Mit ‘Stephen Dorff’ getaggte Beiträge

Nachdem die Götter die Titanen besiegt und zur Kerkerhaft ins Innere des Bergs Tartaros verbannt haben, plant König Hyperion (Mickey Rourke) einen Rachefeldzug, der sich sowohl gegen die Götter als auch die diese verehrenden Hellenen richtet. Doch um aus dieser Schlacht als Sieger hervorzugehen, benötigt er den verschollenen Epeiros-Bogen, der seinem Besitzer unglaubliche Macht verleiht. Theseus (Henry Cavill), ein einfacher Mann, von Zeus (Luke Evans) dazu auserkoren, ihn auf Erden zu vertreten, kommt ihm zuvor und führt den Widerstand gegen Hyperion selbst an …

Eine schroffe, senkrecht mehrere hundert Meter ins Meer fallende Felswand, aus der der nackte göttliche Wille einige Plateaus geschlagen zu haben scheint, die gerade Platz genug für einige bescheidene menschliche Siedlungen bieten. Ein zorniger, wilder König, dessen Stimme ein gutturales Grollen ist und dessen wuchtiger Körper so aussieht, als sei er von einem Bildhauer in großer Hast und voller Angst vor dem eigenen Werk aus einem Felsbrocken herausgeschlagen worden. Ein Himmel voller dramatischer Wolkenformationen, die die grausam blass scheinende Sonne nie so weit durchlassen, dass sie die trostlosen Felslandschaften ganz erhellen könnte. Menschenleben, die nichts wert sind, die immer auf dem schmalen Grat zwischen einem entbehrungsreichen Leben und einem grausamen Tod gelebt werden. Zornige Götter, die sich das Treiben unter ihnen teilnahmslos anschauen, bevor sie beschließen, machtvoll einzugreifen. Monolithische Gewölbe, die mehr Schatten als Licht bieten und deren massiver Prunk keinem anderen Zweck als der Machtdemonstration und der Einschüchterung dient. Archaische Rituale, Stammesdenken, Zauberei und Vorhersehung, die das Leben in Ketten schlagen. Blut, das den unfruchtbaren Boden tränkt. Bilder des Todes, auf denen die Zukunft aufgebaut wird.

Tarsem Singh verfilmt griechische Mythologie. Das Ergebnis ist weniger Film als Gottesdienst, ein Erspüren und Beschwören unserer Wurzeln. Film als Tanz, als Aufmarsch, als Entfesslung eines vorzivilisatorischen wilden Potenzials. Film als Architektur, als Versuch, Strukturen aufzubauen, aber auch als Abrissbirne, die diese Strukturen lustvoll wieder zerschmettert. Film als Pfeil ins Auge, als knöcherne Kralle, die das Herz eiskalt umfasst, als dräuender Schatten, der sich wie eine Totendecke um die Seele legt, als bebender Donnerhall, der durch Mark und Bein dringt und uns bis in die Grundfesten erschüttert, als Leuchtfeuer weit hinten am Horizont, das uns den Weg zum Ziel leitet, uns gleichzeitig aber sagt, dass wir es nie erreichen werden. Film als Bilderbogen, der das Leben als Abfolge von kurzen Triumphen und langem Leiden darstellt. Film als Memento Mori: Der Mensch ist sterblich, aber er kann die Unsterblichkeit über seine Gabe, den Dingen Sinn zu verleihen, sie in Erzählungen zu binden, Unsterblichkeit erlangen. Film als Ausdruck eines universell menschlichen Wissens: Wir müssen alle sterben.

