Mit ‘Steve Guttenberg’ getaggte Beiträge

police-academy-3-back-in-trainingDer dritte Teil kehrt nach dem Ausflug auf die Straßen von Los Angeles zurück auf das bekannte Terrain der Ausbildungsakademie von Commandant Lassard (George Gaynes), bringt einige Figuren zurück, die man im direkten Vorgänger (vielleicht) vermisst hat und ergänzt sie um einige, die sich in THEIR FIRST ASSIGNMENT als würdige Neuzugänge der Serie erwiesen haben. Der Plot ist einfach: Weil die Stadt zu Sparmaßnahmen gezwungen ist, soll eine der beiden existierenden Polizeiakademien geschlossen werden. Um zu ermitteln, welche dies sein wird, werden die Schulen einer Serie von Tests unterzogen. Die eine Akademie ist natürlich die des liebenswert trotteligen Lassard, der wieder einmal darunter zu leiden hat, dass seine Kadetten zwar engagiert, aber auch ziemlich chaotisch sind, die andere untersteht dem um keinen Sabotageakt verlegenen Mauser (Art Metrano), der seine Schurkenrolle aus Teil zwei wiederholt. Diese Handlung wird in einer munteren Reihe von meist ziemlich tumben Sketchen abgewickelt, bevor sich die eigentlich hoffnungslos abgeschlagenen Kadetten in einer echten Mission beweisen dürfen und schließlich triumphieren.

POLICE ACADEMY 3: BACK IN TRAINING ist – das dürfte klar sein – gewiss kein komödiantischer Triumph, aber man muss den Drive, den er in seiner Aneinanderreihung hirnrissiger Possen entwickelt, bewundern. Jeder „Charakter“ hat genau eine Eigenschaft, die gnadenlos ausgereizt wird: Hightower (Bubba Smith) ist schwarz, groß und stark, weshalb es natürlich urkomisch ist, dass er sich in einer Szene als Frau verkleiden muss. Tackleberry (David Graf) ist der schießwütige Waffennarr, der gleich mehrfach gezwungen wird, eine Rambo-Parodie zu absolvieren. Jones (Michael Winslow) macht Furzgeräusche nach, Hooks (Marion Ramsey) hat eine Piepsstimme und Callahan (Leslie Easterbrook) dicke Titten. Zed (Bobcat Goldthwait) ist ein neurotisches, unberechenbares Nervenbündel, Sweetchuck (Tim Kazurinsky) ein kleiner, biederer Brillenträger, der keiner Fliege etwas zuleide tun kann, und der japanische Kadett Nogata (Brian Tochi) kann – Achtung! – Karate und ist Anlass für einfältige Arigato-Alligator-Witze. Mauser ist ein mieser Speichellecker, der andere Speichellecker für seine Zwecke einspannt, darunter natürlich wieder den dämlichen Proctor (Lance Kinsey), aber auch die Wiederkehrer Copeland (Scott Thomson) und Blanks (Brant von Hoffman). Ja, und Mahoney (Steve Guttenberg) hält das Ganze als einzig halbwegs normale Figur zusammen und darf seinen aufdringlichen Stalker-Charme erneut in einer unterentwickelten Romanze mit einer langweiligen Blondine (Shawn Weatherly) zum Besten geben. Auch die sich ständig prügelnden Kirkland-Männer sind wieder dabei, dafür bleibt die zugehörige Tochter respektive Schwester, Tackleberrys Gattin, außen vor. Bei so viel Potenzial für blühenden Blödsinn bleibt keine Zeit, sich zu langweilen.

Den Rest besorgt dann die „Augen zu und durch“-Inszenierung von Jerry Paris, der sich beim Schnitt des großen Finales – einer endlosen Verfolgungsjagd mit grellbunten Jetskis, die ganz offensichtlich als großer Schauwert eingesetzt werden – nicht lange um Raumerklärung und Continuity schert. Raum und Zeit sind in Auflösung begriffen, die Zote diktiert die Logik. Der Mann konnte auf zwei Jahrzehnte Regieerfahrung vor allem mit Fernsehserien wie THE MUNSTERS, TAMMY, THE DICK VAN DYKE SHOW oder THE ODD COUPLE vorweisen und wusste wahrscheinlich sehr genau, wie man auf eine Szene in kürzester Zeit den Deckel draufmacht. POLICE ACADEMY 3: BACK IN TRAINING wird von diesem atemlosen „Immer weiter“ angetrieben, das Rohrkrepierer verzeihlich macht. Hier ist Komödie noch echtes, bisweilen schmutziges Handwerk, bei dem halt auch mal ein Nagel krumm ins Holz geschlagen wird. Scheiß drauf, weitermachen. Leider war für Paris nur kurze Zeit später Schluss: Er starb nur zehn Tage nach der Premiere von POLICE ACADEMY 3 an einem Gehirntumor. Ich verkneife mir einen entsprechenden Witz und schließe versöhnlich: Ich hatte nämlich einen Mordsspaß mit diesem herrlich blöden Film.

