Mit ‘Ti West’ getaggte Beiträge

the sacrament (ti west, usa 2013)

Veröffentlicht: November 24, 2014 in Film
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Der für das Magazin „Vice“ tätige Journalist Patrick (Kentucker Audley) erhält von seiner Schwester Caroline (Amy Seimetz) einen rätselhaften Brief. Sie schreibt, dass sie sich einer Religionsgemeinschaft angeschlossen habe, und lädt ihn ein, sich ein Bild von ihrem neuen, paradiesischen Leben irgendwo in Mittel- oder Südamerika unter der Ägide eines mysteriösen „Vaters“ (Gene Jones) zu machen. Patrick nimmt seine beiden Kollegen mit, den werdenden Vater Sam (AJ Bowen) und den Kameramann Jake (Joe Swanberg). Gemeinsam hoffen sie auf eine interessante Story und vielleicht sogar ein Interview mit dem Sektenführer. Als sie vor Ort erst von Männern mit Maschinengewehren in Empfang genommen und dann mit Hilfegesuchen verzweifelter und keineswegs glücksseliger Jünger konfrontiert werden, bekommen sie es jedoch mit der Angst zu tun …

Auch wenn Ti Wests im weitesten Sinne dem Found-Footage-Subgenre zurechenbarer neuester Film nach geltenden Authentifizierungsregeln so tut, als schildere er ein reales aktuelles Ereignis, so bezieht er sich doch eindeutig auf das mittlerweile 36 Jahre zurückliegende „Jonestown-Massaker“. In dem von James Jones für die von ihm gegründete Sekte „Peoples Temple“  gegründeten Dorf im Norden Guyanas brachten sich am 18. November 1978 913 von mehr als 1.000 Mitgliedern, darunter auch 276 Kinder, durch die freiwillige Einnahme eines Gifttrankes selbst um. Dem Massensuizid waren mehrere Fluchtversuche von Gemeindemitgliedern vorausgegangen, die von dem autoritär und außerhalb jedes staatliche Zugriffs agierenden Jones jedoch vereitelt worden waren. Beim Besuch des US-amerikanischen Kongressabgeordneten Leo J. Ryan und einiger Journalisten, die sich von der Situation vor Ort ein Bild machen wollten, kam es zur Eskalation, bei der der Politiker und einige seine Begleiter umgebracht oder schwer verletzt wurden. Der von allen „Vater“ genannte Jones verordnete noch am selben Tag via Lautsprecher den Suizid als einzig möglichen Ausweg vor dem drohenden Übergriff durch Politik und Medien.

Ti West verlegt die Geschichte, die damals weltweit für Aufsehen sorgte (und noch im selben Jahr von Exploitation-Papst René Cardona jr. als GUYANA: CULT OF THE DAMNED sowie wenig später mit Powers Boothe als Jim Jones auch fürs Fernsehen verfilmt wurde), in die Gegenwart, lässt den US-Politiker weg und ändert Namen und konkrete Bezüge, hält sich sonst aber sehr eng an die damaligen Ereignisse (zumindest soweit ich das anhand des Wikipedia-Artikels nachvollziehen kann). Das Co-Sign vom politisch suspekten Vice Magazine mutet etwas seltsam an, spielt aber nach der kurzen Exposition, in der das Logo prominent im Bild zu sehen ist, glücklicherweise keine Rolle mehr. Ähnliches gilt für die Konzeption von THE SACRAMENT als Found-Footage-Film, die zunächst ein instinktives Gähnen hervorruft: Doch der Ansatz macht hier ausnahmesweise wirklich einmal Sinn, zumal Ti West ihn weitaus weniger stark in den Fokus rückt, als das anderswo der Fall ist. Über weite Strecken entfaltet sich THE SACRAMENT tatsächlich wie ein „normaler“ Spielfilm, der die Authentifizierungsstrategie eigentlich nicht benötigt, weil er sowieso in der Realität verortet ist. Die intradiegetische Kamera wird zur gewöhnlichen Requisite, die nur wenig Aufmerksamkeit auf sich zieht, sondern einfach da ist, weil es die spezielle Situation der Protagonisten nun einmal erfordert.  All die Gimmicks, die man mittlerweile mit dem Found-Footage-Film assoziiert – Schwarzblende wegen technischen Ausfalls, verwackelte, unscharfe, unkomponierte Bilder, die führerlose, auf dem Kopf liegende Kamera – sind auch hier da, aber eigentlich nur, um den Zuschauer immer mal wieder daran zu erinnern, dass er einen Found-Footage-Film schaut. Ti West interessiert sich jedenfalls auffallend wenig für diese Spielchen. Der wichtigste Unterschied zu Filme wie dem Urvater CANNIBAL HOLOCAUST oder aktuelleren Nachziehern wie THE BLAIR WITCH PROJECT, CLOVERFIELD oder PARANORMAL ACTIVITY ist jedoch der, dass THE SACRAMENT streng genommen gar kein Found-Footage-Film, sondern ein Delivered-Footage-Film ist. Der Unterschied mag gering erscheinen, zumal er erst ganz zum Schluss evident wird, aber er ist wesentlich.

