Mit ‘Spencer Tracy’ getaggte Beiträge

up_the_river_28film_poster29„Up the River“ (oder auch „up north“) – so wird in den USA umgangssprachlich der Knast bezeichnet, weil das berühmte New Yorker Gefängnis Sing Sing eben flussaufwärts liegt. Der Ausdruck spielte bereits eine nicht unwichtige Rolle in BORN RECKLESS, der aber letztlich ohne Ausflug in eine Strafanstalt auskam. Mit UP THE RIVER legte Ford schließlich einen waschechten Knastfilm vor, wenngleich einen, der sich vom durchschnittlichen Vertreter des Subgenres tonal unterschiedet. Es geht hier nicht um die Härten, die den Verurteilten erwarten, nicht um eine Anklage des Justizsystems: UP THE RIVER ist vielmehr eine warmherzige Gaunerkomödie, die deutliche Parallelen zu Fords 3 BAD MEN aufweist und möglicherweise ein Einfluss für Michael Curtiz‘ WE’RE NO ANGELS war. Dabei war das keineswegs so geplant: Der Film sollte ein „handelsüblicher“ Knastfilm werden, wurde von Ford jedoch konsequent zur leichtfüßigen Komödie umgeschrieben.

Im Zentrum der Handlung stehen drei Männer: Die beiden verbündeten Gauner Saint Louis (Spencer Tracy) und Dannemora Dan (Warren Hymer), die nach einem zunächst gelungenen Ausbruch schnell wieder in der „Heimat“ landen, sowie ihr neuer Zellengenosse Steve (Humphrey Bogart), ein braver Kerl, der nach einem unglücklichen Zwischenfall wegen Totschlags hinter Gittern gelandet ist. Er ist verliebt in die schöne Judy (Claire Luce), die nebenan im Frauenknast sitzt, weil sie von ihrem ehemaligen Arbeitgeber, dem Finanzbetrüger Frosby (Gaylord Pendleton), hintergangen wurde. Saint Louis und Dannemora schließen die beiden wegen ihrer Ehrlichkeit und  Reinheit schnell ins Herz und eilen Steve zur Hilfe, als der nach seiner Freilassung ebenfalls ein Opfer von Frosby zu werden und die Beziehung zu Judy daran zu scheitern droht.

UP THE RIVER ist zunächst einmal filmhistorisch bedeutsam, weil er den Beginn der Filmkarrieren sowohl von Spencer Tracy als auch von Humphrey Bogart und zugleich ihre einzige Zusammenarbeit bedeutete. Die beiden späteren Superstars und Ikonen des klassischen Hollywood absolvierten für Ford tatsächlich ihre ersten Hauptrollen, lediglich Bogey war zuvor schon einmal auf der Leinwand zu sehen gewesen. Eine der Freuden dieses Films ist es dann auch zu sehen, wie Spencer Tracy bereits in seinem ersten Leinwandauftritt agiert wie ein alter Hase und Ford auf Anhieb erkennt, wie er ihn einsetzen muss. Tracys Saint Louis ist eine „old soul“, ein Mann, der selbst vom Gefängnisdirektor wie ein König behandelt wird und dem überall der Respekt und die Sympathien seiner Mitmenschen entgegenfliegen. Der wunderbare Warren Hymer gibt den comic relief neben ihm, einen ungebildeter, aber herzensguten Lulatsch, auf den sich Saint Louis immer verlassen kann, selbst wenn er ihm mal einen mitgibt: Der Film beginnt damit, dass Louis seinen Partner nach einem Gefängnisausbruch sitzen lässt und allein mit dem bereitstehenden Automobil davonbraust. Wenig später treffen sich die beiden in Kansas City: Dan hat sich einer christlichen Organisation angeschlossen und predigt auf den Straßen von seiner Läuterung, von Buße und Vergebung, als Louis mit einem ganzen Wagen voller schöner Frauen vorfährt und Dans Scheinheiligkeit verlacht. Natürlich springt Dan auf die Provokation an, fällt nur Sekunden, nachdem er behauptet hat, keiner Fliege mehr etwas zuleide tun zu können, über seinen alten Freund her und landet sofort wieder im Bau. Wenn auch Saint Louis dort wenig später auftaucht, versteht man auch ohne explizite Erwähnung, dass ihn das schlechte Gewissen gegenüber dem schmerzlich vermissten Kumpel dorthin getrieben hat.