police-academy-2-their-first-assignment-30426Über POLICE ACADEMY schrieb ich, dass er vor allem durch die Besetzung von George Gaynes als Commandant Lassard und G. W. Bailey als Lieutenant Harris über das Niveau einer bloßen Blödelkomödie gehoben wird. Was heißt es also für POLICE ACADEMY 2: THEIR FIRST ASSIGNMENT, dass die Präsenz des ersten auf eine Gastrolle reduziert wird und letzterer gar ganz abwesend ist? Die Antwort: nichts Gutes. Trotzdem ist das Sequel noch einigermaßen amüsant.

In L.A. steht Captain Pete Lassard (Howard Hesseman), der Bruder des Akademieleiters, kurz vor dem Rausschmiss als Chef seines Precincts, das von einer steigenden Anzahl von Verbrechen heimgesucht wird, derer der gutmütige Staatsbeamte einfach nicht Herr wird. Der hinterhältige Lieutenant Mauser (Art Metrano) steht schon in Lauerstellung, um seinen Vorgesetzten abzulösen, seinen dämlichen, stiefelleckerischen Adjutanten Proctor (Lance Kinsey) immer im Anschlag. Lassard fragt schließlich seinen Bruder um Hilfe und lässt sich von diesem die frisch gebackenen Absolventen der Polizeiakademie als Problemlöser andrehen, was die zu erwartenden Albernheiten und Turbulenzen, schließlich aber auch ein Happy End nach sich zieht.

Echte Höhepunkte sind rar gesät in POLICE ACADEMY 2: Was wirklich schön ist, sind die kleinen Signale, die einen daran erinnern, welch beschissenen Ruf US-amerikanische Großstädte in den Achtzigerjahren hatten. Richtige Gewalt gibt es hier natürlich nicht, aber wenn ein verhuscht-panischer Geschäftsmann sein Ladenlokal nach Feierabend eilig mit einem elektrifizierten Stacheldraht-Rolltor verbarrikadiert und sich dann gehetzt über die Schultern blickend auf den Heimweg durch ausgestorbene und heruntergekommene Straßen macht, dabei von ein paar fantasievoll gekleideten Punks heimgesucht wird, kommen einem unweigerlich all die DEATH WISHs und ROBOCOPs in den Sinn, die maßgeblich dazu beitrugen, die USA als Land am zivilisatorischen ABgrund zu zeichnen. Ob sich POLICE ACADEMY 2 vielleicht sogar ein wenig lustig macht über die Endzeitstimmung, die die Law & Order-Apologeten damals beschworen? Die Rowdys um den Anführer Zed (Bobcat Goldthwait) muten jedenfalls nicht so sehr wie gefährliche Gewaltverbrecher, sondern eher wie gelangweilte und vernachlässigte Lausebengel an, die nicht wissen, wo sie mit ihrer Energie hin sollen. Dass Zed im kommenden Teil in den Kreis der Polizei aufgenommen wird, spricht jedenfalls Bände hinsichtlich der humanistischen Gesinnung der Reihe: Gebe den größten Versagern eine Aufgabe (und eine Uniform) und sie werden zu nützlichen Dienern der Gesellschaft. Dass das umgekehrt natürlich wenig schmeichelhaft für die staatliche Organisation der Polizei ist, macht die schöne Ambivalenz der Reihe aus. Bobcat Goldthwait ist vor allem in der deutschen Synchro eine Schau und wird leider mit viel zu wenig Screentime bedacht. Sein postverbales Gekreisch und Gejammer ist eine Schau. Im Mittelpunkt steht der Zickenkrieg zwischen den neuen Cops und ihrem Fürsprecher auf der einen Seite und dem blöden Mauser auf der anderen. Das ist meist nicht so aufregend, zumal Mauser ein denkbar einfaches Ziel abgibt, aber das helmartige Toupet, dass er nach einer Spezial-Haarbehandlung mit Epoxitharz tragen muss, ist dann doch ziemlich toll. Waffennarr Tackleberry (David Graf) bekommt mit der nicht minder schießwütigen Kirkland (Colleen Camp) eine Freundin (und zum Abschuss dann sogar Ehepartnerin) zur Seite gestellt und mit dem schmuddeligen Hundepolizisten Schtulman (Peter van Norden) gibt es noch eine weitere neue Figur, die u. a. mit klebenden Stinkesocken um sich wirft.

