Mit ‘Taylor Kitsch’ getaggte Beiträge

Urlaub und Badespaß: Am Strand hat Mitch Rapp (Dylan O’Brien) seiner Freundin soeben einen Heiratsantrag gemacht, da wird das junge Glück durch einen Schicksalsschlag zerrissen: Islamische Terroristen richten unter den Touristen ein Gemetzel an, Mitch muss mitansehen, wie seine Verlobte vor seinen Augen hingerichtet wird. 18 Monate später ist er eine Kampfmaschine, spricht fließend Arabisch, hat sich Eingang zum inner circle der Terrorzelle um den Mörder seiner Liebsten verschafft – und damit auch die Aufmerksamkeit des CIA auf sich gezogen, die in ihm einen perfekten Killer sieht. Der Ex-Navy Seal Hurley (Michael Keaton) verpasst Rapp den letzten Feinschliff, dann geht es gegen „Ghost“ (Taylor Kitsch), einen Abtrünnigen, der eine Atombombe bauen will …

AMERICAN ASSASSIN basiert auf einer Reihe von Polit-Thrillern des amerikanischen Autors Vince Flynn, der in der Tradition solcher Autoren wie Robert Ludlum, Alistair MacLean oder Tom Clancy steht: Harte Action mit ebenso harten Typen, schwer verständlicher Tech Talk, internationale politische Verwicklungen und Intrigen sowie die Vorstellung eines stark Staates – der natürlich nichts ist ohne seine treuen Diener, die sich ohne mit der Wimper zu zucken für die Werte der Demokratie und der Freiheit opfern – zeichnen das literarische Genre aus, das vor allem ab den Siebzigerjahren immer wieder fürs Kino adaptiert wurde. In den letzten Jahren hatte sich diese Spielart des Actionfilms – von den immens erfolgreichen Filmen um Jason Bourne einmal abgesehen – etwas rar auf den Leinwänden gemacht: Politik wird kritisch beäugt und vom modernen Actionhelden erwartet man eher einen gewissen Nonkonformismus und das Einstehen für die Unterdrückten als die Unterwerfung unter die Staatsräson zum Wohle des Erhalts des Status quo. AMERICAN ASSASSIN versucht die Kluft zu überbrücken, indem er einen Helden in den Mittelpunkt rückt, der zunächst von einem inneren Trieb motiviert wird und dessen Wille auch von seinen Vorgesetzten nicht gebändigt werden kann. Man könnte sagen, dass Cuesta dem immer auch etwas aseptischen Polit- und Agententhriller eine Dosis Sex und Badassery injiziert. Was nicht unproblematisch ist.

Das beginnt schon mit dem Auftakt, der ungute Assoziationen zu den Schreckensbildern aus den Nachrichten der letzten Jahre weckt und damit nicht gerade die geschmackssicherste Wahl für einen Film darstellt, der letztlich reines Actionspektakel liefert. Die folgende Sequenz, die den nun zur Ein-Mann-Armee gereiften Rapp zeigt, ist die beste des Films: Kurz vor der Konfrontation mit den Mördern seiner Freundin förmlich brennend, sehen wir ihn, wie er wegen Disziplinlosigkeit erst aus seinem Kampfsportstudio geschmissen wird, anschließend eine Massenpanik auf einem Schießstand auslöst, auf dem er wie ein Irrer mit seinem Maschinengewehr herumballert und dann mit den Terroristen auf Arabisch chattet, bevor er sie in Tripolis höchstpersönlich trifft. Dylan O’Brien, auf Bildern ein Jüngelchen, das jede Schwiegermutter in Verzückung geraten ließe, ist super als zu allem entschlossener Killer mit Isis-Bart und mangelndem Respekt vor staatlichen Institutionen. Das denkt auch die CIA-Agentin Irene Kennedy (Sanaa Lathan): Rapp hat etwas, das man einem Mann nicht antrainieren kann. Hurley ist etwas anderer Meinung, aber am Ende ist es natürlich so, dass die flammende Leidenschaft und die Disziplinlosigkeit des Quereinsteigers genau jene Eigenschaften sind, die den Unterschied machen. Im Kampf gegen Wahnsinnige ist es hilfreich, wenn man es mit den Regeln selbst nicht so genau nimmt. Behauptet der Film zumindest.

