Mit ‘Thriller’ getaggte Beiträge

Ein Jahrhundertfilm. Absolute inszenatorische und dramaturgische Perfektion, dabei aber niemals glattgebügelt, steril und leblos, sondern roh, voller Power und Elektrizität. Das ist ASSAULT ON PRECINCT 13: Ein Film, nach dem sich John Carpenter auch gut und gern hätte zur Ruhe setzen können, denn alles, was sein Werk ausmacht, ist hier, in seinem zweiten Spielfilm, bereits in seiner reinsten Form enthalten. Wer beim Einsetzen des minimalistisch-treibenden Scores nicht schon mit zitternden Beinen, vibrierendem Herzen und aufgestellten Nackenhaaren auf der äußersten Stuhlkante sitzt, ist wahrscheinlich schon tot. Danach wird man nur immer tiefer ins Geschehen gezogen, vom Meistererzähler Carpenter langsam und sachte verführt, bis es irgendwann zu spät ist und einem nichts anderes mehr bleibt, als die Schweißpfütze zu seinen Füßen zu registrieren. Und das Beste: Dieser Gnadenhammer ist nicht nur von einer nahezu unerträglichen Dichte und nervenzerfetzenden Spannung, er offenbart auch nach der xten Betrachtung immer noch neue Details, Dimensionen und Aspekte. ASSAULT ON PRECINCT 13 pulsiert. Es ist ein Film, der einen abhängig machen kann, der einen das Medium mit neuen Augen sehen und verstehen lässt, ein Abschluss und ein Anfang: Rund 80 Jahre amerikanischer Filmgeschichte kulminieren in diesem Werk, der gewissermaßen Tabula rasa macht, um aus der Asche etwas Neues entstehen zu lassen. Ist das hier vielleicht gar der wichtigste Film seines Jahrzehnts?

Es ist ein Allgemeinplatz, dass Carpenter ein glühender Verehrer von Howard Hawks war, dessen spätem Meilenstein namens RIO BRAVO er mit dieser Neuinterpretation seine Referenz erwies. Wie Hawks in seinem Western von einem Belagerungszustand erzählt – drei Freunde, einer davon Sheriff einer Kleinstadt, die unter der Knute eines verbrecherischen Großgrundbesitzers zittert, müssen sich im Sheriffbüro gegen die sich außen versammelnde Übermacht der Ganoven verteidigen –, so verlegt Carpenter dieses Szenario in einen von Bandenkämpfen zerrissenen Stadtteil von Los Angeles. Er rührt damit wieder an die Ursprünge des amerikanischen Kinos, die Western eines D. W. Griffith oder John Ford, die im Wesentlichen von den Geburtswehen der Nation erzählten, die aus einem beständigen Ringen der Moderne mit der Vergangenheit, der Einwanderer mit den Ureinwohnern hervorging. (Mein lieber Freund Marcos hat mir zuletzt viel über das sogenannte Blockhüttenmotiv erzählt und weil das noch an anderer Stelle zur Sprache kommen wird, belasse ich es hier bei der Erwähnung.) Das Polizeirevier im fiktiven Stadtteil Anderson wird geschlossen. Nur noch eine Handvoll Angestellte sind dort mit der Abwicklung beschäftigt, der Afroamerikaner Ethan Bishop (Austin Stoker) übernimmt an seinem ersten Tag als Lieutenant die Aufsicht. In der Vornacht waren mehrere Gangmitglieder von der Polizei erschossen worden, das Viertel liegt am Boden, marodierende Jugendgangs haben die Kontrolle übernommen, die Zivilisation überlässt Anderson sich selbst und dem drohenden Verfall. Als die vier Warlords einer Gang namens „Street Thunder“ bei einem ihrer Streifzüge ein kleines Mädchen erschießen, der Vater Selbstjustiz übt und sich anschließend in das leerstehende Polizeirevier flieht, kommt es zu einem verzweifelten Kampf.

