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ZÄRTLICHE CHAOTEN II, der Film, den sich das deutsche Publikum selbst zuzuschreiben hat, weil es den Vorgänger zum Hit machte. In einem sehr, sehr unerwarteten Anflug von Ambition und Fantasie eröffnet der wieder von Gottschalk gescriptete Film in der Zukunft des Jahres 2043, wo Frank Nordmann (Thomas Gottschalk) von seinem Radio mit Nachrichten über die neueste Schönheitsoperation von Michael Jackson und den 75- Geburtstag von Boris Becker geweckt wird (man ahnt da schon, dass „Ambition und Fantasie“ dann doch nur in mikroskopischen Dosen vorhanden waren), sich dann per Fernbedienung einen Hamburger macht, das Bett zusammenfalten und von einem kegelförmigen Helm die Morgenhygiene besorgen lässt. Mit einem an einen Golfwagen erinnernden Gefährt begibt er sich an die Arbeit im Patentamt, wo ihm und seinem Kollegen Prielmayer (Helmut Fischer) der fiese Chef Dr. Kneitz (Georg Marischka) im Nacken setzt. Die neueste Erfindung eines nervtötenden Dauerkunden (Jochen Busse), eine Zeitmaschine, bringt Nordmann und Prielmayer auf eine Idee: Sie wollen nach Gran Canaria ins Jahr 1988 reisen, wo Kneitz einst gezeugt wurde, und seine Mutter am Beischlaf hindern. Weil die Zeitmaschine aber immer alle Menschen erfasst, die gerade anwesend sind, nehmen sie aus Versehen auch die Reinigungskraft Ronny (Michael Winslow) mit, der zur falschen Zeit den Raum betritt. Auf Gran Canaria angekommen, machen sie eine schöne Brünette (Deborah Shelton) als Kneitz‘ Mama aus, an die sich Nordmann sofort ranschmeißt. Der Plan scheint also voll aufzugehen, doch was die Zeitreisenden nicht wissen, ist dass ihnen eine Verwechslung unterlaufen ist: Am Ende ist ihr Chef ein Schwarzer, der Ronny wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Höhö.

Schon der erste Teil nutzte seine lieblos hingeklöppelte Geschichte nur als fadenscheiniges Alibi für mehr oder weniger zusammenhängende Sketche, die dummerweise selten lustig waren. Im zweiten Teil wird diese „Erfolgs“-Strategie beibehalten, mit dem Unterschied, dass nun auch die Prämisse komplett idiotisch ist. Die Freude über den Größenwahn, der nötig ist, um unter den gegebenen Vorzeichen tatsächlich eine Science-Fiction-Komödie zu machen, weicht schnell der Ernüchterung, wenn man merkt, dass andere Dinge wichtiger waren als wenigstens ein Hauch von visionärer Vorstellungsgabe. So beginnt der übliche haarsträubende, geisttötende Mumpitz bereits nach nur kurzer Exposition just in dem Moment, in dem die Protagonisten auf der Urlaubsinsel gelandet sind. Das Bedürfnis, sich der Epoche entsprechend zu kleiden, mündet in eine ausgedehnte Modenschau mit zum Erbrechen absurder Sommerkleidung, in der sich offenkundig nur Gottschalk wohlfühlte. Der Mann kann bekanntlich alles tragen und tut das ja auch. So läuft er dann während des restlichen Films rum wie ein gescheiterter Rhönradturner, der von der demenzkranken Mutter eingekleidet wird. Der Gipfel der Dreistigkeit ist, dass wir glauben sollen, er könne so tatsächlich die ziemlich leckere Deborah Shelton abgreifen, die ein paar Jahre zuvor noch in De Palmas BODY DOUBLE mitgewirkt hatte. Zu sehen, wie die selbstverliebte Supernase ihre in den Bikini gehüllten Gardemaße befingert, ist genug, um einem die Zornesröte ins Gesicht zu treiben. Ich bin mir sicher, dass bei Gottschalks hier zum Ausdruck kommenden Omnipotenzwahn noch nicht einmal Koks im Spiel war, was ihn noch unerträglicher macht, als er ohnehin schon ist. Und es ist bezeichnend, dass die US-Schauspielerin, sicherlich nicht die Größte ihres Fachs und wohl vor allem wegen ihres Aussehens bekannt geworden, ihre drei männlichen Kollegen in punkto Charme und Natürlichkeit nicht nur an, sondern gleich durch die Wand spielt. Die beste Szene des Films hat dann auch sie, gemeinsam mit einem gewohnt selbstironischen David Hasselhoff, was mir als Hauptdarsteller und Drehbuchautor zu denken gäbe. Winslow und Fischer machen sich auffallend rar und man möchte sie dazu beglückwünschen. Harald Leipnitz, dessen Urteilskraft ihn hier nach dem Vorgänger zum zweiten Mal im Stich ließ, hat dafür mein vollstes Mitleid, anders als die knapp eine Million verlorener Seelen, die sich vom Grauen des ersten Teils nicht hatten abschrecken lassen und auch für diese filmische Prostatauntersuchung ihre Karte an der Kinokasse lösten. Andererseits: Ich habe mir die DVD ja auch gekauft, ich dummes Schwein.