Es verwundert mich nicht besonders, dass THE SACRAMENT von Publikum und Kritik eher verhalten aufgenommen worden ist. Lobeshymnen hat Ti West ja schon für seinen grandiosen HOUSE OF THE DEVIL nur von Menschen mit ausgesucht erlesenem Geschmack zu hören bekommen, dessen Reize aber selbst für solche armen Seelen, die den Film nur langweilig fanden, offenkundig waren. Mit THE SACRAMENT verhält sich das anders. Es gibt kein vollmundiges Versprechen, mit dem der Zuschauer gelockt würde, keine grellen Effekte, die seine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, keine spektakuläre, „nie dagewesene“ Prämisse. Der „Schurke“ ist ein älterer Herr, der durchaus etwas creepy daherkommt, aber sich keineswegs als Monster offenbart und von den drei Protagonisten überleben am Ende immerhin zwei. Trotzdem hat Ti Wests Film seine Wirkung bei mir nicht verfehlt: Sie hält stattdessen auch einen Tag nach erfolgter Sichtung noch unvermindert an. Da ist etwas in Ti Wests Darstellung der Vorgänge in der Sektenkolonie (die bei ihm „Eden Parish“ heißt), in seiner Zeichnung des „Vaters“ (und der grandiosen Darstellung Jones‘) und der allgegenwärtigen, aber doch nie ganz greifbaren, belasteten, unwirklichen Atmosphäre an diesem Ort, das mir eine dauerhafte, subkutane Gänsehaut beschert hat. Vielleicht gerade weil dem Film die sensationsheischende Übersteigerung fehlt. Am Ende gab es kurz diesen Moment, an dem ich dachte, dass West sich jetzt dazu versteigt, seinen „Vater“ einen langen Monolog halten und einen wie auch immer gearteten diabolischen „Plan“ erklären zu lassen, aber es kommt dann zum Glück doch nicht dazu. Das Mysterium bleibt bestehen, der Film ist nicht mehr, als das, was man sieht, sehe muss, aber nicht begreifen kann: Da bringen sich mehrere hundert Menschen ohne Not in blinder Bereitschaft um, einfach nur, weil sie den Worten dieses Mannes ungebrochenen Glauben schenken. Eines Mannes, der damit keineswegs irgendeinen teuflischen Eigennutz betreibt, der alles glaubt, was er da sagt und tut, sich konsequenterweise mit seinen Jüngern umbringt (wenn auch nach ihnen). Und diese Ungeheuerlichkeit, sie steht in Ti Wests Film einfach so da, ohne Antworten, ohne symbolhaftes Greifbarmachen, ohne, dass versucht würde, dieses im Wortsinne Unbegreifliche in irgendeine Beziehung zu unserer Welt zu bringen (obwohl man natürlich unweigerlich beginnt, Verbindungen und Vergleiche zu ziehen). Es ist einfach nicht zu verstehen, was mit diesen Menschen passiert ist, aber man muss sich trotzdem damit abfinden, dass ein solches Ereignis absolut im Bereich des Menschenmöglichen ist, dass es mit Hilfsvokabeln wie „Wahnsinn“ oder der Vermutung der Bösartigkeit nicht hinreichend erklärbar ist.