Schon früh arbeitet Carpenter die Unterschiede zwischen den Konfliktparteien heraus: Gesichtslose Polizeibeamte (man sieht nur ihre Arme) schießen mit schweren Gewehren auf die hilflos unter ihnen durch einen Gang laufenden Gangmitglieder. Der Schwerverbrecher Napoleon Wilson (Darwin Joston), der in ein anderes Gefängnis verlegt werden soll, erfährt institutionalisierte Gewalt und Demütigung durch seine Bewacher. Die Warlords hingegen – vier verschiedenen „Rassen“ zugehörig – schlitzen sich in einem archaischen Ritual die Arme auf, um Rache für ihre gefallenen Brüder zu schwören und suchen sich ihre Opfer danach per Zufallsprinzip aus. Am Schluss markieren sie das Polizeirevier mit einer Flagge. (Der Vater, der den Mörder seiner Tochter erschießt, verkörpert eine weitere Form der Gewalt, nämlich die „heiße“, emotionale). Anderson, das Revier der Gangs, ist die Wildnis, das Feindesland hinter der durch Pioniere nach Westen verschobenen Frontier: Hier herrschen andere Gesetze, gegen die der Rechtsstaat, verkörpert durch Bishop und das zurückgelassene Polizeipräsidium, noch nichts oder nichts mehr ausrichten kann. Selbst ein mehrfacher Mörder wie Wilson steht dem Cop im Kampf gegen die heranstürmenden, gesichtslosen Gangmitglieder näher als diesen. Carpenter ist aber nicht an einer soziologischen Bestandsaufnahme interessiert, die Gangmitglieder bleiben Chiffren, sagen – soweit ich mich erinnere – den ganzen Film über kein Wort, die Hintergründe für den Verfall Andersons werden nicht weiter beleuchtet. Gerade das verleiht dem Film seine Allgemeingültigkeit, seine immense Kraft und sein Schockpotenzial. Der lautlos durch die Straßen gleitende Wagen der Warlords, der aus dem Fenster herausragende Gewehrlauf, mit dem wahllos auf Passanten gezielt wird, wird zum Bild für die Irrationalität des Bösen, für das Ankommen der Menschheit am absoluten Nullpunkt. Nicht mehr das Mitgefühl hindert den Schützen am Drücken des Abzugs, nur noch Gleichgültigkeit lässt ihn von sinnlosen Mord absehen. Die Welt von ASSAULT ON PRECINCT 13 steht kurz vor der Implosion, das macht Carpenter in jeder Sekunde seines Films, in jedem Bild, mit jedem Pulsschlag seines minimalistischen Scores deutlich. (Mit HALLOWEEN und THE FOG „metaphysikalisiert“ Carpenter dieses Thema: Die lautlosen Schüsse, die in ASSAULT ON PRECINCT 13 Scheiben zerplatzen und Papierhaufen wie von Geisterhand emporfliegen lassen, erinnern an die immaterielle Allgegenwart des Bösen, die auch der geisterhafte Michael Myers und der todbringende Nebel verkörpern.)

ASSAULT ON PRECINCT 13 ist ein Meisterstück in Sachen Erzählökonomie, Spannungs- und Druckaufbau, ein Film, der einem von Sekunde zu Sekunde ein Stück weiter die Luft abschnürt, mit zunehmender Last auf den Brustkorb drückt, die Körpertemperatur erst langsam absenkt, um sie dann schlagartig in fiebrige Höhen zu treiben. Aber es ist nicht nur ein Stimmungsfilm: Der Rapport zwischen Ethan Bishop und Napoleon Wilson, zwei Seelenverwandten, die das Schicksal auf sich diametral gegenüberliegende Seiten des Spektrums verschlagen hat, verleiht ihm ein großes Herz. Überhaupt dieser Wilson: Neben Snake Plisske vielleicht die tollste Figur, die Carpenter sich in seiner Laufbahn ausgedacht hat. Nicht nur wegen ihm ist man fast ein wenig traurig, wenn die Albtraumnacht von ASSAULT ON PRECINCT 13 ein Ende findet.

“The road to hell is paved with good intentions”, wusste der irische Dramatiker George Bernard Shaw. 1950 gestorben, blieb ihm die Gelegenheit, die Richtigkeit seines berühmten Aphorismus anhand von Terence Youngs wahrhaft unfasslichem THE KLANSMAN erneut bestätigt zu sehen, leider – oder auch: zum Glück – verwehrt. Der Film ist eines jener Werke, die zwar nominell der Sphäre des studiofinanzierten Mainstreams zuzurechnen – die stargespickte Besetzung spricht eine deutliche Sprache, selbst wenn man einräumt, dass Burton und Marvin Mitte der Siebziger hinsichtlich ihrer Berühmt- und Beliebtheit nicht mit Redford, Newman und McQueen mithalten konnten –, aber eigentlich eher in der stinkenden Kloake des für die Bahnhofs- und Pornokinos produzierten Schmuddelfilms zu Hause sind. Filme wie THE KLANSMAN waren früher schon selten, heute, 40 Jahre später, wo kein Film mehr das Licht der Multiplexe erblickt, bevor nicht eine 400-seitige Zielgruppenanalyse erstellt wurde, sind sie vollkommen undenkbar – und deshalb umso wertvoller. Auch weil die Geschichte die Erinnerung an sie beharrlich zu verdrängen versucht: Die beste DVD-Veröffentlichung von THE KLANSMAN stammt aus Deutschland, präsentiert den Film unter dem erfundenen Titel VERDAMMT & VERFLUCHT (deutscher Originaltitel damals was VERFLUCHT SIND SIE ALLE) mit krisseligem, des Mediums eigentlich unwürdigem Bild und ohne den O-Ton, dafür aber mit der räudigen deutschen Synchro. Es steht zu vermuten, dass eine Deluxe-Blu-ray-Edition von Youngs Ku-Klux-Klan-Thriller genauso unwahrscheinlich ist wie eine Criterion-Edition der Filme von PM Entertainment. Aber der Reihe nach.