Ford zeichnet die Knastgemeinschaft als verschworene Gruppe, das Leben dort überwiegend als turbulent, freudvoll und friedlich. Mehrere Nebencharaktere werden eingeführt und lassen den Ort lebendig werden: Dder alte Knacki, der das Baseballteam trainiert, und sich über die Neuankömmlinge mokiert, die man zu seiner Zeit gar nicht ins Gefängnis reingelassen hätte; die gouvernantenhafte Miss Massey (Louise Mackintosh), die als eine Art Wohltäterin im Knast nach dem Rechten sieht und von den Häftlingen als Brieftaube für geheime Nachrichten zweckentfremdet wird (mit den männlichen Insassen hat sie unendliches Mitleid, für die Frauen fehlt ihr hingegen etwas das Verständnis); der jugendliche Straftäter, dessen Verurteilung seine Mutter ins Grab getrieben hat. Und inmitten der Gauner das Liebespärchen, dessen gemeinsame Zukunft zu einer Art gesamtgesellschaftlicher Utopie wird. Darum machen es sich Saint Louis und Dannemora Dan zur persönlichen Aufgabe, sie vor dem erneut drohenden Unheil zu bewahren. Am Ende, nach erfolgreicher Mission, kehren sie aus freien Stücken in ihre „Heimat“ zurück, gerade noch rechtzeitig, um im Baseballspiel gegen den Konkurrenzknast antreten und so auch dort den Tag retten zu können. Ihr erneuter Ausbruch hat eine Verdopplung ihrer Haftdauer zur Folge. Egal, sie werden sowieso für den Rest ihres Lebens einsitzen und wenn sie mal Sehnsucht nach draußen haben sollten, dann brechen sie eben einfach wieder aus. Wie im oben genannten 3 BAD MEN müssen die Guten vor den Härten des Lebens geschützt werden, damit sie nicht untergehen, und diese Aufgabe übernehmen eben jene gesellschaftlichen Außenseiter, die zwar an der „Normalität“ nicht teilhaben können, mit ihren Eigenschaften und Fähigkeiten aber in der Lage sind, den Unterschied zu machen.

UP THE RIVER ist ein wunderschöner kleiner Film, bisweilen urkomisch, ohne jemals überdreht zu sein und voller liebevoller Details, toller schauspielerischer Darbietungen und inszenatorischer Ideen (die Dialoge zwischen Männern und Frauen durchs Gittertor etwa). Ich vermute, dass dies nach einer etwa durchwachsenen Übergangsphase der Auftakt zu Fords zweiter großer Schaffensperiode ist, während der er zum kultisch verehrten Meisterregisseur und einem der einflussreichsten Filmemacher des 20. Jahrhunderts aufstieg.

Auf einer kalifornischen Bergstraße kommt ein Wagen von der Fahrbahn ab und stürzt in den Abgrund. Ein paar Zeugen eilen dem Fahrer zuhilfe, können jedoch nur noch dessen letzte Worte erhaschen. Und die haben es in sich: In einem Park in Pomona sollen unter einem „riesigen W“ 350.000 Dollar vergraben sein. Die Jagd nach dem Geld beginnt, doch auch die Polizei unter der Führung des findigen Captain Culpeper (Spencer Tracy) hat schon Lunte gerochen, stammt das Geld doch aus einem 15 Jahre alten Überfall …