Outlaw Vern bemängelte in seiner Kritik, dass AMERICAN ASSASSIN sich seine inhärente Absurdität nicht verdiene. Seiner Meinung nach sei der Film zu glatt und generisch inszeniert und letztlich zu kommerziell, um mit seinen Over-the-Top-Momenten wirklich Freude zu bereiten. Ganz Unrecht hat er damit nicht, aber ich finde, dass allein die Mischung aus heftiger Ruppigkeit und Hochglanzoptik mit schönen Menschen, mit der Cuesta seine Law-and-Order-Fantasie kredenzt, Aufmerksamkeit verdient hat. Das Finale mit der Atombombe im Rucksack, die Rapp aus einem Boot ins Wasser schmeißt und damit eine Katastrophe verhindert, ist zugegebenermaßen Tinnef und macht unmissverständlich klar, wessen Geistes Kind AMERICAN ASSASSIN ist (falls man es bis dahin vergessen haben sollte), aber um sich 90 Minuten lang durchpusten zu lassen reicht dieses hübsch reaktionäre Stück Film wunderbar aus. Scott Adkins hat eine kleinere Nebenrolle als Kollege/Rivale von Rapp und muss beim ersten gemeinsamen Einsatz natürlich ins Gras beißen. Aber immerhin hat er ein paar Sekunden zusammen mit Michael Keaton, der in einer fiesen Folterszene seine Fingernägel einbüßt.

Wenn man als Außenstehender etwas über die Realität des Drogenhandels in den USA jenseits statistischer Werte erfahren will, ist Rap ein guter Einstieg. Der „daily struggle“ in den Armutsvierteln der Metropolen führt Unterprivilegierte seit Jahrzehnten in das Dilemma, mit dem Drogenhandel auf der einen Seite den Ausweg aus der Armut zu schaffen, dabei aber auf der anderen die eigenen „Brüder“ in die Sucht und den Tod zu führen. Die vor allem in den letzten 10 Jahren reüssierende „Trap Music“ – meist aus den Südstaaten stammender Rap über den Alltag des Drogendealers, vorgetragen von Künstlern mit mehr oder weniger authentischen Drogenbiografien, wie Young Jeezy, The Clipse, Yo Gotti, Gucci Mane, T.I. und zahlreichen weiteren – zeichnet sich neben der genreüblichen Prahlerei über die eigene Tollkühnheit und die so erworbene Affluenz immer wieder auch durch die ernüchterte Reflektion darüber aus, zu welchem Preis letztere eigentlich erworben wurde – und wie vergänglich der „Ruhm“ des Dealers ist: Jeden Tag kann er selbst der Verlierer des Spiels sein.

Was hat das mit SAVAGES zu tun? Oliver Stone lässt in seinem Drogen-Crime-Thriller zwei weiße Mittelklassen-Kids – der eine, Chon (Taylor Kitsch), Irak- und Afghanistan-Veteran, der andere, Ben (Aaron Johnson), absolvierter Business- und Botanik-Student und selbst ernannter Buddhist – mittels eigener Marihuana-Zucht zu Reichtum und schickem Strandhaus an der kalifornischen Küste kommen und dann mit der mexikanischen Drogenmafia aneinanderrasseln, die für die privilegierte Konkurrenz nur wenig Sympathie übrig hat. Weil das CIA den Rivalen El Azul unterstützt, schwimmen dem von Elena „La Reina“ (Salma Hayek) geführten Baja-Kartell die Felle davon und so ist es zur Kollaboration mit den erfolgreichen Hipster-Dealern gezwungen. Die haben verständlicherweise nur wenig Interesse daran, ihre Gewinne zu teilen, noch dazu mit Verbrechern, deren Methoden noch weniger zimperlich sind, als die von enforcer Chon. Die beiden teilen sich die blonde Strandnixe O. (Blake Lively) und mit dieser den Traum vom Ausstieg und dem Leben in Indonesien. Der Drogenhandel ist ihnen Mittel zum Zweck und den Widerspruch, einerseits vom modernen Hippietum zu träumen, ihr kriminelles Geschäft andererseits auch mit Gewalt zu verteidigen, halten sie mit der Ignoranz von Wohlstandsbengeln aus, die keine Verpflichtungen kennen, jede Verantwortung für ihr Tun ablehnen. Sie lernen auf schmerzhafte Art und Weise, dass der internationale Drogenhandel kein Spaß ist – und schon gar keine Freizeitbeschäftigung, die man wieder fallen lässt, wenn man die Lust daran verloren hat.