THE KLANSMAN spielt in einer Kleinstadt in Alabama, die fest in der Hand des Klans und darüber hinaus in Kürze Schauplatz einer Demonstration für die Wahlrechte der Afroamerikaner ist. Die Aussicht, das die “Nigger” dieselben Rechte wie die überlegenen Weißen genießen sollen, versetzt die Herrenmenschen in Aufruhr, und Sheriff Track Bascomb (Lee Marvin) hat alle Hände voll damit zu tun, die Gemüter zu beruhigen. Das ist alles andere als leicht, da sein Freund Breck Stancill (Richard Burton) immer wieder Öl ins eh schon lodernde Feuer gießt. Sein Großvater wurde einst von Rassisten aufgeknüpft und dass er Schwarzen auf seinem Grundstück kostenlose Unterkunft gewährt und keinen Hehl aus seiner Verachtung für die Klanmitglieder macht, ist den Menschen im Ort ein Dorn im Auge. Als Nancy Poteet (Linda Evans), die Gattin eines “Kluxers” angeblich von einem Schwarzen vergewaltigt wird, kocht die Stimmung endgültig über und es firmiert sich ein Mob, der einen Afroamerikaner als Sündenbock ausmacht und skrupellos umbringt. Der Mord wird beobachtet von Garth (O. J. Simpson), der Rache schwört und beginnt, die Mörder einen nach dem anderen auszuschalten …

THE KLANSMAN begibt sich von Beginn an in eine überaus undankbare Position, weil er gewissermaßen die Innenperspektive des südstaatlichen Rassismus einnimmt. Der Ausgleich, den beispielsweise ein Film wie Alan Parkers MISSISSIPPI BURNING in Form der Beamten implementiert, fehlt in Youngs Film fast völlig. Sheriff Bascomb hat mit dem Klan zwar nichts zu tun, aber in erster Linie ist ihm am Frieden in der Stadt gelegen. Und der ist nun einmal leichter zu sichern, wenn er den Rassisten nachgibt. Stancill nimmt eine dezidiertere Haltung ein, aber die führt eher dazu, dass er sich aus dem Alltagsleben in der Stadt heraushält und sich auf seinen Hügel zurückzieht. Als Zuschauer bekommt man sehr schnell den Eindruck, dass alles sehr viel leichter wäre, wenn es keine Schwarzen gebe. Oder wenn sie sich wenigstens fügen würden. Der Klan-Vorsitzende, Bürgermeister Riddle (David Huddleston), ist dann auch nicht etwa ein hasssprühender Rassist, vielmehr argumentiert er mit der kühlen Ratio des Unternehmers, warum es besser für die Wirtschaft ist, die “Nigger” kleinzuhalten. Im ganzen Film gibt es nicht einen Menschen, der Klartext redet, der von der humanistischen Notwendigkeit einer Gleichstellung von Schwarz und Weiß überzeugt ist, der das etablierte System als falsch, verkommen, verbrecherisch und unmenschlich bezeichnet. Sie alle sind mit der Rassentrennung aufgewachsen, haben sie verinnerlicht, können nicht über sie hinausdenken. Auch die Studenten, die für die Demonstration in das Städtchen kommen, sehen sich ständigen Diffamierungen ausgesetzt, die der Film beinahe zu teilen scheint, weil er ihnen nie wirklich eine Stimme gibt. Das Bild, das THE KLANSMAN zeichnet, entspricht sehr wahrscheinlich der Realität im Süden der USA in den Siebzigerjahren, aber für einen Unterhaltungsfilm, der THE KLANSMAN ohne Frage ist, ist das verheerend. Der Rassenhass verkommt hier zum “aufregenden” Setting für Action und Thrill, Sex und Gewalt.

Die Unmenschlichkeit, der Hass und die maßlose Dummheit, mit der der Zuschauer hier 105 Minuten lang konfrontiert wird, ist nur schwer zu ertragen. Am Anfang verlustiert sich ein Pulk weißer Männer am Kampf einer kleingewachsenen Schwarzen gegen einen riesenhaften, schwachsinnigen Mann, dem sie Geld dafür gegeben haben, die Frau zu überwältigen. Die vergewaltigte Nancy wird von der empörten Menge inklusive des Pfarrers aufgefordert, den Gottesdienst zu verlassen, da sie durch die Berührung eines Schwarzen “verunreinigt” sei. Ihr Mann verlässt sie nach nur wenigen Tagen, weil er den Gedanken, ein Schwarzer habe sie angefasst, nicht mehr erträgt. Presseleute machen der Polizeibeamtin Trixie (Luciana Paluzzi), Bascoms Lebensgefährtin, ungehemmt eindeutige und ziemlich unflätige Angebote, die sie einfach so mit einem Lächeln hinnimmt. Und am allerschlimmsten: Als die Afroamerikanerin Loretta (Lola Falana) von Klanmitgliedern vergewaltigt wird, bringt Sheriff Bascomb – der Held des Films! – sie nur unter der Bedingung ins Krankenhaus, dass sie aussagt, sie sei von einem Schwarzen überfallen worden. Die deutsche Synchro macht alles nur noch schlimmer. Mit beinahe sadistischer Freude werden da immer neue rassistische und sexistische Verunglimpfungen erdacht und mit Inbrunst ausgespuckt. Man möchte sich nach der Betrachtung am liebsten von aller Schuld, die man auf sich genommen hat, reinwaschen. Es bleibt ein einziges Rätsel wie irgendjemand der an diesem Film Beteiligten meinen konnte, THE KLANSMAN sei eine gute Idee. Und dass mit William Alexander gar ein afroamerikanischer Geldgeber hinter dem Projekt stand, ist völlig unerklärlich

