Mit ‘Slasher’ getaggte Beiträge

Der Anfang ist noch ganz interessant: Ein Mann (Garrick Dowhen) verfolgt eine Frau mi einem Baby, wird dabei wiederum von einem anderen Mann (Douglas Rowe) verfolgt. Die Frau versteckt das Baby in einem Busch, wird dann von Mann Nummer eins ermordet. Ein Mädchen nimmt das Baby von der sterbenden Frau in Empfang, Mann Nummer zwei – ein heruntergekommener Polizist – kommt zu spät. Der Auftakt funktioniert auch deshalb, weil man keinerlei Information hat, außer dem, was gezeigt wird. Doch danach geht APPOINTMENT WITH FEAR gnadenlos den Bach runter.

Es stellt sich raus, dass der Mörder der Vater des Babys ist – und außerdem im Bunde mit einer altägyptischen Macht, die es ihm erlaubt, seinen Körper, der eigentlich in einer Heilanstalt auf einem Tisch festgeschnallt ist, zu verlassen und auf Jagd zu gehen. Der Polizist heißt Kowalski und hatte den Mann damals schon gestellt, als der versuchte, seine Frau umzubringen. Nun muss Kowalski das Mädchen finden, das im Besitz des Babys ist: Die junge Frau plant eine Party mit ihren Freundinnen.

Diese Geschichte wird ohne jeglichen Drive erzählt, bietet dafür aber unfassbar geduldige Einblicke unter anderem in das Liebesleben der Mädels, zu denen sich dann auch noch ein cooler Individualist (Michael Wyle) mit Motorrad und Schaufensterpuppe im Beiwagen sowie ein Penner gesellen, der auf der Ladefläche eines Pick-ups einzieht. Die Suche nach dem Baby und das damit einhergehende Rennen mit der Zeit wird aber nicht nur durch die Engelsgeduld des Drehbuchs ausgebremst, sondern auch durch die Dusseligkeit Kowalskis: In einer Art Running Gag zündet der ständig seinen Autositz mit herunterfallenden Kippenstummeln an, was dann zum Finale hin schließlich sogar in der Explosion seines Autos kulminiert. Erst zum Schluss kommt ein Hauch von Stimmung auf, als erst eine Gruppe von Tänzern eine lustige Performance zu zweitklassigem Eighties-Synthiepop vor dem Haus abliefert, in dem die Mädchen sich einquartiert haben, und dann in der finalen Auseinandersetzung mit dem Killer etwas Hokuspokus aufgefahren wird. Aber das hilft alles nicht: Ich habe schon viele langweilige Filme gesehen, aber wie die Geduld des Zuschauers in APPOINTMENT WIT FEAR strapaziert wird, ist schon Extraklasse.

Angeblich war Produzent Moustapha HALLOWEEN Akkad so dermaßen abgetörnt, vom fertigen Film, dass er Regisseur Ramsey Thomas sofort entließ und APPOINTMENT WITH FEAR noch einmal umschnitt – ganz offenkundig aber ohne Erfolg. Thomas zog daraufhin zwar seinen Namen zurück, weil er mit dem Ergebnis nichts zu tun haben wollte, ich gehe aber trotzdem mal schwer davon aus, dass ihm die volle Verantwortung für dieses Fiasko anzulasten ist. Finger weg, es sei denn ihr leidet unter Schlafstörungen, dann kommt dieser Heuler möglicherweise einem Segen gleich..

