Mit ‘Thriller’ getaggte Beiträge

flatliners-posterHing damals vielleicht sogar das deutsche Kinoposter in meinem Zimmer? Ich weiß es nicht mehr genau, wohl aber, dass ich FLATLINERS damals im Kino sah und ziemlich knorke fand. Wobei die Tatsache, dass ich mir für die Zweitsichtung trotzdem satte 26 Jahre Zeit gelassen habe, einige Rückschlüsse auf die Belastbarkeit dieser Meinung zulässt. Dass die Ernüchterung groß gewesen wäre, kann ich nicht behaupten: Schumacher hat ein paar brauchbare Filme gedreht, aber bedeutend häufiger großen Käse verbrochen. FLATLINERS ist nicht ganz so hirnerweichend dumm wie sein magnum opus 8MM, aber das liegt einzig daran, dass er sich für seine Auseinandersetzung mit der Frage, was nach dem Tod kommt, ins Reich der Fantasie begibt, wo man sich eben grundsätzlich einigen Unfug erlauben kann, ohne dafür ausgelacht zu werden. Dass die „Erkenntnisse“, die er bei seinem kleinen Ausflug ins Nachleben gewinnt, erschreckend banal sind für den Lärm, mit dem sie dargeboten werden, dürfte aber selbst dem einfältigsten Zuschauer kaum entgehen. Man spielt nicht mit dem Tod, weil es dafür gute Gründe gibt, die sich der liebe Gott in seiner Weisheit ganz allein ausgedacht hat. Und wenn doch, etwa weil man ein übermotivierter Medizinstudent ist, sollte man durch die Erfahrung wenigstens zum besseren Menschen werden, das ist ja wohl das Mindeste. So oder ähnlich könnte man FLATLINERS zusammenfassen.

Ich scheue trotzdem davor zurück, den Film rundheraus zu verreißen, obwohl er es durchaus verdient hat. Aber ich habe Mitleid mit ihm, denn er entspricht ziemlich genau dem Bild, dass man sich von einem Schumacher-Film aus dem Jahr 1990 macht. Der Mann war nie für seine besondere Subtilität bekannt, sondern dafür, seine Filme so zu designen, dass man den Zeitpunkt ihrer Produktion beinahe punktgenau benennen kann. FLATLINERS ist dann auch eine schöne Zeitkapsel, in der alles, was am Jahr 1990 glatt und oberflächlich und dumm und zum Glück schnell wieder vorbei war, für immer konserviert ist. Kiefer Sutherland trägt Restvokuhila und macht mit undefinierter Speckplauze klar, warum er seinen damaligen Jungstar-Status nicht zu einer richtigen Hollywood-Karriere ausweiten konnte. William Baldwin gibt einen Vorgeschmack auf SLIVER, einen anderen Nineties-Kackfilm, und bekommt von einer Verehrerin gesagt, er sehe aus wie ein Model. Ja, damals sahen Traumtypen eben aus wie schmierige Rasierwerbungsvergewaltiger. Julia Roberts hat fritzelige Endloslocken und trägt diese hüfthohen, arschbetonten Jeans. Kevin Bacon hat lange Haare, Lederjacke und Holzfällerhemden, fährt einen Armee-Jeep und seilt sich aus seinem Apartement ab, anstatt die Treppe zu benutzen. Außerdem ist er Atheist und hat die Regeln der Medizinschule gebrochen: ein Rebell eben. Oliver Platt ist brillant, deshalb trägt er Fliege und darf sonst nichts machen. Alles ist in goldbraunrotes Licht getaucht, man sieht ständig Kreuze und Heiligenbilder, weil es ja um Tod und Gott und so geht, und wenn es gruselig werden soll, knallt Jan de Bont den Blaufilter rein, passt dann schon.

FLATLINERS ist so besessen von seinem eigenen Style, dass er seine haarsträubend dumme Geschichte gar nicht bräuchte, um Lachattacken auszulösen. Die Medizinstudenten wohnen allesamt in riesigen Loftwohnungen oder Altbauappartements mit jeweils eigener Lichtstimmung und perfekt ihren Charakter widerspiegelnder Einrichtung. Aus Gullideckeln steigt immer diese ominöse Dampf auf. Mit Vorliebe stromern die Protagonisten des nachts durch menschenleere Straßen in abgerissenen Vierteln oder an Bahndämmen entlang. In einem riesigen, blutrot ausgeleuchteten Diner ist außer ihnen keine Menschenseele. Ihre geheimen Experimente machen sie in einer prachtvollen alten Kirche, die eigentlich eine Touristenattraktion sein sollte, hier aber völlig verlassen ist. Die erste Gruselszene ereignet sich wie durch Zufall in einer dunklen Sackgasse mit ominösen Neonfratzen-Grafittis. Und die Todeserfahrungen beinhalten so originelle Bilder wie den Flug über verschneite Berggipfel und im Wind wogende Wiesen oder hinein in dunkle U-Bahn-Schächte. Man versteht sofort, dass das alles sehr, sehr deep ist, weshalb es gar nicht schlimm ist, dass FLATLINERS tatsächlich soviel Tiefgang hat wie ein Fischkutter auf einer Sandbank.

