Mit ‘Thriller’ getaggte Beiträge

Die Cheerleader-Teams dreier rivalisierender Schulen fahren gemeinsam mit dem Bus zu einem Cheerleading-Wettbewerb in Sacramento. Unterwegs wird der Bus von den drei ehemaligen Footballspielern Wayne (Jason Williams), George (Anthony Lewis) und Big John (John Albert) entführt – auch die Lehrerin, die die Aufsicht über die Mädchen hat, sowie Waynes Bruder Billy (Robert Houston) gehören zu den Übeltätern. Sich als linke Aktivisten ausgebend, wollen die gar nicht so unsympathischen Ganoven zwei Millionen Dollar für die Befreiung der Mädels, die sie derweil in einer Blockhütte gefangen halten. Den Kontakt zur Außenwelt bauen sie über den Radiomoderator Joyful Jerome (Leon Isaac Kennedy) auf. Doch die Mädchen, die derweil verschiedenen Methoden erproben, sich ihrer Oberteile zu entledigen, denken gar nicht daran, brav auf ihre Befreiung zu hoffen, vielmehr planen sie die Überwältigung ihrer Peiniger.

THE GREAT AMERICAN GIRL ROBBERY, auch CHEERLEADER’S WILD WEEKEND genannt, ist angeblich ein Sequel zu der mit THE CHEERLEADERS begonnenen und mit REVENGE OF THE CHEERLEADERS fortgesetzten Reihe, zumindest behauptet das das Buch „Teen Movie Hell“. (Die IMDB zählt sogar noch Jack Hills THE SWINGIN‘ CHEERLEADERS dazu, den das Buch aus der Aufzählung ausspart.) Doch inwieweit THE AMERICAN GIRL ROBBERY wirklich eine Fortsetzung darstellt, sei mal dahingestellt: Inhaltlich besteht der einzige Zusammenhang (wie schon bei den beiden vorangegangenen Teilen) darin, dass es in allen Filmen um Cheerleader geht, die reichlich Gelegenheit erhalten, blank zu ziehen, und auch die Stabliste gibt keinen Aufschluss über einen gemeinsamen Hintergrund der drei Titel. Wohl aber stößt man auf den Namen von Chuck Russell: Der Mann, der später Filme wie A NIGHTMARE ON ELM STREET 3: THE DREAM WARRIORS, THE BLOB, THE MASK oder ERASER drehen sollte, verdiente sich hier seine ersten Sporen als Produzent.

Der Film verliert nicht viel Zeit, eröffnet mit den verfeindeten Cheerleader-Teams im Bus, die sich gegenseitig aufziehen und necken, dann aber schnell Hand in Hand daran arbeiten, ein hinter ihnen herfahrendes Landei durch abwechselndes Vorführen ihrer körperlichen Reize erst in den libidinösen Wahn und so von der Straße zu drängen: Natürlich steht auch ein kleiner Obststand parat, in den der Unglückliche reinheizen kann. Nach der Entführung entfalten sich die üblichen Psychospielchen, Demütigungen, Flucht- und Annäherungsversuche: Erst veranstalten die Entführer eine kleine Misswahl, dann bändelt die kesse Debbie (Kristine DeBell) sogar mit dem charmanten Anführer Wayne an. Die Situation eskaliert, als Wayne und Billy zur Lösegeldübergabe in die Stadt fahren: Die Mädels stellen den zurückgebliebenen Gangstern eine Falle, können sie schließlich überwältigen und mit dem Bus die Flucht antreten. Dabei begegnen sie wiederum den vor der Polizei fliehenden Brüdern: Sollen sie ihnen den Weg versperren und dafür sorgen, dass sie im Knast landen?

Ich will dieses Finale nicht spoilern, auch wenn wahrscheinlich die wenigsten nach meinem Text hinauseilen, um dieses kleinen, aber liebenswerten Exploiters habhaft zu werden. THE GREAT AMERICAN GIRL ROBBERY ist eher der Film, den man einwirft, wenn er einem zufällig begegnet. Man sollte nicht erwarten, dass er einem den Kopf verdreht oder dass danach alles anders ist als vorher, aber er ist schon recht liebenswert. Zu diesem Urteil komme ich auch, weil die Macher sich offenkundig bemühten, mal einen etwas anderen Sexploiter zu machen: Statt der immergleichen Scherze um die immergleichen Mädchen mit ihren immergleichen Brüsten gibt es hier also eine kleine Crime-Story, die ein wenig an „auf wahren Geschichten“ basierende TV-Dramen erinnert. Es gibt zu Beginn sogar eine Rückblende, die sich mit dem Schicksal der drei Footballer befasst, sie dabei zeigt, wie sie traurig ihre Spinte (Spints?) ausräumen, weil sie aufgrund eines Vergehens gefeuert wurden, während eine Voice-over-Kommentator seinen Senf dazu abgibt. Richtig schön und beinahe spannend ist auch das Ende, bei dem sich der Film fast in die Suspense-Höhen des Heist Movies emporschwingt, toll der Einfall, den Kampf um die Tasche mit dem Geld mit der Soundkulisse eines Footballspieler zu untermalen und so Wayne eine verspätete Genugtuung zu verschaffen. Bis dahin ist THE GREAT AMERICAN GIRL ROBBERY nicht unbedingt zwingend, aber er vertrödelt auch nicht allzu viel Zeit mit sinnlosem Quark und kann zudem auf eine nett anzuschauende Riege von Jungdarstellerinnen zurückgreifen, von denen zwar nur die allerwenigsten später noch in Erscheinung traten, die aber dennoch weniger flach sind als in anderen Filmen. Klarer Fall von sympathischer Timewaster.