Ti West begnügt sich damit das Grauen zu protokollieren wie seine Protagonisten, deren Weltbild nachhaltig gestört wird. Der beste, wirkungsvollste Horror, ist meist der, der vordergründig banal erscheint, der dann aber unendlich tiefe Abgründe offenbart. Hunderte Tote, alt und jung, schwarz und weiß, die am Vorabend noch zu Gospelmusik gesungen und getanzt haben, jetzt liegen mit Schaum vorm Mund unter strahlend blauem Himmel, weil ihr Vater ihnen per Lautsprecherdurchsage den Freitod befohlen hat. Ein bessere Bild für die die Unerklärlichkeit des Seins kann ich mir kaum vorstellen.

Ti Wests THE HOUSE OF THE DEVIL gehört zu den zehn besten Horrorfilmen der vergangenen zehn, wenn nicht gar zwanzig Jahre. Mitten hinein in eine Welle mit abgegriffenen CGI-Schockeffekten zugekleisterter oder sich in fehlgeleiteter Ehrerbietung für vergangene Genregroßtaten ergehender Horrorfilme platzte sein Ultra-Low-Budget-Okkult-Schocker und entdeckte die ultradoomslowe Langsamkeit, die noch der beste Nährboden für prickelnde Gänsehaut und aufgerichtete Nackenhaare ist. Hier und nur hier zeigte sich, was die so oft gefeierten Exploiter der Siebzigerjahre wirklich auszeichnete: nicht grelle Charaktere und Gimmicks, sondern eben diese kriechende Langsamkeit, die die Nerven der Zuschauer so weit dehnt, bis sie tatsächlich zum Zerreißen gespannt sind – und jeder Schock einen echten Kollaps auslöst. Es gibt ein britisches Sprichwort, das besagt: „The chase is better than the catch.“ Auf THE HOUSE OF THE DEVIL übertragen bedeutet das: Das Warten ist spannender als die Entladung. THE INNKEEPERS, Ti Wests neuer Genrebeitrag zeigt zum einen, dass der Vorgänger keine Eintagsfliege war, der Regisseur das Spiel mit der Erwartung und dem endlosen Herauszögern vielleicht so gut beherrscht wie derzeit kein zweiter. Zum anderen wird aber auch deutlich, dass Ti West kein Interesse daran hat, sein Dasein als Retrofilmer und Dienstleister für Seventies-Aficionados zu fristen: THE INNKEEPERS vollzieht den Schritt zum großen, publikumsträchtigen Mainstreamkino, ohne sich dabei korrumpieren zu lassen. Vielleicht kann man ihn ein wenig mit THE FRIGHTENERS vergleichen, mit dem sich Jackson vor 15 Jahren als kommender Hitlieferant empfahl. So sehr ich die Rohheit von THE HOUSE OF THE DEVIL vermisst habe: Ti Wests neuer Film ist erstklassig.

Claire (Sara Paxton), eine asthmatische Mittzwanzigerin ohne echtes Ziel, und Luke (Pat Healy), ein hoffnungsloser Slacker mit Faible für Paranormales und eigener Website, teilen sich die Schichten an der Rezeption des altehrwürdigen „Yankee Pedlar Inn“, das in einer knappen Woche für immer die Pforten schließen wird. Der schleppende Betrieb im Haus – nur zwei Gäste haben sich dort eingemietet – lässt beiden viel Zeit für Dosenbier, lange Gespräche und die Suche nach dem hauseigenen Geist. Vor allem Claire nimmt die Forschungen immer ernster, will unbedingt Kontakt aufnehmen. Doch mit ihrem Enthusiasmus bringt sie sich in Lebensgefahr …

Mit Robert Wise‘ THE HAUNTING vollzog sich im Geisterfilm ein Wandel: Der Spuk stand danach immer im Verdacht, sich nur in den Köpfen der Betrachter abzuspielen. THE INNKEEPERS scheint zunächst den Weg so vieler Geisterfilme der letzten Jahre zu gehen: Mit Kamera, Mikro und Aufnahmegerät prüfen Claire und Luke das Haus auf Herz und Nieren und immer, wenn man eines ihrer Videos ansichtig wird, fühlt man sich wie in einem Found-Footage-Film. Doch die typischen shocks and scares, die man etwa aus PARANORMAL ACTIVITY kennt, stellen sich nicht ein. Während man den beiden sympathischen Verlierern bei der Arbeit zusieht, gerät fast ein wenig in Vergessenheit, dass THE INNKEEPERS doch ein Horrorfilm ist. Fast. Denn mit zunehmender Wartezeit steigt auch die Gewissheit, dass bald etwas passieren muss. Ti West führt den Zuschauer so mit schlafwandlerischer Sicherheit auf jenen schmalen Grat zwischen Erwartung und Furcht, den man auch Angstlust nennt.

