Mit ‘Stephen Chow’ getaggte Beiträge

Der internationale Verleihtitel FINAL JUSTICE klingt nach generischer Neunzigerjahre-DTV-Actiongülle (die Übersetzung des Originaltitels THUNDERBOLT VANGUARD hingegen wie ein Schwulenporno um Sprengstoffexperten), dabei ist Parkman Wongs Film mit Danny Lee und dem gerade 26-jährige Stephen Chow hochkarätig besetzt. Beide spielen, ganz nach der damals populären Buddyfilm-Formel, zwei ungleiche Partner im Kampf gegen eine Verbrecherbande: Lee ist Sergeant Cheung, tough bis zur Karikatur, auf Regeln pfeifend und immer mit seinem Motorrad unterwegs, Chow der Kleinkriminelle Ah Wai, der sich mit den bösen Buben eigelassen hat und von Cheung nun zur Mithilfe verdonnert wird.

Komödiantische Elemente überwiegen, die Action wird eher sparsam eingesetzt (dann aber mit ein paar schönen Einschüssen), vor allem, wenn man sie mit den Filmen der großen Actionspezialisten Hongkogs vergleicht,etwa mit denen von John Woo, in dessen Meisterwerk DIE XUE SHUANG XIONG Lee nur wenige Jahre später in einer deutlich ernteren, gewichtigeren Rolle zu sehen war, oder bedenkt, dass mit Chow ein Darsteller zur Verfügung stand, der für seine große Martial-Arts-Artistik bekannt ist: Er darf von diesem beachtlichen Talent überhaupt nichts zeigen, muss stattdessen den gutmütigen Taugenichts spielen, der vom adrenalinsüchtigen Cheung von einer brenzligen Situation in die nächste getrieben wird.

Das ist leider eher langweilig, weil PIK LIK SIN FUNG strikt nach Formel abläuft und das einzige, was aufmerken lässt, Danny Lees bescheuerter Cop und diverse bizarre Modererscheinungen sind. Manchmal habe ich den Eindruck, die Achtziger waren in Hongkong am achtzigerigsten: Danny Lee trägt eine unfassbar Deppenfrisur zur Schaue, die ihn aussehen lässt wie Moe von den Drei Stooges, er wohnt in einer Garage, trägt ständig Lederjacke und Sonnenbrille, hat einen frivolen Zigarettenspender und liegt, wie könnte das anders sein, im Clinch mit dem geleckten Vorgesetzten. Chows Ah Wai hingegen ist eher so der verspielte modebewusste, was man an seinem Jeansblouson sieht, auf dessen Rücken bunte Knöpfe eine „Fuck“ formen. Später trägt er dann eine Jacke, an deren Revers zwei anthropomorphe Plüschherzen gepinnt sind – einer der idiotischeren „Trends“ eines an solchen nicht armen Jahrzehnts. Viel mehr ist leider nicht hängen geblieben.

cj7 (stephen chow, hongkong 2008)

Veröffentlicht: September 9, 2010 in Film
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Dicky (Jiao Xu) lebt mit seinem Vater, dem gutherzigen Bauarbeiter Ti (Stephen Chow), in bitterer Armut. Damit sein Sohn es einmal besser haben wird als er, steckt Ti sein gesamtes Einkommen in dessen Bildung, ermöglicht ihm so, auf eine der besten Schulen der Stadt zu gehen. Doch mit seinen vielfach geflickten und stets verschmutzten Kleidern ist Dicky bei seinen Mitschülern genauso unbeliebt wie bei den Lehrern. Dabei möchte Dicky doch einfach nur dazugehören. Als Ti seinem Sohn von einem nächtlichen Beutezug über die örtliche Mülldeponie ein merkwürdiges Spielzeug mitbringt, das sich wenig später als außerirdisches Hundewesen mit magischen Fähigkeiten entpuppt, erlebt Dicky einen ungeahnten Popularitätsschub. Doch der weckt nicht die besten Eigenschaften in dem kleinen Jungen …

In einer gerechten Welt würden die Filme von Stephen Chow als die generationenübergreifenden Filmwunder gefeiert, die sie sind, sein Name in einem Atemzug mit einem Steven Spielberg als wichtigster und bester Mainstreamregisseur genannt. Nach dem herrlichen SHAOLIN SOCCER und dem noch besseren, geradezu phänomenalen KUNG FU HUSTLE (der in CJ7 in einer großartigen Traumsequenz ebenso großartig refrenziert wird) wendet sich Chow zwar von den Martial Arts ab, bewahrt aber das kindliche-positive Gemüt, die Warmherzigkeit, das für Situationskomik ebenso wie für brüllenden Slapstick äußerst fein entwickelte Gespür, den cinematisch geschulten Blick und den schier überwältigenden Ideenreichtum, die diese so auszeichneten. Mit CJ7 etabliert sich Chow meines Erachtens endgültig als einer der großen Kinomoralisten und als legitimer Nachfolger solcher Filmemacher wie es etwa Frank Capra oder auch Douglas Sirk waren: Der Gestus ist derselbe, nur seine Methoden sind anders. Chow macht großes Familienentertainment, mit sichtbar dicken Budgets ausgestattetes Eventkino, lässt die Technologie aber niemals die Überhand gewinnen. Das äußert sich hier etwa darin, dass der überzeugendste Spezialeffekt des Films nicht aus der Maschine stammt, sondern direkt in die Anfangszeit des Kinos weist: Der Darsteller des kleinen Dicky ist in Wirklichkeit nämlich eine Darstellerin. Aber auch sonst ist die niedliche Titelkreatur eher Katalysator für die anrührende, aber niemals kitschige Vater-Sohn-Geschichte als dass sie wirklich im Zentrum stünde, wie der Titel das suggeriert. Über den außerirdischen Besucher lernt der Sohn seinen Vater zu lieben, die Richtigkeit von dessen Philosophie – ehrlich & fleißig sein, nicht fluchen, nicht kämpfen; kurz: ein guter Mensch sein – anzuerkennen. Es ist nicht der leichteste Weg, den sein Vater ihm vorzeichnet, keiner, der ohne Mühe zum Ziel führt, keiner, der das goldene Vlies am Ende garantiert; aber es ist der Weg, auf den man jederzeit mit Stolz zurückblicken kann. Auch das ist ein Unterschied zum ähnlich gelagerten zeitgenössischen Hollywood-Film, bei dem Glück immer gleichbedeutend mit materiellem Wohlstand und der nur folgerichtig in eine fette Marketingmaschine eingebunden ist, die seine Zuschauer aber zu bloßen Konsumenten und Befehlsempfängern degradiert. Ich schreibe das als jemand, der TRANSFORMERS von Michael Bay sehr genossen hat. Das Herz hat er mir aber nicht erwärmt. Bei CJ7 hat es geglüht.