POSION IVY ist ein typisches Kind seiner Zeit: In den späten Achtzigern und frühen Neunzigern gab es eine ganze Welle an Home-Invasion-Thrillern, Filme, in denen das amerikanische Familienglück durch einen bösen Störenfried von außen bedroht wurde, bevor es unter Einsatz roher Gewalt wiederhergestellt werden konnte. Im Unterschied zu ganz ähnlich gelagerten Titeln aus den Siebzigerjahren, am berühmtesten wahrscheinlich Cravens LAST HOUSE ON THE LEFT, blieb die moralische Integrität der bürgerlichen Wüteriche unangetastet und unhinterfragt: Das Böse muss zurückgeschlagen werden und wenn es gilt, den eigenen Besitzstand zu wahren, sind alle Mittel recht. Das Subgenre erfuhr eine Metamorphose, als Verhoeven mit BASIC INSTINCT den Aufreger der Kinosaison 1992 hinlegte: Nun waren die Invasoren immer häufiger weiblichen Geschlechts und statt auf das Ersparte hatten sie es auf die männlichen Familienjuwelen abgesehen. Der Erotikthriller-Boom verlagerte sich via preisgünstig und schnell runtergekurbelter Videoware recht schnell von den Kinoleinwänden auf die heimischen Bildschirme, infiltrierte also auf anderer Ebene den schätzenswerten Wohnraum. Schwer zu sagen, was die Privatsender in den Neunzigern des Nachts gezeigt hätten, wenn es nicht all diese Softsex-Vehikel um geile Femme fatales gegeben hätte.

Katt Sheas POISON IVY ist einer der populärsten Filme aus jener Zeit und wurde beim renommierten Sundance Festival sogar für den Großen Preis der Jury nominiert. Trotz dieser Kritikerlorbeeren scheiterte er bei seinem limitierten Kinoeinsatz und konnte erst über die Videovermarktung seinen kleinen Kultstatus einheimsen, der sich unter anderem in drei zwischen 1996 und 2008 entstandenen DTV- bzw. PayTV-Sequels niederschlug. Der Film trug außerdem maßgeblich zum Comeback des einstigen Kinderstars Drew Barrymore bei, der sich dann Mitte der Neunzigerjahre mit Auftritten in prestigeträchtigen Großproduktionen wie BATMAN FOREVER oder SCREAM vollzog. Obwohl POSION IVY wie oben skizziert sehr gut in seiner Entstehungszeit zu verorten ist, ist er deutlich besser gealtert als viele artverwandte Produktionen: Das liegt nicht zuletzt daran, dass Shea sich nicht damit begnügte, eine edle Wichsvorlage für ihr männliches Publikum zu fertigen: POISON IVY ist demnach nicht nur ein Film über eine jugendliche Femme fatale, die einem verheirateten Mann den Kopf verdreht, sondern auch ein Coming-of-Age-Film und ein Film über die Freundschaft zweier ungleicher Mädchen, die sich in ihrem Außenseiterstatus verbunden fühlen. In der Zeichnung dieser Freundschaft, aber auch des verführten Vaters, ist POSION IVY ungewöhnlich mitfühlend und authentisch, bewahrt sich bis zum Schluss die Empathie sowohl für seine Antagonistin wie auch den betrügerischen Ehemann, der mit einer Minderjährigen ins Bett steigt. Shea bezeichnete ihren Film als „persönlichen Ausdruck“, was sich wie PR-Sprech anhören mag, aber sich sowohl in der pointierten, visuell sorgfältigen Inszenierung niederschlägt (die klimaktische Verführungsszene ist meisterlich getimt!) als auch in dieser Haltung gegenüber ihren Figuren, die allesamt vielschichtig bleiben und sich nie in reiner Plotfunktionalität erschöpfen.