 

zaertliche_chaoten_dEine „romantische Komödie“, geschrieben von Thomas Gottschalk, das ist tatsächlich so krank und pervers, wie es sich anhört. Ricky (Thomas Gottschalk), Walker (Michael Winslow) und Schmidgruber (Helmut Fischer) fliegen vom Set des neuen Winnetou-Films – Hauptdarsteller: Pierre Brice, Regie: Harald Leipnitz –, wo sie als Old Shatterhand, Soundmann und Caterer versagt haben. Auf der Heimfahrt begegnen sie der Blondine Rosi (Dey Young), die völlig hilflos neben ihrem liegengebliebenen 2CV steht. Die drei sind sofort hin- und weggerissen von der dümmlich-netten Dame und machen ihr fortan den Hof, betrachten das gleichzeitige Buhlen als eine Art Wettbewerb, den sie vor ihr noch nicht einmal verheimlichen. Rosi schaltet mitnichten die Polizei ein, um sich die drei Stalker vom Leib zu halten, sondern findet ihr Verhalten offensichtlich ganz normal und sogar „süß“. Nach einer gemeinsam durchsoffenen Nacht, bei der die Freunde eine Art „Nichtangriffspakt“ abschließen, heuern sie im Schlosshotel am Wörthersee an, wo sie bald eine Nachricht von ihrer Holden bekommen: Sie ist schwanger und hat keine Ahnung, wer der Vater ist. Die Drei entscheiden, Rosi bis zur Entbindung gemeinsam zu unterstützen, dann soll der Schuldige für den „Vertragsbruch“ von den beiden anderen verdroschen werden. Doch bis dahin sind noch viele Hürden zu nehmen, weil unqualifizierte Vollhonks auf dem Arbeitsmarkt nicht gerade gefragt sind …

ZÄRTLICHE CHAOTEN ist, wie oben erwähnt, der (gleichermaßen spektakulär wie kläglich gescheiterte) Versuch einer leichten romantischen Komödie, der deutlich von dem französischen 85er-Erfolgsfilm TRES HOMMES ET UN COUFFIN inspiriert ist (dessen US-Remake THREE MAN AND A BABY im selben Jahr wie ZÄRTLICHE CHAOTEN in die deutschen Kinos kam). Dem traditionellen Rollenverständnis und dem Schmelz dieses Genres setzen Gottschalks analphabetisches Drehbuch und Gottliebs mechanistische Regie aber ein geradezu soziopathisches Liebesverständnis und puren Autismus entgegen, der die Sexfilme eines Jürgen Enz wie aufrichtige Sozialdokumentationen erscheinen lässt. Wie die drei Hauptfiguren vom Fleck weg ihr Herz an diese durch und durch langweilige Person verschenken, dann miteinander in einen offenen Wettbewerb um sie treten, bei dem die Auserwählte, überglücklich über die Zuneigung dreier verhaltensgestörter Komplettversager, auch noch mitspielt, ist schon befremdlich genug, aber die typischen LISA-Film-Beigaben setzen dem ganzen noch die Kotkrone auf. Mit dem „Umzug“ ins bekannte Schlosshotel beginnen die episodischen Zoten mit ihrem berückend simplizistischen Humor, den popkulturellen Referenzen – der damalige Bayern-Torwart Jean-Marie Pfaff ist Teil einer besonders blöden Slapstick-Nummer – und den wahllos hineingeworfenen Gimmicks. Der beste Wortwitz ist Gottschalks Kommentar zu einem alten Paar Turnschuhe, das er im neuen Quartier der Freunde findet: „Turnschuhe gebraucht, Marke: Gorgonzola“. Aber was will man auch von einem Film erwarten, der ein One-Trick-Pony wie Michael Winslow zu seinem „Star“ macht? Der Amerikaner hatte seine Masche 1987 bereits in vier POLICE ACADEMY-Filmen ausgereizt und darüber hinaus nicht viel zu bieten. Neben einem Antischauspieler wie Gottschalk sieht er freilich immer noch wie die schwarze Reinkarnation Robert DeNiros aus, aber das Lustigste an ZÄRTLICHE CHAOTEN ist eigentlich der indignierte Gesichtsausdruck von Helmut Fischer, der mit zunehmender Resignation vergeblich versucht, seine Würde zu bewahren.