Wie gesagt: Der Film bleibt deutlich unter dem Niveau des Vorgängers, aktiviert aber noch  ausreichend Goodwill im Zuschauer, um als „liebenswert“ eingestuft zu werden.

police_academy_filmIch behaupte: Wer 1984, als POLICE ACADEMY in deutschen Kinos mit über 5 Millionen Zuschauern zum erfolgreichsten Film des Jahres avancierte (zuvor hatte er schon in den USA abgeräumt, wo er immerhin auf Platz 6 der Jahrescharts abschloss), so um die zehn Jahre alt war, für den war dieser Film eine der „top priorities of the year“. Ich habe ihn damals zwar nicht im Kino gesehen, sondern erst später auf Video, aber auch für mich gab es keinen Zweifel daran, dass POLICE ACADEMY ein Geschenk der Götter war. Die stattliche Zuschauerzahl lässt kaum einen Zweifel daran, dass sich auch genug Erwachsene für die derbe Komödie interessierten, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass sie erst von Eltern in solch astronomische Höhen getrieben wurde, die ihre hysterischen Buben ins Kino begleiten mussten.

So richtig ist das Phänomen POLICE ACADEMY heute aber nicht mehr nachzuvollziehen: Der wesentlich vom Drehbuchautor Pat Proft erdachte Stoff traf voll ins Schwarze und zog bis 1989 im Jahresrhythmus fünf Sequels (erst Teil 7 folgte dann mit einigem Abstand 1994) sowie etliche Nachahmer nach sich. Dabei erschöpfen sich die eher durch eine Idee als durch eine Story nur lose verbundenen Gags meist in sehr offensichtlichen Kalauern und tumben Slapstick-Nummern, die nie das Niveau und die Mehrdeutigkeit der strukturell verwandten ZAZ-Komödien erreichen (Proft schrieb später die Drehbücher für die NAKED GUN-Filme und die beiden HOT SHOTS!-Teile). Auch Schauwerte oder Stars sind Mangelware: Zwar erlangte Steve Guttenberg dank seiner Rolle als smarter Carey Mahoney kurzzeitigen Ruhm, und machte One-Trick-Pony Michael Winslow das Beste aus seinem überschaubaren Talent, aber im Wesentlichen ist der Erfolg des Films auf ein immens glückliches Händchen der Macher und eine günstige Konstellation der Sterne zurückzuführen. Darauf, sowie auf die generelle Antipathie, die dem Polizisten, jenem sich in einer Uniform versteckenden Besserwisser und Kontrolletti, seit jeher zuteil wurde und die auch POLICE ACADEMY gekonnt bedient. Alle Vorurteile, die man gegen die Polizei je hatte, kommen zum Tragen, und die hochrangigen Offiziere werden als Deppen oder eitle Klugscheißer enttarnt, deren Job selbst ein paar Taugenichtse erledigen können.