Die Story dreht sich bekanntlich um ein paar Jungmediziner, die herausfinden wollen, was nach dem Tod passiert, weshalb sie ihren Tod medizinisch kontrolliert herbeiführen und sich dann zurückholen lassen. Ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse treten jedoch bald zugunsten eines jugendlichen Mutprobengehabes in den Hintergrund. Nachdem der coole Nelson (Kiefer Sutherland) zwei Minuten im Jenseits verblieben ist, müssen die anderen ihn überbieten, bringt ja sonst nix, so wissenschaftlich gesehen und so. Das bietet Anlass für cooles Mackergehabe der Typen einerseits und für beleidigtes Weibergezicke von Rachel (Julia Roberts) andererseits, weil sie immer wieder von den Kerlen überboten wird. Sie darf zum Ausgleich dafür den BH anbehalten, als sie ins Jenseits geschickt wird. Die Probleme, die die Protagonisten aus dem Totenreich mitbringen, sind, wie man das von Schumacher erwarten darf, erschreckend bieder und furchtbar moralisch: Nelson hat als Kind aus Versehen einen Schulkameraden getötet (und nebenbei noch dessen Hund). David (Kevin Bacon) hat immer ein kleines Mädchen gehänselt. Joe (William Baldwin) benutzt und belügt Frauen (und filmt sie beim Sex!). Rachel hat ihren Veteranenpapa beim Fixen erwischt und in den Selbstmord getrieben. Was das mit dem Jenseits zu tun hat, bleibt das Geheimnis von Schumacher, der am Ende aber trotzdem alle zu besseren Menschen macht, weil das so schön amerikanisch ist und zu einem Film halt dazugehört, auch wenn es keinen Sinn ergibt.

FLATLINERS erinnert mich ein bisschen an meine Tochter, die sich manchmal die Ohren zuhält, wenn wir sie mit etwas Unangenehmem konfrontieren oder sie schimpfen. Schumacher hat seine Idee, von der lässt er sich nicht abbringen, auch wenn er sich damit selbst widerspricht. Einmal fragt Rachel den Atheisten David, warum alle Menschen, die von einer Todeserfahrung sprechen, Ähnliches davon berichten, wenn es doch seiner Meinung nach kein Jenseits gebe. David antwortet überzeugend, dass dahinter die Tätigkeit eines Hormons stecken könnte, das im Moment des Todes freigesetzt wird. „Now you’re reaching“, ist Rachels Antwort, die das Gespräch autoritär beendet. Schumacher ist der Troll unter den amerikanischen Filmemachern: kackdreist, unverschämt, dumm und für vernünftige Argumente unempfänglich. Aber manchmal auch ganz praktisch, wenn man jemanden ohne Reue beleidigen will. Schumacher, du blöde unfähige Sau, deine Filme sind so kackfickdumm wie ein Meter Feldweg. Bitte mehr davon.

37280_230Mehr als ein Jahr habe ich MÄDCHEN MIT GEWALT vor mir hergeschoben: Ich wusste nicht so recht, was ich von dem Film erwarten sollte, trotz der lobenden Worte meiner Freunde von Eskalierende Träume, die auch in die Erstellung des Bonusmaterials auf der Subkultur-Veröffentlichung involviert waren. Nur dass es um Vergewaltigung gehe, wusste ich, was ein zusätzliches Problem darstellte, da ich Filme für gewöhnlich mit meiner lieben Gattin zusammen schaue, die eine exploitative Herangehensweise an das Thema nachvollziehbarerweise eher nicht so gut verkraftet. Es gab in meiner Vorstellung genau zwei Möglichkeiten: Entweder, MÄDCHEN IST GEWALT war ein richtig harter Diskursstreifen, für den man sich wappnen muss, oder ein provokanter Exploitationbolzen, der nicht ehefrauentauglich ist. Vorsichtshalber habe ich ihn daher allein geschaut und bin mir heute ziemlich sicher, dass er auch Leena gefallen hätte.Glücklicherweise liegt MÄDCHEN MIT GEWALT nämlich ziemlich genau in der Mitte der beiden Pole, nimmt eindeutig die Position der Frau ein, ohne aber zum lahm-aufklärerischen Sozialdrama zu verkommen. Der Film hat seine Untiefen, und das ist gut so, aber man muss keine ideologischen Verrenkungen vornehmen, um ihn schätzen zu können.