Wenn ich oben den Vergleich zu THE HAUNTING zog, so hinkt der doch unübersehbar. Wo Wise sehr deutlich das Erkenntnisinteresse seiner psychisch labilen Charaktere ins Zentrum rückt und so verdeutlichte, dass der Spuk Produkt ihrer überspannten Fantasie ist, erzählt West seine Geschichte sehr straight und ohne sich offen für eine der beiden Möglichkeiten – echter Spuk oder Einbildung – zu entscheiden. Das ist eine kaum zu unterschätzende Willensleistung Wests, der nie dem Reiz der Effekthascherei verfällt, und dem es auch ohne Hokuspokus gelingt, die Spannung in ungeahnte Höhen zu treiben: etwa in der versuchten Geisterbeschwörung Claires, bei der sich Luke zusammen mit dem Zuschauer in ein bibberndes Nervenbündel verwandelt. THE INNKEEPERS hält seine Offenheit bis zum Schluss. Das macht ihn so stark, verleiht ihm nachhaltige Wirkung und große emotionale Durchschlagskraft. Die ganze Tragweite des Dramas, das sich in dem ausgedienten Hotel abspielt, eröffnet sich dem Zuschauer eigentlich erst, wenn der Film längst vorbei ist.

Auch wenn THE INNKEEPERS auf den ersten Blick etwas stromlinienförmiger erscheint als THE HOUSE OF THE DEVIL: Der Film ist ein kleiner Triumph. Wunderbar geschrieben, gut gespielt, mit untrüglichem Gespür für Timing inszeniert – ganz groß, wie West den einen obligatorischen romantischen Moment buchstäblich auflöst! – und dabei auf gänzlich unaufdringliche Art doppelbödig. Ti West ist der derzeit beste (neue) Regisseur im Horrorgenre.

drei rezensionen

Veröffentlicht: Februar 18, 2010 in Film
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Auf F.LM sind drei neue Rezensionen von mir zu finden:

THE HOUSE OF THE DEVIL
WASTING AWAY
CABIN FEVER: SPRING FEVER

Wer Splatting Image #80 besitzt, kennt die Texte aber schon. 🙂

the house of the devil (ti west, usa 2009)

Veröffentlicht: September 10, 2009 in Film
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HouseOfTheDevil_postera[1]Samantha (Jocelin Donahue) tritt bei dem merkwürdigen Ehepaar Ulman (Tom Noonan & Mary Woronov) eine Stelle als Babysitter an, doch statt eines Babys soll sie die kranke Mutter von Mr. Ulman hüten. Die Bezahlung stimmt und so stellt sich Samantha auf einen langweiligen Abend in dem dunklen Haus weit draußen vor der Stadt ein. Doch dann hört sie ein merkwürdiges Poltern …