Das auf den autobiografischen Erfahrungen von Melissa Goddard basierende Drehbuch von Andy Ruben (Sheas damaligem Ehemann) dreht sich um das Teeniemädchen Sylvie Cooper (Sara Gilbert), eine intellektuelle Künstlerseele, die sich in ihrem eigenen Leben als Fremde fühlt: Ihr Vater (Tom Skerritt) nervt sie in seiner Rolle als konservativer TV-Provokateur, die Mutter (Cheryl Ladd) liegt mit einer schweren Lungenkrankheit im Sterben. Das riesige, palastartige Familienanwesen empfindet Sylvie als Gefängnis, in dem man „nie jemanden findet, wenn man ihn sucht“. Die neue Mitschülerin (Drew Barrymore), die sie aufgrund ihres Klebetattoos Ivy tauft (man erfährt nie ihren echten Namen), fasziniert sie sofort, weil sie gleichzeitig ganz anders ist und ihr dabei doch so ähnlich: Aus einfachen, aber ebenso zerrütteten Verhältnissen kommend, verkörpert Ivy Selbstsicherheit und Ungebundenheit, Exotik, Mut und einen gewissen aufreizenden Glamour. Die beiden freunden sich an und nachdem Ivy auch die Sympathie und das Vertrauen der argwöhnischen Eltern gewonnen hat, zieht sie kurzerhand bei Sylvie ein. Doch damit beginnen die Probleme, von denen die sich anbahnende Affäre mit dem Vater noch nicht das größte ist.

Was als erstes auffällt, sind die ungewöhnlichen feinen Dialoge, die das Drehbuch speziell seinen jugendlichen Protagonistinnen in den Mund legt: Selten dürfen sich Jugendliche in Filmen so tiefsinnig, aber gleichzeitig authentisch und mit solch sauber entwickelter Individualität über ihre Befindlichkeiten äußern. Sowohl Sylvie als auch Ivy stehen so binnen weniger Sekunden als glaubwürdige, vollwertige und lebendige Charaktere vor dem Betrachter. Ich war schon mit dem Einstiegsmonolog Sylvies gefangen, mit dem sie Ivy beschreibt, während sie ihr beim Schaukeln auf einer halsbrecherisch über einer Schlucht an einem Baum befestigten Schaukel zuschaut. Ivy bleibt im Folgenden Projektionsfläche erst für Sylvie, dann für ihren Vater, ein mit beiden Füßen in der Realität stehendes Fantasiegeschöpf, und macht im weiteren Verlauf des Films eine Wandlung vom Grungemädel zur eleganten Noir-Schönheit durch. Man könnte auch sagen, dass Ivy ihre Authentizität immer mehr verliert, immer mehr zum Objekt gerät, je mehr sie von ihren Betrachtern „aufgeladen“ wird. Dahinter steckt auch eine Fabel über das Spannungsverhältnis zwischen Ober- und Unterklasse und den fetischisierenden Impuls des Kapitalismus: Während sich Ivy logischerweise vom Reichtum angezogen fühlt, der Sylvie umgibt, sehnt diese sich nach der Unverfälschtheit, für die die aus einfachen Verhältnissen stammende Ivy steht. (Sylvie behauptet am Anfang einmal, sie sei die Tochter eines Schwarzen, um sich vor Ivy interessant zu machen.) Wenn Ivy am Ende für ihre Vergehen bestraft wird, ist das mithin kein Triumph über das Böse, vielmehr werden Erinnerungen an den Barbarismus der bürgerlichen Selbstjustizler aus LAST HOUSE ON THE LEFT geweckt. Es gibt keine Durchlässigkeit nach oben. Die Unterprivilegierten dürfen nur solange mitspielen, wie sie keine Ansprüche anmelden: Dann schmückt man sich gern mit ihrer unverfälschten, erhlichen Authentizität. Doch wehe, sie kommen einem zu nahe …

 

Katt Shea drehte STRIPPED TO KILL 2 back to back mit dem Vampirfilm DANCE OF THE DAMNED in denselben Settings und mit derselben Hauptdarstellerin: ein charakteristischer Coup für den Unternehmergeist von Produzent Roger Corman, der genau wusste, wie man wirtschaftlich produziert und die Rendite maximiert. Der Vorgänger STRIPPED TO KILL dürfte schon über seinen Titel eine sichere Bank gewesen sein, sodass ein Sequel obligatorisch war. Neben Regisseurin Katt Shea war auch wieder ihr Ehemann Andy Ruben als Drehbuchautor an Bord, dem aber leider nicht gelang, dem ersten Teil noch einmal einen draufzusetzen. Das Stripteaselokal-Setting ist hier im Unterschied zu diesem relativ austauschbarer Schauplatz für eine Mordgeschichte, die mit ihrem ausgebrannten Cop und der mysteriösen Femme fatale deutlich vom Film Noir inspiriert ist.

Shady (Maria Ford) ist der Neuzugang im Stripclub Paragon, der sein männliches Publikum mit beinahe avantgardistischen Darbietungen lockt, und leidet unter schlimmen Albträumen, in denen sie von einem maskierten Mörder mit Rasierklinge im Mund geküsst wird. Nicht nur, dass sie stets mit blutiger Lippe aufwacht, die Morde, von denen sie träumt, haben sich in der Zwischenzeit in echt ereignet – an ihren Kolleginnen. Nicht verwunderlich, dass die Ärmste selbst glaubt, die Schuldige zu sein. Der ermittelnde Cop Decker (Eb Lottimer) hingegen ist von ihrer Unschuld überzeugt und verliebt sich in die zerbrechliche Schönheit.