Die finale Pointe schlägt dem Fass dann endgültig den Boden aus: Es stellt sich heraus, dass die brave Rosi in jener alkoholberauschten Nacht mit ihren drei Verehrern nicht etwa nur von einem, sondern gleich von allen dreien begattet wurde. Mit viel Goodwill könnte man das ja als Ja zu einem nicht-traditionellen Familienbild und zur polygamen Beziehung werten, aber damit täte man diesem Film, bei dem Harry Nilssons anästhesiertes Liebesbekenntnis „Without you“ in Dauerschleife rotiert, entschieden zu viel des Guten. Man weiß nicht, ob die Masterminds hinter dem Film schier zu blöd waren, um die eindeutige Implikation hinter ihrem genialen Plottwist zu bemerken, oder ob nicht doch eher Gottschalks eigenes höchst konservatives Rollenbild dahintersteckt: Für die Dreifach-Befruchtung einer betrunkenen Frau durch drei verschiedene (miteinander befreundete) Männer in einer Nacht hätten Rechtsanwälte sicherlich einen passenden strafrechtlich relevanten Begriff parat, der ironischerweise auch beschreibt, was ZÄRTLICHE CHAOTEN mit dem Zuschauer anstellt. Kein Wunder, dass das Offensichtliche nicht ausgesprochen wird, denn in Rosis dumpfer Dankbarkeit, Empfänger eines lupenreinen Gangbangs geworden zu sein, spiegelt sich ja auch die schafherdengleiche Blödheit des deutschen Publikums, das in Scharen ins Kino rannte und dafür sogar mit einer Fortsetzung belohnt wurde. ZÄRTLICHE CHAOTEN ist so vollkommen idiotisch und bescheuert, dass man ihn sich als Bewohner dieses Landes wenigstens einmal angesehen haben muss. Empfindsame Seelen sollten jedoch Abstand von der Sichtung nehmen oder sich dafür wenigstens qualifizierten Beistand suchen.

Die_Einsteiger_DVD_(de)-FrontThomas Groh nennt diesen Film gern „die deutsche Antwort auf VIDEODROME“ und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Nachdem die Supernasen Thommy und Mike in PIRATENSENDER POWERPLAY unter Siggi Götz‘ Regie noch die bevorstehende Privatisierung des Rundfunks antizipiert hatten, widmen sie sich nun der medientechnischen Revolution namens „Heimvideo“. Der Tüftler und Videofan Mike hat einen „Video-Integrator“ gebastelt, mit dessen Hilfe man sich direkt in einen Film seiner Wahl hineinbeamen kann, sofern man die dazugehörige Fernbedienung besitzt. Fortan vertreiben und sein Kumpel und Mitbewohner Thommy die Zeit, indem sie in Italowestern, Indiana-Jones-Filme, Polanskis TANZ DER VAMPIRE, ROCKY und andere Werke aus Mikes umfangreicher VHS-Sammlung „einsteigen“ und dort echte Abenteuer und Heldentaten erleben, die eine willkommene Abwechslung zu ihrem tristen Alltag sind. Natürlich bekommt ein japanischer Elektronikhersteller Wind von der Erfindung und versucht, das Gerät an sich zu bringen. Außerdem bahnt sich eine sanfte Liebesgeschichte zwischen Thommy und der schönen Linda (Anja Kruse) an, die ihren Ex-Gatten, den Firmenchef Kapellusch (Gerd Baltus), dazu bringen will ein Testament zugunsten des gemeinsamen Sohnes aufzusetzen. Aber die Handlung von DIE EINSTEIGER ist eigentlich nur mäßig interessant und raubt dem Film gerade in der zweiten Hälfte einiges von dem Drive, mit dem er aus den Startlöchern kommt und die Enttäuschung über den schwachen ZWEI NASEN TANKEN SUPER sofort vergessen macht. DIE EINSTEIGER ist ganz bei sich, wenn er Filmwelten rekonstruiert und von zwei deutschen Humorterroristen überfallen lässt: Da zeigt sich eine nicht von Ehrfurcht, sondern Partizipation geprägte Liebe für das Kino, die typisch ist für das Videozeitalter.