Mitford Webster (Peter Spitzer) ist enttäuscht von seinem Leben: Klar, er hat eine fürsorgliche Frau (Dianne Davis), die hin und wieder einen krassen Braten serviert, und zwei blonde Teeniekinder (seine Tochter hat, wie er mehrfach betont, das gute Aussehen der Mutter und sein Hirn geerbt), dazu ein Haus, aber der Job as Schuhverkäufer nervt ihn an und der Briefkasten quillt über vor Rechnungen. In der Post ist aber auch die Antwort eines Immobilienmaklers: Der hat das Kaufangebot für das alte leerstehende Kino angenommen! Es war schon immer Mitfords Traum, ein Kino zu betreiben! Und auch wenn seine Frau Zweifel hat, dass diese Karrierewandel wirklich sinnvoll ist, unterstützt se ihren Mann. Die beiden renovieren den alten heruntergekommenen Laden und feiern große Premiere mit einem Tierfilm namens „Grizzly Safari“. Doch dann stirbt der Vorführer und die Leiche eines Erhängten wird gefunden. Wie die Websters vom fetten Lieutenant Wombat (Joe Marmo) erfahren, ging das Kino einst in Flammen auf und der Vorführer kam ums Leben. Zurück blieb sein Bruder (Arch Joboulian), der jetzt völlig verwirrt durch die Gegend eiert.

THE MEATEATER ist ein billiger Film, der sich an einer zeitgenössischen Aufarbeitung von „Das Phantom der Oper“ versucht. Wie das bei solchen Filmen mist der Fall ist, ist auch THE MEATEATER langsam, er geht geradezu aufreizend großzügig mit der Zeit um, die ihm zur Verfügung steht. Es passiert wenig und wenn etwas passiert, nimmt es viel Zeit in Anspruch, bis es passiert. Aber die Zeit dazwischen wird mit allerhand komischem Zeug angefüllt: So zieht sich eine Art Wurst- und Fleischthema durch den Film. Im Kino gibt es Wiener Würstchen, die sowohl von der Kamera als auch in Dialogen immer wieder in den Fokus gerückt werden. Der Sohn macht sich einen Hotdog und die Mutter lobt seine ausgewogene und vitaminreiche Mahlzeit. Die ganze Familie singt zusammen den Werbejingle von Oscar Meyer Wieners. Einmal geh es um die Wiener von Jimmy Dean und es schließt sich ein Dialog an, ob das ein Musiker oder Schauspieler gewesen sei. Die Fressszenen aus dem Tierfilm, der auf dem Marquee als „wholesome“ beworben wird – der Makler erzählt, das Kino habe vor der Schließung Pornos gezeigt und so die Anwohner verprellt -, werden mit Bildern der Zuschauer parallel montiert, in denen diese ihr Fastfood verdrücken. Die Title Sequenz ist mit Szenen aus alten Jean-Harlow-Filmen unterlegt, für die der mutmaßlich verbrannte Vorführer offensichtlich schwärmte, denn der Vorführraum gleicht mit Bildern des Stars einem Schrein, aber das dient letztlich nur dazu, ihm einen Grund zu liefern, auf Websters blonde Tochter abzufahren, die es im Finale aus seinen Fängen zu retten gilt. Am schönsten ist aber natürlich der Traum des biederen Schuhverkäufers vom Kino: Mit einer Liebe zum Film hat das eigentlich gar nichts zu tun. Der Tierfilm ist der totale Schrott, was sich etwa daran zeigt, dass der Erzähler Geparden nicht von Leoparden unterscheiden kann, aber Webster freut sich einfach, dass Leute kommen und ihren Spaß haben. Am Ende sieht er ein, dass er vielleicht doch lieber wieder Schuhe verkaufen sollte, worin er ja eigentlich gar nicht so schlecht war. Seine Kinder, die ihren Aushilfsjob im Kino von Mama und Papa offenkundig hassen, werden es ihm danken.

Der titelgebende „Meateater“, also das Phantom des Kinos, isst übrigen nur ganz am Anfang einmal Fleisch, nämlich das einer lebendigen Ratte, die er vom Boden aufklaubt. Arch Joboulian, der für seine Doppelrolle als entstellter Vorführer und dessen Bruder in den Credits als erster genannt wird, hat eine eindrückliche Fresse, ist aber – wie die meisten hier – ein mieser Schauspieler. Wer stotternde retards mag, wird an ihm aber einen Narren Fressen. In Deutschland wurde THE MEATEATER als „Bluttheater“ veröffentlicht. Immer wieder erstaunlich,welcher Ramsch es über den großen Teich in die Videotheken schaffte.