Die Kritik an diesem Film ist leicht. Es ist dieselbe, die Singh schon bei THE CELL ereilte: Style over Substance, Prätentiosität, narrative Einfalt, Augenwischerei. IMMORTALS entstand komplett im Studio, wo einige der wichtigsten Schauplätze aufgebaut und dann durch beeindruckende CGI-Landschaften ergänzt wurden. Der Vergleich mit Snyders 300 liegt nicht nur aufgrund der thematischen Verwandtschaft nahe, doch ist Singhs Stil ein gänzlich anderer. Ist Snyder weitestgehend der intensified continuity verpflichtet, an vordergründigem Spektakel und Adrenalinschub interessiert, da inszeniert Singh bedeutend langsamer. Er überrumpelt nicht, er verführt, hypnotisiert. Sein Schnitt fragmentiert weniger, als dass er konkretisiert. So entsteht eher der Eindruck, einem aufwändigen Theaterstück zuzusehen als einem Actionfilm: Vor prachtvollen Bühnenbildern positionieren sich die Akteure, folgen einer durchdachten Choreografie, deren Einzelelemente Singh dann im Schnitt akzentuiert. Er nähert sich so antiken künstlerischen Darstellungen der Mythen an, die ganze Erzählungen auf einprägsame Bilder herunterkürzen und Historie als Abfolge solcher Bilder begreifen. Film als „Painting-Strip“ wie er es selbst nennt, filmisches Erzählen in Tableaus. Der Mangel an Exposition, Sinn, Motivation, den etwa Roger Ebert in seiner Rezension kritisiert, ist in Wahrheit das, was das Überleben der Mythen durch die Jahrtausende gewährleistet: Sie bieten die Möglichkeit, das Vergangene immer wieder auf Relevanz abzuklopfen und quasi „nach Bedarf“ zu aufzuladen oder umzudeuten. Wer Leere bemängelt, hat nur noch nichts gefunden, womit er diese auffüllen kann. Ich würde IMMORTALS im Gegenteil als übervoll bezeichnen: Nach einer Sichtung lastet er wie ein Stein auf mir. Oder wie das Schcksal, das mich als Sterblichen auf diese Welt geworfen hat.

Als ein Blitzeinschlag im Garten ein tiefes Loch hinterlässt, beginnt für den kleinen Glen (Stephen Dorff) und seine ältere Schwester Alexandra, die von den Eltern zum ersten Mal für mehrere Tage allein gelassen wurden, ein absoluter Albtraum. Das Loch ist nämlich ein Tor zur Hölle, dem prompt ein paar Dämonen entsteigen, als Glen und sein Metal-erprobter Freund Terry (Louis Tripp) aus Versehen eine Beschwörungsformel sprechen. Diese sind jedoch nur die Vorhut eines noch mächtigeren Dämonen, der nichts weniger als die Weltherrschaft anstrebt …

Ein Klassiker meiner frühen Jugendtage, der bei seiner Ausstrahlung auf RTLplus mit putzigen Stop-Motion-Effekten, viel unheilvollem Tamtam, einer Prise Heavy Metal und natürlich den idealen Identifikationsfiguren punkten konnte. Lang, lang ist’s her, dass ich Tákacs Film zum letzten Mal gesehen habe, aber der Film hat zum einen nichts von seinem damaligen Reiz verloren, ist erstaunlich gut gealtert – Stop-Motion-Animation hat gegenüber anderen, damals schon avancierteren Techniken den eindeutigen Vorteil, dass ihre technischen Mängel ihr eine eigene fremdartige Qualität verleihen, die sie von schnödem Authentizismus emanzipiert – und gewinnt aus erwachsener Perspektive sogar noch einmal dazu, weil man hinter all dem okkulten Dämonengeraune überdeutlich die Coming-of-Age-Geschichte erkennt. So kann sich die Apokalypse auf dem Grundstück von Glens Familie (beinahe) vollziehen, ohne dass dieses zum einen auch nur eine Sekunde lang verlassen würde oder zum anderen die Nachbarn davon etwas mitbekämen. Die dämonische Invasion ist von Anfang an allein das Problem der Geschwister und Terry (der den frühen Tod der Mutter zu überwinden hat), das sich nicht zufällig just zu dem Zeitpunkt stellt, als sie allein zu Hause sind. Es ist vielmehr Teil der Prüfung, die es auf dem Weg zum Erwachsenwerden zu bestehen gilt.

Jenseits dieses Subtextes bietet THE GATE kurzweiligen und effektiven Horror, der trotz seiner kindlichen Protagonisten selten kindisch ist und dank seiner kanadischen Herkunft ein paar Ecken und Kanten mehr besitzt als vergleichbarer Stoff aus den USA. Die Teenager sind gerade so nervig, wie sie es sein müssen, kommen mit ihrem niedlichen pseudoerwachsenen Gehabe, das sich aber schnell verflüchtigt, wenn Ärger droht, realistisch, aber vor allem sympathisch und liebenswert rüber, die Szene, in der Terry die tote Mutter erscheint, ist tatsächlich bewegend und nicht bloß Effekthascherei, und der Angriff des eingemauerten Zombies eine hübsche Überraschung, die auch in einem härteren und ernsteren Film ihren Zweck mehr als erfüllt hätte. Und Stephen Dorff als properen kleinen Sausebraus eine scheinbare Ewigkeit vor Dreitagebart, blondierten Strähnchen, Koksfresse und Sofia-Coppola-Engagement sehen zu dürfen, stellt ebenfalls ein nicht zu verachtendes Vergnügen dar.