Interessant ist überdies, welches Verständnis von Film hier zugrundeliegt: Wer „einsteigt“, nimmt nicht als eine Art embedded viewer am Film teil, sondern tatsächlich als handelnder und im Stile des Films ausstaffierter Charakter. Im Italowestern sollen Mike und Thommy sogleich gehängt werden, im Indiana-Jones-Film teilen sie sich die Protagonistenrolle als ungleiches Duo, im Boxfilm steigt Mike in den Ring, während Thommy als Trainer außen vor bleibt, und im Südseeinsel-Setting verwandelt sich Mike einmal gar in einen Menschenaffen. Die anderen Handelnden merken nicht, dass da plötzlich neues Personal mitwirkt und das Drehbuch ändert, alle passen sich ganz selbstverständlich den neuen Gegebenheiten an. Firmenboss Kapellusch und Polizeikommissar Gierke (Werner Kreindl) beschließen bei Anblick des Inselidylls gar, ihr Leben in der Realität ganz aufzugeben und „im Film“ zu bleiben, und als die beiden Helden im Ringen mit den Vampiren um Graf Frackstein (Udo Kier) in Bedrängnis geraten, nimmt Thommy aus Versehen eine Vampirin statt Mike mit zurück. Das alles suggeriert, dass Film nichts Statisches ist, sondern eine ganze, mit vollwertigen Individuen bewohnte Welt enthält, deren Abmessungen weit über das hinausreichen, was Kamera und Regie einfangen. Der Fernsehschirm ist so gesehen nur das viel zitierte „Fenster“, durch das man nur einen kleinen Ausschnitt vom Ganzen erhaschen kann, der dann die Fantasie zum weiteren Ausschmücken und Weiterspinnen der Geschichten anregt. Der Demokratisierungsaspekt, der bereits in PIRATENSENDER POWERPLAY eine so wichtige Rolle spielte, kommt auch hier wieder zum Tragen: durch die einfache Existenz des Videorekorders, der seinen Besitzer – eine entsprechende Videosammlung vorausgesetzt – zum selbstbestimmten Programmdirektor macht, und dann, als nächste Evolutionsstufe, durch den Integrator, der die durch den Bildschirm gegebene physische Grenze durchlässig werden lässt. Letztlich ist Mikes Erfindung aber nur eine pointierte Übersteigerung des Segens, den die Erfindung des Videorekorders dem Filmfan brachte: sich 24 Stunden lang vom heimischen Sofa aus auf Traumreise durch seine Liebelingswelten zu begeben, ohne also das Haus verlassen und eine Kinokarte lösen zu müssen. DIE EINSTEIGER externalisiert, was sich sonst nur im Kopf des Filmsehers abspielt.

Gegenüber den vorangegangenen beiden Filmen, die unter der zweckmäßigen, aber auch biederen Regie von Dieter Pröttel entstanden waren, zeigt DIE EINSTEIGER seinem Sujet angemessen wieder mehr inszenatorisches Profil. Die Film-im-Film-Szenen sind den Vorbildern liebevoll nachempfunden und schön launisch, der Titelsong von Oliver Onions gibt dem ganzen den nötigen Schwung, kleine quirks, wie Jochen Busses wunderbar dadaistischer Gastauftritt, und außergewöhnliche Kameraeinstellungen verleihen Profil und sorgen dafür, dass DIE EINSTEIGER nicht allzu weit hinter seinen Referenzen zurückfällt. Die Albernheiten des Hauptdarstellerduos wurden zugunsten der Handlung deutlich zurückgefahren, was dem Film ebenfalls gut zu Gesicht steht. Das Ende ist gar eine handfeste Überraschung: Siggi Götz empfiehlt sich auf einmal als deutscher Giallo-Regisseur, wartet zu den atmosphärischen Klängen des goblinesken Soundtracks mit einer Bildfolge spannungssteigernder Detailaufnahmen auf und liefert eine Paraphrase zu Bavas REAZIONE A CATENA, die man in jedem Film erwartet hätte, aber gewiss nicht hier.

Noch vor Jahresfrist hatte mich DIE SUPERNASEN unerwarteterweise positiv überrascht. Die gestern erfolgte Neusichtung im Rahmen meiner kleinen Gottschalk/Krüger-Retro brachte keine wesentlichen neuen Erkenntnisse, sodass ich hier direkt zum Sequel übergehe, das ich damals wie so viele andere Bundesbürger im Kino sah. Es ist heute, wo man nur mit Schwierigkeiten eine brauchbare Abbildung des Filmplakats im Netz findet und die DVD-Veröffentlichung von einem Billiglabel mit selbstgebasteltem Cover besorgt wird, gar nicht so einfach, Menschen, die 1984 nicht selbst dabei waren, zu erklären, was für ein Ereignis dieser Film war. Der extremste Auswuchs des Supernasen-Hypes war sicherlich der Promo-Besuch der Hauptdarsteller beim „Aktuellen Sport-Studio“ im ZDF, wo sie zwar nix verloren hatten, das die im Film populär verwendeten Trikes aber trotzdem gern als fadenscheinigen Motorsport-Aufhänger benutzte, um vom erwarteten Erfolg des Films zu profitieren. Ich weiß noch, dass die beiden „Helden“ ihrem Image als glückliche Underdogs entsprechend erstaunlich gut beim Torwandschießen abschnitten, und die Trikes, eine genau genommen ziemlich idiotische Erfindung, weder Fisch noch Fleisch, für ein paar Tage der Traum jedes Jungen auf dem Grundschulhof waren, bis sie den Weg ins Vergessen antraten, wie ihre Kollegen Segway und Jetpack. Doch auch die Trikes konnten kaum darüber hinwegtäuschen, dass ZWEI NASEN TANKEN SUPER gemessen an den beiden Vorgängern eine Enttäuschung war, zudem Beleg dafür, dass weder das Autoren- und Hauptdarstellerteam noch Regisseur Pröttel noch die Geldgeber der LISA-Film verstanden hatten, was sowohl PIRATENSENDER POWERPLAY als auch DIE SUPERNASEN gegen jede Wahrscheinlichkeit hatte funktionieren lassen.