Richard Burton, der zu diesem Zeitpunkt seines Lebens täglich ca. drei Flaschen Wodka in sich hineinschüttete und kurz vor dem Exitus stand, war bei den Dreharbeiten in körperlich extrem schlechter Verfassung, erkrankte an Grippe und akuter Bronchitis, und musste überwiegend sitzend oder liegend gefilmt werden. Die Szene, in der er Cameron Mitchell verprügelt, war für ihn dann auch sichtlich schmerzhafter als für Mitchell. Nach seiner letzten Szene wurde der zunehmend stärker abbauende Waliser auf Geheiß von Regisseur Young sofort ins nächste Krankenhaus gebracht, wo es hieß, der Filmemacher habe ihm damit das Leben gerettet. Eine Anekdote besagt außerdem, dass Young seinen Make-up-Artist für dessen Job in Burtons Sterbeszene besonders gelobt habe. Dessen verdutzte Antwort war nur: “Ich habe doch gar nichts gemacht.” Vielleicht hat sich Burton auch für THE KLANSMAN geschämt.

 

JUGGERNAUT

JUGGERNAUT beweist wieder einmal, dass es den richtigen Regisseur am falschen Ort gibt. Richard Lester drückt der Bombenentschärfungs-Geschichte seinen ureigenen Stempel auf, ringt ihr in den vermeintlich unspektakulärsten Szenen die stärksten Momente ab und hält das Tempo immens hoch. Für Formalästheten ist JUGGERNAUT ein Fest: Wie Lester die Kamera schweifen lässt, wie er Bild und Ton kontrastiert, wie er eine Collage aus unterschiedlichsten Eindrücken kompiliert und so den Eindruck eines geschlossenen Mikrokosmos erzeugt, ist beeindruckend – und typisch für den Stil eines Regisseurs, dessen Leistungen heute leider etwas in Vergessenheit geraten sind.

JUGGERNAUT ist ein sehr lebendiger Film, dessen große Stärke das Auge für die kleinen Details ist. Die stille Angst an Bord des Schiffes fängt er sehr gut ein und überhaupt wirkt er in seiner Zeichnung der Figuren eher offbeat. Omar Sharifs Captain Alex Brunel ist ein stiller, in sich gekehrter Mann, der sich bis zum Ende nicht zu seiner Geliebten (Shirley Knight) bekennen mag. Als er die Passagiere über die drohende Gefahr aufklärt, tut er das mit einem versteinerten Grinsen, das seine Hilflosigkeit nicht verbergen kann. Der innere Konflikt von Reedereivorstand Nicholas Porter (Ian Holm), der geneigt ist, der Forderung des Erpressers nachzugeben, um Menschenleben zu retten, aber von einem Regierungsbeamten unter Druck gesetzt wird, ist in dieser hier gezeigten Subtilität ebenfalls ungewöhnlich. Die überlebensgroßen Klischeefiguren, die solche Filme für gewöhnlich bevölkern, sucht man vergebens. Das schönste Beispiel dafür ist der für die Bordunterhaltung verantwortliche Social Director Curtain (Roy Kinnear), ein dicker, freundlicher, etwas unsicher und schüchterner Herr, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, nach dem Vorbild des Hofnarren auch in Zeiten der Unruhe für gute Stimmung zu sorgen, und nun bemerkt, dass er dazu selbst zu verängstigt ist. Seine einsamen Bemühungen, mit albernen Tanz- und Gesangsnummern die Angst zu vertreiben, sind der vielleicht rührendste Moment des Films, der, der am meisten in Erinnerung bleibt.