Die Story dürfte bei Vielsehern das ein oder andere Déjà-vu auslösen und entfaltet sich dann auch ohne große Überraschungen so, wie man es vorausgesehen hat. Kein Vergleich zum tollen Vorgänger, der zwar auch nicht das Rad neu erfand, aber doch aus frischer Perspektive auf das gut abgehangene Serienmörderszenario blickte. Auch die Besetzung ist eine Nummer schwächer und läuft jeglichem emanzipatorischen Potenzial entgegen: Maria Fords Shady ist das hilflose Kätzchen, blickt von Anfang an verstört in die Kamera wie ein Rehlein ins Scheinwerferlicht und nervt damit bereits nach kurzer Zeit. Eb Lottimer spielt tapfer dagegen an, kann aber auch nicht wirklich etwas retten. Selbst die Zickereien der Stripperinnen muten flacher an als im ersten Teil. So schleppt sich STRIPPED TO KILL 2 über die Runden bis zu seinem austauschbaren Finale. Reine Zeitverschwendung also?

Nicht ganz, denn dank Kamera-As Phedon Papamichael gerät Sheas Neo-Noir immerhin zum visuellen Augenschmaus: Das beginnt bei den schon erwähnten Tanzszenen im expressiven Bühnenbild und setzt sich in der betont artifiziellen Ausleuchtung in grellen Neonfarben fort. Ich weiß nicht, ob sich Katt Shea von italienischen Giallos inspirieren ließ, aber die Parallelen sind eigentlich zu gravierend, um hier lediglich Zufall zu vermuten. Mehr als einmal musste ich explizit an Michele Soavis AQUARIUS denken, der eine ganz ähnliche Atmosphäre evoziert, sich genauso „künstlich“ anfühlt. Auch in STRIPPED TO KILL 2 gewinnt man den Eindruck, als agierten seine Charaktere auf einer Bühne vor Publikum, ohne es jedoch zu wissen. Ihr ganzes Leben ist ein Stück, in dem sie eine Rolle einnehmen und jeder Schritt, den sie tun – aus vermeintlich eigenen Stücken – ist vorherbestimmt. So federt Shea die Schwächen ihres Drehbuchs wieder ab und kann am Ende einen Film vorweisen, der immerhin eine interessante formale Fingerübung ist.

„A maniac is killing strippers.“ – Man sollte meinen, dass es nicht viel mehr als dieser Worte bedurfte, um Roger Corman für STRIPPED TO KILL einzunehmen, doch tatsächlich soll Katt Shea über ein Jahr gebraucht haben, um den „King of the Bs“ von ihrer Idee zu überzeugen. Sie war der Filmemacherin angeblich gekommen, als ihr Ehemann Andy Ruben, der dann auch das Drehbuch mit ihr zusammen verfasste, sie nach einer verlorenen Wette mit in einen Stripclub nahm, wo ihr klar wurde, dass der Striptease-Tanz für die professionellen Damen eine legitime künstlerische Ausdrucksform darstellte. Sie besetzte ihren Film dann auch mit echten Tänzerinnen, drehte in einem echten Stripclub und zwang die lüsternen männlichen Videotheken- oder Grindhousegänger, die für einen vermeintlichen Sexfim zahlten, sich mit einer Polizistin zu identifizieren sowie sich mit der weiblichen Sichtweise aufs Animiergeschäft und die eigene Rolle in der Verwertungskette auseinanderzusetzen. STRIPPED TO KILL liegt damit ganz auf der Linie von Corman-Produktionen wie CAGED HEAT oder THE STUDENT NURSES (den mit Stephanie Rothman ebenfalls eine Frau inszenierte), die potente gegenkulturelle Gesellschaftskritik im Adamskostüm der Triebbefriedigung verabreichten.

Der Film handelt von der Kriminalbeamtin Detektive Cody Sheehan (Kay Lenz), die gemeinsam mit ihrem Partner Heinemann (Greg Evigan) im Mordfall an einer Stripperin ermittelt. Der Partner schlägt ihr vor, sich selbst als Tänzerin auszugeben, um tiefer ins Milieu eintauchen zu können, das Vertrauen der Kolleginnen der Toten zu gewinnen, Kontakt zu den Kunden und damit vielleicht dem Täter zu bekommen. Cody willigt ein, tut sich zunächst schwer, geht dann aber auf in ihrem neuen Leben. Als ihr die Vorgesetzten und der Partner empfehlen, ihre Geheimidentität zum Selbstschutz aufzugeben, weigert sie sich, denn sie ist schon zu weit gegangen.