Ben, Chon und O. sind konsequenterweise die Identifikationsfiguren für den Zuschauer – letztere fungiert als Voice-over-Erzählerin –, aber die Sympathien sind keineswegs so klar verteilt. Die anfängliche Bewunderung für den Unternehmergeist der beiden Männer (und der Neid auf ihre wilden Schäferstündchen mit der sinnlichen O.) weicht recht schnell dem Unverständnis über die moralische Flexibilität, die sie bei ihrem Tun an den Tag legen und der Erkenntnis, dass sie nicht unbedingt besser sind als die Profis aus Mexiko. Natürlich drückt man ihnen die Daumen, dass sie die Konfrontation mit dem Baja-Kartell überstehen – aber dennoch schwingt die Genugtuung darüber mit, dass die beiden mal ordentlich Mores gelehrt bekommen, ihnen der Zahn gezogen wird, sie gehörten nicht dazu. Und zwar von Menschen, die ihr Metier nicht gewählt haben wie einen Kaffee to go bei Starbucks, sondern die ihm mit Haut und Haaren verpflichtet sind, die darin leben – und sterben. Die eigentliche Sympathiefigur von SAVAGES – und auch die interessanteste weil facettenreichste Figur – ist Elena „La Reina“, Witwe des ehemaligen Anführers des Baja-Kartells und zwangsläufig Erbin seines Imperiums. Sie füllt ihre Rolle mit Bravour aus, aber während das Leben von Ben, Chon und O. aussieht wie aus dem Reiseprospekt, hat sie es längst verlernt zu lachen oder gar ihren Reichtum zu genießen. Um sich in der Männerdomäne zu behaupten – einem Haifischbecken, in dem jeder lauernd den anderen umschwimmt –, hat sie sich von jedweder Emotion freigemacht und wartet so angespannt auf den Tag, an dem ihr ein Untergebener den Dolch ins Kreuz rammen wird.

SAVAGES würde ich spontan als Kreuzung aus Oliver Stones wildem NATURAL BORN KILLERS und der Fernsehserie WEEDS beschreiben: Von ersterem hat er die grell überzeichnete Gewalt, den sinnlichen Voice-over, die aufgeheizte Erotik und die jungen, attraktiven Protagonisten, die nicht bereit sind, sich anzupassen. Mit WEEDS, der Serie um eine Mittelklassen-Dealerin, deren anfängliches Nebengeschäft Marihuana-Handel sich bald zu einem Großunternehmen ausweitet und die darüber jeden Maßstab verliert, teilt er die Erkenntnis, dass es ein Irrglaube ist, man könne auf „saubere“ Art kriminell sein. SAVAGES ist nicht perfekt, Stone entwickelt seine Linie nicht so klar, wie er das zu seinen besten Zeiten tat. Hier und da wird der Film flach, scheint der Regisseur – der selbst eine bewegte Drogenvergangenheit hat – dem Oberflächenreiz zu verfallen, schleichen sich Szenen in den Film, die über das Klischee nicht hinauskommen. Die sich anbahnende, ungleiche Freundschaft zwischen Elena und ihrer Gefangenen O. ist zwar von zentraler Bedeutung für den Film, wirkt aber unangenehm didaktisch, nie wirklich echt. Das erzählerische Gimmick am Schluss, wenn das Finale zwei mal mit ganz unterschiedlichem Verlauf gezeigt wird, ist kaum mehr als ein leeres Spannungselement, lediglich dem Zweck geschuldet, den Zuschauer zu überraschen – was misslingt, weil es durch O.’s Voice-over-Zeile, sie könne zum Zeitpunkt der Narration bereits tot sein, bereits frühzeitig telegrafiert wird. Andererseits ist es gerade diese Uneinheitlichkeit, das Zerfahrene, nicht Stromlinienförmige, das mich für den Film eingenommen hat. Stone war früher einer meiner Lieblingsregisseure, weil er stets eine klare Botschaft hatte, die er mit Vehemenz verkündete. Irgendwann war es dann genau das, was mir den Spaß an seinen Filmen verdarb: das Pädagogische, Didaktische. SAVAGES hat auch eine klare Botschaft. Aber Stone verzettelt sich bei ihrer Verkündung ebenso in Widersprüchen wie seine beiden Protagonisten im „sauberen Drogenhandel“. Das mag auch Absicht gewesen sein: Der Begriff „Savage“ bezeichnet hier erst die grausamen Killer des Kartells, dann die selbstgerechten Jungdealer, am Ende schließlich einen Zustand vorzivilisatorischer Unschuld. It’s a mad world …