Das ist aber auch ein bisschen das Problem von JUGGERNAUT, in dem es ja eigentlich um die Entschärfung mehrerer Bomben an Bord eines mit 1.200 Menschen vollbesetzten Luxusliners geht. Die nominelle Hauptfigur, Bombenexperte Anthony Fallon (Richard Harris), bleibt eine Chiffre, ein Mann über den wir fast nichts erfahren, außer, dass er sehr gut in seinem Job ist und gerne mal einen trinkt. Dasselbe gilt für seinen Partner und Freund Charlie Braddock (David Hemmings), dessen Tod kaum Spuren hinterlässt, weil man ihn nie wirklich kennenlernt. Das Finale ist dann auch eher “aus Gewohnheit” spannend: Man hat das Gefühl, dass sich Lester für den Thrilleranteil seiner Geschichte nicht so wirklich interessierte. Das ändert nichts daran, dass JUGGERNAUT sehr sehenswert und auch originell ist, aber als Katastrophenfilm vermarktet auch irgendwie ein Wolf im Schafspelz – oder eher ein Schaf im Wolfspelz

the-eagle-has-landed-movie-poster-1977-1020195891John Sturges letzter Film – er zog sich danach aus dem Filmgeschäft zurück, was er schon nach seiner Erfahrung mit LE MANS in Erwägung gezogen hatte – ist eine kleine Kuriosität, weil er über weite Strecken die Nazis und damit die eigentlichen Schurken in den Mittelpunkt seiner Handlung rückt. Ausgerechnet der für Filmseher meiner Generation wie kein anderer “den Briten” verkörpernde Michael Caine spielt den Oberst Steiner, der den wahnwitzigen Auftrag erhält, Winston Churchill zu entführen. Um das für den Zuschauer etwas goutierbarer zu machen, wird Steiner aber natürlich als “guter” Nazi dargestellt: Als er mit seinem Fallschirmspringer-Battalion die Deportation von Juden durch die SS beobachtet, versucht er ein junges Mädchen zu retten, legt sich daraufhin mit dem Befehlshaber an und wird schließlich vor dem Kriegsgericht degradiert. Geradezu ikonische Nazi-Darstellungen legen Robert Duvall als Oberst Radl mit Augenklappe und lederbehandschuhter Prothesenhand und Donald Pleasence als grienender Himmler hin: Viel besser geht es eigentlich nicht, zumal auch Donald Sutherland als verräterischer IRA-Terrorist Devlin eine Glanzleistung abliefert und auch die Nebenrollen perfekt besetzt sind.

Die Plotentwicklung ist gleichermaßen raffiniert: Hitler hat sich – inspiriert von der gelungenen Befreiung Mussolinis – in einer seiner Launen in den Kopf gesetzt, Churchill zu kidnappen, um die Alliierten zu Friedensverhandlungen zu zwingen und dem verlorenen Krieg noch einmal eine entscheidende Wendung zu geben. Admiral Canaris (Anthony Quayle) hält die ganze Idee für vollkommen irrsinnig und beauftragt nun Radl damit, eine Machbarkeitsanalyse zu erstellen, die aber zu einem negativen Ergebnis kommen soll. Wie es der Zufall will, hat der deutsche Geheimdienst just zu diesem Zeitpunkt erfahren, dass Churchill in kurzer Zeit ein Wochenende in einem kleinen Dorf einer wenig bevölkerten Küstenregion verbringen wolle. Plötzlich scheint die Entführung gar nicht mehr unmöglich. Zum Entsetzen von Canaris wird die Mission eingeleitet und das Schicksal nimmt seinen Lauf …

Von der Jung’schen “Synchronizität der Ereignisse” spricht Radl einmal, damit Bezug nehmend auf die Koinzidenz von Hitlers Idee und der Nachricht über Churchills Urlaub, die schicksalhaft zusammentreffen. Radl ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass diese Synchronizität nicht immer nur zum eigenen Vorteil gereicht. Und so sind es letzten Endes vor allem kleine Zufälle und menschliches Versagen, die zum Scheitern einer Mission führen, die eigentlich große Erfolgschancen hatte. Devlin verliebt sich in Molly (Jenny Agutter), ein einheimisches Mädchen, der Wunsch der Fallschirmjäger, deutsche Uniformen unter ihrer Tarnung zu tragen (damit sie nicht als Spione angesehen und hingerichtet werden), führt zu ihrer Entdeckung, der wenige Meilen entfernt stationierte amerikanische Colonel Pitts (Larry Hagman) brennt geradezu darauf, in die Kriegshandlungen eingreifen zu können, weil er bereits die Abberufung erhalten hat. So werden die Deutschen besiegt, noch bevor Churchill überhaupt an seinem Ziel eingetroffen ist.

Zunächst fand ich diesen Ausgang der Geschichte etwas enttäuschend, aber wenn ich jetzt so darüber nachdenke, ist es genau das, was THE EAGLE HAS LANDED sein Alleinstellungsmerkmal verleiht. Der Krieg ist bei Sturges eben nicht das von hinten bis vorn planbare Schachspiel, sondern ein ungeordnetes Zusammentreffen unterschiedlichster Menschen, Beweggründe, Emotionen und Motivationen. Nichts kommt in THE EAGLE HAS LANDED so, wie es der Zuschauer oder die Protagonisten erwartet haben. Ein schöner Film und ein mehr als würdiger Ausklang für eine bemerkenswerte Regielaufbahn.