Die Zusammenfassung liest sich nicht nur wie eine weibliche Paraphrase auf William Friedkins CRUISING, der skandalumwitterte Copfilm dürfte eine der wichtigsten Inspirationsquellen für Katt Shea gewesen sein. Dennoch geht die Regisseurin (die zu Beginn der Neunzigerjahre u. a. mit einer Retrospektive im New Yorker MoMa geehrt wurde) eigene Wege. Zunächst einmal sind die dem Zeitgeist entsprechende Ausstattung und visuelle Gestaltung zu nennen. STRIPPED TO KILL suhlt sich nicht, wie Friedkin, im Dreck und in der Düsternis, vielmehr etabliert Shea zusammen mit ihrem DoP John LeBlanc einen hochstilisierten Neonlook und betont damit den traumhaften Charakter der Welt, die Cody betritt. Passend dazu arten auch ihre Striptänze im Verlauf des Films zu regelrechten Theaterperformances aus, die nicht mehr viel mit dem banalen „Stangentanz“ zu tun haben. Auf der Bühne kann sie alle ihre Gefühle und natürlich ihre Weiblichkeit zeigen und was ihr „draußen“ als Schwäche ausgelegt wird, wird hier zur Stärke. Kay Lenz ist keine Oscar-Preisträgerin, aber ihre Darbietung ist trotzdem wunderbar: Besonders gut hat mir ihre missglückte Premiere gefallen. Beim Amateur-Wttbewerb, der ihr die Anstellung bringt, tanzt sie zuerst schüchtern, unbeholfen und unsexy. Dann gelingt es ihr nicht, den Reißverschluss ihres Kleides zu öffnen. Nach einigem Zögern gibt sie sich einen Ruck und reißt sich das Kleid kurzerhand vom Leib, womit sie die Menge zum Johlen bringt. Als sie sich schließlich ihres BHs entledigt sieht man kurz die Freude über ihr Gesicht zucken: Sie genießt die Freiheit und die Reaktionen des Publikums, bevor wieder die konditionierte Scham einsetzt und sie sich erschrocken bedeckt und von der Bühne eilt. Lenz interpretiert ihre Polizistin als sensibel und verletztlich, Eigenschaften, die sie durch den Tanz nicht ablegt, sondern vielmehr als integralen Teil ihrer Persönlichkeit zu akzeptieren beginnt.

Demgegenüber steht ihr Partner Heineman für die leibgewonnenen Touch-Guy-Klischees des Actionkinos jeder Tage: Er gibt sich bei seiner Arbeit bevorzugt als Rocker aus, trägt seinen Viertagebart mit Nackenspoiler, hat zwei coole Ohrringe im Ohr und kleidet sich bevorzugt in wallende, wadenlange Mäntel, fingerlose Handschuhe mit Nietenarmbändern und Muskelshirts. Eine Art Running Gag des Films besteht darin, dass er seine Partnerin mit einem falschen Messer attackiert und sie darüber aufklärt, dass sie auf die Augen des Angreifers zu achten habe: Wissen, dass ihr in der finalen Konfrontation mit dem Mörder natürlich entscheidend zugute kommt. Wie es sich für einen solchen Film gehört, entwickelt Heineman einen Crash für Cody und während er sich betont cool gibt, leidet er in doppelter Hinsicht unter ihrem neuen Engagement. Zum einen, weil es ihn antörnt, sie nackt zu sehen, zum anderen aus Eifersucht. Er ist noch ganz in der Rolle des Beschützers gefangen, kann nicht akzeptieren, dass sie ihre eigenen Entscheidungen trifft. Im Finale wird er entsprechend schnell ausgeschaltet – leider greifen dann aber doch die üblichen Inszenierungsklischees und er muss in letzter Sekunde Auferstehung feiern, um sie doch noch zu retten. Trotzdem spürt man meines Erachtens, dass hier eine Frau am Werk war: Katt Shea bewegt sich zwar immer im Rahmen des Exploitationkinos, dessen Mechanismen sie nicht aushebeln kann und wahrscheinlich auch nicht will, aber sie bringt eine gewisse Weichheit mit ins Spiel. Das Miteinander der Tänzerinnen ist glaubwürdig und bei ihren Auftritten hat man nur selten das Gefühl, dass hier ausschließlich der male gaze bedient wird. Stattdessen stehen die Performances als Ganzes und ihre transformierende Wirkung für die Tänzerinnen im Mittelpunkt. STRIPPED TO KILL ist ein toller kleiner Thriller, der seinerzeit in der Flut ähnlich gelagerter Videopremieren unterging und hinter dem ich immer nur preiswert-austauschbaren Softerotik-Schund vermutet habe. Wie sehr man sich täuschen kann. In der BluRay-Edition des Films erstrahlt dieses Kleinod in seiner ganzen verlockenden Pracht.

 

 

Ich muss das vorab ganz deutlich sagen: THE EXTERMINATOR ist ein faszinierender, wunderbarer Film.

Ich weiß nicht, wie oft ich ihn mittlerweile gesehen habe. In meinem Kopf erscheint er mir als „abgeschlossen“: Ich weiß, worum es geht, ich glaube zu wissen, was Glickenhaus sagen wollte, kenne seinen Plotverlauf und kann mich an seine wesentlichen Set Pieces erinnern. Aber dann ist er doch immer wieder anders, als ich ihn in Erinnerung hatte.

