Mit ‘Steve Railsback’ getaggte Beiträge

Warum dieser Film BLUE MONKEY heißt, ist leider auch nach dem Studium diverser Online-Artikel nicht klar. Der deutsche Verleihtitel INSECT, der das schicke Videocover zierte, macht definitiv mehr Sinn. Als Steppke hielt ich die Kassettenhülle zahllose Male in der Hand, ohne allerdings Nägel mit Köpfen zu machen und das Teil auszuleihen. Warum, weiß ich nicht mehr, denn die Szenenfotos versprachen ein effektreiches Spektakel, das 30 Jahre später  erwartungsgemäß nicht mehr ganz so beeindruckend daherkommt.

Fruets Film beginnt mit einem alten Opa, der von einem Insekt gestochen wird und daraufhin kollabiert. Im Krankenhaus erbricht er eine Larve, die sich in ein Insekt verwandelt, das nach der Unachtsamkeit einiger Kinder gigantische Ausmaße annimmt. Neben dem Mörderinsekt, das sich im Krankenhauskeller mit seiner Braut einnistet, haben die Insassen auch noch damit zu kämpfen, dass der Stich eine Epidemie ausgelöst hat. Die Regierung riegelt das Krankenhaus ab, um die Gefahr zu bannen, und so ist es an dem Polizisten Jim Bishop (Steve Railsback), der Ärztin Rachel Carlson (Gwynyth Walsh) und dem Insektenforscher Elliott Jacobs (Don Lake), den Kampf gegen das Insekt aufzunehmen, bevor es zu spät ist.

BLUE MONKEY zeigt ein buntes Potpourri von Einflüssen, von denen James Camerons ALIENS sicherlich der wichtigste ist. Die Hatz durch die blau ausgeleuchteten Kellergänge erinnert ebenso an den Klassiker wie die Szenen mit den in Kokons eingeschlossenen Opfern und das Monster selbst, eine Art riesiger schwarzer Gottesanbeterin, die ziemlich angepisst ist. Ein bisschen Katastrophenfilm spielt auch noch mit hinein, vor allem der Vergleich mit dem kürzlich erst gesehenen THE CASSANDRA CROSSING drängte sich auf. Auch das Zusammentreffen ganz unterschiedlicher Figuren lässt an die effektintensiven, starbesetzten Vehikel der Siebzigerjahre denken: Neben den Protagonisten gibt es da noch zwei Omas, die sich ordentlich volllaufen lassen, während um sie herum ums Überleben gekämpft wird, eine Gruppe niedlicher Kiddies, die die Gänge unsicher macht und am Ende natürlich wichtige Unterstützung liefert, sowie ein Ehepaar, das gerade sein erstes Kind zur Welt bringt. Fruet versieht seinen Film mit viel auflockerndem Humor und besetzt diverse Rollen mit bekannten kanadischen Komikern. Trotzdem kippt BLUE MONKEY nicht in Richtung Genreparodie, sondern hält ein gesundes Gleichgewicht. Ein paar Einfälle sind hübsch bescheuert, aber das gehört ja auch irgendwie dazu. Jedenfalls erweist es sich als überaus praktisch, dass in dem Krankenhaus auch ein Labor zur Laserforschung untergebracht ist. Nachdem dieses nach seiner ausführlichen Einführung zu Beginn überhaupt keine Rolle mehr spielt, ist klar, wo das Insekt sein Ende finden wird. Und die Sexszene im Labor darf natürlich auch nicht fehlen. Fazit: Nicht so geil, wie ich mir das mit 15 ausgemalt habe, aber schon ganz nett, der blaue Affe.

Bei der Expedition zum Halleyschen Kometen entdeckt die Besatzung der „Churchill“ ein gigantisches, offenbar außerirdisches Flugobjekt. Colonel Tom Carlsen (Steve Railsback) ordnet die Erkundung des Raumschiffes an und findet drei nackte menschliche Wesen in gläsernen Särgen, die er an Bord der „Churchill“ bringt, nicht ahnend, dass es sich um eine Rasse von Weltraumvampiren handelt, die sich von Lebensenergie ernähren. Als seine gesamte Besatzung dem weiblichen Vampir (Mathilda May) zum Opfer fällt, zerstört Carlsen das Raumschiff und entkommt mit einer Rettungskapsel. Doch die Trümmer der „Churchill“ werden geborgen und dabei gelangt die vampirische Verführerin nach London, wo sie den Virus wie eine Seuche verbreitet …