Was aber nicht darüber hinwegtäuschen soll, dass POLICE ACADEMY tatsächlich ziemlich witzig ist, witziger jedenfalls, als ich das vermutet hatte. Auch dank des großartigen Castings – nur Typen: Tackleberry (David Graf), Hightower (Bubba Smith), Hooks (Marion Ramsey), Callahan (Leslie Easterbrook), Barbara (Donovan Scott) – gelingt es Regisseur Wilson nämlich, die Defizite seines Films für sich arbeiten zu lassen. Die beiden Asse im Ärmel sind dabei die großartigen G. W. Bailey als eisenharter, missgünstiger Ausbilder Lieutenant Harris sowie George Gaynes als gutmütig-verpeilter Commandant Lassard, der schon ein bisschen Leslie Nielsens Frank Trebbin vorwegnimmt und bei ZAZ wahrscheinlich von Lloyd Bridges verkörpert worden wäre. Die größten Lacher gehen auf ihr Konto und zwar nicht, weil man ihnen solch granatenstarken Gags in den Mund gelegt hätte, sondern weil sie das mimische Handwerk der Reaktion zur wahren Kunstform erhoben haben. Dass Harris bei einem Motorradsturz kopfüber in einem Pferdearsch verschwindet, ist sicherlich keine Sternstunde der amerikanischen Komödie, aber wie er danach zum ersten Mal wieder mit indigniertem, leicht verstörtem Gesichtsausdruck vor seine grienenden Kadetten tritt, rehabilitiert die gesamte Sequenz und ist zum Schießen. Von Gaynes Performance, als sein Lassard bei einer Rede von einer unter seinem Rednerpult verborgenen Prostituierten (Seventies-Pornoikone Georgina Spelvin) einen Blowjob bekommt, ganz zu schweigen. Die ausgestellte Blödheit und Albernheit des Films wirkt auf Dauer tatsächlich ansteckend, weil die Darsteller voll in ihr aufgehen und auch die größte Idiotie noch mit jener vergeblichen Würde versehen, aus der hier mehr als einmal wenn schon nicht komödiantisches Gold, so doch sehr gepflegtes Silber entsteht. Meine Gattin sagte eben, sie habe den Film außerdem „unerwartet progressiv“ gefunden. Ich weiß nicht, ob ich das unbedingt so formulieren würde, aber es ist schon was dran: Männer und Frauen, Schwarz und Weiß sind gleichrangig und es ist weniger das Abweichen von der sexuellen Norm, dass der Film in seinen Zoten aufs Korn nimmt, als das krampfige Aufrechterhalten einer verlogenen Fassade. POLICE ACADEMY hat ein Herz für Außenseiter.

cant_stop_the_music_poster_01Die Village People sind heute, mehr als 30 Jahre nach ihrer kommerziellen Hochphase, während der auch dieser Film entstand, und ihrem misslungenen Comeback als Co-Stars der geschmacksverwirrten deutschen Nationalmannschaft anno 1994, kaum mehr als ein reichlich abgedroschener Treppenwitz der Musikgeschichte. Vor allem auf ihrer Schwulheit wird immer wieder herumgeritten, hahahaha, dabei war diese doch von Anfang an Teil des Konzepts, der sich schon am Bandnamen ablesen lässt (Greenwich Village, das zahlreichen Studenten und Künstlern eine Heimat bot, war für seine homosexuelle Szene bekannt), und von Anfang an nur totalen Spießern oder komplett Ahnungslosen verborgen bleiben konnte. Auch in CAN’T STOP THE MUSIC, der 1980 als „Schlechtester Film des Jahres“ ausgezeichnet wurde, ist Homosexualität in unmissverständlichen Songs wie „Liberation“ oder natürlich „Y.M.C.A.“ allgegenwärtig, auch wenn sie nie direkt thematisiert wird. Der Film, der ursprünglich DISCOLAND – WHERE THE MUSIC NEVER ENDS heißen sollte, kam für die Produzenten – Alan Carr hatte kurz zuvor mit GREASE eine sprichwörtliche Ölquelle angezapft – leider zu spät, um vom bereits wieder abebbenden Disco-Craze, dem auch die Village People ihren zwar immensen, aber auch kurzlebigen Ruhm verdankten, noch profitieren zu können. Auch die Titeländerung konnte den sich anbahnenden Reinfall nicht mehr verhindern: CAN’T STOP THE MUSIC fand nach verheerenden Rezensionen nie sein Publikum und spielte nur ein knappes Zehntel seines üppigen 20-Millionen-Budgets ein. Was für einen Film, der von der Überzeugung getragen wird, seine Helden seien eine absolute Popsensation, natürlich doppelt peinlich ist. Auch die Dreharbeiten gestalteten sich schwierig: Regisseurin Walker zerstritt sich mit Hauptdarstellerin Perrine und überließ alle ihrer Szenen dem DoP Bill Butler. Und der Dreh selbst wurde von homosexuellen Aktivisten, die eigentlich gegen Friedkins zur selben Zeit am selben Ort entstandenen CRUISING protestieren wollten, die Crews aber verwechselten, immer wieder gestört. Probleme über Probleme also.