Wenn wir über Rache- und Selbstjustizfilme sprechen, sind die Rahmenbedingungen klar. Die meisten verfahren nach einer etablierten Strategie: Als Betrachter wird man dazu gebracht, sich emotional mit dem Protagonisten zu identifizieren, der in der Regel nahestehende Angehörige durch ein meist feiges, sinnloses Verbrechen verliert. Manchmal trägt er schwere Verletzungen davon, in anderen Fällen bleibt er selbst verschont, was dann auch noch zu belastenden Schuldgefühlen führt. Selbstjustizfilme beobachten nun zunächst den inneren Kampf, den der „Held“ auszutragen hat: Als zivilisierter Mensch erkennt er die Notwendigkeit von Gesetzen an, es bedarf also einer gewissen Überwindung, bevor er zur Waffe und zum Mittel der Selbstjustiz greift. Wir leiden mit ihm während dieses Kampfes, denn das emotionale Bedürfnis, Rache zu üben, ist nachvollziehbar. Der Selbstjustizfilm schlägt dann irgendwann um: Er macht mehr oder weniger klar, dass Rache kein adäquates Mittel zur Trauer- und Traumabewältigung und schon gar nicht zur Wiederherstellung von Gerechtigkeit ist. In DEATH WISH, dem vielleicht nominell berühmtesten dieser Filme, ermordet der Architekt Paul Kersey nach einem Überfall auf seine Frau und seine Tochter ganze Dutzendschaften New Yorker „Punks“ bei seinen nächtlichen Rundgängen, findet daran nach anfänglichen Schwierigkeiten – nach dem ersten Mord übergibt er sich zu Hause – eine fast diabolische Freude: Nur die wirklichen Täter, die erwischt er nicht. Sie kommen gar nicht mehr vor im Film.

Man kann nicht sagen, dass John Eastland (Robert Ginty), der titelgebende Exterminator, die „Falschen“ umbringt: Auf seine Rechnung gehen neben diversen Gangmitgliedern ein führender Kopf des organisierten Verbrechens, ein sadistisch veranlagter Politiker, der in einem schmierigen Etablissement Strichjungen und Prostituierte quält, sowie der Betreiber dieses Ladens. Auslöser für seine Mordtour ist der Überfall der „Ghetto Ghouls“ auf seinen besten Freund Michael (Steve James), mit dem er zusammen in Vietnam war, aber eine große Krise löst dieser Überfall nicht aus. Es gibt auch keine Fallhöhe wie beim anzutragenden Architekten Kersey, denn Eastland hat bereits Erfahrungen mit brutaler Gewalt, Folter und Mord. Der Auftakt des Films, eine Vietnam-Rückblende, ist die mit Abstand brutalste Szene des ganzen Films, was der eine als Etikettenschwindel, der andere als ziemlich cleveren Schachzug betrachten mag. Abgesehen davon erfährt der Zuschauer wenig über Eastland, die Figur bleibt eine Chiffre. Nach außen hin wirkt er kontrolliert, aber nicht unsympathisch, wie er sich um die Hinterbliebene Familie von Michael kümmert (interessanterweise weiß er über dessen Gesundheitszustand immer vor der Gattin Bescheid). Er ist kein brutaler Rohling wie Travis Bickle aus Scorseses TAXI DRIVER – er liest zu Hause Jean-Paul Sartres „Der Gefangene von Altona“ – und sein Rachefeldzug bereitet ihm auch keine Freude. Man sucht vergeblich nach irgendeinem Anflug von Emotion in seinem Gesicht.

Wahrscheinlich ist diese Leere im Zentrum von THE EXTERMINATOR auch der Grund dafür, dass Glickenhaus den Kriminalbeamten James Dalton (Christopher George) neben Eastland zur eigentlichen Identifikationsfigur macht. Die Figur ist eine Parallele zu Vincent Gardenias Lieutenant Frank Ochoa aus Winners DEATH WISH, aber während der Cop dort zum enabler des Vigilanten mutiert, begegnen sich Dalton und Eastland in THE EXTERMINATOR erst ganz zum Schluss. Am Ende gibt Dalton, selbst durch eine Kugel von gedungenen Killern getroffen, die eigentlich auf Eastland angesetzt waren, dem Selbstjustizler Rückendeckung. Ob er aber wirklich mit dessen Ideen von Gerechtigkeit konform geht? Viel eher steht Dalton in der Interpretation von George, ein Schauspieler, der sein sonniges Gemüt und seinen grundsätzlichen Optimismus auch inmitten des totalen existenzialistischen Chaos wie Fulcis PAURA NELLA CITTÁ DEI MORTI VIVENTI nicht verliert, für eine Philosophie der Versöhnung und Empathie. Während andere Cops durch die ständige Konfrontation mit Verbrechen, Hass und Niedertracht abstumpfen und den Glauben an die Menschheit verlieren, hält er umso entschlossener an ihm fest. Man beachte, wie er eine einfache Freude wie die Zubereitung eines Hot Dog mithilfe eines selbstgebauten Wursterhitzers am Schreibtisch zelebriert! Wie zärtlich und liebevoll die Romanze mit der Ärztin Megan Stewart (Samantha Eggar) verläuft. Sie hat inhaltlich keinerlei Funktion für den Film, dient lediglich als emotionaler Fels in der Brandung, weil Glickenhaus seinem Exterminator nicht das Ruder überlassen will.