ZWEI NASEN TANKEN SUPER ersetzt die an einem dünnen roten Faden aufgereihten Gags, die Krüger und Gottschalk zuvor den losen Rahmen für ihre liebenswerten Taugenichtse gegeben hatten, nun gegen eine „echte“ Handlung: Der Raub zweier wertvoller Juwelen geht schief, die Gangster (András Fricsay & Achim Gunske) können die Klunker gerade noch in zwei Trikes verstecken, die Teil einer Motorausstellung sind. Durch Zufall gelangen ausgerechnet Thommy und Mike in den Besitz der Dreiräder und begeben sich ohne jede Vorahnung auf Deutschlandreise. Die Gauner heften sich an ihre Fersen und fordern die Herausgabe der Steine, die die beiden jedoch längst als Andenken an die Anhalterinnen Birgit (Simone Brahmann) und Farah (Sonya Tuchmann) verschenkt haben. Es gilt nun, die Mädels ausfindig zu machen und ihnen die Steine wieder abzunehmen. Zwar bietet auch diese Geschichte letztlich auch nur den recht beliebigen Anlass für Zoten, Kalauer und Slapstick-Einlagen, dennoch vermisste ich schon nach kurzer Zeit die Lockerheit und Unbekümmertheit, den mild-anarchischen Charme, der mich für PIRATENSENDER POWERPLAY und DIE SUPERNASEN so eingenommen hatte. Die Existenz einer Story bringt keinen Gewinn für Gottschlak und Krüger, schnürt sie im Gegenteil in ein Korsett und lässt ihre frappierenden Unzulänglichkeiten nur noch stärker hervortreten. Wirklich witzig ist ZWEI NASEN TANKEN SUPER nur selten und wenn, dann sind es eher kleine Beobachtungen oder Nebenepisoden, die für Lacher sorgen, etwa wenn der betrunkene Mike sich über ein paar Rocker empört: „Der hat ,Torte‘ zu meiner Ische gesagt!“ Dass die beiden nur deshalb in den Schlamassel geraten, weil Mike dringend pinkeln muss, ist im Grunde genommen der beste Einfall des Films, und diese Prämisse auszudehnen, hätte gewiss mehr hergegeben als die lahme Roadmovie-Handlung, die ohne jedes Gespür für Spannung, Bewegung und Körperlichkeit inszeniert wurde. Immerhin war schönes Wetter am Wörthersee.

Man merkt dem Film an, dass für die Beteiligten plötzlich etwas auf dem Spiel stand. Während sie vorher einfach irgendeinen Quatsch verzapfen konnten, knüpftn die Gags nun häufiger an irgendwelche zeitgenössischen Themen an, aber nicht, weil das besonders witzig wäre, sondern einfach, weil nichts besseres einfiel. Ein Anhalter, der nach Sarajewo will, wird von Krüger mit dem Erkennungsruf des Maskottchens der im selben Jahr in Sarajewo ausgtragenen Winterolympiade bedacht, und Jürgen von der Lippe darf sich in einem quälend unlustigen Gastauftritt als Kellner eines Burgerladen über ein berühmtes Fastfood-Restaurant lustig machen, für das Gottschalk seinerzeit warb. Der mit platinblonder Frisur und einem Silberohr ausgestattete Verbrecher soll wahrscheinlich an einen Bondschurken erinnern, die Marotte seines Chefs (Karl Spiehs), jede Äußerung mit der Phrase „Wenn ich x sage, dann meine ich auch x.“ abzuschließen, erinnert ein wenig an die Sprüche aus dem ein halbes Jahr zuvor sehr erfolgreich gelaufenen Hallervorden-Film DIDI – DER DOPPELGÄNGER. Überall wird ein bisschen was ausgeliehen und abgezweigt, Gottschalk darf einmal als Karateka auftreten und sich als Künstler über die doofen Intellektuellen lustig machen, die Bilder mit Dreiecken mögen, aber wirklich hängen bleibt nichts und so hat der fragwürdige Spaß nach 92 zähen Minuten ein Ende. Und es ist ja durchaus auch ein bisschen beruhigend, dass Nostalgie nicht alles schönfärben kann.

