Mit ‘Stephen Herek’ getaggte Beiträge

Zu behaupten, Bill (Alex Winter) und Ted (Keanu Reeves) seien nicht gerade mit großem Intellekt gesegnet, wäre eine nette Untertreibung. So ist es kein Wunder, dass beide drauf und dran sind, durch den Geschichtskurs zu rasseln, was vor allem für Ted schlimme Konsequenzen hätte: Sein Vater will ihn nämlich auf die Militärakademie schicken. Zum Glück kommt der mysteriöse Rufus (George Carlin) mit seiner fliegenden Telefonzelle des Weges. Er stammt aus der Zukunft, in der Bill & Ted wegen ihrer Musik kultisch verehrt werden und hat die Mission, die bevorstehende Trennung der beiden Freunde zu verhindern. Er stattet sie mit einer Zeitmaschine aus, damit sie aus erster Hand Stoff für das rettende Geschichtsreferat sammeln können …

Dass BILL & TED’S EXCELLENT ADVENTURE nicht nur ein beachtlicher Erfolg an den Kinokassen zuteil wurde, der das folgerichtige Sequel ermöglichte, sondern vor allem unter Jungs, die in den Achtzigern groß wurden, geradezu kultisch verehrt wird, ist von Außenstehenden nur schwerlich nachvollziehbat. Die Story ist ebenso  dusselig wie ihre Protagonisten, die Gags passen sich dem – durchaus angepeilten – niedrigen Niveau an und es ist schon erstaunlich, wie wenig Herek, der zuvor immerhin den feinen CRITTERS inszeniert hatte, mit dem Epochenhopping von Bill & Ted anzufangen weiß. Man ist nicht wenig überrascht, als die Zeitreise nach gerade mal der Hälfte der Spielzeit schon wieder beendet ist, und fragt sich unweigerlich, was da noch kommen soll. Trotzdem ist BILL & TED’S EXCELLENT ADVENTURE in seiner ungebremsten Infantilität und Debilität durchaus ansteckend, wenn man sich auf ihn einlässt. Die beiden Protagonisten sind recht charmant in ihrer treudoofen Art und ihrem Tagträumertum und dürfen als Vorläufer sowohl von den in den Neunzigern zu Kultfiguren avancierenden Beavis & Butthead als auch der heute den Mainstream dominierenden Nerdkultur angesehen werden. Und wenn Herek schon nichts einfällt, was er mit den historischen Set Pieces – u. a. der Wilde Westen, die napoleonischen Kriege, das mittelalterliche England und Frankreich, das antike Greichenland, die Mongolei zu Dschingis Khans Zeiten und Wien zur Jahrhundertwende – anstellen könnte, so weiß er zumindest die für den Zeitreisefilm so prägenden Paradoxien für sich zu nutzen. Der größte Gag seines Films ist im Grunde genommen, dass seine beiden Helden so einfältig sind, dass sie das Wunder, dessen sie teilhaftig werden, vollkommen mühelos verarbeiten, sich etwa auch nicht von einer Begegnung mit sich selbst aus der Ruhe bringen lasse und am so selbst zu Personen historischen Rangs aufsteigen. Dass ausgerechnet diese beiden Dumpfbacken den Grundstein für eine bessere Welt legen, macht BILL & TED’S EXCELLENT ADVENTURE zu einer buchstäblichen Anti-Utopie.

Ich kann mir nicht helfen: Ich mag diesen Film, wahrscheinlich gerade, weil er so dämlich ist; aber wohl auch, weil man in Reeves‘ Darstellung Teds auch seine „ernsteren“ Rollen aufblitzen sieht, was schon ziemlich absurd ist. Man kann sich sicherlich äußerst produktiv darüber streiten, ob in BILL & TED’S EXCELLENT ADVENTURE typisch US-amerikanischer Chauvinismus zum Ausdruck kommt oder ob er genau diesen verballhornt. Für mich beinhaltet er beide Ansätze und das darf man ihm durchaus hoch anrechnen: Seine beiden Helden lernen ihre Lektion und dürfen trotzdem so bleiben wie sie sind.

Die Crites, eine Rasse gefräßiger außerirdischer Pelztiere, können aus der Gefangenschaft entkommen und landen auf dem Planeten Erde, genauer gesagt in der Ödnis von Kansas, in der Nähe der Farm der Familie Brown. Die muss sich nun gegen die fast nur aus einem Maul bestehenden Biester verteidigen, bis schließlich zwei außerirdische Jäger mit dem Auftrag, die Crites zu beseitigen, landen …

Meine Erstbegegnung mit CRITTERS fand über die damals akribisch studierte „Bravo“ statt, auf deren Kinoseiten der Film damals beworben wurde. Es kann nicht allzu viel später gewesen sein, dass er zum ersten Mal im Fernsehen auftauchte. Ich erinnere mich daran, dass ich den Film sehen durfte, und auch daran, dass er mir ausgesprochen gut gefiel: Das ist nun kein großes Kunststück, weil man als Kind ja fast jeden Film, für den man länger aufbleiben darf, in sein Herz schließt und mit Erinnerungen auflädt, die mit ihm selbst meist rein gar nichts zu tun haben. Aber CRITTERS hat über die Jahre tatsächlich rein gar nichts verloren, weil er einfach gut ist – und zwar auf eine sehr „reine“ Art und Weise. Herek lässt keine Zweifel an seiner Intention: Er will sein Publikum unterhalten, aber ohne ihm dabei ein X für ein U vorzumachen, und das gelingt ihm. Was darüber hinaus unmittelbar begeistert, ist die bunte Mischung aus Monster-, Horror-, Science-Fiction-Film und Komödie, die völlig unbekümmert im Umgang mit ihren Einflüssen und deshalb auch vollkommen homogen ist. Das scheint mir überhaupt ein Phänomen des Films der Achtzigerjahre zu sein: dass die Genregrenzen weniger eng gesteckt und durchlässiger waren, ein kreativerer Umgang mit den einzelnen Elementen und Versatzstücken gepflegt wurde und die „Zielgruppen“ toleranter für Einflüsse aus anderen Genres waren.  Aber vielleicht ist das auch nur rückblickende Verklärung einer Zeit, die ich damals ja noch gar nicht so bewusst wahrgenommen habe, ich weiß es nicht. Und mit Begriffen wie „naivem Charme“ muss man eh vorsichtig sein: Die Effekte, die uns heute naiv vorkommen, waren damals alles andere als das. Fakt ist, dass CRITTERS wunderbar leichte, sympathische und originelle Unterhaltung bietet, die sich nie wichtiger macht als sie ist, und über allem Genre-Crossover nie den Kern vergisst: Schlüssel zum Erfolg sind nicht die lustigen Monster (aber auch), nicht die beiden gestaltwandelnden Außerirdischen (aber auch), nicht die Mischung dieser Elemente (aber auch), sondern die Figuren, die einfach echt wirken und mit denen man mitgeht. Das liegt vor allem an der tollen Besetzung, die CRITTERS gehörig aufwertet: Billy Green Bush, Dee Wallace Stone, M. Emmet Walsh, Scott Grimes und Terrence Mann erfüllen ihre Figuren mit Leben und Herzblut, geben ihm die Seele, die ihn von anderen, schwächeren Filmen dieser Art unterscheidet. Für mich ein kleiner Klassiker seines Jahrzehnts.