Und so reißt er auch den Zuschauer immer wieder aus dem Flow, den andere Regisseure von Selbstjustizfilmen aufbauen, um sie in ihre Falle zu locken. THE EXTERMINATOR ist enorm sperrig, arhythmisch und unvorhersehbar – und lässt nie einen Zweifel daran lässt, dass Eastland auf dem Holzweg ist. Man versteht sehr schnell, dass das Schicksal seines Freundes nur der Katalysator für ein tieferliegendes Problem ist, dass es ihm nicht um die Wiederherstellung von Recht und Ordnung geht. Hinter seinem Rachefeldzug steckt zum einen einen seine soziale Lage – er weiß nicht, was er mit seiner Zeit anfangen soll, ist nach dem Krieg nicht mehr in der Lage, einem erfüllenden Job nachzugehen (er arbeitet in einer Fleischfabrik) – und das daraus resultierende Gefühl, verraten worden zu sein, zum anderen natürlich seine derangierte Psyche. Er hat den Krieg mit nach Hause genommen. Das macht Glickenhaus gleich zu Beginn deutlich, wenn von Vietnam auf die Hochhäuser Manhattans geschnitten wird, der Armeehubschrauber seinen Flug über der Metropole fortzusetzen scheint. Man hat Mitleid mit ihm und den anderen armen Seelen, die ziellos durch die 42nd Street wandern, aber man möchte nicht unbedingt etwas mit ihm zu tun haben. Ich habe immer aufgeatmet, wenn sich THE EXTERMINATOR wieder Dalton und seiner Eroberung zuwendete und zeigte, dass es möglich ist, in diesem Moloch zu leben. Verschließt Dalton die Augen vor der Realität? Nein, das würde ich nicht sagen. Aber er hat akzeptiert, dass er nicht alle Missstände allein beheben kann. Schon gar nicht würde er sich anmaßen, über Leben und Tod anderer Menschen zu richten. Es steckt nichts Resignatives darin, keine Bitterkeit. Jedenfalls nicht für mich.

Wer noch einmal den mittlerweile zwölf Jahre alten Text lesen möchte, den der Außenseiter und ich damals im Rahmen unseres Himmelnde-Blogs geschrieben haben: Hier ist er.

Fred (Dominic Hogan) und Janet (Gay Rowan) sind seit acht Jahren verheiratet, aber die Beziehung liegt in den letzten Zügen. Bei einem Ausflug kommt es erneut zum Streit, denn wieder einmal versucht er, sie dazu zu bringen, seine fragwürdigen Geschäftsideen zu finanzieren, für die er selbst kein Geld hat. Der Unfall, in den die beiden verwickelt werden, bedeutet dann die Lösung all seiner Probleme: Er lässt seine schwer verletzte Gattin im Autowrack zurück, deren Vermögen nach ihrem Tod ihm gehört. Doch dann kommt er arglose Al (Dan Hennessey) des Weges und versucht die Frau zu retten. Was er nicht weiß: Fred liegt im Busch auf der Lauer und muss nun einen Weg finden, dem Fremden den Tod Janets in die Schuhe zu schieben …

Der Kanadier Brian Damude drehte SUDDEN FURY – der in Deutschland den Deppentitel DIRTY FRED – DER SCHOCK-KILLER aufgedrückt bekam – mit dem lächerlichen Budget von 115.000 kanadischen Dollars und Laiendarstellern – und schuf einen perfekten kleinen Hochspannungsthriller. SUDDEN FURY bietet mit seinen glasklaren Motivationen und dem bis aufs nackte Skelett heruntergekochten Plotgerüst Affektkino vom Feinsten: Als Zuschauer fühlt man sich bisweilen wie ein Kind im Kasperletheater, das den Helden vor dem Krokodil warnen möchte. Fred ist wirklich ein hassenswertes Arschloch, ohne dabei gleich zum comichaften Oberschurken stilisiert zu werden, Al ist der Hitchcock’sche Held, der immer ein bisschen weniger weiß als alle anderen.

