Mit ‘Südkorea’ getaggte Beiträge

chaw (shin jeong-won, südkorea 2009)

Veröffentlicht: Dezember 3, 2009 in Film
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Auf DVD erscheint dieser Tage ein Tierhorrorfilm mit Wildschwein-Content: der zweite nach Russell Mulcahys RAZORBACK. Für F.LM habe ich den Film besprochen. Interessenten klicken hier.

… von mir gibt es auf F.LM zu lesen, beides „Altlasten“ vom diesjährigen Fantasy Filmfest, die in der letzten Ausgabe der SPLATTING IMAGE ihre Premiere erfuhren: LARGO WINCH: TÖDLICHES ERBE und HANSEL & GRETEL.  Beide sind demnächst respektive ab sofort auf DVD erhältlich.

Mit Matthias‘ Meinung gehe ich exakt d’accord, was auch daran liegt, dass der kleine Frechdachs zwei meiner Aussagen zum Film für seinen Text verwendet hat und ich jetzt ganz schön doof dastehe. Der Film beginnt sehr schön, bevor ihm nach ca. der Hälfte massiv die Puste ausgeht und er seine märchenhafte Geheimniskrämerei zugunsten schnöder Erklärerei verwirft, die einem das Gezeigte jedoch nicht näherbringt, sondern im Gegenteil erst Distanz und dann Gleichgültigkeit erzeugt. Nicht der erste südkoreanische Film, der den richtigen Zeitpunkt für das Ende um Längen verpasst. Scheint kein Zufall zu sein.

Horsemen (USA 2009)
Regie: Jonas Akerlund

Michael Bays Produktionsfirma Platinum Dunes produziert offensichtlich für den DVD-Markt und die Videotheken. Das Schlimme an diesem Serienkillerfilm ist nicht, dass er generisch und derivativ ist, sondern dass Bay anscheinend nach einem Patentrezept für generische und derivative Filme produziert. An HORSEMEN gibt es nichts, das auch nur annähernd auf ein ernsthaftes Interesse der Macher an ihrem Produkt schließen ließe, noch auch nur auf den Funken einer eigenständigen Idee.

Dead Snow (Norwegen 2009)
Regie: Tommy Wirkola

Der Funsplatter-Film ist das Äquivalent zu Heimatfilm und Volksmusik: Es ist nur dazu da, seiner Zielgruppe das Gefühl von Vertrautheit zu geben. Mit BRAINDEAD wird ein Film hofiert, der mittlerweile auch fast 20 Jahre auf dem Buckel hat und von dem man damals (leider) zu Unrecht behauptet hat, er sei der konsequente Schlusspunkt unter ein Subgenre. Im Gegenteil: Er dient immer noch als oberste Inspirationsquelle für Filmemacher (und Fans), für die Stillstand eine Tugend ist. Das Gegröhle im Kino und das monotone Mitklatschen im Musikantenstadl: Sie sind verschiedene Ausprägungen derselben Geisteshaltung. Fanboys, ich hasse euch!

Franklyn (Großbritannien 2009)
Regie: Gerald McMorrow

Das Bedürfnis, aus der Masse herauszustechen, treibt manchmal komische Blüten. Zum Beispiel in diesem eigentlich recht schönen Debütfilm, der daran krankt, dass man den Eindruck erhält, der Regisseur meine, etwas beweisen zu müssen. Etwas weniger verschwurbelt for its own good und FRANLYN hätte richtig gut sein können. So darf man auf den nächsten Film McMorrows gespannt sein, in dem er dann hoffentlich nicht mehr jede Idee unterbringt.

My Bloody Valentine 3D (USA 2009)
Regie: Patrick Lussier

Eine schlechte Idee (= das Remake eines seinerseits schon unoriginellen Kopisten eines Erfolgsrezept, das auch beim ersten Mal schon nicht besonderns originell war) wird auch dadurch nicht besser, dass man sie in 3D präsentiert. Nur die Augen tun mehr weh.

