Mit ‘Steve James’ getaggte Beiträge

Auf Hard Sensations kann man ab sofort den zweiten Teil meines kleinen Aufsatzes über Actionfilme mit Südamerikabezug lesen.  Gegenstand der Betrachtung sind der schöne Robert-Ginty-Film THE MISSION … KILL, Aaron Norris‘ DELTA FORCE 2: THE COLOMBIAN CONNECTION, James Glickenhaus‘ MC BAIN und zu guter Letzt J. Lee Thompsons ultrabrutaler Bronson-Knaller THE EVIL THAT MEN DO. Viel Vergnügen!

Als Sean (David Bradley) noch ein kleiner Junge war, wurde sein Papa, ein Karatekämpfer, umgebracht und Sean fortan von Izumo (Calvin Young) in der Kunst des Ninjitsu unterwiesen. In der Gegenwart reist er in den fiktiven Staat Triana, um an einem Karateturnier teilzunehmen. Als er dort seinem alten Meister begegnet und dieser kurz darauf entführt wird, macht er sich mit Jackson (Steve James) und Dexter (Evan J. Klisser) auf die Suche nach ihm. Die führt ihn zu „The Cobra“ (Marjoe Gortner), der für General Andreas (Yehuda Efroni) eine Rasse von Supersoldaten kreieren soll und nur auf Sean gewartet hat …

Aller Guten Dinge sind zwar nach Volksmund drei, doch AMERICAN NINJA 3: BLOOD HUNT ist wohl die berühmte Ausnahme von der Regel. Alle Jubeljahre wird er von mir in der Hoffnung eingeworfen, dass er mir vielleicht endlich seine mir bislang verborgen gebliebenen Qualitäten offenbart, aber auch bei dieser Sichtung steht am Ende nur die Erkenntnis, dass der dritte Eintrag der Erfolgsserie eine reichlich freudlose Angelegenheit ist. Selbst wenn man die Ansprüche ganz weit runterschraubt und AMERICAN NINJA 3 lediglich als hohlen Trashfilm betrachtet, gibt es hier rein gar nichts zu holen. Wirklich alle Beteiligten haben ihr Schlechtestes gegeben – oder aber sie haben in dem Bemühen, auch noch den letzten Funken Spaß aus dem Film zu saugen, Überstunden gemacht. Die Story ist selbst dann noch unfassbar dämlich, wenn man sie nur als Wegbereiter für die Actionszenen begreift, die Inszenierung hausbacken und angestrengt, die Kampfchoreografien unter aller Sau und – der Todesstoß für den Film – David Bradley ein so dermaßen unsympathischer Protagonist, dass das Unterfangen eigentlich von vornherein hoffnungslos ist. Die Cannon wollte den einstigen Karatechampion wohl zum neuen Actionstar aufbauen, doch das ist gründlich in die Hose gegangen und vielleicht das beste Beispiel dafür, wie Golan und Globus in der zweiten Hälfte der Achtzigerjahre von ihrem Urteilsvermögen verlassen worden sind. Bradley lässt sich in eigentlich allen seinen Filmen nur ertragen, wenn es einem gelingt, sich an seiner prollig-machohaften Art hochzuziehen. Klar, auch Dudikoff war kein guter Schauspieler, aber er war als Handkanten-James-Dean gut besetzt und vor allem sympathisch. Wenn David Bradley mit Leichenbittermiene die Muckis anspannt, denkt man hingegen an Steroidmissbrauch, Date Rape und Demütigungen in der Jungsumkleide beim Sportunterricht. Im Vergleich mit dem sonnigen Fun-Actioner AMERICAN NINJA 2: THE CONFRONTATION wirkt Teil 3 unfreundlich, düster und misanthropisch. Das ist nicht per se schlecht, nur gibt der Stoff das gar nicht her. Sundstroms Film ist albern, ohne dabei Spaß zu machen. Eigentlich das vernichtendste Urteil, das man über einen Film verkünden kann. Bis zum nächsten Mal.