Die Protagonisten sind die Angestellten Werner (Klaus Löwitsch) und Mike (Arthur Brauss). Beide hängen ständig zusammen rum, scheinen außer einander keinerlei Freunde zu haben: Kein Wunder, beide sind ziemlich Soziopathen und gehen regelmäßig gemeinsam auf Frauenjagd, wobei der Begriff sehr wörtlich zu nehmen ist. Frauen sind keine gleichberechtigten Partner für sie, es geht ihnen nicht um die Eroberung, den Kitzel des Flirts, das Schaffen einer Verbindung, sondern um Erniedrigung, Bedrohung und Unterwerfung. Auf einer Go-Kart-Bahn lernen sie Alice (Helga Anders) kennen, die mit ihren Freunden (darunter Rolf Zacher) da ist. Gemeinsam beschließt man, zum nächtlichen Nacktbad und Grillen einen Baggersee aufzusuchen. Doch Werner und Mike hängen Alice‘ Freunde ab und sind nun mit dem Mädchen allein. Die muss bald feststellen, dass die beiden Typen besondere Pläne mit ihr haben …

MÄDCHEN MIT GEWALT spielt sich innerhalb eines Zeitraums von etwa 24 Stunden ab, die meiste Zeit davon während der Nacht und des anbrechenden Morgens, und konzentriert sich dabei nach einer etwa halbstündigen Exposition ganz auf die Dynamik zwischen den drei Hauptfiguren. Man glaubt, dass es zu einem Kippen des zunächst etablierten Machtgefüges kommen wird, dass die beiden fiesen Vergewaltigerschweine ihr Fett wegbekommen und sich die fragile Alice als Rächerin behauptet, aber Regisseur Fritz ist an den Konventionen des Genrefilms nicht interessiert. Es gibt am Ende keine eindeutigen Sieger und Verlierer, keine Moral von der Geschicht und keine Katharsis, nur Fragen. Und das ist gut so, macht Fritz‘ Film zu einer Ausnahmeerscheinung. Es ist aber wohl auch der Grund dafür, dass der Film von der Kritik missverstanden und verrissen wurde, an der Kinokasse unterging und danach für gut 45 Jahre in der Versenkung verschwand. Es war Fritz‘ letzter Kinofilm, bevor er seine Regiekarriere 1981 mit FRANKFURT KAISERSTRASSE für die LISA-Film beendete. Die Fähigkeiten Fritz‘ erkannte man wohl: So bescheinigte ihm etwas das Hamburger Abendblatt gönnerhaft, „dazugelernt“ zu haben, aber ansonsten wollte man vor allem brutal ausgespielte Gewaltszenen und Geschmacklosigkeiten gesehen haben. Mit einem Kino, das keine eindeutigen Handlungsanweisungen gibt oder mit einer griffigen Lebensweisheit endet, hat man sich in Deutschland schon damals schwer getan.

Dabei gibt es in MÄDCHEN MIT GEWALT nicht nur viel zu entdecken für einen Drei-Personen-Film, der in einer Kiesgrube spielt, sondern auch jenen entspannten Erzählflow, der sonst eher nicht so die Stärke des deutschen Films ist. Anders als vergleichbare „Kammerspiele“ wirkt MÄDCHEN MIT GEWALT eben nicht überkonstruiert und parabelhaft-künstlich, sondern absolut natürlich in seiner Handungsentwicklung, die weniger einem genialischen Plotkonstrukt, sondern dem zufälligen Zusammentreffen der einzelnen Charaktere entspringt. Vor allem die Dynamik, die Werner und Mike entwickeln, ist faszinierend und spannend, ständig in Bewegung und verhindert so, dass man den weiteren Verlauf schon im Vorfeld absehen kann. Zunächst scheint es nämlich so, als habe Werner die Hosen an: Er ist im Job der Ranghöhere, derjenige, der bei den gemeinsamen Raubzügen die Initiative ergreift, den etwas schüchtern anmutenden Mike anschubst. Aber dieses Bild muss bald relativiert werden: Werners Aggression ist auch Zeichen einer tiefen Unsicherheit, während Mikes abwartende Haltung aus dem Selbstbewusstsein und der daraus resultierenden Ruhe entspringt. Als die beiden mit Alice allein in der Kiesgrube sitzen, ist es Mike, der das Spiel bestimmt, Werner zügelt, wenn es nötig ist. Aber diese Konstellation ist es auch, die ihr Spielchen beinahe eskalieren lässt. Denn Werner wittert bald Morgenluft, hat keinen Bock mehr, immer nur die zweite Geige zu spielen und meint, in seinem Wahn, es könne tatsächlich eine gemeinsame Zukunft für ihn und Alice geben. Am Ende haben sich beide blutig geprügelt, versucht sich abzustechen und sich gegenseitig umzubringen. Als die Polizei anrückt, sieht es so aus, als gingen die beiden doch noch in den Bau. Aber dazu kommt es nicht: Zu dritt fahren die drei ab wie eine neue, schwer dysfunktionale, aber irgendwie auch perfekte Familie. Die beiden Männer, die sich brauchen, um sich über ihre Schwächen hinwegzutäuschen, die junge Frau, der sie sich überlegen fühlen, die aber das Ruder heimlich in den Händen hält aus Mitleid mit diesen armen, schwanzgesteuerten Tröpfen, aber auch in dem Wissen, dass der Tag der Frau erst in Zukunft anbrechen wird.