Deadgirl (USA 2008)
Regie: Marcel Sarmiento, Gadi Harel

Einer von zwei guten Filmen bei den diesjährigen Nights. Eine Prämisse, die bescheuert klingt, aber dann doch perfekt funktioniert, eine konzentrierte Umsetzung, die sich überflüssigen Firlefanz erspart, eine Aussage, die trifft, ohne dass sie sich aufdrängt. So muss gutes Genrekino aussehen. 

Splinter (USA 2008)
Regie: Tony Wilkins

So hingegen nicht. Welchen Sinn hat Monster- und Effektkino, wenn man Monster und Effekte „dank“ miserabler Bildführung und elender Wackelkamera gar nicht erkennen kann? Da helfen auch die guten Darsteller und der Verzicht auf Debilhumor, den man sonst aus dem Genrekino kennt, nichts.  

The Good The Bad The Weird (Südkorea 2008)
Regie: Kim Jee-Woon

Über 90 Minuten ist Kims stilistische Brechstangenmethode toll anzusehen, großes Adrenalinkino. Dumm nur, dass sein Film 140 Minuten dauert. Lieber nochmal Sergio Leones Original schauen und sich zeigen lassen, dass Stil und Design eben doch zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Erster Merksatz für Actionregisseure: Bewegung ist relativ.

Book of Blood (Großbritannien 2008)
Regie: John Harrison

Aus Kurzgeschichten entstehen nur selten richtig gute Filme. BOOK OF BLOOD (nach Clive Barker) belegt dies perfekt: insgesamt nicht schlecht, recht ernst und durchaus atmosphärisch, aber zäh wie ein Kaugummi. Und als wollte er dieses Manko zum obersten Struktur- und Stilprinzip erheben, versäumt er gleich mehrfach den richtigen Zeitpunkt für das Ende.

Long Weekend (Australien 2008)
Regie: Jamie Blanks

Der beste Film des Festivals: spannend, zermürbend, vielschichtig, unvorhersehbar, beklemmend. Nach STORM WARNING mausert sich Blanks langsam aber sicher zum Spezialisten für dysfunktionale Mann-Frau-Beziehungen. Wer hätte das nach URBAN LEGENDS für möglich gehalten? Große Klasse.

Acolytes (Australien 2008)
Regie: Jon Hewitt

Ein paar hastig hinuntergestürzte Biere und ein deftiges Schnitzel waren Schuld, dass ich bei ACOLYTES nach 20 Minuten vom Schlaf übermannt wurde. Verpasst habe ich einen Thriller, der vor allem visuell herausragend komponiert ist. Und mehr kann ich auch schon gar nicht mehr sagen.

Vikaren (Dänemark 2007)
Regie: Ole Bornedal

Aus Bornedals zweitem Festivalfilm wurde ich von der „Hyäne“ vertrieben: Einem der vielen ausgesprochen liebenswerten Festivalbesucher, die auch noch den letzten Kalauer mit einem kreischenden, übermotivierten Lachen würdigen, dass stets auch zu sagen scheint: „Schaut her, ICH habe den Witz verstanden und amüsiere mir den Arsch ab!“ Unerträglich. Nach 30 Minuten war VIKAREN damit für mich beendet. Danke, Hyäne!

Transsiberian (Großbritannien/Deutschland/Spanien/Litauen 2008)
Regie: Brad Anderson

Das Ehepaar Roy (Woody Harrelson) und Jessie (Emily Mortimer) reist nach karitativer Mission in China mit der transsibirischen Eisenbahn nach Moskau. An Bord lernen sie ein anderes Pärchen kennen, den undurchsichtigen Carlos (Eduardo Noriega) und seine Jahre jüngere Freundin Abby (Kate Mara). Als Roy bei einem kurzen Zwischenstopp den Zug verpasst und Jessie mit Carlos allein ist, zeigt dieser dann auch sein wahres Gesicht. Und so hat Jessie wenig später nicht nur einen Mord auf dem Gewissen, sondern auch eine Ladung Heroin im Rucksack …

Enttäuschender Thriller vom MACHINIST-Regisseur Brad Anderson, von dem man sich doch ein wenig mehr erwartet hätte als das typische Braves-Ehepaar-wird-bedroht-Szenario. Das schöne Lokalkolorit wird leider für eine recht hohle Russland-Paranoia missbraucht und die Handlungsentwicklungen der zweiten Hälfte locken nun wirklich keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor. Enttäuschend.