Die Karriere des als “Carlos” berühmt gewordenen Terroristen Ilich Ramírez Sánchez zeichnet Olivier Assays in seiner für das Fernsehen gedrehten, rund 5 1/2-stündigen Miniserie nach. Wie eine Schrifttafel zu Beginn verkündet, erhebt er dennoch keinen Anspruch auf “Wahrhaftigkeit”: Zu viele Lücken gebe es in Carlos’ Lebenslauf, zu viel bleibe der Spekulation überlassen. Dennoch gewährleistet allein die epische Laufzeit, dass hier gegenüber “normale” Spielfilmen noch kleinste Details mit äußerster Akribie und Genauigkeit behandelt werden. Der Einblick, den Assayas dem Zuschauer gewährt, ist dann auch gleichermaßen faszinierend wie erschreckend, gerade weil das Milieu, in dem der Film spielt, sich heute kaum noch begreifen lässt.

Da verschreiben sich gewöhnliche Studenten einem bewaffneten antiimperialistischen Kampf, lassen sich im Nahen Osten an der Waffe ausbilden, transportieren Waffen und Handgranaten mit dem VW-Bus durch das Land, verschaffen sich schwerst bewaffnet Zutritt in Gebäude, in die man heute nicht einmal mehr einen Teelöffel schmuggeln könnte, und knüpfen Kontakte zu Regierungschefs, Geheimdiensten und Militärs. Dieses arrogante Selbstverständnis, die explosive Mischung aus hoher Bildung bei minimaler Fähigkeit zur Selbstreflexion und gleichzeitig haarsträubender Naivität hat in den Siebzigerjahren tatsächlich skrupellose Mörder hervorgebracht, wie CARLOS eindrucksvoll zeigt. Dabei zeichnet sich doch schon früh ab, dass der “Sieg”, den Carlos da für die “Unterdrückten” erringen möchte, eine Utopie ist, der Weg, wie er errungen werden soll eine Sackgasse, die Verbündeten, von denen man sich einspannen lässt, keinen Deut besser als die, gegen die man eigentlich zu kämpfen meint. Am Ende geht es doch nur ums Geld, um das Gefühl von Macht (das eine Illusion ist), um Materialismus. Vom Revoluzzer mit Che-Barrett verwandelt sich Carlos in den verfetteten Mercedes-Fahrer und Familienvater, der seine Gattin mit Prostituierten und jungen Mädchen hintergeht. Sein Ruf als berüchtigter Killer ist nichts mehr wert, nun ist er selbst nichts anderes mehr als ein gedungener Mörder, dessen Anschläge das System nur noch kurz erschüttern.

Ich habe zu CARLOS leider gar nicht viel zu sagen. Der Film ist toll, unheimlich aufwändig produziert, fantastisch gespielt und fast ausschließlich an Originalschauplätzen gedreht. Was ihm fehlt, ist vielleicht ein Geheimnis, die Poesie: Als Versuch einer Fiktionalisierung von Geschichte ist er sehr “wörtlich”, eher dokumentarisch als poetisch. Sein Reiz besteht in erster Linie darin, in dieses fremde Milieu einzutauchen, die Siebzigerjahre auferstehen zu sehen, einen Eindruck von den Menschen hinter den Schlagzeilen zu erhalten, egal ob sie nun so waren oder nicht, zu verstehen, was die Welt damals beschäftigte. Assayas hat eine außergewöhnliche Geschichte zu erzählen und stellt sich ganz in den Dienst dieser Aufgabe. Die Stärke von CARLOS besteht darin, dass man die Anwesenheit der Kamera vergisst.

Bildschirmfoto 2015-08-11 um 07.23.061968 konnte man diesen Film mit einigem Recht als “Relikt” bezeichnen. Im Jahr zuvor hatten Warren Beatty und Arthur Penn mit BONNIE & CLYDE die Ära des New Hollywood eingeläutet, ein Jahr später ließ Dennis Hopper mit EASY RIDER keinen Stein auf dem anderen. Brian G. Hutton hingegen drehte einen aufwändigen, bunten, spektakulären Kriegsfilm mit überlebensgroßen Helden- und Schurkenfiguren, der – und das ist die Ironie – gerade heute wieder überaus modern wirkt. Sein Trick ist der Verzicht auf nahezu jede ausführliche Exposition: Nach einem kurzen Missionsbriefing gleich zu Beginn geht es in medias res, und anstatt den Zuschauer mit Informationen zu überfrachten, bleibt er ihm immer einen Schritt voraus. Major Smith (Richard Burton) weiß irgendetwas, was die anderen Mitglieder des Kommandos nicht wissen, nur was, das bleibt unklar – bis zum großen Plottwist …

Der Plottwist ist ja so etwas wie die Geißel des modernen Kinos geworden, weil sauberes Erzählen zugunsten der gezielten Zuschauerverarsche aufgegeben wird. Jeder noch so dumme Film zaubert pünktlich zum Finale die große Überraschung aus dem Hut, die  entweder meist wirkungslos verpufft, weil sie a) schon lang vorhersehbar und b) meist völlig arbiträr ist, oder – noch schlimmer  so manch ordentlichen Film total versaut. Der Twist In WHERE EGALES DARE aber ist gerade deshalb so wirkungsvoll, weil er nur das i-Tüpfelchen auf einem eh schon unverschämt spannendem Thriller ist und zu einem Zeitpunkt, wo man eigentlich das denouement erwartet, also die “Entwirrung des Knotens”, noch einen neuen Knoten bindet.