Es gibt wahrscheinlich nur wenige amerikanische Filme, die sich so gut dazu eignen, anlässlich des Besuchs in den nicht mehr ganz so neuen Bundesländern begutachtet zu werden. Tatsächlich rutschte IT’S A MAD, MAD, MAD, MAD WORLD nicht nur unbeanstandet durch die DDR-Zensur, er dürfte den strengen Zensoren auch noch ausgezeichnet gefallen haben. Kramer enttarnt in seiner Slapstick-Parade auf zwar schonende, aber deshalb nicht minder deutliche Art und Weise die bodenlose Geldgier der Menschen im Kapitalismus und spielt der sozialistischen Propaganda schön in die Karten. Kramers Protagonisten riskieren für das große Geld nicht nur ihr Leben, sie legen infolgedessen auch allerhand unangenehme Charaktereigenschaften an den Tag, treten sowohl die eigene als auch die Würde ihrer Mitmenschen bereitwillig mit Füßen und geben sich vollkommen der Lächerlichkeit preis. Dass Kramers Film dabei nicht zu einer unagenehm ätzenden Veranstaltung wird, liegt zum einen daran, dass er seine Geschichte als gewaltige Slapstick-Orgie im Scope-Format inszeniert, in der sich allerhand Comedygrößen in Haupt- und Minirollen die Klinke in die Hand geben, zum anderen daran, dass der Traum vom großen Geld natürlich auch für den Zuschauer nur allzu nachvollziehbar ist. Alle Figuren wollen den Zwängen des Alltags entfliehen: Sie haben das Camus’sche Absurde in der Welt erkannt und das Geld scheint ihnen das rechte Mittel, diesem zu entkommen. Doch gerade das ist ihr Fehler: Das Absurde ist, einmal erkannt, nicht mehr revidierbar und somit werden die Geldjäger umso heftiger darauf zurückgeworfen, wie sie sich ihm zu entziehen suchen. All ihre Mühe ist schon von Beginn an umsonst, weil die Polizei doch nur darauf wartet, zuzuschlagen, sobald die Schatzsuche vorbei ist. So stehen alle am Ende mit leeren Händen da; auch Polizist Culpeper. So viel Ernüchterung war wahrscheinlich zu viel für Kramer weshalb er am Ende alle herzhaft über ihr Schicksal lachen lässt. Nicht erst hier macht sich IT’S A MAD, MAD, MAD, MAD WORLD angreifbar, scheint dieses Lachen doch genau jenes zu sein, gegen das Adorno einst so vehement wetterte: Es ist das Lachen, mit dem man sein Leid leugnet und sich bereitwillig in die Welt fügt. Die Parallele zu Adorno wird umso evidenter, wenn man den Anlass des großen Schlusslachers betrachtet: Die biestige Schwiegermutter rutscht auf einer Bananenschale aus. Gibt es einen Gag, der den Begriff „Kulturindustrie“ stärker verbildlicht? IT’S A MAD, MAD, MAD, MAD WORLD ist ein auf positive Art und Weise streitbarer Film, weil in ihm alle Widersprüchlichkeiten und Paradoxien des kapitalistischen Systems und dessen Kulturbetriebs oszillieren und den Zuschauer zu blenden versuchen. Aber das macht ihn auch zu einem wunderbaren Erlebnis, einem perfekten Beispiel für das, was sich hinter dem Begriff der „Traumfabrik“ eigentlich verbirgt. Man sollte nur wissen, worüber man lacht …

Haggerty (Spencer Tracy), Chefredakteur des Evening Star, hat ein großes Problem: Sein Blatt hat der High-Society-Lady Connie Allenbury (Myrna Loy) fälschlicherweise ein Verhältnis mit einem verheirateten Mann angedichtet und nun sinnt die Dame auf Genugtuung. Auf 5 Millionen Dollar will sie die Zeitung verklagen, was das sichere Ende des Blattes bedeuten würde. Aber Haggerty hat eine Idee: Er muss dafür sorgen, dass seine Geschichte stimmt. Also engagiert er einen ehemaligen Journalisten, den smarten Bill Chandler (William Powell) und verheiratet diesen kurzerhand mit seiner eigenen Verlobten Gladys (Jean Harlow). Chandler soll nun Connie erobern, während seine „Gattin“ eingesperrt in einem Hotelzimmer wartet und gar nicht begeistert von ihrer Rolle ist. Um sie milde zu stimmen, wendet Chandler all seinen Charme an und schafft so noch mehr Komplikationen. Vor allem, weil sich zwischen ihm und Connie langsam, aber sicher eine echte Liebschaft anbahnt …

Veteran Jack Conway – seine erste Regiearbeit datiert auf das Jahr 1912 – inszenierte diese Screwball-Komödie der zweiten Reihe, die den großen Klassikern des Genres zwar nicht das Wasser reichen kann, vom spritzigen Spiel seiner Stars aber dennoch über die Ziellinie getragen wird. Zwischen Powell und Loy sprühen die Funken, beide treiben sich zu immer neuen Höchstleistungen, während Tracy und Harlow für die etwas derberen Töne zuständig sind – eine Aufgabe, die beide mit großer Energie meistern. Die Dialoge sind das Herzstück des Films und wie so oft von einem Andeutungsreichtum, von dem sich heutige Romantic Comedies eine saftige Scheibe abschneiden dürften. Es ist für mich immer wieder erstaunlich wie unspießig und nahezu progressiv diese Screwballs in ihrem Rollenverständnis sind: Auch wenn die Männer den Ton angeben, scheint dies nicht zuletzt daran zu liegen, dass die Frauen ihnen dies gestatten. Der Plan der beiden Männer, die sich überlegen wähnen, wächst ihnen jedenfalls schnell über den Kopf und es ist an den Frauen, den Schlamassel zu bereinigen und Schadensbegrenzung zu betreiben. Leider mangelt es LIBELED LADY etwas an inszenatorischem Schwung und Esprit: Was zunächst eine turbulente Angelegenheit zu werden verspricht, bleibt plötztlich und unerklärlicherweise stecken. So kann Conways Film leider nie ganz einlösen, was die großartige Prämisse verspricht. Trotzdem: Ein schöner Film, der allein für das Zusammenspiel seiner vier Hauptdarsteller das Ansehen lohnt.