Ein Mann in Tarnanzug stapft durch eine herbstlich-winterlichen Wald und erlegt ein Reh. Mit seinem Pick-up-Truck kommt er dann an seinem Haus an, einem großen, schon etwas angegammelten Holzhaus, das mitten in der Pampa steht. Die Rasenfläche vor dem Haus zeigt ein totes Braun. Eine Frau in einem bunten Poncho kommt aus dem Haus und begrüßt ihn, er freut sich über das geschossene Reh, sie findet den Anblick eher unheimlich. Sie sieht ein bisschen aus wie eine Mischung aus Shelley Duvall und Edward James Olmos – hager, schwarzhaarig, stechender Blick – und sie ist mit ihm liiert, aber nicht verheiratet. Es ist Weihnachten und die beiden erwarten Besuch von den Kindern der Frau aus einer vorigen Ehe. Sie – eine Tochter und ein Sohn, er hat seine neue, glubschäugige Freundin dabei – kommen an, als er gerade das geschossene Reh ausweidet. Es hängt draußen an einem Baum, die Eingeweide platschen in einen Eimer darunter, seine Hände sind blutrot. Seine Kinder stört das alles nicht, nur die Freundin ist sichtlich angeekelt. Als die drei an der Haustür die Mutter treffen, beäugt sie die Freundin mit durchdringendem Blick, als wolle sie sie sofort umbringen. Die Freundin hat Angst.

Das ist der Anfang von BLOODBEAT, eines hochgradig bizarren, hochgradig faszinierenden – ja, was? – Horrorfilm? aus den frühen Achtzigerjahren, der mit Minibudget und Amateurdarstellern auf 35 Millimetern, aber in 4:3 und mit Liveton in Wisconsin, unter anderem im Haus des Regisseurs, gedreht wurde. Für fast alle Beteiligten blieb BLOODBEAT der einzige Credit und das ist wahrscheinlich auch ganz gut so. Aber es griffe zu kurz, BLOODBEAT als Billigschund abzustempeln, obwohl er das auch ist: Die Darsteller sind annähernd perfekt in ihren Rollen, die unpolierten Settings und die schmucklose Winteratmosphäre verleihen dem Film (zusammen mit dem Score, der wahrlich alle Register zieht) eine einzigartige, eisige, beunruhigende Stimmung, die den rätselhaften Vorgängen in die Karten spielt. Es ist dieser seltene Fall, in dem alle objektiven Mängel zu subjektiven Stärken werden.

Worum es geht, was da passiert, ist schwierig zu beschreiben: Zwischen den beiden Frauen besteht eine Art telepathische Verbindung. Die Mutter wird von Visionen geplagt, die sie in expressiven Gemälden exorziert. Die Bilder wiederum beunruhigen die Freundin, die eines Nachts eine Samuraiausrüstung in einer Kiste findet. Die Mutter ist der festen Überzeugung, die Freundin irgendwoher zu kennen, doch das kann eigentlich nicht sein. Irgendwann beginnt eine unheimliche Präsenz durch die Wälder zu stapfen, Menschen zu beobachten und dann umzubringen. Es handelt sich um einen Samurai, der sich im Finale, das ein bisschen an Cronenbergs SCANNERS erinnert, komplett mit leuchtenden Augen und aus Händen geschossenen Lichtbällen, als die Freundin entpuppt. BLOODBEAT ist langsam und hypnotisch, zeigt immer wieder die verstörten Blicke der beiden Frauen, die ahnungsvoll ins Nichts starren. Der Killer wird mittels Subjektiven ins Bild gerückt, die von seinem Keuchen unterlegt sind. Die Musik pendelt zwischen Synthiegeorgel und Klassik, die auch einen im viktorianischen England angesiedelten Historienfilm untermalen könnte. Am Ende tönt gar Carl Orffs „Carina Burana“. Einmal geht die Freundin mit der ganzen Familie gemeinsam auf die Jagd, und als ihr klar wird, dass die fest entschlossen sind, ein Reh zu erschießen, verscheucht sie das Tier mit einem markerschütternden Schrei und rent panisch davon. Schon die „Normalität“ des Films ist verstörend und unbequem.