 

 

 

capricorn-one-14889Endlich, endlich, endlich habe ich ihn gesehen. Hyams mag ich eh – einer der zu Unrecht vergessenen Professionals der Siebziger- und Achtzigerjahre, Vertreter einer Gattung von Filmemacher, die es heute nicht mehr gibt: versiert und ambitioniert, ohne sich selbst zu wichtig zu nehmen, immer nur dem gerade anstehenden Werk verpflichtet – und CAPRICORN ONE hatte ich seit mehr als 20 Jahren auf der Liste. Zum ersten Mal las ich von dem Film anlässlich seiner TV-Ausstrahlung und die Story fand ich sofort super. Aus welchem Grund es erst jetzt geklappt hat, weiß ich eigentlich nicht.Einzige Entschuldigung ist wohl, dass CAPRICORN ONE nicht gerade dr Riesen-Publikumsschlager ist, der ständig im Fernsehen liefe oder einem von den einschlägigen Versandhäusern entsprechend aufmerksamkeitsträchtig angedient würde. Ich habe ihn einfach immer wieder vergessen. Aber das lange Warten hat sich gelohnt, denn CAPRICORN ONE ist ziemlich genau so toll, wie ich es mir erhofft hatte.

Hyams inszenierte gegen Ende der Siebzigerjahre einen Nachzügler des paranoiden Politthrillers, der im Zuge von Watergate zu großer Popularität gelang. Auch bei ihm geht es um die finsteren Machenschaften der Politiker, die nicht davor zurückschrecken, Menschen zu opfern, wenn ihnen das hilft, die eigene Haut und das Budget für das nächste Jahr zu sichern, die in der Lage sind, Existenzen ganz einfach auszulöschen und Menschen buchstäblich vom Erdboden verschwinden zu lassen. Und die diese Skrupellosigkeit mit der Nüchternheit des Sachbeamten verargumentieren, über so etwas wie ein Gewissen, das ihnen in die Quere kommen könnte, gar nicht mehr zu verfügen scheinen (Hal Holbrook ist gleichermaßen furchteinflößend wie mitleiderregend als Richter im Namen der ökonomischen Ratio). Doch die bleiche Desillusioniertheit, die Filme wie THE PARALLAX VIEW oder ALL THE PRESIDENT’S MEN auszeichnete, ist in CAPRICORN ONE nicht mehr ganz so ausgeprägt: Weil Hyams weniger die bissige Kritik als vielmehr der Wunsch antreibt, sein Publikum zwei Stunden ordentlich durchzuwirbeln, gibt es am Ende zum Beispiel ein etwas kitschig geratenes Happy End – das etwa Alan J. Pakula so gewiss nicht inszeniert hätte.

Toll ist CAPRICORN ONE, weil er ganz unterschiedliche Elemente unter einen Hut bringt: den kalten Politthriller mit Private-Eye-Elementen – Elliott Gould ist der Verschwörung als Journalist Robert Caulfield dicht auf der Spur – aber auch den erhitzten Survival-Film vor unwirtlicher Wüstenkulisse. Wenn die flüchtigen Astronauten (James Brolin, O. J. Simpson und Sam Waterston) vor den Häschern im Staatsauftrag fliehen und sich durch die endlose Weite einer amerikanischen Felsenwüste schlagen müssen, ist das natürlich ein schöner Kontrapunkt zur im Fernsehstudio arrangierten Marskulisse – und eine unerwartete Überspitzung ihrer ursprünglichen Mission. Auf dem fremden Planeten wären sie ungleich sicherer gewesen, auf der Erde lauern waffenstarrende Helikopter mit schwarz getönten Scheiben wie motorisierte Riesenlibellen. Hyams schreckt nicht davor zurück, Bilder und Ruhemomente auch mal länger stehen zu lassen, anstatt immer bloß zur nächsten Attraktion zu hetzen, und schafft so mitunter eine eigentümliche Atmosphäre, die das Unfassliche der zugrundliegenden Geschichte erst richtig zur Geltung bringt. Die Schauspieler helfen ihm dabei: Hal Holbrook hatte ich schon erwähnt, grandios sind auch David Doyle in einem szenefressenden Kurzauftritt als Caulfields Chef, Brenda Vaccaro als trauernde Ehefrau sowie James Karen als Vizepräsident, David Huddleston als großkotziger Politiker und natürlich Telly Savalas als brummiger Pilot, der am Ende die Stimmung heben darf.