The Chaser (Südkorea 2008)
Regie: Na Hong-jin

Zuhälter und Ex-Polizist Joong-ho (Kim Yun-seok) ist wütend: Ein Unbekannter scheint ihm seine Mädchen zu rauben, also begibt er sich auf die Fährte des Mannes, von dem er doch nur eine Telefonnummer hat. Was Joong-ho nicht weiß: Dieser Mann ist mitnichten ein Frauenhändler, sondern der fleißige Serienmörder Young-min (Ha Jung-woo). Joong-hos Initiative trägt zur Verhaftung Young-mins bei und tatsächlich gesteht dieser bereitwillig und für alle überraschend seine Morde. Doch äußere Umstände führen bald zu seiner Freilassung: Und Joong-hos Mädchen liegt noch immer in dessen Mordverlies. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt …

THE CHASER besticht vor allem in der ersten Hälfte durch einen exzellenten und sehr geduldigen Spannungsaufbau, der nicht nur die Charaktere glaubwürdig charakterisiert, sondern auch dem Handlungsort Konturen verleiht. Leider geht der Debütfilm in der zweiten Hälfte baden, entpuppt sich gar als ausgesprochen unangenehmes, spekulatives Manipulationsvehikel. Die Drehbuchvolten scheinen keinem anderen Zweck verpflichtet als Thrill zu erzeugen, für den Regisseur Na Hong-Jin wohl auch seine Mutter verkaufen würde. Seinen geschmacklosen Höhepunkt findet THE CHASER, wenn er sein weibliches Opfer nach filmlanger Tortur erst entkommen und dann doch sterben lässt. Letztlich soll dies nur die Rachegelüste des Zuschauers steigern und die wieder einmal als inkompetent dargestellte Polizei trägt ihren zur Eskalation dieses Wunsches bei. THE CHASER verwehrt zwar letztlich sowohl seinem Protagonisten als auch dem Publikum die Triebabfuhr, kann somit einige der geäußerten Vorwürfe abfangen, muss aber doch als ärgerliche Festivalenttäuschung durchgehen. Es wird Zeit, dass Genreregisseure ihr Gewissen wieder entdecken: Der Zynismus, von dem ein Großteil der Beiträge durchzogen ist, ist nicht mehr nur ein alter Hut, er dreht auch schlechte Filme wie diesen hier, der sein Potenzial leider vollkommen verschenkt.

Fazit:

Das Festival konnte nach das Niveau des herausragend besetzten letzten Jahres erwartungsgemäß nicht mehr erreichen, dennoch muss man das Programm als zufriedenstellend bezeichnen. Die Zahl der vollkommen missratenen Rohrkrepierer hielt sich arg in Grenzen, leider fehlten aber sowohl ein wirklich herausragender Titel als auch eine große Überraschung. Auffallend: Vor allem die reinen Horrorfilme waren für die Enttäuschungen verantwortlich. Hier mein Festival im Kurzabriss:

Highlights:
LAT DEN RÄTTE KOMMA IN
JUST ANOTHER LOVE STORY
JCVD
KUNSTEN A TENKE NEGATIVT
DOWNLOADING NANCY

Enttäuschungen:
EDEN LAKE
MARTYRS
MIRRORS
TRANSSIBERIAN
THE CHASER

Hoffnungslos:
LADY BLOOD

Spaß:
JACK BROOKS: MONSTER SLAYER
MY NAME IS BRUCE
THE RAGE