Mit ‘Söldnerfilm’ getaggte Beiträge

In einem nicht näher genannten lateinamerikanischen Staat herrscht Bürgerkrieg. Der Rebellenführer Carrasco (Lewis Collins) führt seine tapferen Freiheitskämpfer mit großem Geschick gegen die Truppen des Präsidenten, die von dem wahnsinnigen Silveira (Klaus Kinski) geleitet werden …

KOMMANDO LEOPARD gehört zu den „Spätfolgen“ des Mitte der Siebzigerjahre überaus erfolgreichen THE WILD GEESE, der vor allem in Italien eine ganze Flut von ähnlich gelagerten Söldnerfilmen auslöste, und ist einer der Vertreter der letzten Welle italienisch (co)produzierter Filme, die in den auslaufenden Achtzigerjahren noch in großen Stückzahlen den Weg ins Kino fanden. Die Nostalgie ist dann auch ein nicht zu unterschätzender Grund, warum man sich KOMMANDO LEOPARD heute noch anschauen möchte: 25 Jahre später wirkt dieser Kracher wie aus einer anderen Welt, kaum denkbar sind heute seine wunderbaren Miniatureffekte (für die Margheriti berühmt war), die Besetzung mit Charakterfressen wie den genannten, zu denen sich auch noch solche deutschen Semiprominenzen wie Manfred Lehmann und Thomas Danneberg  gesellen (letzterer spricht sich lustigerweise nicht selbst, weil er – wie könnte es auch anders sein – Carrasco snychronisiert), die unzähligen dicken Explosionen und die zur Schau gestellte Söldner- und Guerrileroromantik, deren wenigen kritischen Untertöne selbst schon zum Inventar gehören und kaum auffallen. Zu Grunde liegt eine Vorstellung von südamerikanischen Rebellen als feurigen, von einer tiefen Leidenschaft ergriffenen Träumern, die bei jeder Gelegenheit zu an die Menschlichkeit appelierenden Monologen anheben, tief religiös und hoffnungslos unterlegen sind, aber zum Glück immer einen geradezu fanatisch altruistischen Priester auftun, der bereit ist, für die gute Sache in den Tod zu gehen. Zwischen all diesen stets aus tränenunterlaufenen Augen blickenden Herzensmenschen gibt Collins dann die  Mensch gewordene Definition des Begriffs „Profi“, den er dank seiner Teilhabe an der gleichnamigen Serie in den Achtzigerjahren in Reinkultur verkörperte. Sein Carrasco ist kein schlechter Mensch, aber er fühlt sich nicht allein für das Menschenheil verantwortlich. Wo gehobelt wird, da fallen eben auch Späne. Ein Hoch auf den Utilitarismus, der immer weiß, wie viele Tote denn durch die „gute Sache“ gerechtfertigt sind.

Es gehört zu den krassen Verdrehungen des Söldnerfilms, dass er diese Haltung zum unverrückbaren Faktum und ihre Vertreter somit zu Opfern macht. Doch die immer wieder artikulierte Auffassung vom Krieg als Kampf, in dem es keiner Gewinner, nur Opfer gibt, der immer wieder Entscheidungen erfordert, die über das einzelne Menschenleben hinausgehen, von Männern, die bereit sind, die Verantwortung für diese Entscheidungen zu übernehmen, ist im Söldnerfilm sowieso kaum mehr als kitschige Ausschmückung, sie ist weniger inhaltlicher als vielmehr formaler Gestaltungsaspekt, weil sie vor allem zur Zeichnung einer bestimmten Atmosphäre dient. Der Söldnerfilm weist eine fatalistische Schicksalsergebenheit auf, die seine Figuren von ihrer Verantwortung enthebt, sie geradezu zu Opfern der Umstände verzeichnet. In dieser Hinsicht ist KOMMADO LEOPARD also hochgradig zweifelhaft. Weil aber Nostalgie das Motiv für die Wiederbegegnung war: Auf dieser Ebene hat KOMMANDO LEOPARD auch diesmal wieder funktioniert.