Zur Belohnung für den immensen Erfolg von AMERICAN NINJA spendierten Menahem Golan und Yoram Globus ihrem Regisseur Sam Firstenberg und dem Darstellerduo Michael Dudikoff und Steve James wohl einen schönen Urlaub – mit der Vorgabe, statt Urlaubsfotos und kitschiger Souvenirs ein knalliges Sequel mitzubringen. Diese Geschichte habe ich mir zwar ausgedacht, wenn man den in Südafrika gedrehten AMERICAN NINJA 2: THE CONFRONTATION aber so sieht, kann man sich durchaus vorstellen, dass es sich genauso abgespielt hat. Er sieht aus wie ein TUI-Werbespot, in den Godfrey Ho ein paar Ninjas reingemogelt hat: weiße Traumstrände, türkisfarbene Buchten, saftig grüne Palmen, ein strahlend blauer wolkenloser Himmel, Männer in bunten Hawaiihemden und braungebrannte Strandnixen in farbenfroher (und knapp geschnittener) Bademode, wohin das Auge auch sieht. Auf den flotten, dabei auch schon nicht gerade ungemein harten Vorgänger setzt Firstenberg also noch einen drauf: Wenn es mal einen Feelgood-Actioner gab, den man am besten mit einem sommerlichen Cocktail in der Hängematte liegend genießt, dann ist es dieser hier. Nachhaltigkeit oder gar Ernst sollte man dann auch nicht unbedingt erwarten: Trotz der gesteigerten Ninjapräsenz wirken die schwarzen Killer wie eine Randerscheinung, die die Helden mal schnell wegkloppen müssen, um sich wieder am Wasser tummeln zu können. Inhaltlich schießt der Film dann auch einen Bock nach dem anderen, von denen der größte nicht einmal der ist, dass der „The Lion“ genannte Oberschurke mit viel Aufwand Superninjas aus der Retorte züchtet, die dann in einem Testlauf ohne größere Anstrengung von seinem menschlichen Ninjaanführer weggemurkst werden. Nein, nein, der Knaller ist der, dass dies weder einen der anwesenden Kaufinteressenten abschreckt, noch dem Schöpfer selbst als Scheitern seiner Pläne erscheint. Da sieht man mal wieder, dass der beste Verkäufer der ist, der selbst am meisten an sein Produkt glaubt. Und wenn es dazu des Selbstbetruges bedarf, bitteschön!

Ich fand AMERICAN NINJA 2: THE CONFRONTATION lange Zeit besser als seinen Vorgänger, was ich heute zwar nicht mehr behaupten würde, aber toll ist das Sequel trotzdem. Wenn ich mal in einem Film Urlaub machen dürfte, wäre er auf jeden Fall ein sicherer Kandidat. (Wer sich gern über Unzulänglichkeiten und Goofs beömmelt, sollte um 12:05 mal genau aufpassen: Offensichtlich musste da eine Szene in Abwesenheit von Dudikoff nachgedreht werden. Kann passieren. Aber normalerweise filmt man das Double dann so, dass sein Gesicht nicht zu erkennen ist.)