LIFEFORCE ist einer von drei Filmen, die Tobe Hooper in einem Paketdeal für die Cannon inszenierte (neben THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE PART 2 und INVADERS FROM MARS), und ein recht eindrucksvolles Beispiel sowohl für die großen Ambitionen von Menahem Golan und Yoram Globus als auch für das Scheitern dieser Ambitionen. In jeder Sekunde des Films erkennt man den Wunsch der Produzenten, großes, spektakuläres, lautes Blockbusterkino zu machen: LIFEFORCE hat eine Lauflänge von 110 Minuten, in seinen Weltraumszenen orientiert er sich an so großen Vorbildern wie ALIEN oder gar Kubricks 2001: A SPACE ODYSSEY, die aufwändigen Effekte überwachte John Dykstra, der nach seiner Arbeit für STAR WARS auf Jahre hinaus der Mann für große Weltraumepen war, für die Kameraarbeit zeichnete Alan Hume verantwortlich, der zuvor THE RETURN OF THE JEDI sowie diverse James-Bond-Filme fotografiert hatte, den Soundtrack komponierte Henry Mancini und das London Philharmonic Orchestra sorgte für dessen Interpretation. Auf der Handlungsebene erkennt man deutliche Parallelen zu den britischen QUATERMASS-Filmen, deren etwas staubig-klaustrophobisches Flair hier aber in einer riesige Materialschlacht verwandelt wird, in der es um nichts weniger als die Zukunft der gesamten Menschheit geht, was auch die zahlreichen Schauplatzwechsel widerspiegeln.

Doch obwohl also alle Zutaten für großes Eventkino vorhanden sind, will der Coup nicht so recht gelingen: Hoopers Inszenierung geht die notwendige Leichtfüßigkeit ab, die ein Steven Spielberg für jeden seiner Filme in die Wagschale werfen kann, und das Budget reichte nach der Investition in die Spezialeffekte wohl nicht mehr aus, um auch noch ein paar zugkräftige Stars zu verpflichten. Nichts gegen Steve Railsback, den ich tatsächlich sehr mag, aber für eine große Heldenrolle ist er irgendwie zu schräg und dies beeinflusst den ganzen Film, der merkwürdig unentschlossen zwischen Big-Budget-Spaß und B-Movie-Abseitigkeit schwankt. Schwerer wiegt jedoch, dass LIFEFORCE unnötig umständlich erzählt ist und nach der zwar ausgedehnten, aber atmosphärisch wie inhaltlich äußerst viel versprechenden Exposition eine halbe Ewigkeit braucht, um endlich wieder zum Punkt zurückzukommen, sich stattdessen auf in die Irre führenden Nebenpfaden herumschlägt. Dieses Manko lässt sich vor allem auf die Überfülle des Drehbuchs zurückführen, dass zahlreiche interessante Elemente und Motive einführt, diese dann aber in der gebotenen Zeit nicht zu einem befriedigenden Abschluss bringt, vielmehr Probleme hat, einen roten Faden zu finden.

Exemplarisch dafür steht das Thema sexueller Besessenheit, das der eher bunten Seite des Films eine düstere, erwachsene entgegenhält und der interessanteste Strang des Films ist: Der Mathilda-May-Vampir hat Carlsen als Opfer auserwählt und sich deshalb die weibliche Form gegeben, die dessen Idealbild der Frau entspricht. Carlsen ist ihr quasi hilflos ergeben, obwohl er doch weiß, welche Gefahr von ihr ausgeht. Sein Kampf gegen die Vampire ist damit auch ein Kampf gegen das eigene sexuelle Verlangen, das ihn zu zerstören droht, wenn er sich ihm nicht widersetzt. Dieser Konflikt entfaltet leider nie diee apokalyptische Durchschlagskraft, die zu Beginn angedeutet wird, weil ja gleichzeitig noch ein „normaler“ Weltuntergangsplot abgewickelt werden muss. Die Beziehung zwischen Carlsen und dem Vampir wird im weiteren Verlauf auf eine letztlich schematische gefährliche Liebschaft reduziert, die den unheimlichen Aufbau nicht wirklich rechtfertigt. Das ist alles sehr, sehr schade, weil LIFEFORCE mit ein paar kleinen Kürzungen und Korrekturen ein richtig guter Science-Fiction-Horrorfilm hätte werden können, der sich mit seinen Abseitigkeiten wohltuend vom Mainstreamkram abgehoben hätte. In der vorliegenden Form verhält es sich genau andersrum: Seine schrägen Idee stehen seinem Gelingen im Weg. Ich muss relativieren, denn LIFEFORCE ist immer noch sehenswert und originell und außerdem eine schöne Antwort auf all die Stimmen, die behaupten, die Cannon hätte ja immer nur billigen Trash fabriziert. Aber dass trotz all der mit teurem Effektzauber veredelten Bilder von der Apokalypse auf den Straßen des brennenden Londons ltztlich die beiden wohlgeformten Brüste und der Apfelpo der mackten Mathilda May vom Film im Gedächtnis bleiben, spricht Bände.