Aber ehrlich gesagt ist CAN’T STOP THE MUSIC viel, viel besser als sein Ruf. Ja, die Village People sind keine Schauspieler, aber das wussten die Macher dadurch aufzufangen, dass sie ihre Geschichte von anderen Charakteren tragen lassen. Der Film handelt in erster Linie von den Bemühungen des leidenschaftlichen, aber erfolglosen Songwriters Jack Morell (Steve Guttenberg in einer Rolle, die an den Village-People-Erfinder Jacques Morali angelehnt ist), endlich einen Plattenvertrag zu ergattern. Dabei hilft ihm seine gute Freundin Samantha (Valerie Perrine), ein ehemals erfolgreiches Model mit zahlreichen guten Kontakten ins Showbusiness, unter anderem zum Plattenfirmenchef Steve Waits (Paul Sand). Weil Jack leider überhaupt nicht singen kann, trommelt Samantha auf der Straße einige talentierte Männer zusammen, die sich schließlich zu den Village People formieren. Es gibt noch einige Hürden zu überwinden, aber am Ende ist der Vertrag eingetütet, die Combo legt einen umjubelten Auftritt hin und Samatha heiratet den Anwalt Ron (Bruce Jenner). – CAN’T STOP THE MUSIC orientiert sich nur lose an der wahren Entstehungsgeschichte der Band, präsentiert sich weniger als ödes Biopic, denn als munter-lebhafte Komödie mit zahlreichen putzigen Charakteren. Hervorzuheben sind etwa Tammy Grimes als Samanthas ehemalige Agentin Sydney Channing, die in einer der besten Szenen des Films mit ihren Fingernägeln in der Wählscheibe eines öffentlichen Telefons hängenbleibt, Marilyn Sokol als Lulu Brecht, deren Assistentin, die das Ex-Model auf Geheiß der Chefin zurückholen soll, stattdessen aber Choreografin für die Combo wird, die sie stets notgeil und offenherzig umgarnt, und Jacks Mutter Helen (June Havoc), die vom Genie ihres Sohnes überzeugt ist und Waits am Ende mit jüdischen Delikatessen („kreplach“) zu einem Vertrag überreden kann. Der ehemalige Zehnkämpfer Bruce Jenner gefällt als spießig-hilfloser Freund Samanthas – er wird gleich bei seiner Ankunft in New York Opfer einer räuberischen Oma -, dessen Rolle mit heutigem Wissen um seine kürzlich erfolgte Geschlechtsumwandlung (Bruce heißt seit vergangenem Jahr Caitlyn) besonders interessante Perspektiven aufwirft.

Das Piece de resistance ist aber ganz ohne Zweifel die videoclipartige Montagesequenz zu „Y.M.C.A.“, die die Village People inmitten zahlreicher gut gebauter junger Männer bei verschiedenen sportlichen Aktivitäten in einem Fitnessstudio zeigt. Es sind Szenen wie diese, die dem Film seinen Kultstatus in der Gay Community beschert und seinen Ruf von einem Razzie-Preisträger und Megaflop zu einem Camp-Klassiker gewandelt haben, als den man ihn auch sehen sollte. Überhaupt sind die Musikszenen allesamt sehr aufwändig und mit viel Pomp umgesetzt, pures Eye Candy mit viel Glitter und sexuellem Innuendo, und die endlose Verzögerung des ersten Auftritts folgt fast dem Muster eines Suspense-Thrillers, lässt die Erwartung fast fieberhaft ansteigen, bis sich die Anspannung mit einer relaxten Darbietung von „Magic Night“ entladen darf. Eigentlich gibt es nur einen echten Kritikpunkt: Mit einer Lauflänge von opulenten 120 Minuten ist CAN’T STOP THE MUSIC duetlich zu lange geraten. Auf Evergreens wie „In the Navy“ oder „Macho Man“ wartet man trotzdem vergeblich, aber dafür „versöhnt“ der ad infinitum ausgedehnte Schlussvortrag des Titelsongs mit seiner endlosen Wiederholung des Refrains, der so gewissermaßen zur self fulfilling prophecy wird. Man kann die Musik einfach nicht stoppen. Noch nicht einmal den Village People ist dieses Kunststück gelungen.

