momente – und somit seines ganzen Reizes – entledigt hatte. Ich mag ihn irgendwie, das hat sich auch in dieser ersten Sichtung seit bestimmt 20 Jahren erneut gezeigt: Ob ich das erklären kann, werden die folgenden Zeilen zeigen, ich habe aber meine Zweifel.

Zunächst mal ist da natürlich diese Besetzung: David Hess spielt den Besitzer des Campgrounds, auf dem sich das Massaker abspielt, einen unfreundlichen, eigenbrötlerischen und verbitterten Mann, der sich einen Scheiß um das Wohl seiner Mitmenschen sorgt. Mimsy Farmer ist seine Gattin: Sie hat nicht irrsinnig viel zu tun, aber ihre Anwesenheit ist trotzdem eine Freude, zumal sie auch noch eine Affäre mit Charles Napier haben darf, der wieder einmal einen Gesetzeshüter spielt. John Steiner und Ivan Rassimov haben nur winziger Wegwerfrollen, die für den Film kaum von Bedeutung sind, aber dass sie da sind, ist schön, weil es den Film mit der alten italienischen Exploitation- und Giallo-Tradition verknüpft, die man durch die sonst ganz auf amerikanisch getrimmte Oberfläche nur noch schemenhaft erkennt. Vor allem die eigentlichen Protagonisten, also die Teens, sind furchtbar gesichtslos und benehmen sich stets so idiotisch und aufgekratzt wie möglich: Sie kommen mitten in der Nacht auf die Idee, ein verfallenes Badehaus im Wald aufzuräumen, um es für ihre Dusche zu benutzen, und necken sich auf eine Art und Weise, die nur sehr bedingt komisch ist. Aber dann gibt es da noch den Score von Claudio Simonetti, der an bessere Zeiten erinnert, sowie Eugenio Alabisos furiosen Schnitt, der so manche der formelhaften Fluchtszenen zu wahren Tanzperformances stilisiert: Noch nie sind Menschen so anmutig durchs Unterholz gestolpert wie hier. Ja, und das war es dann auch schon fast.

CAMPING DEL TERRORE ist By-the-numbers-Kino, klebt so sklavisch am erprobten Muster, dass man ihn schon fast als Metafilm bezeichnen muss. Kaum vorstellbar, dass Deodato diesen Film als etwas anderes betrachtete als als tumben Spaß, um verblödeten Kids das Geld aus der Tasche zu ziehen. Vermutlich hat er sich mit David Hess in den Drehpausen kaputtgelacht. Zumindest auf mich überträgt sich dieses „Ah, fuck it“: Langweilig ist CAMPING DEL TERRORE eigentlich nie, selbst wenn man sich einen Furz dafür interessiert, wer der Killer ist oder wer als nächstens ins Gras beißen muss. Es ist immer was los – und es sieht immer eine Ecke besser aus als im Großteil der schäbigen DTV-Slasher, die zu dieser Zeit den Markt fluteten. Das Ehedrama zwischen David und Mimsy hätte eigentlich mehr Raum verdient und ist viel, viel interessanter als die Mär um den Schamanen mit der Gummimaske, aber man kann das ja auch so sehen: Immerhin gibt es hier irgendwas, von dem man nach 85 Minuten gern noch mehr gehabt hätte. Wenigstens das ist sehr Slasher-untypisch.