Es wäre gelogen, würde ich sagen, dass BLOODBEAT einfach wäre: Ich habe mehrere Anläufe für ihn gebraucht, man muss für den Film in der Stimmung sein. Es ist der klare Fall eines „Mood-Films“, der einen je nach Stimmung entweder total anödet oder vollends in seinen Bann zieht. Wenn jemand sagte, BLOODBEAT sei amateurhafter Schrott, hätte er damit nicht total Unrecht, auch wenn er den Kern des Films damit nicht trifft. Den Film zeichnet ein total singulärer Blick auf die Welt aus, vergleichbar mit den Filmen von Ed Wood oder Jürgen Enz. Ich habe den Audiokommentar, der auf der BluRay-Veröffentlichung von Vinegar Syndrome enthalten ist, nicht gehört, aber ich habe gelesen, dass man ihm entnehmen kann, dass Regisseur Zaphiratos schon ziemlich genau wusste, was er tat, auch wenn der Film nicht immer diesen Eindruck macht. Vielleicht macht diese wüste Geschichte, die ich nicht wirklich verstanden habe, für ihn total Sinn. Das ist das eigentlich Gruselige, Verstörende daran. BLOODBEAT ist nicht das Ergebnis eines lustigen Wochenendes von Freunden mit einer Kamera (die Dreharbeiten dauerten acht Wochen), es ist eine Überzeugungstat. Freunde des Bizarren müssen BLOODBEAT sehen.

Ein schönes Wiedersehen bei angemessen tropischen Temperaturen. Maylams Slasher- und Campfilmklassiker ist Teil der ersten Welle, die in Folge des Sensationserfolgs von FRIDAY THE 13TH in den Kinosälen brandete und historisch interessant, als er das Debüt der Weinsteins und ihrer Firma Miramax bedeutete. Bekanntermaßen stieß THE BURNING, der hierzulande direkt auf Video erschien, auf besondere Zuneigung seitens der Jugendschützer und ist heute immer noch beschlagnahmt. Das ist, einiger ruppiger (aber stark abgedunkelter) Effekte von Maestro Savini zum trotz, ziemlich albern, denn THE BURNING raubt heute gewiss niemandem mehr den Schlaf, bleibt eher als fast märchenhafte Coming-of-Age-Geschichte mit einigen Horroreinsprengseln und viel, viel Teeniequatsch im Gedächtnis.

Hier wird alles an die Wand geschmissen, was in den frühen Achtzigern bei der Zielgruppe ankommen sollte: Nach dem Rückblendenauftakt mit eiem der blödesten Streiche der Filmgeschichte gibt es einen streng genommen ziemlich unnötigen Ausflug in den Großstadthorror eines MANIAC bevor sich THE BURNING dann in einen Sommercampfilm verwandelt, mit allem was dazu gehört: eine laaange Duschszene, Spiel und Spaß, die Andeutung von Sex, ein paar Tittchen sowie die üblichen Konflikte zwischen den einzelnen Typen, bevor es dann so langsam losgeht. Das Drehbuch ist ein ziemliches Chaos, baut erst den Waschlappen Alfred (Brian Backer) auf, bevor es sich dann dem Camp Counsellor Todd (Brian Matthews) als eigentlichen Protagonisten auswählt, der aber vergleichsweise wenig Raum erhält. Im Showdown wird es richtig fiebrig, wozu nicht zuletzt der Score von Keyboard-Wizard Rick Wakeman beiträgt – ein ziemlicher unglaublicher Coup der Produzenten. THE BURNING ist natürlich totaler Blödsinn, kommerziell bis ins Mark, aber die Kombination der einzelnen Elemente gelingt irgendwie – ein bisschen wie ein Eintopf oder ein Omelett, in die man einfach alles reinschmeißt, was die Vorratskammer noch so an Resten hergibt.