men of war (perry lang, usa 1994)

Veröffentlicht: Oktober 9, 2008 in Film
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Der schwedischstämmige Söldner Nick Gunnar (Dolph Lundgren) wird mit seiner Truppe (u. a. Tom Harvey, Tiny Lister, Tom Wright und Anthony John Denison) beauftragt, die Bevölkerung einer kleinen Südseeinsel davon zu überzeugen, einem Wirtschaftsunternehmen die Abbaurechte für das im Überfluss vorhandene Guano abzutreten. Doch die Einwohner weigern sich trotz schlagkräftiger Argumente – und bringen nach und nach auch die Söldner auf ihre Seite, denen angesichts der paradiesischen Zustände auf der Insel Zweifel an der Richtigkeit ihres Treibens kommen. Doch Nicks Auftraggeber wollen nicht von ihrem Vorhaben ablassen und greifen an …

MEN OF WAR ist ein bemerkenswerter Film, dessen Existenz einem Wunder gleicht. Das Drehbuch stammt unter anderem von John Sayles, der sein außergewöhnliches Können schon mehrfach unter Beweis gestellt hat: Stellvertretend sei hier nur sein in Deutschland sträflichst vernachlässigter LONE STAR genannt, der ihm auch den hochverdienten Drehbuch-Oscar einbrachte. Seine Handschrift wird in MEN OF WAR besonders in der Zeichnung der Inselbewohner sichtbar, die sich wohltuend vom zu Tode gerittenen Klischee der „edlen Wilden“ abheben und keinesfalls als weltfremde Eingeborene erscheinen. In der Gegenüberstellung von ihnen und den Sendboten des Kapitalismus, den Söldnern, entwickelt Lang das zentrale Thema des Films. In MEN OF WAR geht es um den Unterschied zwischen modernen und archaischen Kriegern, wird das Kriegerdasein als seelischer Zustand gekennzeichnet und die Instrumentalisierung desselben als Merkmal des Kapitalismus enttarnt und abgelehnt. Für Nick gibt es am Ende nur einen Ausweg: Er muss sein Leben als Außenseiter in der modernen Welt aufgeben und dahin gehen, wo es einen Platz für seinesgleichen gibt. Das mag sich naiv anhören und in vielerlei Hinsicht bedient MEN OF WAR diese Naivität der Weltenflucht auch. In Bildern wie aus dem TUI-Werbespot malt er das Inselidyll, das sich aber bei genauem Hinsehen gar nicht so sehr von unserer Welt unterscheidet, mit der einen gravierenden Ausnahme: Seine Bewohner brauchen kein Geld, sie haben alles, was sie zum Leben brauchen. Über weite Strecken ist MEN OF WAR eher Zivilisations- und Sozialdrama als Actionfilm und wenn er dann doch einmal die Genremechanismen bedient – etwa in der Schurkenfigur des Keefer, einem abtrünnigen Kompagnon Nicks –, dann will das nicht recht zum Rest passen. Erst gegen Ende, wenn der Film in seinen spektakulär-brutalen 20-minütigen Showdown mündet, erfüllt er die Erwartungen desjenigen Zuschauers, der bei Cover und Titel nicht zuerst an Anspruch und Originalität gedacht hat. MEN OF WAR ist nicht eben ein runder Film, wohl aber einer, dessen Komplexität mit einer Sichtung kaum zu fassen ist. Hinzu kommen noch die atemberaubende Breitwand-Fotografie und ein sehr feiner Humor, der kaum etwas mit den Oneliner-Orgien anderer Ballerfilme zu tun hat. Ein Beispiel? „We have a legend. It tells of a man who comes far from the oceans and save us from great danger.“ „Really?“ „No, but I’m working on it.“ Eine Schande, dass dieser Film niemals die Anerkennung erhalten wird, die ihm eigentlich zusteht.