Der erwähnte Verzicht auf Exposition kommt dem Film über die gesamte Laufzeit zu Gute. Die “einfache” Befreiungsaktion – es geht darum, einen General der Alliierten, der Kenntnis von den Invasionsplänen hat, aus einem uneinnehmbaren Schloss der Nazis zu befreien – gestaltet sich tatsächlich als “einfach” im Sinne von “unkompliziert”: Die Männer um Smith und Schaffer (Clint Eastwood) schleichen sich das am Fuße des Schlosses liegende Örtchen ein, geben sich als Nazis aus und dringen mit einem Ritt auf der Gondelbahn in die Festung ein. Allein die Bedrohung durch die sie umgebenden Deutschen, die Gewissheit, dass sie in jeder Sekunde entdeckt werden könnten, macht die Spannung aus. Das eindrucks- und stimmungsvolle Setting, mit der drohend auf einem Felsen liegenden Burg, bringt genau das Maß an beinahe märchenhafter Überhöhung, das WHERE EAGLES DARE noch benötigt. Die Helden infiltrieren nicht bloß einen Stützpunkt, sie dringen wahrhaftig in die Höhle des Löwen, oder besser noch: eines legendären Drachen, ein. Die Nazis werden allein durch dieses Schloss noch gruseliger als sie es ohnehin schon sind.

Wenn ich oben von der Modernität des Films sprach, meine ich aber nicht nur seine Handhabung der Narration: WHERE EAGLES DARE ist als rund zweieinhalbstündiger Showdown angelegt, der ohne jeden Subplot, ohne auflockernde Romanze, ohne Entspannungsmomente auskommt. Und Hutton gelingt es vortrefflich, den Druck die ganze Zeit aufrechtzuerhalten, den Zuschauer mitzunehmen und nicht mehr loszulassen. Sein Film ist ein Spektakel im besten Wortsinn, ein Fest für die Augen, darüberhinaus begleitet von Ron Goodwins phänomenalem orchestralem Score. Man könnte kritisieren, dass man das Finale gut 10, 20 Minuten hätte kürzen können, weil die Luft nach zwei Stunden Hochspannung irgendwann raus ist, aber eigentlich möchte ich über ein solches Wunderwerk nichts Schlechtes sagen. WHERE EAGLES DARE war vor 50 Jahren toll und er ist es heute auch noch. Die Wiederentdeckung des Jahres?

Breathless_(1983)Ein neuer Instant-10-Punkte-Lieblingsfilm! Bei seiner Erstausstrahlung im Fernsehen irgendwann in den späten Achtzigerjahren war ich noch ein bisschen zu klein, um ihn schätzen zu können (an Valérie Kapriskys Brüsten war ich außerdem noch nicht wirklich interessiert, was eine denkbar schlechte Voraussetzung ist), später verteufelte ich seine bloße Existenz als US-amerikanischen Affront gegen das Godard’sche Vorbild À BOUT DE SOUFFLE. Vielleicht hätte ich mir BREATHLESS vorher lieber noch einmal angeschaut, anstatt ihn voreilig abzuwatschen. Zumal mit einem so dermaßen unhaltbaren und unoriginellen Vorwurf. Nicht nur hat McBrides “Remake” mit der Vorlage genauso viel oder wenig zu tun wie zahlreiche andere heißblütige Gangster- und Loser-Romanzen auch (eine originelle Geschichte erzählt Godard ja nun wirklich nicht), er stellt dieses mit seiner Energie, seinem Stilbewusstsein, seinem visuellen Reichtum, seinen wunderbaren Ideen und natürlich mit der entfesselten Darbeitung Geres meines Erachtens sogar in den Schatten (zugegeben, Godards Film ist historisch betrachtet bedeutungsvoller).