Es hilft gewiss, dass da ein paar Gesichter auftauchen, die man in den kommenden Jahren in anderen, höherwertigen Produktionen wiedersehen sollte: Das Casting ist hervorragend und lässt die Schablonenfiguren lebendig werden. Trichterbrust Brian Backer würde später in ganz ähnlicher Rolle im Klassiker FAST TIMES AT RIDGEMONT HIGH mitwirken, Jason Alexander aus SEINFELD spielt Dave, dem die Aufgabe zukommt, die Urlauber mit Gummis, Tittenheften und Zigaretten zu versorgen, Fisher SHORT CIRCUIT Stevens gibt den schlaksigen Spaßvogel Woodstock, dem in der wohl berühmtesten Szene des Films die Finger verlustig gehen und Holly Hunter huscht auch mal durchs Bild, allerdings ohne wirklich aufzufallen. Larry Joshua, der als Brooklyner Bully Grazer brilliert, schlug eine illustre Karriere als Nebendarsteller ein, Ned Eisenberg kennt man ebenfalls als kleinen Ganoven aus unzähligen New-York-Filmen, wie z. B. THE EXTERMINATOR, in dem er als „Ghetto Ghoul“ debütierte. Leah Ayres, die die etwas biestige weibliche Camp-Erzieherin spielt, bändelte in BLOODSPORT mit den Muscles from Brussels an und der kernige Schönling Brian Matthews machte Karriere im CALIFORNIA CLAN.

Ich könnte das hier noch ausdehnen, aber das macht nicht so richtig viel Sinn. THE BURNING ist ein schöner Slasher, deutlich über dem Durchschnitt des Genres, aber auch nicht unbedingt ein Film, über den man endlose Debatten führt. Es war toll, ihn mal im Kino gesehen zu haben.

nu shit 2 – gratis!

Veröffentlicht: September 1, 2018 in Über mich, Film, Zum Lesen
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Für kino-zeit.de habe ich einen längeren Text ansätzlich des neuen Terence-Hill-Films IL MIO NOME È THOMAS geschrieben. Wer aufgrund des deutschen Titels MEIN NAME IST SOMEBODY – ZWEI FÄUSTE KEHREN ZURÜCK eine Rückkehr Hills zu den Prügelkomödien erwartet, die ihn in den SIebzigerjahren zum Superstar machten, darf sich auf eine Überraschung gefasst machen: Hills Regiearbeit ist ein kontemplativer Film über das Altern und die Vorbereitung auf den Tod. Wer sich darauf einlassen kann – die Besucher, die mit mir zusammen im Kino waren, konnten das nicht -, der findet einen kleinen, mit sympathischer Unbedarftheit inszenierten Film, der in unserer heutigen Filmlandschaft wie aus der Zeit gefallen anmutet – und dann doch mehr Gemeinsamkeiten mit Terence Hills Lebenswerk aufweist, als man auf den ersten Blick sieht. In meinem Text versuche ich genau diese Parallelen herauszuschälen. Viel Spaß!

Außerdem habe ich mal wieder mit dem ieben Patrick Lohmeier vom Podcast „Bahnhofskino“ telefoniert, über ein Jahr nach unserem letzten Gespräch über SQUIRM und ANACONDA. Diesmal haben wir uns über zwei Eighties-Slasher der dritten oder sogar vierten Reihe unterhalten: ROCKTOBER BLOOD und FATAL GAMES, zwei ultrabillige Schlocker, bzw. darüber, was eigentlich den Reiz dieser schrundigen, mitunter haarsträubend langweiligen Teile ausmacht – zumindest für mich, der sich zum Ziel gesetzt hat, bis zu seinem Lebensende alle diese Dinger geschaut zu haben. Hört rein, Patrick und ich freuen uns:

