Mit ‘Sonja Martin’ getaggte Beiträge

ph_eis_am_stiel_7_001Besser als der unterirdische Vorgänger, aber immer noch ein Trauerspiel lediglich vorgegaukelten Frohsinns. Diesmal verschlägt es die drei Protagonisten in ein Hotel, wo sie nicht nur die üblichen Kapriolen schlagen, sondern vor allem versuchen, 600 Dollar zu erwirtschaften, um das von Johnny (Zachi Noy) geschrottete Auto seiner Eltern wieder flottzumachen. Sonja Martin macht nach Teil 4 wieder einmal ihre Aufwartung als sonnengebräuntes Love Interest Bennys (Yftach Katzur), Sibylle Rauch ist eine geile Strapsmaus, die den Rahmen für den altbewährten Johnny-Gag gibt, der auch hier nicht fehlen darf. Was zuvor 36 Mal leidlich gut funktioniert hat, entlockt dem Zuschauer garantiert auch bei der 37. Runde ein gequältes Lächeln.

Aufzuzählen, was hier alles nicht mehr funktioniert, ist leicht: Die schon im Vorgänger nicht mehr zu verleugnenden Achtzigerjahre killen jeglichen Fifties-Spirit, der die ersten drei Teile (und mit Abstrichen auch den fünften) noch ausmachten. Katzur ließ sich nicht mal mehr dazu überreden, seinen Nackenspoiler zu stutzen – er agiert auch sonst merklich arrogant, kein Vergleich mehr zu seinen Darbietungen in den ersten Beiträgen. Das führt uns direkt zum Hauptproblem: Segal und Katzur kratzten anno ’87 bereits heftig an der Tür zum 30er-Club, Noy war schon seit vier Jahren Mitglied. Dass sie trotzdem immer noch diese hemmungslosen Schürzenjäger spielen, die nichts anderes im Kopf haben, als durch Schlüssellöcher zu linsen und sich in Sexfantasien zu ergehen, lässt sie hier zunehmend wie neurotisch-monomanisch Entwicklungsgehemmte erscheinen, nicht mehr wie liebenswerte Hallodris. Der Coming-of-Age-Film wird zum Still-not-coming-of-Age-Film, der seit Jahren in der Dauerschleife rotiert. Und was einst witzig war, ist in der siebten Iteration einfach nur noch traurig. Einzige Ausnahme: Die Title-Sequenz, die das zunehmend enervierende Schauspiel eines Mannes bietet, der verzweifelt und erfolglos versucht, einen Liegestuhl aufzustellen. Ich bin am Ende vor Ödnis weggepennt und mache drei Kreuze, wenn ich den achten Teil und damit auch diese Serie hinter mich gebracht habe. Dann kann ich mich endlich mit gebührender Ruhe den verbleibenden drei POLICE ACADEMY-Werken widmen. Life is brutal.

 

p_4-2Wir müssen an dieser Stelle über ein ausgestorbenes Genre sprechen: die Militärklamotte. Einst war sie ein wichtiger Bestandteil burlesker Tradition und ein beliebtes Mittel der „einfache Leute“, sich über die hohen Tiere lustig zu machen, denen sie meist als Schlachtvieh dienten. Noch in den Siebzigern war sie bei unseren italienischen Freunden überaus beliebt, weil sie doch Gelegenheit bot, prallen Klamauk mit frivolen Späßen und nackter Haut in Verbindung zu bringen. Auch in den Achtzigern gab es noch einige Produktionen, die man als Ableger der alten Tradition bezeichnen konnte: Ivan Reitmans STRIPES etwa oder eben den vierten Teil der EIS AM STIEL-Reihe. Aber heute scheint es kaum noch vorstellbar, dass Wehrdienst oder gar der akute Einsatz im Kampfeinsatz irgendjemandem als geeigneter Komödienstoff erschienen, zumal die sich anbietenden Gags heute nicht mehr so ganz zeitgemäß scheinen. SAPICHES greift auf alle denkbaren burlesken Standards zurück, bildet innerhalb der Filmreihe ein einerseits logisches Kapitel – zum Coming-of-Age gehört eben auch der Wehrdienst -, andererseits aber auch einen deutlichen Exkurs (der dann sogar zu einem Spin-off in Form des unfassbaren Zachi-Noy-Vehikels SABABA führte, das hierzulande als HASENJAGD 2 vermarktet und wahrscheinlich back-to-back gedreht wurde).

Nachdem sich Benny (Yftach Katzur), Momo (Jonathan Segal) und Johnny (Zachi Noy) ein letztes Mal in bewährter Manier die Hörner abgestoßen haben (an Bea Fiedler) – was bedeutet, dass Momo ein Rohr verlegen durfte und der ihm folgende Johnny mal wieder in flagranti vom gehörnten Ehemann erwischt und mit blankem Arsch auf die Straße getrieben wurde -, winkt der Militärdienst, an dem die Freunde kein rechtes Interesse haben. Unter dem Schneid und Machismo vorgaukelnden, in Wahrheit aber furchtbar trotteligen und völlig unter dem Pantoffel seiner feisten Geliebten (Devora Bakon) stehenden Ausbilder Ramirez (Joseph Shiloach) bahnen sich die erwartbaren Scherze an. Da versuchen die Jungs sich vom Arzt einen Urlaubsschein zu erschleichen, was immer wieder zu lustigen Prostataabtastungen und homophoben Schwulenwitzchen führt, müssen sie einen Auftritt in Frauenkleidern absolvieren und die folgenden Avancen der nichts ahnenden Männer abwehren, stürzt der arme Johnny in die Latrinengrube und startet Benny eine Liebelei mit der nebenan bei den Frauen stationierten Rina (Sonja Martin).

Der Hang zum Klamauk ließ sich schon im vorangegangenen dritten Teil nicht mehr verleugnen, doch wurde der da noch durch ernsthafte, in der Tradition der ersten beiden Teile stehende Passagen abgefedert. Hier nun kracht die Schwarte endgültig im Minutentakt und die klischierte Liebesgeschichte um Benny und Rina ist kaum mehr als eine Fußnote, die in erster Linie dazu da ist, die schöne Sonja Martin einmal wie Gott sie schuf in einem nach Langnese-Eis schreienden Strandszenario abzulichten. In der wohl besten Szene des Films taucht die grobschlächtige Freundin von Ramirez bei Bennys Eltern auf, die schockiert sind, weil sie die unmögliche Person für Bennys Zukünftige halten, zieht eine Kanne Bier auf Ex weg und rülpst danach mit Inbrunst. Da wird der ganze Witz des Films auf wenige Sekunden verdichtet. Ansonsten zieht Joseph Shiloach Davidsons letzten Serienbeitrag mit seiner irrwitzigen Darbietung an sich und Erik Schumanns delirierende Synchronarbeit setzt dem Ganzen eine leuchtende Krone aus bunt glasiertem Kot auf. HASENJAGD ist einer dieser Filme, bei denen die Logik und der gesunde Menschenverstand schon einmal völlig ausgeschaltet werden, nur um eine vollkommen hirnrissige Pointe zu setzen. Alles für den Jokus, dann geht’s in den Lokus. Unfassbar, dass dieser Schwachsinn mit SABABA sogar noch getoppt wurde. Mehr dazu in Kürze.