Das Rezept wird von Damude opimal umgesetzt: Voll konzentriert und ohne Schnickschnack, aber mit jener technischen Präzision, die beim Thriller nun einmal den Unterschied macht, zieht er hier sein Ding durch und verliert im Verlauf der knapp 90 Minuten nicht einmal den Überblick. SUDDEN FURY ist finster, bitterböse, sackspannend und mit einem Ende ausgestattet, dass nachhallt, ohne dass dafür die Twistkiste geplündert werden musste. Sein Film ist auch deshalb so gut, weil er immer glaubwürdig bleibt: Das alles könnte sich genau so zutragen. Das kleine Juwel wurde vor einiger Zeit von den Filmarchäologen von Vinegar Syndrome ausfindig gemacht: Nach seinem Kinostart war der Film nur selten gezeigt und dann weitestgehend vergessen worden. Hierzulande feierte er seine Premiere 1985, als er unter oben genanntem Titel direkt auf Video erschien. Jetzt darf man ihn sich in HD-Qualität in den Schrank stellen. Wer kleine Thriller ohne Bullshit genauso mag wie ich und etwa Robert Fuests AND SOON THE DARKNESS zu seinen Geheimfavoriten zählt, muss hier zugreifen.

Frank Sinatra ist der Privatdetektiv und Glücksspieler Tony Rome, Held der Romane des Hardboiled-Autoren Marvin H. Albert. Wenn Rome nicht mit seiner kleinen Motoryacht herumschippert und Gin Martini schlürft, wartet er in seinem tristen Büro auf Arbeit oder verspielt sein karges Honorar. Eines Tages erhält er einen Anruf seines ehemaligen Partners Ralph (Robert J. Wilke), der ihn um einen Gefallen bittet: In seinem Hotel ist die junge Diana Pines (Sue Lyon) versumpft und weil er keinen Ärger mit der Sittenpolizei haben will, soll Rome das Mädchen unbemerkt nach Hause zum reichen Unternehmerpapa Rudy Kosterman (Simon Oakland) bringen. Gesagt, getan. Die Probleme fangen an, als Diana erneut bei Rome auftaucht, um nach einer verlorenen Diamantbrosche zu fragen. Wenig später wird Rome an Bord seines Schiffes von zwei Schlägern überfallen …

Ich habe vor kurzem die Sinatra-Bio „The Life“ gelesen und es fiel mir beim Betrachten des Films schwer, sie auszublenden. TONY ROME ist – wie sollte es anders sein – ein Vehikel für seinen Star, der 1967 bereits etliche Comebacks und Karrierezyklen hinter sich hatte und längst eine lebende Legende war. Seine einstige Freundschaft mit Humphrey Bogart, der männlichen Ikone des Film Noir, des Genres, dem auch TONY ROME Tribut zollt, sowie sein natürlicher Machismo prädestinierten Sinatra für die Rolle des abgezockten Private Eye, der in dieser Zeit eine Kino-Renaissance erlebte. Aber Sinatra war auch eine ziemlich problematische Figur: tief verwoben ins organisierte Verbrechen, mit einem feinen Freundeskreis, dem mehrfache Mörder angehörten, einem Hang zu Gewaltausbrüchen und einer langen Geschichte von nur wenig kavalierhaftem Verhalten gegenüber den vielen, vielen Frauen, die er verführte – oder schlicht beanspruchte. Sein Tony Rome ist kaum als eigener Charakter zu bezeichnen, vielmehr entspricht er exakt der Persona, die auch Sinatra ab den Fünfzigerjahren verkörperte: den coolen hustler mit Stil und Sinn für das gute Leben, immer auf dem Sprung und natürlich mit jeder Menge Schneid bei den dames, die er aber nicht halten kann, weil er einfach nicht der Typ für das häusliche Leben ist. Diese Rolle passt Sinatra zugegebenermaßen perfekt wie ein Handschuh, aber wenn man die weniger ruhmreichen Anekdoten seines ereignisreichen Lebens kennt, bekommt die perfekte Fassade doch deutliche Risse.

TONY ROME leidet nicht über Gebühr darunter, auch wenn er ohne seinen Star nur die Hälfte wert wäre. Douglas inszeniert zweckdienlich-professionell und ohne große Inspiration. Sein Film ist weder übermäßig spannend noch besonders spektakulär, die Handlung – typisch fürs Genre – labyrinthisch und schwer nachvollziehbar, aber am Ende ist man dann erstaunt, wie banal das alles eigentlich ist. Bemerkenswert – und da sind wir dann wieder bei Sinatra – ist lediglich der Style: Während die klassischen Noirs alle in einer quasi-apokalyptischen Schattenwelt angesiedelt sind, wird hier jeder Millimeter Prunk und Luxus von der gleißenden Sonnen Floridas beschienen. Rome kann noch so oft beteuern, dass er pleite sei: Er führt ein Jet-Set-Leben wie eigentlich alle, denen er im Zuge seiner Ermittlungen begegnet. Selbst die Drogenabhängige sieht aus wie aus dem Ei gepellt. Das Hotel Fontainebleu, wo Teile des Films spielen, wurde auch deshalb als Drehort gewählt, damit Frankie-Boy es nach seinen Drehtagen nicht so weit zur seinem Zweitjob hatte. Er sang dort nämlich Abend für Abend. Ich vermute, der Wechsel von der einen zur anderen Bühne ist ihm nicht allzu schwer gefallen. Er konnte den ganzen Tag in character bleiben – und sogar die Drinks mitnehmen.