Wer eine Mission hat, braucht Durchhaltevermögen für entbehrungsreiche Zeiten. Er darf sich nicht entmutigen lassen, auch wenn die Aussichten noch so trostlos sind. Er muss das Ziel immer vor Augen haben, auch wenn es unerreichbar scheint. Und er darf den Glauben an sich und die Richtigkeit seiner Überzeugung nie verlieren. Das gilt für die jugendlichen Protagonisten von FATAL GAMES, jungen Sportlern, die um die Teilnahme an den US-Meisterschaften kämpfen und sich einen Platz bei Olympia erhoffen, mehr aber noch für mich, der sich das Ziel gesetzt hat, alle Slasherfilme der Achtzigerjahre zu schauen und sich deshalb durch Filme wie diesen quälen muss.

FATAL GAMES hat dabei zumindest einmal ein gar nicht so uninterressantes Setting – zumindest im direkten Vergleich mit Dutzenden anderer Slasherfilme. Die Sportakademie und die Ausscheidungskämpfe bringen einen potenziellen zusätzlichen Reiz mit sich und natürlich reichlich Gelegenheit für absurde creative kills. Ich schreibe „potenziell“, denn Regisseur Elliot macht nichts aus den Möglichkeiten und selbst wenn die Speerwurf-Morde noch das beste an dem Film sind, sind sie vor allem eins: redundant. Das jugendliche Hin und Her um strenge Trainer, Eltern, die nicht an die große Sportlerkarriere glauben, und zart blühende Romanzen kennt man aus Tausenden ähnlicher Filme, die das trotzdem weniger formelhaft und gelangweilt abspulten. Und die eigentlich ganz nette Auflösung – SLEEPAWAY CAMP lässt grüßen – kann angesichts der vorangegangenen Tristesse nicht wirklich mit dem Film versöhnen.

Einem Slasherfilm von 1984 vorzuwerfen, er sei ein reines Cash-in, ist zugegebenermaßen etwas albern, aber bei diesem Film kommt die zeitliche Nähe zu den Olympischen Spielen in Los Angeles hinzu: Da war offensichtlich Eile geboten, sodass die eigentlich interessante Idee, die amerikanischen Sportler zu Versuchskaninchen in einem Hormonprogramm zu machen, sträflichst unterentwickelt bleibt. Der Wunsch, mit den „Maschinen“ aus Ostdeutschland und der UdSSR mithalten zu können, treibt die Verantwortlichen an, doch am Ende ist das nicht mehr als ein Subplot, der zu keiner befriedigenden Auflösung kommt und letztlich nur Zeit raubt. Wenn man bedenkt, dass die Russen die Spiele 1984 boykottierten, ist die Referenz sogar ein weiteres Fettnäpfchen, das FATAL GAMES bereitwillig mitnimmt.

Ein psychopathischer Metalsänger, der einst mehrere Menschen umgebracht hatte, kehrt während eines Rockfestivals von den Toten zurück, um seine blutige Tat fortzusetzen und das „Final Girl“ von damals zu töten. Oder ist es doch ein anderer Täter?

Horror und Metal sind auf dem Papier eine gute Kombination: Metal hat seit seinen Anfangstagen mit Black Sabbath eine Affinität zu Schauerromantik und Okkultismus, Heerscharen von Grindcore-, Black-, Thrash-, Death- und Doom-Metal Bands bilden auf Covers horrible Szenen ab, besingen Tötungsarten, Zombieattacken und jahrhundertealte Flüche, widmen ihren Lieblingsfilmen passende Songs oder tummeln sich auf dem Soundtrack. Kein Wunder also, dass mehrere Filmemacher sich während der Achtziger- und frühen Neunzigerjahre, der kommerziellen und kulturellen Hochzeit des Metal, daran versuchten, beide Genres miteinander zu vermählen: man denke an Titel wie ROCK N‘ ROLL NIGHTMARE, HARDROCK ZOMBIES, BLACK ROSES, TRICK OR TREAT, SHOCK ‚EM DEAD, NEW YEAR’S EVIL, HACK-O-LANTERN oder die NEON MANIACS. Allerdings teilen die meisten dieser Filme (TRICK OR TREAT ist als größere Produktion eine kleine Ausnahme) nicht nur die Affinität zu Metal, sondern auch zu hirnrissigen Plots, Geschmacksverirrung, chargierenden Darstellern und ranziger Rummelplatz-Geisterbahn. Was die Chose natürlich umso liebenswerter macht.