dmB9V70IdpdpqYsDUHCvls2OkPrPIRATENSENDER POWERPLAY war einer der ersten Filme, die meine Eltern in den frühen Achtzigerjahren auf Video ausliehen, durchaus auch, um mir einen langweiligen Abend zu verkürzen, und diese Tatsache sagt schon viel über das enorme Standing, das Krüger und Gottschalk und mit ihnen dieser Film damals genossen. Der Witzeerzähler aus Quickborn war zu jener Zeit wahrscheinlich noch der größere Star der beiden Hauptdarsteller und ein Tape eines seiner Liveauftritte lief im elterlichen Auto in der heavy rotation, sehr zu meinem anhaltenden Vergnügen. Natürlich liebte mein schätzungsweise fünf-, sechsjähriges Ich seinen Superhit „Der Nippel“, wie wahrscheinlich alle Jungs, die Mitte der Siebziger geboren worden waren. Gottschalk hatte seine ersten Fernsehauftritte zwar schon im Jahrzehnt zuvor absolviert, war aber in erster Linie noch als Radiopersönlichkeit bekannt. Der Aufstieg zu DER deutschen Fernsehpersönlichkeit begann ungefähr parallel zu diesem Film mit seinem ZDF-Engagement als Moderator von „Thommys Pop-Show“, dem dann die langlebige Talkshow „Na sowas!“ folgte. Kürger und Gottschalk spielen in Siggi Götz‘ Erfolgsfilm weniger „Rollen“, als dass sie die von ihnen auf der Bühne bzw. im Radio/TV etablierte Persona in einen Film hinübertrugen: „Mike“ ist demzufolge der etwas tolpatischige Witzbold mit dem Gesicht zum Reinschlagen, „Thommy“ der Sunnyboy mit dem Gespür für die heißesten Sounds aus den US of A und der jugendlichen Ansprache. Gerade letzteres sorgt heute für Heiterkeit: Gottschalk geriert sich bekanntermaßen immer noch gern als frecher, respektloser Sprücheklopfer, steht als mittlerweile 65-Jähriger jedoch keinesfalls mehr im Verdacht, den Finger am Puls der Zeit zu haben oder besonders cool zu sein, verkörpert als beinharter Rockist vielmehr einen rückwärtsgewandten und spießigen Geschmack (der sich freilich schon in der damals bereits hoffnungslos überkommenen Musikauswahl für PIRATENSENDER POWERPLAY mit Songs von Bands wie der J. Geils Band oder Little Feat entsprechend niederschlägt). Er ist ein Opa, der gern noch 20 wäre und so eher Fremdscham auslöst. Hier hingegen liegen ihm die Jugend und vor allem die feschen Mädels geradezu zu Füßen, lauschen gebannt seinen schmerzhaft unwitzigen Sprüchen und bewundern ihn als Trendsetter. Um PIRATENSENDER POWERPLAY wirklich zu mögen – und das tue ich – ist es unerlässlich, sich den historischen gesellschaftlichen Hintergrund, vor dem der Film entstand zu vergegenwärtigen.

Wie Thomas Groh in der letztjährigen, zu Siggi Götz‘ 70. Geburtstag erschienenen Ausgabe von Sigi Götz Entertainment schrieb, nimmt PIRATENSENDER POWERPLAY die Einführung der Privatsender in den mittleren Achtzigerjahren vorweg und darf als früher Beitrag zu einer bis heute anhaltenden Diskussion um die Berechtigung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und um seine nötige Verjüngung verstanden werden. Die beiden unangepassten Jungspunde Mike und Thommy erfreuen sich mit ihrem jeden Montag um 15 Uhr für genau eine Stunde illegal ausgestrahltem Programm nämlich immenser Beliebtheit bei der Jugend. Die von Thommy flapsig-flippig anmoderierten Hits aus Übersee, die von Mikes Kalauern unterhaltsam aufgelockert werden, bekommt man in dieser Konzentration sonst nirgendwo zu hören. Den Beamten des ÖR, vor allem dem Intendanten (Ralf Wolter), ist die Konkurrenz ein Dorn im Auge, weshalb Dr. Müller-Hammeldorf (Gunther Philipp) mitsamt des tölpeligen Polizei-Einsatzleiters Pluderer (Rainer Basedow) auf die Rundfunkpiraten angesetzt wird. Die bekommen just in dem Moment, da die Falle zuzuschnappen droht, unerwartete Hilfe von Mikes Schwester (Evelyn Hamann). Weil die Religionslehrerin erkennt, welches kommerzielle Potenzial im Projekt ihres Bruders steckt, investiert sie das ihr zur Verfügung stehende Kapital, kauft ein schickes Wohnmobil als schwierig zu ortenden Sendewagen und holt einige Werbepartner an Bord. Am Ende einer für den ÖR erfolglos verlaufenen Jagd zieht der Intendant die einzig richtige Konsequenz: Er integriert die „Feinde“ ins System und lässt sie ihr Programm unter dem Banner des staatlichen Rundfunks machen, eine Strategie, der sich ARD und ZDF auch heute noch bedienen, um den Anschluss an die Privatsender nicht gänzlich zu verlieren.