 

 

In meiner Erinnerung ist NUMMER 5 LEBT! einer dieser Filme, die 1986 alle in meiner Klasse gesehen hatten – außer mir. Vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein: Ich erinnere mich an den „Film-Foto-Roman“ in der Bravo und daran, dass dieser Film von der sympathischen Jugendzeitschrift zum heißesten Scheiß hochgeschrieben wurde. Und das war er wohl auch, wenn man bedenkt, dass es zwei Jahre später sogar ein Sequel gab; immerhin in einer Zeit, in der nicht sowieso jeder Film seine Fortsetzung erhielt. So richtig verstanden habe ich den Hype damals nicht. Roboter waren für mich immer schon nur mittelmäßig interessant und das kulleräugige Design von „Nummer 5“ fand ich mit 10 bereits eher albern. Wahrscheinlich bin ich daher nicht nur damals nicht im Kino gewesen, sondern habe ihn auch danach niemals gesehen. Die heutige Sichtung war demnach meine Premiere.

Und die ist durchaus wohlwollend ausgefallen. SHORT CIRCUIT gehört zu einer Art von filmischem Entertainment, wie es heute traurigerweise hoffnungslos aus der Mode gekommen ist. Klar, im weitesten Sinne ist auch er Effekt- und Eventkino, dramaturgisch zudem eher naiv – der Film richtet sich unschwer erkennbar an Kinder – und in Humor und „Message“ so ziemlich das Gegenteil von subtil. Aber was ihm im Gegensatz zu heutigen Pendants vollkommen abgeht, ist jede Form zynischer Kalkulation. Man spürt, dass die Faszination und Begeisterung, die vom Zuschauer eingefordert wird, dieselbe ist, die die Beteiligten vor und hinter der Kamera selbst aufbrachten. SHORT CIRCUIT ist mit einem Wort zu beschreiben: süß. Es ist süß, dass Kartoffelnase Steve Guttenberg ein Programmiergenie spielt, das mangels Alternativen für ein Rüstungsunternehmen Kampfroboter konstruiert. Es ist süß, dass diese Kampfmaschinen aussehen, wie aus der Augsburger Puppenkiste entflohen. Es ist süß, dass eine von ihnen nach einem Kurzschluss die Orientierung verliert und über Umwege bei der wuseligen Tierfreundin Ally Sheedy landet. Verdammt, Ally Sheedy ist süß, mit ihrer Art die Stirn zu runzeln und zu schielen, wenn sie „Nachdruck“ und „Entschlossenheit“ spielen soll. Es ist süß, dass sie den Roboter für einen Außerirdischen hält. Und es ist natürlich süß, wie dieser Roboter dann Seele, Lebensfreude und Selbsterhaltungstrieb entwickelt und proklamiert, dass „Nummer 5 lebt!“. Am allersüßesten ist es aber, dass der treudoofe Programmierer, die chaotische Tierfreundin und der putzige Roboter dem Rüstungskonzern ein Schnippchen schlagen und am Schluss in eine Zukunft als robotische Patchwork-Familie fahren. (Die Frage, ob Fisher Stevens Darstellung des indischen Programmierkollegen Guttenbergs auch süß oder doch eher rassistisch ist, lasse ich jetzt mal offen.)

John Badham inszenierte mit SHORT CIRCUIT gewissermaßen eine Kinderversion von BLADE RUNNER, und die Offenherzigkeit, mit der die beiden menschlichen Protagonisten ihren Blechfreund als gleichberechtigtes, lebendiges Wissen und als Freund akzeptieren, ist absolut rührend. Die Übertragung auf den Zuschauer funktioniert dem Regisseur mit Bravour: Wenn am Schluss für eine Sekunde suggeriert wird, Nummer 5 sei den Weg alles Irdischen gegangen, ist das tatsächlich absolut niederschmetternd – auch wenn man natürlich ahnt, dass das nicht das Ende gewesen sein kann. SHORT CIRCUIT ist ein durchaus interessanter Beitrag zum Roboter-Diskurs und zu den philosophischen Debatten, die sich daran anschließen. Vor allem natürlich aus historischer Perspektive, zeigt er doch, wie diese Fragestellungen immer mehr in den Alltag des Ottonormalverbrauchers eindringen, schließlich gar Kinder beschäftigen (die sich vielleicht nach dem Kinobesuch wie der Protagonist von WARGAMES an ihren Heimcomputer zurückzogen) Als Werk seines Regisseurs, der sich in seinen Filmen immer wieder neuer Technologie, der Frage nach den Chancen, die sie bringt, aber auch nach den Gefahren, die von ihr ausgehen, auseinandersetzte, fällt SHORT CIRCUIT zwar keineswegs aus dem Rahmen, ist aber gewiss nicht ganz so hoch einzuschätzen wie BLUE THUNDER. Dafür ist er einfach: zu süß.