Manisches Herzstück von CAPRICORN ONE ist aber die Episode um die Auslöschung von Caulfields Bekanntem: Wie der innerhalb von wenigen Sekunden während Caulfields Gang zur Theke aus einer gut besuchten Bar verschwindet, in seiner Wohnung nichts mehr an ihn erinnert, vielmehr eine fremde Frau behauptet, schon immer dort gewohnt zu haben, ist auch deshalb so gruselig, weil Hyams es vergleichsweise unaufgeregt in Szene setzt und Elliott Gould das Ganze seinerseits nur mit einem belämmerten Gesichtsausdruck quittiert. Diese Beiläufigkeit ist eine Stärke des Films, dem man daher auch manchen kleineren Fehlgriff – wie das erwähnte Happy End – gern verzeiht.

e9hxsmmkolgfxigay3in1hmm3l0Deutschland, deine Titelschmiede: QUELLA ETÀ MALIZIOSA (etwa: „Dieses bösartige Alter“) erschien hierzulande erst 1981, also sechs Jahre nach seiner italienischen Kinoauswertung, und wurde sogleich dem noch immer nicht abgekühlten FLOTTE TEENS-Zyklus eingemeindet, der schon kaum noch zu überblicken war und mit seinem ursprünglichen Ausgangspunkt LA LICEALE rein gar nichts mehr zu tun hatte. So wurde Amadios Film dann flugs FLOTTE TEENS UND HEISSE TYPEN oder auch WENN BEI TEENS DIE HÜLLEN FALLEN getauft, auf Video gar als DIE SÜNDIGEN TÖCHTER VON IBIZA vermarktet. Vor allem letzterer Einfall ist ein echtes Husarenstück, denn der Film spielt zum einen auf Elba, zum anderen kommt nur eine einzelne sündige Tochter darin vor.

QUELLA ETÀ MALIZIOSA verstärkt die bei meinen Ausflügen ins Oeuvre des blonden Sexsternchens Gloria Guida gewonnene Erkenntnis, dass die Commedia sexy all’Italiana ein bisweilen tückisches Genre ist. Auch dieser Beitrag ist alles andere als komisch, hat viel mehr mit dem amerikanischen Noir gemein als mit dullen Tittenwitzchen, die von Scherzbolden wie Gianfranco D’Angelo, Alvaro Vitali, Lino Banfi oder Mario Carotenuto grimassierend kommentiert werden. Schon die Auftaktsequenz, in der Protagonist Napoleone (Nino Castelnuovo) – Elba + Napoleon, get it? – schweigend, aber zunehmend genervt eine minutenlange Schimpftirade von einer hinter der subjektiven Kamera verborgen bleibenden Mutter über sich ergehen lassen muss, bevor er (letztlich aber folgenlos) sogar zur Schusswaffe greift, erstickt jede Hoffnung auf harmloses Amüsement im Keim. Danach verschlägt es den seinen Lebensumständen verständlicherweise Entfliehenden nach Elba, wo er im Auftrag einer wohlhabenden Familie als Gärtner arbeiten soll. Die Mutter (Anita Sanders), eine unterkühlte Rothaarige, scheint irgendetwas zu verbergen, der Vater (Andrea Aureli), angeblich unter einer schweren Krankheit leidend, bleibt lange unsichtbar, und die Tochter Paola (Gloria Guida) fängt schon im Bus an, sich heftig an dem neuen Bediensteten zu reiben. Es entspinnt sich eine Affäre zwischen Napoleone und der ihre jugendlichen Reize provokant einsetzenden Jugendlichen, doch statt Liebesglück und Happy End setzt es Mord und Totschlag …

Wieder einmal ein komischer Film: Für einen Quasi-Noir verwendet Amadio zu viel Zeit auf das amouröse Hin und Her zwischen den Protagonisten und die Geheimniskrämerei der Familie, deren Zweck sich nicht so recht erschließen mag. Man erwartet am Ende, dass das alles ein großes Komplott war, dass man Napoleone gar nicht als Gärtner, sondern als willfährigen Mordgehilfen engagiert hat, aber dem ist nicht so. Das böse Finale ist eigentlich dem Zufall geschuldet und warum dem armen Napo so böse mitgespielt wird, erschließt sich aus dramaturgischer Sicht nicht wirklich. Was soll man aus QUELLA ETÀ MALIZIOSA mitnehmen? Dass man sich besser nicht mit den frechen, minderjährigen Töchtern seiner Arbeitgeber einlässt? Dass man auf seine Mama hören und was Ordentliches lernen soll? Dass Elba mit seiner urwüchsigen Vegetation und den schroffen Felsen immer eine Reise wert ist? Oder dass Fischer sich auf der Mittelmeerinsel mit ekstatischen Veitstänzen als geeigneter Sexualpartner anbieten? Es bleibt das Geheimnis von Silvio Amadio und – wieder einmal – Piero Regnoli, die das Drehbuch gemeinsam verfassten und viele interessante Ideen einbrachten, die am Ende etwas unverbunden nebeneinanderstehen. Trotz vieler offen bleibender Fragen ist QUELLA ETÀ MALIZIOSA aber durchweg unterhaltsam, wenn auch nicht unbedingt spannend. Vielleicht ist es sogar eine ausgesprochene Stärke, dass die Dinge hier so unvermittelt passieren, ohne in passende Schubladen eingeordnet werden zu können. Ich bin mir noch nicht so sicher, aber durchaus fasziniert.