So schwer es heute auch fällt, Mike Krüger und Thomas Gottschalk als Repräsentanten der Gegenkultur zu akzeptieren, Siggi Götz meint das durchaus halbernst. Schon zu Beginn bezieht er eindeutig Position, wenn er die als durchweg dämlich und autoritätshörig diffamierten Polizisten erst eine mit lustigen Gaga-Transparenten wie „Weg mit den Alpen! Freie Sicht aufs Meer!“ sympathisch tapezierte Kommune, wenig später dann ein Bordell stürmen lässt, in der sich zu diesem Zeitpunkt rein zufällig auch Mike und Thommy aufhalten. Der Richter spuckt bei der folgenden Verhandlung Zeter und Mordio, weil er eine Beleidigung des amtierenden Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß durch die Angeklagten wittert, dabei sprechen die beiden arglosen jungen Männer doch nur über ihren gleichnamigen Hund. Im weiteren Verlauf ist es immer wieder die schreiende Inkompetenz, gepaart mit Übermotivation und Selbstgerechtheit, die Müller-Hammeldorf ins Hintertreffen bringt, ihn selbst in aussichtsreichster Position versagen oder den Wald vor läuter Bäumen übersehen lässt. Es ist ja nur logisch, dass Götz die Rollen der Staatsbeamten mit älteren Herren besetzt, aber es passt in doppelter Hinsicht, weil Ralf Wolter, Gunther Philipp oder Rainer Basedow auch eine andere Humorgeneration verkörpern. Gunther Philipp etwa stürzt sich mit der ihm eigenen Verve in die Schlacht und sein Müller-Hammeldorf entwickelt dabei einen solchen Feuereifer, dass er über sein wiederholtes Versagen gar in der Nervenheilanstalt landet. Dem ganzen Slapstick-Chaos, das er und seine Mitstreiter entfachen, stehen Krüger und Gottschalk mit der Gelassenheit des Niederlagen und Nackenschläge gewohnten Slackers (Krüger) und der pfiffigen Unverdrossenheit des von der Sonne geküssten Glückspilzes (Gottschalk) gegenüber. Sie müssen gar keinen allzu großen Einfallsreichtum aufbringen, um den Verfolgern immer wieder zu entkommen, schlüpfen mit größter Selbstverständlichkeit in die unterschiedlichsten Rollen, und können sich in ärgster Not immer darauf verlassen, dass ihre Gegner schlicht zu blöd sind.

PIRATENSENDER POWERPLAY entwickelt so nicht gerade Spannung, aber einen sehr ansteckenden Drive, der von der Ferienatmosphäre, die der Film ausstrahlt, noch befeuert wird. Es ist die ganze Zeit was los, trotzdem ist das sich einstellende Gefühl eines von Entspannung, von vollkommen sorgenfreiem Müßiggang. Nichts scheint da wirklich irgendeine echte Konsequenz nach sich zu ziehen. Die Lebenshaltung, die darin zum Ausdruck kommt, dieses gänzlich unbelastete Gottvertrauen darin, dass alles irgendwie gut ausgehen wird, dass Mike und Thommy am Ende des Tages immer noch Mike und Thommy sein und die Unwägbarkeiten des Lebens irgendwie meistern werden, ist durchaus erstaunlich, gerade für einen deutschen Film, und davon mal abgesehen, einfach schön. Gerade heute, wo nicht wenige Eltern den Karriereplan ihrer Kinde schon vor deren Geburt fest eingetütet haben, tut es gut, zwei Männern dabei zuzusehen, wie sie einfach nur machen, worauf sie Lust haben. Dass sie am Ende Fernsehkarriere machen, wird so mitgenommen, es wird nichts Wesentliches ändern, und wenn nichts daraus wird, ist es auch egal. Vielleicht ist das ja auch die versteckte Botschaft des wunderbaren Zirkelschlusses, mit dem PIRATENSENDER POWERPLAY aufhört: Thommy sagt im Fernsehen den ersten Film an, den er mit seinem Kumpel Mike gedreht habe, und es laufen die Anfangscredits für eben jenes Werk, das sich auf dem intradiegetischen Fernsehschirm seinem extradiegetischen Ende nähert. Wenn alle Stricke reißen, fängt man eben von vorn an.

DIE SUPERNASEN, der zweite gemeinsame Film des damaligen Radio- und Fernsehmoderators Thomas Gottschalk sowie des Komikers und Musikers Mike Krüger nach PIRATENSENDER POWERPLAY, war 1983 ein Superhit: Mit knapp 3 Millionen Zuschauern landete er als erfolgreichste deutsche Kinoproduktion auf Platz sechs der Jahrescharts, hinter Titeln wie FLASHDANCE, THE DAY AFTER, OCTOPUSSY, TOOTSIE und THE RETURN OF THE JEDI, der als Spitzenreiter nur etwa 1,5 Millionen mehr Menschen ins Kino lockte. Der Erfolg hielt noch eine Weile an, wenn auch mit kontinuierlich abnehmender Rendite: Ein Jahr später startete das Sequel ZWEI NASEN TANKEN SUPER, zog immer noch 2,5 Millionen Menschen (darunter auch mein damals achtjähriges Ich), landete damit aber immer noch in den Jahres-Top-Ten, 1985 folgte DIE EINSTEIGER, bevor GELD ODER LEBER 1986 das gemeinsame Schaffen des Duos beendete. Der friesische „Blödelbarde“ Otto Waalkes hatte die beiden Supernasen in der Gunst des Publikums abgelöst.