 

Ein geruhsamer Feierabend gerät für einen Mann (Arsenio Hall) dank unzuverlässiger elektronischer Geräte zu einer Verkettung absurder Pannen, die mit seinem Tod enden. Ein Arzt (Griffin Dunne) versucht ein Ehepaar (Michelle Pfeiffer & Peter Horton), dessen Neugeborenes dummerweise „verlegt“ wurde, mit nur mäßig gelungenen Täuschungsversuchen von dieser Panne abzulenken. Ein Junge will eigentlich nur diskret ein paar Kondome kaufen, um sein erstes Mal zu erleben, gerät als millionster Kunde jedoch in eine riesige Werbezeremonie. Der nichts Böses ahnende Jerry (Steve Guttenberg) wird beim ersten Date mit Karen (Rosanna Arquette) mittels neuester Technik als unzuverlässiger Filou enttarnt. Der brave Harvey Pitnik (Archie Hahn) erleidet einen Herzinfarkt, als sein Leben in einer Literatursendung einen herben Verriss erntet, und seine Beerdigung gerät zu einer Comedyveranstaltung bei der er auch nach seinem Tod noch verspottet wird – auch von seiner Gattin!

Dazwischen laufen der Fünfzigerjahre-Science-Fiction-Film „Amazon Women on the Moon“, Henry Silvas Sensationsshow „Bullshit or Not?“ (Waren Jack the Ripper und das Ungeheuer von Loch Ness ein und dieselbe Person?) und der Universal-Schwarzweißgrusler „Son of Invisible Man“, dessen Unsichtbarer (Ed Begley jr.) nicht bemerkt, dass er mitnichten unsichtbar ist. B. B. King macht Werbung für die Initiative „Blacks without Soul“, die sich u. a. Pimps mit Vorliebe für den zuverlässigen Volvo Kombi oder aber dem Sänger Don Simmons (David Alan Grier) widmet, der mit Vorliebe kitschige Schlager singt. Andere Werbespots preisen „Silly Paté“, Kunsthaar aus Teppichfaser, erotische Literatur, das „Pethouse Girl of the Month“, das überall unbekleidet herumläuft, und Firesales im Kunstmuseum. Der arme Rentner Murray (Lou Jacob) schaut nur in Unterwäsche bekleidet überall mal rein, weil seine neue Fernsehbedienung ihn geradewegs ins Programm gebeamt hat.

Die Quasi-Fortsetzung von KENTUCKY FRIED MOVIE vereint auf engstem Raum – der Film dauert gerade mal 75 Minuten – liebevolle Spoofs, albernen Klamauk und absurde Non-sequiturs, die durch die clevere Besetzung geadelt werden. Der Film ist zwar so ziemlich das Gegenteil von „nachhaltig“, aber gerade dadurch erstaunlich zeitlos. Noch mehr als beim Vorgänger hat man hier das Gefühl, der ganze Film sei das Ergebnis eines gemeinsamen Besäufnisses und eines kurzentschlossen anberaumten Drehs mit guten Freunden, die nur zu gern bereit waren, bei dem Spaß mitzumachen. Die Qualität und der Kultstatus des ersten Zucker/Abrahams/Zucker-Films wird nicht ganz erreicht, aber darüber sieht man nur zu gern hinweg, weil AMAZON WOMEN ON THE MOON auf durch und durch sympathische Art und Weise unambitioniert ist. Ich habe mich bei dieser ersten Sichtung nach etlichen Jahren nicht gerade kaputtgelacht, aber das Grinsen hat mein Gesicht eigentlich nie verlassen. „Nett“ heißt hier tatsächlich genau das und ist keineswegs als boshafter Euphemismus zu verstehen.