ROCKTOBER BLOOD ist zum Glück keine Ausnahme: In Kollaboration mit ihrem produzierenden Ehemann Ferd „inszeniert“ von der Exploitation-Veteranin Beverly Sebastian (u. a, GATOR BAIT, AMERICAN ANGELS), zeigt ihr Film alle Merkmale, die den „Metal-Horror“ von damals auszeichnen: ein eher rudimentäres Verständnis der Musik und die Auffassung, jedes Metalkonzert sei eine Karnevalsveranstaltung, Hauptdarsteller, die ihren Job nur mäßig beherrschen (mit einer nur in Nuancen variierten Darbietung könnten sie auch als Mitglieder einer New-Wave-Combo durchgehen), heute natürlich wunderbar altmodisch anmutende Musik sowie schrundige „Effekte“, triste Settings und die irgendwie immer mitschwingende Ansicht, diese komische Musik sei vielleicht doch nicht so harmlos.

ROCKTOBER BLOOD ist dabei trotz seiner nun wirklich tausendfach durchgekauten Story so faszinierend unpointiert und ungeschickt gescriptet (?) und in Szene gesetzt, dass man nur staunen kann. Der Psychopath, von dem später steif und fest behauptet wird, er sei tot, verschwindet einfach durch eine Tür, ohne je wieder gesehen zu werden. Die anhaltenden Behauptungen der Protagonistin, er habe sie angegriffen, werden nicht ernstgenommen, obwohl es nachweislich mehrere tote Freundinnen gibt. Die Geheimhaltung der Identität des Killers wirkt sehr pro forma, angesichts der Tatsache, dass man sich gar keine Mühe gibt, auch nur einen zweiten Verdächtigen zu etablieren, und die Auflösung präsentiert dann eine „Überraschung“, die die wahrscheinlich denkfaulste Option darstellt, die eigene Ideenarmut zu kaschieren. Dass ROCKTOBER BLOOD technisch ausgesprochen mäßig und meist ziemlich langweilig ist, muss ich eigentlich nicht noch extra betonen.

Trotzdem ist Beverly Sebastians müder Reißer right up my alley. Er hat diesen unperfekten, amateurhaften und improvisierten Charme, ohne dabei total in die Untiefen des Amateurvideos zu sinken, er ist ein erschütterndes Zeitdokument, mehr als es jeder Musikclip aus dieser Zeit sein könnte, und er ist wirklich herrlich schrundig. Ganz toll ist die obligatorische „Wir-öffnen-das-Grab-des-Mörders-damit-du-weißt-dass-er-tot-ist“-Szene die mit dem Blick auf ein blankgeputztes, perlweißes Skelett mit Stirnband und Glitschwurm endet. Oder natürlich der Höhepunkt, das große Rockfestival, bei dem der zurückgekehrte Killer mit Gruselmaske auf der Bühne festgekettete Schönheiten ermordet und alle denken, dass sei nur ein cooler Effekt. Tray Loren, der Darsteller des Mörders, sieht zwar nicht für zehn Pfennig aus wie ein Metalsänger, aber sein Overacting ist den vollen Eintrittspreis wert, genau wie die zwei, drei feistkreischigen Metalsongs, die in Mangel weiterer Kompositionen rauf- und rutergenudelt werden. Dazu kommen Details, die man als Fan solcher Ware hoffentlich längst in sein Herz geschlossen hat: Aerobic-Einlagen, Bikini-Flecken auf Brüsten und Ärschen, holzvertäfelte „Wellness-Oasen“ mit offen herumliegenden Kabeln, eilig von der Requisite an die Wand getackerte AC/DC-Poster und ins Leere laufende Scares. Ich mag diesen Scheiß.