Mit ‘Terry Farrell’ getaggte Beiträge

Ich habe OFF THE MARK unter seinem Alternativtitel CRAZY LEGS gesehen, der gleichzeitig sowohl blöder als auch treffender ist. Es handelt sich um eine Low-Budget-Komödie, die wieder einmal dem damaligen Vorbild der Zucker-Abrahams-Zucker-Filme mit ihren hundert Gags pro Minute nacheifert, ohne jedoch zum einen deren Produktionsstandards noch zum anderen deren sophistication auch nur annähernd erreichen zu können. Was OFF THE MARK an humoristischem und filmischem Feinschliff fehlt, macht er aber mit viel Herz und einer über die 90 Minuten Spieldauer unweigerlich einnehmenden Unermüdlichkeit wett. Ich glaube, ich habe nicht einmal wirklich gelacht, dafür einige Male die Augen verdreht, aber dass ein Filmteam sich diesem Blödsinn über einen Zeitraum von mehreren Wochen voll und ganz verschrieben hat, nötigt mir dennoch den höchsten Respekt ab. OFF THE MARK ist auch nicht offensiv unwitzig oder ohne objektiven Wert: Er ist einfach nur extrem bescheuert.

Erzählerisch ist OFF THE MARK sogar einigermaßen ambitioniert: Er gibt sich die Form eines TV-Specials, das die Karriere dreier Triathleten nachzeichnet, immer wieder unterbrochen von zwei Waldorf-&-Stadler-artigen Kommentatoren, die sich im Verlauf des Films immer mehr in die Wolle kriegen. Die Hauptfiguren sind Howard Markel (Mark Neely), ein unter spastischen Anfällen (den titelgebenden „crazy legs“ eben) leidender Sportler, der zudem über ein unzähmbares, sich bisweilen in Tourette-artigen Schimpftiraden niederschlagendes Konkurrenzdenken verfügt, seit ein boshafter russischer Austauschschüler ihm einst den Lieblingshund wegnahm. Er verliebt sich in die Sportlerin Jenell (Terry Farrell), eine superattraktive Athletin, die allen Männern den Kopf verdreht, ihre Reize aber nicht wirklich einschätzen kann. Und der dritte im Bunde ist der schwarze James B. White (Clarence Gilyard jr.), der seinem Namen entsprechend ein Weißer in der Haut eines Schwarzen ist und erst durch ein bizarres Ritual zum „echten“ Schwarzen wird. Am Ende treten die drei Freunde gemeinsam gegen den fiesen Russen aus Howards Vergangenheit an, der – wie es sich für einen Russen gehört – ausschließlich die niedersten menschlichen Charakterzüge auf sich vereint.

Die erwähnte Schwarzen-Therapie ist der absurde Höhepunkt und auch gleichzeitig die beste Sequenz des Films: James wird über mehrere Tage in einer komplett weiß eingerichteten Wohnung eingesperrt. Er bekommt ausschließlich weißes Essen und weiße Kleidung. Wie weiß er ist, zeigt sich auch daran, dass ein auf Schwarze abgerichteter Kampfhund auf ihn nicht reagiert (eine herrliche Anspielung auf Fullers Meisterwerk WHITE DOG). Am Ende der Therapie ist James endlich mit dem swagger eines echten Schwarzen ausgestattet: Aber dafür muss er die Begegnung mit dem lieb gewonnenen Wauwau teuer bezahlen. Wirklich witzig fand ich auch die Anfälle Howards, die an eine verlängerte Version des „Silly Walks“-Sketches von Monty Python erinnern, was gewiss auch nicht die schlechteste Referenz ist. Ansonsten bezieht OFF THE MARK seinen Humor vor allem aus sight gags und der Strategie, Dinge wortwörtlich ins Bild zu übersetzen. Gleich zu Beginn bricht ein Journalist zusammen, weil die Passanten unentwegt mit dem Finger auf das „Press“-Schild an seinem Hut drücken. Als Jenell ihren Howard nach einem verlorenen Rennen mit den Worten „It’s not the end of the world“ tröstet, explodiert im Bildhintergrund eine Atombombe. Das Sixpacks des versoffenen Trainers enthält nicht etwa sechs Dosen Bier, sondern sechs Flaschen Jack Daniels. Und natürlich gibt es auch einen Gag auf Kosten des in diesem Rahmen obligatorischen Mannsweibs aus der DDR. Diese kleine Aufzählung vermittelt einen ganz guten Eindruck sowohl von der Bandbreite als auch vom Niveau des Films. Was sie nicht annähernd leistet, ist einen Eindruck von der schieren Menge an Gags zu ermöglichen, die hier im Sekundenrhythmus abgefeuert wird. Auch wenn die Quote nicht ganz so beeindruckend ausfällt: Ein bisschen schade ist es schon, dass sich heute niemand mehr traut, 90 Minuten lang einfach nur albern zu sein.