Joe Armstrong (Michael Dudikoff) ist ein Einzelgänger mit Stahl im Blick und rätselhafter Vergangenheit, das ist schon klar, als man ihn zum ersten Mal teilnahmslos an einem Army-Transporter lehnen sieht, während seine Kollegen sich benehmen wie auf dem Schulhof. Dieses Auftreten macht ihn sogleich verdächtig und bringt ihm den Neid der anderen ein. Als er eine Ninjaattacke auf einen Militärkonvoi allein zerschlägt, anstatt sich ruhig zu verhalten, und so den Tod einiger Soldaten mitzuverantworten hat, wird er nicht als Held gefeiert, sondern als Kollegenschwein tituliert. Was in der Realität eine durchaus angemessene Reaktion wäre, ist in Firstenbergs AMERICAN NINJA – dem erfolgreichsten Film des Ninjabooms und Auftakt zu einer insgesamt fünfteiligen Reihe – Ausdruck von Missgunst und Mittelmaß: Joe ist nämlich ein amerikanischer Ninja und er weiß genau, dass man mit Stillhalten gegen Ninjas nicht weit kommt. Für ihn wendet sich jedoch alles zum Guten, als er den Anführer der Front gegen ihn, den toughen Jackson (Steve James) im Zweikampf besiegt. Hatte der ihn kurz zuvor noch als Schlappschwanz, Verräter, Feigling und mithin Oberarsch ausgemacht, den es zu bestrafen gilt, ist er nach seiner Niederlage plötzlich ganz anderer Meinung: Wer ihm die Fresse poliert, der muss ja ein dufter Typ sein – andernfalls hätte man sich ja auch einen gefährlichen Feind gemacht. Was man als Indiz für den unfreiwilligen Humor eines Trashfilms abtun könnte, ist tatsächlich ziemlich gut beobachtet. Ja, so geht es ab in Männerbünden.

Die Ninjas sind die Privatarmee des verbrecherischen Millionärs Ortega, der mit Armstrongs Vorgesetzten einen Waffenhandel vereinbart hat. Angeführt vom „Black Star Ninja“ (Tadashi Yamashita), dem ranghöchsten Ninja Japans, sollen die Profikiller erst einen Überfall vortäuschen (eben jenen, den Joe zu Beginn verhindert hat), dann schließlich für die Erledigung des Störenfrieds sorgen. Das misslingt, weil Joe selbst ein Ninja ist, was in sich schon ein Sakrileg darstellt: Der Black Star Ninja weiß nämlich, dass nur Japaner die Kunst des Ninjitsu erlernen dürfen. So kommt es am Schluss zum unausweichlichen Kampf der guten Army-Soldaten gegen ihre schurkischen Vorgesetzten, Ortega und dessen Ninjaarmee sowie von Joe gegen den Black Star Ninja. Am Ende steht Joe auf dem Dach von Ortegas Riesenvilla, sein stahlblauer Blick in die ferne Zukunft gerichtet, wo weitere Aufgaben auf ihn warten.

Ich habe AMERICAN NINJA schon als Jugendlicher unzählige Male als Videoaufzeichnung von RTLplus gesehen, war begeistert von den Ninjas und ihren coolen Waffen und Dudikoff, der ein bisschen wie eine glattpolierte Actionfigur von James Dean wirkt. Vor ein paar Jahren, als ich den Film nach längerer Abstinenz mal wieder eingeworfen hatte, war viel vom Zauber verflogen, sah das alles doch recht preisgünstig und trashig aus. Diesen Eindruck muss ich jetzt erneut revidieren: Ich habe AMERICAN NINJA nämlich fast so genossen wie damals mit schätzungsweise 13 Jahren und kann ihm zubilligen, einer der schönsten Actionfilme der Achtzigerjahre zu sein. Zwar ohne große Durchschlagskraft oder Nachhaltigkeit, dafür aber mit viel Tempo gelingt es Sam Firstenberg – der auch schon die letzten beiden Teile von Cannons vorangegangener Ninja-Trilogie inszeniert hatte – hier, den Ninja als Figur für den amerikanischen Actionfilm nutzbar zu machen. Die in AMERICAN NINJA verwendete Blaupause wird in jedem der vier kommenden Sequels zum Einsatz kommen: ein amerikanischer Held mit Ninjatalenten auf der einen, eine im Dienste eines Schurken stehende Ninjaarmee mit einem hervorgehobenen Anführer auf der anderen. So umging Firstenberg das bis dahin bestehende Protagonistenproblem, machte dafür aber ein neues Fass auf: Dadurch, dass durch die Figurenkonstellation unzählige Ninjas ins Gras beißen musste, unterminierte er deren Ruf als Meister des Tötens. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich ein anderes Mal erzählen werde.