Auch wenn das für die einstige große Filmnation Deutschland massiv ernüchternd ist: DIE SUPERNASEN sowie das Duo Gottschalk/Krüger sind deutsche Filmgeschichte und waren für einige Jahre prägend für hiesige Popkultur und Humor. Natürlich zogen sie damals schon die Verachtung des Feuilletons auf sich und gelten deutschen Cineasten heute noch als Schmach. Es ist tatsächlich ungemein leicht, DIE SUPERNASEN zu hassen: Die Produktionsgesellschaft LISA-Film versorgte die Kinos verlässlich und anhaltend mit dem, was heute als „Unterschichtenfernsehen“ direkt nach Hause kommt, preisgünstig und anspruchslos heruntergekurbelter Dutzendware, gespickt mit tumbem Klamauk und Slapstick, garniert mit Stars aus „Funk und Fernsehen“, Sex-Sternchen, ihren Brüsten, Popschlagern für den schnellen Gebrauch und Postkartenansichten vom Wörthersee und anderen Mittelklasse-Urlaubsorten. Regie führte hier mit Dieter Pröttel ein Mann, der sicherlich nicht unter Kunstverdacht stand: Er hatte sein Handwerk beim Fernsehen gelernt, wo er vor allem als Regisseur diverser Unterhaltungssendungen in Erscheinung getreten war (zu seinen „eindrucksvollen“ Credits zählen unter anderem DIE RUDI CARRELL SHOW, DIE GLÜCKSSPIRALE, HÄTTEN SIE HEUT ZEIT FÜR MICH?, AM LAUFENDEN BAND, VERSTEHEN SIE SPASS? sowie EINS, ZWEI ODER DREI). Und dann die beiden Stars: Sicherlich talentiert auf ihrem jeweiligen Gebiet, standen sie dennoch nicht für geistige Höhenflüge, sondern für das gutbürgerliche Mittelmaß, das dem deutschen Emil vor der Glotze nur deshalb wie eine Offenbarung erschien, weil er selbst noch viel biederer war. Ein dünnes Drehbüchlein hält die Ansammlung zotiger Schoten notdürftig zusammen wie eine Sicherheitsnadel eine Windel und nach 90 Minuten weitestgehend sinnfreier Gags und der Simulation von Handlung ist dann halt wieder Schluss. So wurden damals Hits gemacht.

Umso erstaunlicher, dass mir dieser Unfug gestern ziemlich viel Freude gemacht hat. Was man DIE SUPERNASEN zugutehalten kann, wenn man denn möchte, ist seine Unbekümmertheit: Anstatt seine beiden Stars in ein hochgetuntes Konzept zu pressen, indem ihre Unzulänglichkeiten hoffnungslos zu Tage getreten wären, passt sich der Film ihrer Ungekünsteltheit an, bemüht, wie mein Mitgucker Frank gestern sagte, gegenüber anderen LISA-Filmen einen eher „naturalistischeren“ Ansatz (es wurde zum Beispiel nicht nachsynchronisiert). Krüger und Gottschalk verdankten ihren Erfolg ja nicht zuletzt der Tatsache, dass sie so durchschnittlich waren, inszenierten sich immer als „aus dem Volk“ kommend. (Gottschalk erlag dann irgendwann dem Glauben, eigentlich nach Hollywood und nach ganz oben zu gehören.) Es steckt ein gewisser anarchischer Charme in DIE SUPERNASEN und in der Anmaßung, diese beiden Knalltüten zu Helden in einem Film zu machen, und der ganze Film spielt mit dieser Idee der Anmaßung, indem er die beiden immer wieder vorgeben lässt, etwas zu sein, was sie ganz offensichtlich nicht sind. Das beginnt mit der Idee der beiden chronisch mittellosen Bummelstudenten (Krügers Studiengänge sind „Semantik und Gynäkologie“), sich als Privatdetektive mit Trenchcoat und Fedora zu verdingen und gipfelt dann in einem Auftritt Gottschalks als Scheich bei einem diplomatischen Treffen, eine Aufgabe, die er mithilfe seines arabischen Dolmetschers Krüger mit Bravour meistert. Krüger ist eindeutig der bessere Schauspieler der beiden und berufsbedingt auch der bessere Komiker: Wenn er einen berlinernden preußischen Gentleman alter Schule gibt, dann ist das auch ohne zwei zugekniffene Augen komisch. Andere Witze wie jener um den Handlungsort „Bad Spänzer“ sind so hoffnungslos infantil, dass man gar nicht anders kann als zu lachen. Der Grat, auf dem DIE SUPERNASEN wandelt, ist immens schmal, aber irgendwie gelingt der Tanz auf der Klinge, bleibt der Film auf eine Art und Weise bescheuert, die für ihn arbeitet (beim Sequel funktionierte das dann schon nicht mehr so gut). So muss ich durchaus mit zumindest einem weinenden Auge konstatieren, dass mit dem späteren Niedergang dieser Art der Gaga-Komödie, die den deutschen Film von den Siebzigern bis ca. Mitte der Achtziger bestimmte, auch ein Stück Trivialkunst verloren gegangen ist.