Am letzten Tag des Festivals ist es dann doch passiert: Mit THE HOUSE OF THE DEVIL lief dieser eine Film, nach dem man das Kino vollkommen euphorisiert und begeistert verlässt, auf den man die ganze Woche gewartet und gehofft hat und dessen Kraft allein geeignet ist, das gesamte Festival nachträglich größer und besser erscheinen zu lassen, als es vielleicht objektiv gewesen ist. Bevor wir uns missverstehen: THE HOUSE OF THE DEVIL war nicht der beste Film – diese Ehre würde ich BRONSON zuteil werden lassen -, wohl aber der, der am unmittelbarsten gewirkt hat. Ti West ist das Kunststück gelungen einen Retro-Horrorfilm zu drehen, der nicht wie nerdige Heldenverehrung und also doch nur wie nachgemacht anmutet, sondern tatsächlich the real deal ist.  West orientiert sich in Look, Inszenierung und Thema an den grobkörnigen, ultradoomslowen US-Schockern der Siebzigerjahre und liefert also einen Film ab, der seine Spannung über die gesamte Laufzeit gleichmäßig kriechend aufbaut und wirklich erst zum Finale entlädt. Dabei legt er eine Kunstfertigkeit an den Tag, die ihn hier durchaus als neue Regiegröße des Horrrofilms etabliert: Er hat weder billige und abgegriffene Schocks nötig (es gibt noch nicht einmal die eigentlich obligatorische Katze im Wandschrank), noch unpassend wirkende Effekte, noch blöden auflockernden Humor, noch übertriebenen Kunstbluteinsatz. Ti West reichen der kluge Einsatz des unheimlichen Settings, die Leistung der Hauptdarstellerin, der schöne Score und eine suggestive Kameraarbeit, um mich über 90 Minuten Laufzeit, in denen eigentlich nichts passiert, meine Umwelt vollkommen vergessen zu lassen. Ich weiß nicht, wann mir das zum letzten Mal passiert ist.

Aber Vorsicht: THE HOUSE OF THE DEVIL ist ein acquired taste: Im Kino konnte man spüren, wie die Unruhe und Ungeduld des Publikums minütlich anwuchsen, und wer seinen Horrorfilm laut, grell, blutig und in your face braucht, der wird Wests Werk vermutlich als stinklangweilig empfinden. Ich bin hingegen froh, mir das Talent, einen Film, der völlig am heutigen Publikum und dessen Sehgewohnheiten vorbeiinszeniert ist, genießen zu können, bewahrt zu haben. Für mich ist THE HOUSE OF THE DEVIL der Horrorfilm, auf den das Genre seit Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten gewartet hat. Einen Film, der sich wie dieser unaufhaltsam von hinten an einen heranschleicht, hat es wohl tatsächlich seit den Siebzigerjahren nicht mehr gegeben. Was aber eine noch viel größere Leistung ist: dass Ti West ein Genre, das eigentlich seit dem Splatter-Endpunkt BRAINDEAD vollkommen brachliegt und wirklich neue Impulse schmerzlich vermissen lässt, ausgerechnet mit einem auf alt getrimmten Oldschool-Schocker wiederbelebt und an sein einstmals verstörendes Potenzial erinnert.

Das aus Eli Roths CABIN FEVER bekannte verseuchte Trinkwasser landet an einer Kleinstadt-Highschool, die gerade in den letzten Vorbereitungen für die Prom Night steckt …

cabinfever2Nach Eli Roths heftig umstrittenen Vorgänger (den ich gar nicht so schlecht finde)  versucht sich nun Ti West an einem Ultra-Low-Budget-Sequel, das er dankenswerterweise gleich auf seine Essenz herunterbricht: Ekeleffekte und abjekten Humor. Nach dem lustigen Auftakteffekt erklärt eine charmante Cartoon-Creditsequenz nochmal, was es mit dem Wasser auf sich hat und erledigt die lästige Pflicht der Exposition im Vorbeigehen. Die Strategie, möglichst wenig Zeit zu verschwenden, zieht der Film konsequent bis zum Ende durch. Das hat zur Folge, dass etliche Handlungsstränge im Nichts enden, sich einfach auflösen oder schlicht vergessen werden und der Film so einen ähnlich nekrotischen Eindruck macht, wie seine zahlreichen Leichen. Keine ganz dumme Idee, zumal hier wohl niemand wirklich meisterliches Erzählkino erwartet hat. Ähnliches gilt für den Humor: Statt hintergründig-feinsinniger Bonmots gibt es Penisse, aus denen der Eiter quillt, 16-jährige Prostituierte, Dickensex und – in einer ausgesprochen unangenehmen Szene – eine Fehlgeburt. Das alles ist so radikal geschmacklos, dass selbst der Vorwurf des Nerdjerkings hoffnungslos daran abprallt. Kein guter Film, ganz bestimmt nicht, aber einer, der mir 80 kurzweilige und abseitige Minuten beschert hat und das Gros des unerträglichen Funsplatter-Genres hinter sich lässt.