s-l1000Mario Imperolis zweiter Film mit Gloria Guida – er hatte sie bereits bei ihrem Spielfilmdebüt LA RAGAZZINA dirigiert – ist ein seltsames Teil. Zunächst deutet alles auf eine typische Sexkomödie hin: Die jugendliche Herumtreiberin und Gelegenheitsprostituierte Daniela Anselmi (Gloria Guida), genannt „Blue Jeans“, wird von der Polizei mit einem Freier aufgegriffen. Weil sie noch minderjährig ist, kommt die Frage nach ihren Eltern auf, doch Daniela behauptet, dass ihre Mutter tot sei und sie ihren Vater nie getroffen habe. Letzterer wird von den Staatsbeamten relativ schnell ausfindig gemacht: Es handelt sich um Dr. Carlo Anselmi (Paolo Carlini), einen Kunstrestaurator, der gerade mitten in der Scheidung von seiner zweiten Ehefrau steckt und mit seiner neuen Partnerin, der eifersüchtigen Marisa (Annie Carol Edel), zusammen auf einem zu restaurienden Schloss lebt. Dass er Vater sein soll, kann er kaum glauben, erklärt sich dann aber doch bereit, das freche blonde Früchtchen Daniela in seine Obhut zu nehmen, mit den zu erwartenden Folgen.

Diese Prämisse ist nicht neu, die Witzchen, die sich üblicherweise aufdrängen, bleiben aber aus. Klar, es geht um den Konflikt zwischen dem etwas spießigen und vor allem ungeübten Vater, dem die Freizügigkeit seines Backfischs peinlich ist und der sie daher erfolglos „bändigen“ will. Außerdem sieht er sich recht bald der Eifersucht seiner Geliebten ausgesetzt, der die neue Tochter, die langsam, aber sicher das Herz des frischgebackenen Papas gewinnt, ein Dorn im Auge ist. Aber richtig komisch ist das alles nicht, und der völlige Verzicht auf den überdrehten Humor, den man mit einem solchen Stoff vielleicht assoziiert, macht die eh schon auf einem schmalen Grat wandelnde Inzestgeschichte erst so richtig ungemütlich. Das ist aber noch nicht alles, denn im letzten Drittel vollzieht BLUE JEANS eine 180-Grad-Wendung und verwandelt sich in einen Thriller bzw. Quasi-Noir. Da taucht nämlich ein alter Bekannter Danielas auf, der Zuhälter Sergio (Gianluigi Chirizzi), der gern das Vermögen des Papas einstreichen würde. So wird am Ende sogar noch gestorben – nicht allerdings, ohne dass sich die verhaltene Liebesgeschichte zwischen Papa und Tochter zur handfesten Romanze mit zartem Petting vor dem gemütlich prasselnden Kaminfeuer ausweitet …

Wie gesagt, das ist alles irgendwie hochgradig seltsam, und heute kaum noch nachvollziehbar. Fand man das damals in Italien wirklich witzig? Dass die Commedia sexy all’italiana sich nicht zwingend in Derbheit übte, habe ich ja schon in meinem Text zu LA MINORENNE geschrieben, aber Imperoli hat mit BLUE JEANS gewiss auch keine böse Gesellschaftskritik im Sinn gehabt. Sein Film sitzt zwischen allen Stühlen und will nicht wirklich funktionieren, auch wenn er gewiss kein echter Reinfall ist. Er lohnt sich vor allem deshalb, weil er moralisch ganz weit draußen ist, dabei aber aussieht und sich anfühlt wie ein Unterhaltungsfilm für die ganze Familie. Das so hinzubekommen, ist auch eine Kunst.

screamforhelpmovieposterNachdem ich nun etliche Filme von Michael Winner nachgeholt und seine Autobiografie gelesen habe, bin ich nur wenig klüger als vorher. Sein Ruf als Filmemacher ist nicht unbedingt der beste gewesen: Nicht nur wird er oft für seine politische Gesinnung kritisiert und von ehemaligen Weggefährten als Arschloch und Misogynist bezeichnet, auch seine handwerklichen Fähigkeiten werden mitunter in Frage gestellt. Die Leichtigkeit seiner frühen Brit-Klassiker (THE SYSTEM, THE JOKERS, I’LL NEVER FORGET WHAT’S ‚ISNAME) war schnell verschwunden und wich einer bisweilen bleiernen Klobigkeit, die man durchaus abstoßend finden kann. Dass er seine Filme gern dazu nutzte, sein Publikum zu provozieren, oft um der reinen Provokation Willen, trägt zu diesem Eindruck bei. Ich weiß nicht, ob Winner wirklich so an Film als Kunst interessiert war: Auch wenn er in seiner Autobiografie schreibt, wie gern er in seiner Kindheit und Jugend ins Kino gegangen ist, spürt man nur wenig Leidenschaft oder gar Liebe zur Kunst in seinen Filmen. Es fühlt sich für mich so an, als sei die Entscheidung, Regisseur zu werden, aus reinem Klakül gefällt worden: Winner wusste, dass er mit Filmen die meisten Menschen würde erreichen können und demnach auch die größtmögliche Wirkung erzielen.