 

Als der schmierige Macho und Kunstsammler JP (Kevin Bernhard) die Säule erwirbt, in der der teuflische Cenobit Pinhead (Doug Bradley) im Vorgänger gebannt wurde, leitet er damit dessen Rückkehr ein. Die Fernsehreporterin Joey (Terry Farrell) wird in die Geschichte hineingezogen und scheint die einzige, die die Invasion der Höllenkreaturen aufhalten kann. In den Straßenschluchten Manhattans kommt es zur Auseinandersetzung …

HELLRAISER III stammt aus einer problematischen Phase des US-amerikanischen Horrorkinos: Er bildet einen der letzten Ausläufer des seriellen Achtzigerhorrors, dessen meist (halb)menschlichen Monster – Freddy Krueger, Michael Myers, Leatherface, Jason Voorhees – zu den eigentlichen Stars avanciert waren, die Vorzeichen des Horrorfilms auf den Kopf gestellt, ihn letztlich gar kastriert und seiner Existenzgrundlage beraubt hatten. Auch Pinhead, HELLRAISERs Hauptattraktion, war zu einer Ikone jener Tage geworden: „Merkwürdigerweise“ muss man hinzufügen, denn nicht nur war er in Clive Barkers Film und auch Tony Randels Fortsetzung HELLBOUND für echtes Stardom eigentlich viel zu selten im Bild (andererseits: rar macht sich beliebt), beide Filme stellten mit ihrer düsteren Thematik und ihrem Verzicht auf grellen Humor auch eine ausgesprochene Ausnahmeerscheinung im Horrorkino der späten Achtzigerjahre dar, waren alles andere als Date Movies, in die man die Angebetete zerrte, in der Hoffnung, sie würde einem ängstlich in die starken Arme sinken. Wahrscheinlich war es das kongeniale Design Pinheads, dass ihn für eine breitere Vermarktung prädestinierte: So wurde auch er also dem Mainstream einverleibt, fand sich als Spielzeugfigur im Regal gleich neben den Kollegen Freddy, Jason, Michael und Leatherface wieder, mit denen er doch eigentlich denkbar wenig gemein hatte. Die geschilderte Kluft zwischen dem Franchise-Anspruch der Produzenten und dem finsteren, beunruhigenden Kern der ersten beiden Filme war mit HELLRAISER III endgültig zugeschüttet worden. Pinhead war in genau jenem Horror-Mainstream angekommen, dem er zuvor nur nominell angehört hatte und der 1992 schon kurz vor dem Exitus stand: Sprücheklopfend zieht er als Lack-und-Leder-Freddy durch den Film, seine ursprünglich einmal sehr eindrucksvolle, mystische Erscheinung untergrabend. Spätestens, wenn er in einer Metaldisco etwas von „turn up the volume“ faselt, weiß man, woran man ist. (Man beachte auch, wie Metal- und Hardrocksongs den großartigen orchestralen Score von Christopher Young ersetzen.)

Vergessen sind Barkers beunruhigenden Exkurse in den Sadomasochismus, die an den deutschen Expressionismus erinnernden Bilder einer areligiösen Hölle. In HELLRAISER III regiert der vordergründige, schmerzlose Splatter, werden die Cenobiten – einst ebenso tragische wie furchteinflößende Gestalten – zu skurrilen Actionfiguren degradiert. Dem konfusen Plot zu folgen, macht wenig Sinn, geht es doch hier lediglich noch darum, ein paar saftige Effekte – die immerhin noch hübsch handgemacht sind – aneinanderzureihen. Während der deutlich kleiner budgetierte HELLBOUND durch geschickte Kameraarbeit und Lichtsetzung Bilder von geradezu wagnerianischer Epik zauberte, da verpufft das vollmundige Versprechen des Plakatmotivs, die Hölle auf Erden in Manhattan zu entfachen, angesichts steriler Studiosets und menschenleerer Seitenstraßen im Nichts (der Film wurde tatsäclich in North Carolina gedreht). Weil mit Anthony Hickox jemand hinter der Kamera stand, der wenn schon nicht visionär, so doch zumindest routiniert war, funktioniert HELLRAISER III als Popcorn-Horror immerhin noch ganz gut. Es gibt ein paar schöne Bilder, die ein oder andere Dialogzeile Pinheads will man sich immer noch auf ein T-Shirt drucken („Down the dark decades of your pain, this will seem like a memory of Heaven.“), die blasphemische Jesus-Interpretation Pinheads ist zwar vorhersehbar, aber trotzdem ein Höhepunkt. Es sollten noch deutlich ärgerlichere Horrorfilme in den folgenden Jahren kommen – einer davon ist HELLRAISER IV: BLOODLINES –, aber das ändert nichts daran, dass das Attribut, das am besten auf Hickox‘ Film passt, eigentlich den Genickbruch für jeden ambitionierten Horrorfilm bedeutet: HELLRAISER III: HELL ON EARTH ist nett.