BREATHLESS ist ein Märchen im Overdrive-Modus der Achtzigerjahre, ein hyperventilierender Sinnesrausch wie nach zwei Kannen Kaffee, das filmische Äquivalent zum Gefühl des Frischverliebtseins, wenn man glaubt, man sei das Zentrum der Welt oder aber ein Gott in Menschengestalt. Jesse Lujacks (Richard Gere) Energie und sein unverschämtes Selbstbewusstsein sind so enervierend wie ansteckend. Er will dieses eine Mädchen, die französische Studentin Monica (Valérie Kaprisky), also nimmt er sie sich, geht ihr auf die Nerven, bis sie nicht mehr anders kann, als sich von seinen Avancen geschmeichelt zu fühlen und ihm zu erliegen. Dass er noch dazu so verteufelt gut aussieht, schadet gewiss nicht. Er ist ein kleiner Verlierer, ein Gauner, dessen Schicksal schon in den ersten Minuten des Films besiegelt wird – dieser blutrote Himmel ist ein Zeichen, das er wie so vieles nicht versteht –, aber nach seinem Selbstverständnis ist er ein Held, ein Ritter, der ausgeritten ist, die Prinzessin zu befreien und mit in sein Reich zu nehmen. Man müsste Mitleid mit diesem Verblendeten haben, wenn er nicht diese überbordende Lebensfreude ausstrahlte und diesen aufreizenden Sex Appeal: Jesse geht durch die Welt wie durch einen Selbstbedienungsladen, der nur für ihn geöffnet hat. Voll kindlicher Begeisterung und Verzauberung saugt er die Pathos-getränkten Comics um den Silver Surfer in sich auf, identifiziert sich ganz und gar mit dessen unendlicher, wortreich artikulierter Einsamkeit. Es ist ein Schock für ihn, als ihn ein Schuljunge damit konfrontiert, dass der Silver Surfer ein jerk sei, ein in seinem Selbstmitleid gefangener Trottel. Warum er nicht einfach in die Tiefen des Alls fliehe, anstatt sich mit den Sorgen der Menschen herumzuschlagen, schließlich habe er die “power cosmic”. Auch hier gelingt Jesse die Übertragungsleistung nicht, er rennt weiter hinter seiner Monica her, während die Polizei ein immer dichteres Netz um ihn schließt. Seine “power cosmic” ist diese Energie eines Duracell-Hasen, das Talent, immer wieder auf die Füße zu fallen, dieses Gewinnerlächeln, mit dem er Zeit und Raum nach Belieben manipulieren kann, die Fähigkeit, das Glas immer halbvoll zu sehen. Aber Monica ist sein Kryptonit. Weil er von ihr nicht lassen kann, muss er untergehen. Aber auch das tut er mit einem Lächeln und Jerry Lee Lewis’ titelgebendem Song auf den Lippen.

BREATHLESS wäre ohne Richard Gere als Jesse Lujack gar nicht denkbar. Der Rockabilly verehrende, Pomade in den Haaren und Karottenhosen tragende, Silver Surfer lesende, Autos klauende, ungehemmt liebende, wildromantische Jesse wird in Geres Darbeitung von der Comic-Karikatur zum dreidimensionalen Charakter, zum unwiderstehlichen Gravitationsfeld, um das sich der ganze Film formiert. Zu leicht hätte diese Figur zur affektierten Witzfigur geraten können, aber Gere macht sie glaubwürdig, verleiht ihr tragikomische Tiefe. Wer ist dieser Typ, der keine Regeln außer den seinen anzuerkennen scheint, wie wurde er der, der er ist? BREATHLESS ist auch deshalb so faszinierend, weil er die Antworten darauf nicht nur verweigert, er sucht sie noch nicht einmal, bewegt sich mit ähnlicher Leichtfüßigkeit auf das Ende zu wie sein Protagonist. Als Zuschauer bin ich dem Charme Jesses fast genauso hilflos erlegen wie Monica: Eben noch hat seine Hyperaktivität mich fürchterlich genervt, im nächsten Moment bin ich schon süchtig nach ihr gewesen, wollte eine Elvistolle, Comics lesen wie die Bibel und Cadillacs klauen. Jesse lebt das Leben wie ein Märchen, aber er hat das Pech, dass es keines ist. Die Außenwelt hält McBride den ganzen Film über auf Distanz, man steckt mit Jesse in der Wahrnehmunsgblase, die alles rosarot aber eben nicht schönfärbt: Es ist eine ausgesprochene Qualität von BREATHLESS, dass er sich den Drall Richtung kitschiger Verklärung verkneift. Die Romanze von Jesse und Monica bleibt immer Fiebertraum, hitziger Flirt, nie wird – wie etwa in einem vergleichbaren Film wie TRUE ROMANCE – suggeriert, dass hier etwas wirklich Tragfähiges entstanden ist. Die Beziehung der beiden funktioniert nur deshalb, weil sie von Anfang an begrenzt ist auf den Rausch von Jesses Flucht. Sie hält an, bis die Wirklichkeit anklopft und alle Fluchtwege versperrt sind, es für Monica Zeit wird, eine Entscheidung zu treffen. Aber auch im Angesicht des Todes bewahrt sich Jesse das cool, sich mit einer Geste der Unbeugsamkeit und diesem entwaffnenden Gewinnerlächeln zu verabschieden. Er hat genau das Leben gelebt, das er wollte, und er bekommt den Showdown, den er verdient hat. Monica wird ihn nie vergessen. Wie könnte sie auch?