SCREAM FOR HELP ist heute kaum noch zu erklären. Winners Stern war in den Achtzigerjahren bereits im Sinkflug, von der einstigen Hoffnung des britischen Kinos war nicht mehr so viel übrig, ein Superhit wie DEATH WISH schien bereits ganz außer Reichweite. Aber kurz zuvor hatte er immerhin noch mit Faye Dunaway und John Gielgud zusammengearbeitet und ein Jahr später sollte er Charles Bronson eine weitere Rückkehr als Paul Kersey bescheren. In der Gegenwart von Stars fühlte Winner, der sich bereits als Jugendlicher das Taschengeld als Film- und Societyjournalist aufgebessert hatte, immer wohl: Was also bewog ihn dazu, SCREAM FOR HELP zu drehen, einen zwar recht spannenden, aber doch auch irgendwie unspektakulären kleinen Thriller (für den er immerhin Led-Zeppelin-Bassist John Paul Jones als Komponisten gewinnen konnte)? Vielleicht wollte auch Winner seine Hitchcock-Hommage drehen, aber von dessen Eleganz ist er mit dem mitunter grotesk plumpen, sleazigen Schocker weit entfernt. Was nicht heißt, dass SCREAM FOR HELP ohne Meriten ist, denn Sleaze und Geschmacksunsicherheit sind ja auch was Feines.

Die Teenagerin Christie Cromwell (Rachael Kelly) hat ihren Stiefvater Paul Fox (David Allen Brooks) im Verdacht, ihre Mutter (Marie Masters) umbringen zu wollen, seit sie ihn bei der Maipulation eines Sicherungskastens erwischt hat, dem wenig später ein Elektriker zum Opfer fiel. Sie beobachtet ihn beim Tête-à-tête mit einer anderen Frau, die offensichtlich seine Ko-Konspiratorin ist. Aber niemand will Christie glauben, auch nicht als sie selbst Zielscheibe diverser Mordanschläge wird …

Drehbuchautor Tom Holland hat für Winner eigentlich einen recht hübschen Paranoia-Thriller geschrieben, der in seinem Schlussdrittel mit einem unerwartet spannenden Belagerungsszenario aufwartet: Von den Schurken in ihrem Haus gefangen genommen, müssen sich Mutter und Tochter gemeinsam ihres Lebens erwehren und wachsen dabei über sich hinaus. Das ist auch deshalb so effektiv, weil Winner die Auseinandersetzungen mit einer ruppigen Härte inszeniert, die man von den in den frühen Neunzigern reüssierenden Home-Invasion-Hochglanzthrillern, die SCREAM FOR HELP etwas vorwegnimmt, eher nicht kennt. Trotzdem ist es nicht ganz leicht, diesen Film so richtig einzuordnen. Die sich durch den ganzen Film ziehende Thematisierung jugendlicher Sexualität läuft der eigentlichen Handlung fast den Rang ab und verblüfft mit geschmacksunsicherer Schmierigkeit, an der zumindest Winner unverkennbar einigen Spaß hat. Protagonistin Christie ist vielleicht keine ausgesprochene Asketin und sie bekommt ja dann auch eine Sexszene mit ihrem Schulfreund Josh (Corey Parker), aber trotzdem sind ihr das orgiastische Rein-Raus und der Austausch von Körperflüssigkeiten der Erwachsenen, aber auch ihrer Freundin Janey (die prompt schwanger wird) einigermaßen suspekt. Als sie ihren Stiefvater beim aggressiven Doggystyle-Sex erwischt, stößt sie der Anblick so sehr ab, dass sie jede Lust auf eigene erotische Betätigung verliert. Das etwas gestelzte Spiel der Jungdarsteller, die Art wie sie die eh schon nicht besonders eleganten Dialogzeilen intonieren und unfreiwillig komisch erscheinen lassen, stützt den Eindruck, dass es hier um jugendliches Unbehagen allgemein geht. Die Angst vor der eigenen wie auch der Körperlichkeit des anderen ist es, die auch Christies Verdacht gegenüber ihrem Stiefvater beflügelt. Dass sie damit Recht hat, ist eher der Genrekonvention geschuldet.

Ein kleines Trivia-Nugget noch zum Abschluss:  In Deutschland erschien SCREAM FOR HELP unter dem bescheuerten Titel SPUR IN DEN TOD. Als ein paar Jahre später Joseph Rubens erstklassiger STEPFATHER herauskam, der ein ganz ähnliches Thema hat, erinnerte sich der deutsche Verleih an Winners Film und machte kurzerhand SPUR IN DEN TOD 2 daraus. Bei STEPFATHER 2 besann man sich dann wieder – oder machte das Chaos vielmehr perfekt, indem man den Originaltitel übernahm, obwohl es den ersten Teil in Deutschland ja streng genommen gar nicht gab. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

 

dirty_weekend_theatrical_release_posterObwohl Michael Winner Ende der Achzigerjahre noch einige prestigeträchtige Filme gedreht hatte – die Agatha-Christie-Verfilmung APPOINTMENT WITH DEATH mit Peter Ustinov in der Rolle des Meisterdetektivs Hercule Poirot sowie den mit Jeremy Irons und Anthony Hopkins hochkarätig besetzten A CHORUS OF DISAPPROVAL -, war seine große Zeit fraglos vorbei. Mehr noch: Sein Output in den späten Siebziger- und Achtzigerjahren hatte seinen in den Sechzigern erworbenen Ruf als „Wunderkind“ des britischen Kinos mehr oder weniger zerstört (wenn auch gewiss nicht zu seinem finanziellen Nachteil), spätestens mit dem grellen Exploiter DEATH WISH 3, wahrscheinlich sein letztes echtes Meisterwerk, war die Karriere als ernstzunehmender Filmemacher im Eimer. Mit DIRTY WEEKEND, seinem vorletzten Film, der Adaption des gleichnamigen Skandal-Romans von Helen Zahavi, der bei seinem Erscheinen 1991 einen Aufschrei moralischer Entrüstung und erhitzte Debatten verursacht hatte und darüber zum Bestseller avanciert war, knüpft Winner nach einigen eher zahmen Werken an DEATH WISH an, seinen größten Erfolg. Und man kann nur darüber staunen, was das für ein schmieriger, sadistischer Film das geworden ist.

Bella (Lia Williams), eine Mittzwanzigerin, zieht nach mehreren frustrierenden Beziehungen in eine Wohnung nach Brighton. Dort wird sie schon nach kurzer Zeit von einem Nachbarn (Rufus Sewell) mit obszönen Anrufen und sogar Morddrohungen belästigt. Genervt davon, sich immer wieder in der Opferrolle einzufinden, beschließt sie, den Spieß umzudrehen. Sie dringt in die Wohnung ihres Nachbarn ein und erschlägt ihn im Schlaf mit einem Hammer. Das Erlebnis beflügelt und inspiriert sie zu einem Rachefeldzug gegen Chauvieschweine und Frauenfeinde, die sie mit Sex ködert und dann kurzentschlossen umbringt …

Vom verspielten Inszenierungsstil von Winners Anfangstagen ist DIRTY WEEKEND weit entfernt und auch die Bilder glamouröser Appartements, Designerinterieurs und anderem Luxus, mit denen sich Winners oft gut situierten Protagonisten umgaben, sucht man vergebens. Hervorstechendstes Merkmal ist die scheußliche Staubigkeit und Durchschnittlichkeit der frühen Neunzigerjahre: Alles sieht falsch, deprimierend und billig aus, nicht nur Kleidung und Möbel, auch die Körper. Richtiggehend abstoßend wird es, wenn Bella in der Lobby eines Hotels einen dickleibigen Schnauzbartträger mit unreiner Haut und Fetthaaren aufreißt, der sich auf dem Zimmer vor dem anstehenden Akt erst einmal stolz auf der Teigwampe herumklatscht und die Manboobs schlackern lässt. Nicht einmal der Blick auf seine Krampfadern kann vom sich darbietenden Grauen ablenken. Das Schreckenskabinett widerlicher Männertypen (unter anderem entdeckt man David McCallum und Sean Pertwee unter den Opfern) findet seinen Höhepunkt in einem Frauenmörder, vorher noch darf Bella drei schmierige Proleten beiseite räumen, die in einer dreckigen Sackgasse eine greise Obdachlose befingern und verbal demütigen. Abgefedert wird das alles durch einen beißenden, die Grenze zur Groteske mehr als einmal überschreitenden Humor: Bella verwandelt sich von der „authentischen“ Protagonistin in eine sadistisch grinsende, boshafte Sprüche klopfende Slasherin, eine Comicfigur, die als feministische Rachefantasie durch eine Welt voller Perverser und Vergewaltiger stolziert. Von einem angeblichen Frauenhasser wie Winner hätte man das vielleicht nicht unbedingt erwartet, aber mehr als als Ausdruck der Sympathie mit den Frauen, die leider stets damit rechnen müssen, Opfer sexueller Gewalt zu werden, kommt in DIRTY WEEKEND wieder einmal seine Verachtung vor der gesamten Menschheit zum Ausdruck, die er hinter einer Maske der Satire verbirgt.

DIRTY WEEKEND ist nicht unbedingt die Sternstunde des Winner’schen Schaffens, dafür ist der Film insgesamt zu schmucklos und krude, aber als rarer Vertreter des Neunzigerjahre-Sleaze kommt ihm ein kleiner, versiffter, bewichsfleckter Ehrenplatz in einem heruntergekommenen Pornokino zu.